zuletzt aktualisiert: 06.04.2007
home

PRESSEMITTEILUNG 05 vom 02.04.2006


Streitlustig, kompetent und humorvoll
Berliner Kongress der Initiative Kirche von unten klärt erfolgreich Perspektiven des Netzwerks

Oscar-Romero-Haus/Bonn, den 02.04.06.

Der Jubiläumskongress des Ökumenischen Netzwerks Initiative Kirche von unten (IKvu), der heute mit einem Abendmahlsgottesdienst in der Berliner Heilig-Kreuz-Kirche zu Ende ging, wird abschließend als voller Erfolg gewertet.

"Das Ziel des Kongresses war es, Leitlinien für unsere weitere Arbeit zu erarbeiten - wir haben aufmerksam zugehört und gehen als Leitungsteam mit klaren inhaltlichen Aufträgen aus dieser Veranstaltung", so IKvu-Sprecherin Verena Mosen (30).
Auch die Kooperation von ESG, LESERINITIATIVE PUBLIK E.V. und der gastgebenden Gemeinde Heilig-Kreuz-Passion war erfolgreich. "Wir konnten hier gemeinsam einen Diskussionsraum in einer der interessantesten Kirchen Berlins eröffnen - diese Idee werden wir weiterverfolgen, z.B. in München.", kündigte IKvu-Sprecher Dr. Uwe-Karsten Plisch (41) an.

Insgesamt über hundert TeilnehmerInnen diskutierten von Freitagabend an zentrale Themen für die künftige IKvu-Arbeit, darunter als größte Gruppe etwa 20 StudentInnen aus den Evangelischen StudentInnengemeinden.

Eröffnet wurde der Kongress von Claudia Roth (Bündnis 90/Die Grünen), die in grundsätzlichen Erwägungen zum Verhältnis von Ethik und Politik die Risiken politischer Arbeit reflektierte. Die Grünen und die IKvu seien im selben Jahr 1980 gegründet worden und hätten insbesondere in den 80er Jahren eng zusammengearbeitet. Bis heute sei die Partei den basiskirchlichen Bewegungen in der gemeinsamen menschenrechtlichen Arbeit verbunden, sei es im Antidiskriminierungsengagement oder in der Kirchenasylarbeit.

Eines der zentralen Themen des Kongresses war die zynische Aushöhlung des Schutzes für Flüchtlinge, ihre Illegalisierung und die unmenschliche Abschiebepraxis von langjährig hier "geduldeten" Mitbürgern - von Kindern, von kranken und traumatisierten Personen. "Christliche Gemeinden im ganzen Land richten Gästewohnungen ein, um Flüchtlingen Schutz gegen Unrecht zu gewähren, das von unserem Staat ausgeht.", so Fanny Dethloff, Vorsitzende der Ökumenischen Bundesarbeitsgemeinschaft Asyl in der Kirche, zu deren Trägerorganisationen die IKvu gehört.

Ebenfalls intensiv diskutiert wurde die Gewöhnung der deutschen Gesellschaft an Kriegseinsätze im Ausland und das skandalöse Versagen der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) und der Deutschen Bischofskonferenz (DBK) in der Friedensthematik: Während der Theologe Peter Bürger die "Staatshörigkeit" der deutschen Kirchen bei Kriegseinsätzen bis in die Gegenwart aufzeigte und die IKvu aufforderte, hier in Zukunft wachsamer zu sein, informierte die Theologin Claudia Haydt von der Informationsstelle Militarisierung (imi) in Tübingen über die Kriegsimplikationen in der EU-Verfassung. Diese Beiträge knüpften an die zentrale Rolle der IKvu in der Friedensbewegung der 80er Jahre an.

Prof. Dr. Heinrich Grosse vom Sozialwissenschaftliches Institut der EKD (Hannover) stellte Martin Luther King vor: Grosse, der den christlichen Bürgerrechtler in seiner Studienzeit in den USA kennen gelernt hatte und in der Bundesrepublik zu den wichtigen Autoren über dessen Wirken gehört, betonte vor allem seinen Einsatz gegen Armut und den Vietnamkrieg in den letzten Jahren vor seiner Ermordung. Man dürfe sich King nicht zu einem pflegeleichten "ökumenischen Heiligen" zurechtbiegen, sondern müsse ihn in seiner christlichen Radikalität ernstnehmen - gerade als Kritiker gegen das Unrecht innerhalb eines demokratischen Staates und der eigenen Kirche.

An den großen deutschen Theologen und Gründungsvater der IKvu Karl Rahner SJ erinnerten seine Weggefährten Dr. Ferdinand Kerstiens und Dr. Klaus Peter Fischer: Seine von der römischen-katholischen Kirchenleitung Anfang der 70er Jahre vollkommen ignorierten Reformvorschläge wurden als immer noch aktuell intensiv und ökumenisch diskutiert. Die Reformierbarkeit der Kirchen wurde jedoch allgemein als wenig realistisch eingeschätzt. Umso wichtiger sei es, sachorientiert und auf hohem Niveau kompetent und basisorientiert zu arbeiten, auch im Hinblick auf den Ökumenischen Kirchentag 2010 in München die Ökumene von unten zu forcieren.

Äußerst kontrovers diskutierten Dr. Gesine Lötzsch (Die Linkspartei.PDS) und Torsten Hilse (SPD) mit den TeilnehmerInnen. Während Hilse die mangelnden Einflussmöglichkeiten der Politik auf wirtschaftliche Entscheidungsprozesse beklagte und Widerspruch für sein Eintreten für den Religionsunterricht an Berliner Schulen erntete, musste Lötzsch scharfe Kritik an den  nationalen Tönen Oskar Lafontaines einstecken.

Weitere ReferentInnen waren Dr. Elisabeth Raiser, Mitglied im Präsidium des Evangelischen Kirchentages (DEKT), Ilona Schmidt, (ESG Dortmund) und Philipp Peter Müller (ESG Frankfurt/Main).

Padre Gerardo Pöter OP aus El Salvador berichtete zum Abschluß des Tagungsteils von seiner Gemeindearbeit in dem Stadtteil Ciudad Credisa in San Salvador: Der Dominikaner gehört zu den Gründungsmitgliedern der IKvu und erklärte auf diese sehr persönliche Weise den TeilnehmerInnen seine Erwartungen und Wünschen an ihr zukünftiges christliches Engagement. Musikalisch begleitet wurde der Kongress von der afro-amerikanischen Sängerin Flois Knolle-Hicks sowie vom Afrika-Chor der ESG Hannover.

Die Vortragstexte des Kongresses können unter presse@ikvu.de angefordert werden bzw. sind soweit sie uns vorliegen auf der Website im Archiv veröffentlicht. .

Bernd Hans Göhrig
Bundesgeschäftsführer

***
Initiative Kirche von unten (IKvu) ist ein ökumenisches Netzwerk von 37
Basisgemeinden, kirchen- und gesellschaftskritischen Gruppen in der
Tradition des politischen Linkskatholizismus und -protestantismus und der
Befreiungstheologie.
***

Kontakt:
Bernd Hans Göhrig, Bundesgeschäftsführer
Tel: 0179 524 40 75

Verena Mosen (CfS),
IKvu - Sprecherin
Tel: 0170 73 26 06 8

Dr. Uwe-Karsten Plisch (ESG),
IKvu - Sprecher
Tel: 030 44 67 38 11

email: presse@ikvu.de
http://www.ikvu.de

Initiative Kirche von unten (IKvu)
Oscar-Romero-Haus, Heerstraße 205, 53111 Bonn