"Hunger nach Eucharistie"?
Presseaussendung der Plattform "Wir sind Kirche" (Österreich)

Volders, 18.4.2003. Die Enzyklika "Ecclesia de Eucharistia", die von Papst Johannes Paul II. am Gründonnerstag unterzeichnet wurde, sagt im Grunde nichts Neues. Im Wesentlichen werden nur die bereits bekannten Positionen des römisch-katholischen Lehramts wiederholt. Die Plattform "Wir sind Kirche" fragt sich, warum erneut die Grenzen zwischen den christlichen Kirchen eingeschärft werden und damit – allen Beteuerungen zum Trotz, dies sei nicht der Fall – der ökumenische Prozess der Kirchen empfindlich gestört wird.

Wenn in Abschnitt 20 der Enzyklika begrüßenswerter Weise betont wird, dass durch die Eucharistie die Verantwortung in der ‚globalisierten’ Welt wachgerufen und Christen eingeschärft wird, ihrer Aufgabe nachzukommen, "mit dem Licht des Evangeliums zum Aufbau einer Welt nach dem Maßstab des Menschen und im Einklang mit dem Plan Gottes beizutragen", kann dies doch nicht allein in der Sichtweise der römischen Kirche verwirklicht werden, und erst recht nicht durch Verbote, an der zentralen Feier des Glaubens in Schwesterkirchen teilzunehmen.

"Die Kirche lebt von der Eucharistie." Mit diesen Worten beginnt die Enzyklika. Wie Gemeinden in der jetzigen Seelsorgesituation konkret lebendig bleiben oder wieder werden können, sagt sie nicht, sondern hält eisern an einem ideologisch überhöhten Amtsverständnis fest. Wegen des Priestermangels können immer weniger Gemeinden am Sonntag Eucharistie in einer Form feiern, die der Enzyklika entspricht. Auf dieses Problem geht der Papst höchstens am Rande ein, indem er den Betroffenen den "Hunger nach der Eucharistie" empfiehlt statt konstruktive Lösungsversuche anzubieten – etwa in der Frage der Zulassungsbedingungen zum Priesteramt.

Noch so schöne Worte und Loblieder auf die dem Amtspriestertum vorbehaltene Eucharistiefeier sind kein Ausweg aus der pastoralen Krise. Und auch die ermüdend oft wiederholte Aufforderung zum Gebet um geistliche Berufungen ändert nichts daran, so lange Berufungen von verheirateten Männern oder Frauen zurückgewiesen oder als nicht existent bezeichnet werden.

Die Plattform "Wir sind Kirche" befürchtet, dass in den vielen priesterlosen Gemeinden weniger der "Hunger nach Eucharistie" wächst, sondern vielmehr Resignation, Ärger und Gleichgültigkeit, weil die gleiche Kirche, die den Wert der Eucharistie als zentrale Lebensquelle zu Recht betont, nicht fähig zu sein scheint, das Recht der Menschen auf Eucharistie anzuerkennen und dafür zu sorgen, dass dieses Sakrament wirklich ausreichend und seinem Wert entsprechend gefeiert werden kann.

Es gibt einen breiten Konsens der christlichen Basis, von ungezählten Menschen aller Kirchen, denen der gemeinsame Glaube und der gemeinsame Auftrag in der Welt wichtiger erscheint als unterschiedliche Auffassungen über die Verfasstheit der christlichen Kirchen. Sie leben in ihrer Gewissensentscheidung bereits eine Einheit in Vielfalt, von der insbesondere die oberste Leitung unserer römisch-katholischen Kirche noch meilenweit entfernt ist. In der vorliegenden Enzyklika jedenfalls setzt sich das römische Lehramt einmal mehr gegen die "Zeichen der Zeit" zur Wehr und ignoriert den Geist Gottes, der "weht, wo er will."

Quelle: http://www.we-are-church.org/at/


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