Chronik eines Konflikts:
Streit um Abendmahlsgemeinschaft
beim
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EICHSTÄTT, 6.12.2003 (ura). Großer Ärger in der Ökumene: Die Diözesanleitung in Eichstätt zeigte sich gestern "sehr betroffen" über eine Meldung des Evangelischen Pressedienstes (epd), in der massive Beschuldigungen gegen Bischof Walter Mixa erhoben wurden. Der epd hatte zuvor landesweit einen Bericht verbreitet, in dem Karl Graml von der Kirchenvolksbewegung "Wir sind Kirche" einen Streit mit Mixa schildert: Der Bischof habe "wie ein Wahnsinniger auf mich eingebrüllt, mit Fäusten auf einen Tisch geschlagen und mich tätlich angegriffen". Und dies, weil er, Graml, bei einem Gespräch Pfarrer Bernhard Kroll nach dessen umstrittener Teilnahme an einem evangelischen Abendmahl in Berlin zur Seite stehen wollte.
Bischof Walter Mixa ließ inzwischen über seine Pressestelle wissen, dass er Karl Graml bei erwähnter Aussprache nicht dabeihaben wollte, zumal dieser auch nicht eingeladen war. Deshalb habe er von seinem Hausrecht Gebrauch gemacht. Aber dass er gebrüllt, mit den Fäusten auf den Tisch geschlagen oder Graml gar tätlich angegriffen habe, entbehre jeder Grundlage. Enttäuscht zeigt sich die Diözesanleitung vor allem von der Tatsache, dass der epd eine solche Meldung ohne Rückfrage und Recherche verbreite.
Aus: Nürnberger Nachrichten, 6.12.2003
Quelle:
http://www.nn-online.de
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München/Eichstätt, 5.12.2003. Mit schweren Vorwürfen sieht sich der Bischof von Eichstätt, Walter Mixa, konfrontiert. Ein Mitglied der KirchenVolksbewegung "Wir sind Kirche" hat in München nach Informationen des Evangelischen Pressedienstes (epd) erklärt, Mixa habe ihn tätlich angegriffen. Der Bischof weist die Darstellung zurück. Er habe Graml aber damals mit deutlichen Worten aus dem Haus gewiesen.
Karl Graml, pensionierter Oberstudienrat für katholische Religionslehre und wegen Heirat suspendierter Priester, ist ein Freund von Pfarrer Bernhard Kroll. Dieser Geistliche ist bekanntlich von seinem Eichstätter Bischof Mixa gemaßregelt worden, weil er am Rande des Ökumenischen Kirchentags in Berlin in Priesterkleidung an einem evangelischen Abendmahl teilgenommen hatte. Bei einer Podiumsdiskussion der Evangelischen Hochschulgemeinde in München berichtete Graml von einem Streit mit dem Bischof, weil er seinem Freund Kroll bei der ersten Unterredung nach dem Kirchentag beistehen wollte. Mixa habe "wie ein Wahnsinniger auf mich eingebrüllt, mit den Fäusten auf einen Tisch geschlagen und mich tätlich angegriffen", zitiert ihn epd.
Auf Nachfrage unserer Zeitung erklärte Graml, er habe beschrieben, dass Mixa ihn auf eine "rüde Weise angegangen" habe. "Er war sehr laut und hat das Gespräch auch in diesem Ton beendet", sagte Graml. Nach der Podiumsdiskussion habe er einem Zuhörer erläutert, was unter "rüder Weise" zu verstehen sei: "Der Bischof ist auf mich losgegangen, hat mich an der Hand gepackt und wollte mich auf dem Raum ziehen."
Wer an dem Gespräch teilnehme, bestimme er als Bischof von Eichstätt, habe Mixa geschrien, so Graml in München. Die weiteren Gespräche zwischen dem Bischof und Pfarrer Kroll hätten den Charakter von "Verhören" gehabt und seien "ausgesprochen demütigend" gewesen. Bischof Mixa indes erklärt, er habe am 3. Juni 2003 von seinem Hausrecht Gebrauch gemacht und Graml nicht an dem Gespräch teilnehmen lassen. Die Vorwürfe, er habe Graml tätlich angegriffen und gebrüllt, "entbehren jeder Grundlage". Dafür gebe es Zeugen. (CLAUDIA MÖLLERS)
Aus: Münchener Merkur, 5.12.2003
Quelle:
http://www.merkur-online.de
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München, 5.12.2003 (epd). Die evangelische Hochschulpfarrerin und Wissenschaftliche Theologin Brigitte Enzner-Probst (München) und der emeritierte katholische Professor für Systematische Theologie und Vorsitzende der Internationalen Paulus-Gesellschaft Gotthold Hasenhüttl (Saarbücken) hatten einen der beiden Ökumenischen Gottesdienste mit "offener Kommunion" beim Kirchentag in Berlin geleitet. Am Donnerstag abend zogen sie mit anderen Ökumenikern Bilanz des bisherigen Streits um das gemeinsame Abendmahl bei einer Veranstaltung der Evangelische Hochschulgemeinde der TU-München. "Ich wusste schon, dass es nicht der Wunsch der deutschen Bischöfe ist, dass wir gemeinsam das Mahl feiern, aber es ist auch nicht verboten", machte Hasenhüttl seine Linie deutlich, die er seither auch dem Vatikan gegenüber klar vertreten hat.
"Es war kein Affront, wir wollten etwas gemeinsam tun und gemeinsam feiern", setzte Hasenhüttl nach. 88 Prozent der deutschen Katholiken befürworteten solch gegenseitige Einladungen zum Abendmahl. "Und dieser Wille ist nicht etwas Beliebiges." Der Kirchenrebell sieht sehr wohl Chancen für eine reformerische Haltung des Vatikan in der Abendmahlsfrage. Die Konzelebration habe der Papst verboten. Die Interkommunion werde von Rom abgelehnt, weil es noch keine Kirchengemeinschaft gebe. Aber die "offene Kommunion" als Ausnahme "unter besonderen Umständen und einzelnen Personen gegenüber" sei durchaus nach dem katholischen Kirchenrecht möglich. "Ich habe in Berlin doch nicht die gesamte evangelische Kirche eingeladen, sondern die anwesenden einzelnen Personen", stellte Hasenhüttl fest.
"Was Sie in Berlin gemacht haben, war doch nur das, was in Pfarreien Gang und Gebe ist", sekundierte ihm Professor Peter Neuner, Dogmatiker an der katholischen Fakultät der Münchner Universität und Mitglied des Deutschen Ökumenischen Studienausschusses. Er sei überrascht gewesen, dass die päpstliche Eucharistie-Enzyklika zum Kirchentag "nur als schroffes Nein gelesen" worden sei. Der Papst habe sehr wohl Türen offen gehalten. Die kirchliche Rechtsordnung hinke immer der kirchlichen Lebensordnung hinter her, tröstete Neuner. "Im Kirchenrecht muss über die Abendmahlsfrage neu nachgedacht werden."
Der evangelische Professor für Fundamentaltheologie und Ökumene an der Münchner Universität Gunther Wenz riet auch dazu, das bestehende Recht und die bestehende Praxis neu zu befragen. "Wir müssen sehen, welche anderen Auslegungsmöglichkeiten es gibt", wies er dem ökumenischen Dialog der Kirchen den Weg. Die evangelischen Kirchen sollten offensiv begründen, warum sie grundsätzlich alle getauften Christen zu ihrem Abendmahl zulassen und wie sich das vom Evangelium her begründet.
Der Schneckengang der Theologen machte die anwesenden Vertreter der katholischen Kirchenbasis unruhig. Karl Graml (Lenting bei Ingolstadt), pensionierter Oberstudienrat für katholische Religionslehre und wegen Heirat suspendierter Priester, schilderte die Stimmung in der katholischen Jugend: "Ökumene ist dort kein Thema mehr, weil sie geschieht." Und Franziska Müller-Härlin, Mitglied des Diözesanrates der Katholiken in München/Freising, warnte davor, dass die Kirchengebundenheit der Jugend endgültig verloren gehen könnte, wenn von der katholischen Hierarchie keine Reformschritte mehr gegangen würden. "Angst vor Charisma und spiritueller Urkraft" machte sie an der Kirchenspitze aus. "Primäre Aufgabe der Kirche ist es doch nicht, Theologie zu schaffen", sagte sie.
Da wollte Gotthold Hasenhüttl nicht nachstehen und legte nach: "Damit es in der Ökumene weiter geht, ist es auch notwendig, die Exkommunizierung Luthers aufzuheben." (1871/05.12.03, epd-Redakteur Heinz Brockert)
Quelle: http://www.epd.de
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Großhabersdorf, 1.12.2003 (epd). Der wegen seiner Teilnahme am evangelischen Abendmahl in Ungnade gefallene katholische Priester Bernhard Kroll wird ab Januar psychisch Kranke im einem Heim der Arbeiterwohlfahrt in Ingolstadt betreuen. Er wolle "Abstand gewinnen und gucken wie es weitergehen kann", sagte der 42-Jährige am Sonntag beim Abschied von seiner Kirchengemeinde Großhabersdorf-Dietenhofen (Mittelfranken).
Nach seiner Abendmahlsteilnahme am Rande des Ökumenischen Kirchentags im Frühjahr in Berlin war Kroll vom Eichstätter Bischof Walter Mixa wegen "verbotener Gottesdienstgemeinschaft" beurlaubt worden. Fünf Monate lang durfte er sein Priesteramt nicht ausüben. Erst nach vielen Gesprächen erzielten der Bischof und der Priester Ende September eine Übereinkunft, die Kroll die Rückkehr in seine Gemeinde ermöglicht hätte. Er verzichtete jedoch darauf.
Beim Abschied in Großhabersdorf gab es Bedauern über Krolls Weggang und Anerkennung für seine entschiedene ökumenische Haltung. Er habe einen "mutigen Schritt in die absolut richtige Richtung" getan, bescheinigte ihm der Dietenhofener Bürgermeister Heinz Henninger. Solidaritätsbekundungen gab es auch von den evangelischen Nachbarpfarrern Otto Schrepfer (Großhabersdorf) und Jürgen Lehner (Dietenhofen).
"Sie haben öffentlich getan, was viele heimlich tun", lobte Lehner. Kroll habe nicht mit dogmatischen Formulierungen jongliert, sagte Schrepfer. Sein Verdienst sei es, dass die Christen in Großhabersdorf aufeinander zugingen. Während Krolls Beurlaubung hatte seine Gemeinde stets zu ihm gestanden. Über die genauen Gründe, die ihn trotzdem zum Verzicht auf das Gemeindepfarramt bewogen, äußerte er sich auch bei seinem Abschied nicht. (1847/01.12.03)
Quelle: http://www.epd.de
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GROSSHABERSDORF, 1.12.2003. Gestern hat die katholische Kirchengemeinde Großhabersdorf-Dietenhofen Pfarrer Bernhard Kroll verabschiedet. Der 42-Jährige zieht nach Ingolstadt und kümmert sich fortan in einem Heim der Arbeiterwohlfahrt um psychisch Kranke. Die St.-Walburga-Gemeinde sah den Priester, der wegen seiner Teilnahme am evangelischen Abendmahl beim Kirchentag in Ungnade gefallen war, zum letzten Mal im Ornat.
Als "einen, der mitgeht, der unterstützt, aber mitunter auch mal zeigt, wo es langgehen kann oder muss", verstehe er sich, sagte Kroll. Die Zeit im Landkreis Fürth habe ihm viel Spaß gemacht, versicherte er, und wischte sich ein paar Tränen aus den Augen. Egal ob Kollegen, Gemeindemitglieder, Rektoren oder Politiker: Sie alle äußerten tiefes Bedauern über Krolls Weggang und zollten ihm für seinen "mutigen Schritt" Hochachtung und Respekt. "Dass Christen in diesem Ort aufeinander zugehen, ist Krolls Verdienst", sagte der evangelische Pfarrer Otto Schrepfer (Großhabersdorf). Und der evangelische Kollege Jürgen Lehner aus Dietenhofen betonte, der Abschied "berührt uns sehr": "Sie haben öffentlich getan, was viele heimlich tun." (SABINE DIETZ)
Aus: Nürnberger Nachrichten, 1.12.2003
Quelle:
http://www.nn-online.de
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Geisenheim, 28.11.2003 (dre). Ein gemeinsames Abendmahl wird es für die evangelische und katholische Kirchengemeinde in Geisenheim in absehbarer Zeit mit Sicherheit nicht geben. Möglich wäre allenfalls, dass die Protestanten die Heilig-Kreuz-Mitglieder zu ihrer Eucharistie einladen und umgekehrt. Aber selbst bei dieser Lösung müssen die Geisenheimer Jahrzehnte auf die offizielle Genehmigung warten, falls sie überhaupt kommt. Mit dieser Einschätzung enttäuschten der evangelische Propst für Süd-Nassau, Pfarrer Sigurd Rink, und Dogmatikprofessor Werner Löser von der Kirchlichen Hochschule St. Georgen in Frankfurt die mehr als 50 Teilnehmer des Forums "Glauben heute".
Sie waren zum letzten Abend der neuen Themenreihe "Getrennte Kirchen - Gemeinsames Abendmahl" in der Hoffnung gekommen, dass sie dieses bald zusammen zelebrieren können. Wie berichtet, hatte es der Papst zum Kirchentag 2003 in Berlin verboten. An den ersten zwei Abenden hatten die Geisenheimer die Praxis des Abendmahls in den 2000 Jahren Kirchengeschichte verfolgt und erfahren, dass die protestantischen Kirchen seit 1972 wieder eine Abendmahlsgemeinschaft bilden, während die katholische Kirche für sich die Eucharistie aufwertete.
Die Teilnehmer interessierten die Hintergründe einer Verbotsänderung. "Befremdlich" fand es Rink selbst, der als Schüler im Heim täglich mit katholischen Kindern Eucharistie gefeiert hatte. Zudem hätten sich fast überall im katholisch dominierten Rheingau die konfessionellen Milieus so aufgelöst, dass man kaum erkennen könne, wer welcher Kirche angehöre. Es gibt Theologen, die das gemeinsame Mahl als "Sakrament der Einheit" für alle christlichen Kirchen befürworten.
Trotzdem verstand Rink die Haltung des Papstes. Die Eucharistie sei für die katholische Kirche als heiligstes Gut Höhepunkt der Gemeinschaft, weshalb laut Papst dabei die Mitglieder unter sich bleiben sollten. Es gebe bei aller Ähnlichkeit fundamentale Unterschiede besonders im Amts- und damit dem Offenbarungsverständnis, sagte Rink und betonte: "Das sind keine Marginalien." Löser, der seit den 70ern Fragen der Ökumene untersucht, bestätigte: Knackpunkt sei, dass die evangelische Kirche die bischöfliche Verfasstheit aufgab und dem direkten Verhältnis des Einzelnen zur Heiligen Schrift und Gott den Vorzug gibt. Die katholische Kirche basiere aber auf den Bischöfen als den wahren Glaubensvermittlern in der Nachfolge der Apostel.
Beide Fachmänner betonten, dass sie Schmerz und Enttäuschung der Geisenheimer verstünden, zumal diese mit der Nächstenliebe argumentierten. Das Verbot werte die evangelische Kirche nicht ab, betonte Löser. Aber vor einem gemeinsamen Abendmahl als Höhepunkt müssten sich beide Kirchen in der Ökumene erst über die Grundfragen einigen: "Die Verweigerung des Papstes drückt aus, dass die christlichen Kirchen noch nicht in allem beieinander sind." Wie Löser hoffte auch Rink auf eine Realisierung des Gastmahls, das vor allem für gemischt konfessionelle Ehen wichtig sei, und bestätigte: "Wenn sich hier derzeit ein katholischer und ein evangelischer Pfarrer gemeinsam hinter den Altar stellen und Eucharistie feiern, wäre das eine Mogelpackung."
Aus: Wiesbadener Kurier, 28.11.2003
Quelle:
http://www.wiesbadener-kurier.de
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Eichstätt / Großhabersdorf, 7.11.2003 (dpa). Bischof Walter Mixa wirkte aufgeräumt und auch Pfarrer Bernhard Kroll gab sich nach außen hin ungebeugt: Dennoch hat die vermeintlich elegante Lösung im Dauerkonflikt um Krolls Teilnahme an einem evangelischen Abendmahl beim Ökumenischen Kirchentag in Berlin einen bitteren Beigeschmack.
