zuletzt aktualisiert: 06.04.2007
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Hintergrundinformationen zur PRESSEMITTEILUNG 08 vom 01.06.2006


      Ökumenisches Pfingsttreffen 1971 in Augsburg

 

Das 1. Ökumenische Pfingsttreffen fand auf Einladung des Präsidiums des Deutschen Evangelischen Kirchentags (DEKT) und des Zentralkomitees der Deutschen Katholiken (ZdK) von 3. bis 5. Juni 1971 in Augsburg statt. Als Laientreffen und Forum für ökumenisch engagierte Gruppen konzipiert, hatte es vor allem die Funktion eines Indikators für das damals ökumenisch Mögliche. Und es war es ein Experiment für erwartete weitere ökumenische Veranstaltungen: Ein Anfang, hinter den es zum damaligen Zeitpunkt kein Zurück zu geben schien.

8000 DauerteilnehmerInnen - darunter etwa 400 TeilnehmerInnen aus den Niederlanden, Österreich, Schweiz und Frankreich sowie über 400 JournalistInnen - arbeiteten in 6 Arbeitsgruppen zu den Themen I: Glaubensnot und Kirchen, II: Gottesdienst, III. Ehe, IV. Sorge für den einzelnen Menschen - Individuelle Lebenshilfe, V. Ausländische Arbeitnehmer und VI. Entwicklung - Verantwortung der Christen.

Wir dokumentieren Resolutionen aus den Arbeitsgruppen "I: Glaubensnot und Kirchen" und "II: Gottesdienst", die für die Diskussion um den 1. Ökumenischen Kirchentag 2003 in Berlin und dem 2. Ökumenischen Kirchentag 2010 in München und eine ökumenisch gewandelte Kirche (wieder) von Interesse sind.


Arbeitsgruppe I: Glaubensnot und Kirchen
Resolutionen, die im Plenum - 2500 Personen - verabschiedet wurden:

1. Das Plenum der Arbeitsgruppe I nimmt den Beschluss der Kirchenleitungen mit Bedauern zur Kenntnis, verschiedene Begriffe im Credo für die Charakterisierung der Kirchen zu gebrauchen. Das Plenum bittet die Kirchenleitungen, baldmöglichst den einheitlichen Begriff "allumfassend" in den Gebrauch der gemeinsamen Credo-Fassung einzuführen.
Antragsteller: Diskussionsgruppe 2.
Mit großer Mehrheit bei einigen Gegenstimmen und einigen Stimmenthaltungen angenommen.

2. Die Christen in der Arbeitsgruppe I bitten das Zentralkomitee der deutschen Katholiken und das Präsidium des Deutschen Evangelischen Kirchentages, ein weiteres Treffen von Christen der verschiedenen Kirchen (gemeinsamer Kirchentag) in etwa zwei Jahren wieder zu organisieren. Die Aussprachen in den Arbeitsgruppen haben allen Beteiligten sowohl zu einem besseren gegenseitigen Verstehen als auch zur Klärung über den eigenen Ort in der Christenheit und in der eigenen Kirche verholfen.
Antragsteller: Diskussionsgruppen 2 und 7.
Mit Mehrheit angenommen.


5.  Zahlreiche Erfahrungen bestätigen, dass die Zeit, in der die Konfessionen kirchentrennend waren, vorbei ist. Gleichwohl stehen wir noch vielfach am mühsamen Anfang gemeinsamen Handelns. Darum fordern wir aus Anlass des 1. Ökumenischen Pfingsttreffens die Christen in den vielen Kirchen auf, sich auf den Prozess in Richtung auf die eine Kirche einzulassen.

 

(1) Wir fordern die Christen aller Konfessionen auf:

·         Treibt selbst das ökumenische Anliegen weiter!

·         Bildet gemeinsame Gruppen in allen Gemeinden.

·         Bildet gemeinsame Christenräte an jedem Ort.

·         Gebt euch gegenseitig Lebens- und Glaubenshilfe durch Information und Kooperation.

·         Plant und verwirklicht gemeinsame Aktivitäten in allen gesellschaftlichen Bereichen.

·         Feiert gemeinsame Gottesdienste.

·         Erkennt euch gegenseitig an und seid bereit, aufeinander zu hören.

(2) Wir wenden uns an die Leitungen und Entscheidungsgremien der Kirchen:

·         Schafft die rechtlichen Voraussetzungen, daß Gemeinden, die dies wünschen, für bestimmte Aufgaben gemeinsame Einrichtungen bilden können - etwa für Bau, Betrieb und Unterhaltung von Sozialeinrichtungen, Gemeindezentren, Bildungswerken, Beratungsdiensten usw. sowie für Ausbildung, Anstellung und Fortbildung der Mitarbeiter.

