Zum Ausschluss von Paulo Suess aus der Theologischen Fakulät von Sao Paulo 2002
Editorial des Querblicks 1 / 2002
Liebe Leserin, lieber Leser,
wer ist Paulo Suess? Und warum widmet die Redaktion des
querblick ihm eine komplette Ausgabe? Zwei Fragen, die nur scheinbar banal
und überflüssig scheinen: Die Auseinandersetzung mit Befreiungstheologie -
als einer deren originellsten Vertreter Paulo Suess sowohl in Lateinamerika
als auch im Dialog mit der deutschen Theologie gilt - ist seit längerer
Zeit ins Stocken geraten. Junge NachwuchstheologInnen und StudentInnen in
den Hochschulgemeinden können mit einer Theologie der Befreiung kaum etwas
anfangen. Von ihrer Relevanz für die Entwicklung einer eigenen
theologischen Praxis gerade hier in der BRD und einer bestimmten Art und
Weise, ChristIn zu sein gar nicht zu reden. Verleumdung und Ausgrenzung
ihrer VertreterInnen sind als kirchenpolitische Strategie aufgegangen,
gelenkt durch die römische Zentrale und sekundiert von den westlichen
Kirchen wie auch der röm.-kath. Kirche in Deutschland. Einzelne Ausnahmen
bestätigen leider nur den Trend der Unfähigkeit, ein eurozentristisches
kirchliches Paradigma zu überwinden. Paulo Suess´ Entlassung überrascht
daher nicht - und macht uns trotzdem wütend. Denn die Befreiungstheologie
ist eine der ursprünglichen Inspirationen für eine Initiative Kirche von
unten.
Sie finden in dieser Ausgabe 3 Texte: Paulo Suess beleuchtet in seinem Brief die Hintergründe seiner Entfernung von der Universität und bewertet die Situation auch für sich selbst. Die Stellungnahmen der Missionszentrale der Franziskaner in Bonn und der Katholischen Theologischen Fakultät der Universität Münster erklären die Bedeutung seines Rauswurfs für zwei kirchliche Einrichtungen in Deutschland, die mit der Befreiungstheologie eng verbunden sind.
Bernd Hans Göhrig