Als Sieger können sich allenfalls Kirchen-Diplomaten sehen, die offenbar im Hintergrund jene Lösung ersonnen haben, bei der es weder Sieger noch Verlierer geben sollte. Der Blick hinter die unlängst im Eichstätter Bischofshaus abgegebenen Statements offenbarte nämlich allzu deutlich: Nach endlosem Tauziehen blieb dem 41 Jahre alten Geistlichen kaum etwas anderes übrig, als sich resigniert der Amtskirche zu beugen - und sich vorläufig vom Priesteramt zu verabschieden.
Auch wenn Kroll damit keineswegs alle Türen zur Amtskirche zugeschlagen hat, ist seine Rückkehr ins Priesteramt seit Montag ungewisser denn je. Kroll steht vor dem unsicheren Aufbau einer neuen Existenz. Daran ändert auch die Großherzigkeit nichts, mit der Mixa dem Kirchenrebellen nach monatelanger Besinnungszeit auf einmal wieder die Tür zum Großhabersdorfer Pfarrhaus öffnete. Schließlich sei er - wie Mixa betont - mit seinem Bekenntnis zur katholischen Kirche und zur Eucharistie, so wie sie Papst und Amtskirche verstehen, wieder in die Gemeinschaft der Gläubigen zurückgekehrt - und damit auch wieder als Gemeindepfarrer tolerierbar. Doch schon die Art, mit der Mixa dann doch Krolls Entscheidung akzeptierte, irritierte am Montag so manchen.
So wirkte Kroll bei der improvisierten Pressekonferenz im Vorhof der bischöflichen Residenz eher wie ein getadelter Schuljunge. Mit unbewegter Miene, die Hände streng an die Naht seiner schwarzen Anzughose gelegt, vernahm er die Bischofsworte, in denen Mixa immer wieder die "verständnisvolle und offene Atmosphäre" bei den insgesamt sieben Unterredungen mit Kroll rühmte. Erst bei Gesprächen im kleineren Kreis huscht auch mal ein flüchtiges Schmunzeln über das Gesicht des 41-Jährigen.
Abseits von Mikrofonen und Kameraobjektiven versuchte Kroll denn auch ein wenig die Hintergründe für sein Ausscheiden aus dem Kirchendienst durchschillern zu lassen. Die Übereinkunft mit Mixa verbot ihm, aus dem Nähkästchen zu plaudern. Dreh- und Angelpunkt sind dabei ganz offensichtlich Existenzsorgen, die Kroll bei einer Suspendierung vom Priesteramt gedroht hätten. "Wenn man keine Arbeit und auch keinen Anspruch auf Arbeitslosengeld hat, das wäre ein Schritt in ein schwarzes Loch", gibt er zu bedenken. Dieser Schritt bleibt Kroll nun erst einmal erspart.
Solange der Geistliche keine Arbeit findet, gewährt ihm das Bistum Eichstätt eine Art Ruhestandsgeld. Die Kirche erlaubt damit dem Priester ohne Amt, sich in aller Ruhe eine Brücke in das Leben außerhalb der Kirche zu bauen. Unklar ist derweil die Zukunft von Krolls bisheriger Pfarrei in Großhabersdorf. Für die Menschen dort werde man sich um einen Nachfolger bemühen. Doch es herrscht Priestermangel.
Aus: Amberger Zeitung, 7.11.2003
Quelle:
http://www.zeitung.org
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Eichstätt, 3.11.2003 (epd). Fünf Monate nach seiner verbotenen Teilnahme an einem evangelischen Abendmahl muss der katholische Pfarrer Bernhard Kroll auf den mittelfränkischen Großhabersdorf beruflich neu anfangen. Er suche nach einer Stelle in der Wirtschaft oder in einer Bildungseinrichtung, sagte Kroll am Montag in Eichstätt bei einem gemeinsamen Pressegespräch mit Bischof Walter Mixa. Parallel dazu wolle er im Abendstudium Betriebswirtschaft studieren.
Bei seiner ersten öffentlichen Stellungnahme seit seiner Beurlaubung durch Mixa im Juni bestätigte Kroll, dass er sein Gemeindepfarramt in Großhabersdorf freiwillig aufgegeben habe. Der Bischof habe keinen Druck auf ihn ausgeübt. "Es gibt in Eichstätt keine Folterkammern", sagte der 41-Jährige. Er bleibe zwar Priester der Diözese Eichstätt, wolle seine priesterlichen Funktionen jedoch vorläufig nicht ausüben.
Zu seiner medienwirksamen Abendmahlsteilnahme am Rande des Ökumenischen Kirchentages in Berlin im Frühjahr sagte Kroll: "Ich habe öffentlich gemacht, was viele heimlich tun." Er werde sich weiterhin für die Ökumene einsetzen. Die Frage, ob er die spektakuläre Berliner Aktion angesichts der persönlichen Konsequenzen bereue, wollte er nicht beantworten.
"Ich danke allen, die mir ihre Solidarität bezeugt und Hilfe zuteil werden ließen", erklärte Kroll. Er hoffe, dass seine Gemeinde Großhabersdorf-Dietenhofen, die ihn unterstützt hatte, seinen Weggang verstehe. So lange er die Ereignisse der vergangenen Monate nicht verarbeitet habe, könne er nicht Gemeindepfarrer sein. Zu Spekulationen, er habe aus fundamentalistischen Kreisen Drohungen erhalten, wollte er sich nicht äußern.
Bischof Mixa versprach dem ehemaligen Gemeindepfarrer die finanzielle Unterstützung der Diözese bis zur Aufnahme eines neues Berufs. Er hob hervor, dass Kroll nach insgesamt sieben Gesprächen seine volle Übereinstimmung mit der katholischen Eucharistie-Lehre erklärt habe. Diese Klarheit sei für sein Priesteramt unabdingbar gewesen.
Die katholische Reformbewegung "Wir sind Kirche" hat die Entscheidung Krolls mit "Freude, aber auch Betroffenheit" aufgenommen, so Referentin Annegret Laakmann auf epd-Anfrage. Es sei eine Lösung, die für beide lebbar sei. Allerdings sei das "Grundübel" nicht gelöst. Die Reformbewegung werde sich weiter für die Stärkung der Ökumene und einer Abendmahlsgemeinschaft einsetzen.
Die Reformbewegung "Wir sind Kirche" forderte die katholische Kirche in einer Mitteilung auf, das Thema "endlich entschlossen" anzugehen. Die gegenseitige Gastfreundschaft bei Eucharistie und Abendmahl sei sehr wohl "begründet und vertretbar". Dies hätten drei renommierte Institute in Tübingen, Straßburg und Bensheim in ihren vor dem Kirchentag veröffentlichten Thesen nachgewiesen. Diese Gastfreundschaft werde seit Jahrzehnten in vielen Gemeinden praktiziert. (1663/03.11.03)
Quelle: http://www.epd.de
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EICHSTÄTT, 3.11.2003. Der Verzicht des katholischen Priesters Bernhard Kroll auf sein Großhabersdorfer Pfarramt, der am vergangenen Wochenende bekannt gegeben worden war, hat viele Fragen offen gelassen. Die meisten davon beantworteten der Geistliche selbst und Eichstätts Bischof Walter Mixa, der Kroll wegen seiner Teilnahme an einem evangelischen Abendmahl im Juni beurlaubt hatte, gestern vor Medienvertretern. Nachfolgend eine Dokumentation der Pressekonferenz.
Hätte Bernhard Kroll in der jetzigen Situation, also nach seinem Einlenken, seinen Dienst in Dietenhofen-Großhabersdorf überhaupt grundsätzlich wieder ohne Vorbehalte aufnehmen dürfen? Bischof Mixa bejaht diese Frage ohne Einschränkungen. Warum tut es Kroll nicht? Der Betroffene vermeidet hier eine konkrete Aussage. Er sehe nach den Vorkommnissen der vergangenen fünf Monate, die er erst verarbeiten müsse, keine Möglichkeit dafür. Und: "Es ist eine persönliche Sache. Es ist sehr schwierig zu erklären. Manche Dinge muss man einfach stehen lassen."
Wie geht er mit der Enttäuschung um, die seine Entscheidung sicher in seiner Gemeinde hinterlassen wird? Kroll kann diese Enttäuschung nachvollziehen. Aber: "Es gibt auch viele Leute, die Verständnis haben." Wurde Kroll bedroht? Ist er etwa aus fundamentalistischen Kreisen der Kirche in unmäßiger Weise attackiert, gar bedroht worden? Kroll: "Dazu sage ich nichts."
Hat Bischof Mixa versucht, den Priester nach dessen klarem Bekenntnis zur Eucharistie in Großhabersdorf zu halten? Mixa: "Unsere Gespräche sind in einer so offenen Weise erfolgt, dass ich nicht versucht habe, Kroll in die eine oder andere Richtung zu bringen. Das sind freiwillige Entscheidungen von beiden Seiten gewesen." Rückfrage an Pfarrer Kroll: Also ist Ihr Verzicht wirklich freiwillig? Der Priester bestätigt das: "Von der Seite des Bischofs ist kein Druck ausgeübt worden. Es gibt in Eichstätt auch keine Folterkammern. Jedenfalls habe ich keine gesehen."
Bereut er heute seine Aktion beim Kirchentag in Berlin? Kroll: "Dazu sage ich nichts." Er weist auch die Unterstellung weit von sich, sich beim Gang zum Abendmahl "vor den Karren anderer habe spannen lassen." "Ich bin nicht von irgendwelchen Gruppen beeinflusst oder gesteuert worden", betont er. Und steht er immer noch zu seinem Schritt? Der Priester: "Das Zeichen war deutlich. Es hätte nicht so in der Öffentlichkeit sein brauchen. Aber ich stehe dazu." Und was sagt er zu dem Vorwurf, der Ökumene geschadet zu haben? Kroll: "Ich habe in der Öffentlichkeit das gemacht, was andere heimlich tun." Dann unterstreicht der Geistliche doch noch, seinen Bischof im Blick: "Abendmahl und Eucharistie sind nicht dasselbe."
Abendstudium geplant
Und wie geht es nun mit ihm persönlich weiter? Er bleibt, wie berichtet,
Priester der Diözese Eichstätt. Wird aber keine Pfarrei mehr führen, sondern
sich eine Arbeit in einer Erwachsenenbildungs-Einrichtung oder in der
Wirtschaft suchen. In einem Abendstudium möchte er nebenbei
Betriebswirtschaftslehre studieren. Seinen neuen Lebensmittelpunkt wird er
in den Raum Ingolstadt verlegen, sich dort auch eine Wohnung suchen.
Hat er nicht eine Chance, bei der Kirche eine Anstellung zu finden? Bischof Mixa verneint dies. Es sei derzeit keine dementsprechende Stelle frei. Aber: Die Diözese wird Kroll künftig ein Gehalt zahlen, das dem eines Ruhestandspriesters entspricht. Die Unterstützung wird so lange gewährt, bis der heute 41-Jährige selbst für seinen Lebensunterhalt sorgen kann.
Was Großhabersdorf-Dietenhofen betrifft, wird sich die Bistumsleitung bemühen, bald einen Nachfolger als Pfarrer zu finden. Indes ist die Bilanz des Abendmahlstreits für die katholische Gemeinde ziemlich verheerend: 22 Katholiken sind laut Kroll in den vergangenen zehn Monaten dort aus der Kirche ausgetreten. Etliche davon waren unter jenen neun Gläubigen, die vor rund zwei Wochen in die evangelische Kirche aufgenommen wurden. (ULRICH RACH)
Aus: Nürnberger Nachrichten, 4.11.2003
Quelle:
http://www.nn-online.de
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Eichstätt, 2.11.2003 (KNA). Der Eichstätter Bischof Walter Mixa hat die Sanktionen gegen den Großhabersdorfer Pfarrer Bernhard Kroll (41) aufgehoben. Kroll bleibt vorerst Priester der Diözese, verzichtet aber auf seine Pfarrei. Das wurde am Sonntag in Eichstätt in einer Erklärung mitgeteilt, die laut Bistum von Mixa und Kroll abgesprochen ist. Der Bischof hatte seinem Pfarrer nach dessen verbotener Teilnahme an einem evangelischen Abendmahl am Rande des Ökumenischen Kirchentags in Berlin bis auf weiteres untersagt, als Priester tätig zu sein.
Kroll bekannte sich den Angaben zufolge eindeutig zur Lehre der katholischen Kirche über die Eucharistie und machte damit den Weg für eine Aufhebung der Strafe frei. Zugleich habe der Pfarrer dem Bischof dargelegt, dass er nicht als Priester tätig sein könne. Er strebe eine berufliche Neuorientierung an. Das Bistum wolle ihm dabei behilflich sein. Mixa und Kroll hätten in den vergangenen Monaten sieben Mal miteinander gesprochen. Der Fall Kroll hatte bundesweit für Schlagzeilen gesorgt. Seine vorübergehende Amtsenthebung führte in seiner Gemeinde zeitweise zu starken Protesten. Der evangelisch-lutherische Regionalbischof von Nürnberg, Karl-Heinz Röhlin, äußerte Verständnis für Mixa.
Quelle: http://www.kna.de
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Eichstätt, 3.11.2003 (KNA). Nach seiner Einigung mit dem Eichstätter Bischof Walter Mixa will sich der ehemalige Großhabersdorfer Pfarrer Bernhard Kroll einen neuen Beruf suchen. Er werde im Abendstudium Betriebswirtschaftslehre studieren, kündigte der 41-jährige am Montag in Eichstätt an. Bei einem gemeinsamen Auftritt mit dem Bischof wies Kroll vor Journalisten den Vorwurf zurück, er habe der Ökumene geschadet. "Ich habe in der Öffentlichkeit das gemacht, was viele heimlich tun", sagte er.
Mixa hatte am Sonntag die nach der öffentlichen Teilnahme Krolls an einem evangelischen Abendmahl am Rande des Ökumenischen Kirchentags in Berlin verhängten Sanktionen aufgehoben. Einer gemeinsamen Erklärung zufolge erkennt Kroll die katholische Lehre über die Eucharistie an und bleibt vorerst Priester der Diözese Eichstätt; er verzichtet aber auf seine Pfarrei. In seiner vorläufig letzten Messe in Großhabersdorf hatte sich der Pfarrer am selben Tag von seiner Gemeinde verabschiedet.
Was er getan habe, sei allein von ihm ausgegangen, unterstrich Kroll. Er sei von niemandem gesteuert oder beeinflusst worden. Mixa und Kroll betonten, die Einigung sei ohne Druck zustande gekommen. "Es gibt hier keine Folterkammern, zumindest habe ich keine gesehen", kommentierte der Geistliche entsprechende Kritik der KirchenVolksBewegung "Wir sind Kirche".
Er warb um Verständnis dafür, dass er nach den Ereignissen der vergangenen Monate nicht in der Lage sei, weiterhin als Priester tätig zu sein. Auf Einzelheiten wollte er nicht eingehen. Er verstehe, dass viele in seiner ehemaligen Gemeinde nun enttäuscht seien.
Auf die Frage, ob er sich in den Laienstand zurückversetzen lassen werde, sagte Kroll: "Ich weiß heute nicht, was in zwei Jahren ist." Mixa verdeutlichte, er habe nie versucht, den Priester in eine bestimmte Richtung zu drängen. "Er hätte in Großhabersdorf bleiben können." Mixa kündigte an, die Diözese werde Kroll ein Gehalt zahlen, das dem eines Ruhestandspriesters entspreche. Die Unterstützung werde so lange gewährt, bis Kroll selber für seinen Lebensunterhalt sorgen könne. Mixa will in Kürze das Gespräch mit den Gläubigen in Krolls ehemaliger Gemeinde suchen.
Quelle: http://www.kna.de
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Großhabersdorf, 2.11.2003. Am Ende ging es womöglich nur noch darum, wie beide Seiten aus der unangenehmen Sache herauskommen, ohne ihr Gesicht zu verlieren: Pfarrer Bernhard Kroll, der wegen seiner im Vorfeld katholischerseits verbotenen Teilnahme an einem evangelischen Abendmahl im Zuge des Ökumenischen Kirchentages in Berlin im Juni als Pfarrer im mittelfränkischen Großhabersdorf-Dietenhofen vorläufig vom Dienst suspendiert worden war. Und Walter Mixa, der Bischof von Eichstätt, der bass erstaunt gewesen war ob der heftigen bundesweiten Reaktionen, die sein hartes Vorgehen gegen den Geistlichen ausgelöst hatte.
