Gemeinsames Abendmahl? Pro & Contra(Stellungnahmen aus Theologie und Kirchenleitungen)Zusammenstellung:
Thomas
Wystrach |
|
TheologInnen zum Thema "Ökumenische Mahlfeier":"Die eigentliche Irregularität sind nicht solche offenen Kommunionfeiern, sondern die Spaltung und die gegenseitige Exkommunikation der Kirchen. Die nicht positiv genug zu würdigende Funktion einzelner Gruppen, welche hier vorpreschen, ist es, dass sie den Kirchen den Skandal ihrer Trennung im Sakrament der Einheit immer wieder vor Augen führen und dafür sorgen, dass wir uns nicht bequem mit dem Status quo abfinden." (Prof. Dr. Walter Kasper) "Die Kirchenspaltung ist theologisch ein größeres Ärgernis als Versuche einer vielleicht ungeduldigen Antizipation der Einheit der Kirche durch Interkommunion." (Prof. Dr. Karl Lehmann) Anmerkung: Diese Zitate stammen aus dem Jahr 1970! Aus den genannten Theologen sind inzwischen Kardinäle geworden, die "Versuche einer vielleicht ungeduldigen Antizipation" offensichtlich "nicht positiv genug zu würdigen" wissen ... (Thomas Wystrach)
"Wenn es das Wesen des Abendmahls
ist, die Einigung der durch Glaube und Taufe mit Jesus und
untereinander Verbundenen zu fördern und voranzubringen – warum sollte
es dann nicht auch in besonderer Weise geeignet sein, die faktisch
zerbrochene kirchliche Einheit wiederherzustellen?"
"Wenn Christen im Bewusstsein der
noch nicht gelösten Probleme gemeinsam Eucharistie feiern im Glauben,
dort Christus zu begegnen, der die Versöhnung und Einheit der Menschen
will, wenn sie Eucharistie feiern im Hinblick auf die erhoffte (wenn
auch noch nicht gegebene) Einheit; wenn sie das alles tun, weil sie in
der Eucharistie eine Quelle der Gnade sehen, dann stehen diese
Christen nicht im Widerspruch zur katholischen Lehre, wie sie das
Zweite Vatikanische Konzil vertritt und vorträgt. (...) Wenn wir uns
so dem Thema nähern (mit dem Wissen davon, was wir tun, wenn wir
Eucharistie feiern), Evangelische und Katholische gemeinsam, dann
werden wir auch bald zusammen Eucharistie feiern, dessen bin ich
gewiss. Ich bin persönlich der Hoffnung, dass dies 2003 möglich sein
wird."
"Kirchen, die gemeinsam Jesus
Christus als die Mensch gewordene Liebe Gottes bekennen, aber einander
bei der Feier dieser Liebe ausschließen, werden zum Antizeugnis gegen
ihre Botschaft. (...) Die Einladung Jesus Christi zur Feier der
Mahlgemeinschaft mit ihm in seinem erlösenden Gehorsam gegen den Vater
darf nicht eingeschränkt werden. (...) Im Verständnis von Wesen und
Bedeutung des Herrenmahls herrscht so viel Einklang zwischen den
Kirchen, wie zur Redlichkeit von Gemeinschaft nötig ist."
"Ein ökumenisches Abendmahl, eine
ökumenische Eucharistie, ist die Sehnsucht vieler Christen und
Christinnen. Und es fällt schwer, angesichts wachsender
Laieninitiativen, wachsender religiöser Emanzipation sich stets die
theologischen Blockaden vor Augen führen zu müssen, die dieser
Sehnsucht entgegenstehen." (Beide Zitate aus dem Publik-Forum Dossier: "Die Trennung überwinden", Mai 2000) |

Das Kirchenvolk auf dem Weg zum gemeinsamen Abendmahl ...
