Gemeinsames Abendmahl? Pro & Contra

(Stellungnahmen aus Theologie und Kirchenleitungen)

Zusammenstellung: Thomas Wystrach
Letzte Aktualisierung: 24.07.2003

Abendmahl verboten!


TheologInnen zum Thema "Ökumenische Mahlfeier":

"Die eigentliche Irregularität sind nicht solche offenen Kommunionfeiern, sondern die Spaltung und die gegenseitige Exkommunikation der Kirchen. Die nicht positiv genug zu würdigende Funktion einzelner Gruppen, welche hier vorpreschen, ist es, dass sie den Kirchen den Skandal ihrer Trennung im Sakrament der Einheit immer wieder vor Augen führen und dafür sorgen, dass wir uns nicht bequem mit dem Status quo abfinden." (Prof. Dr. Walter Kasper)

"Die Kirchenspaltung ist theologisch ein größeres Ärgernis als Versuche einer vielleicht ungeduldigen Antizipation der Einheit der Kirche durch Interkommunion." (Prof. Dr. Karl Lehmann)

Anmerkung: Diese Zitate stammen aus dem Jahr 1970! Aus den genannten Theologen sind inzwischen Kardinäle geworden, die "Versuche einer vielleicht ungeduldigen Antizipation" offensichtlich "nicht positiv genug zu würdigen" wissen ... (Thomas Wystrach)


"Wenn es das Wesen des Abendmahls ist, die Einigung der durch Glaube und Taufe mit Jesus und untereinander Verbundenen zu fördern und voranzubringen – warum sollte es dann nicht auch in besonderer Weise geeignet sein, die faktisch zerbrochene kirchliche Einheit wiederherzustellen?"
(Prof. Dr. Heinrich Fries und Prof. Dr. Karl Rahner SJ in ihrem Buch "Einigung der Kirche – Reale Möglichkeit")


"Wenn Christen im Bewusstsein der noch nicht gelösten Probleme gemeinsam Eucharistie feiern im Glauben, dort Christus zu begegnen, der die Versöhnung und Einheit der Menschen will, wenn sie Eucharistie feiern im Hinblick auf die erhoffte (wenn auch noch nicht gegebene) Einheit; wenn sie das alles tun, weil sie in der Eucharistie eine Quelle der Gnade sehen, dann stehen diese Christen nicht im Widerspruch zur katholischen Lehre, wie sie das Zweite Vatikanische Konzil vertritt und vorträgt. (...) Wenn wir uns so dem Thema nähern (mit dem Wissen davon, was wir tun, wenn wir Eucharistie feiern), Evangelische und Katholische gemeinsam, dann werden wir auch bald zusammen Eucharistie feiern, dessen bin ich gewiss. Ich bin persönlich der Hoffnung, dass dies 2003 möglich sein wird."
(Prof. Dr. Harald Wagner, kath. Dogmatiker aus Münster, 1998 auf dem Katholikentag in Mainz)

  • Harald Wagner: vollständiger Vortrag als HTML- bzw. PDF-Datei


"Kirchen, die gemeinsam Jesus Christus als die Mensch gewordene Liebe Gottes bekennen, aber einander bei der Feier dieser Liebe ausschließen, werden zum Antizeugnis gegen ihre Botschaft. (...) Die Einladung Jesus Christi zur Feier der Mahlgemeinschaft mit ihm in seinem erlösenden Gehorsam gegen den Vater darf nicht eingeschränkt werden. (...) Im Verständnis von Wesen und Bedeutung des Herrenmahls herrscht so viel Einklang zwischen den Kirchen, wie zur Redlichkeit von Gemeinschaft nötig ist."
(Prof. Dr. Otto-Hermann Pesch, kath. Theologe)

"Ein ökumenisches Abendmahl, eine ökumenische Eucharistie, ist die Sehnsucht vieler Christen und Christinnen. Und es fällt schwer, angesichts wachsender Laieninitiativen, wachsender religiöser Emanzipation sich stets die theologischen Blockaden vor Augen führen zu müssen, die dieser Sehnsucht entgegenstehen."
(Elisabeth Moltmann-Wendel, evgl. Theologin)

(Beide Zitate aus dem Publik-Forum Dossier: "Die Trennung überwinden", Mai 2000)


Das Kirchenvolk auf dem Weg zum gemeinsamen Abendmahl ...

