zuletzt aktualisiert: 20.06.2007
Initiative Kirche von unten

KIRCHE GIB 8! - Texte zur Demonstration auf dem Kirchentag - Uwe-Karsten Plisch

  

"KIRCHE GIB 8!" 

Am 19. Mai 2007 sind in Afghanistan drei deutsche Soldaten gefallen. Sie sind nicht gestorben, wurden nicht einfach ermordet, sie sind gefallen. So lautet das deutsche Wort, wenn Soldaten im Krieg zu Tode kommen. Merkwürdigerweise wird der Begriff im offiziellen Sprachgebrauch ebenso vermieden wie im medialen Jargon, obwohl doch längst in Berlin Vorbereitungen für ein neues Kriegerdenkmal getroffen werden.

Der PDS-Bürgermeister der Stadt Prenzlau, aus der einer der Gefallenen stammt, drückte in einem Brief an die Angehörigen seine Erschütterung über die „feige Ermordung unserer Soldaten“ aus.

Man kann für einen Selbstmordattentäter viele Begriffe zu Recht verwenden: Er handelt hinterhältig, grausam, sinnlos und für uns nicht nachvollziehbar. Aber feige, feige ist er nicht.

Feige ist ein Mensch, der nicht bereit ist, für die Folgen seines Tuns einzustehen. Feige sind all jene Abgeordneten, die deutsche Soldaten zum Sterben und Töten in ferne Länder schicken und nicht bereit sind, ihren Fehler einzusehen und zu korrigieren. All die Strucks, die uns weismachen wollen, Deutschland werde auch am Hindukusch verteidigt. Wie dumm muss man sein, um das zu glauben, wie zynisch, dreist und verkommen, um diese Lüge auszusprechen?

So zornig und traurig es macht, wenn deutsche Soldaten im Ausland fallen, sie waren nicht meine Soldaten. Ich habe keine Armee und ich habe auch keine Ziele, die mit Waffengewalt durchgesetzt werden müssten. Ich zahle lieber fünf Euro für einen Liter Benzin oder fahre mit dem Fahrrad, als dass auch nur ein Mensch sterben müsste, damit ich Zugriff auf billige Ressourcen habe.

Und nicht zuletzt: Das Menschenleben eines Talibankämpfers ist exakt so viel wert wie das Leben eines deutschen Soldaten.

Für die Angehörigen der gefallenen deutschen Soldaten mag das schwer zu akzeptieren sein. Für uns muss es eine unaufgebbare zivilisatorische Einsicht bleiben – mit praktischen Konsequenzen. Dem Anderen Wert und Würde abzusprechen, ist immer der erste Schritt auf dem Weg, ihn zu töten.

Die Repräsentanten der G8-Staaten mögen in vielerlei Hinsicht uneins sein. Im Hinblick auf den Schutz des Weltklimas zelebrieren sie geradezu öffentlich ihre Uneinigkeit. Sie alle eint jedoch die Überzeugung, dass Krieg als Mittel zur Durchsetzung wirtschaftlicher und strategischer Interessen wieder ein legitimes Mittel ist. Der Tschetschenenschlächter Putin und der Welteroberer Bush markieren lediglich die Enden des Spektrums.

Wo ist das kritische Wort unserer großen Kirchen, das Krieg als Mittel der Politik verneint? Warum hat der EKD-Ratsvorsitzende in seiner Rede zum 50. Jahrestag des Militärseelsorgevertrages das Wort „Krieg“ nicht benutzt? Sollen nach den Soldaten, die sich im Angesicht des Todes im Felde taufen lassen, nun auch die besorgten Angehörigen der Gefallenen und Gefährdeten unsere Kirchen füllen? Not lehrt bekanntlich beten.

Darf man für Soldaten beten? Man muss! Aber Soldaten in den Krieg zu schicken und gleichzeitig für sie zu beten, ist Heuchelei.

Da wir hier in Köln sind, mache ich es wie der Papst. Ich schließe mit dem Wort eines Kirchenvaters. In der Kirchenordnung des Hippolyt von Rom aus dem 3. Jahrhundert heißt es: „Ist ein Soldat im Dienst der weltlichen Obrigkeit, so darf er keinen Menschen töten. Wenn es befohlen wird, soll er die Sache nicht ausführen und auch keinen Eid leisten. ... Wenn ein Taufbewerber oder Gläubiger Soldat werden will, dann weise man ihn zurück, denn er hat Gott verachtet.“

Uwe-Karsten Plisch ist theologischer Referent in der Bundesgeschäftsstelle der ESG und Sprecher der IKvu