Am Wochenende schlossen beide einen Kompromiss. Kroll bleibt zwar bis auf Weiteres formal Priester der Diözese Eichstätt, verzichtet aber auf seine bisherige Pfarrei und er wird auch "in absehbarer Zeit keine priesterlichen Funktionen wahrnehmen." Im Gegenzug ist ihm die Diözese bei einer "beruflichen Neuorientierung" behilflich. So steht es in einer gemeinsamen Presseerklärung von Kroll und Mixa. Am heutigen Montag wollen sie ihre wiedergewonnene Eintracht bei einem Pressetermin öffentlich demonstrieren.
Vorangegangen war ein Ultimatum der Diözese an den abtrünnigen Geistlichen. Bis zum 31. Oktober hatte Mixa Kroll Zeit gegeben, eine vom Ordinariat formulierte Erklärung zu unterschreiben. In dieser sollte der 41-Jährige seine Mitwirkung an dem protestantischen Gottesdienst in der Berliner Gethsemanekirche ausdrücklich als falsch bereuen, dem Bischof Gehorsam geloben und sich vorbehaltlos zur katholischen Lehre von der Eucharistie bekennen. Zumindest letzteres hat der Pfarrer nun getan. Bischof Mixa hob dafür im Gegenzug die im Juni verhängte kirchenrechtliche Strafe der vorläufigen Suspendierung auf. Sieben Mal hatten sich die beiden im vergangenen halben Jahr zu Aussprachen getroffen; Kroll hatte obendrein geistlichen Beistand in einem Kloster.
Was aus ihm nun werden wird, bleibt unklar. "Die Erfahrungen der vergangenen Monate" hätten ihm "deutlich gemacht, dass er derzeit seinen Dienst als Priester nicht wahrnehmen könne", heißt es in der Presseerklärung. Vieles spricht nun dafür, dass Bernhard Kroll nicht wieder als katholischer Pfarrer an einen Altar zurückkehren wird. Vom Studium eines anderen Faches ist die Rede. Die Diözese werde ihm dabei behilflich sein, "auch finanziell," sagte auf SZ-Anfrage Ordinariatssprecher Martin Swientek.
In Krolls bisheriger Pfarrei weiß man noch nicht, was man vom Ende der monatelangen Hängepartie halten soll. "Wir wollen uns im Moment noch nicht dazu äußern und erst weitere Stellungnahmen abwarten", sagte Kirchenpfleger Franz Müller auch namens seiner Frau Jutta, der Pfarrgemeinderatsvorsitzenden. In basiskirchlichen Kreisen wurde die Entscheidung mit Enttäuschung aufgenommen. Man habe gehofft, dass Kroll bei seiner kompromisslosen Haltung bleibe, hieß es. Am Ende aber sei "wohl der Druck zu hoch gewesen." (Uwe Ritzer)
Aus: Süddeutsche Zeitung, 3.11.2003
Quelle:
http://www.sueddeutsche.de
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2.11.2003. Der wegen seiner Teilnahme an einem evangelischen Abendmahl auf dem Kirchentag beurlaubte katholische Pfarrer von Großhabersdorf, Bernhard Kroll, will sich außerhalb der Kirche eine neue berufliche Existenz aufbauen. Sein Priesteramt lässt er bis auf weiteres ruhen. Nach Worten des Eichstätter Bischofs Walter Mixa bleibt Kroll weiterhin Priester der Diözese. Bis er eine neue Arbeit gefunden habe, beziehe er eine Art Ruhestandsgehalt, sagte Mixa. Die beiden Priester Gotthold Hasenhüttl und Kroll hatten sich am Rande des Kirchentages Ende Mai an ökumenischen Gottesdiensten beteiligt.
Dabei feierte Hasenhüttl die katholische Eucharistie und lud evangelische Christen zur Kommunion ein. Kroll nahm in einem anderen Gottesdienst das evangelische Abendmahl zu sich. Beide wurden als Priester suspendiert. Kirchenreformer hielten diese Strafe für unangemessen. Kroll kündigte jetzt an, er werde demnächst nach Ingolstadt ziehen. Nach Feierabend wolle er Betriebswirtschaft studieren.
Quelle: http://www.tagesschau.de
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Eichstätt, 2.11.2003 (epd). Der fränkische Pfarrer Bernhard Kroll verzichtet auf sein Amt in der Pfarrei Dietenhofen-Großhabersdorf. Er bleibt weiterhin Priester der Diözese Eichstätt, wird aber in absehbarer Zeit "keine priesterlichen Funktionen wahrnehmen", teilte das Bistum Eichstätt mit. Pfarrer Kroll habe sich "eindeutig zur Lehre der katholischen Kirche über die heilige Eucharistie bekannt", so die Mitteilung. Damit konnte die gegen ihn verhängte Strafe erlassen werden. Kroll habe Bischof Walter Mixa deutlich gemacht, dass er derzeit den Dienst als Priester "nicht wahrnehmen könne" und eine berufliche Neuorientierung anstrebe.
Kroll hatte am Rande des Ökumenischen Kirchentags in Berlin an einem evangelischen Abendmahl teilgenommen. Daraufhin hatte ihm Bischof Mixa im Juni wegen "verbotener Gottesdienstgemeinschaft" die Ausübung des Pfarramts und die Feier der Eucharistie untersagt. Dies führte zu starken Protesten in seiner Gemeinde. Sein Amtskollege Gotthold Hasenhüttl, der am Rande des Kirchentags evangelische Christen zur katholischen Abendmahlsfeier eingeladen hatte und ebenfalls vom Dienst suspendiert wurde, hat inzwischen beim Vatikan Widerspruch (Rekurs) eingelegt. (1657/02.11.03)
Quelle: http://www.epd.de
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GROSSHABERSDORF, 3.11.2003 (Eig. Ber./ura). Im Abendmahls-Streit hat der katholische Pfarrer von Dietenhofen-Großhabersdorf, Bernhard Kroll, den Verzicht auf seine Pfarrei erklärt und eine berufliche Neuorientierung außerhalb des Priesterstands angekündigt. Bischof Walter Mixa nahm daraufhin die Sanktionen gegen den Geistlichen zurück. Kroll hatte den Unmut der Kirchenleitung hervorgerufen, weil er im liturgischen Gewand bei einem evangelischen Gottesdienst das Abendmahl empfangen hatte.
Rein rechtlich wird der 41-Jährige weiterhin "Priester der Diözese Eichstätt" bleiben, wie es hieß. Aber er wird "in absehbarer Zeit keine priesterlichen Funktionen wahrnehmen". Gestern verabschiedete sich der Pfarrer beim Sonntagsgottesdienst von seiner Gemeinde, die monatelang um und für ihn gekämpft hatte. Die Nachricht von seinem Weggang und vom Ausscheiden aus dem Priesterdienst löste Bestürzung aus.
Aus: Nürnberger Nachrichten, 3.11.2003
Quelle:
http://www.nn-online.de
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GROSSHABERSDORF, 3.11.2003. Der monatelange Eucharistie-Streit zwischen der katholischen Kirchenleitung und dem Gemeindepfarrer von Großhabersdorf-Dietenhofen, Bernhard Kroll, scheint beendet zu sein: Die Diözese Eichstätt teilte in einer Presseerklärung mit, dass der Priester auf seine Pfarrei verzichtet und Bischof Walter Mixa im Gegenzug die Sanktionen aufhebt.
Kroll hatte, wie mehrfach berichtet, in einem demonstrativen Akt am Rand des ökumenischen Kirchentags Ende Mai in Berlin bei einem evangelischen Gottesdienst das Abendmahl empfangen. Daraufhin hatte ihm Bischof Mixa untersagt, weiterhin die Aufgaben eines Pfarrers wahrzunehmen und ihm "Zeit zur Besinnung und zum Überdenken seines priesterlichen Selbstverständnisses" gegeben. Dies kam einer Suspendierung gleich.
Mixas Entscheidung führte bundesweit zu heftigsten Protesten. Vor allem aber die Großhabersdorfer Gemeinde stellte sich voll hinter Kroll. Die folgenden massiven Auseinandersetzungen endeten offenbar jetzt mit einem Gespräch zwischen dem Priester und seinem Oberhirten, der siebten persönlichen Aussprache seit Juni. Dabei bekannte sich der mittelfränkische Geistliche, so die Diözesan-Pressestelle, "eindeutig zur Lehre der katholischen Kirche über die heilige Eucharistie". Für den Bischof war dies die Voraussetzung, die gegen Bernhard Kroll verhängte Strafe "mit sofortiger Wirkung zu erlassen".
Das bedeutet aber offenbar nicht, dass der Geistliche künftig wieder ein Priesteramt bekleidet: Er selbst wies demnach seinen Vorgesetzten auf die Erfahrungen der vergangenen Monate hin, die ihm deutlich gemacht hätten, "dass ich derzeit den Dienst als Priester nicht wahrnehmen kann". Deshalb erklärte Kroll den Verzicht auf seine Pfarrgemeinde. Dieser wurde von Mixa angenommen.
Bernhard Kroll bleibt trotzdem weiterhin rein rechtlich "Priester der Diözese Eichstätt", wird aber, wie es heißt, "in absehbarer Zeit keine priesterlichen Funktionen wahrnehmen". Stattdessen strebt der 41-Jährige eine berufliche Neuorientierung an und will noch einmal studieren. Die Diözese wird ihm dabei behilflich sein.
Letzte Messe in der Gemeinde
Am gestrigen Sonntag allerdings las der Geistliche zur Überraschung aller
Gottesdienstbesucher noch einmal die Heilige Messe in der
St.-Walburga-Kirche in Großhabersdorf. Allerdings gab er an deren Ende
bekannt, dass er die Gemeinde verlassen wird.
Organist Günter Greb fühlte sich danach "wie unter Schock". Dem Diakon Werner Klösel standen die Tränen in den Augen. "Damit geht eine Ära zu Ende, " meinte er später. "Wir verlieren einen Seelsorger mit Leib und Seele, einen Mann, der es verstanden hat, zuzuhören und auf die unterschiedlichsten Gruppierungen zuzugehen". Heute, Montag, werden im Übrigen Pfarrer Kroll und Bischof Mixa in Eichstätt eine gemeinsame Pressekonferenz geben. (ULRICH RACH UND BIRGIT DACHLAUER)
Aus: Nürnberger Nachrichten, 3.11.2003
Quelle:
http://www.nn-online.de
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NN, 3.11.2003. Das Ergebnis des monatelangen Streits um den Großhabersdorfer Pfarrer Bernhard Kroll birgt keine großen Überraschungen. Wer die Geschehnisse aufmerksam verfolgt hat, musste damit rechnen, dass der Geistliche am Ende ohne Priesteramt dasteht. Auf den ersten Blick haben freilich sowohl Eichstätts Bischof Walter Mixa als auch Bernhard Kroll das Gesicht gewahrt. Der Oberhirte und der Pfarrer können von sich behaupten, dass sie ihrer Linie treu geblieben sind.
Dass sich Kroll jetzt dem Bischof gegenüber "eindeutig zur Lehre der katholischen Kirche über die heilige Eucharistie" bekannte, ist in den Augen seiner Wegbegleiter kein Widerspruch. Sie meinen, er habe sich ohnehin nie davon entfernt. Die Kritiker Krolls verweisen hingegen auf ein Interview im Magazin Focus, in dem der Geistliche bestritten hatte, dass nur ein katholischer Priester Brot und Wein in Leib und Blut Christi verwandeln könne.
Wie immer man dies alles beurteilen mag, selbstredend ist Kroll als Verlierer aus dem Streit hervorgegangen. Und mit ihm alle, die ihn in den vergangenen Wochen engagiert unterstützten, die für ihn kämpften. Allen voran die Mitglieder seiner Gemeinde in Dietenhofen-Großhabersdorf. Erklärtes Ziel dieser Katholiken war es, ihren beliebten Geistlichen auch künftig als Gemeindepriester zu behalten. Dieses Ansinnen ist leider gescheitert.
Zu den Verlierern des Streits gehört aber auch die Ökumene insgesamt. Sie litt ohne jeden Zweifel gehörigen Schaden. Innerhalb der katholischen Kirche öffneten sich ebenfalls breite Gräben, die teilweise nur schwer wieder zuzuschütten sein werden. Gerade in Mittelfranken gingen die innerkirchlichen massiven Auseinandersetzungen bis tief ins Persönliche. Es wird lange dauern, bis die Wunden geheilt sind.
Geholfen hat dies vor allem den Rückschrittlichen, die sich durch einige Äußerungen von der Kirchenspitze derzeit stark im Aufwind fühlen. Dabei gäbe es in der katholischen Kirche eine ganze Reihe von anderen Problemen - von der massiv rückläufigen Zahl der Kirchenbesucher bis hin zum eklatanten Priestermangel - , die sich viel eher dazu eigneten, die Kräfte zu verschleißen, als ein unseliger Richtungsstreit. (ULRICH RACH)
Aus: Nürnberger Nachrichten, 3.11.2003
Quelle:
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Der Fall hatte für Schlagzeilen gesorgt: Nach einer Abendmahlsfeier am Rande des Ökumenischen Kirchentags in Berlin wurde der Dietenhofener Pfarrer Bernhard Kroll von seinem Amt suspendiert. Nach mehreren Gesprächen mit dem Eichstätter Bischof Walter Mixa entschied sich Kroll, seine Funktion als Priester nicht mehr wahrzunehmen. Er will stattdessen Betriebswirt werden.
Der vorläufig beurlaubte katholische Pfarrer Bernhard Kroll aus Großhabersdorf (Landkreis Fürth) wird nicht als Priester in seine Gemeinde zurückkehren. Er werde sein Priesteramt bis auf weiteres ruhen lassen, kündigte der 41-jährige Kirchenmann an. Er könne nach den Geschehnissen der vergangenen Monate nicht einfach in seine Gemeinde zurückkehren, so Kroll.
Neues Berufsziel: Betriebswirt
Der Geistliche will nun nach Ingolstadt umziehen und sich in der freien
Wirtschaft eine neue Existenz aufbauen. "Für Angebote bin ich dankbar",
sagte er in einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Bischof Mixa. Dieser hatte
zuvor betont, Kroll bleibe weiterhin Priester der Diözese Eichstätt. Einer
weiteren Ausübung des Pfarramtes in Großhaberdorf habe nach Krolls
Bekenntnis zur katholischen Lehre und zur Eucharistie nichts entgegen
gestanden, sagte Mixa. Er akzeptiere jedoch die Entscheidung zum Verzicht
auf das Pfarramt.
"Keine Folterkammern in Eichstätt"
Bei seiner ersten öffentlichen Stellungnahme seit seiner Beurlaubung durch
Mixa im Juni betonte Kroll, dass der Bischof keinerlei Druck auf ihn
ausgeübt habe. "Es gibt in Eichstätt keine Folterkammern", so der
41-Jährige. Mixa kündigte seinerseits an, die Diözese werde Kroll ein Gehalt
zahlen, das dem eines Ruhestandspriesters entspreche. Die Unterstützung
werde so lange gewährt, bis Kroll selber für seinen Lebensunterhalt sorgen
könne.
Heftige Proteste in Großhabersdorf
gegen Sanktionen
Beim Ökumenischen Kirchentag im Juni in Berlin hatte Kroll entgegen einer
päpstlichen Weisung an einem evangelischen Gottesdienst und am Abendmahl
teilgenommen. Der Eichstätter Bischof hatte ihn daraufhin vorläufig
beurlaubt. Dies hatte im Sommer in Krolls Gemeinde zeitweise zu starken
Protesten der kirchlichen Basis geführt.
Quelle: http://www.br-online.de
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2.11.2003. In einem Gespräch im Bischofshaus haben der Bischof von Eichstätt Dr. Walter Mixa und Pfarrer Bernhard Kroll, Dietenhofen-Großhabersdorf, die persönliche Situation von Pfarrer Kroll und die Frage nach seiner weiteren Zukunft besprochen. Dabei hat sich Pfarrer Kroll eindeutig zur Lehre der katholischen Kirche über die heilige Eucharistie bekannt. Damit war die Voraussetzung geschaffen, die gegen ihn im Juni verhängte Strafe mit sofortiger Wirkung zu erlassen.