Das Kirchenvolk auf dem Weg zum gemeinsamen Abendmahl ...


Der Mensch prüfe aber sich selbst, und so esse er von diesem Brot und trinke aus diesem Kelch. (1. Kor 11,28)

Wer meine Stimme hört und die Tür öffnet, bei dem werde ich eintreten und wir werden Mahl halten. (Offb. 3, 20)


"In den Kirchengemeinden vor Ort wird evangelisch-katholische Ökumene wie selbstverständlich gelebt, in Gesprächsgruppen und bei Gemeindefesten, im diakonisch-gesellschaftlichen Engagement und oftmals auch am Tisch des Herrn. Da verwundert es schon, dass wir offiziell nicht voll als Kirche anerkannt werden; manchmal schmerzt es geradezu.

Bewegend war es für mich, als vor 2 Wochen ein römisch-katholischer Erzbischof an unserer evangelisch-lutherischen Abendmahlsfeier teilnahm. 'Ich wollte damit bewusst ein Zeichen setzen', sagte er mir im Anschluss, 'ich habe viele Jahre in Deutschland gelebt und weiß, dass die deutschen Bischöfe es noch nicht können, aber ich komme aus Taiwan. So ist es mir möglich.' Wären wir doch auch so frei, wüssten wir uns doch auch manchmal weniger durch unsere theologischen Lehren und kirchlichen Konventionen gebunden!

Wir als Evangelisch-lutherische Kirche haben Abendmahlsgemeinschaft mit den Altkatholiken, mit den Methodisten, mit den Mennoniten, mit den Reformierten soundso, mit den Anglikanern laden wir uns gegenseitig ein, und wir laden auch die römisch-katholischen Christen ein - aber wir werden von ihnen nicht eingeladen, zwar nicht abgewiesen, aber auch nicht eingeladen, und unser Abendmahl ist nach römisch-katholischer Lehre letztlich nicht gültig.

Ach, warum nur haben wir unseren Glauben, unsere Frömmigkeit, unsere Gemeinschaft der Christen und Kirchen so verkompliziert?"

Bischöfin Maria Jepsen, Predigt auf dem Katholikentag 2000 in Hamburg
Quelle: http://www.katholikentag.de/rueckblick/hamburg/do0041.html


"Wenn nun ein Priester die Eucharistie mit einem Amtsträger einer anderen christlichen Gemeinschaft - der ja als Laie keine priesterliche Vollmacht hat - feiert, täuscht er eine Eucharistie nur vor, denn diese ist nach katholischem Glauben ungültig. Priester der katholischen Kirche, die solches tun, führen ihre Gemeinde in die Irre, denn sie geben ihr statt des Leibes und Blutes Christi nur Brot und Wein. Dadurch entsteht aber ein immenser Schaden am katholischen Glauben und an der Einheit der Kirche, und die wahre (authentische) ökumenische Bewegung wird weit zurückgeworfen. (...)

Wenn die evangelische Landesbischöfin Maria Jepsen in Rom darauf hinweist, dass evangelische und katholische Christen in Pfarrgemeinden bereits gemeinsam Abendmahl feiern (sie sagt bewusst nicht Eucharistie, denn die gibt es bei ihnen nicht), dann muss das alle Bischöfe aufschrecken. Wenn aber die 'Kirche von unten' für den Ökumenischen Kirchentag 2003 in Berlin nach eigenen Angaben eine 'offene Kommunion' mit gemeinsamem Abendmahl plant (und durchführt), ist es wohl bereits zu spät."

Erzbischof Georg Eder (Salzburg) in seinem Hirtenbrief:
"Ut unum sint" (über die Einheit in der Eucharistie)


Streit um das Abendmahl

Streit im Ökumenischen Rat der Kirchen ...


Bistum Chur: Ermahnung wegen Interzelebration

Chur, 7.2.2001 (Kipa). Der katholische Pfarrer der Bündner Gemeinde Cazis ist von Vitus Huonder, Generalvikar des Bistums Chur, ermahnt worden, in Zukunft keine ökumenischen Gottesdienste mit gemeinsamem Abendmahl mehr zu feiern. Gläubige hätten nämlich daran Anstoss genommen, dass bei derartigen Gottesdiensten in Cazis "der Eindruck der Interzelebration entstanden ist", sagte Huonder der Churer Tageszeitung "Die Südostschweiz".

