Basis ist bei Ökumene schon weiter
Hasenhüttls Streit mit Marx erhitzt die Gemüter der Katholiken

Quierschied, 4.8.2003 (ll). Am Rande des ersten ökumenischen Kirchentags in Berlin Ende Mai teilte der Saarbrücker Priester Gotthold Hasenhüttl die Kommunion auch an Protestanten aus. Nach dem Kirchenrecht darf ein katholischer Priester einem Protestanten die Kommunion nur in Ausnahmefällen spenden. Der Trierer Bischof Reinhard Marx ahndete den Verstoß, suspendierte Hasenhüttl. Die Suspension sorgt bundesweit für Proteste und entzweit die katholische Gemeinschaft.

Hasenhüttl sagte zum Thema Ökumene, die Bischöfe gebrauchten die Eucharistie, um sich gegenüber Protestanten abzugrenzen. So lange die Ökumene nichts koste, werde sie propagiert. Wenn man aber Ernst mache, komme gleich ein bischöfliches Verbot. Den Kirchen-Oberen gehe es um den Erhalt ihrer Macht. Hasenhüttl warf den deutschen Bischöfen vor, sie verlangten als Vorgesetzte einen "Eichmann-Gehorsam" von ihren Priestern. Dieser blinde Gehorsam aber schade dem Anliegen Jesu Christi.

Nach dem Sonntags-Gottesdienst in der katholischen Pfarrgemeinde Maria Himmelfahrt in Quierschied haben wir Gläubige gefragt, was sie von dem Konflikt zwischen Hasenhüttl und Marx halten. Für den 69-jährigen Gustav Weber ist die Entscheidung des Trierer Bischofs, Hasenhüttl zu suspendieren, ein Rückfall ins finsterste Mittelalter. Die Kirche sei insgesamt gesehen zu intolerant und vor allem viel zu konservativ. Dieses Verhalten passe nicht mehr in die heutige Zeit. "Die Menschen an der Basis sind, was die Ökumene betrifft, viel weiter, als die Kirchenoberen wollen", sagt Weber.

Theo Feldmann hat für die Entscheidung des Bischofs kein Verständnis. Für ihn ist die Suspendierung Hasenhüttls ein Schlag gegen die Ökumene: "Jetzt sind alle, die sich für das Zusammenwachsen der katholischen und evangelischen Kirche einsetzen, wieder aus der Bahn geworfen." Im kirchlichen Alltag sei bisher alles prima gelaufen. "Die katholischen Priester haben jedem, der zum Altar kam, die heilige Kommunion gegeben", sagt Feldmann. Es trage doch keiner ein Schild mit sich herum, auf dem stehe, welche Konfession er hat.

Anders sieht es Erwin Deutsch: "Für mich sind die Thesen, die der Theologe Hasenhüttl vertritt, zu extrem." Er zeigt Verständnis für die Entscheidung des Bischofs. Schließlich habe Hasenhüttl gegen geltendes kirchliches Recht verstoßen. Das habe der Bischof so nicht hinnehmen können. Deutsch erklärt aber auch, die Ökumene sei erforderlich. Jedoch könne man nichts erzwingen. Alles müsse wachsen.

"Die beiden großen Kirchen müssen aufeinander zugehen", sagt Hans Bost. An der Ökumene führe kein Weg mehr vorbei: "Das, was Hasenhüttl auf dem Kirchentag getan hat, praktizieren täglich viele katholische Priester. Auch in Quierschied." Wenn ein Priester die heilige Kommunion verteile, frage er doch nicht, ob der Empfangende auch katholisch sei. Viele Jahre sei das kein Thema gewesen. Es sei gemacht worden. Bost sagt: "Ich glaube nicht, dass die katholische Kirche weiter auf ihrer starren Haltung in der Sache bestehen kann."

So ähnlich sieht es Leo Wagner. Für ihn ist die Entscheidung von Marx nicht nachvollziehbar: "Meiner Meinung nach hat Jesus Christus gewollt, dass alle Menschen zum Abendmahl gehen." Wenn beide Konfessionen weiterbestehen wollten, müssten sie stärker aufeinander zugehen. An der Basis werde das seit Jahren erfolgreich praktiziert, weiß Wagner. "Der Konflikt zwischen Hasenhüttl und Marx wird viel zu sehr aufgebauscht", kritisiert er. Das sei zum Schaden der Ökumene.

"Wir sind doch alle Christen", erklärt Leo König. Und deshalb sollte auch jeder zum Abendmahl gehen dürfen. Die Suspendierung von Hasenhüttl durch Bischof Marx sei eine zu harte Entscheidung, findet König. Die ganze Diskussion schade der Ökumene. Dabei sei die so wichtig. Leo König hat für sich einen Trend bei der katholischen Kirche festgestellt: Die jüngeren Priester würden immer konservativer.

Aus: Saarbrücker Zeitung, 4.8.2003
Quelle: http://www.sol.de


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