Wie Pfarrer Kroll gegenüber dem Bischof von Eichstätt darlegte, hätten ihm die Erfahrungen der vergangenen Monate deutlich gemacht, dass er derzeit den Dienst als Priester nicht wahrnehmen könne. Deshalb erklärte er dem Bischof seinen Verzicht auf die Pfarrei Dietenhofen-Großhabersdorf. Dieser wurde von Bischof Mixa mit Wirkung vom 1. November 2003 angenommen. Bernhard Kroll bleibt weiterhin Priester der Diözese Eichstätt, wird aber in absehbarer Zeit keine priesterlichen Funktionen wahrnehmen. Er strebt in einem Studium eine berufliche Neuorientierung an. Dabei wird ihm die Diözese Eichstätt behilflich sein.
Bernhard Kroll war im Juni nach seiner Teilnahme an einer Abendmahlsfeier am Rande des Ökumenischen Kirchentags in Berlin vorläufig die Wahrnehmung seiner pfarrlichen Aufgaben untersagt worden, um ihm Gelegenheit zur Besinnung und zum Überdenken seines priesterlichen Selbstverständnisses zu geben. In dieser Zeit fanden sieben Gespräche zwischen Bischof Mixa und Pfarrer Kroll statt.
Bilder zum Thema: Bildarchiv Bistum Eichstätt
Quelle: http://www.bistum-eichstaett.de
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GROSSHABERSDORF / EICHSTÄTT, 3.11.2003 (NZ). Gestern hat sich Bernhard Kroll von seiner Gemeinde verabschiedet. Hat seinen letzten Gottesdienst als katholischer Pfarrer von St. Walburga in Dietenhofen-Großhabersdorf (Kreis Fürth) gefeiert. Denn Kroll wird sein Priesteramt nicht weiter ausführen. Die "Erfahrungen der vergangenen Monate" hätten ihm deutlich gemacht, dass er seinen Priesterdienst derzeit nicht wahrnehmen könne, heißt es in einer Presseerklärung der Diözese Eichstätt. Kroll selbst war gestern, wie auch in den letzten Monaten, nicht zu sprechen. Heute will er zusammen mit Bischof Walter Mixa Stellung nehmen zu den Beweggründen, die zu seiner Entscheidung führten.
Anfang Juni untersagte Mixa dem 41-jährigen Geistlichen die Wahrnehmung seiner pfarrlichen Aufgaben, weil er einige Tage zuvor beim ersten Ökumenischen Kirchentag in Berlin das evangelische Abendmahl empfangen hatte. Der Bischof stützte sich dabei auf das katholische Kirchenrecht und eine Enzyklika des Papstes, in der Katholiken die Teilnahme an evangelischen Abendmahlsfeiern ausdrücklich untersagt wurde. Durch seine Entbindung vom Priesterdienst wolle er Kroll ermöglichen, sich zu besinnen und sein priesterliches Selbstverständnis zu überdenken, hatte Mixa gesagt.
Bekenntnisse
Nach Monaten fernab der Kanzel, nach Wochen innerer Einkehr in einem Kloster
und nach insgesamt sieben Gesprächen mit seinem Bischof entschloss sich
Bernhard Kroll, seine Pfarrei aufzugeben. Er habe sich aber "eindeutig zur
Lehre der katholischen Kirche über die heilige Eucharistie bekannt", teilte
Martin Swientek, der Sprecher der Eichstätter Diözese, mit. Damit war die
Voraussetzung geschaffen, die gegen ihn verhängte Strafe nach dem
Kirchenrecht mit sofortiger Wirkung zu erlassen - anders hätte Kroll gestern
auch nicht seinen Abschiedsgottesdienst feiern dürfen.
Kroll bleibt zwar weiterhin Priester der Diözese Eichstätt, wird aber keine entsprechenden Funktionen wahrnehmen. Er wolle sich nun in einem Studium "fern der Theologie" beruflich neu orientieren, so Swientek. Dabei werde ihm die Diözese behilflich sein. Ob Bernhard Kroll jemals wieder auf eine Pfarrstelle zurückkehrt, ist völlig ungewiss. Kirchenrechtlich steht dem allerdings nach seinem Bekenntnis zur katholischen Kirchenlehre nichts entgegen, erklärt Diözesen-Sprecher Swientek. Für die Gemeinde St. Walburga in Dietenhofen-Großhabersdorf muss aber nun ein neuer Geistlicher gefunden werden. Krolls Nachfolger ist nicht zu beneiden. Denn seine Gemeinde wusste Kroll immer hinter sich. (STEPHAN SOHR)
Aus: Nürnberger Zeitung, 3.11.2003
Quelle:
http://www.nz-online.de
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Bonn, 3.11.2003 (epd). Kirchliche Reformgruppen haben den Rückzug des katholischen Priesters Bernhard Kroll von seinem Pfarramt bedauert. "Manchmal lassen die Machtstrukturen der katholischen Kirche offensichtlich keine andere Möglichkeit, um die persönliche Integrität zu wahren", erklärte die "Initiative Kirche von unten" am Montag in Bonn. Der Eichstätter Bischof Walter Mixa hatte zuvor die wegen Krolls Teilnahme an einem evangelischen Abendmahl erfolgte Suspendierung vom Pfarramt aufgehoben.
Nach seiner fünfmonatigen Beurlaubung durch Bischof Mixa sei Kroll offensichtlich keine andere Wahl geblieben, als seinen Verzicht auf sein Pfarramt im fränkischen Dietenhofen-Großhabersdorf auszusprechen, beklagte die Kirchenvolksbewegung "Wir sind Kirche" in Hannover. Kroll verdiene allergrößten Respekt dafür, das er beim ersten Ökumenischen Kirchentag Ende Mai in Berlin seinen ökumenischen Überzeugungen treu geblieben sei.
Nach Ansicht von "Wir sind Kirche" haben die Disziplinierungsmaßnahmen gegen Kroll und auch gegen den Priester Gotthold Hasenhüttl durch den Trierer Bischof Reinhard Marx dem "Ansehen der katholischen Kirche und der Ökumene ernsthaft geschadet." Hasenhüttl hatte evangelische Christen zur katholischen Abendmahlsfeier eingeladen. Gegen seine Suspendierung legte er Widerspruch beim Vatikan ein.
Wie das Bistum Eichstätt am Sonntag mitgeteilt hatte, bleibt Kroll Priester der Diözese Eichstätt, wird aber in absehbarer Zeit "keine priesterlichen Funktionen wahrnehmen". Kroll habe sich "eindeutig zur Lehre der katholischen Kirche über die heilige Eucharistie bekannt", hieß es weiter. Damit konnte die gegen ihn verhängte Strafe erlassen werden. Kroll habe Mixa deutlich gemacht, dass er derzeit den Dienst als Priester "nicht wahrnehmen könne" und eine berufliche Neuorientierung anstrebe. (11402/3.11.2003)
Quelle: http://www.epd.de
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Wien, 29. Oktober 2003 (epd Ö). "Wir wollen bewusst den Dialog weiter führen und ökumenisches Verständnis zeigen", sagte der Obmann des theologischen Ausschusses, Superintendent Mag. Hermann Miklas am Dienstag, 28. Oktober, in seinem Bericht vor der Synode A.B. zu der Erklärung "Abendmahl und Ökumene", die von den Delegierten einstimmig verabschiedet wurde. "So wollen wir nicht die gemeinsame Feier des Abendmahls als Mittel zum Zweck instrumentalisieren." Die gemeinsame Eucharistie sei zwar vorstellbar als ein "ersten Schritt aufeinander zu, wir respektieren aber, dass das nicht für alle Kirchen möglich ist."
Miklas: "Gleichwohl wollen wir eine offene Kirche sein und laden alle Getauften ein, am Abendmahl teilzunehmen." In der Erklärung "Abendmahl und Ökumene", heißt es dazu unter anderem: "Von unserem eigenen Selbstverständnis her ist es nicht möglich, Mitgliedern anderer Kirchen die eucharistische Gemeinschaft zu verweigern." Hinter dieser Erklärung, die bereits im Jahr 1988 von der Synode als "Abendmahlsgastbereitschaft" verabschiedet wurde, "können wir aus theologischen Gründen nicht zurück", betonte Miklas.
Überwindung der von Menschen
gezogenen Grenzen
Eucharistische Gastgemeinschaft bedeute nichts anderes, "als dass Jesus
Christus alle Getauften an seinen Tisch einlädt." Diese Offenheit werde in
vielen evangelischen Gottesdiensten "durchwegs ausgesprochen und
praktiziert, ohne damit Angehörige anderer Kirchen in irgendeiner Weise
abwerben zu wollen", heißt es in der Erklärung. "Die Gemeinden erfahren in
der Gegenwart Christi in Brot und Wein dankbar die versöhnende Kraft des
Evangeliums und die Überwindung der von Menschen gezogenen Grenzen."
So sei jeder eingeladen und müsse das mit seinem Gewissen ausmachen. Diese Offenheit werde allerdings von anderen Kirchen, insbesondere von der römisch-katholischen Kirche und von den orthodoxen Kirchen als schmerzend empfunden und als Nichtachtung ihres Kirchenverständnisses kritisiert. Die jetzige Erklärung sei allerdings "sehr bewusst in ökumenischer Verantwortung ausgesprochen und soll auch sehr bewusst von den Kolleginnen und Kollegen umgesetzt werden", so Miklas.
Quelle: http://www.evang.at
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NÜRNBERG, 29.10.2003. Die spektakulären Aktionen zweier katholischer Priester in Sachen Interkommunion am Rand des Kirchentags in Berlin haben nach Ansicht des evangelischen Regionalbischofs von Nürnberg, Karl-Heinz Röhlin, der Ökumene deutlich geschadet. Der Bischof sprach von einem "Bärendienst", den beispielsweise der Großhabersdorfer Pfarrer Bernhard Kroll mit seiner Teilnahme am evangelischen Abendmahl der Ökumene erwiesen habe. Röhlin sieht durch die Reaktionen und Sanktionen nach dem Kirchentag die restaurativen und ökumenekritischen Positionen innerhalb der katholischen Kirche gestärkt.
Teilweise wurde demnach in den Gemeinden die Ökumene "um Jahre zurückgeworfen". Der Regionalbischof will beobachtet haben, dass "viele katholische Priester vorsichtiger geworden sind, Dinge zu tun, die sie vor dem Kirchentag getan haben". Und weiter: "Vorher war es auch im Nürnberger Raum keine Seltenheit, dass katholische Pfarrer zum evangelischen Abendmahl gegangen sind. Jetzt trauen sie sich nicht mehr." Insgesamt hat nach Meinung Röhlins im Miteinander der beiden großen Kirchen in den vergangenen Monaten "Ernüchterung die Euphorie abgelöst".
In diesem Zusammenhang übte der Regionalbischof auch Kritik am katholischen Pfarrer von Großhabersdorf, Bernhard Kroll. Mit seinem demonstrativen Akt sei dieser sehenden Auges in den Konflikt mit seiner Kirche gegangen, so Röhlin. Der Nürnberger Regionalbischof wollte zwar zur Form und Härte der durch den Eichstätter Bischof Walter Mixa verhängten Sanktionen gegen den Priester keine Stellung beziehen ("Das ist eine innerkatholische Entscheidung"), er zeigte aber Verständnis für seinen katholischen Amtsbruder. Röhlin: "Wenn einer meiner Kollegen in einer zentralen Lehraussage unserem Bekenntnis widerspricht, muss ich auch so reagieren."
Der evangelische Kirchenmann sprach sich schließlich für "Beharrlichkeit in kleinen Schritten" bei der Ökumene aus. Er begrüßte auch eine gemeinsame Empfehlung des Diözesanrats und des Erzbischofs von Bamberg zur diesem Themenfeld. Freilich bedauerte er, dass in diesem Papier "Probleme zwar benannt werden, es aber nicht zu Konkretionen kommt, wie und in welche Richtung wir gehen können". Röhlin nannte drei konkrete Forderungen aus seiner Sicht: Den Pfingstmontag gemeinsam als "Fest der Einheit im Glauben" zu feiern, das Patenamt zu öffnen und bei der eucharistischen Gastfreundschaft "aus der Sackgasse zu kommen". Für ihn ist es "die größte Provokation, dass wir am Tisch des Herrn getrennt sind". (ULRICH RACH)
Aus: Nürnberger Nachrichten, 29.10.2003
Quelle:
http://www.nn-online.de
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Frankfurt / Großhabersdorf, 27.10.2003 (dpa/lby). Im Fall des wegen seiner Teilnahme an einem evangelischen Abendmahl beurlaubten fränkischen Pfarrers Bernhard Kroll lässt die Kirchenbasis nicht locker. Die am Sonntag in Frankfurt zu Ende gegangene Bundesversammlung der Kirchenvolksbewegung "Wir sind Kirche" habe erneut die Aufhebung der Strafe für Kroll gefordert, teilte die Initiative am Montag mit. Die Teilnahme von Katholiken am evangelischen Abendmahl sei seit Jahrzehnten theologisch begründet und "weit verbreitete pastorale Praxis", betont die Bewegung.
Eine Entscheidung im Fall Kroll steht unterdessen weiter aus. Nach sechs Gesprächen mit dem Eichstätter Bischof Walter Mixa sei es nun an Pfarrer Kroll, sich zu seinem Amtsverständnis und zur Eucharistie zu äußern. Er habe dazu bis Ende Oktober Zeit. "Das ist aber kein Ultimatum", sagte ein Sprecher der Diözese am Montag. Offen ließ der Sprecher, was geschehe, falls sich Kroll nicht von seinen bisherigen Positionen distanziere.
Aus: Landshuter Zeitung, 28. Oktober 2003
Quelle:
http://www.idowa.de
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Frankfurt, 27.10.2003 (KNA). Eine Aufhebung der Disziplinierungsmaßnahmen gegen die Priester Gotthold Hasenhüttl und Bernhard Kroll hat die so genannte KirchenVolksBewegung "Wir sind Kirche" von den Bischöfen Reinhard Marx und Walter Mixa verlangt. Sie sollten sich in ihrem Verantwortungsbereich für Frieden einsetzen, forderte die "Wir sind Kirche"-Bundesversammlung in einem nach Abschluss ihres Treffens in Frankfurt am Montag vorgelegten offenen Brief an die beiden Bischöfe.
Der Trierer Bischof Marx hatte den Saarbrücker Priester Hasenhüttl wegen einer am Rande des Ökumenischen Kirchentags (ÖKT) Ende Mai in Berlin praktizierten und in der katholischen Kirche verbotenen so genannten offenen Kommunion suspendiert. Der Großhabersdorfer Pfarrer Kroll war vom Eichstätter Bischof Mixa vorläufig amtsenthoben worden, weil er an einem evangelischen Abendmahl am Rande des ÖKT teilgenommen hatte. Was die beiden Priester getan hätten, sei theologisch wie pastoral fundiert, so "Wir sind Kirche". Die Disziplinierungsmaßnahmen seien für das Kirchenvolk und für eine breite Öffentlichkeit nicht nachvollziehbar und würden für weit überzogen gehalten.
Quelle: http://www.kna.de
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Eichstätt / Großhabersdorf, 22.10.2003 (dpa/lby). Im Fall des vom Bischof gemaßregelten Pfarrers Bernhard Kroll hat die Katholische Junge Gemeinde (KJG) mit einer Unterschriftenaktion gegen die Beurlaubung des Geistlichen protestiert. Mitglieder der KJG in der Diözese hätten der Bistumsleitung ein Paket mit mehr als 7000 Unterschriften übergeben, teilte die KJG am Mittwoch mit. Die Unterzeichner fordern darin die Aufhebung der Strafe. Kroll hatte beim Kirchentag in Berlin im vergangenen Sommer an einem evangelischen Abendmahl teilgenommen.