|
Der Mensch prüfe aber sich selbst, und so esse er von diesem Brot und trinke aus diesem Kelch. (1. Kor 11,28) Wer meine Stimme hört und die Tür öffnet, bei dem werde ich eintreten und wir werden Mahl halten. (Offb. 3, 20) |
| "In den
Kirchengemeinden vor Ort wird evangelisch-katholische Ökumene wie
selbstverständlich gelebt, in Gesprächsgruppen und bei Gemeindefesten,
im diakonisch-gesellschaftlichen Engagement und oftmals auch am Tisch
des Herrn. Da verwundert es schon, dass wir offiziell nicht voll als
Kirche anerkannt werden; manchmal schmerzt es geradezu. Bewegend war es für mich, als vor 2 Wochen ein römisch-katholischer Erzbischof an unserer evangelisch-lutherischen Abendmahlsfeier teilnahm. 'Ich wollte damit bewusst ein Zeichen setzen', sagte er mir im Anschluss, 'ich habe viele Jahre in Deutschland gelebt und weiß, dass die deutschen Bischöfe es noch nicht können, aber ich komme aus Taiwan. So ist es mir möglich.' Wären wir doch auch so frei, wüssten wir uns doch auch manchmal weniger durch unsere theologischen Lehren und kirchlichen Konventionen gebunden! Wir als Evangelisch-lutherische Kirche haben Abendmahlsgemeinschaft mit den Altkatholiken, mit den Methodisten, mit den Mennoniten, mit den Reformierten soundso, mit den Anglikanern laden wir uns gegenseitig ein, und wir laden auch die römisch-katholischen Christen ein - aber wir werden von ihnen nicht eingeladen, zwar nicht abgewiesen, aber auch nicht eingeladen, und unser Abendmahl ist nach römisch-katholischer Lehre letztlich nicht gültig. Ach, warum nur haben wir unseren Glauben, unsere Frömmigkeit, unsere Gemeinschaft der Christen und Kirchen so verkompliziert?" Bischöfin Maria
Jepsen, Predigt auf dem Katholikentag 2000 in Hamburg |
|
"Wenn nun ein Priester die Eucharistie mit einem Amtsträger einer anderen christlichen Gemeinschaft - der ja als Laie keine priesterliche Vollmacht hat - feiert, täuscht er eine Eucharistie nur vor, denn diese ist nach katholischem Glauben ungültig. Priester der katholischen Kirche, die solches tun, führen ihre Gemeinde in die Irre, denn sie geben ihr statt des Leibes und Blutes Christi nur Brot und Wein. Dadurch entsteht aber ein immenser Schaden am katholischen Glauben und an der Einheit der Kirche, und die wahre (authentische) ökumenische Bewegung wird weit zurückgeworfen. (...) Wenn die evangelische Landesbischöfin Maria Jepsen in Rom darauf hinweist, dass evangelische und katholische Christen in Pfarrgemeinden bereits gemeinsam Abendmahl feiern (sie sagt bewusst nicht Eucharistie, denn die gibt es bei ihnen nicht), dann muss das alle Bischöfe aufschrecken. Wenn aber die 'Kirche von unten' für den Ökumenischen Kirchentag 2003 in Berlin nach eigenen Angaben eine 'offene Kommunion' mit gemeinsamem Abendmahl plant (und durchführt), ist es wohl bereits zu spät." Erzbischof Georg Eder
(Salzburg) in seinem Hirtenbrief: |

Streit im Ökumenischen Rat der Kirchen ...
