zuletzt aktualisiert: 13.05.2009
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IKvu: Papstbesuch in Israel


Ökumenisches Netzwerk
Initiative Kirche von unten - IKvu

Pressemitteilung


IKvu zum Papstbesuch in Israel: Noch immer kein Schuldeingeständnis der Kirche.

Frankfurt/Main, den 13. Mai 2009

Die vergangenheitspolitischen Akzente Benedikt XVI. waren bisher durchweg negativ - besonders nach der Rehabilitierung des Shoah-Leugners Williamson stand der Besuch in Israel seit Wochen unter einem hohen Erwartungsdruck.

Der Papst wird jedoch den hohen Anforderungen nicht gerecht: Zwar findet er die Worte, die in Israel angemessen sind - doch mehr auch nicht: Er hat den Regeln des Anstands genügt, die von jedem Israel-Besucher zu Recht erwartet werden, zumal wenn er Papst und Deutscher ist.

Doch Benedikt sagt nicht, was gerade hier wichtig gewesen wäre: Bis heute wartet die Welt auf ein Schuldeingeständnis der römisch-katholischen Kirche über ihr Versagen in der Zeit des Nationalsozialismus. Diese "Pilgerreise" wäre eine vorzügliche Gelegenheit für ein solches Bekenntnis gewesen. Es hätte eine heilende Wirkung im Verhältnis zwischen Kirche und Judentum entfalten können - gerade nach dem Skandal um die revidierte Karfreitagsbitte. Dieses Schweigen wiegt in Israel weit schwerer als anderswo.

Joseph Ratzinger gelingt es nicht, über seinen eigenen biographischen Schatten zu springen: Als Katholik deutscher Herkunft wartete auf ihn in Israel eine doppelte Herausforderung - und als Papst eine große Chance. Diese Chance hat er nicht ergriffen - zum Schaden der römisch-katholischen Kirche.

Benedikt XVI. mangelt es offenbar an der nötigen historischen Sensibilität: Durch sein Schweigen erneuert er das Unrecht, während er zugleich von Erinnerung und Versöhnung spricht. Damit provoziert er zu Recht entschiedenen Widerspruch nicht nur des Zentralrats der Juden in Deutschland, sondern auch in Israel: Die Art und Weise, etwas zu sagen und zugleich etwas anderes nicht zu sagen kennzeichnet die politische Strategie Benedikts im Umgang mit der Geschichte. Hier liegt sein Versagen auf der ganzen vergangenheitspolitischen Linie.

Bernd Hans Göhrig
Bundesgeschäftsführer

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