Quelle: http://www.nordbayern.de
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Eichstätt / Großhabersdorf, 20.10.2003 (epd). Der Eichstätter Bischof Walter Mixa hat dem wegen der Teilnahme an einem evangelischen Abendmahl beurlaubten Pfarrer Bernhard Kroll aus dem mittelfränkischen Großhabersdorf eine Frist gesetzt: Bis Ende Oktober soll sich der Priester dem katholischen Verständnis der Eucharistie und des Priesteramtes beugen. Martin Swientek, Pressesprecher der Diözese Eichstätt, bestätigte am Montag gegenüber dem Evangelischen Pressedienst (epd), dass Mixa Kroll eine entsprechende kirchenrechtliche Erklärung vorgelegt hat.
"Kroll muss nun sagen, ob er dazu steht, oder nicht", sagte Swientek. Zwischen dem Bischof und dem Pfarrer hätten bereits sechs Gespräche stattgefunden, zuletzt erst vor wenigen Tagen. Über die Ergebnisse sei Stillschweigen vereinbart. Beobachter sehen jedoch keine Anzeichen, dass Kroll einlenken könnte. Es gilt deshalb als immer wahrscheinlicher, dass der seit Juni vorläufig suspendierte Gemeindepfarrer sein Amt auf Dauer verliert.
Kroll hatte am Rande des Ökumenischen Kirchentages in Berlin trotz päpstlichen Verbotes am evangelischen Abendmahl teilgenommen. Daraufhin hatte ihm Mixa wegen "verbotener Gottesdienstgemeinschaft" die Ausübung des Pfarramtes und die Feier der Eucharistie untersagt. Dagegen wird Kroll in seiner Gemeinde und weit darüber hinaus von breiter Solidarität getragen. (1587/20.10.03)
Quelle: http://www.epd.de
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Großhabersdorf, 20.10.2003 (KNA). Der Eichstätter Bischof Walter Mixa hat dem vorläufig amtsenthobenen Pfarrer Bernhard Kroll eine Frist gesetzt. Bis Ende Oktober soll Kroll Stellung nehmen zu einer ihm schriftlich vorgelegten "kirchenrechtlichen Beurteilung seiner Situation", wie Bistumssprecher Martin Swientek am Montag in Eichstätt auf Anfrage erklärte.
Mixa hatte Kroll Anfang Juni vorläufig von seinem Amt enthoben, weil der Geistliche am Rande des Ökumenischen Kirchentags in Berlin demonstrativ am evangelischen Abendmahl teilgenommen hatte. Kroll habe sich der vom Kirchenrecht "verbotenen Gottesdienstgemeinschaft" schuldig gemacht, lautete die Begründung. Anschließend wurde ihm "Gelegenheit zur Neubesinnung und zum Überdenken seines priesterlichen Selbstverständnisses" gegeben.
Außerdem will der Bischof nach Angaben seines Sprechers von Kroll wissen, welches Ergebnis dessen persönliche Standortbestimmung gebracht hat. Die Frist sei jedoch nicht als Ultimatum zu verstehen, sagte Swientek. In Krolls Pfarrgemeinde hatte die Entscheidung des Bischofs längere Proteste ausgelöst. Nach den Worten Swienteks steht nach wie vor das Amts- und Eucharistieverständnis Krolls im Mittelpunkt des Konflikts.
Quelle: http://www.kna.de
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SZ, 18.10.2003. Die Diözese Eichstätt hat dem wegen seiner Teilnahme an einem evangelischen Abendmahl beim Ökumenischen Kirchentag in Berlin beurlaubten katholischen Pfarrer Bernhard Kroll ein letztes Ultimatum gestellt. Nach SZ-Informationen muss sich der Geistliche aus der mittelfränkischen Pfarrei Großhabersdorf bis 31. Oktober endgültig entscheiden, ob er eine von der Diözesanleitung vorformulierte Erklärung unterschreibt. Darin würde er sein Verhalten ausdrücklich bereuen, als falsch einstufen und seine künftige Treue zur amtskirchlichen Lehre von Eucharistie und Abendmahl bekennen. Kroll nahe stehende Menschen glauben nicht, dass der 40-jährige Pfarrer diese Erklärung unterschreiben wird.
Kroll wolle sich nicht gegen seine Überzeugung dem bischöflichen Druck beugen, heißt es. In Kirchenkreisen gilt daher als wahrscheinlich, dass ihn Bischof Walter Mixa vom Dienst suspendieren und ihm sein Amt in Großhabersdorf entziehen wird. Ein Kompromiss war auch bei einem Gespräch der beiden am Donnerstag in Eichstätt nicht in Sicht. Diözesansprecher Martin Swientek bestätigte lediglich das Treffen und die Frist bis Monatsende. Der Bischof habe dem Pfarrer "noch einmal vor Augen geführt, wie die Situation kirchlicherseits eingeschätzt wird". Kroll gab auf Nachfrage keine Stellungnahme ab.
Mixa suspendierte Kroll am 4. Juni wegen der Teilnahme an einer "verbotenen Gottesdienstgemeinschaft" vorläufig vom Dienst. Wenige Tage zuvor hatte er in der Berliner Gethsemanekirche aus der Hand eines evangelischen Pfarrers das Abendmahl entgegengenommen. Dies hatte die katholische Kirche ihren Geistlichen vor dem Ökumenischen Kirchentag ausdrücklich untersagt. Die Strafe sorgte für bundesweite Proteste. In Großhabersdorf formierten sich Menschenketten, der Kirchenchor mochte nicht mehr singen und die Organisten nicht mehr spielen. Bischof Mixa sagte später, die Demonstrationen seien von kirchlichen Basisgruppen von außen gesteuert worden. Verantwortliche der Pfarrei bestreiten dies vehement.
Kroll verbrachte zuletzt einige Wochen in einem Kloster. Offiziell hieß es, er solle sich dort neu besinnen und "sein priesterliches Selbstverständnis überdenken". Immer wieder traf er sich auch mit Bischof Mixa und Generalvikar Johann Limbacher, ohne aber von seiner Haltung grundlegend abzuweichen. Seit einiger Zeit wohnt der bei reduzierten Bezügen beurlaubte Geistliche wieder im Großhabersdorfer Pfarrhaus. Seine früheren seelsorgerischen Aufgaben haben ein vom Bischof eingesetzter Pfarradministrator und der örtliche Diakon übernommen. Mit öffentlichen Auftritten hält sich Kroll zurück. Das pfarrliche Leben im Ort normalisierte sich langsam; der Chor singt wieder und auch die Orgel wird wieder gespielt. "Wir wollen nicht, dass Pfarrer Kroll im Falle seiner Rückkehr eine Gemeinde vorfindet, die nicht mehr lebt", sagt Jutta Müller, die örtliche Pfarrgemeinderatsvorsitzende. Man warte ab und hoffe weiter auf eine gütliche Lösung. (Uwe Ritzer)
Aus: Süddeutsche Zeitung, 18.10.2003
Quelle:
http://www.sueddeutsche.de
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EICHSTÄTT / GROßHABERSDORF, 16.9.2003 (dpa). Im Fall des wegen seiner Teilnahme an einem evangelischen Abendmahl beurlaubten katholischen Pfarrers Bernhard Kroll zeichnet sich offenbar ein Einlenken von Bischof Walter Mixa ab. Der Gemeindepfleger der Pfarrei St. Walburga in Großhabersdorf (Kreis Fürth), Franz Müller, sieht gute Chancen für eine Einigung zwischen Mixa und Pfarrer Kroll. "Wir haben die Hoffnung, dass das Ganze ein gutes Ende nimmt. Beide müssen einen Schritt gehen und sie werden einen Schritt gehen", sagte Müller.
Nach Angaben eines Sprechers des Bistums Eichstätt hat der 41 Jahre alte Geistliche inzwischen die ihm aufgetragene Besinnungszeit beendet. Eine abschließende Entscheidung Mixas über die Zukunft Krolls stehe aber noch aus, sagte Bistumssprecher Martin Swintek. Zwischen Bischof Mixa und dem in Ungnade gefallenen Priester habe es in den vergangenen Wochen mehrere "persönliche Kontakte" gegeben. Inzwischen sei Kroll wieder in das Großhabersdorfer Pfarrhaus zurückgekehrt. An seinem Status habe sich aber nichts geändert. "Pfarrer Kroll ist weiterhin beurlaubt", unterstrich der Sprecher. Er lebe dort im Moment als Privatmann.
Mitglieder der Kirchenvolksbewegung "Wir sind Kirche" kritisierten die Bestrafung von Kroll als "unverhältnismäßige Härte". Zur Bekräftigung ihres Protestes hätten sie in den vergangenen Tagen die Kopie einer Liste mit 3583 Unterschriften an Bischof Mixa übersandt, teilte die Initiative mit. Auslöser für die Bestrafung des katholischen Geistlichen war seine Teilnahme an einem evangelischen Abendmahl im Rahmen eines ökumenischen Gottesdienstes beim Kirchentag Anfang Juni in Berlin.
Aus: Nürnberger Zeitung, 16.9.2003
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GROSSHABERSDORF. Der wegen seiner Teilnahme am evangelischen Abendmahl beurlaubte Pfarrer von Großhabersdorf, Bernhard Kroll, muss weiter um seine berufliche Zukunft bangen. Allerdings verdichten sich die Hinweise, dass eine Entscheidung in Kürze fällt. Sprecher des Bistums Eichstätt bestätigten, dass es zwischen Bischof Walter Mixa und dem in Ungnade gefallenen Priester in den vergangenen Wochen mehrere persönliche Kontakte gegeben habe. Auch am zurückliegenden Wochenende sollen Telefonate statt gefunden haben. Allerdings gebe es "noch kein Ergebnis", sagte Norbert Staudt von der Pressestelle.
Generalvikar Johann Limbacher, der ebenfalls mit der Angelegenheit Kroll betraut ist, habe geäußert, man lasse sich keinesfalls "zeitlich unter Druck setzen". Kenner der Materie gehen davon aus, dass am Ende eine Vereinbarung oder zumindest ein "Protokoll" von Bischof Mixa und Pfarrer Kroll unterschrieben wird.
Als "Privatmann" im Pfarrhaus
Ob der beurlaubte Geistliche nach seiner - inzwischen beendeten - "Zeit der
Besinnung" Fehler eingesteht und sich schriftlich verpflichtet, an keinem
gemeinsamen Abendmal mit Protestanten mehr teilzunehmen, bezweifeln viele
Mitglieder der Gemeinde Großhabersdorf (Kreis Fürth). Kroll, der nach
Angaben aus Eichstätt nun als "Privatmann" im Pfarrhaus lebt, darf - sollte
er nicht einlenken - wohl kaum mehr Gottesdienste halten.
Genau dies aber wünschen sich die Großhabersdorfer sehnlichst. "Wir hoffen, dass er zurückkehrt", sagte Gemeindepfleger Franz Müller abermals. Um dies zu erreichen, wolle man allen Beteiligten Zeit geben. Der Bischof und Kroll sollten "in Ruhe miteinander sprechen", betonte Müller. Auch wolle man das geplante Treffen mit Mixa "nicht überstürzen": Der Bischof hatte selbst angeboten, zu einem Gespräch mit der Gemeinde nach Großhabersdorf zu kommen. Am vergangenen Sonntag bat der örtliche Diakon die Kirchgänger, für Kroll zu beten, da eine Aussprache mit den Kirchenoberen wohl bevorstünde. (ELKE GRASSER-REITZNER)
Aus: Nürnberger Nachrichten, 16.9.2003
Quelle:
http://www.nn-online.de
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Eichstätt, 26.08.2003 (epd). Ein Gespräch zwischen dem katholischen Priester Bernhard Kroll und dem Eichstätter Bischof Walter Mixa findet erst nach den Schulferien im September statt. "Die Geschichte ist noch lange nicht ausgestanden", sagte der Sprecher der Diözese Eichstätt, Norbert Staudt, am Dienstag gegenüber dem epd. Mixa hatte Kroll aus dem mittelfränkischen Großhabersdorf wegen seiner Teilnahme an einem evangelischen Abendmahl am Rande des ökumenischen Kirchentags in Berlin bis auf weiteres die Ausübung seines Pfarramtes untersagt.
Seit Krolls Beurlaubung sei für die Gemeinde "einiges nicht schön gelaufen", so Staudt. Denn der Ersatz für Kroll, Pfarradministrator Dirk Postmeyer aus Nürnberg, wurde krank, sodass die Diözese erneut eine Vertretung suchen musste. Weil Ersatzmann Josef Fersch aus Wolframs-Eschenbach Urlaub hat, wurde schließlich Pfarrer Karl Grünwald aus Heilsbrunn in die Gemeinde geschickt. "So etwas passiert leider", sagte Staudt.