|
Bistum Chur: Ermahnung wegen Interzelebration Chur, 7.2.2001 (Kipa). Der katholische Pfarrer der Bündner Gemeinde Cazis ist von Vitus Huonder, Generalvikar des Bistums Chur, ermahnt worden, in Zukunft keine ökumenischen Gottesdienste mit gemeinsamem Abendmahl mehr zu feiern. Gläubige hätten nämlich daran Anstoss genommen, dass bei derartigen Gottesdiensten in Cazis "der Eindruck der Interzelebration entstanden ist", sagte Huonder der Churer Tageszeitung "Die Südostschweiz". Das geltende Kirchenrecht verbietet es katholischen Priestern, "zusammen mit Priestern oder Amtsträgern von Kirchen oder kirchlichen Gemeinschaften, die nicht in der vollen Gemeinschaft mit der katholischen Kirche stehen, die Eucharistie zu zelebrieren". |
|
Kurienkardinal Kasper gegen Kommunion für Nichtkatholiken Der deutsche Kurienkardinal Kasper spricht sich deutlich gegen eine "Gastfreundschaft" gegenüber Nichtkatholiken bei der Eucharistie aus. Erst vor wenigen Tagen hat der Vatikan erneut klargestellt, dass die "Interzelebration" kirchenrechtswidrig wäre. Der Präsident des Päpstlichen Rates für die Einheit der Christen, der deutsche Kurienkardinal Walter Kasper, meinte, eine "Gastfreundschaft" gegenüber Nichtkatholiken bei der Eucharistie wäre nicht möglich. Wer die Gemeinschaft mit dem Papst nicht als Teil seiner Glaubensüberzeugung ansehe, "kann, wenn er ehrlich ist, gar nicht an der Eucharistie teilnehmen wollen", erklärte Kasper laut "Kathpress". Gegenwart Christi "Interzelebration"
kirchenrechtswidrig Eucharistiefeier mit
Protestanten "schweres Vergehen" ORF-Religion-News, 8.1.2002 |

| Frere Max Thurian (Bruder von Taizé): Im Blick auf Mt 12,7f fragte Max Thurian wiederholt, ob "eine weitherzigere Handhabung der Kommunion nicht ein Gebot der 'ökumenischen Barmherzigkeit' wäre, ... dem konfessionellen 'Gesetz'" vorzuziehen, "weil der Menschensohn sie vorzieht, er, der Herr über die Gesetze ist" (Max Thurian: Die eine Eucharistie, Matthias-Grünewald-Verlag, Mainz 1976, S. 210). Deutlicher als andere hat Max Thurian betont, dass die Eucharistie nicht nur Ziel der Einheit der Kirche ist, sondern auch ihre Quelle (vgl. Max Thurian: Feuer für die Erde. Vom Wirken des Geistes in der Gemeinschaft der Christen, Verlag Herder, Freiburg-Basel-Wien 1979, S. 93ff). Thurian stellt darum die ökumenische
Konzelebration zur Diskussion: "Eine solche Konzelebration wäre ein
Eingeständnis seitens der Kirchen, dass sie von sich aus nicht fähig
sind, die christliche Einheit wiederherzustellen ... Es hat freilich keinen Sinn, ein gemeinsames Herrenmahl zu feiern ohne das Bestreben, die Spaltung zu beenden und und die sichtbare Einheit zu realisieren. Das darf nicht nur a) die Liturgie umfassen, das muss auch b) Glaube und c) Amt miteinbeziehen. Seit den Konvergenzerklärungen von Lima (1982) kann ein allgemeiner Glaube an die Gegenwart Christi in der Eucharistie gegenseitig angenommen werden. Es bleibt die Amtsproblematik: "Gleichzeitig müssten die Träger der kirchlichen Autorität informiert sein und ihre Zustimmung geben." (Die eine Eucharistie, S. 76) |
| Papst Johannes Paul II.: "Ein Thema, mit dem Sie in Deutschland ständig konfrontiert werden, ist die Ökumene in ihren vielfältigen Ausdrucksformen. Der Weg der Ökumene, den das Zweite Vatikanische Konzil eröffnet hat, ist unumkehrbar. Er ist eine Aufgabe, die der Herr uns gestellt hat. Wir müssen daher alles uns Mögliche tun, um die Einheit der Christen in der Wahrheit und in der Liebe zu fördern. Ich bin mir sicher, daß Sie sich dafür einsetzen werden, die oft zähen Bemühungen um die Einheit nicht ins Stocken geraten zu lassen. Zugleich liegt es mir am Herzen, daß diese Bemühungen in manchen Ländern, auch in Ihrer Heimat, eine noch bessere Orientierung bekommen. Es gibt nämlich mancherorts Verwirrung und Mißbräuche – ich denke etwa an die nicht selten praktizierte Interkommunion –, die dem Anliegen der wahren Einheit sehr schaden." |
