Die Realität der ökumenischen Situation

Allenthalben hört man von der Hoffnung auf Einheit der christlichen Kirchen, von der Forderung der Interkommunion (Empfang des Abendmahls der Protestanten durch Katholiken und umgekehrt), von Konzelebration katholischer Priester und protestantischer Pfarrer, von der positiven Erfahrung von konfessionell gemischten Ehen in der religiösen Praxis. Auch in katholischen Vereinen wir immer wieder die Forderung erhoben, Protestanten als Mitglieder aufzunehmen. Dies diene dem Zusammenwachsen der beiden Konfessionen, sei ungemein fruchtbar und sei ein Vorwärtsschritt in der Ökumene.

In der neuesten Verlautbarung der EKD (Evangelische Kirche Deutschlands), die gewissermaßen als Antwort auf das Dokument der Päpstlichen Glaubenskongregation "Dominus Jesus" betrachtet wird, heißt es, wie folgt: "Vorrangig muß geklärt werden, wie sich die evangelische und die römisch-katholische Auffassung vom Grund des Glaubens und von der Selbstvergegenwärtigung des dreieinigen Gottes durch das Zeugnis der Kirche zueinander verhalten.

Dann wird sich erst abschließend klären lassen, ob die Vorstellungen von der Einheit des Leibes Christi und der Gemeinschaft der Kirchen in diesem Leib miteinander kompatibel sind. Es ist eine Verständigung darüber zu erstreben, dass für die Gemeinschaft der Kirchen nicht eine einzige, historisch gewachsene Form des kirchlichen Amtes zur Bedingung gemacht werden kann, sondern dass unterschiedliche Gestalten desselben möglich sind. In diesem Zusammenhang ist auch festzustellen, dass die Notwendigkeit und Gestalt des Petrusamtes und damit des Primates des Papstes, das Verständnis der apostolischen Sukzession ("Weitergabe der Priester- und Bischofsweihe in ununterbrochener Nachfolge seit der Zeit der Apostel durch Handauflegung", Anm. d. Verfassers), die Nichtzulassung von Frauen zum ordinierten Amt (= Diakonats-, Priester- und Bischofsweihe, Anm. d. Verfassers) und nicht zuletzt der Rang des Kirchenrechtes in der römisch-katholischen Kirche Sachverhalte sind, denen evangelischerseits widersprochen werden muß." (vgl. www.ekd.de). Die EKD stellt also für den Augenblick unüberbrückbare Gegensätze zwischen der zweitausendjährigen Lehrtradition der katholischen Kirche und den seit knapp 500 Jahren bestehenden protestantischen theologischen Auffassungen fest. Sie distanziert sich deutlich von der mancherorts praktizierten Interkommunion und Interzelebration, die ja auch von der katholischen Kirche und der Orthodoxie verworfen werden (vgl. die Suspendierung eines Priesters des Bistums Trier durch Bischof Spital nach einer Interzelebration mit methodistischen Pfarrern auf dem Hamburger Kirchentag).

Ökumenische Einheit ist von katholischer Seite nicht dadurch zu erreichen, dass man seine eigene Selbstachtung und die eigene Glaubenssubstanz, die in zweitausendjähriger Geschichte gewachsenen religiösen Ausdrucksformen und Frömmigkeitsübungen aufgibt, um fast unterwürfig und buhlerisch eine Annäherung zu erzwingen. Die katholische Kirche sieht sich als von Christus selbst gegründet an. Sie ist die authentische Kirche Christi und nicht eine unter vielen anderen angeblich gleichwertigen Konfessionen. Sie hütet als einzige Kirche die Gräber der Apostel Christi, sie ist eine sakramentale Kirche mit sieben Sakramenten, ihre Ämter sind seit der apostolischen Zeit in ununterbrochener Reihenfolge durch Handauflegung weitergegeben worden. Dies kann und wird von unserer katholischen Kirche niemals aufgegeben werden. So wird diese Tradition bezeugt durch die Kirchenväter und alle Konzilien von Anfang an bis heute. Falls sogenannte ,moderne' Theologen in der katholischen Kirche eine andere Zielrichtung verfolgen, dann ist vorauszusehen, dass man nicht eine ,Einheit' schafft, sondern lediglich neue Spaltungen hervorruft, denn viele Katholiken werden eine solche Entwicklung nicht mitmachen. (...) [Edmund Dillinger]

Aus: DER FELS 4/2002
Quelle: http://www.der-fels.de


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