Noch sei der Stand der Dinge für Kroll unverändert, so Staudt. Sollte Mixa nach dem Gespräch den katholischen Priester endgültig suspendieren, habe der Bischof dennoch eine "Fürsorgepflicht". Es könnte dann beispielsweise dazu kommen, dass das Gehalt in einer Übergangszeit weiterbezahlt wird oder Umschulungen und Eingliederungshilfen gewährt werden. Allerdings, so Staudt, hoffe man derzeit, dass "alles wieder gut wird". (1313/26.08.03)
Quelle: http://www.epd.de
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Frankfurt am Main, 5.8.2003 (epd). Die evangelische Präsidentin des ersten Ökumenischen Kirchentags, Elisabeth Raiser, hat der Kritik katholischer Kardinäle an dem Christentreffen Ende Mai widersprochen. Bei den Vorwürfen der Kardinäle Joseph Ratzinger und Joachim Meisner handele es sich vor allem um einen Streit zwischen katholischer Amtskirche und Laien, sagte die Historikerin dem epd in Frankfurt. So seien die Trennung beim Abendmahl oder andere Hürden in der Ökumene dem katholischen Kirchenvolk nicht mehr zu vermitteln. Dies müsse innerhalb der katholischen Kirche geklärt werden. ... weiter
Saarbrücken / Oberursel, 4.8.2003 (epd). Der evangelische Theologe und Publizist Friedrich Schorlemmer hat sich empört über die Suspendierung des Saarbrücker Priesters Gotthold Hasenhüttl geäußert. Die rigide Reaktion der katholischen Amtskirche sei ihm unbegreiflich, äußerte Schorlemmer in einem Beitrag für die am Freitag (8. August) in Oberursel erscheinende Zeitschrift "Publik-Forum". Die Vorgänge machten deutlich, dass das Lutherwort, die deutschen Bischöfe säßen "da wie die Nullen", heute immer noch zutreffe. ... weiter
Quierschied, 4.8.2003 (ll). Am Rande des ersten ökumenischen Kirchentags in Berlin Ende Mai teilte der Saarbrücker Priester Gotthold Hasenhüttl die Kommunion auch an Protestanten aus. Nach dem Kirchenrecht darf ein katholischer Priester einem Protestanten die Kommunion nur in Ausnahmefällen spenden. Der Trierer Bischof Reinhard Marx ahndete den Verstoß, suspendierte Hasenhüttl. Die Suspension sorgt bundesweit für Proteste und entzweit die katholische Gemeinschaft. ... weiter
St. Wendel, 4.8.2003 (fri). Darf ein katholischer Priester evangelischen Christen das Abendmahl austeilen oder nicht? Diese Frage bewegt derzeit viele gläubige Menschen. Aktuellen Anlass bietet der Saarbrücker Priester Gotthold Hasenhüttl, der bis vor Kurzem den Lehrstuhl für Systematische Theologie an der Universität des Saarlandes innehatte. Hasenhüttl hatte beim ersten Ökumenischen Kirchentag in Berlin Ende Mai auch an Protestanten die Kommunion ausgeteilt. Dies jedoch untersagt die päpstliche Enzyklika "Ecclesia de Eucharistia". ... weiter
Brebach, 4.8.2003. Der Fall Hasenhüttl spaltet seit Wochen die Christenheit in Deutschland und sorgt auch in den Saarbrücker Kirchengemeinden für heftige Diskussionen. Es geht um das Verhalten des emeritierten Saarbrücker Theologie-Professors Gotthold Hasenhüttl am Rande des Ökumenischen Kirchentages in Berlin. Die Frage, die beide Konfessionen gleichermaßen beschäftigt: Dürfen Katholiken und Protestanten gemeinsam am katholischen Abendmahl teilnehmen, wie es der Saarbrücker Theologie-Professor Hasenhüttl durch seine ausdrückliche Einladung an die Protestanten beim Kirchentag demonstrieren wollte? ... weiter
Völklingen / Köllertal / Warndt, 4.8.2003 (lon). Im Falle des Saarbrücker Theologen Gotthold Hasenhüttl, der am Rande des Ökumenischen Kirchentags in Berlin die Kommunion auch an evangelische Christen verteilte, hat der Trierer Bischof Reinhard Marx hart durchgegriffen: Da Hasenhüttl gegen geltendes Kirchenrecht verstoßen habe, wurde der emeritierte Professor der Saar-Uni vom Priesteramt suspendiert. Wir haben uns gestern nach den Sonntagsgottesdiensten bei katholischen Christen der Region umgehört, wie diese den Konflikt beurteilen. ... weiter
St. Ingbert, 4.8.2003. Richtig oder falsch? Unter den Kirchtürmen wird diskutiert. Auch in St. Ingbert fragen sich Katholiken, ob denn die Suspendierung des in Saarbrücken tätigen Priesters, Professor Gotthold Hasenhüttl, durch den Trierer Bischof Reinhard Marx tatsächlich gerechtfertigt ist. Der Österreicher Hasenhüttl feierte am Rande des ökumenischen Kirchentages in Berlin gemeinsam mit 2000 katholischen und protestantischen Christen das Abendmahl. Das ist vom Papst verboten. Die Amtskirche konterte mit der Suspendierung. Hasenhüttl lehnte Reue ab, warf dem Bischof gar "inquisitorische" Maßnahmen vor. ... weiter
Merzig, 4.8.2003 (mir). Der katholische Priester Gotthold Hasenhüttl aus Saarbrücken ist vom Trierer Bischof Reinhard Marx suspendiert worden. Er habe die Verantwortung, dort einzuschreiten, wo offensichtlich und demonstrativ die Ordnung der Kirche verletzt werde, erklärte Marx. Was war geschehen? Hasenhüttl hat im Rahmen des Ökumenischen Kirchentages in der Berliner Gethsemane-Kirche eine Eucharistiefeier in einem Gottesdienst zelebriert, der auch für Christen anderer Konfessionen offen war. ... weiter
Kreis Saarlouis, 4.8.2003 (az/stk). Der Fall des suspendierten Theologen Gotthold Hasenhüttl aus Saarbrücken beschäftigt auch weiterhin die Christen im Kreis. Hasenhüttl hatte beim ökumenischen Kirchentag eine gemeinsame Kommunion mit Protestanten gefeiert. Daraufhin hatte ihn der Trierer Bischof Reinhard Marx von seinem Amt als Priester suspendiert und ihm die Lehrerlaubnis an der Uni Saarbrücken entzogen. Ein Schritt, der bei den Katholiken im Kreis durchaus umstritten ist, wie die "SZ"-Umfrage unter Gottesdienst-Besuchern zeigt. ... weiter
Homburg, 4.8.2003 (dh). Bundesweit hat die Suspendierung des Saarbrücker Priesters und Theologen Professor Gotthold Hasenhüttl, 69, für Aufsehen und heftige Diskussionen gesorgt. Hasenhüttl hatte auf dem ökumenischen Kirchentag in Berlin Protestanten zur Feier des Abendmahls eingeladen und wurde vom Trierer Bischof Reinhard Marx suspendiert, das heißt einstweilig vom Dienst enthoben. Nachdem Hasenhüttl mit den Bischöfen hart ins Gericht gegangen ist und ihnen vorgeworfen hat, von ihren Priestern einen "Eichmann-Gehorsam" zu verlangen, ist er noch stärker ins Kreuzfeuer geraten. Sein Vergleich mit der Zeit des Nationalsozialismus hat heftige Reaktionen ausgelöst. ... weiter
Wittenberg, 4.8.2003 (KNA). Der Wittenberger evangelische Theologe Friedrich Schorlemmer hat den katholischen Bischöfen "Amtsanmaßung" vorgeworfen. Eine solche liege vor, wenn Amtsträger es "Christgläubigen verweigern, an ihren Mahlfeiern teilzunehmen", wenn sie ihren Priestern untersagten, alle Gläubigen an den Tisch des Herrn zu laden oder einer Einladung von Vertretern anderer Konfessionen zu folgen, erklärte Schorlemmer am Montag in Wittenberg. ... weiter
Bad Tölz-Wolfratshausen, 1.8.2003. Der erste ökumenische Kirchentag in Berlin sollte ein Zeichen setzen für das Aufeinander-Zugehen der Konfessionen. Dabei herausgekommen ist am Ende ein Streit, der weite Kreise zieht. Nachdem der Theologie-Professor Gotthold Hasenhüttl suspendiert worden war, weil er evangelischen Christen die Kommunion ausgegeben hatte, hagelte es Kritik am Gebahren der katholischen Kirche. Pfarrer im Landkreis haben beobachtet, dass der Konflikt auch vor Ort nicht folgenlos geblieben ist. ... weiter
FR, 1.8.2003. (...) Gotthold Hasenhüttl hat beim Ökumenischen Kirchentag Eucharistie gefeiert und hat auch evangelische Christen eingeladen, an der Kommunion teilzunehmen. Der Trierer Bischof Reinhard Marx hat ihn aufgefordert, die Sache zu bereuen. Hasenhüttl hat das abgelehnt. Marx hat ihn daraufhin vom Priesteramt suspendiert. Eine ziemlich hohe Strafe, die nur noch von der Exkommunikation übertroffen werden kann. Und eine überzogene. Hasenhüttl hat gegen die Suspendierung Protest eingelegt beim Vatikan. Dort liegt der Fall jetzt, und so lange Rom nicht entscheidet, bleibt Hasenhüttl Priester. ... weiter
Berlin, 31.7.2003 (KNA). (...) Der Berliner Erzbischof Sterzinsky betonte, die beiden umstrittenen Gottesdienstfeiern in der Gethsemanekirche, die keine Veranstaltungen des ÖKT gewesen seien, dürften nicht das Urteil über den Kirchentag prägen. Dies sei auch bei den Katholikentagen in Mainz und Hamburg nicht der Fall gewesen, an deren Rand es ebenfalls "Grenzüberschreitungen" gegeben habe. Ausdrücklich verteidigte der Kardinal die gegen die beiden beteiligten katholischen Priester verhängten Sanktionen. ... weiter
Bonn, 29.7.2003 (ots). Der katholische Priester Gotthold Hasenhüttl hat offenbar nicht mit einer Suspendierung als Konsequenz aus der von ihm geleiteten gemeinsamen Abendmahlfeier mit evangelischen Christen gerechnet. "Diese Härte ist völlig unverständlich, zumal hier auch ein riesengroßer Ermessensspielraum liegt , so dass der Bischof eine Mahnung oder so etwas hätte aussprechen können und damit wäre die Sache dann vom Tisch gewesen", sagte Hasenhüttl am Dienstag im PHOENIX-Interview. ... weiter
29.7.2003. Wenn es eine Grundregel gibt für alle Menschen, die sich öffentlich in Deutschland zu irgendetwas äußern wollen, dann lautet sie: Vorsicht, größte, allergrößte Vorsicht vor jedem Nazi-Vergleich - er hat eine Entgleisungsgarantie. Gotthold Hasenhüttl, von seinen Aufgaben als Priester suspendiert, weil er nach katholischem Kirchenrecht unerlaubt Protestanten zur katholischen Eucharistie einlud, hat mit einem Satz sich und seinem Anliegen mehr geschadet als Bischof Reinhard Marx von Trier, die Bischofskonferenz und Papst Johannes Paul II. zusammen: Die Bischöfe verlangten von ihren Priestern einen "Eichmann-Gehorsam", sagte der emeritierte Theologie-Professor aus Saarbrücken in einem Interview. ... weiter
SAARBRÜCKEN, 29.7.2003. Der Theologe Gotthold Hasenhüttl hat seine Behauptung bedauert, die Bischöfe verlangten "Eichmann-Gehorsam" von den Priestern. Kirchenreformer betonen weiter ihre Solidarität mit dem Geistlichen. Er bedaure seine Aussage vom Wochenende, erklärte Gotthold Hasenhüttl gestern gegenüber der StZ: "Ich wollte keinen Vergleich ziehen mit der NS-Zeit und der furchtbaren Judenverfolgung." Die von der "Saarbrücker Zeitung" zitierte Passage habe nur ausdrücken sollen, dass der Gehorsam nie über das eigene Gewissen oder die ethische Verantwortung gestellt werden dürfe.
Der SS-Obersturmbannführer Adolf Eichmann hatte sich während seines Prozesses vor einem israelischen Gericht darauf berufen, die Befehle zur Judenvernichtung im Gehorsam ausgeführt zu haben. Eichmann wurde 1961 zum Tode verurteilt und 1962 hingerichtet. Hasenhüttl sagte gestern, er fühle sich nicht angemessen wiedergegeben. Bei dem kritisierten Ausspruch habe es sich um eine Randbemerkung während eines 75-minütigen Redaktionsgesprächs gehandelt. Demgegenüber betont die "Saarbrücker Zeitung", dass der veröffentlichte Text von Hasenhüttl zuvor freigegeben worden war.
Der Begriff "Eichmann-Gehorsam" stamme eigentlich von einem seiner Ausbilder während des Studiums in Rom, sagte Hasenhüttl gestern. Gleichzeitig erhielt er den Vorwurf aufrecht, die Bischöfe forderten von ihren Priestern "Kadavergehorsam". Zwar könnten heute keine Hexen mehr verbrannt werden wie im Mittelalter, "aber man kann jemanden unschädlich machen". Der emeritierte Dogmatikprofessor bezieht sich damit auf den Konflikt um den Gottesdienst, den er am Rande des Ökumenischen Kirchentages gehalten hatte. Er hatte Protestanten zur Eucharistie eingeladen und sich so über ein Verbot des Papstes hinweggesetzt. Der Trierer Bischof Reinhard Marx hat den 69-Jährigen deshalb suspendiert. Er soll auch seine Lehrerlaubnis verlieren. Die Maßnahme ist vorerst außer Vollzug gesetzt, weil Hasenhüttl beim Vatikan Beschwerde einlegte.
Die Deutsche Bischofskonferenz erklärte, Hasenhüttl habe sich endgültig selbst disqualifiziert. Kirchenreformer distanzierten sich zwar von dem Vergleich des Geistlichen, sie betonten aber weiter die Solidarität mit ihm. "Der in der Kirche geforderte unbedingte Gehorsam entspricht nicht dem christlichen Menschenbild", sagte Christian Weisner von der KirchenVolksBewegung der StZ. Im wesentlichen seien die Bischöfe für die Eskalation des Abendmahlsstreits verantwortlich. (Michael Trauthig)
Aus: Stuttgarter Zeitung, 29.7.2003
Quelle:
http://www.stuttgarter-zeitung.de
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29.7.2003. Gotthold Hasenhüttl hätte zu einem der Volkshelden der ökumenischen Bewegung werden können. Selbst der Bundespräsident hatte sich auf die Seite des Priesters geschlagen, der beim Kirchentag in Berlin Protestanten zur Eucharistie einlud und deshalb sein Amt verlieren soll. Doch die Chance, die Rolle eines modernen Märtyrers zu übernehmen, hat der Saarbrücker Professor jetzt verspielt. Denn Hasenhüttl hat den katholischen Bischöfen vorgeworfen, sie würden von ihren Priestern "Eichmann-Gehorsam" verlangen. Damit verlängert er nicht nur die Liste der unseligen Nazivergleiche um einen weiteren, besonders absurden Eintrag. Er stößt auch alle vor den Kopf, die in seinem Mut ein wichtiges Zeichen wider die Heuchelei in der katholischen Kirche sahen. Schließlich ist das, wofür Hasenhüttl gemaßregelt werden soll, unter dem Deckel der Verschwiegenheit längst Alltag in den Gemeinden.
Warum fährt der Priester so schweres Geschütz auf? Ist der Theologe von allen guten Geistern verlassen? Glaubt er wirklich, die Struktur der katholischen Kirche ähnele der der SS? Das erscheint wenig plausibel. Diesem Eindruck hat Hasenhüttl auch mit seiner Reueerklärung gestern widersprochen. Schlüssiger wirkt die Annahme, dass er den Streit nutzt, um sich und seinen Büchern Aufmerksamkeit zu sichern. Es könnte aber auch sein, dass das große Medieninteresse den Priester überfordert und er sich verrannt hat. Dem ernsthaften ökumenischen Anliegen von Berlin schaden die Provokationen jedenfalls. Der Geistliche spielt letztlich dem Vatikan in die Hände. Der kann ihn nun umso leichter als Querulanten hinstellen, den Rom bestrafen muss. Vermutlich ergreift Johannes Rau nicht noch einmal Partei für Hasenhüttl. (Michael Trauthig)
Aus: Stuttgarter Zeitung, 29.7.2003
Quelle:
http://www.stuttgarter-zeitung.de
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ND, 29.7.2003. Wenn Banales wachsen will, sucht es sich große Widersacher. Umgab den katholischen Priester Gotthold Hasenhüttl wegen der Oblaten-Verteilung an Protestanten bislang der Nimbus, wider den Stachel des Papstes zu löcken, setzte der emeritierte Theologieprofessor jetzt noch eins drauf. Wegen der ihm drohenden Amtsenthebung verschärfte er die Luther-Attitüde des Hier-stehe-ich-und-kann-nicht-anders durch den Vorwurf, deutsche Bischöfen verlangten von ihren Priestern einen »Eichmann-Gehorsam«.
Gewiss: Die Subordinationsbereitschaft katholischer Geistlicher wird von deren Oberen auch heute arg strapaziert. Doch man muss kein Sympathisant des Klerus sein, um eine solche Charakterisierung absurd zu nennen. Es täte gut, den Hinweis, die Kirche im Dorf zu lassen, auch in diesem innerkirchlichen Streit zu beherzigen.
Damit sei nichts gegen das Motiv gesagt, dem Gewissen zu folgen. In den USA mussten sich jetzt drei katholische Ordensschwestern wegen einer Protestaktion auf einem Militärgelände gegen die Kriegspolitik der Bush-Regierung vor Gericht verantworten. Sie wurden zu mehrjährigen Haftstrafen verurteilt. Ein deutsches Medienecho wie im Fall des »Kirchenrebellen« Hasenhüttl wäre den »Raketen-Nonnen« nur zu wünschen. (Ingolf Bossenz)
Aus: Neues Deutschland, 29.7.2003
Quelle:
http://www.nd-online.de
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BERLIN, 28. Juli 2003. Fast jeden Tag erliegt Pfarrer Gotthold Hasenhüttl derzeit der "Versuchung der Öffentlichkeit", sagt einer, der ihn gut kennt, zurückhaltend. Hasenhüttl will sich erklären. Immer wieder. Der katholische Priester will erklären, warum er beim ökumenischen Kirchentag Protestanten die Kommunion gegeben hat. Warum er es falsch findet, dass er deswegen von seinem Amt suspendiert wurde. Hasenhüttl hat Widerspruch beim Vatikan eingelegt. Aber das reichte dann wohl nicht mehr. Er musste sprechen.
Disqualifiziert
In unzähligen Interviews sagte er immer wieder, dass er sich keiner Schuld
bewusst sei, dass er gegen nichts verstoßen habe. Und dann passierte etwas
Seltsames. Die deutschen Bischöfe verlangten von ihren Priestern
"Eichmann-Gehorsam" sagte er einer Zeitung. An diesem Montag erst ist
Hasenhüttl aufgefallen, dass die während der NS-Zeit vor allem von
SS-Obersturmbannführer Adolf Eichmann systematisch betriebene
Judenvernichtung besser mit nichts verglichen werden sollte. Es täte ihm
leid, sagte er nun. Er habe die Strukturen der katholischen Kirche nicht mit
der NS-Zeit vergleichen wollen. Fast erleichtert sagt die Sprecherin der
deutschen Bischofskonferenz, Martina Höhns, Hasenhüttl habe sich selbst
disqualifiziert. Vielleicht ist das ja richtig und vielleicht haben es
deshalb einige, die Hasenhüttl in seinem Kampf gegen die Amstkirche
bestärken, nun etwas schwerer.
