Pfr. Dr. Hans-Georg Link:

Das "Straßburger Modell"
Eucharistische Gastfreundschaft im Elsaß


Rechtzeitig zur Vorbereitung auf den Ökumenischen Kirchentag in Berlin vom 28. Mai bis 1. Juni 2003 legt der Kölner Ökumenepfarrer Dr. Hans-Georg Link erstmals in deutscher Sprache eine vollständige Dokumentation des sog. Straßburger Modells von 1972 für eucharistische Gastfreundschaft vor. Er weist in seinem Vorwort (S. 7) darauf hin, dass die Frage der Abendmahlsgemeinschaft nicht erst seit gestern, sondern seit dem Augsburger Pfingsttreffen vor mehr als einer Generation (1971) öffentlich geäußert worden ist, und richtet die Frage an Synoden und Kirchenleitungen, was sie zu ihrer Beantwortung in den vergangenen dreißig Jahren beigetragen haben.

Auf diesem Hintergrund ist die Entwicklung und Verteidigung des Straßburger Modells eucharistischer Gastfreundschaft in dieser Dokumentation geradezu spannend zu lesen. Sie beginnt mit einem Offenen Brief des lutherischen Theologen Gérard Siegwalt vom Oktober 1969 an den damaligen Straßburger Bischof Léon Arthur Elchinger. Sehr angenehm fällt dabei der völlig unpolemische, dafür um so brüderlichere und theologisch verantwortungsvolle Stil des Schreibens auf. Die darauf antwortenden "Weisungen" des Straßburger katholischen Bischofs Elchinger werden auch nicht in der Art kirchenamtlicher Verordnungen gegeben, vielmehr in Form von Überlegungen, die konfessionsverschiedenen Ehepartnern Gesichtspunkte für ihre eigene Gewissensentscheidung vermitteln, "die in den Augen der katholischen Kirche weder Mangel an Glauben noch Abfall ausdrücken wird" (S. 39). Elchinger öffnet damit 1972 erstmals einen offiziellen, nicht heimlichen (!) Weg zu eigenverantwortlicher wechselseitiger eucharistischer Gastfreundschaft als Ausnahmemöglichkeit in besonderen Fällen seiner Diözese. Er ist sich der "Doppeldeutigkeit" von Gesten wechselseitiger eucharistischer Gastfreundschaft durchaus bewusst; dennoch fragt er: "Aber die Trennungen, die wir im Schoß der einigen Kirche Christi aufrechterhalten, und die Gegensätze, die innerhalb der eigenen Kirchen bestehen, sind sie nicht ebenso ein Ärgernis wie die vielleicht doppeldeutigen, aber doch klaren Gesten eucharistischer Gastfreundschaft?" (S. 40).

In seinem Buch "L'Ame de l'Alsace et son avenir" von 1992, dass der Herder-Verlag "nicht übersetzen" wollte, weil es "nicht genügend verkauft" werden würde (S. 60), bemerkt Elchinger zwanzig Jahre später, er habe weder etwas von seinen Richtlinien zurückzunehmen noch den allgemeinen Instruktionen (des Heiligen Stuhls) über die eucharistische Gastfreundschaft widersprochen" (S. 56). Allerdings fügt er hinzu: "Die deutschen Bischöfe teilen aber meine Ansicht nicht" (S. 60). Später habe ihm jedoch Kardinal Jäger geschrieben, "um dass zu erklären und sich bei mir zu entschuldigen" (S. 58).

Wie der Briefwechsel aus dem Jahr 2000 belegt, hält auch Elchingers Nachfolger, der derzeitige Straßburger Erzbischof Josef Doré, an diesem Modell eucharistischer Gastfreundschaft fest und weitet es über konfessionsverschiedene Partner hinaus aus: "Das hindert uns aber nicht, im Geiste des Vaticanum II für die katholische Kirche und von Monsignore Elchinger für das Elsaß die Auffassung zu vertreten, dass es Umstände geben kann, in denen ausnahmsweise, man könnte deswegen sagen "vorausschauend" (‚prophetique’) die eucharistische Gastfreundschaft tatsächlich ins Auge gefasst werden kann." (S. 67)

Der Herausgeber weist im Anhang (S. 76 ff) darauf hin, dass es solche Formen katholischer eucharistischer Gastfreundschaft für Hunderte von Nicht-Katholiken bei besonderen Anlässen inzwischen auch in Großbritannien gibt. Daher kommt er am Ende seiner Einführung zu dem Schluss: "Was in Straßburg seit dreißig Jahren offiziell möglich ist, kann nicht in Berlin 2003 offiziell unmöglich sein. Von Straßburg in Vorbereitung, Durchführung und Gestaltung zu lernen, ist eine Chance für Berlin." (S. 14)


Hans-Georg LinkKölner Ökumenische Beiträge Nr. 44: "Das Straßburger Modell. Eucharistische Gastfreundschaft im Elsaß. Eine Dokumentation", Herausgegeben von Hans-Georg Link. Das 85 Seiten umfassende Dokumentationsheft der Kölner Ökumenischen Beiträge Nr. 44 kann zum Preis von 3,00 Euro plus Portokosten (0,77 Euro in Form von Briefmarken) bezogen werden bei:

Evangelischer Stadtkirchenverband Köln,
Ökumene-Referat, Kartäusergasse 9-11, 50678 Köln
Tel: 02 21 / 33 82 – 102, E-Mail: Oekumene@kirche-koeln.de


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