zuletzt aktualisiert: 22.05.2008
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Pressemitteilung 07 vom 22.05.2008 

 

+ + + Pressemitteilung des Ökumenischen Netzwerkes Initiative Kirche von unten + + +

Heiner Geißler: „Kirchenreformdruck muß mit dem Evangelium von unten intensiviert werden.“ - Unterentwickelte biblische Pastoral in Deutschland.

Katholikentag/Osnabrück, den 22. Mai 2008.

Klare Worte fielen am heutigen Donnerstagabend in der Veranstaltung „Segel setzen - Flagge zeigen! Unsere Anstöße für die Erneuerung der Kirche“ mit Dr. Heiner Geißler, Prof. Dr. Hermann Häring, Dr. Cristy Orzechowski, dem Publik-Forum-Herausgeber Harald Pawlowski und Julia Maria Schmenk aus dem LIP-Vorstand in der Lutherkirche.

Vor ca. 120 Personen leistete das Podium eine illusionslose und wenig schmeichelhafte Analyse der Situation der katholischen Kirche.

Heiner Geißler erteilte einer Reform von oben eine klare Absage: „Wir müssen den Druck von unten verstärken“, denn eine Reform der Kirche sei überhaupt nur noch von unten zu erreichen. Ziel sei eine Kirche, die ihre Verantwortung für die Gestaltung der sozialen Verhältnisse ernstnehme, denn Jesus habe sich permanent mit den herrschenden Machtverhältnissen seiner Zeit auseinandergesetzt. „Die katholische Kirche fällt hier so gut wie aus!“, entrüstete sich Geißler, dabei ergebe sich der Auftrag an die Kirche zur Kritik an der „Anarchie der Weltwirtschaft“ unmittelbar aus dem Evangelium. „Das Wirtschaftssystem ist ein Monster!“, doch die Kirche nehme diese Krise nicht ernst. Das sei auch die eigentliche Ursache, warum die jungen Menschen die Kirche verlassen. Doch das Vorbild Jesu habe keine Bedeutung mehr: „Jesus hat in jeder 2. Zeile des Evangeliums Krach angefangen.“

Cristy Orzechowski berichtete begeisternd von ihrer Zeit als Gemeindeleiterin in Peru und teilte ihre Erfahrung mit: „Biblische Pastoral ist in Deutschland sehr unterentwickelt, doch die Bibel zeigt uns den Weg, nur von dort kann die Erneuerung kommen.“, sagte die Theologin, die 27 Jahre in Campesinogemeinden in Santiago de Pupuja gearbeitet hat.

Die europäische Trennung von Laien und Klerus finde sie befrendlich. „Wir kämpften nicht für die Veränderung des Amts, sondern wir lebten mit den Armen und so veränderte sich die Kirche.“ Eine Kirche, die den Basisgemeinden Verantwortung gebe, werde sich als eine Kirche erweisen, die in den Herausforderungen der Gesellschat bestehen könne.

Doch inzwischen werde die Frucht von 40 Jahren Arbeit durch die 17 Opus-Dei Bischöfe des Landes zurückgedrängt. Als Reaktion darauf organisieren sich die Gemeinden inzwischen als eingetragene Vereine neu.

Der Tübinger Theologe Hermann Häring präsentierte das Memorandum „Kirche und Amt“ der holländischen Dominikaner, das 2007 mit einem römischen Diskussionsverbot geahndet wurde. Darin geht es um die Ermöglichung von Eucharistiefeiern trotz allgemeinen Priestermangels. „Gemeinden gehen selbst auf die Suche nach einer geeigneten Person, ungeachtet des Geschlechts oder der sexuellen Orientierung, und nach reiflicher Beratung schlagen sie ihrem Bischof die Ordination des ausgewählten Menschen vor. Wenn der Bischof seine Zustimmung ohne inhaltliche Gründe verweigert, vertrauen sie darauf, daß eine gültige Eucharistiefeier stattfindet.“

Daß diese Vorschläge, kreativ mit der Krise umzugehen, auf ein Verbot stoßen, sei klar: „Man hat Angst, daß die Gültigkeit des Priesteramtes vom Tisch gefegt wird.“  

Dabei dürfe man sich keine Illusionen machen: Das Thema interessiere nur noch Menschen ab 60, denn die Jüngeren hätten längst pragmatische Lösungen für sich gefunden.

Hermann Häring plädierte dafür, die Realität der zahlreichen kreativen Formen von Gottesdienstpraxis wahrzunehmen. Dies würde zu einer Entklerikalisierung der Kirche und zu partizipativen Gemeindestrukturen führen.

Publik-Forum-Herausgeber Harald Pawlowski fragte nach der nötigen Strategie: Ziel sei es, möglichst viele Ausnahmen zu schaffen, denn „wenn Ausnahmen von unten überhand nehmen, werden sie von oben zur Regel gemacht“. Diese schon jetzt stattfindenden Ausnahmen müßten dringend effektiv vernetzt werden: „Es wäre die Aufgabe von Publik-Forum, diese Informationen zu vermitteln.“

Harald Pawlowski verwies auf das Beispiel der Schweiz, wo die Pastoralassistenten längst die Gemeindeleitungen übernommen hätten. „Wir sollten uns ermutigen, Wege von unten zu gehen.“

Veranstalter waren die Leserinitiative Publik e. V., Publik-Forum und das Ökumenische Netzwerk Initiative Kirche von unten (IKvu).

Das Programm der IKvu im gemeinsamen Zentrum von Leserinitiative Publik e.V., Ökumenischer Arbeitsgruppe Homosexuelle und Kirche e.V. und IKvu in der Lutherkirche unter www.ikvu.de .

Bernd Hans Göhrig,
Bundesgeschäftsführer

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Initiative Kirche von unten (IKvu) ist ein ökumenisches Netzwerk von 38 Basisgemeinden, kirchen- und gesellschaftskritischen Gruppen in der Tradition des politischen Linkskatholizismus und -protestantismus und der Befreiungstheologie.

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Kontakt:

Bernd Hans Göhrig
mobil: 0179 - 52 44 075
email: presse@ikvu.de
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Initiative Kirche von unten (IKvu)
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