Der Theologie-Professor ist kirchenintern schon lange kein Unbekannter mehr. Der gebürtige Österreicher fällt immer wieder auf. Mal gut, mal nicht so gut. Fast regelmäßig tritt der 69-Jährige an der Saarbrücker Universität bei der Reformgruppe "Wir sind Kirche" auf. Als Autor hat sich der Kirchenmann bei der kritischen Zeitschrift "imprimatur", in der auch Eugen Drewermann und Hans Küng publizieren, einen Namen gemacht. Und nach den Berichten über Kindesmissbrauch durch hohe Kirchenleute hat Hasenhüttl völlig zu Recht die Aufhebung des Zölibats gefordert. "Es ist schon eigenartig, wenn man Sextäter, die Kinder und Jugendliche verführt haben - wie der ehemalige Erzbischof von Wien - nicht suspendiert", sagt Hasenhüttl.
Anders als sein katholischer Amtskollege Bernhard Kroll sucht und findet Hasenhüttl die Medien. Dabei gilt das Delikt von Pfarrer Kroll aus dem fränkischen Großhabersdorf als ein viel gröbererer Verstoß gegen das geltende Kirchenrecht als die so genannte Schandtat von Priester Hasenhüttl. Der 42-Jährige Kroll hatte sich während des ökumenischen Kirchentages von einem Protestanten das Abendmahl reichen lassen - gegen alle, wenn auch Jahrhunderte alten Regeln. Demgegenüber wirkt Hasenhüttls Vergehen, die Kommunion einem Protestanten gegeben zu haben, wie ein Taschenraub gegen einen Banküberfall. Kroll hat sich zurückgezogen und schweigt, Hasenhüttl redet und sollte es vielleicht manchmal so halten wie Kroll.
Zu dem umstrittenen, ökumenischen Abendmahl steht Hasenhüttl nach wie vor: "Ich würde es wieder tun." Schließlich habe Jesus auch mit Zöllnern und Sündern gespeist. Schon darum stelle sich die Frage, warum seine Kirche Ungetaufte von der Gemeinschaft ausschließe. "Ist Jesus nicht mehr für alle da?", fragt der Priester. Wer ausschließe, schließe sich selbst von der Gegenwart Christi aus.
Die Hoffnung
Im Grunde kann er sich dabei auf prominente Mitstreiter berufen. Der
Vorsitzende der Bischofskonferenz, Karl Kardinal Lehmann, hatte in einem
Interview erklärt, selbst in einem Fall einem Protestanten wissentlich die
Kommunion gegeben zu haben. Lehmann bestätigt außerdem, dass der Papst sogar
dem Anglikaner Tony Blair und den protestantischen Brüdern von Taizé die
Kommunion gereicht habe. Georg Kardinal Sterzinsky, Erzbischof von Berlin,
erklärt, dass sich die Christen nicht mit der Spaltung abfinden dürften. Das
Thema Abendmahl sei eine Sache der Theologen. Wenn die Kirchenführung ihm
den Glauben an Gott abspreche und behaupte, er sei nicht katholisch, dann
sei sein Ausschluss aus der Kirche auch eine mögliche Konsequenz. Noch aber
hofft Hasenhüttl. "Ein kleines Fünkchen Hoffnung nur", wie er sagt.
Die Wege des Vatikans sind ebenso unergründlich wie die Wege des Herrn, heißt es jetzt im Berliner Erzbistum. Damit soll gesagt sein, dass der Vatikan generell nicht als Behörde bekannt ist, die von jetzt auf gleich entscheidet. Bis über Hasenhüttls Widerspruch gegen die angedrohte Amtsenthebung entschieden wird, könnte eine Ewigkeit vergehen. Das macht aber nichts. Anders als der ebenfalls suspendierte Bernhard Kroll hat Hasenhüttl zumindestens materiell schließlich nichts zu befürchten. Der emeritierte Professor kann ohne die Amtskirche seine Pension in Ruhe genießen - und weiter reden. (Marlies Emmerich)
Aus: Berliner Zeitung, 29.7.2003
Quelle:
http://www.berlinonline.de/berliner-zeitung/
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Vatikanstadt, 28.7.2003 (KNA). Teilnehmer des "Zweiten Welttreffens konfessionverbindender Paare" haben am Freitag dem Päpstlichen Einheitsrat im Vatikan einen Besuch abgestattet. Sie führten Gespräche mit Mitarbeitern von Kurienkardinal Walter Kasper. Der Kardinal selbst befindet sich derzeit auf einer Weltreise, die ihn unter anderem nach Australien, Kanada und Norwegen führt.
Die Ehepaare, von denen in der Regel ein Partner katholisch und der andere evangelisch ist, erhoffen sich vom Vatikan eine weitere Öffnung in der Zulassung zur Eucharistie für den nichtkatholischen Partner. Papst Johannes Paul II. hatte in seiner jüngsten Enzyklika "Ecclesia de Eucharistia" eine Zulassung von Nichtkatholiken zur Kommunion bei "schwer wiegendem geistlichen Bedürfnis" befürwortet. Kasper präzisierte später in einem Interview, dass dies nicht als genereller Freibrief für konfessionsverschiedene Ehepartner verstanden werden könne. Vielmehr müsse die Situation von Fall zu Fall im Gespräch mit dem Seelsorger geprüft werden.
Der Besuch beim Einheitsrat war Bestandteil eines fünftägigen Treffens in Rocca di Papa in der Nähe des päpstlichen Sommersitzes Castelgandolfo. An der Veranstaltung nehmen Paare und Familien aus dem angelsächsischen Sprachraum sowie aus Frankreich, Italien, der Schweiz, Österreich und Deutschland teil. Sie steht unter dem Motto "Vereint in Taufe und Ehe - konfessionsverbindende Familien, berufen zum gemeinsamen Leben in der einen Kirche Jesu Christi, für die Versöhnung unserer Kirchen". Ein erstes Treffen dieser Art hatte 1998 mit 200 Teilnehmern aus zwölf Ländern in Genf stattgefunden.
Quelle: http://www.kna.de
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28.7.2003. Die bischöfliche Reaktion auf Gotthold Hasenhüttl, der beim ökumenischen Kirchentag in Berlin bei einer Eucharistiefeier die kirchlichen Weisungen eindeutig übertreten hat, wecken entsprechende Kritik in der Presse, und selbst der deutsche Bundespräsident glaubte bei einem Fernsehinterview (21. Juli 2003) sein eindeutiges Missfallen äußern zu müssen. All diesen Reaktionen ist gemeinsam, dass sie nicht auf die zahlreichen Publikationen des suspendierten Priesters und Theologieprofessors eingehen. Dieser vertritt nämlich seit Jahren, dass den christlichen Glaubensaussagen keine objektive Bedeutung zukommt, sondern dass Gott "eine gewisse Weise der Mitmenschlichkeit" sei (Hasenhüttl: Glaube ohne Mythos, Bd. 1, 491).
Eine solche Überzeugung, die heute auch von manchen anderen auf ähnliche Weise vorgetragen wird, verlässt nicht nur den Boden der katholischen Kirche, sondern auch den eines bekenntnismäßigen Christentums. Das Naheliegendste und Entprechendste wäre deshalb seit langem gewesen, dass Hasenhüttl, wenn er bei seiner Überzeugung bleiben will, die katholische Kirche verlässt oder mindestens seine Funktionen als Priester und als Professor für katholische Theologie freiwillig aufgibt. Da dies nicht geschehen ist, wäre es zunächst Sache seiner Kollegen gewesen, sich von ihm öffentlich zu distanzieren. Aber auch dies ist nicht geschehen, und Arbeitsgemeinschaften von katholischen Theologen und Theologinnen, die sehr sensibel reagieren und öffentlich protestieren, wenn sie glauben, bei römischen Instanzen ein vermeintliches Abweichen von Aussagen des Zweiten Vatikanischen Konzils festzustellen, schweigen auf seltsame Weise, wenn Kollegen und Kolleginnen den Boden eines bekenntnismäßigen Christentums verlassen.
So bleibt es Aufgabe der zuständigen Bischöfe zu handeln. Diese hätten schon seit langem genug Gründe gehabt, den verantwortlichen Priester und Professor zur Rechenschaft zu ziehen. Sie haben es nicht getan und werden wohl gedacht haben, die Bücher von Hasenhüttl würden kaum gelesen und man solle einen öffentlichen 'Fall' vermeiden. Die letztere Annahme hat sich nun als irrig erwiesen, da Hasenhüttl selber dafür gesorgt hat, dass er zu einem öffentlichen 'Fall' wurde. Die Folge ist nun, dass die Entscheidung des zuständigen Bischofs - wegen der Unkenntnis des weiteren Hintergrundes - kaum verstanden wird.
Und die Lehre daraus? Anstehende Entscheidungen, die notwendig sind, zu verschieben, ist kaum ein guter Weg und führt leicht dazu, dass die Situation nur schwieriger wird. Wenn Hasenhüttl angekündigt hat, er werde in Rom Beschwerde einlegen, dann weiss er natürlich, dass er bei seiner 'Theologie' dort keine Zustimmung finden wird. Auf diese Weise versucht er aber, seinen Fall in den Medien am Kochen zu halten. War dies vielleicht der Grund für seine Aktion beim ökumenischen Kirchentag? Schon andere haben vor ihm die Erfahrung gemacht, dass man durch einen Streit mit den Bischöfen oder gar mit dem Papst die Verkaufszahlen der eigenen Bücher erhöhen kann. (Raymund Schwager)
Aus: Innsbrucker Theologischer Leseraum,
28.7.2003
Quelle:
http://theol.uibk.ac.at
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Saarbrücken, 28.7.2003 (epd). Der suspendierte Saarbrücker Theologe Gotthold Hasenhüttl hat seinen in einem Interview erhobenen Vorwurf zurückgenommen, katholische deutsche Bischöfe verlangten von ihren Priestern "Eichmann-Gehorsam". Er habe die Strukturen der katholischen Kirche nicht mit der NS-Zeit und der Judenvernichtung vergleichen wollen, sagte Hasenhüttl am Montag dem epd. Der NS-Scherge Eichmann hatte seine Untaten bei der Judenvernichtung mit der Aussage rechtfertigen wollen, er sei lediglich ein gehorsamer Befehlsempfänger gewesen.
Hasenhüttl bekräftigte indes, ihm werde im Abendmahlsstreit von Bischof Reinhard Marx "blinder Kadavergehorsam" abverlangt. Er weigere sich, einen Gehorsam zu leisten, der "höher steht als das eigene Gewissen und die eigene ethische Verantwortung". Während seiner Priesterausbildung in Rom sei der Begriff "Eichmann-Gehorsam" ein Synonym für gewissenloses Duckmäusertum gewesen. In diesem Sinn habe er den Begriff in einem Zeitungs-Interview verwandt.
Der emeritierte Theologieprofessor betonte erneut, er werde die vom Bischof verlangte Reue-Erklärung nicht unterschreiben. Die Einladung evangelischer Christen zum Abendmahl während des Ökumenischen Kirchentages in Berlin sei richtig gewesen: "Ich würde es wieder tun", sagte er. In der vergangenen Woche hatte der Trierer Bischof Reinhard Marx den 69-jährigen Hasenhüttl vom Priesteramt suspendiert. Gleichzeitig kündigte der Bischof an, er wolle ihm auch die kirchliche Lehrerlaubnis entziehen.
Gegen die Suspendierung hat Hasenhüttl Beschwerde in Rom eingelegt. "Es bleibt ein kleines Fünkchen Hoffnung, dass der Vatikan die Strafe zurücknimmt", sagte der Priester. Gleichzeitig müsse er sich aber damit auseinander setzen, dass auch eine Exkommunizierung möglich sei. Wenn Kardinal Josef Ratzinger "mir den Glauben an Gott abspricht und behauptet, ich sei nicht katholisch", sei dies eine mögliche Konsequenz. (28.7.03)
Quelle: http://www.epd.de/epd_16502.htm
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Hamburg, 28.7.2003. Der Streit um den vom Priesteramt suspendierten katholischen Theologie-Professor Gotthold Hasenhüttl (69) ist am Wochenende eskaliert. Hasenhüttl, der im Mai auf dem Ökumenischen Kirchentag in Berlin auch an Protestanten die Kommunion ausgeteilt hatte, kritisierte in ungewöhnlich scharfer Form das Vorgehen der katholischen Kirchen-Oberen.
In einem Interview mit der "Saarbrücker Zeitung" sprach er davon, dass die Vorgesetzten von ihren Priestern einen "Eichmann-Gehorsam" verlangten. Dieser blinde Gehorsam schade dem Anliegen Jesu Christi, sagte Hasenhüttl. Der SS-Obersturmbannführer Adolf Eichmann hatte sich, als er vor einem Gericht in Israel zur Rechenschaft gezogen wurde, darauf berufen, die Befehle zur Judenvernichtung im Gehorsam ausgeführt zu haben.
Der Saarbrücker Professor warf den Bischöfen vor, die Eucharistie zu benutzen, um sich gegenüber Protestanten abzugrenzen. So lange die Ökumene nichts koste, werde sie propagiert. Wenn man aber Ernst mache, komme gleich ein bischöfliches Verbot. Den Kirchen-Oberen gehe es nur um den Erhalt ihrer Macht, rügte der Theologe.
Hasenhüttl spielt mit seiner Kritik vor allem auf den Trierer Bischof Reinhard Marx an, der dem nach konservativem Kirchenverständnis rebellischen Theologen nicht nur als Priester suspendiert hat, sondern ihm auch noch die Lehrerlaubnis entziehen will. Dagegen hat der 69-Jährige Widerspruch beim Vatikan eingelegt und zumindest eine Überprüfung erreicht. Hasenhüttl zeigte sich überzeugt, dass er unter Marx' Vorgängern nicht so hart bestraft worden wäre. Marx habe "diktatorische Maßnahmen" ergriffen und zähle zum "reaktionären Kreis" der Mehrheit der deutschen Bischöfe.
Kirchenkritische Gruppen kündigten unterdessen eine Unterschriftenaktion für Hasenhüttl und Bernhard Kroll an, einen weiteren katholischen Priester, der in Berlin an einem gemeinsamen Abendmahl mit Protestanten teilgenommen hatte und dafür von Bischof Mixa (Eichstätt) suspendiert worden war.
Unterdessen unterstrich Bundespräsident Johannes Rau, er habe mit seinen kritischen Äußerungen zur Suspendierung Hasenhüttls nur eine "persönliche Meinung" gesagt. Dies müsse auch in seinem Amt möglich sein. Rau, ein engagierter Protestant, war deswegen vor allem von Kardinal Karl Lehmann, dem Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz, attackiert worden. (Holger Dohmen)
Aus: Hamburger Abendblatt, 28.7.2003
Quelle:
http://www.abendblatt.de
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Großhabersdorf, 28.7.2003. Seit der Eichstätter Bischof Walter Mixa Anfang Juni den Pfarrer im fränkischen Großhabersdorf, Bernhard Kroll, wegen dessen medienwirksamer Teilnahme an einem evangelischen Abendmahl am Rande des Ökumenischen Kirchentages beurlaubte, reißen die Proteste in der Gemeinde nicht ab. Mal ist es eine Menschenkette zwischen den beiden Kirchen des Ortes, mal eine Lichterdemonstration im Pfarrgarten. Der Organist streikte sechs Wochen lang. Und auch die Stimmen des Kirchenchors der St. Walburga-Gemeinde sind seit der Entscheidung verstummt.
Es sind, wie es Kirchenpfleger Franz Müller formuliert, eher "kleine Nadelstiche", die man Mixa versetzen wolle - stille Proteste, dafür aber umso wirksamer. Und sie kämen von Leuten, die es ehrlich meinen. "Was wir nicht wollen, sind schrille Trillerpfeifen-Proteste", betont Müller, der in Abwesenheit von Kroll die Geschicke der Gemeinde lenkt. Als Mixa den Großhabersdorfern vorwarf, ihre Proteste seien von Basisgruppen missbraucht, reagierten viele empört: "96 Prozent aller Protestteilnehmer stammen aus Großhabersdorf", hebt Müller hervor.
Der Widerstand hat die rund 4000 Christen noch mehr zusammengeschweißt und die konfessionelle Verbundenheit weiter gestärkt, die in dem Dorf ohnehin schon immer groß war. "Ökumene wird hier praktiziert, seit ich denken kann", bestätigt etwa der evangelische Pfarrer Otto Schrepfer. Wo jeder jeden kennt, gebe es praktisch keine Alternative zur Ökumene.
