Mit diesem Osterruf der Christen von den Tagen der Apostel an bis heute grüße ich die Gemeindeglieder unserer Evangelischen Kirche wie auch die Schwestern und Brüder aus den mit uns in ökumenischer Gemeinschaft verbundenen Kirchen. Die Auferstehung Jesu Christi bedeutet den Sieg der Liebe über den Tod, die letztgültige Versöhnung von uns Menschen mit Gott und den Anbruch der Heilung und Vollendung der Schöpfung.
Den Sieg der Liebe über den Tod erfahren wir besonders in der Feier des heiligen Abendmahles."Im Abendmahl schenkt sich der auferstandene Jesus Christus in seinem für alle dahingegebenen Leib und Blut durch sein verheißendes Wort mit Brot und Wein" (Leuenberger Konkordie, 18). An seinem Tisch beginnt unsere Befreiung zu einem Leben in Hoffnung und Liebe und die Verwandlung der Welt in Richtung auf Gerechtigkeit und Frieden.
Papst Johannes Paul II. hat am Gründonnerstag die Enzyklika "Über die Eucharistie in ihrem Verhältnis zur Kirche" erlassen und darin neben vielen tiefen und schönen Gedanken über das heilige Abendmahl von neuem den römisch-katholischen Standpunkt vertreten, dass im evangelischen Abendmahl "vor allem wegen des Fehlens des Weihesakramentes die ursprüngliche und vollständige Wirklichkeit des eucharistischen Mysteriums nicht gewahrt" sei. Daraus folgert der Papst, dass weder eine Teilnahme evangelischer Christen an einer katholischen Eucharistiefeier noch die Teilnahme von Katholiken am evangelischen Abendmahl erlaubt ist.
Dagegen sagen wir im Hören auf die Bibel und auf die Bekenntnisse der Reformationszeit: Wenn wir das heilige Abendmahl gemäß der Einsetzung durch unsern Herrn Jesus Christus im Wortlaut der Bibel und im Vertrauen auf die Verheißung des Auferstandenen miteinander feiern, dann ist Jesus Christus gegenwärtig im Brot und im Wein ohne Einschränkung und ohne Defizite. Der Auferstandene ist frei; er ist auch an Erklärungen des römischen Lehramtes nicht gebunden.
Die Synode unserer Kirche hat bereits 1988 die Gastbereitschaft zum heiligen Abendmahl erklärt: Nicht wir, die Pfarrer oder die Gemeinden sind die Einladenden, sondern Jesu Christus lädt ein an seinen Tisch und jeder ist willkommen, der diese Einladung dankbar annimmt und das Brot des Lebens sowie den Kelch der Versöhnung mit uns teilt.
Friede sei mit Euch! Mit diesen Worten hat der Auferstandene seine Jüngerinnen und Jünger begrüßt und die Mauern und Grenzen unserer Welt durchbrochen. So ruft er auch uns in die Freiheit der Kinder Gottes, dass wir unseren Glauben in der Liebe erweisen. Ich wünsche Ihnen eine gesegnete Osterzeit und grüße Sie in der Verbundenheit des Glaubens und des Dienstes
Ihr Mag. Herwig Sturm, Bischof
Quelle: http://www.evang.at