Was bedeutet die neue Enzyklika "Ecclesia De Eucharistia" für die Ökumene?
Eine evangelische Reaktion

Ein offizielles ökumenisches Abendmahl findet also beim Berliner Ökumenischen Kirchentag 2003 endgültig nicht statt, wer dies noch immer gehofft hatte, der ist durch die neue Enzyklika nun eines anderen belehrt. Kein ökumenisches Abendmahl, aber, dies ist wohl die eigentliche herbe Enttäuschung, nicht einmal die "Vorstufe" wechselseitiger "Eucharistischer Gastfreundschaft", also die offene Einladung an Angehörige anderer Konfessionen zu den eigenen Mahlfeiern, wie dies in der evangelischen Kirche seit 1975 üblich ist, soll es nach dem Willen des Papstes geben. Und eine Zuwiderhandlung durch einen progressiven Priester bedeutet einen Verstoß gegen geltendes römisches Kirchenrecht, dies wurde, sollte es jemand vergessen haben, erneut eingeschärft.

"Siehst Du, so sind sie eben die Römer", resümierte ein ökumenisch eher zurückhaltend eingestellter älterer Kollege seinen ersten Eindruck nach Lektüre der neuen Papst-Enzyklika. Und in der Tat, die eher an konfessioneller Identität denn an ökumenischer Öffnung interessierten Kreise beider Kirchen dürfen sich in ihrer Haltung bestärkt sehen. Die Ökumene-Skeptiker meiner Kirche werden die alte "Rückkehr-Ökumene" aus den Worten des Papstes herauslesen und sich in ihrem "antirömischen Affekt" bestätigt fühlen. Bedauerlich ist die Enzyklika für die ökumenisch aufgeschlossenen Gruppierungen beider Kirchen. Für die evangelischen Ökumeniker eher indirekt, da die Katholiken auch weiterhin in der Ökumene nicht das tun dürfen, was sie mit ihnen gemeinsam tun wollen (88 % der Katholiken und 86 % der Protestanten in Deutschland würden nach einer Spiegel-Umfrage ein gemeinsames Abendmahl begrüßen). Für die katholischen Ökumeniker an der Gemeindebasis ist der römische Einspruch in besonders hohem Maße bedauerlich, da ihre Kirche nun wieder als Bremsklotz des Ökumenismus dasteht.

Und dabei hatten sich gerade die progressiven katholischen Mitchristen, die in der Bewegung "Wir sind Kirche" und in der "Initiative Kirche von unten" zusammengeschlossen sind, doch solche Mühe gegeben, ihre Kirche ein Stück in Richtung Ökumene zu bewegen ohne eine Aufgabe der katholischen lehrmäßigen Identität damit zu beabsichtigen. Ich habe die Initiatoren der für Berlin außerhalb des offiziellen Kirchentagsprogramms geplanten Mahlfeier mit "Eucharistischer Gastfreundschaft" als fromme, ökumenisch engagierte Mitglieder der katholischen Kirche kennenlernen dürfen und halte ihr Vorhaben für einen ökumenisch maßvollen Vorschlag mit Vorbildcharakter. Die Initiatoren dieser umstrittenen Mahlfeier haben die Ergebnisse des modernen ökumenischen Dialogs auf ihrer Seite, die alle eine wachsende Gemeinschaft im Glauben zwischen den Kirchen bezeugen.

Der jahrzehntelange offizielle ökumenische Dialog hat gezeigt: Alle Kirchen sind sich in der Frage der Gegenwart Christi im Abendmahl im Wesentlichen einig. Der Feststellung des Ökumene-Beauftragten der Deutschen Bischofskonferenz, Bischof Paul-Werner Scheele in der Süddeutschen Zeitung vom 28. Februar 2003 kann nur zugestimmt werden: "Über das Verständnis der Eucharistie gibt es inzwischen einen weitgehenden Konsens". Wenn dies aber so ist, dann stellt die Verweigerung des längst überfälligen Schritts "Eucharistischer Gastfreundschaft" allerdings einen ökumenischen Skandal dar. Auch die vom Papst als Vorbedingung geforderte Kirchengemeinschaft im umfassenden Sinn rechtfertigt diese Haltung nicht. In den am 9. April veröffentlichten "Thesen zur eucharistischen Gastfreundschaft" der in Südwestdeutschland kooperierenden ökumenischen Institute heißt es im Blick auf die ökumenisch wechselseitig anerkannte Taufe demgegenüber: "Abendmahlsgemeinschaft reicht weiter als Kirchengemeinschaft". Und zwar aus folgendem Grund: "Jesus Christus lädt zum Abendmahl ein. Er ist Geber und Gabe. Allein in seinem Namen und Auftrag spricht die Kirche die Einladung aus."

Wenn sich endlich alle "Christgläubigen" in Rom und anderswo zu Jesus Christus als dem Herrn des Mahls bekehren werden, dann werden alle Getauften am Abendmahl teilnehmen dürfen. (Johannes Rehm)

(Dr. Johannes Rehm ist Studentenpfarrer in Bamberg und Privatdozent für Praktische Theologie an der Universität Erlangen-Nürnberg)


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