zuletzt aktualisiert: 17.05.2010
Initiative Kirche von unten

KOMMENTAR 


               Mit denen nicht – Der zweite ÖKT vom Schlussgottesdienst aus gesehen

Während etwa zwei Stunden vor Beginn des Schlussgottesdienstes die ersten ÖKT-TeilnehmerInnen auf der Theresienswiese einfanden, fiel manchen eine ungewöhnliche Häufung von Nobel-Carossen an der Kirche St. Paul unweit der Theresienwiese auf. Hier parkten die Dienstwagen der römisch-katholischen Bischöfe, die drinnen eine exklusive heilige Messe feierten. Eine konsequente Entscheidung – insofern, als dass man (es geht ja hier nur um Männer) den Schlussgottesdienst durch Verweigerung des gemeinsamen Abendmahles zur Wortandacht degradiert hatte. Vielleicht sollte  der Kirchenbau nach dem doch recht unruhigen ÖKT auch eine Oase sein. Zumindest musste man sich in der Weihrauch-geschwängerten Atmosphäre nicht mit Betroffenen sexualisierter Gewalt auseinander setzen, und das unbotmäßige Kirchenvolk störte auch nicht bei der Eucharistie.  

Während die Bischöfe nun also schon vorab feierten, trotzte das Kirchenvolk auf der Theresienwiese der Witterung. In den vergangenen Tagen waren trotz mancher organisatorischer Pannen und Beschränkungen durch das ÖKT-Präsidium zahllose wertvolle Erlebnisse möglich. Die Ökumene der persönlichen Begegnung, des guten Miteinanders ließ sich niemand verderben – der ÖKT lebt!.

Auch die orthodoxe Vesper am Freitag hatte sich tatsächlich eher als Geschenk denn als Placebo erwiesen. Denn, so meinten viele Teilnehmer, wenn denn Tischgemeinschaft möglich sei, dann sollte doch auch Abendmahlsgemeinschaft möglich sein. Und so fanden nicht wenige von der Vesper zur (inoffiziellen) Menschenkette, mit der zahlreiche ÖKT-TeilnehmerInnen eindrucksvoll für ein gemeinsames Abendmahl Stellung bezogen.

Auch wenn nach diesem ÖKT wohl niemand einen besonders anspruchsvollen Schlussgottesdienst erwartet hatte – das ließ schon die statische, Fernseher-gerechte Liturgie nicht zu – gab es doch unangenehme Überraschungen. Die ökumenisch ausgewogenen Predigtimpulse hielten weitgehend Allgemeinplätze bereit, auch wenn hier und dort Hoffnungszeichen gesetzt wurden.

Für Gemeinschaftsaktionen war kaum Gelegenheit – und seien sie noch so unprovokant, wie der persönliche Segenszuspruch vom 1. ÖKT. Nach mangelnder Bewegung durchgefroren, dürften etliche TeilnehmerInnen sich eher als Statisten einer sakralen Fernsehshow, aber nicht als Teil einer Gemeinde gefühlt haben. Auch den von den ÖKT-Präsidenten deklamierten „neuen Aufbruch“ mochte mensch (hier geht es um Frauen und Männer) nicht so recht glauben, hatten doch die Herren Nagel und Glück vor nicht so langer Zeit den ÖKT-TeilnehmerInnen ängstlich aufgetragen, die „gültigen Regeln“ beim Abendmahl einzuhalten, gleichsam die Ökumene selbst auszubremsen.

Es bleibt aber doch zu hoffen (oder zu fürchten, je nach Perspektive), dass der „neue Aufbruch“ doch Wirklichkeit wird: Denn neben der Sehnsucht nach charismatischeren Kirchenoberen a lá Margot Käßmann mischte sich im Schlussgottesdienst die ökumenische  Einsicht, dass mit „denen“ - manchen Kirchenoberen – Ökumene und Kirche nicht zu machen ist. Das kaum noch getrennte Kirchenvolk erfährt ökumenische Inspiration nur von „ganz oben“ und in der persönlichen Begegnung. Nicht aber von den getrennten Amtskirchen, die wortreich bestimmen wollen, was auf dem ÖKT stattfindet – und doch so sprachlos geworden sind.     

Sebastian Dittrich ist Mitglied im Leitungsteam der IKvu.