zuletzt aktualisiert: 06.04.2007
home

PRESSEMITTEILUNG zur Veranstaltung am 04.10.06



»Wo kämen wir hin ...? Ökumenische Gastfreundschaft - ein Tabubruch?«

Als "kühl distanziert" bezeichneten Beobachter die Reaktion Papst Benedikt XVI. auf die Worte des Bundespräsidenten, als dieser das Thema Ökumene ansprach. "Vehement dafür eintretend" könnte man das Verhalten des katholischen Priesters und Theologen Prof. DDr. Gotthold Hasenhüttl beschreiben, der von seinem Priesteramt suspendiert wurde, weil er beim ersten Ökumenischen Kirchentag 2003 auch evangelische Christen zum Empfang der Kommunion eingeladen hatte.

Am Mittwoch, 4.10.2006, 19.00 Uhr, diskutiert der streitbare Theologe in der Matthäus-Kirche (Ev. Hoffnungsgemeinde) in Frankfurt mit dem kath. Sozialethiker Prof. Dr. Friedhelm Hengsbach SJ und dem ev. Pfarrer Jörg Bickelhaupt vom Zentrum Ökumene der EKHN, die wichtigsten Thesen seines soeben erschienenen Buchs "Ökumenische Gastfreundschaft - Ein Tabu wird gebrochen".

Die Thesen:
1. Die Trennung der katholischen und evangelischen Kirche, also der Christen, ist ein Skandal und bis heute durch Machtmissbrauch der Kirchenleitung verursacht.
2. Jesus hat das Abendmahl bzw. Eucharistie gestiftet, damit alle in echter Gastfreundschaft vereinigt sind.
3. Daher ist die ökumenische Gastfreundschaft geboten. Die Glaubenden beider Konfessionen sollen sie auch gegen den Willen der Hierarchen im Auftrag Christi vollziehen.
4. Bereits vor 25 Jahren forderten die berühmten katholischen Theologen Rahner und Fries die gegenseitige ökumenische Gastfreundschaft bei der Eucharistiefeier bzw. dem Abendmahl. Eine fromme Absichtserklärung, die Ökumene zu fördern, wie Benedikt XVI. es tut, genügt nicht.
5. Um einen echten Dialog führen zu können, ist die Exkommunikation Luthers aufzuheben.
6. Die Kirchen sollen einander anerkennen als Kirche Jesu Christi. Die Kirchengemeinschaft ist die logische Folge.

Frankfurt am Main, 04.10.2006
»Wo kämen wir hin ...? Ökumenische Gastfreundschaft - ein Tabubruch?«
Diskussion mit Prof. DDr. Gotthold Hasenhüttl, Prof. Dr. Friedhelm Hengsbach SJ und Pfr. Jörg Bickelhaupt
Moderation: Britta Baas (Publik-Forum), musikalische Gestaltung: Flois Knolle-Hicks, Bernd Hans Göhrig
- Veranstaltung in Zusammenarbeit mit der Ev. Hoffnungsgemeinde Frankfurt/Main, dem Ökumenischen Netzwerk »Initiative Kirche von unten« (IKvu), der KirchenVolksBewegung »Wir sind Kirche«, der Evangelischen StudentInnengemeinde in der Bundesrepublik Deutschland (Bundes-ESG) und dem Kreuz-Verlag -
Ort: Matthäuskirche, Friedrich-Ebert-Anlage 33, 60327 Frankfurt am Main, Beginn: 19 Uhr
Kontakt: Thomas Wystrach, 06171/7003-67

* * *

Gotthold Hasenhüttl lud beim ersten Ökumenischen Kirchentag 2003 in Berlin beim Gottesdienst, der von der KirchenVolksBewegung "Wir sind Kirche", von der Initiative Kirche von unten (IKvu) und der gastgebenden Ev. Kirchengemeinde Prenzlauer Berg-Nord veranstaltet wurde, auch evangelische Christen zum Empfang der Kommunion ein. Er wurde deshalb durch den Trierer Bischof Reinhard Marx von seinem Priesteramt suspendiert, die Suspension wurde vom Papst bestätigt.

Obwohl Hasenhüttl sich gegen diese Entscheidung wehrte und dies auch kirchenrechtlich begründen konnte (das Kirchenrecht lässt trotz eines generellen Verbotes der Teilnahme evangelischer Christen am Abendmahl genau dies in Ausnahmesituationen zu, und als solche versteht der Autor den ersten ökumenischen Kirchentag), wurde ihm Anfang 2006 auch noch die Lehrerlaubnis als Professor entzogen. Der Grund dafür liegt weniger in seinem "Vergehen" als solchen als vielmehr darin, dass er trotz mehrfacher und nachdrücklicher Aufforderung seitens der Kirche diesen Akt nicht bereute und sein Handeln weiterhin als richtig erachtet.

In seinem neuen Buch "Ökumenische Gastfreundschaft - Ein Tabu wird gebrochen" bezieht Gotthold Hasenhüttl zum Thema selbst und zu den kirchenrechtlichen Hintergründen bzw. der Vorgehensweise Roms Stellung.

Gotthold Hasenhüttl
Ökumenische Gastfreundschaft
Ein Tabu wird gebrochen
180 Seiten, Kreuz-Verlag, Stuttgart 2006
ISBN 3-7831-2819-6

* * *

Prof. DDr. Gotthold Hasenhüttl
geboren 1933 in Graz, studierte katholische Theologie in Rom. In Tübingen habilitierte er sich bei Hans Küng und lernte dort Joseph Ratzinger kennen. Alle drei verband über viele
Jahre eine akademische Freundschaft. 1959 wurde er in Rom zum Priester geweiht. Seit 1974 lehrte er als Professor für Systematische Theologie an der Universität des Saarlandes.

2004 wurde er vom Priesteramt suspendiert, weil er in einem ökumenischen Gottesdienst beim ersten Ökumenischen Kirchentag 2003 die Kommunion auch an evangelische Christen ausgeteilt hatte. 2006 wurde ihm auch die kirchliche Lehrerlaubnis entzogen.

Mehr Informationen unter www.uni-saarland.de/fak3/hasenhuettl/

* * *