Das geltende Kirchenrecht verbietet es katholischen Priestern, "zusammen mit Priestern oder Amtsträgern von Kirchen oder kirchlichen Gemeinschaften, die nicht in der vollen Gemeinschaft mit der katholischen Kirche stehen, die Eucharistie zu zelebrieren".

Quelle: http://www.kath.ch/kipa_20010207b.htm


Kurienkardinal Kasper gegen Kommunion für Nichtkatholiken

Der deutsche Kurienkardinal Kasper spricht sich deutlich gegen eine "Gastfreundschaft" gegenüber Nichtkatholiken bei der Eucharistie aus. Erst vor wenigen Tagen hat der Vatikan erneut klargestellt, dass die "Interzelebration" kirchenrechtswidrig wäre. Der Präsident des Päpstlichen Rates für die Einheit der Christen, der deutsche Kurienkardinal Walter Kasper, meinte, eine "Gastfreundschaft" gegenüber Nichtkatholiken bei der Eucharistie wäre nicht möglich. Wer die Gemeinschaft mit dem Papst nicht als Teil seiner Glaubensüberzeugung ansehe, "kann, wenn er ehrlich ist, gar nicht an der Eucharistie teilnehmen wollen", erklärte Kasper laut "Kathpress".

Gegenwart Christi
Für den Empfang der Kommunion für nichtkatholische Christen bei katholischen Gottesdiensten wäre, so Kasper, die "Handregel" des Wiener Erzbischofs Kardinal Christoph Schönborn anzuwenden. Diese besage: Wer auf das eucharistische Hochgebet ehrlichen Herzens mit 'Amen' antworten kann, der kann auch die Kommunion ehrlichen Herzens empfangen. Jeder Getaufte könne an der Eucharistie teilnehmen, wenn er aus Überzeugung mit vollziehen kann, was dort nach katholischem Glauben geschieht. Es gehe um die Gegenwart Christi in Gestalt von Brot und Wein, um die Gemeinschaft mit den Heiligen, dem Papst und dem Ortsbischof.

"Interzelebration" kirchenrechtswidrig
Der Vorsitzende der deutschen katholischen Bischofskonferenz, Kardinal Karl Lehmann, hatte erst vor wenigen Tagen erklärt, ein gemeinsames "Abendmahl" von Katholiken und Protestanten werde es auf absehbare Zeit nicht geben. Im Gegensatz zur katholisches Kirche kennen die Protestanten keine Eucharistie mit dem Mysterium der Transsubstantiation. Aus diesem Grund ist für die katholische Kirche auch eine "Interzelebration" kirchenrechtswidrig: Wenn ein katholischer Priester die Eucharistie mit einem Amtsträger einer anderen christlichen Gemeinschaft, der nach katholischem Verständnis als Laie keine priesterliche Vollmachten hat, "konzelebriere", dann täusche er eine Eucharistie nur vor, die nach katholischem Glauben ungültig sei.

Eucharistiefeier mit Protestanten "schweres Vergehen"
Eine Eucharistiefeier mit Protestanten wäre für katholische Priester ein "schweres Vergehens". Das bekräftigte der Vatikan zu Beginn dieses Jahres. Diese Richtlinien wurden durch ein "Motu proprio" von Papst Johannes Paul II. mit dem Titel "Sacramentorum sanctitas tutela" (Schutz der heiligen Sakramente) in Kraft gesetzt.

ORF-Religion-News, 8.1.2002
Quelle: http://religion.orf.at/projekt02/news/0201/ne020108_kaspar_kommunion.htm


Abendmahl - allein?


Frere Max Thurian (Bruder von Taizé):

Im Blick auf Mt 12,7f fragte Max Thurian wiederholt, ob "eine weitherzigere Handhabung der Kommunion nicht ein Gebot der 'ökumenischen Barmherzigkeit' wäre, ... dem konfessionellen 'Gesetz'" vorzuziehen, "weil der Menschensohn sie vorzieht, er, der Herr über die Gesetze ist" (Max Thurian: Die eine Eucharistie, Matthias-Grünewald-Verlag, Mainz 1976, S. 210).