Einheit
der Kirche und Gemeinschaft im Herrenmahl
|
| "Die gegenseitige
Zulassung zum gemeinsamen Abendmahl bzw. die gemeinsam verantwortete
Abendmahlsfeier bleibt ein wichtiges Ziel, das aber nicht kurzfristig
zu erreichen ist. Deshalb sollte man den Erfolg der Ökumene zwischen
evangelischer und römisch-katholischer Kirche nicht allein an dieser
Frage festmachen und die Bemühungen allein darauf richten. Mein
Anliegen ist es, die römisch-katholischen Bischöfe zu bitten,
eucharistische Gastfreundschaft für konfessionsverschiedene Ehepaare
zu ermöglichen. Denn das kann die katholische Deutsche
Bischofskonferenz selbstständig beschließen, das gemeinsame Abendmahl
nur die römisch-katholische Weltkirche. Für den Ökumenischen Kirchentag erwarte ich noch kein gemeinsames Abendmahl. Deshalb sollte der Erfolg des Kirchentags auch nicht daran gemessen werden. Allerdings hoffe ich, dass es vielleicht schon in diesem Jahr ein Signal der Deutschen Bischofskonferenz für die konfessionsverschiedenen Ehepaare gibt. Das wäre für die vielen Menschen wichtig, die ökumenisch getraut wurden und danach nicht mehr gemeinsam in der römisch-katholischen Kirche zum Tisch des Herrn gehen dürfen. Über das noch nicht gelöste Problem Abendmahl dürfen andere wichtige Entwicklungen, die bereits ohne kirchenrechtliche Einwände möglich sind, nicht gering geschätzt werden. Dazu gehören die gemeinsamen Stellungnahmen der Kirchen. Gerade im gesellschaftspolitischen Bereich gibt es einige Themen und Entwicklungen, zu denen sich die Kirchen äußern müssen. Nach meinen Erfahrungen in Bayern können die Kirchen durchaus etwas erreichen, wenn sie gegenüber der Politik gemeinsam auftreten." Landesbischof Johannes Friedrich (Bayern), im epd-Interview vom 21.6.2002 Quelle: http://www.epd.de/598_3155.htm |
Ökumenische Gottesdienste mit
Abendmahl von
|
| "Der Ruf nach einem
gemeinsamen Abendmahl wäre nicht so bedeutsam, wenn wir alle nicht
zuerst fixiert immer darauf nur schauen würden, ob wir von der anderen
Konfession auch ausdrücklich eingeladen würden oder nicht, obwohl es
doch jahrelange Praxis schon bei uns sei, keinem den Empfang zu
verweigern, der auf Grund des Entscheid seines eigenen Gewissens in
dieser oder jener Kirche zum Tisch des Herrn hinzutreten".
Bischof Dr. Josef Homeyer, Hildesheim
2001 * * * Zu diesem Zitat erreichte den Webmaster am 16.6.2003 folgende Mail:
Sehr geehrter Herr Wystrach,
Mit freundlichen Grüßen, Irmgard
Klaproth Hinweis des Webmasters: Freundlicherweise hat uns das Bischöfliche Sekretariat den o.g. Zeitungsartikel (FAZ vom 15.10.2001) zugefaxt. Dort zitiert Daniel Deckers aus dem Bericht der Kommission "Ökumenische Feierformen" von DEKT und ZdK, "die Hoffnung auf eine gemeinsame Eucharistie- und Abendmahlsfeier (werde) sich auf absehbare Zeit nicht erfüllen. (...) Es sei ein großes Zeichen ökumenischer Sensibilität, nicht auf eine ausdrückliche Einladung zu warten, sondern dem Gewissen zu folgen und dabei die weithin bestehende Praxis der katholischen Kirche zu erleben, niemanden zurückzuweisen, der um die eucharistische Gastfreundschaft bitte". Das o.g. Zitat, das sich auf der Website der Kirchengemeinde Hl. Engel (Hannover) findet. entstammt jedoch nicht dem FAZ-Artikel, sondern offensichtlich dem Anschreiben des Bischofs an den Pfarrer, das uns leider nicht vorliegt. (Thomas Wystrach) |