Referat von Wolf Gunter Brügmann-Friedeborn
Die Ortsgemeinde im EKD-Impulspapier
Spannungsverhältnisse – Ortsgemeinde im Impulspapier – Gemeinde und Bildung – Gemeinde und Diakonie – Gemeinde und Leitung – Gemeinde und PfarrerInnen/PrädikantInnen – Schlussbemerkungen
Einleitung
Das Impulspapier stellt die Maxime „Geistliche
Profilierung statt undeutlicher Aktivität“ auf, für die
„Selbstorganisation“ ebenso wie für die „kirchlichen
Kernangebote“. Ich verstehe meine Ausführungen auch als Beitrag zur
Beförderung dessen, was Peter Glotz in seiner Autobiografie für die
SPD als wirkungsmächtigen „Spiritualtransfer“ bezeichnet. Mein
Beitrag dreht sich um Status und Qualität der Gemeinden im
Impulspapier, wozu für mich auch Status und Qualität der
Geistlichkeit, also Status und Qualität der PredigerInnen, ebenso der
PfarrerInnen wie PrädikantInnen, und ihr Verhältnis zueinander gehört.
Dieser Text ist ein Extrakt aus meinem Vortrag, in den ich zur
Veranschaulichung viele Erfahrungen aus der Gemeindearbeit eingeflochten
hatte.
Die
Spannungsverhältnisse
Spannungsverhältnisse scheint mir der angemessene Begriff, wie ich das Impulspapier zum Thema Ortsgemeinde lese und in Beziehung zu meinen Erfahrungen setze:
Bild der Gemeinde: Offenheit, Aufbruch versus Verharren in Selbstbezüglichkeit, Abschottung (Wagenburg, Insel).
Beheimatung: Interessanterweise ist mehr von „geistlicher Beheimatung“ und nicht so sehr von Beheimatung in einer örtlichen Gemeindegemeinschaft die Rede. Ich sehe hier ein Spannungsverhältnis zwischen „nahe bei den Menschen sein“ und der Annahme, dass diese ihre geistliche Verortung zunehmend von persönlichen Nahebezügen abstrahieren.
Selbstorganisation:
Es müsse deutlicher unterschieden werden zwischen Geschäftsführung
und geistlicher Aufsicht, heißt es im Papier. Dieses Spannungsverhältnis
prägt auch Gemeinden, besonders hinsichtlich der Aufgabe „geistliche
Gemeindeleitung“.
Diese
Spannungsfelder habe ich in Wittenberg mit Erfahrungsfacetten von Veränderungsarbeit
in der alltäglichen Lebenswirklichkeit beleuchtet. Weil dies aber nicht
repräsentativ sein konnte ‑ das wäre bei der mehrhundertfachen
Vielfalt von Gemeinden unmöglich und es gibt wie überall „soo´ne
und solche“ Gemeinden wie auch „soo´ne und solche“ VerkündigerInnen
– PfarrerInnen und PrädikantInnen
sind eben auch nur Menschen wie ich und du und Synodale auf allen Ebenen
allzumal - weil man also nicht alle Gemeinden über einen Leisten
schlagen kann, ganz abgesehen von den Unterschiedsgefällen auch
zwischen Stadt und Land und Ost und West, und die Facetten „von
unten“, die ich mündlich geschildert habe, nur exemplarisch zu
weiterer Diskussion anregen sollten, lasse ich sie hier weg.
Ortsgemeinde
im Impulspapier
Die Ortsgemeinde werde „weiterhin eine Grundform von Gemeinde bleiben, aber ihre Bedeutung wird sich zugunsten anderer Gemeindeformen relativieren“ (Seite 57). So lautet eine zentrale Aussage, die für das Ziel erwärmen soll, herausragende „Profilgemeinden“ und „Passantengemeinden“ ebenso wie „Internetgemeinden“ stärker mit Geld zu bedenken als - ja als wen? - wie würde es heißen : „normale“ oder „einfache“ – Ortsgemeinden?
Nicht beim Thema Kernangebote, sondern weit hinten,
beim 12. Leuchtfeuer, wo es auch um besondere Themenkirchen als Orte für
bundesweite Ausstrahlung geht (aktuell richtiger: ging), ist dieser
Bekenntnissatz zu finden:
Heimat im
Glauben entsteht zuvörderst in den Ortsgemeinden und zunehmend in
anderen Gemeindeformen. Hier wird der Glauben in Wort und Sakrament
erlebbar. Hier wachsen persönliche, insbesondere auch pastorale
Beziehungen. Diese Form der Beheimatung wird auch in Zukunft wichtig
bleiben. (98) Unausgeschrieben geht diese Aussage in einen
„Aber…“-Satz über, in dem dann im 12. Leuchtfeuer insbesondere
die „besonderen Kirchen“ für bundesweite Ausstrahlung begründet
wurden.
