zuletzt aktualisiert: 06.04.2007
Initiative Kirche von unten

Zum Ausschluss von Paulo Suess aus der Theologischen Fakulät von Sao Paulo 2002

Uni Münster, Erklärung zum Ausschluss von Paulo Suess aus der Theologischen Fakultät von Sao Paulo

Anfang des Jahres 2002 erreichte uns die Nachricht, dass unser Kollege Prof. Dr.Dr. h.c. Paulo Suess aus dem Kreis der Professoren der Theologischen Fakultät Nossa Senhora da Assuncao (Sao Paulo) ausgeschlossen wurde, in der er seit 1987 den Aufbaustudiengang Missionswissenschaft entwickelt und dieses Fach vertreten hatte. Der Ausschluss erfolgte im Zuge der Überleitung der ehemaligen Päpstlichen Theologischen Fakultät in das neue Universitätszentrum UniFAI und wurde mit administrativen Argumenten begründet, die ebenso dubios erscheinen wie die intransparenten Verfahren, durch die die faktische Eliminierung des Kollegen aus der Fakultät bewerkstelligt wurden.

Die Katholisch-Theologische Fakultät der Universität Münster protestiert gegen das entwürdigende Verfahren des Ausschlusses von Paulo Suess aus der dortigen Fakultät auch deshalb, weil er an der hiesigen Fakultät promoviert wurde und ihr bis heute durch regelmässige Kontakte und Engagements verbunden ist. Dass seine Briefe an den Herrn Claudio Kardinal Humes, Erzbischof der Diözese Sao Paulo, in denen er um nähere Informationen über die Hintergründe dieses Vorgehens bat, bis heute unbeantwortet blieben, empört uns. Diese Vorgänge drängen dem Betroffenen und Beobachtern die naheliegende Vermutung auf, dass die Entfernung von Paulo Suess aus der Theologischen Fakultät eine theologie- und kirchenpolitische Bedeutung hat, die weit mehr ist als eine Personalentscheidung. Der “Fall Paulo Suess” muss als ein deutliches Indiz für eine weitere ideologische Kampagne gegen die Theologie der Befreiung und ihre pastoralen Konkretionen gedeutet werden, die unser Kollege in hohem Maße verkörpert:

-          Paulo Suess gehört zu den bedeutendsten Vertretern der lateinamerikanischen Befreiungstheologie und hat ihr wichtige neue Impulse gegeben (Inkulturation, Option für die Anderen);

-          sein Name ist wie kein anderer mit der Sache der unterdrückten indigenen Kulturen und dem Engagement der brasilianischen Kirche für die Sache der Indios verknüpft: P. Suess war über viele Jahre Generalsekretär des Eingeborenen-Missionsrats der CNBB (CIMI) und ist bis heute Berater der brasilianischen Bischofskonferenz für die Frage der Indiginas;

-          P. Suess gilt als bedeutender Repräsentant einer befreiungstheologisch inspirierten Missionswissenschaft. Er ist Präsident der Internationalen (ökumenischen) Vereinigung von Missionswissenschaftler(innen) (IAMS), der das Proprium dieser theologischen Disziplin in ihrer Verwurzelung in den Basisbewegungen der Marginalisierten sieht.

Wir sind befremdet von diesem offenkundigen Affront gegen die Theologie der Befreiung, als der uns der “Fall Suess” erscheint. Immerhin war es Kardinals Paulo Evaristo Arns, Freund und Ehrendoktor unserer Fakultät, der die Berufung Paulo Suess´ an die Päpstliche Theologische Fakultät von Sao Paulo unterstützt hatte und der bis heute jene theologische Position verteidigt, für die Leonardo Boff, José Comblin, Paulo Suess und viele andere stehen. Dass der emeritierte Kardinal von Sao Paulo dem aktuellen Verfahren ohnmächtig zusehen muss, deuten wir als ein weiteres alarmierendes Zeichen für die Bedrohung der Theologie der Befreiung.