"Wozu diese Verschwendung?" An diese Szene in Bethanien (Mk 14) erinnert der Papst in seiner Enzyklika Ecclesia de Eucharistia (n. 48). "Mich habt ihr nicht immer. Sie hat getan, was sie konnte." Diese Antwort bekamen die Jünger, als sie an der Großzügigkeit der Frau mit der Alabasterflasche Anstoß nahmen, die Jesus mit ihrem kostbaren Nardenöl salbte (Mt 26). Sie hatten nicht verstanden, dass die Frau mit ihrem üppigen Geschenk dem Vorbild Gottes selber folgte, der verschwenderisch ohne Unterschied "seine Sonne aufgehen lässt über Bösen und Guten und regnen lässt über Gerechte und Ungerechte" (Mt 5,48).
Unter Hinweis auf eine Formulierung des Thomas von Aquin betont der Papst, dass in der Eucharistie, "in diesem Sakrament das ganze Mysterium unseres Heiles zusammengefasst ist" (61). Was anderes sollte auch Inhalt und Sinn der Eucharistie sein, wenn nicht die dankbare Begegnung mit der grenzenlosen Güte und bedingungslosen Vergebungsbereitschaft Gottes? Deshalb legt uns die Liturgie bei jeder Feier des Abendmahls nach dem Vorbild des heidnischen Hauptmanns (Mt 8,8) die Worte in den Mund: "Herr, ich bin nicht würdig, dass du eingehst unter mein Dach, aber sprich nur ein Wort, so wird meine Seele gesund."
Diese Verschwendungsbereitschaft Gottes, im Katechismus "Gnade" genannt, verpflichtet die Jünger Jesu: "Ihr sollt vollkommen sein, wie es auch euer himmlischer Vater ist." (Mt 5,48) Was die Vollkommenheit Gottes im Vergleich zu uns Menschen bedeutet, ist allerhand: "Denn wenn das Herz uns auch verurteilt - Gott ist größer ist als unser Herz, und er weißt alles." (1 Joh 3,20) "Denn so hoch der Himmel über der Erde ist, so hoch ist seine Huld über denen, die ihn fürchten." (Ps 103,11) Die ganze Bergpredigt, noch deutlicher die entsprechende Feldrede bei Lukas (6,20-49) ist voll von Beispielen, wie die Jünger Jesu von der Großzügigkeit Gottes lernen und geben sollen, ohne eine Gegenleistung zu erwarten.
Was anderes sollte dann die Zusammenfassung des ganzen Heilsmysteriums sein, als die Einübung in die Bereitschaft, dem Beispiel dieser grenzenlosen Güte zu folgen? Nun nimmt der Papst jedoch diese "Zusammenfassung" nicht zuletzt zum Anlass, Schranken zu errichten. Nichtkatholiken schließt er von der Eucharistie aus. Katholiken werden aufgefordert, "sich von der Teilnahme an einer Kommunion fern(zu)halten", die außerhalb der von Rom als gleichrangig anerkannten Kirchen gefeiert wird (30). Habe ich also etwas missverstanden?
In der Tat, das habe ich offenbar. Ich habe den Papst überschätzt. Ohne nachzudenken, hätte ich gleich weiterlesen müssen. Denn bei "Verschwendung" hat der Papst nicht an die Großzügigkeit des barmherzigen Gottes gedacht. Wie der auf das Stichwort folgende Text erkennen lässt, hat er zum Beispiel die Fülle der Blumen und Kerzen vor Augen, mit denen Altäre geschmückt werden. Die Frage der Verschwendung stellt sich nach Meinung des Papstes mit Blick auf den "Rahmen", in dem die Eucharistie gefeiert wird, der "eines so großen Geheimnisses würdig ist" (48). Die Enzyklika meint die Feierlichkeit der Liturgie und die Werke der Kunst, die für den Gottesdienst im Laufe der Geschichte entstanden sind. Sicher war auch dafür stets eine gewisse Großzügigkeit angebracht. Aber ist das alles? Wo bleibt das Evangelium? Hat sich der Papst nicht gefragt, ob die kirchliche Praxis dem Zeugnis für die Großzügigkeit Gottes entspricht? Liegt ein größeres Missverständnis gar auf seiner Seite? Ich befürchte, mit den von der Enzyklika festgeklopften Positionen steht mehr auf dem Spiel als nur die Frage nach etwas mehr oder weniger Ökumene.
Dabei ist die Enzyklika noch nicht einmal alles. Uns steht noch das Kleingedruckte, "ein spezifischeres Dokument" (52) bevor. Sicher werden die Ausführungsbestimmungen noch unverblümter auf die deutschen Verhältnisse, vermeintliche "Missbräuche" (10) gemünzt sein. Da wird es einen starken Glauben brauchen! Um noch einmal daran zu erinnern: Wir glauben nicht an die römische Kirche. Das Credo bekennt "die eine, heilige, katholische und apostolische" Kirche. Aber auch an diese glauben wir nicht, obgleich sie "die Kirche Christi" ist (Lumen gentium 8), sondern einzig und allein glauben wir an Gott. Er möge der Kirche gnädig sein!
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Carl-Peter Klusmann,
Dudenstraße 9, 44137 Dortmund, Carl-Peter Klusmann wurde 1934 in Wanne-Eickel geboren und ist katholischer Pfarrer, seit 1996 im Ruhestand. Er ist Mitglied der SOG Paderborn seit deren Gründung 1968; von 1974 bis 1986 Sprecher, seit 1991 zweiter Sprecher der Arbeitsgemeinschaft von Priester- und Solidaritätsgruppen (AGP). |
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