zuletzt aktualisiert: 08.05.2009
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Pressemitteilung der Leserinitiative Publik e. V. (LIP)

Leserinitiative Publik e.V.: Der „Fall Brockmann“ ist ein „Lehrstück katholische Kirche“

Zum Streit zwischen Zentralkomitee der deutschen Katholiken und Bischofskonferenz

Oberursel, 7. Mai 2009. Als „undemokratisches Trauerspiel“ kritisiert der Vorstand der Leserinitiative Publik e.V. (LIP) die Ablehnung von Heinz-Wilhelm Brockmann als neuen Präsidenten des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK) durch eine Sperrminorität der Deutschen Bischofskonferenz. Der Trägerverein der kritischen christlichen Zeitschrift „Publik-Forum“ hält es für skandalös, dass die Minderheit der Bischöfe im Dunkeln bleibt und keinerlei Gründe für eine Ablehnung bekannt gegeben werden. „Wir erklären unsere Solidarität mit Heinz-Wilhelm Brockmann, der sich seit Jahrzehnten in katholischen Verbänden und kirchlichen Gremien engagiert“, so Stefan Bär, Vorstandsvorsitzender der LIP.

Anders, als in einigen Medienberichten gemutmaßt wurde, geht es aus Sicht der LIP bei diesem Konflikt aber nicht um Brockmanns journalistisches Engagement bei Publik-Forum in den 70er Jahren oder seine Aktivitäten für die Schwangerschaftskonfliktberatung „donum vitae“ in der jüngsten Zeit, der „Fall Brockmann“ ist in Wirklichkeit ein „Lehrstück katholische Kirche“, das die grundsätzlichen strukturellen Probleme offenlegt: Das Zentralkomitee der deutschen Katholiken als offizielle Vertretung der römisch-katholischen Laien in Deutschland wählt zwar formal eigenständig seinen Präsidenten, muss ihn aber nach den geltenden Statuten vom Ständigen Rat der Deutschen Bischofskonferenz genehmigen lassen. Dass nun eine anonyme Sperrminorität von einem Drittel, nämlich 9 von 27 Diözesanbischöfen, den Mehrheitsbeschluss der Laienvertreter, wer sie repräsentieren soll, schon im Vorfeld kippen kann, verletzt aus Sicht der LIP grundlegende demokratische Prinzipien.  

Die Minderheit der Bischöfe hat mit ihrem Vorgehen jedoch nicht nur das Ansehen von Heinz-Wilhelm Brockmann beschädigt, sondern das Amt des Präsidenten des ZdK überhaupt demontiert: Wer immer nun als neuer Kandidat von der Bischofskonferenz akzeptiert wird, muss mit dem Makel leben, er sei ein Präsident „von Bischofs Gnaden“. Dies wird seine Position schwächen – sowohl innerhalb der römisch-katholischen Kirche als auch im Verhältnis zwischen dem Laiengremium und der Politik. Ein Jahr vor dem Ökumenischen Kirchentag 2010 droht zudem das Gespräch mit den protestantischen Partnern gestört zu werden: Dort setzte sich gerade die grüne Bundestagsvizepräsidentin Katrin Göring-Eckardt mit klarer Mehrheit gegen den früheren bayerischen Ministerpräsidenten Günther Beckstein als Präses der EKD-Synode durch – in freier und geheimer Wahl, ohne Einflussnahme der evangelischen Kirchenleitung.

Die Leserinitiative Publik e.V. unterstützt ausdrücklich die Absicht von ZdK-Mitgliedern wie Karin Kortmann oder dem BDKJ-Vorsitzenden Dirk Tänzler, an der Wahl des Präsidiums bei der ZdK-Vollversammlung an diesem Wochenende (8./9. Mai 2009) festzuhalten. Aus Sicht der LIP ist die Entscheidungsfreiheit des katholischen Laiengremiums allerdings stark eingeschränkt, da es finanziell abhängig von den deutschen Bischöfen ist: Über 90 % des ZdK-Haushalts kommen vom Verband der Diözesen Deutschlands. Als die Bischöfe 1971 der kritischen katholischen Zeitung „Publik“ den Geldhahn zudrehten, wurden die engagierten Leser aktiv: Mit der Gründung der Leserinitiative Publik e.V. entstand ein Trägerverein, der bis heute die ökumenische Zeitschrift „Publik-Forum“ herausgibt – finanziell und publizistisch unabhängig von Banken und Bischöfen.

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Thomas Wystrach
Referent der Leserinitiative Publik e.V.

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