Deutlicher als andere hat Max Thurian betont, dass die Eucharistie nicht nur Ziel der Einheit der Kirche ist, sondern auch ihre Quelle (vgl. Max Thurian: Feuer für die Erde. Vom Wirken des Geistes in der Gemeinschaft der Christen, Verlag Herder, Freiburg-Basel-Wien 1979, S. 93ff).

Thurian stellt darum die ökumenische Konzelebration zur Diskussion: "Eine solche Konzelebration wäre ein Eingeständnis seitens der Kirchen, dass sie von sich aus nicht fähig sind, die christliche Einheit wiederherzustellen ...
Jeder Amtsträger würde mit seiner Gemeinschaft zu dieser eucharistischen Konzelebration ganz bewußt alles mitbringen, was er an Glauben, Berufung, Sendung und Amt empfangen hat; dazu die Reue über die Spaltungen, seine Bereitschaft, sich ganz für deren Beseitigung einzusetzen, seine Verfügbarkeit gegenüber der ganzen Wahrheit und seine Hoffnung auf die von Christus gewollte Einheit."
(Die eine Eucharistie, S. 76)

Es hat freilich keinen Sinn, ein gemeinsames Herrenmahl zu feiern ohne das Bestreben, die Spaltung zu beenden und und die sichtbare Einheit zu realisieren. Das darf nicht nur a) die Liturgie umfassen, das muss auch b) Glaube und c) Amt miteinbeziehen. Seit den Konvergenzerklärungen von Lima (1982) kann ein allgemeiner Glaube an die Gegenwart Christi in der Eucharistie gegenseitig angenommen werden. Es bleibt die Amtsproblematik: "Gleichzeitig müssten die Träger der kirchlichen Autorität informiert sein und ihre Zustimmung geben." (Die eine Eucharistie, S. 76)


Papst Johannes Paul II.:

"Ein Thema, mit dem Sie in Deutschland ständig konfrontiert werden, ist die Ökumene in ihren vielfältigen Ausdrucksformen. Der Weg der Ökumene, den das Zweite Vatikanische Konzil eröffnet hat, ist unumkehrbar. Er ist eine Aufgabe, die der Herr uns gestellt hat. Wir müssen daher alles uns Mögliche tun, um die Einheit der Christen in der Wahrheit und in der Liebe zu fördern. Ich bin mir sicher, daß Sie sich dafür einsetzen werden, die oft zähen Bemühungen um die Einheit nicht ins Stocken geraten zu lassen. Zugleich liegt es mir am Herzen, daß diese Bemühungen in manchen Ländern, auch in Ihrer Heimat, eine noch bessere Orientierung bekommen. Es gibt nämlich mancherorts Verwirrung und Mißbräuche – ich denke etwa an die nicht selten praktizierte Interkommunion –, die dem Anliegen der wahren Einheit sehr schaden."

Quelle: Brief an alle deutschen Kardinäle vom 22.2.2001


Einheit der Kirche und Gemeinschaft im Herrenmahl
Zur neueren ökumenischen Diskussion um Eucharistie- und Kirchengemeinschaft

"Die Abendmahlsgemeinschaft realisiert sich dann am tiefsten, wenn sie aus einem umfassenden Integrationsprozess christlichen Tuns und kirchlichen Miteinanderseins herkommt und selbst solche Einigung wieder voranbringt. Dies hat aber auch zur Konsequenz, dass die Einheit der Kirche durch den Vollzug der eucharistischen Gemeinschaft sich nur dann vollgültig realisiert, wenn zugleich die anderen Bereiche des kirchlichen Lebens positiv und fruchtbar in eine solche Einigung eingebracht werden. (...)

Ich glaube nicht, dass die Eucharistie selbst 'Mittel' zum Zweck der Einigung werden darf, wenn dies im Sinne einer isolierten Instrumentalisierung verstanden würde. Allein kann sie auch kaum die Einheit der Kirche verstärken oder gar bewirken. Aber zusammen mit dem Gelingen und Vertiefen der anderen Lebensvollzüge kann sie selbst als innerer Motor so etwas wie eine Mitte und auch... ein Mittel werden zu einer immer tieferen Einigung."

