zuletzt aktualisiert: 31.10.2007
home

Pressemitteilung 09 vom 31.10.07 



+ + + Pressemitteilung des Ökumenischen Netzwerkes Initiative Kirche von unten 9 / 2007  + + +

IKvu zur EKD-Denkschrift "Aus Gottes Frieden leben - für gerechten Frieden sorgen": Ein bemerkenswerter Zwischenschritt

Bonn/Berlin 31.10.07 Die IKvu begrüßt die neue Friedensdenkschrift der EKD als eine bemerkenswert klare friedensethische Stellungnahme - 26 Jahre nach der bisher einzigen Denkschrift zum Frieden 1981 bemüht sich der Rat der EKD um eine Klärung der Position.

"Obwohl Frieden im christlichen Sinne Gerechtigkeit eigentlich mit einschließt, gewinnt die Rede vom ,gerechten Frieden' ihren guten Sinn als klare Absage an das Konzept des ,gerechten Krieges', so IKvu-Bundesgeschäftsführer Bernd Hans Göhrig. Gewaltfreien Methoden der Konfliktlösung wird ein klarer Vorrang zuerkannt, die entscheidende Rolle ziviler Entwicklungsstrategien für einen dauerhaften Frieden wird betont.

Die Denkschrift betont den christlichen Auftrag zur Friedenserziehung - in der Aufzählung der christlichen Handlungsfelder zur Friedenserziehung wird die Militärseelsorge samt lebenskundlichem Unterricht nicht mehr genannt.

"Hier scheint sich endlich die Einsicht durchzusetzen, dass eine Erziehung zum Frieden im christlichen Sinne innerhalb militärischer Strukturen unmöglich ist." betont Dr. Uwe-Karsten Plisch, Theologe und IKvu-Sprecher. Ausdrücklich heißt es hier in der Denkschrift: die "Beteiligung am Militärdienst ... schließt  ... die Bereitschaft zum Verletzen und Töten von Menschen ein" (S.40). 

Wohl auf Grund des im Vorwort genannten Konsensprinzips lässt die Denkschrift allerdings zuweilen letzte Klarheit vermissen:

Erfreulicherweise wird betont, dass "für keine der großen Weltreligionen ... ein notwendiger ... Zusammenhang zwischen Religion  und Gewalt" (S. 24) bestehe, der Zusammenhang von Christentum und Gewalt wird allerdings vor allem als Geschichte, d.h. als Vergangenheit reflektiert, nicht als gegenwärtiges Problem.

Die Frage der Frauenrechte sollte nicht nur im Gespräch mit dem Islam auf der Tagesordnung stehen, sondern ebenso im Gespräch zwischen Protestanten, Katholiken und Orthodoxen.

Deplaziert wirkt in der Denkschrift die Absage an das gemeinsame Gebet von Menschen unterschiedlicher Religionen. "Befremdlich", so Dr. Plisch, "ist vor allem die Begründung, wonach ein identisches Gottesverständnis Voraussetzung für ein gemeinsames Gebet sei. Träfe dies zu, müssten sich auch Teilnehmer eines evangelischen Gottesdienstes zum Beten in separate Kammern zurückziehen." Dass Juden und Christen nicht gemeinsam einen Psalm beten könnten, wird durch die Praxis vielfach widerlegt.

Zwar beklagt die Denkschrift die fortdauernde Armut in vielen Regionen der Welt, erwähnt hingegen nicht die Tatsache, dass die Schere zwischen reichen und armen Staaten ebenso wie die Schere zwischen Arm und Reich innerhalb von Gesellschaften sich seit Jahrzehnten immer weiter öffnet. Klar benannt wird dagegen die nach wie vor unzureichende Entwicklungshilfe der Bundesrepublik Deutschland (0,3 statt der angestrebten 0,7% des Bruttosozialproduktes).

"Diese Zahl ist noch beschämender, wenn man bedenkt, dass ein großer Teil der Entwicklungshilfe zur Schuldentilgung eingesetzt wird, also im Grunde zur Subventionierung des westlichen Finanzsystems", so Göhrig.

Die neue Rolle der Bundeswehr als international agierende Interventionsarmee wird problematisiert, aber nicht grundsätzlich in Frage gestellt. Lediglich beschrieben - zwar deutlich und unter Rückgriff auf den Rüstungsexportbericht der "Gemeinsamen Konferenz Kirche und Entwicklung" (S. 100), aber eben ohne explizite Verurteilung - wird die Tatsache, dass Deutschland einer der fünf weltgrößten Rüstungsexporteure ist, und auch in Krisengebiete liefert. Hier dürfte sich hemmend ausgewirkt haben, dass Vertreter für den deutschen Rüstungsexport verantwortlicher Parteien (CDU, Grüne, SPD) zu den Verfassern der Denkschrift gehören.

Jetzt kommt es darauf an, die grundsätzlich positiven Ansätze des Textes konsequent weiterzuentwickeln und in das politische Tagesgeschäft einzubringen.

***
Initiative Kirche von unten (IKvu) ist ein ökumenisches Netzwerk von 38 Basisgemeinden, kirchen- und gesellschaftskritischen Gruppen in der Tradition des politischen Linkskatholizismus und -protestantismus und der Befreiungstheologie.
*** 

Kontakt:

Dr. Uwe-Karsten Plisch
IKvu-Sprecher
Email: forum1[@]bundes-esg.de
Tel: 030 - 44 67 38 11
Mobil: 0176 - 50 26 90 99
http://www.ikvu.de
Initiative Kirche von unten (IKvu)
Oscar-Romero-Haus, Heerstraße 205, 53111 Bonn