zuletzt aktualisiert: 22.10.2009
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IKvu: 200 Tage vor dem Ökumenischen Kirchentag


Ökumenisches Netzwerk
Initiative Kirche von unten - IKvu

Pressemitteilung

200 Tage vor dem Ökumenischen Kirchentag: IKvu vermisst ökumenische Impulse.
Aggressive Profilierung von oben schadet Ökumene und vernachlässigt gesellschaftliche Probleme.


Frankfurt/Main, den 22. Oktober 2009

200 Tage vor dem 2. Ökumenischen Kirchentag in München 2010 ist keine Vorwärtsbewegung im ökumenischen Prozess erkennbar - stattdessen prägen Schuldzuweisungen und Bremsmanöver von beiden Seiten die "Ökumene von oben".

"München muss Zeichen setzen, sonst kann man sich den 2. ÖKT sparen. Dafür genügt es nicht, die orangenen Bändchen unserer Abendmahlsgottesdienste in der Gethsemanekirche 2003 zur Farbe des nächsten ÖKT zu machen", so Bernd Hans Göhrig, IKvu-Bundesgeschäftsführer. "Der ÖKT müsste ökumenisch schwungvoll die aggressiven Abgrenzungsstrategien von oben überspringen - noch wäre Zeit, in München auch gegen das Trendsetting einiger lautstarker Kirchenleitungen Zeichen zu setzen."

Das formelhafte Beschwören von ökumenischen Fortschritten lenke im Grunde nur von faktischen Rückschritten ab, moniert Dr. Herbert Koch, der frühere Superintendent des Kirchenkreises Wolfsburg und streitbare Autor: "Die Ökumene auf der Ebene der Kirchenleitungen wird als Ausklammerungsökumene praktiziert. Die wirklich kontroversen Fragen sind tabu, man weiß, dass man sich angesichts der vatikanischen Haltung nicht verständigen kann - z.B. über die Abendmahlslehre."

Dabei war der ökumenische Schwung in beiden Kirchen schon einmal weiter: Offen diskutiert wurden die Vorteile und Strategien größerer Kooperation - bis hin zum gemeinsamen Abendmahl. Noch 1970 schrieb Walter Kasper - heute Präsident des "Päpstlichen Rates zur Förderung der Einheit der Christen" - in der Zeitschrift "Publik": "Die eigentliche Irregularität sind nicht offene Kommunionfeiern, sondern die Spaltung und die gegenseitige Exkommunikation der Kirchen." Hierbei hätten "vorpreschende Gruppen" eine "nicht positiv genug zu würdigende Funktion".

Die Vereinbarung des ersten Ökumenischen Kirchentages 1996 zwischen DEKT und ZdK lebte noch von diesem Schwung für eine gemeinsame ökumenische Zukunft.

Inzwischen überwiegt die Betonung des Trennenden, beschönigt als "Ökumene der Profile" - eine Krücke: "Die ständige Betonung des eigenen Profils blockiert eine gemeinsame Bewältigung der großen Probleme, vor dem beide Kirchen stehen, nämlich die Fragestellungen der Aufklärung, die zum modernen Menschen gehören. Dies würde dazu führen, christlich vernünftige Beiträge zu leisten, z.B. zum Frieden in Afghanistan und zum Umgang mit der AIDS-Seuche in Afrika."

Kirchentage waren ursprünglich von unten getragene Bewegungen - und nur von unten wird die ökumenische Bewegung am Laufen gehalten. Dies wird auch für den ÖKT 2010 gelten: Ökumenische Impulse werden von Basisinitiativen ausgehen - und von mutigen Gemeinden, die etwa ChristInnen der anderen Konfession ausdrücklich zum gemeinsamen Abendmahl einladen werden. Und das wird geschehen - auch gegen das Verbot einiger katholischer Bischöfe und die "Rücksichtnahme" ihrer evangelischen Kollegen.

Veranstaltungshinweis:

ÖKUMENE IM RÜCKWÄRTSGANG ?
Unterwegs zum Ökumenischen Kirchentag in München 2010

mit Dr. Herbert Koch, Autor und Superintendent i.R.

Freitag, 30. Oktober, 19:30 Uhr
Evangelische Matthäuskirche (U4 "Messe") in FfM.

Veranstaltung zum Reformationstag von:
Evangelische Hoffnungsgemeinde FfM., Leserinitiative Publik, Zeitschrift Publik-Forum und IKvu.

Kontakt:

Dr. Herbert Koch
herbert.a.koch@htp-tel.de

Bernd Hans Göhrig
0179 - 52 44 075
goehrig@ikvu.de

Thomas Wystrach
06171 - 7003 - 67
0174 - 96 70 256
tw@publik-forum.de

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Initiative Kirche von unten (IKvu) ist ein ökumenisches Netzwerk von 38 Basisgemeinden, kirchen- und gesellschaftskritischen Gruppen in der Tradition des politischen Linkskatholizismus und -protestantismus und der Befreiungstheologie.

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