zuletzt aktualisiert: 09.05.2007
Initiative Kirche von unten

Votum des Präsidiums der Bundesstudierendenpfarrkonferenz

  zum "Impulspapier des Rates der EKD - Kirche der Freiheit. Perspektiven für die evangelische Kirche im 21. Jahrhundert."

Das Präsidium der Bundesstudierendenpfarrkonferenz (BSPK) hat auf seinem Treffen am 30/31.10.2006 in Schmalkalden das Impulspapier unter dem Aspekt der Konsequenzen für kirchliche Arbeit an den Hochschulen diskutiert und folgendes Votum verabschiedet:

Das Präsidium der BSPK würdigt die klare und nüchterne Analyse des Papiers. Sie bejaht die Notwendigkeit einer Reform des Protestantismus auf allen Ebenen. Der breit geäußerten Kritik unangemessener ökonomisierender Sprachformen auf Kosten einer theologischen Profilierung schließt sich das Präsidium an und unterstützt diejenigen Forderungen, die eine Transparenz des Entstehungsprozesses inklusive des Proporzes der Perspektivkommission wünschen. Das Präsidium bedauert insbesondere, dass trotz der klaren Positionierung der EKD im September 2006 durch das Papier "Präsenz der evangelischen Kirche an der Hochschule", wo explizit die Arbeit mit Studierenden und Lehrenden im Blick ist, im Impulspapier nurmehr die Rede ist von "evangelischen Christen als Multiplikatoren", "protestantischen Eliten" und der wiederholten Ermahnung zur "nachgehenden Alumniarbeit."  Selbst wenn das Impulspapier exemplarisch vorgehen muss, fällt auf, dass im gesamten Papier an keiner einzigen Stelle die Arbeit mit Studierenden oder jungen Erwachsenen Erwähnung findet. Zögert man hier noch, von Intention zu sprechen, so fällt es schwer, keine Absicht zu vermuten, wenn auch am Ende des Impulspapiers in keinem Kompetenz-zentrum die Arbeit mit Studierenden einen Ort findet.  Dass die Kooperation von ESG und aej  für die in den ESG-Bundesstrukturen engagierten Studierenden unter diesen Voraussetzungen Mut zum Aufbruch macht und Zukunftsfähigkeit verspricht, dürfte nicht zu vermitteln sein.

Der ganze Befund ist um so rätselhafter, da es durchaus auch nahe gelegen hätte, andere Verknüpfungen zu möglichen Konstellationen der Vernetzung zwischen evangelischer Studierendenarbeit und Ortsgemeinde anzuregen. So hat die Bundesstudierendenpfarrkonferenz 2003 in Beuggen intensiv mit Herrn OKR Dr. Nüchtern, Mitglied der Perspektivkommission, die Frage diskutiert, ob sein Modell der "Kirche bei Gelegenheit" auf die Studierendengemeinden übertragbar sei. Dieser Faden wäre erneut aufzunehmen, zumal die Wechselbeziehungen zwischen Parochie und ESG gerade für solche Studierenden und Hochschulgemeinden interessant wäre, die nicht mehr über lokale Dauerpräsenz auf dem Campus verfügen, sondern in der Spannung zwischen studentischen Zentren in kirchlichen Netzen und der anlassbezogenen Präsenz an den Hochschulen Gemeinde gestalten.  Auch bei der Andeutung über die zukünftige Bedeutung von "Online-Gemeinden" läge es nahe, die Erfahrungen, Kompetenzen und Kommunikationsformen von Studierenden in die Überlegungen miteinzubeziehen.

Um in diesem Sinn aktiv am Diskussions- und Reformprozess beteiligt sein zu können bittet das Präsdium der BSPK die Perspektivkommission und die Veranstalter des Zukunftskongresses in Wittenberg, das die Bundesstudierendenpfarrkonferenz durch eine Vertreterin oder eine Vertreter als Gast oder Teilnehmer eingeladen werden möge.


Mit freundlichen Grüßen

Christina Allert, Kleinschmalkalden
Susanne Krage-Dautel, Hannover
Peter Martins, Berlin
Dietrich Spandick, Düsseldorf
Joachim Zuber, München


München, den 4. Januar 2006