Zum Ausschluss von Paulo Suess aus der Theologischen Fakulät von Sao Paulo 2002
Uni Münster, Erklärung zum Ausschluss von Paulo Suess aus der Theologischen Fakultät von Sao Paulo
Anfang des Jahres 2002 erreichte uns die
Nachricht, dass unser Kollege Prof. Dr.Dr. h.c. Paulo Suess aus dem Kreis
der Professoren der Theologischen Fakultät Nossa Senhora da Assuncao (Sao
Paulo) ausgeschlossen wurde, in der er seit 1987 den Aufbaustudiengang
Missionswissenschaft entwickelt und dieses Fach vertreten hatte. Der
Ausschluss erfolgte im Zuge der Überleitung der ehemaligen Päpstlichen
Theologischen Fakultät in das neue Universitätszentrum UniFAI und wurde
mit administrativen Argumenten begründet, die ebenso dubios erscheinen wie
die intransparenten Verfahren, durch die die faktische Eliminierung des
Kollegen aus der Fakultät bewerkstelligt wurden.
Die Katholisch-Theologische Fakultät der
Universität Münster protestiert gegen das entwürdigende Verfahren des
Ausschlusses von Paulo Suess aus der dortigen Fakultät auch deshalb, weil
er an der hiesigen Fakultät promoviert wurde und ihr bis heute durch regelmässige
Kontakte und Engagements verbunden ist. Dass seine Briefe an den Herrn
Claudio Kardinal Humes, Erzbischof der Diözese Sao Paulo, in denen er um nähere
Informationen über die Hintergründe dieses Vorgehens bat, bis heute
unbeantwortet blieben, empört uns. Diese Vorgänge drängen dem Betroffenen
und Beobachtern die naheliegende Vermutung auf, dass die Entfernung von
Paulo Suess aus der Theologischen Fakultät eine theologie- und
kirchenpolitische Bedeutung hat, die weit mehr ist als eine
Personalentscheidung. Der “Fall Paulo Suess” muss als ein deutliches
Indiz für eine weitere ideologische Kampagne gegen die Theologie der
Befreiung und ihre pastoralen Konkretionen gedeutet werden, die unser
Kollege in hohem Maße verkörpert:
-
Paulo Suess gehört zu den bedeutendsten Vertretern der
lateinamerikanischen Befreiungstheologie und hat ihr wichtige neue Impulse
gegeben (Inkulturation, Option für die Anderen);
-
sein Name ist wie kein anderer mit der Sache der unterdrückten
indigenen Kulturen und dem Engagement der brasilianischen Kirche für die
Sache der Indios verknüpft: P. Suess war über viele Jahre Generalsekretär
des Eingeborenen-Missionsrats der CNBB (CIMI) und ist bis heute Berater der
brasilianischen Bischofskonferenz für die Frage der Indiginas;
-
P. Suess gilt als bedeutender Repräsentant einer
befreiungstheologisch inspirierten Missionswissenschaft. Er ist Präsident
der Internationalen (ökumenischen) Vereinigung von
Missionswissenschaftler(innen) (IAMS), der das Proprium dieser theologischen
Disziplin in ihrer Verwurzelung in den Basisbewegungen der Marginalisierten
sieht.
Wir sind befremdet von diesem offenkundigen
Affront gegen die Theologie der Befreiung, als der uns der “Fall Suess”
erscheint. Immerhin war es Kardinals Paulo Evaristo Arns, Freund und
Ehrendoktor unserer Fakultät, der die Berufung Paulo Suess´ an die Päpstliche
Theologische Fakultät von Sao Paulo unterstützt hatte und der bis heute
jene theologische Position verteidigt, für die Leonardo Boff, José Comblin,
Paulo Suess und viele andere stehen. Dass der emeritierte Kardinal von Sao
Paulo dem aktuellen Verfahren ohnmächtig zusehen muss, deuten wir als ein
weiteres alarmierendes Zeichen für die Bedrohung der Theologie der
Befreiung.