Weiter vorne finden sich eigentlich nur zwei sehr
kurze Würdigungen der Ortsgemeinden: Die
Lebendigkeit vieler Gemeinden in Stadt und Land bilden ein hohes Gut,
das durch die Rede vom notwendigen Aufbruch nicht geschmälert oder
missachtet werden soll.“(17). Und: Viele
Beispiele von überzeugend gelungenen Engagements bleiben ungenutzt
(27). Das kommt sehr lapidar, fast beiläufig daher. Nichts ist zu
lesen von einer Wertschätzung all dessen, was „trotz alledem und
immerdar“ in den Gemeinden geleistet wird. Nicht ist die Rede davon,
wie „die Kirche“ Gemeinden in all ihrer Breite unterstützen könnte
und sollte. Sondern davon ist die Rede, was - ehrenamtlich geführte und
gestaltete ‑ Gemeinden von sich aus und aus sich selbst heraus zu
tun haben. Der Eindruck kommt auf: „Die da oben“ sagen, was „Die
da unten“ wollen sollen.
Unter der Überschrift „Aufbruch“ heißt es zum
Beispiel: Dazu müssen Ortsgemeinden allerdings eine bewusste Wendung nach außen vollziehen,
ihre Arbeit missionarisch ausrichten und auf anspruchsvollem Niveau
gestalten. (55). Dazu gehört auch die Forderung nach „qualitativen und stilsicheren“ Gottesdiensten. (52)
Wer definiert, was erfolgreiche Wendung nach außen,
was Niveau ist? Wenn etwa jemandem das geistliche, das gottesdienstliche
Niveau – oder anders gesagt: die Kultur der Spiritualität - in seiner
Gemeinde zu gering ist, aber den meisten, die mitarbeiten und auch über
die Kerngemeinde hinaus dem Stadtteil zugewandt sind und so eine offene
und attraktive und aktive lebendige Gemeinde bilden, hinreicht - wer
wollte, dürfte da nach welchen Maßstäben richten? Gemeinden in einen
Profilwettbewerb zwingen mit Benchmarking in Bezug auf „best practice“
erinnert an Unternehmen, die Teilbereiche zu Profitcentern machen, die
gegeneinander um Ressourcen, Personal und Geld wetteifern müssen.
Wie auch verhält sich diese Maxime zu
innerkirchlichen Debatten um eher „niedrigschwellige“ Angebote? Was
wären die Maßstäbe für die Bewertung eines Gemeindeprofils, die
ausschlaggebend dafür sind, ob eine Gemeinde Geld dazu bekommt oder
nicht? Ist es die große Zahl der Gottesdienstbesucher oder der Besucher
von Konzerten? Gehört auch gute, aber nicht so massenwirksame Flüchtlingsarbeit,
ja auch Kirchenasyl dazu? Oder könnte es sein, dass eine solche Arbeit
negativ als abweichendes Verhalten geahndet werden könnte? Welche Rolle
spielt es, dass Gemeinde im Alltag weit mehr ist als die sonntägliche
Gottesdienstgemeinde? Wenn es aktive Kindergruppen, Jugendgruppen,
Familiengruppen, Seniorengruppen, Frauengruppen, ja auch Männergruppen
gibt, zu deren Treffen und Freizeiten, die auf ihre Weise auch alle der
Verkündigung der Botschaft Jesu Christi dienen, zusammen genommen weit
mehr kommen als Sonntags in den Gottesdienst?
Dass Gemeinde im echten Leben mehr ist als
Gottesdienstgemeinde, zeigt sich auch, wenn ich feststelle, dass sich
die Bedeutung und Anerkennung von Gemeinde subkutan durch viele Kapitel
des Impulspapiers zieht.
Gemeinde und
Bildung
Entscheidend
für die zukünftige Entwicklung der Kirche ist die
Frage, wie weit es ihr gelingt, den Glauben an die nächste Generation
zu vermitteln (23). So heißt es zum Thema Bildung. Orte der Bildung
sind auch die von Gemeinden getragenen evangelischen Kindertagesstätten.
