zuletzt aktualisiert: 28.11.2007
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Pressemitteilung 12 vom 28.11.07 



+ + + Pressemitteilung des Ökumenischen Netzwerkes Initiative Kirche von unten 12/2007  + + +

IKvu zum neuen Erzbischof von München und Freising Dr. Reinhard Marx. 
Ein unflexibler Ökumeniker – ein engagierter Kapitalismuskritiker.  

Die Ernennung des Trierer Bischofs Dr. Reinhard Marx zum neuen Erzbischof von München und Freising kommt nicht unerwartet: Der Wortführer der Konservativen in der Deutschen Bischofskonferenz gilt als Hoffnungsfigur im deutschen Katholizismus.

„Der eingeleitete Generationswechsel wird konsequent fortgesetzt: Nach Limburg ist nun auch in München die neue Zeit angebrochen.“ so Bernd Hans Göhrig, IKvu-Bundesgeschäftsführer. „Reinhard Marx steht für eine medienwirksame Imagepflege des konservativen Katholizismus, die die älteren Kollegen im Bischofsamt nie leisten konnten – für einen eloquenten Managementkatholizismus, strukturkonservativ und machtbewusst.“

Aus römischer Sicht ist diese feste Linie dringend nötig - angesichts von sinkenden Katholiken- und Priesterzahlen, fehlenden Finanzen und einem angestaubten Image in der säkularisierten Gesellschaft braucht es gerade in der deutschen Öffentlichkeit profilierte Vertreter des Vatikans. Dem Erzbistum München kommt hier sicher eine Schlüsselrolle zu – nicht nur als gastgebende Stadt des Ökumenischen Kirchentages 2010. Leider geht dies an den Menschen in den Gemeinden vorbei.

Als Leiter des Dortmunder Sozialinstituts „Kommende“ und als Professor für Christliche Gesellschaftslehre an der Theologischen Fakultät in Paderborn profilierte sich Reinhard Marx vor allem auf sozialethischem Gebiet und scheute auch später als Trierer Bischof nie davor zurück, sich in Fragen sozialer Gerechtigkeit und auf friedenspolitischem Gebiet pointiert kapitalismuskritisch zu Wort zu melden. Eine Globalisierung der Märkte im Interesse der westlichen Welt kennzeichnete er schon 2002 als „ökonomischen Imperialismus, der nur die Interessen der Reichen im Blick hat“.

„Es ist schon erstaunlich, dass das Eintreten für soziale Gerechtigkeit einhergehen kann mit der Missachtung von Menschenrechten in der Kirche.“ so Bernd Hans Göhrig. „Synodale Strukturreformen, die etwa die Gleichberechtigung von Frauen unterstützen könnten, sucht man im Profil des neuen Münchener Erzbischofs bisher vergeblich.“

Dafür ist Reinhard Marx einer der ganz wenigen medienfähigen deutschen Bischöfe. Anders als manche seiner Kollegen tritt er weniger durch sprachliche Entgleisungen als durch ein intelligentes und pointiertes Eintreten für konservative Positionen in der modernen Gesellschaft in Erscheinung. Das wird ihn besonders für den traditionsreichen Bischofssitz in der Metropole München empfohlen haben. Zudem gilt als ausgemacht, daß Marx damit Nachfolger von Kardinal Lehmann als Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz werden dürfte.

Beim 2. Ökumenischen Kirchentag 2010 wird Reinhard Marx nun der gastgebende katholische Bischof sein. In der Ökumenepolitik liegt er ganz auf der Linie des Papstes: Als Trierer Bischof war Reinhard Marx für die Suspendierung von Prof. Gotthold Hasenhüttl verantwortlich, der während des Ökumenischen Kirchentages 2003 in der Evangelischen Gethsemanekirche in Berlin evangelische Christinnen und Christen zur Eucharistie eingeladen hatte. 2006 wurde dem Saarbrücker Professor zudem die kirchliche Lehrerlaubnis entzogen.

„Ökumenische Fortschritte sind von Reinhard Marx 2010 in München kaum zu erwarten.“ so Bernd Hans Göhrig. „Er steht für eine Profilökumene, die lieber auf dem eigenen Standpunkt beharrt als sich um der Menschen willen aufeinander zu zu bewegen.“

Es kündigt sich also Streit an in München: Für eine Ökumene, die diesen Namen auch verdient.

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Initiative Kirche von unten (IKvu) ist ein ökumenisches Netzwerk von 38 Basisgemeinden, kirchen- und gesellschaftskritischen Gruppen in der Tradition des politischen Linkskatholizismus und -protestantismus und der Befreiungstheologie.
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Kontakt:

Bernd Hans Göhrig
Bundesgeschäftsführer
Email: goehrig[at]ikvu.de

Tel: 069 – 42 09 57 80
Mobil: 0179 – 52 44 075

http://www.ikvu.de

Ökumenisches Netzwerk Initiative Kirche von unten (IKvu)
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