zuletzt aktualisiert: 06.04.2007
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PRESSEMITTEILUNG 10 vom 06.07.2006



IKvu zur EKD-Erklärung "Kirche der Freiheit. Perspektiven für die Evangelische Kirche im 21. Jahrhundert"

Berlin, den 6. Juli 2006.

Der Rat der EKD hat ein Impulspapier zur Zukunft der Evangelischen Kirche bis 2030 vorgelegt, das trotz seines gewaltigen Umfangs hoffentlich ebenso gewaltige Diskussionen auslösen wird. In 12 sogenannten "Leuchtfeuern" werden die aus Sicht der EKD herausragendsten Probleme analysiert und zum Teil einschneidende Perspektiven entwickelt.

Die IKvu begrüßt die oft schonungslose und ehrliche Analyse der Lage, hält aber viele Lösungsvorschläge allenfalls für tastende Versuche. "Wer zum Beispiel erkennt, dass die Kopplung der Kirchensteuer an die Erwerbsarbeit dazu führt, dass nur 30% der Mitglieder sich überhaupt an der Finanzierung der Kirche durch Steuermittel beteiligen, muss logischerweise auch das Modell der Kirchensteuer selbst auf den Prüfstand stellen", so Dr. Uwe-Karsten Plisch, Sprecher der IKvu.

Die perspektivische Verringerung der Zahl der Landeskirchen und ihre Anpassung an die territorialen Gegebenheiten der Bundesrepublik ist der größte Wurf des Papiers - der Aufschrei nicht nur lokaler Kirchenfürsten wird nicht ausbleiben. Andererseits werden die Landeskirchen mit Recht die zentralistische Stärkung der EKD mit Misstrauen beobachten.

An dem Papier fällt jedoch zuerst die der Sache oft unangemessene ökonomisierte Sprache auf - so zum Beispiel wenn die "Tauf- und Trauquote" (S. 20) erhöht und die "Angebotsorientierung" (S. 58ff.) verstärkt werden sollen. Das neoliberale Lieblingsargument des "demographischen Wandels" (S. 12), hat sich auch in diesem Papier an vorderste Stelle geschlichen - als der steigende Altersdurchnitt der Gesellschaft per se etwas Negatives.

Sodann fällt der freihändige Gebrauch von regelrecht ergoogelten Bibelzitaten an den unpassendsten Stellen ins Auge: Hier wird die protestantische Kernkompetenz schlechthin, das verantwortliche Reden von und Leben aus der Bibel, einer dem Zeitgeist verfallenen Kultur des Zitats geopfert.

Der schwächste Abschnitt ist das "Leuchtfeuer" zum Thema Bildung. Die evangelische Kirche setzt sich das ehrgeizige Ziel, 90% der Kinder bis zum sechsten Lebensjahr mit Grundinformationen zu Bibel und kirchlichen Festen zu versorgen und beharrt gleichzeitig starrsinnig auf dem antiquierten Modell des konfessionellen Religionsunterrichts.

Der tückischste Satz des ganzen Papiers findet sich versteckt auf S. 20: "Die Aufgabe, Frieden zu sichern und zu fördern, wird neue Formen annehmen." Im inhaltlichen Kontext des Vorworts ("Chancen und Herausforderungen") bedeutet das nichts anderes als die Übernahme der aktualisierten Militärdoktrin: Verteidigung am Hindukusch und Sicherung deutscher Interessen durch Auslandseinsätze - und die Kirche ist immer dabei. "Das traditionelle Versagen der verfassten Kirche in der Friedensfrage wird hier fortgeschrieben - nicht zuletzt mit Rücksicht auf das ebenso tabuisierte wie finanziell einträgliche Thema Militärseelsorge", so Dr. Plisch.

Dr. Uwe-Karsten Plisch (IKvu)

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Initiative Kirche von unten (IKvu) ist ein ökumenisches Netzwerk von 37 Basisgemeinden, kirchen- und gesellschaftskritischen Gruppen in der Tradition des politischen Linkskatholizismus und -protestantismus und der Befreiungstheologie.

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Kontakt:

Dr. Uwe-Karsten Plisch
IKvu-Sprecher
Tel: 030 - 61 50 40 79
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Initiative Kirche von unten (IKvu)
Oscar-Romero-Haus, Heerstraße 205, 53111 Bonn

Hinweis: Die EKD-Erklärung ist unter http://www.ekd.de/ekd_kirchen/zukunftskongress.html zu finden.