·         Schafft die kirchenrechtlichen Voraussetzungen für die zu bildenden Christenräte mit finanzieller Verfügungsgewalt.

·         Schafft die rechtlichen Voraussetzungen, daß in der Schule, wo gewünscht, der Religionsunterricht als gemeinsames Angebot erteilt werden kann.

·         Bildet zu diesem Zweck auf Landes- bzw. Diözesanebene sowie auf Bundesebene gemischte Kommissionen mit entsprechenden Kompetenzen.

Wir verstehen dies als Teilhabe am Werk Jesu in Überwindung der Trennung der Konfessionen und enger Kirchlichkeit.
Antragsteller: Diskussionsgruppe 5.
Mit Mehrheit angenommen.


6. Die Arbeitsgruppe I der in Augsburg versammelten Christen bittet die örtlichen christlichen Gemeinden der Bundesrepublik, sich um die Synagogen in ihrem Bereich zu kümmern und ihnen, wenn nötig, finanziell zu helfen.
Antragsteller: Diskussionsgruppe 6.
Mit großer Mehrheit angenommen.


7. Die Arbeitsgruppe I schlägt vor, dass über das gemeinsame Apostolikum und Nicaenum hinaus eine prägnante Glaubensaussage erarbeitet wird, die dem Menschen von heute verständlich ist und ihm hilft, sich als Christ zu bekennen. Eine solche Aussage müsste ökumenisch sowohl von Theologen als auch von Nicht-Theologen in den Gemeinden erarbeitet werden.
Antragsteller: Diskussionsgruppe 7.
Mit Mehrheit angenommen.


9. Alle evangelischen und katholischen Christen und Gemeinden werden aufgefordert, neue Formen zu suchen, die Ergebnisse der theologischen Forschung in einer für Nichtfachleute verständlichen Form darzustellen und zu diskutieren. Dieses müsste ökumenisch geschehen, weil jede Konfession oder christliche Gemeinschaft dann ihr besonderes Pfund mit einbringen kann und gleichzeitig die Fülle der Gnadengaben Jesu an seine Gemeinde sichtbar würde. Ebenso sollte angeregt werden, die ökumenischen Einkehrtage und Exerzitien öfter anzubieten, weil diese Form des Zugangs zur Gotteserfahrung einem wachsenden Bedürfnis vieler entgegenkommt. Die Bischöfe und Kirchenleitungen werden gebeten, Pfarrer und Kirchenvorstände zu diesem Vorgehen zu ermuntern.
Antragsteller: Diskussionsgruppe 8.
Mit Mehrheit angenommen.

 


Arbeitsgruppe II: Gottesdienst 
A. Resolutionen, die im Plenum - 1400 bis 2100 Personen - verabschiedet wurden:

16. Die Kirchenleitungen sowie die Synode der EKD und die Gemeinsame Synode der Bistümer in der BRD sollen die sich abzeichnende Annäherung im Verständnis des Amtes sowohl in der Theologie wie in der Praxis des kirchlichen Lebens aufnehmen, theologisch verarbeiten und weitervermitteln. Insbesondere dürften die Bestrebungen zu einer Abendmahlsgemeinschaft zwischen den Konfessionen nicht mehr durch einen bloßen Verweis auf die Ungeklärtheit der Amtsfrage abgelehnt werden.


19. (1) Viele Menschen finden infolge einer ihnen unverständlichen Sprache keinen Zugang mehr zum Gottesdienst. Wir fordern daher:

a) die Überarbeitung und Neugestaltung liturgischer Texte,
b) eine Predigtsprache, die den Menschen unserer Zeit erreicht,
c) das Gespräch zwischen Pfarrer und Gemeindegliedern zur Vor- und Nachbereitung von Gottesdiensten,
d) eine intensive Aus- und Weiterbildung der Pfarrer in dieser Richtung.

 

(2) Wir bitten die Kirchenleitungen, die Teilnahme an einem ökumenischen Gottesdienst oder an dem Sonntagsgottesdienst der anderen Konfession als Teilnahme an einem regulären Sonntagsgottesdienst der eigenen Konfession gelten zu lassen.

 

(3) Die Kirchenleitungen sollten darauf hinwirken, dass ökumenische Gottesdienste in einer gewissen Regelmäßigkeit und Häufigkeit zu einem selbstverständlichen Bestandteil der Gottesdienstordnungen beider Kirchen werden.
Antragsteller: Diskussionsgruppe 12.
Mit großer Mehrheit angenommen.


