zuletzt aktualisiert: 06.04.2007
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PRESSEMITTEILUNG 09 vom 14.06.2006


ESG, KASA und IKvu erinnern an den SchülerInnenaufstand in Soweto am 16. Juni 1976.
12 Jahre nach den ersten freien Wahlen ist Südafrika noch immer zerrissen.


Gemeinsame Erklärung der Kirchlichen Arbeitsstelle Südliches Afrika (KASA), der Evangelischen StudentInnengemeinde (ESG) und des Ökumenischen Netzwerks Initiative Kirche von unten (IKvu).

Berlin/Heidelberg, den 14. Juni 2006.

Vor 30 Jahren, am 16. Juni 1976, demonstrierten in der riesigen schwarzen Stadt Soweto nahe Johannesburg Schülerinnen und Schüler gegen die Einführung von Afrikaans als Unterrichtssprache an südafrikanischen Schulen.

Der friedliche Protest hatte bereits im Mai begonnen und richtete sich gegen eine neue, vom rassistischen System der Apartheid geprägte Schulverordnung. Zunächst beteiligten sich einige hundert Kinder und Jugendliche an einem Schulstreik, der sich schnell auf andere Townships ausweitete. Im Juni protestierten bereits 15.000 SchülerInnen und StudentInnen gegen die Verordnungen im Bildungswesen. Die weiße Regierung unter Premierminister Vorster ordnete die brutale Niederschlagung des Aufstandes an: Mit Gewehren und Schlagstöcken gingen die weißen Polizisten gegen unbewaffnete Kinder und Jugendliche vor. Mehr als 550 Menschen wurden getötet, Tausende zum Teil schwer verletzt. Unter den ersten Opfern war auch der 12-jährige Hector Peterson. Das Photo des sterbenden Schülers ging um die ganze Welt, es wurde in den folgenden Jahren zum stets präsenten Nachweis für die Brutalität des weißen rassistischen Südafrika. Hector Peterson selbst wurde zur Symbolfigur des Aufstandes der schwarzen Bevölkerung gegen das System der Apartheid.
Nach 6 Monaten waren die Unruhen unterdrückt, doch der Aufstand in Soweto signalisierte den Beginn eines breiten Widerstandes, der in eine internationale Solidarisierungskampagne mündete: Die von SchülerInnen initiierte Verbindung mit Gewerkschaften und Kirchen machte diesen Widerstand in der Folge stark und führte Anfang der 90er Jahre zum Ende der Apartheid.

Apartheid nach der Apartheid

12 Jahre nach den ersten freien demokratischen Wahlen 1994 ist das neue Südafrika noch immer eine zerrissene Gesellschaft: Zwar wurden durchaus beeindruckende Leistungen erbracht, um die Last der Vergangenheit zu bewältigen, doch:
"Diese politischen Erfolge sind durch die rapide sich verschlechternde wirtschaftliche und soziale Notlage der noch immer benachteiligten schwarzen Mehrheit extrem gefährdet. Die tickende soziale Zeitbombe hat fünf Namen: Armut, Ungleichheit, Arbeitslosigkeit, Gewalt und Aids." so Theo Kneifel (KASA). "Zwar wurde die politische Apartheid beendet, doch eine Apartheid des Geldes ist geblieben und hat sich noch verschärft."

Der Transformationsprozess im demokratischen Südafrika kam nach Einschätzung von ESG, KASA und IKvu bisher vor allem einer Elite zugute, die nach wie vor weiß ist und lediglich um eine schwarze Schicht erweitert wurde. Trotz der errungenen politischen Freiheiten geht es der schwarzen Mehrheit heute sozial und wirtschaftlich weitgehend schlechter als unter der Apartheid. Dies trifft besonders die junge Generation der 18-35jährigen, hier liegt die Arbeitslosenrate bei 40-70 Prozent. Die Parole "freedom now - education tomorrow" aus der Zeit des Widerstandes muss endlich eingelöst werden, sonst bleibt diese Generation auch weiterhin auf der Strecke.

Die Inschrift auf dem Hector-Peterson-Memorial erinnert daran, dass eine Forderung des Aufstandes von Soweto noch nicht eingelöst ist: "Zu Ehren der Jugend, die ihr Leben gab im Kampf für Freiheit und Demokratie. Im Angedenken Hector Petersons und all der anderen jungen Helden in unserem Kampf, die für Freiheit, Frieden und Demokratie starben" 

Ulrike Kind (ESG)
Theo Kneifel (KASA)
Bernd Hans Göhrig (IKvu)

Beim 31. Deutschen Evangelischen Kirchentag 2007 in Köln werden ESG, KASA und IKvu eine Werkstatt Afrika mitgestalten.

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Initiative Kirche von unten (IKvu) ist ein ökumenisches Netzwerk von 37 Basisgemeinden, kirchen- und gesellschaftskritischen Gruppen in der Tradition des politischen Linkskatholizismus und -protestantismus und der Befreiungstheologie.
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Kontakt:

Bernd Hans Göhrig
Bundesgeschäftsführer

Tel: 0179 52 44 075
email: presse@ikvu.de
http://www.ikvu.de

Initiative Kirche von unten (IKvu)
Oscar-Romero-Haus, Heerstraße 205, 53111 Bonn