zuletzt aktualisiert: 27.03.2008
Initiative Kirche von unten

Zwangsarbeiter in der Kirche - Pressemitteilung vom 21.07.2000

 

 

IKvu zur Ausbeutung von ZwangsarbeiterInnen durch die römisch-katholische Kirche:
"Statt Verdrängen kirchlicher Verstrickung ist schnelle Hilfe für Überlebende geboten"

BONN, 21.7.2000. Zur Verstrickung der römisch-katholischen Kirche in die Ausbeutung von "ZwangsarbeiterInnen" im Nationalsozialismus erklärt die Initiative Kirche von unten (IKvu), ein ökumenisches Netzwerk von 40 Basisgemeinden, kirchen- und gesellschaftskritischen Gruppen:

Auch Einrichtungen der römisch-katholischen Kirche haben sich an der Ausbeutung von Verschleppten aus den im Zweiten Weltkrieg besetzten Gebieten beteiligt und von dieser Sklavenarbeit profitiert. Es ist beschämend, dass diese Verstrickung in das nationalsozialistische Unrechtssystem bis heute innerkirchlich totgeschwiegen wurde und erst "von außen" aufgedeckt werden musste. Für die wenigen Überlebenden muss es nun eine schnelle und unkomplizierte Hilfe geben.

Solange der von deutschen Unternehmen initiierte "Entschädigungsfonds für Zwangsarbeiter" jedoch hauptsächlich dazu dient, deutsche Firmen im Ausland vor Entschädigungsklagen zu schützen und ihnen mit garantierter "Rechtssicherheit" ein "Weiterwirtschaften" zu ermöglichen, wäre eine kirchliche Beteiligung an diesem Fonds ein falsches Signal. Dies gilt auch für die Zahlung der EKD in Höhe von 10 Millionen DM.

Die Initiative Kirche von unten (IKvu) fordert statt dessen die Kirchen in Deutschland auf, ohne weitere Verzögerung durch Einsatz von Kirchensteuermitteln, kirchlichem Vermögen und existierender Infrastrukturen (z.B. Hilfswerke "Renovabis", "Maximilian-Kolbe-Werk" und "Gustav-Adolf-Werk" u.a.) ihren ehemaligen ZwangsarbeiterInnen eine Entschädigung zukommen zu lassen.

Die römisch-katholische Kirche muss sich endlich der eigenen Verstrickung in das Unrechtssystem des Nationalsozialismus stellen und Konsequenzen daraus ziehen. Dazu gehört auch die Absage an eine "Entsorgung der Vergangenheit" durch "abschließende Zahlungen" oder entschuldigende systemvergleichende Geschichtsschreibung (wie beim Katholikentag 2000 im ehemaligen KZ Neuengamme).