24.7.2003. Mit einer Beschwerde beim Vatikan hat der katholische Theologe Gotthold Hasenhüttl erwirkt, dass seine Suspendierung vom Priesteramt ausgesetzt wurde. Unterdessen wächst die Kritik am Vorgehen der katholischen Bischöfe gegen ökumenisch orientierte Pfarrer in ihren Reihen. Der Vorwurf klingt absurd: verbotene Gottesdienstgemeinschaft. Die Strafe ist drastisch: Verlust des Priesteramts.
Es sind die Nachwehen des Berliner Ökumenischen Kirchentags, die nun den Saarbrücker Theologieprofessor Gotthold Hasenhüttl erreicht haben. Weil er bei einer Eucharistiefeier gut biblisch alle eingeladen hatte, »die Gemeinschaft mit Christus wollen«, hat ihm der zuständige Trierer Bischof Reinhard Marx die Ausübung des Priesteramts verboten und wollte ihm bald auch die kirchliche Lehrerlaubnis entziehen. Die von Hasenhüttl praktizierte »demonstrativ offene Kommuniongemeinschaft« sei ein »Akt der Illoyalität«, den er nicht hinnehmen könne.
Hasenhüttl hat dagegen Einspruch beim Vatikan eingelegt. Er fühle sich nicht von Rom angegriffen, sondern von deutschen Bischöfen, sagt der 69-Jährige. Die Berliner Eucharistiefeier sei keineswegs eine Demonstration gewesen, und er habe auch nicht gegen katholisches Kirchenrecht verstoßen.
Nun will er die Sache durchfechten. Er wehrte sich bereits, als ihn Marx per Fax über die Strafmaßnahmen und die Aufforderung zur bedingungslosen Reue informierte. Der selbstbewusste Saarbrücker Theologieprofessor warf dem Bischof seinerseits die Beugung des Kirchenrechts vor: Die Strafe sei »exzessiv«. Am Ende waren es vermutlich Äußerungen in den Medien, die den Ausschlag gaben, mit Härte gegen Hasenhüttl vorzugehen. Er hatte Marx als »Scharfmacher« bezeichnet.
Kritik am Vorgehen gegen Hasenhüttl kam auch von evangelischer Seite. Der bayerische Landesbischof Johannes Friedrich, der sich im Fall des Großhabersdorfer Pfarrers Bernhard Kroll mit dem Argument zurückhielt, er wolle sich nicht in Personalangelegenheiten der Katholiken einmischen, hält die Suspendierung für »unverhältnismäßig und überzogen«. Statt der Bestrafung von Priestern, die Grenzen überschritten hätten, sollten gangbare ökumenische Wege aufgezeigt werden, erklärte Friedrich, der auch Catholica-Beauftragter der Lutheraner in Deutschland ist. Auf Dauer reiche es nicht, den »Menschen immer nur zu sagen, was nicht geht und was sie nicht dürfen«.
Wer die Gewissensentscheidung des Christen achte, könne auch von einem Priester keinen »blinden Gehorsam oder bedingungslose Reue« fordern, erklärte Friedrich. Eine derartige Forderung setze die Kirche dem Vorwurf aus, dass es in Wahrheit nicht um die Lehre, sondern um eine Machtfrage gehe. Friedrich appellierte an die katholischen Bischöfe, »positive ökumenische Signale« zu setzen, durch die die Menschen wieder ermutigt werden.
Die Suspendierung Hasenhüttls lässt auch Bundespräsident Johannes Rau nicht unberührt. Die »Maßregelungen eines Priesters« könne er »als evangelischer Christ nicht verstehen«, so Rau im ZDF. Das sei »schrecklich«. Bei der katholischen Kirche kam Rau nicht gut an. Kardinal Karl Lehmann sagte, eine solche Form der Kritik gehöre nicht zum Amt des Bundespräsidenten.
Nun muss der Vatikan über Hasenhüttl entscheiden. Doch von dort kann er nichts Gutes erwarten. Kurienkardinal Josef Ratzinger hat bereits erklärt, die Suspendierung sei gerechtfertigt. Die Kirche sei in dieser Frage »an das Vermächtnis des Herrn gebunden«. (Helmut Frank)
Aus: Sonntagsblatt (Evangelische
Wochenzeitung für Bayern), 27.7.2003
Quelle:
http://www.sonntagsblatt-bayern.de