Was anderes ist es denn als eine Wendung nach außen, und das auf
durchaus anspruchsvollem Niveau, wenn man sich das Engagement vieler
Kirchengemeinden für ihre Kindertagesstätten einschließlich der
Implementierung und Pflege von religiöser Früherziehung betrachtet?
Gerade wenn viele der Kinder von Haus aus gar nicht religiös sind oder
aus muslimischen Familien stammen, verdient dieses Gemeindeengagement
Wertschätzung und Förderung.
Gemeinde und
Diakonie
Alle diakonischen Einrichtungen und Dienste stehen bis 2030 in einer definierten Kooperations- bzw. Partnerschaftsbeziehung zu den Kirchengemeinden bzw. Kirchenbezirken ihrer Region. (83). So heißt es zum Thema Diakonie. Auch hier sind Spannungsverhältnisse zu bearbeiten oder zumindest zu klären. Insbesondere vor dem Hintergrund des zunehmenden Auseinanderdriftens von unternehmerischer professioneller und zentralisierter Diakonie und ehrenamtlicher Gemeindediakonie. Beispiele sind die Entwicklung bei der ambulanten Pflege, aber auch bei Altenheimen oder Krabbelstuben.
Gemeinde und
Leitung
Es müsse „eine deutliche Unterscheidung zwischen Geschäftsführung und geistlicher Aufsicht“ geben. (29). So heißt es im Impulspapier. Diese Unterscheidung gilt auch für den Kirchenvorstand (KV). Was heißt geistliche Aufsicht durch den KV? Das Spannungsverhältnis zwischen Geschäftsführung und geistlicher Gemeindeleitung ist eigentlich ständig spürbar. Zunächst ist der KV eine paradoxe Gestalt: In der Geschäftsführung eine Mischung aus Aufsichtsrat und operativem Vorstand eines mittelständischen Unternehmens mit bis zu 20 Beschäftigten und bis zu 120 Ehrenamtlichen in ganz heterogenen hauptberuflich und ehrenamtlich geführten Betriebsteilen. In diesen Anforderungen sind Überforderungen angelegt. Eine verstärkte Aus- und Fortbildung der Mitarbeitenden im Blick auf ihre christliche Sprachfähigkeit und geistliche Beheimatung ist für die Profilierung einer evangelischen Diakonie die entscheidende Voraussetzung. (83) Diese Zielsetzung: Sprachfähigkeit und die Fähigkeit, geistliche Beheimatung zu begründen, wie sie explizit im Kapitel Diakonie zu finden ist, ist ganz gewiss auch eine Aufgabe zur Wahrnehmung und Verbesserung der Qualität der geistlichen Gemeindeleitung.
Gemeinde und
PfarrerInnen / PrädikantInnen
Alle Zukunftsfragen, die Gemeinden bedrücken,
der andauernde Reform- und Veränderungsstress und die schrumpfenden
Mitgliederzahlen führen dazu, dass Kirchengemeinden sich immer mehr in
sich selbst zurückziehen, dass die Situation immer familiärer und
damit auch beengter wird; dass sich das Milieu auf die kirchlich Aktiven
begrenzt; und dass das Ergebnis dieser Veränderungsprozesse letztlich
eine beengte, vielleicht auch verängstigte und nurmehr sehr mit sich
selbst beschäftigte Kirche und Gemeinde sein könnte.
Lasst uns
doch einfach mal in Ruhe ganz normal unsere Arbeit tun! Dieser
beredte Stoßseufzer eines Pfarrers in einer Dekanatssynode verkennt,
dass es dieses „ganz normal“ nicht mehr gibt. Viel mehr geht es
darum: Beständigkeit bieten in der Unbeständigkeit. Man muss lernen,
die Instabilität der Verhältnisse als Normalfall zu sehen und damit
umzugehen, also eine Art von Beheimatung zu bieten, mit der man das
Spannungsverhältnis stabil austarieren kann. Ich habe dazu diese
Vorstellung: Das Leben ist lebenslange Wanderschaft. Leben ist Bewegung.
Es geht darum, das Leben im Wege einer Wanderschaft zu meistern. An die
Stelle der nachhaltigen Dauerhaftigkeit tritt die Brüchigkeit des
jeweils Erreichten. Wir müssen also immer wieder lernen, aufzubrechen,
neue Wege zu gehen, nicht nur gut ausgebaute Hauptwege, sondern auch
Nebenwege, Wanderwege, Trampelfade. Übersetzt in kirchliche Arbeit heißt
das für mich: Netzwerke bilden, Kooperationen suchen, Zusammenschlüsse
erwägen und vollziehen.