20. In jeder christlichen Kirche soll es jedem Christen, der der Einladung des Herrn folgen will, möglich sein, an der Kommunion teilzunehmen. Falls er einem anderen Bekenntnis angehört, nimmt er als Gast daran teil. Die christlichen Kirchen verzichten auf ein Verbot, das ihre Glieder von der Teilnahme an der Kommunion einer anderen Kirche abhält. Diese Kommunion erlaubt eine brüderliche Gemeinschaft, ohne dass die Kirchen und der einzelne gezwungen sind, von ihrem Verständnis des Sakraments etwas preiszugeben.
Antragsteller: Diskussionsgruppe 12.
Mit deutlicher Mehrheit angenommen.


22. Bei den Bischöfen beider Kirchenleitungen und bei den Leitungen der anderen kirchlichen Gruppierungen, die in der Allianz zusammengeschlossen sind, wird beantragt, alle Gebetswochen (im Januar und zu Pfingsten) einschließlich der Allianzgebetswoche zusammenzulegen und möglichst die Woche vor Pfingsten für ökumenische Veranstaltungen zu nutzen.
Antragsteller: Diskussionsgruppe 13.
Mit großer Mehrheit angenommen.


23. Das ökumenische Bewusstsein vieler Gemeinden verlangt die Intensivierung der Praxis ökumenischer Gottesdienste. Darum werden folgende Anträge an die Deutsche Bischofskonferenz, den Rat der EKD und die Leitungen der evangelischen Landeskirchen und Freikirchen gestellt:

 

(1) Den Gemeinden soll freigestellt und empfohlen werden, regelmäßig ökumenische Gottesdienste als gemeinsame sonntägliche Hauptgottesdienste zu halten.

 

(2) Die Arbeitsgemeinschaft christlicher Kirchen in Deutschland soll beauftragt werden, eine Zentralstelle zu schaffen, die Material aus ökumenischen Gottesdiensten sammelt, sichtet und veröffentlicht. Diese Veröffentlichungen sollten allen Gemeinden und interessierten Kreisen und Personen zugänglich gemacht werden.
Antragsteller: Diskussionsgruppe 15.
Mit Mehrheit angenommen.


24. Die Kirchenleitungen, Gemeinden und Theologen sollen zur Lösung der Frage der gemeinsamen Eucharistie resp. Abendmahlsfeier unverzüglich Wege theologischer Klärung und verbindlicher Verhandlungen suchen. Dabei sollen die römisch-katholische Kirche, die Kirchen und kirchlichen Gemeinschaften der Reformation sowie alle anderen christlichen Kirchen verantwortlich beteiligt werden.
Antragsteller: Diskussionsgruppe 16.
Fast einstimmig angenommen.


25. Auf dem Weg zur Gemeinschaft im Gottesdienst und am Tisch des Herrn ist es unerlässlich, dass sich die Christen beider Konfessionen in ihren Gottesdiensten und ihrer Eucharistie- bzw. Abendmahlsfeier besuchen und kennen lernen.
Antragsteller: Diskussionsgruppe 16.
Mit deutlicher Mehrheit angenommen.


26. Wir bitten die katholische Bischofskonferenz und die Synode 72 festzustellen, dass auch die Teilnahme an ökumenischen und evangelischen Gottesdiensten als Erfüllung der "Sonntagspflicht" anzusehen ist.
Antragsteller: Diskussionsgruppe 16.
Mit deutlicher Mehrheit angenommen.


27. Wir fordern Kirchenleitungen und Synoden auf, gemeinsame Abendmahlgottesdienste bzw. Eucharistiefeiern für ökumenische Gruppen und konfessionsverschiedene Ehepaare zuzulassen und als einen Weg zur größeren Einheit zu empfehlen.
Antragsteller: Diskussionsgruppe 16.
Mit großer Mehrheit angenommen.


28. Die römisch-katholischen und evangelischen Synoden und Kirchenleitungen werden gebeten, ihre Glieder gegenseitig zu einer offenen Kommunion zuzulassen.
Antragsteller: Diskussionsgruppe 16.
Mit Mehrheit angenommen.


29. Die Leitungen der evangelischen und katholischen Kirchen in der Bundesrepublik Deutschland werden gebeten, die Abschaffung aller Vorschriften zu veranlassen, die einem Predigeraustausch in Eucharistie- und Abendmahlsfeier entgegenstehen.
Antragsteller: Diskussionsgruppe 16.
Mit großer Mehrheit angenommen.

