Getrennt vom Tisch...
Ein Kommentar zur Enzyklika "Ecclesia de Eucharistia"

"Verdunklungsgefahr"
Mit der Enzyklika "Ecclesia de Eucharistia" möchte Papst Johannes Paul II. nach eigenem Bekunden der römisch-katholischen Kirche erneut den richtigen Weg ins dritte Jahrtausend zeigen und seiner tiefen Freude und Dankbarkeit an der Eucharistie Ausdruck geben. Dabei wendet er sich aber auch gegen "Schatten" und "Verdunklungen" im Verständnis des Mahles in "dem einen oder anderen Bereich". Und zu diesen "Verdunklungen" zählt er dann unter anderem auch die Teilnahme von Katholiken an Mahlfeiern anderer kirchlicher Gemeinschaften, wohingegen die Teilnahme von Nichtkatholiken an der Kommunion in besonderen Ausnahmefällen zwar erlaubt bleibt, solange allerdings damit die vollständige Anerkennung des katholischen Verständnisses verbunden ist. So heißt es in dem Text:

"Die Ablehnung einer oder mehrerer Glaubenswahrheiten hinsichtlich dieser Sakramente und, unter diesen, die Leugnung jener Wahrheit, welche das zu ihrer Gültigkeit unabdingbare Erfordernis des Weihepriestertums betrifft, macht den Bittsteller indisponiert für den Empfang bzw. für die rechtmäßige Spendung der Sakramente. Und auch umgekehrt wird ein katholischer Gläubiger die heilige Kommunion in einer Gemeinschaft, in der das gültige Weihesakrament nicht vorhanden ist, nicht empfangen können."

Und wieder ein Machtwort
Dieses sechzigseitige Machtwort aus Rom erinnert zwar - ähnlich wie seinerzeit Kardinal Ratzingers umstrittenes Dokument "Dominus Jesus" - nur an die bestehende römische Lehre, muss aber allen, die sich in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten vehement für mehr Gemeinsamkeit zwischen den Konfessionen engagiert haben, erneut wie ein "Schuss vor den Bug" vorkommen, denn Rom hält nicht nur klar daran fest, dass es kein gemeinsames Abendmahl geben könnte, solange es keine kirchliche Einheit gibt, und zeigt zugleich, was es unter kirchlicher Einheit versteht, nämlich die Übernahme der römischen "Wahrheiten" durch die anderen Konfessionen, werden diese in dem Dokument doch immer wieder als "unverzichtbar" apostrophiert.

Kein grünes Licht aus Rom für wirkliche Ökumene ...
Gerade diese Unbeweglichkeit aber war und ist das größte Hindernis auf dem Weg zur Einheit, die nach der Überzeugung der überwiegenden Mehrheit der weltweiten Christenheit doch nur durch eine "Einheit in der Vielfalt" zu erlangen ist. Auf lange Sicht wird es also aus Rom kein grünes Licht für die an der Basis so sehnlich erhoffte Möglichkeit der gemeinsamen Abendmahlsfeier geben. Was allerdings nicht heißt, dass die Basis sich von der Enzyklika nachhaltig beeindrucken lässt.

Auch wenn der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, der Mainzer Kardinal Lehmann sich beeilte, in der Presse auf die kirchenrechtlichen Konsequenzen einer Zuwiderhandlung hinzuweisen, die bis zu einer Exkommunikation, also dem Ausschluss eines Katholiken von der Eucharistie gehen könnten, so setzen doch ökumenisch eingestellte Katholiken und insbesondere diejenigen, die in einer gemischtkonfessionellen Ehe und Familie leben, mehr auf ihre gemeinsame Glaubenspraxis, als auf die Drohungen aus der eigenen Kirche. Es dürfte auch schwer fallen einzusehen, dass sie zwar mit kirchlichem und römischem Segen zu Hause Tisch und Bett teilen dürfen, in der Kirche aber an "getrennten Tischen" Platz nehmen sollen.

Und so hätte es bereits in den ersten Tagen nach der Veröffentlichung der Enzyklika mehrfachen Grund zur Exkommunikation gegeben, als Katholiken wie selbstverständlich in den Karfreitags- und Ostergottesdiensten am evangelischen Abendmahl teilnahmen. Pikanter Weise können sie sich dabei sogar auf die Enzyklika selbst berufen, wenn diese zwar in anders gemeintem Zusammenhang, aber eben doch feststellt:

"Den Keimen der Entzweiung unter den Menschen, ... stellt sich die fruchtbare Kraft der Einheit des Leibes Christi entgegen. Die Eucharistie, die die Kirche erbaut, schafft gerade dadurch Gemeinschaft unter den Menschen."