Das Impulspapier bewegt sich zwischen einer
erbarmungslos klingenden Beschimpfung von PfarrerInnen und Anforderungen
an sie, die so eigentlich niemand wirklich erfüllen kann. All das, was
da an Defiziten aufgelistet wird, kommt sicherlich vor, aber in der
reinen Addition zeichnet es ein sehr schiefes Bild. Diese bewusst
akzentuierte Häufung kommt mir daher vor wie das Donnergrollen
alttestamentarischen Gotteszornes über Pharisäer und Schriftgelehrte.
Dem gegenübergestellt wird als Berufsbild die Vision eines idealen Übermenschen.
Kernsätze zu den Kernangeboten: Die Amtshandlungen sind so etwas wie der Lackmus-Test dafür, wie es um
die evangelische Kirche heute bestellt ist. (23. – Das heimliche Schweigegebot über die geistliche Qualität kirchlicher
Angebote muss aufgebrochen und die kollegiale Team- und Kritikfähigkeit
muss gestärkt werden. (51) – Qualitätsstandards
müssen auch für die kleinen Gottesdienstformen entwickelt werden. (52)
– Die Beteiligung der Mitglieder
an den Kernangeboten der evangelischen Kirche ist deutlich zu erhöhen.
(52)
Die Schelte: Das
theologische Alleinstellungsmerkmal ist an vielen Stellen unklar und
unsicher geworden, dass der Eindruck entsteht, als
stecke der kirchliche „Schlüsselberuf“ weithin in einer geistlichen
und mentalen Orientierungskrise. (72). – Über
die Qualität der kirchlichen Arbeit, insbesondere des Pfarrdienstes,
ist zu wenig bekannt (27). –
Bemängelt wird fehlendes gemeinsames
Kirchenbewusstsein (39), Mangel
an gesamtkirchlicher Verantwortung (42) wie auch eine verbreitete Selbstsäkularisierung und unzureichende Identifikation kirchlicher Mitarbeiterinnen und
Mitarbeiter unter Einschluss von Pfarrerinnen und Pfarrern mit den
Kernangeboten der Kirche. –
Pastoralen Separatismus kann
sich die evangelische Kirche nicht leisten. (72). – Es legt sich eine verhängnisvolle
Unberührbarkeit über die gottesdienstliche Arbeit vieler Pfarrerinnen
und Pfarrer. Man kann kollegial leichter über intime Dinge sprechen als
über die letzte Predigt. (51).
Die Erwartungen: Pfarrer
müssen erreichbar sein, aber zugleich ein neues Selbstbewusstsein als
wandernde Prediger entwickeln (69) und
missionarische Innovationskompetenz verkörpern. (73). – Das geistliche
Leben allein wie in Gemeinschaft mit anderen wird den Pfarrberuf in
Zukunft deutlich prägen (73). – Hinzu kommt eine neue
Verantwortung für die ehrenamtliche Verkündigung. Im Impulsapier wird
durchgehend zum Ausdruck gebracht, dass die Gruppe der ehrenamtlich Tätigen
in Zukunft genauso wichtig sein werde wie die Gruppe der hauptberuflich
Tätigen. Für viele Bereiche wäre
es wünschenswert, dass hauptamtliche Pfarrerinnen und Pfarrer sowie
Lektorinnen und Lektoren und Prädikantinnen und Prädikanten jeweils in
gleicher Zahl, also im Verhältnis 1:1:1 zur Verfügung stehen. (69). Das
hieße also, dass zwei Drittel aller Gottesdienste von „Laien“
gestaltet würden. – Der ehrenamtliche und nicht hauptamtliche Dienst auch in der Beteiligung
am Verkündigungsauftrag erfährt eine klare Würdigung. (67) –
Ehrenamtliche lediglich als
Aushilfen einzusetzen, missachtet ihren Einsatz (68).
– Wenn jede Pfarrerin und
jeder Pfarrer einen Kreis von ehrenamtlichen Beauftragten um sich
sammelt, werden die Pfarrerinnen und Pfarrer selbst zur oder zum
leitenden Geistlichen eines Netzwerks von Ehrenamtlichen. (68). Das
ist systemisch gedacht, aber nicht lebensnah.