(Referat von Bischof Karl Lehmann zur Eröffnung der Herbst-Vollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz am 25.9.2000 in Fulda)

Quelle: http://www.theologie-literatur.de/sakramentenlehre/6/lehmann.htm


"Die gegenseitige Zulassung zum gemeinsamen Abendmahl bzw. die gemeinsam verantwortete Abendmahlsfeier bleibt ein wichtiges Ziel, das aber nicht kurzfristig zu erreichen ist. Deshalb sollte man den Erfolg der Ökumene zwischen evangelischer und römisch-katholischer Kirche nicht allein an dieser Frage festmachen und die Bemühungen allein darauf richten. Mein Anliegen ist es, die römisch-katholischen Bischöfe zu bitten, eucharistische Gastfreundschaft für konfessionsverschiedene Ehepaare zu ermöglichen. Denn das kann die katholische Deutsche Bischofskonferenz selbstständig beschließen, das gemeinsame Abendmahl nur die römisch-katholische Weltkirche.

Für den Ökumenischen Kirchentag erwarte ich noch kein gemeinsames Abendmahl. Deshalb sollte der Erfolg des Kirchentags auch nicht daran gemessen werden. Allerdings hoffe ich, dass es vielleicht schon in diesem Jahr ein Signal der Deutschen Bischofskonferenz für die konfessionsverschiedenen Ehepaare gibt. Das wäre für die vielen Menschen wichtig, die ökumenisch getraut wurden und danach nicht mehr gemeinsam in der römisch-katholischen Kirche zum Tisch des Herrn gehen dürfen.

Über das noch nicht gelöste Problem Abendmahl dürfen andere wichtige Entwicklungen, die bereits ohne kirchenrechtliche Einwände möglich sind, nicht gering geschätzt werden. Dazu gehören die gemeinsamen Stellungnahmen der Kirchen. Gerade im gesellschaftspolitischen Bereich gibt es einige Themen und Entwicklungen, zu denen sich die Kirchen äußern müssen. Nach meinen Erfahrungen in Bayern können die Kirchen durchaus etwas erreichen, wenn sie gegenüber der Politik gemeinsam auftreten."

Landesbischof Johannes Friedrich (Bayern), im epd-Interview vom 21.6.2002

Quelle: http://www.epd.de/598_3155.htm


Ökumenische Gottesdienste mit Abendmahl von
katholischer Traditionalistengruppe angegriffen

Nach dem ökumenischen Gottesdienst in der Fastenzeit vom 10. März 2002 hat sich ein bedauerlicher Vorfall ereignet: Auf der Frontseite der «Schweizerischen Katholischen Wochenzeitung» erschien kurz danach ein Artikel mit dem Titel «Skandalmesse in Hinwil», unterzeichnet von der rechtskatholischen Bewegung «Pro Ecclesia». Darin wird dem katholischen Gemeindeleiter vorgeworfen, er habe eine ungültige Eucharistiefeier gehalten und die Gläubigen betrogen. Weil es sich dabei um einen «ganz schlimmen Vorgang» handle, werde die «Pro Ecclesia» die Kirchenverantwortlichen (d.h. Bischof in Chur, Nuntius in Bern) informieren.

An einem klärenden Gespräch am 16. Mai 2002 in Chur nahmen Bischof Amédée Grab, Weihbischof Peter Henrici, Gemeindeleiter Matthias Rupper und Pfarrer Tarcisi Venzin (Pfarradministrator in Hinwil) teil. Dabei wurde festgehalten, dass es sich beim ökumenischen Gottesdienst vom 10. März 2002 um die Abendmahlsfeier nach dem Ritus der reformierten Zürcher Kirche handelte und dass der katholische Gemeindeleiter nie die Absicht hatte, eine Eucharistiefeier vorzutäuschen. Aber die Bischöfe betonten auch, dass Abendmahlsfeiern in dieser Form nicht den geltenden katholischen Normen entsprechen. Ökumenische Gottesdienste mit gemeinsamem Abendmahl seien nicht möglich, weil beim Abendmahlsverständnis und beim Kirchenbegriff noch zu grosse Differenzen bestehen.