Und darin steckt denn auch das eigentliche Dilemma: Die Enzyklika wird diejenigen, die bereits seit Jahren die Erfahrung gemacht haben, dass in der von Rom so verteufelten "Interkommunion" eben doch der Geist der Versöhnung und der Wahrheit erfahrbar ist, nicht abhalten diese Erfahrung weiterhin zu machen.

... aber kein wirkliches Rot für Berliner Kirchentag
Selbst die Planungen für ein gemeinsames Abendmahl auf dem im Juni erstmals stattfindenden ökumenischen Kirchentag in Berlin gehen - trotz der disziplinarrechtlichen Androhungen seitens der katholischen Bischöfe - munter weiter.

Ein Stück unglaubwürdiger
Aber sie wird zu einer weiteren Entfremdung nicht unbedingt zwischen den Konfessionen, aber so mancher Katholiken zu ihrer eigenen Kirche führen. Gleichzeitig aber wird die in den vergangenen Monaten weltweit so überzeugend wahrgenommene kirchliche Friedens- und Versöhnungsarbeit auch und gerade des Papstes wieder ein Stück unglaubwürdiger, nach dem Motto: Von anderen verlangt er, was er selbst nicht hinbekommt.

Nicht an einen Tisch?
So theologisch tiefgreifend Johannes Paul II. seine Position zur Eucharistie nach römischer Ansicht formuliert haben mag, er kommt nicht an der tief in unserer menschlichen Kultur verwurzelten Symbolik des gemeinsamen Essens vorbei. Nur mit wem ich Streit habe, mit dem setze ich mich nicht an einen Tisch. Und Jesus hat sicherlich kaum die persönlichen Wahrheiten all jener geteilt, mit denen er sich an einen Tisch gesetzt hat.

Biblisch gesehen ist eben nicht wahr, dass erst die vollkommene Übereinstimmung herrschen muss, bevor Tischgemeinschaft möglich ist:

Am Anfang war das Mahl
Jesus setzt sich zuerst mit dem Zöllner Zachäus an einen Tisch, bevor dieser zum Umdenken kam und ähnlich war es in vielen anderen Fällen. Es greift eben zu kurz, wenn ich das Verständnis des Abendmahles nur auf jenen letzten Abend Jesu mit den Seinen und das Kreuzigungs- und Ostergeschehen reduziere: Kreuzigung und Auferstehung stehen in enger Beziehung zu Jesu Wirken und die, die da an jenem Abend mit Jesus gemeinsam nach jüdischer Tradition das Passahmahl feierten, zu dem im übrigen auch Frauen und Kinder gehörten, haben sich bei den Worten "zu meinem Gedächtnis" sicherlich eben auch an all jene so umstrittenen Mahlzeiten erinnert, zu denen Jesus Menschen einlud, mit denen er "über Kreuz" lag.

Wieder nur Angst
Tatsächlich kann die in der Einleitung, aber auch an mancherlei anderen Stellen so deutliche Inbrunst des Papstes bezüglich der Eucharistie nicht darüber hinwegtäuschen, dass es dabei letztlich um die kirchliche Hierarchie der römischen Kirche geht: Die Einsetzung der Mahlfeier soll eng an das Priesteramt und darüber hinaus an das Bischofsund Papstamt gebunden bleiben, eine Aufweichung hier könnte für die kirchliche Hierarchie - so offenbar die Angst - leicht den sogenannten Dominoeffekt haben. Und so erweist sich auch "Ecclesia de Eucharistia" - entgegen aller anders lautender Beteuerungen und ähnlich wie "Dominus Jesus" wiederum als Dokument der Angst, einer Angst der man sich in Rom nicht mutig und kreativ stellt, sondern die man auf dem Rücken ihrer Gläubigen und der biblischen Botschaft austrägt.

Für alle ökumenisch Gesinnten aber bleibt wieder einmal die bittere Erkenntnis, dass Annäherung nur dort stattfindet, wo die Angst überwunden wird und das ist derzeit nur an der Basis der Fall! (Pfr. Klaus Bastian)

Quelle: http://www.dike.de/bischofsheim/


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