Koblenz, 21.7.2003 (epd). Der deutsche Kurienkardinal Joseph Ratzinger hat die Suspendierung des Saarbrücker Theologieprofessors Gotthold Hasenhüttl gerechtfertigt. Die Kirche könne «nicht einfach tun, was sie will», sondern sei «an das Vermächtnis des Herrn gebunden», sagte Ratzinger der in Koblenz erscheinenden «Rhein-Zeitung» (Dienstagsausgabe). Der oberste vatikanische Glaubenshüter warf Hasenhüttl vor, nicht nur sein Verständnis des Abendmahls, sondern auch seine Gottesvorstellung sei nicht katholisch.
Der
69-jährige Theologe habe eine Dogmatik geschrieben, in der er Gott lediglich
als «Begegnungsereignis» beschreibe, kritisierte Ratzinger. «Insofern ist
das, was er auf dem Ökumenischen Kirchentag angestellt hat, noch relativ
gering im Vergleich zu dem, was er im Ganzen von sich gegeben hat.» Nach dem
Glauben der katholischen Kirche sei anders als bei den Protestanten «das
Priestertum als Sakrament» eine wesentliche Bedingung für die Austeilung der
Eucharistie.
Hasenhüttl war vom Trierer Bischof Reinhard Marx vorläufig suspendiert worden, weil er beim Ökumenischen Kirchentag in Berlin Ende Mai auch Protestanten zur Eucharistie eingeladen hatte. Eine endgültige Entscheidung über sein Priesteramt fällt erst, wenn gegen seine Beschwerde beim Vatikan entschieden ist. Sehr kritisch äußerte sich der Präfekt der Glaubenskongregation in dem Interview zum Ökumenischen Kirchentag in Berlin. «Aufs Große gesehen war er mir zu konturenlos», sagte er.
Quelle: http://www.epd.de