Bonn, 23.7.2003. Bundespräsident Johannes Rau und der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Karl Lehmann, wollen ihre öffentliche Kontroverse über den Fall des vom Dienst suspendierten Priesters Gotthold Hasenhüttl im persönlichen Gespräch klären. Es werde "bei passender Gelegenheit" im Herbst stattfinden, ließen beide verlauten.
Rau hatte im ZDF die Maßregelung des Theologieprofessors Hasenhüttl, der trotz kirchlicher Warnungen während des Ökumenischen Kirchentags in Berlin zur "offenen Kommunion" eingeladen hatte, als "schrecklich" bezeichnet. Als evangelischer Christ könne er die Suspendierung des Theologen vom Priesteramt durch den Trierer Bischof Reinhard Marx nicht verstehen. Kardinal Lehmann erwiderte scharf: "Jeder kann in dieser Republik Kritik üben, aber in dieser Form gehört sie nicht zum Amt des Bundespräsidenten."
Noch schärfer äußerte sich der Bonner Rechtsprofessor Josef Isensee, der den Bischöfen nahe steht. Er warf Rau eine Verletzung des Grundgesetzes und Amtsmissbrauch vor. Der Bundespräsident habe "taktlos, ahnungslos und kompetenzlos" gehandelt. Raus Sprecher Klaus Schrotthofer sprach von einem "Missverständnis". (fac)
Aus: Berliner Morgenpost, 23.7.2003
Quelle:
http://morgenpost.berlin1.de/inhalt/politik/story618261.html