8.5.2003. Über konfessionelle Grenzen hinweg gilt die Einladung Jesu Christi zum Abendmahl – daran erinnert der Rat des Schweizerischen Evangelischen Kirchenbundes (SEK) angesichts der Enzyklika, die Papst Johannes Paul II. in der Woche vor Ostern veröffentlichte. Der Rat SEK würdigt die positive Beurteilung von ökumenischen Initiativen, bedauert aber, dass kaum Schritte der Öffnung zu erkennen sind.
Der Rat des Schweizerischen Evangelischen Kirchenbundes (SEK) hat von der Enzyklika "Ecclesia de Eucharistia", die Papst Johannes Paul II. am Gründonnerstag 2003 veröffentlicht hat, Kenntnis genommen. Er würdigt das Anliegen des Papstes, Grundfragen der Eucharistie und des Wesens der Kirche in persönlicher und zugleich bestimmter und verbindlicher Weise zu klären. Der Rat erkennt Gemeinsamkeiten zwischen dem römisch-katholischen und dem evangelischen Verständnis. Er ist dankbar für die positive Beurteilung von ökumenischen Initiativen.
Gleichwohl bedauert der Rat, dass das Lehrschreiben des Papstes die römisch-katholische Position einseitig akzentuiert und dass Schritte der Öffnung hin zu einer vertieften Einheit der Christen kaum zu erkennen sind. Der Rat kann sich nicht einverstanden erklären mit der zentralen Aussage des Lehrschreibens, dass nur eine durch das römische Weihepriestertum zelebrierte Eucharistiefeier authentisch sei. Er ruft die Grundpositionen des evangelischen Abendmahls- und Kirchenverständnisses in Erinnerung:
Jesus Christus selbst, das Haupt der Kirche, ist es, der zum Abendmahl einlädt. Seine Einladung ist wichtiger als konfessionelle Unterschiede.
In der Mahlfeier ist der auferstandene Christus gegenwärtig. Die Verheißung seiner Gegenwart gilt, wo Menschen in seinem Namen versammelt sind zu Lobpreis, Brotbrechen und Bitte um den Heiligen Geist.
Die Gegenwart Jesu Christi ist nicht exklusiv an das Sakrament gebunden. Der Gekreuzigte und Auferstandene ist gegenwärtig in seinem Wort wie im Sakrament.
Die Kirche Jesu Christi überschreitet immer die Grenzen einer einzelnen Konfession. Die Kirchen der Reformation sind ebenso Teil des Leibes Christi wie ihre Schwesterkirchen.
Angesichts der alle Kirchen bedrängenden Fragen der Gegenwart und im Blick auf das gemeinsame christliche Zeugnis vor der Welt ermutigt der Rat des SEK alle Christinnen und Christen, weiterhin in ökumenischer Weite aufeinander zuzugehen und die vorhandenen Freiräume zu nutzen.
Quelle: http://www.sek-feps.ch