– Anleitung und Begleitung
des ehrenamtlichen Einsatzes werden zentrale Herausforderungen für die
hauptamtlich Mitarbeitenden und in diesem Sinne als eine evangelische
Grundkompetenz anerkannt. (69)
Was kommt da nicht alles zusammen, was einzelne
Menschen sein sollen: Verwaltende und strategische Manager zum einen,
Verkündiger und Seelsorger zum anderen und zum dritten
Rundum-Animateure für nachhaltiges Engagement von Ehrenamtlichen in der
Verkündigung. Der neu definierten Berufsrolle steht es entgegen, wenn
Alltag bleibt, was Alltag ist, dass nämlich Stellen gehälftet,
gedrittelt und geviertelt werden, etwa eine Pfarrerin mit einer halben
Stelle in der einen Gemeinde wirkt, mit einer viertel Stelle
Konfiunterricht in einer anderen erteilt und mit einer viertel Stelle
Religionsunterricht an der Grundschule. Noch fürchterlicher sind die
Anstellungsverhältnisse für Kirchenmusiker. Richtig ist aus meiner
Kenntnis, dass viele PfarrerInnen weder sich selbst noch andere
organisieren und strukturieren können. Richtig wäre aus meiner Sicht
aber auch, dass sie den Rücken für ihre Kernaufgaben frei haben –
die Kultur der Spiritualität zu gestalten (Verkündigung, Seelsorge).
Es kann aber nicht sein, wie es auf der EKD-Konferenz angeregt wurde,
dass „alles andere“ in der Gemeinde wirklich nur auf Ehrenamtlichen
lastet.
Neues kollegiales Reden über die Qualität der
Arbeit, auch von Predigten: Das muss auch für Ehrenamtliche gelten,
denn es lebt sich als ehrenamtlicher Prediger ganz gut ohne jede
Aufsicht. Aber es geht doch um authentische Glaubwürdigkeit. Da darf es
nicht bei dem Rat bleiben: Machen Sie sich doch nicht so viel Mühe,
ziehen Sie sich doch einfach eine Predigt aus dem Internet.
Schlussbemerkungen
Ich meine, dass die Autoren des Impulspapiers
Gemeinden in ihrer Vielgestaltigkeit und in ihrem Entwicklungspotenzial
unterschätzen. Die verfasste Kirche muss sich den Gemeinden wertschätzender
zuwenden. Im Papier sehe ich das Spannungsverhältnis zwischen dem von
den Gemeinden her aufgebauten synodalen Vollmachtsprinzip und dem Werben
für „schlankere“ und „effektivere“ Strukturen, die schnellere
Entscheidungen – mit welcher Legitimation dann? – möglich machen.
Ein weiterer Punkt: Dem Protestantismus eigentümlich ist ja ein
angeborenes Misstrauen gegen die Personifizierung von Macht und jegliche
Art von Klerikalismus. Kirche will den Menschen nahe sein. Aber dem
EKD-Impuls wohnt nach wie vor eine Richtung inne, die diesen Eindruck
erwecken kann: Hauptberuflich besoldete Kirchenbeamte geraten in immer
größere Distanz zu Gemeinden. (Stoßseufzer eines jungen Katholiken:
Da hoffen wir nun, dass wir von euch lernen und etwas evangelischer
werden und nun scheint es so, dass ihr katholischer werdet.) Oder schärfer:
Die „Amtskirche“ verselbstständigt sich und lässt Gemeinden
zunehmend alleine. Und noch schärfer formuliert: Zentralisierte
Professionalisierung oben, Ehrenamtlichkeit unten, das wäre wie bei
Greenpeace ‑ oben bilden Profis eine medial schlagkräftige, aber
eigenständig agierende Organisation und unten sichern Ehrenamtliche die
gesellschaftliche Akzeptanz ab.
Allerdings meine ich: Viele Gemeinden sehen sich zu
sehr – und unberechtigt –
als Opfer, sollten sich viel mehr als schöpferische „Täter des
Wortes“ verstehen, sich den Herausforderungen aktiv stellen, sich auch
über „den eigenen Kirchturm hinaus“ für die Gesamtkirche
verantwortlich sehen. Immerhin kommen die Synodalen, die alle
wegweisenden Entscheidungen zu treffen haben, aus ihren Reihen und sind
letztlich ihnen Rechenschaft schuldig. Und wie heißt es im
Impulspapier: Landeskirchen sind kein Selbstzweck, sondern dienen letztlich der Arbeit
der Gemeinden und den kirchlichen Handlungsfeldern, die nahe bei den
Menschen sind. (37)
Wolf Gunter Brügmann-Friedeborn
E-Mail: wgbruegmann@uni-bremen.de
Telefon: 069 / 76 27 39
Am Ebelfeld 268
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