Pressemitteilung der Leserinitiative Publik e. V. (LIP)
Leserinitiative
Publik e.V.: Der „Fall Brockmann“ ist ein „Lehrstück katholische
Kirche“
Zum
Streit zwischen Zentralkomitee der deutschen Katholiken und
Bischofskonferenz
Oberursel,
7. Mai 2009. Als „undemokratisches Trauerspiel“ kritisiert der Vorstand
der Leserinitiative Publik e.V. (LIP) die Ablehnung von Heinz-Wilhelm
Brockmann als neuen Präsidenten des Zentralkomitees der deutschen
Katholiken (ZdK) durch eine Sperrminorität der Deutschen Bischofskonferenz.
Der Trägerverein der kritischen christlichen Zeitschrift „Publik-Forum“
hält es für skandalös, dass die Minderheit der Bischöfe im Dunkeln
bleibt und keinerlei Gründe für eine Ablehnung bekannt gegeben werden.
„Wir erklären unsere Solidarität mit Heinz-Wilhelm Brockmann, der sich
seit Jahrzehnten in katholischen Verbänden und kirchlichen Gremien
engagiert“, so Stefan Bär, Vorstandsvorsitzender der LIP.
Anders,
als in einigen Medienberichten gemutmaßt wurde, geht es aus Sicht der LIP
bei diesem Konflikt aber nicht um Brockmanns journalistisches Engagement bei
Publik-Forum in den 70er Jahren oder seine Aktivitäten für die
Schwangerschaftskonfliktberatung „donum vitae“ in der jüngsten Zeit,
der „Fall Brockmann“ ist in Wirklichkeit ein „Lehrstück katholische
Kirche“, das die grundsätzlichen strukturellen Probleme offenlegt: Das
Zentralkomitee der deutschen Katholiken als offizielle Vertretung der römisch-katholischen
Laien in Deutschland wählt zwar formal eigenständig seinen Präsidenten,
muss ihn aber nach den geltenden Statuten vom Ständigen Rat der Deutschen
Bischofskonferenz genehmigen lassen. Dass nun eine anonyme Sperrminorität
von einem Drittel, nämlich 9 von 27 Diözesanbischöfen, den
Mehrheitsbeschluss der Laienvertreter, wer sie repräsentieren soll, schon
im Vorfeld kippen kann, verletzt aus Sicht der LIP grundlegende
demokratische Prinzipien.
Die
Minderheit der Bischöfe hat mit ihrem Vorgehen jedoch nicht nur das Ansehen
von Heinz-Wilhelm Brockmann beschädigt, sondern das Amt des Präsidenten
des ZdK überhaupt demontiert: Wer immer nun als neuer Kandidat von der
Bischofskonferenz akzeptiert wird, muss mit dem Makel leben, er sei ein Präsident
„von Bischofs Gnaden“. Dies wird seine Position schwächen – sowohl
innerhalb der römisch-katholischen Kirche als auch im Verhältnis zwischen
dem Laiengremium und der Politik. Ein Jahr vor dem Ökumenischen Kirchentag
2010 droht zudem das Gespräch mit den protestantischen Partnern gestört zu
werden: Dort setzte sich gerade die grüne Bundestagsvizepräsidentin Katrin
Göring-Eckardt mit klarer Mehrheit gegen den früheren bayerischen
Ministerpräsidenten Günther Beckstein als Präses der EKD-Synode durch –
in freier und geheimer Wahl, ohne Einflussnahme der evangelischen
Kirchenleitung.
Die
Leserinitiative Publik e.V. unterstützt ausdrücklich die Absicht von
ZdK-Mitgliedern wie Karin Kortmann oder dem BDKJ-Vorsitzenden Dirk Tänzler,
an der Wahl des Präsidiums bei der ZdK-Vollversammlung an diesem Wochenende
(8./9. Mai 2009) festzuhalten. Aus Sicht der LIP ist die
Entscheidungsfreiheit des katholischen Laiengremiums allerdings stark
eingeschränkt, da es finanziell abhängig von den deutschen Bischöfen ist:
Über 90 % des ZdK-Haushalts kommen vom Verband der Diözesen Deutschlands.
Als die Bischöfe 1971 der kritischen katholischen Zeitung „Publik“ den
Geldhahn zudrehten, wurden die engagierten Leser aktiv: Mit der Gründung
der Leserinitiative Publik e.V. entstand ein Trägerverein, der bis heute
die ökumenische Zeitschrift „Publik-Forum“ herausgibt – finanziell
und publizistisch unabhängig von Banken und Bischöfen.
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Thomas Wystrach
Referent der Leserinitiative Publik e.V.
Leserinitiative
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