 


B. Resolutionen, die nicht dem Plenum vorgelegt, 
sondern in einer Diskussionsgruppe verabschiedet wurden:

Diskussionsgruppe 10: 65 Personen

30. Die Teilnehmer der Diskussionsgruppe fordern die Kirchenleitungen, die Synoden der EKD und die Gemeinsame Synode der Deutschen Bistümer auf, die wechselseitige Teilnahme von Partnern aus konfessionsverschiedenen Ehen bei Eucharistie/Abendmahl ohne Einschränkung zuzulassen.

Begründung:
Eucharistie/Abendmahl sind ein Zeichen besonderer Verbundenheit und Zusammengehörigkeit. Da zwischen den Konfessionen jedoch keine gegenseitige Zulassung besteht, sind die Partner aus konfessionsverschiedenen Ehen an einem entscheidenden Punkt gehindert, ihre Ehe als von Gott gewollte Einheit zu erfahren. Auf dem Weg zur Sichtbarmachung der ursprünglichen, von Christus gestifteten Einheit der Kirchen ist die gegenseitige Zulassung zu Abendmahl/Eucharistie für Partner aus konfessionsverschiedenen Ehen unaufschiebbar notwendig.
Antragsteller: Ökumenischer Arbeitskreis der Arbeitsgemeinschaft der Evangelischen Jugend Deutschlands und des Bundes der Deutschen Katholischen Jugend.
Mit 60 Ja- und 2 Gegenstimmen bei 3 Enthaltungen angenommen.


31. Die Teilnehmer der Diskussionsgruppe fordern die Kirchenleitungen, die Synoden der EKD und die Gemeinsame Synode der Deutschen Bistümer auf, gemeinsame Abendmahlfeiern / Eucharistiefeiern für ökumenische Arbeitskreise zuzulassen.

Begründung:
Da die Kirchen zu ihrer vollen Einheit immer unterwegs sind, werden sie durch einzelne ökumenische Gruppen zeichenhaft daran erinnert, dass auch ihre Einheit im Abendmahl erst dann vollendet ist, wenn alle Gläubigen daran teilnehmen können. Freilich ist christliche Gemeinschaft behindert durch konfessionelle Schranken. Das bedeutet aber nicht, dass man aus diesem Grund die Trennung beim Abendmahl fordert; den Abendmahl ist nicht nur Ausdruck bestehender, sondern auch erhoffter Einheit. Wo durch gemeinsames Leben und Arbeiten eine christliche Gemeinschaft gewachsen ist und zu einer Übereinstimmung im Glauben geführt hat, erscheint die gemeinsame Feier des Herrenmahles geboten als Bekräftigung des gemeinsamen Willens auf dem Weg zur Einheit.
Antragsteller: Ökumenischer Arbeitskreis der Arbeitsgemeinschaft der Evangelischen Jugend Deutschlands und des Bundes der Deutschen Katholischen Jugend.
Mit 60 Ja- und 2 Gegenstimmen bei 3 Enthaltungen angenommen.

Diskussionsgruppe 11: 100 Personen


32. Wir erwarten vom Ökumenischen Pfingsttreffen in Augsburg den nachdrücklichen Einsatz

 

a) für eine wirklich ökumenische Trauung, bei der nicht eine Konfession die andere zu Gast lädt, sondern beide gemeinsam den Trauungsgottesdienst vollziehen, den Ehewillen gemeinsam erfragen und die so getrauten Paare in beiden Kirchen als ökumenisch getrautes Paar registrieren;

b) für eine ökumenische Form der Taufe;

c) für ökumenische Formen des Religionsunterrichts an den öffentlichen Schulen, auch und besonders an den Grundschulen.
Antragsteller: Ökumenischer Arbeitskreis Starnberg/Aufkirchen.
Mit Mehrheit angenommen.


33. Auf Wunsch der Eltern können Kinder aus konfessionsverschiedenen Ehen gemeinsam in ökumenischen Gemeindegottesdiensten unter brüderlichem Zusammenwirken der Geistlichen getauft werden. In solchen Fällen empfiehlt sich ein entsprechender Eintrag in beide Kirchenbücher. Dies ermöglicht nach wie vor eine konfessionelle Schwerpunkterziehung, erweitert aber entscheidend den innerkirchlichen Lebensraum für die konfessionsverschiedene Familie.
Antragsteller: Siegfried Kimmerle, Stuttgart.
Mit Mehrheit angenommen.


34. An die Deutsche Bischofskonferenz:

 

(1) Die Teilnahme an ökumenischen Gottesdiensten an Sonn- und Feiertagen soll als Erfüllung der Sonntagspflicht anerkannt werden.

(2) Für Katholiken in konfessionsverschiedenen Familien soll die Teilnahme am evangelischen Gottesdienst als Erfüllung der Sonntagspflicht gelten.

