Mainz, 14.11.2002. Auf aktuelle Gefahren des ökumenischen Dialoges hat Klaus Nientiedt, Chefredakteur der Freiburger Kirchenzeitung "Konradsblatt", hingewiesen. "So droht der Ökumene ihr Erfolg zunehmend zum Problem zu werden", sagte Nientiedt am Freitag, 8. November, auf der Herbstvollversammlung des Katholikenrates im Bistum Mainz. "Gebetsmühlenartig" werde im ökumenischen Dialog betont, wie nahe sich die Beteiligten gekommen seien. Er verwies darauf, dass bereits 1999 in der Rechtfertigungsfrage, "der entscheidenden Frage schlechthin", eine Vereinbarung geschlossen worden sei. Daher sei es "nur natürlich", wenn von den Kirchen erwartet werde, "Konsequenzen zu ziehen".
Der Katholikenrat hatte sich von Freitag, 8. November, bis Samstag, 9. November, im Erbacher Hof in Mainz zu seiner Herbstvollversammlung unter dem Leitwort "Auf dem Weg zur Einheit – Wir dürfen mehr, als wir tun" versammelt. Neben Nientiedt, der den Stand der Ökumene aus katholischer Sicht beleuchtete, sprach für die evangelische Seite Pfarrer Jörg Bickelhaupt, Beauftragter für den interkonfessionellen Dialog der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN).
Der öffentliche Druck zur Einigung in der Ökumene resultiere jedoch auch daher, "dass banalisierte Vorstellungen von Glaubenslehre um sich greifen", beklagte Nientiedt. Er warnte davor, dass Ökumene in Zukunft eine "Angelegenheit von wenigen Eingeweihten" werden könnte, wenn "in einem theologisch qualifizierten Sinn" nur Minderheiten der kirchlichen Basis an ökumenischen Fragen interessiert seien. Die Hoffnung auf eine Abendmahlsgemeinschaft beim Ökumenischen Kirchentag 2003 in Berlin bezeichnete er als "unrealistisch". Dass der Kirchen-tag ökumenisch ausgerichtet wird, begrüßte er als "konsequente Fortsetzung der Entwicklung bei den Katholiken- und Kirchentagen der letzten Jahre". Allerdings dürfe die gemeinsame Ausrichtung nicht bedeuten, "dass Treffen dieser Art nun in jedem Fall und nur mehr ökumenisch abgehalten werden dürfen", sagte Nientiedt. Schließlich sei Konfessionalität als solche nicht bereits Ausdruck einer mangelnden ökumenischen Gesinnung.
Pfarrer Jörg Bickelhaupt plädierte dafür, Ökumene als "Querschnittbereich gemeindlicher Existenz" zu begreifen. Er habe oft die Erfahrung machen müssen, dass die Gemeinden Angst vor einem solch übergreifenden Verständnis hätten und Ökumene nur als ein thematisches Segment ihrer Gemeindearbeit betrachteten. Er forderte dazu auf, konkret zu überlegen, welche Konsequenzen eine "Ökumene im Querschnitt von Gemeinde" haben würde. Erst dadurch würde den Gemeinden wirklich bewusst werden, wie viel sie schon gemeinsam tun könnten.
Ein solches Verständnis von Ökumene dürfe jedoch nicht mit dem Aufgeben des konfessionellen Profils verbunden sein. "Wir brauchen konfessionelles Profil", sagte Bickelhaupt. Vorstellbar sei jedoch beispielsweise, Konfirmanden- oder Firmunterricht nicht nur über die andere Konfession zu veranstalten, sondern zusammen mit ihr. Bickelhaupt beklagte, dass beim Ökumenischen Kirchentag kein gemeinsames Abendmahl stattfinden wird: "Dass wir immer noch nicht gemeinsam am Tisch des Herrn feiern können, ist für mich ein Skandal und eine Wunde am Leib Christi", sagte der evangelische Theologe. Andererseits solle man sich davor hüten, den Kirchentag ausschließlich auf die Abendmahlsfrage zu beschränken. Wörtlich sagte Bickelhaupt: "Das heilige Abendmahl ist viel zu wichtig, als dass wir es quasi zu einem ökumenischen Lackmus-Test degradieren dürfen." (...)
Aus: Mainzer
Bistumsnachrichten, 14.11.2002
Quelle:
http://www.kath.de/bistum/mainz/mbn/