Stellungnahme des Erzbischofs
von München und Freising, Kardinal Friedrich Wetter, zu aktuellen Fragen der
Ökumene
München, 24. Juli 2003 (ok). Der
Landesbischof der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern, Johannes
Friedrich, hat sich am 18. Juli 2003 in einer vom Evangelisch-Lutherischen
Landeskirchenamt in München verbreiteten Pressemitteilung zur Suspendierung
des Theologieprofessors Gotthold Hasenhüttl durch den Bischof von Trier,
Reinhard Marx, und in diesem Zusammenhang zur ökumenischen Situation in
Deutschland geäußert. Er nannte das Handeln des Trierer Bischofs
"unverhältnismäßig und überzogen". Positive ökumenische Signale der
katholischen Kirche fände er hilfreicher und glaubwürdiger. Die katholische
Kirche solle sich nicht dem Vorwurf aussetzen, ihr ginge es in Wahrheit
nicht um die Lehre, sondern um die Macht, die sie mit der Suspendierung
stabilisieren wolle. Die Gemeinschaft der Priester mit dem Papst in der
katholischen Kirche bewertete der Landesbischof als nachrangige
"Ordnungsfrage".
Dazu gibt der Erzbischof von München und
Freising, Kardinal Friedrich Wetter, folgende Klarstellung:
- Bei unvoreingenommener Sicht wird
deutlich, dass der Bischof von Trier mit pastoraler Gewissenhaftigkeit und
mit großer Geduld zunächst den ausgleichenden Dialog mit Professor
Hasenhüttl gesucht und dann, weil dieser keine Einsicht gezeigt hat,
angemessen handeln musste. Allein schon der große Zeitraum, in dem er sich
um Klärung und Entscheidung bemüht hat, zeigt, dass er verantwortlich
gehandelt hat.
- Es gibt in der Vergangenheit und in
jüngster Zeit nicht allein positive ökumenische Signale, sondern darüber
hinaus zahlreiche positive ökumenische Initiativen seitens der
katholischen Kirche. So gibt es zum Beispiel konkrete Anregungen für die
ökumenische Praxis in Gemeinden, die von mehreren deutschen Bistümern
eigens zum Ökumenischen Kirchentag in Berlin herausgegeben wurden. Es gibt
die positive Bewertung des ökumenisch erarbeiteten Studiendokuments "Communio
Sanctorum" durch die Deutsche Bischofskonferenz. Erst kürzlich hat der
Präsident des Päpstlichen Rates für die Einheit der Christen, Kardinal
Walter Kasper, zur Eröffnung der Tagung des Lutherischen Weltbundes in
Winnipeg, Kanada, erneut die Bereitschaft der katholischen Kirche
bekundet, die noch offenen Fragen im Amts- und Kirchenverständnis zügig zu
klären. Diese Initiativen zeigen, dass sich die katholische Kirche auf
allen Ebenen um eine in der Bibel und in der kirchlichen Tradition
begründete Ökumene bemüht.
- Die Suspendierung Hasenhüttls ist nicht
aus der Sicht eines evangelischen Kirchen- und Amtsverständnisses, sondern
nach katholischem Kirchen- und Amtsverständnis zu beurteilen. Nach dem
biblisch begründeten katholischen Amtsverständnis gehört das dreigliedrige
Weiheamt - Bischof, Priester, Diakon - zum Wesentlichen des Glaubens und
nicht nur zur historischen Struktur der Kirche, wie es auch der im Auftrag
der Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirche Deutschlands
herausgegebene Evangelische Erwachsenenkatechismus einsichtig
formuliert und ausdrücklich als unterscheidendes Merkmal zu den Kirchen
der Reformation kennzeichnet. Es ist somit keine frei zu gestaltende
Ordnungsfrage, sondern eine Glaubensfrage.
- Wenn ein katholischer Bischof, in der
ihm durch die Weihe von Christus aufgetragenen Verantwortung für die
sichtbare Einheit der Kirche und in Treue zur biblisch begründeten Lehre
der Kirche Entscheidungen trifft, dann ist dies keine Demonstration von
Macht. Das kirchliche Recht folgt der theologischen Lehre, nicht
umgekehrt. Es eröffnet damit für alle in der Kirche einen Raum des
verlässlichen Zusammenlebens und nicht der Willkür und Beliebigkeit. Dies
gilt umso mehr, als es im Kern der Auseinandersetzung mit Hasenhüttl um
das zentrale Thema der Eucharistie geht. Gerade weil die katholische
Kirche die gemeinsame Feier der Eucharistie will und anstrebt, geht es ihr
in dieser Frage um Klarheit und um ein gemeinsames Verständnis mit den
anderen Konfessionen.
Noch immer gilt, was 1971 der damalige
Landesbischof der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern und
Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche Deutschlands (EKD), Hermann
Dietzfelbinger, grundsätzlich zur Ökumene gesagt hat. Im christlichen
Glauben gehe es um die Wahrheit, auf die man leben und sterben könne. Darum
müsse jeder Schritt, den die Kirchen miteinander gehen, "genau und sorgsam
geprüft werden".
Quelle:
http://www.erzbistum-muenchen.de
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