(3) Um gegenseitigen Besuch in den Gottesdiensten zu ermöglichen, soll auch die Teilnahme katholischer Christen am evangelischen Gottesdienst als Erfüllung der Sonntagspflicht gelten.

An die Mitglieder aller katholischen und evangelischen Synoden und Diözesanräte, das Zentralkomitee der deutschen Katholiken und das Präsidium des Deutschen Evangelischen Kirchentages:
Die Behandlung vorstehender Anträge soll bis zu deren Erledigung unterstützt und verfolgt werden. Die Öffentlichkeit soll über den Fortgang der Bemühungen ausführlich informiert werden.
Mit Mehrheit angenommen.


35. Jeder Gottesdienst ist eine Einladung Jesu Christi. Deshalb stellt er nicht primär eine "Pflichterfüllung" dar, sondern vielmehr Teilnahme an einem Fest der christlichen Gemeinschaft, die in allen Kirchen gleichermaßen gegeben ist. Wir bitten die katholischen Bischöfe, den Besuch eines ökumenischen Sonntagsgottesdienstes als erfüllte Sonntagspflicht anzusehen. Dann erst sehen wir die Voraussetzung für regelmäßigere und häufigere ökumenische Gottesdienste gegeben. Sonst bleibt ökumenischer Gottesdienst zweitrangig.
Mit Mehrheit angenommen.

Diskussionsgruppe 14: 180 Personen


36. Die Gottesdienste beider Konfessionen sind zum Problem geworden. Sie erfüllen weithin nicht mehr die Funktionen, die sie nach dem christlichen Glauben für den einzelnen, die Gemeinden und Kirchen und für die Gesellschaft haben sollten. Der Bedarf an Gespräch und Information ist erheblich gewachsen, ohne daß der herkömmliche Gottesdienst dem gerecht werden kann. Vereinzelte Versuche mit neuen Gottesdienstformen genügen in dieser Situation nicht mehr. Es muss vielmehr gemeinsam und planmäßig darauf hingearbeitet werden, den Gottesdienst inhaltlich und formal dem Evangelium entsprechend zu aktualisieren. Dazu halten wir für notwendig:

 

(1) Bei der Durchführung und Vorbereitung von Gottesdiensten sollten mehr Gemeindeglieder aktiv und verantwortlich beteiligt sein als bisher. Die Gestaltung von Gottesdiensten durch ein oder zwei hauptamtliche Mitarbeiter der Kirche sollte zur Ausnahme werden.

(2) Versuche mit neuen Gottesdienstformen müssen (auch bei teilweise negativem Ergebnis) als Experiment anerkannt und gefördert und systematisch ausgewertet werden.

(3) Es ist eine unerlässliche Forderung, dass in Zukunft mehr verschiedene Formen bzw. Typen des Gottesdienstes in Wort und Sakramentsteil zugelassen werden, z.B.

·         Gottesdienst als Fest, Feier und Anbetung,

·         Gottesdienst zur Orientierung, Information und Wahrheitsfindung,

·         Themengottesdienste,

·         Gottesdienste als Lernprozess,

·         Gottesdienste zur Lösung von Problemen,

·         Gottesdienste zur Aktivierung der Gemeinden und der Gesellschaft.

(4) Bei der Gestaltung und Durchführung von Gottesdiensten sollten Erkenntnisse der Psychologie, Pädagogik, Soziologie, Organisationsforschung und Kommunikationstheorie berücksichtigt werden.

(5) Es müssen die äußeren Voraussetzungen dafür geschaffen werden, dass Gottesdienste entsprechend diesen Zielen gestaltet werden können (Räume, Einrichtung, technische Hilfsmittel, Seminare usw.).

(6) Da die Vorbereitung von Gottesdiensten durch Gruppen viel Zeit und Arbeit kostet, soll ein verstärkter Austausch von Gottesdiensten zwischen den Gemeinden und Konfessionen angeregt und gefördert werden.

(7) Im Zusammenhang mit den genannten Veränderungen soll für den Gottesdienst wieder neu und gemeinsam geworben werden.
Antragsteller: Günter Hegele, Solingen.
Mit Mehrheit angenommen.

 



Quellenangabe: Ökumenisches Pfingsttreffen Augsburg 1971. Dokumente. Herausgegeben vom Präsidium des Deutschen Evangelischen Kirchentages und vom Zentralkomitee der Deutschen Katholiken. Kreuz-Verlag, Stuttgart (ISBN 3-7831-0366-5), Verlag Bonifatius Druckerei, Paderborn (ISBN 3-87088-067-8). 
Hervorhebungen im Text: Thomas Wystrach

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