zuletzt aktualisiert: 19.02.2009
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IKvu: Bischof Müllers Beißreflex


Ökumenisches Netzwerk
Initiative Kirche von unten - IKvu

Pressemitteilung

Bischof Müllers Beißreflex: Mit autoritärer Strafandrohung gegen Verantwortung aller Getauften. Positives bischöfliches Leitbild dringend nötig.

Frankfurt/Main, 19. Februar 2009

Kleingeistig und provinziell geht der Streit um die rechtskonservative Piusbruderschaft in die nächste Runde: Der Regensburger Bischof Müller fordert Widerruf und Treueeid von der Kirchenrechtlerin Sabine Demel sowie dem Religionspädagogen Burkard Porzelt und dem Pastoraltheologen Heinz-Günther Schöttler - bis Rosenmontag sollen die drei ihre Unterschrift unter die Petition für die Anerkennung des 2. Vatikanischen Konzils zurücknehmen, sich beim Papst entschuldigen und Treue geloben.

"Nachdem die katholischen Fundis von der Zivilgesellschaft in die Schranken verwiesen wurden, spielt Bischof Müller jetzt die Machtkarte aus", erläutert Bernd Hans Göhrig, Bundesgeschäftsführer der IKvu, den Konflikt in Regensburg. "Er überprüft die Gesinnung seiner Angestellten - dafür ist eine Petition natürlich hilfreich. Freie Meinungsäußerung gibt es in der Kirche nun mal nicht."

Der weltweite Protest gegen die Rehabilitierung der Piusbruderschaft war innerkirchlich in weiten Kreisen verbunden mit einem klaren Bekenntnis zum 2. Vatikanischen Konzil. Dies rüttelte die konservativen Urängste derjenigen wach, die sich seit über 30 Jahren intensiv darum bemühen, die Reformansätze des Konzils zu beerdigen. "Bischof Müller zeigt hier nur den konservativen Beißreflex der Reformgegner: Kritik von unten muss brachial unterdrückt werden", so Bernd Hans Göhrig. "Dabei hat gerade die Affäre um die Piusbrüder gezeigt, wie dringend nötig öffentliche Kritik, freie Diskussion oder auch Transparenz in Entscheidungsprozessen innerhalb der Kirche wäre."

Die autoritäre und konfrontative Haltung des Regensburger Bischofs zeigt einmal mehr, wie wenig er zum Oberhirten einer Diözese taugt: Statt souverän echte Leitungskompetenz zu zeigen, polarisiert Müller in einer heiklen Frage plump und unsensibel. Er profiliert sich damit zum wiederholten Mal als reformunwilliger Hardliner.

"Kritik an fragwürdigen Entscheidungen der römischen Kirchenleitung ist - gerade wenn sie politischen Charakter tragen - nicht nur erlaubt, sondern aus Sorge um die Kirche geboten und deshalb Christenpflicht aller Getauften ", so Bernd Hans Göhrig. "Müllers Strafandrohung ist dagegen ein Plädoyer für blinden Papstgehorsam. Das ist das Kirchenbild des 19. Jahrhunderts, darüber sind wir zum Glück längst hinaus."

Der Konflikt im Bistum Regensburg macht deutlich, wie dringend nötig ein positives bischöfliches Leitbild ist. Ein Bischof ist nicht in erster Linie Vollstrecker des päpstlichen Willens oder des Kirchenrechts, sondern dem Heil der Menschen seiner Diözese verpflichtet im Dienst Jesu Christi. Auch hier war das 2. Vatikanische Konzil schon weiter.


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Initiative Kirche von unten (IKvu) ist ein ökumenisches Netzwerk von 38 Basisgemeinden, kirchen- und gesellschaftskritischen Gruppen in der Tradition des politischen Linkskatholizismus und -protestantismus und der Befreiungstheologie.

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Kontakt:

Bernd Hans Göhrig
Bundesgeschäftsführer

Email: goehrig[@]ikvu.de
Mobil: 0179 - 52 44 075

http://www.ikvu.de

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