"Bischöfe wollen Eichmann-Gehorsam"
Saarbrücker Theologie-Professor Hasenhüttl:
Kirchenobere haben Angst um ihre Macht

Saarbrücken, 26.7.2003. Die Saarbrücker Priester Gotthold Hasenhüttl (69) bricht auch weiterhin eine Lanze für die Ökumene und geht mit deutschen Bischöfen hart ins Gericht. In einem Redaktionsgespräch der "Saarbrücker Zeitung" sagte er, er sei suspendiert worden, weil es den Kirchen-Oberen um ihren Machterhalt gehe. Noch nicht einmal gegen Kinderschänder in den eigenen Reihen gingen die Kirchen-Hierarchen so streng vor. So lange die Ökumene nichts koste, werde sie propagiert. Wenn man allerdings Ernst mache, komme gleich ein Verbot, sagte der Theologe. Hasenhüttl sprach von einem "Eichmann-Gehorsam", den die Bischöfe als Vorgesetzte von ihren Priestern forderten. Zum Hintergrund: Karl Adolf Eichmann, Obersturmbannführer der SS, berief sich bei der Juden-Verfolgung im Dritten Reich darauf, Befehle nur im Gehorsam ausgeführt zu haben.

Hasenhüttl war vergangene Woche vom Trierer Bischof Reinhard Marx suspendiert worden, weil er am Rande des ökumenischen Kirchentages in Berlin in einem katholischen Gottesdienst Protestanten zum Abendmahl eingeladen hatte. Auch die kirchliche Lehrerlaubnis soll dem Theologie-Professor, der seit einem Jahr im Ruhestand ist, entzogen werden. Marx hatte erklärt, er habe als Bischof einschreiten müssen, weil "offen und demonstrativ" die Ordnung der Kirche und damit auch ihre Glaubwürdigkeit verletzt worden sei.

Hasenhüttl verteidigte als Gast der "SZ"-Redaktionskonferenz sein Verhalten in der Berliner Gethsemane-Kirche. Er kritisierte die Entscheidung des Trierer Bischofs ("diktatorische Maßnahmen"), den er zum "reaktionären Kreis" der Mehrheit der deutschen Bischöfe zählte. Marx sei in keiner "Opferrolle" gewesen. Der Bischof hätte auch anders entscheiden können, sagte Hasenhüttl. "Unter seinen Vorgänger-Bischöfen Spital oder Stein wäre so etwas nicht passiert", gab sich Hasenhüttl "hundertprozentig" sicher. Der Theologie-Professor erinnerte daran, dass selbst der Papst Johannes Paul II. dem britischen Premierminister, dem Anglikaner Tony Blair, im Vatikan die Kommunion gespendet habe.

Hasenhüttl plädierte dafür, mit Blick auf die weitere Entwicklung der Kirche fest zu der Glaubensgemeinschaft zu stehen. Auch wenn sich ihre Oberen gelegentlich unchristlich zeigten. Die Gläubigen würden immer selbstständiger. Daraus resultiere aber die Angst der Hierarchen, die Macht zu verlieren. "Schließlich hat die UdSSR auch eines Tages aufgehört zu existieren", fügt Hasenhüttl hinzu. (Guido Peters)

Aus: Saarbrücker-Zeitung, 26.7.2003
Quelle: http://www.sol.de/szimnetz/


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