zuletzt aktualisiert: 27.03.2008
Initiative Kirche von unten

Zwangsarbeiter in der Kirche - Pressemitteilung vom 18.03.2001

 

"Je länger es dauert, desto größer der 'Gewinn'!"

Initiative Kirche von unten fordert die Feststellung von "Rechtssicherheit" und den Beginn der Zahlungen an ehemalige ZwangsarbeiterInnen

Bonn, 18.3.2001. Die Initiative Kirche von unten (IKvu) ist entsetzt über die weitere Verzögerung der Zahlungen. Anlässlich der neuerlichen Debatte um eine sogenannte "Rechtssicherheit" erklärt die IKvu, ein Netzwerk von 40 Basisgemeinden, kirchen- und gesellschaftskritischen Gruppen:

Wir appellieren an die Bundesregierung und an die Parteien des Bundestages, das beschämende Verhalten der Wirtschaftsvertreter in der Stiftungsinitiative nicht länger zu unterstützen. Durch die Weigerung der Unternehmen, das nun endlich zugesagte Geld auch tatsächlich in die Stiftung einzuzahlen und für die intendierte Verwendung freizugeben, wird das gesamte Projekt Stiftungsinitiative zu einer Farce. Das Abschieben der Verantwortung der deutschen Firmen nach dem Sündenbock-Prinzip an die US-amerikanischen Gerichte ist schlicht obszön und eine Verdrehung der historischen Tatbestände. Dabei waren die Interessen der beteiligten Wirtschaftsunternehmen von Anfang an klar erkennbar:

"Es ging und geht diesen Firmen nach wie vor um zweierlei: Um eine ominöse 'Rechtssicherheit', die für jegliche Interpretation offen ist und zudem rechtsstaatlichen Prinzipien widerspricht, und um Zeitgewinn. Das ist ein Spiel mit dem Tod - je länger es dauert, desto größer der 'Gewinn'. Moralische Fragen spielten immer eine nachrangige Rolle", kommentiert Bernd H. Göhrig, Bundesgeschäftsführer der IKvu.

Bei einer weiteren Verzögerung in den Sommer dieses Jahres hinein werden von den 10 Prozent der noch lebenden  ehemaligen ZwangsarbeiterInnen geschätzte weitere 24.000 nicht mehr am Leben sein. Es liegt nun am Bundestag, den Weg für den sofortigen Beginn der "Entschädigungszahlungen" frei zu machen. Die IKvu fordert zudem alle an der Stiftungsinitiative der deutschen Wirtschaft beteiligten Firmen, Organisationen und Gruppen, so z.B. die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD), auf, auf den sofortigen Beginn der Auszahlungen zu dringen.

Als am Entschädigungsfonds beteiligte Privatperson fordert Holger App, Vorsitzender des Bildungswerkes der IKvu: "Die Stiftungsinitiative muss sofort mit den Auszahlungen beginnen. Es geht nicht um deutsche Befindlichkeiten, sondern darum, dass jahrzehntelang den nach Deutschland verschleppten ZwangsarbeiterInnen jegliche Form der 'Entschädigung' verweigert wurde. Nur eine kleine Anzahl von ihnen ist noch am Leben - doch für alle kommt jede Zahlung letztlich zu spät."