"Wohl kein gemeinsames Abendmahl" stand über einem D.D.-Artikel in der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" vom 15.10.2001. Er informierte über den Stand der Vorbereitungen für den "Ökumenischen Kirchentag", den das "Zentralkomitee der deutschen Katholiken" und der "Deutsche Evangelische Kirchentag" im Jahr 2003 in Berlin veranstalten wollen.
Die Hoffnung auf eine gemeinsame Eucharistie- und Abendmahlsfeier werde sich auf absehbare Zeit nicht erfüllen: auch eine Ausnahmeregelung für den Kirchentag, wie von evangelischer Seite gewünscht, könne es nach katholischem Recht nicht geben. So die Vorbereitungskommission "Ökumenische Feierformen". Man habe sich aber bemüht, "im Rahmen der bestehenden konfessionellen Argumentationen nach Zeichen der Hoffnung auf Fortschritte auf dem Weg zum gemeinsamen Herrenmahl Ausschau zu halten".
Man denkt unter anderem an "Zeichenhandlungen", die in den Kirchen "schon gelebt" würden, mit den Symbolen "Weg", "Wasser", "Brot" und "Krug". Ein Vorschlag geht dahin, für eine "Zeichenhandlung" einen "zerbrochenen Krug" zu verwenden: dabei spiegele sich "in jeder Scherbe die Gesamtheit der Verheißung". Das ist ein Vorschlag, der Katholiken einiges zu bedenken gibt.
Können Katholiken die "Zeichenhandlung" des "zerbrochenen Kruges" mitgestalten und mitmachen? Wohl kaum. Denn gibt das Symbol des "zerbrochenen Kruges" das katholische Verständnis der ökumenischen Situation richtig wieder? Versteht sich die katholische Kirche als eine von vielen anderen Scherben einer zerbrochenen Ganzheit, die nirgends mehr erhalten und erst wieder herzustellen wäre?
Angesichts von Vorschlägen dieser Art sind - so meinen wir - die Katholiken, vorab ihre Bischöfe, zum Zeugnis für die Glaubenswahrheit herausgefordert und aufgerufen, die das 2. Vatikanische Konzil in seinem Dekret über den Ökumenismus formuliert hat; als Ziel der ökumenischen Bemühungen ist dort angegeben, "dass ...alle Christen zur selben Eucharistiefeier, zur Einheit der einen und einzigen Kirche versammelt werden, die Christus seiner Kirche von Anfang an geschenkt hat, eine Einheit, die nach unserem Glauben unverlierbar in der katholischen Kirche besteht, und die, wie wir hoffen, immer mehr wachsen wird bis zur Vollendung der Zeiten" (UR Nr. 4; siehe auch "Lumen gentium" Nr. 8, Enz. "Ut unum sint" Nr. 86, "Dominus Jesus" Nr. 4 u. 16):
Die Einheit ist also nach katholischem Glauben (und wie aus der Geschichte zu erkennen) nicht verloren gegangen, und die "Gesamtheit" ist nicht nur verteilt auf die verschiedenen christlichen Gemeinschaften vorhanden wie die Scherben eines zerbrochenen Kruges, sondern in den Grundstrukturen und gewiss immer erneuerungsbedürftig - in der katholischen Kirche erhalten geblieben. Dank göttlicher Gnade und wie von Christus verheißen. Die Katholiken dürfen das Geschenk Christi nicht unter den Scheffel stellen, sondern müssen es in Demut, aber auch Festigkeit bezeugen, wie es Papst Johannes Paul II. tut.
Die Kommission erwartet - dem Bericht zufolge - für die Gestaltung der katholischen und der evangelischen Gottesdienste des Kirchentages "höchstmögliche ökumenische Sensibilität". Für "nicht sinnvoll" hält sie "eine offen ausgesprochene Einladung aller Christen zu gemeinsamen Eucharistie- und Abendmahlsfeiern durch die jeweiligen Vorsteher der Liturgie"; dies sei derzeit wegen der katholischen kirchenrechtlichen Bestimmungen nicht möglich. Es sei aber ein großes Zeichen ökumenischer Sensibilität, nicht auf eine ausdrückliche Einladung zu warten, sondern dem Gewissen zu folgen und dabei die weithin bestehende Praxis der katholischen Kirche zu erleben, niemand zurückzuweisen, der um die eucharistische Gemeinschaft bitte. - Soweit der Bericht.
Zu sagen wäre dazu: Katholiken und auch Protestanten, die es nicht nur dem Namen nach sind, können kein "großes Zeichen ökumenischer Sensibilität" darin sehen, die einschlägigen Vorschriften und die Praxis der katholischen Kirche derart zu ignorieren und/oder zu missdeuten, zu unterlaufen und zu missbrauchen. Wahre "ökumenische Sensibilität" würde die Gewissen der Gläubigen zuerst einmal richtig informieren, indem sie die authentische Lehre der Kirche über das Altarsakrament und die Erfordernisse für den Empfang präzise vorträgt.
Aber vielleicht ist eine ökumenische Kommission damit überfordert, solange diese Information innerhalb der katholischen Kirche selber nicht in dem notwendigen Maße erfolgt. (Heinz Froitzheim)
Aus: DER FELS 11/2001
Quelle:
http://www.der-fels.de