Darum sehen wir uns zu folgender Lösung gezwungen: Der ökumenische Gottesdienst in der Fastenzeit in der katholischen Kirche wird ohne Abendmahl gefeiert, der Bettagsgottesdienst findet in der reformierten Kirche statt und richtet sich dementsprechend nach der Liturgie der reformierten Kirche. Wir bedauern diesen Vorfall sehr, für die ökumenische Bewegung und für das gute Zusammenwirken von Reformierten und Katholiken hier in Hinwil bedeutet das sicher einen Rückschlag und eine grosse Enttäuschung. Aber wir sind überzeugt, dass wir auch durch solche Aktionen das Ziel nicht aus den Augen verlieren: die Einheit im Glauben an Jesus Christus, bezeugt gerade auch durch das gemeinsame Abendmahl.

Der ökumenische Pfarrkonvent:
Christine und Rolf Diezi-Straub, Matthias Walder und Matthias Rupper, Eva-Maria Zwyer, Markus Steinberg

Quelle: http://www.refkirchehinwil.ch/themen/themen.html#oekum


"Der Ruf nach einem gemeinsamen Abendmahl wäre nicht so bedeutsam, wenn wir alle nicht zuerst fixiert immer darauf nur schauen würden, ob wir von der anderen Konfession auch ausdrücklich eingeladen würden oder nicht, obwohl es doch jahrelange Praxis schon bei uns sei, keinem den Empfang zu verweigern, der auf Grund des Entscheid seines eigenen Gewissens in dieser oder jener Kirche zum Tisch des Herrn hinzutreten".

Bischof Dr. Josef Homeyer, Hildesheim 2001
Quelle: http://www.hl-engel-hannover.de/euch.htm

* * *

Zu diesem Zitat erreichte den Webmaster am 16.6.2003 folgende Mail:

Sehr geehrter Herr Wystrach,
auf der Internet-Seite http://www.ikvu.de/abendmahl/gemeinsames-abendmahl-pro-contra.html veröffentlichen Sie ein angebliches Zitat von Herrn Bischof Homeyer und geben als Quelle http://www.hl-engel-hannover.de an. In der Quelle (eine Predigt von Herrn Pfarrer Joachim 25.11.01) sagt Herr Pfarrer Joachim: "...dass der Bischof mir ... eine Information zum Stand der Beratungen zugesandt hat, die gegen Ende folgenden Hinweis enthält:" Pfarrer Joachim bezieht sich dabei auf einen Zeitungsartikel aus der FAZ, den der Bischof ihm zugesandt hat. Das Zitat stammt also nicht von Bischof Homeyer und er bittet Sie deshalb, diese Veröffentlichung aus Ihrer Internetseite herauszunehmen.

Mit freundlichen Grüßen, Irmgard Klaproth
Bischöfliches Sekretariat
Domhof 25, 31134 Hildesheim
Tel. 05121/307-130, Fax 05121/307-150
e-mail: bischofshaus@bistum-hildesheim.de

Hinweis des Webmasters: Freundlicherweise hat uns das Bischöfliche Sekretariat den o.g. Zeitungsartikel (FAZ vom 15.10.2001) zugefaxt. Dort zitiert Daniel Deckers aus dem Bericht der Kommission "Ökumenische Feierformen" von DEKT und ZdK, "die Hoffnung auf eine gemeinsame Eucharistie- und Abendmahlsfeier (werde) sich auf absehbare Zeit nicht erfüllen. (...) Es sei ein großes Zeichen ökumenischer Sensibilität, nicht auf eine ausdrückliche Einladung zu warten, sondern dem Gewissen zu folgen und dabei die weithin bestehende Praxis der katholischen Kirche zu erleben, niemanden zurückzuweisen, der um die eucharistische Gastfreundschaft bitte". Das o.g. Zitat, das sich auf der Website der Kirchengemeinde Hl. Engel (Hannover) findet. entstammt jedoch nicht dem FAZ-Artikel, sondern offensichtlich dem Anschreiben des Bischofs an den Pfarrer, das uns leider nicht vorliegt. (Thomas Wystrach)


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