Konfessionell gemischte Ehen sind inmitten des protestantisch dominierten Mittelfranken die Regel. "Wir hatten hier in den vergangenen drei Jahren nur eine rein-katholische Trauung", bestätigt auch Müller. Seelsorgerisches Fingerspitzengefühl sei vor allem bei Beerdigungen gefragt, "wenn etwa der zu Bestattende katholisch ist, der Rest der Familie aber evangelisch", berichtet Schrepfer. Da konnte es schon vorkommen, dass Pfarrer Kroll nach intensivem Gespräch zustimmte, dass der Tote evangelisch bestattet wird - in vielen katholischen Gemeinden undenkbar.
Ökumene bedeutet in Großhabersdorf auch den Verzicht auf konkurrierende kirchliche Veranstaltungen. Ob Krabbelgruppe oder Bibelkreise, Jugendfeten oder der Weltgebetstag der Frauen, jeder besuche ganz unabhängig von der Konfession die Veranstaltungen der anderen Kirchengemeinde. "Da fragt keiner, ob er katholisch oder evangelisch ist", berichtet Pfarrer Schrepfer. Und Katholiken-Vertreter Müller räumt unumwunden ein: "Unsere Gemeindefeste wären ohne die evangelischen Besucher oft kaum möglich. Dazu sind wir viel zu wenige in der Gemeinde".
In Großhabersdorf stehen etwa 800 Katholiken rund 2800 Protestanten gegenüber. Viele Katholiken kamen nach dem Zweiten Weltkrieg als Flüchtlinge nach Großhabersdorf. Doch erst seit zehn Jahren ist St. Walburga rein kirchenrechtlich eine eigene Pfarrei. Der Respekt vor den "Andersgläubigen" ist aber schon viel älter. Das lässt sich auch an der evangelischen Pfarrkirche ablesen. Am Kreuzrippen-Gewölbe über dem Altar erinnert noch heute die Figur der Heiligen Walburga an die Zeit vor der Reformation, als die Kirche katholisch geweiht war - ein Stück Katholizismus im evangelischen Gotteshaus. Da war es nur konsequent, auf eine Umbenennung des evangelischen Gotteshauses zu verzichten: Es heißt bis heute St. Walburga. (KLAUS TSCHARNKE)
Aus: Saarbrücker Zeitung, 28.7.2003
Quelle:
http://www.sol.de/szimnetz/politik/2815,431003.html
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Im Programmheft stand es schwarz auf weiß: "Zusammen mit dem Gemeinsamen Vorstand des Ökumenischen Kirchentages bitten wir darum, die in den Kirchen gültigen Regeln zu achten und in Bezug auf Eucharistiefeier und Abendmahl in ökumenischer Sensibilität miteinander umzugehen", unterschrieben von den beiden Präsidenten, Elisabeth Raiser und Hans Joachim Meyer. Im Unterschied zu einigen Reformgruppen, meist aus dem römischen Bereich, hielten wir Alt-Katholiken uns auch daran. Doch das bedeutete keinen Verzicht. Im Gegenteil: Dank bestehender Vereinbarungen und Abkommen konnten wir im Rahmen des Kirchentags zu zwei ökumenischen Eucharistiefeiern einladen, beide unter bischöflicher Leitung und damit hoch offiziell.
Es war allerdings nicht leicht, die Einladungen bekannt zu machen. Offensichtlich befürchtete man Missverständnisse, so dass die alt-katholisch / anglikanische Eucharistiefeier an Christi Himmelfahrt gar nicht und die Lima-Liturgie erst im Ergänzungsheft des offiziellen Programms, und das auch erst auf Betreiben Bischof Vobbes, erschien. Doch wer irgendwo mit Alt-Katholiken in Berührung kam, erhielt ein Flugblatt, das auf diese Gottesdienste hinwies, was dann auch zur Folge hatte, dass die Kapelle des Alt-Katholischen Gemeindezentrums in der Detmolder Straße überfüllt war; ein großer Teil musste bei der alt-katholisch / anglikanischen Eucharistiefeier stehen. Und auch die große evangelische Kirche Zum Guten Hirten in Berlin-Friedenau, in der die Lima-Liturgie stattfand, war bis auf den letzten Platz besetzt war, selbst die Emporen mussten deshalb noch geöffnet werden. So konnte doch eine beträchtliche Anzahl von Kirchentagsbesucherinnen und -besuchern erleben, dass sich in Sachen Ökumene auch hinsichtlich gemeinsamer Mahlfeiern einiges bewegt hat, nur eben nicht unter Beteiligung der orthodoxen Kirchen und der römischen Kirche.
Eine besondere Bedeutung erfuhr die alt-katholisch / anglikanische Eucharistiefeier - möglich aufgrund der 1931 im Bonn Agreement getroffenen Kirchengemeinschaft - durch die Teilnahme von Bischof Dr. Geoffrey Rowthorn für die Europäische Festlandsdiözese der Church of England und von Bischof Pierre Whalon für die Episcopal Church of the USA, die dem festlichen Gottesdienst gemeinsam mit Bischof Joachim Vobbe vorstanden. Alle drei Bischöfe haben sich gegenseitig für ihre Diözesen zu Assistant Bishops ernannt - ein kleiner, aber auch wegweisender Ausdruck dessen, was die Full Communion an Konsequenzen fordert. Denn alle drei haben in Deutschland ihre Zuständigkeit an Orten, an denen es sowohl eine anglikanische als auch eine alt-katholische Gemeinde gibt.
Seit einigen Jahren beschäftigt dieser Umstand die Gemüter in den einzelnen Bischofskonferenzen: Behindern solche "überlappenden Jurisdiktionen" nicht eher, was die Kirchengemeinschaft eigentlich erreichen will? Was kirchenpolitisch gar nicht so leicht zu lösen ist, erhielt in Berlin allerdings ein vielversprechendes Gesicht, denn nicht nur die Bischöfe, sondern mit ihnen auch viele Angehörige der jeweiligen Bistümer bildeten in der Feier des Himmelfahrtstages und in der Eucharistie eine sichtbare Gemeinschaft. In seiner Predigt wies Bischof Joachim Vobbe auf die große Diesseitsbezogenheit hin, die vielerorts herrscht. Doch Gott wohne in jedem Menschen. Wir sollten uns nicht zufrieden geben mit dem, was in den Konfessionen geschieht. Wörtlich sagte der Bischof: "Die Herren dieser Welt werden gehen. Gott bleibt! Der Himmel trägt uns."
Die Lima-Liturgie, 1982 erstmals in Lima gefeiert, ist der Versuch einer Arbeitsgruppe des Ökumenischen Weltrats der Kirchen, eine Eucharistiefeier zu entwerfen, in der sich alle christlichen Kirchen wiederfinden können. Der Taizé-Mönch Max Thurian hatte seinerzeit diesen Versuch unternommen - mit Erfolg, wie sich schon bald herausstellen sollte. 1983 wurde die Lima-Liturgie bei der Vollversammlung des Ökumenischen Weltrats der Kirchen in Vancouver gefeiert. Seitdem gehörte sie zum festen Bestandteil ökumenischer Treffen, insbesondere auch am Rande evangelischer Kirchentage.
In Berlin standen der Feier Bischöfin Maria Jepsen aus Hamburg, Bischof Rupert Hoare aus Liverpool, Präses Nikolaus Schneider aus Düsseldorf, Landesbischof Ulrich Fischer aus Karlsruhe und Bischof Joachim Vobbe vor. Bewegend war, wie die Zelebranten gemeinsam die Einsetzungsworte sprachen und auch gemeinsam das Brot brachen. In der Tradition der Ostkirche sang der Chor dazu begleitend: "Veni Sancte Spiritus" / "Komm, Heiliger Geist". Und es wurde nur allzu deutlich, dass das eucharistische Geschehen sein Wirken ist, und nicht das Tun der Zelebrantin und Zelebranten. Ebenso sind wir, wie Bischof Joachim in seiner Predigt betonte, durch einen Geist alle zu einem Leib getauft. Das intensive Gottesdienstgeschehen löste bei vielen Mitfeiernden begeisterte Reaktionen aus. Auch der von alt-katholischen Jugendlichen organisierte musikalische Rahmen wurde zum Erlebnis. (Joachim Pfützner, Alfons Fischer, Cornelius Schmidt)
Aus: "Christen heute" (alt-katholische
Kirchenzeitung), Juli 2003
Quelle:
http://www.christen-heute.de
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ZDF, 28.7.2003. Der Konflikt zwischen der katholischen Kirchenführung in Deutschland und dem Priester Gotthold Hasenhüttl um das ökumenische Abendmahl spitzt sich weiter zu. Hasenhüttl habe sich mit seinem Vorwurf, die Bischöfe verlangten "Eichmann-Gehorsam" von ihren Priestern, endgültig selbst disqualifiziert, sagte die Sprecherin der Deutschen Bischofskonferenz, Martina Höhns. Durch seine Äußerung, er wolle keinen Vergleich zur Nazi-Zeit ziehen, habe er seine Aussage keinesfalls relativiert. Hasenhüttl halte vielmehr an einem Bild aus der NS-Zeit fest und bringe die Bischöfe damit in Zusammenhang, sagte die Sprecherin.
"Eichmann-Gehorsam"
Hasenhüttl hatte in der "Saarbrücker Zeitung" erklärt, die deutschen
Bischöfe verlangten von ihren Priestern "Eichmann-Gehorsam". Dieser blinde
Gehorsam schade dem Anliegen Christi. Am Montag hatte der katholische
Priester dann in der ARD gesagt: "Ich möchte klarstellen: Es sollte kein
Vergleich mit dem NS-Regime oder der furchtbaren Judenvernichtung angestellt
werden." Zugleich sprach er jedoch in Zusammenhang mit der Kirche erneut von
"Eichmann-Gehorsam".
Der SS-Obersturmbannführer Adolf Eichmann war im Dritten Reich maßgeblich an der Judenvernichtung durch die Nationalsozialisten beteiligt gewesen. Anfang der 60er Jahre wurde er in Israel zum Tode verurteilt und hingerichtet. In seinem Prozess vor einem israelischen Gericht hatte er seine Verbrechen damit begründet, Befehle gehorsam befolgt zu haben.
Beschwerde beim Vatikan eingelegt
Hasenhüttl war in seinem Bistum Trier vom Dienst suspendiert worden, nachdem
er beim ökumenischen Kirchentag im Mai gemeinsam mit Protestanten das
Abendmahl gefeiert hatte. Da er gegen die Suspendierung Beschwerde beim
Vatikan eingelegt hatte, darf er bis zu einer Entscheidung aus Rom jedoch
weiter Seelsorger sein.
Quelle: http://www.heute.t-online.de
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Berlin, 28.7.2003 (Reuters). Der Konflikt zwischen der katholischen Kirchenführung in Deutschland und dem Priester Gotthold Hasenhüttl um das ökumenische Abendmahl spitzt sich weiter zu. Hasenhüttl habe sich mit seinem Vorwurf, die Bischöfe verlangten "Eichmann-Gehorsam" von ihren Priestern, endgültig selbst disqualifiziert, sagte die Sprecherin der Deutschen Bischofskonferenz, Martina Höhns, am Montag. Durch seine Äußerung, er wolle keinen Vergleich zur Nazi-Zeit ziehen, habe er seine Aussage keinesfalls relativiert. Hasenhüttl halte vielmehr an einem Bild aus der NS-Zeit fest und bringe die Bischöfe damit in Zusammenhang, sagte die Sprecherin.
Hasenhüttl hatte in der "Saarbrücker Zeitung" erklärt, die deutschen Bischöfe verlangten von ihren Priestern "Eichmann-Gehorsam". Dieser blinde Gehorsam schade dem Anliegen Christi. Am Montag hatte der katholische Priester dann in der ARD gesagt: "Ich möchte klarstellen: Es sollte kein Vergleich mit dem NS-Regime oder der furchtbaren Judenvernichtung angestellt werden." Zugleich sprach er jedoch in Zusammenhang mit der Kirche erneut von "Eichmann-Gehorsam".
Der SS-Obersturmbannführer Adolf Eichmann war im Dritten Reich maßgeblich an der Judenvernichtung durch die Nationalsozialisten beteiligt gewesen. Anfang der 60er Jahre wurde er in Israel zum Tode verurteilt und hingerichtet. In seinem Prozess vor einem israelischen Gericht hatte er seine Verbrechen damit begründet, Befehle gehorsam befolgt zu haben.
Hasenhüttl war in seinem Bistum Trier vom Dienst suspendiert worden, nachdem er beim ökumenischen Kirchentag im Mai gemeinsam mit Protestanten das Abendmahl gefeiert hatte. Da er gegen die Suspendierung Beschwerde beim Vatikan eingelegt hatte, darf er bis zu einer Entscheidung aus Rom jedoch weiter Seelsorger sein.
Quelle: http://www.reuters.de
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Saarbrücken, 28.7.2003. Im Streit um das ökumenische Abendmahl hat der katholische Theologie-Professor Gotthold Hasenhüttl die Bischöfe in ungewöhnlich scharfer Form kritisiert. Sie verlangten als Vorgesetzte von ihren Priestern einen "Eichmann-Gehorsam", sagte Hasenhüttl der "Saarbrücker Zeitung". Dieser blinde Gehorsam schade dem Anliegen Jesu Christi. Der SS-Obersturmbannführer Adolf Eichmann hatte sich während seines Prozesses vor einem israelischen Gericht darauf berufen, die Befehle zur Judenvernichtung im Gehorsam ausgeführt zu haben. Er wurde 1961 zum Tode verurteilt und 1962 hingerichtet.
Hasenhüttl sagte, Bischöfe gebrauchten die Eucharistie, um sich von den Protestanten abzugrenzen. So lange die Ökumene nichts koste, werde sie propagiert. Wenn man allerdings Ernst mache, komme gleich ein bischöfliches Verbot. Den Kirchenoberen gehe es um den Erhalt ihrer Macht. Der 69-jährige Hasenhüttl war vergangene Woche vom Trierer Bischof Reinhard Marx als Priester suspendiert worden, weil er am Rande des Ökumenischen Kirchentages in Berlin in einem katholischen Gottesdienst Protestanten zum Abendmahl eingeladen hatte. Außerdem sollte ihm die Lehrerlaubnis entzogen werden. Hasenhüttl legte jedoch Widerspruch beim Vatikan ein, womit das Dekret des Bischofs bis zu seiner Überprüfung aufgeschoben ist. Wann ein Ergebnis in Rom vorliegen wird, ist offen.
Mehrere kirchenkritische Gruppen kündigten unterdessen eine Unterschriftenaktion für den aus Österreich stammenden Hasenhüttl an. Zu den Initiatoren gehört auch der Priester Hermann Münzel, der vor drei Jahren selbst vom damaligen Trierer Bischof Hermann Josef Spital vom Dienst suspendiert worden war, weil er einen ökumenischen Abendmahlsgottesdienst mit Katholiken und Protestanten zelebriert hatte. Münzel hatte damals allerdings sein Handeln bedauert. Hasenhüttl will keine Abbitte leisten.
In den Streit um die Suspendierung hatte sich auch Bundespräsident Johannes Rau eingeschaltet, was zu heftigen Reaktionen in der katholischen Kirche führte. Der von Rau in diesem Kontext geäußerte Vorwurf des Fundamentalismus war unter anderem vom Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Karl Lehmann, scharf zurückgewiesen worden. Rau selbst hatte den Streit zwischen ihm und der katholischen Kirche in der Abendmahlsfrage auf ein Missverständnis zurückgeführt.
"Ich wünschte mir, wir hätten Kirchen, die eine Abendmahlsgemeinschaft haben", bekräftigte der evangelische Christ Rau am Wochenende. Dass es sie zur Zeit nicht gebe, respektiere er aber. Johannes Rau findet allerdings, dass "ein Bundespräsident durchaus auch einmal eine persönliche Meinung zu einem solchen Thema sagen darf". Wer ihn und seine Biografie kenne, werde wohl kaum auf den Gedanken kommen, er wolle die Freiheit der Kirchen eingrenzen oder das Kirchenrecht verbiegen.
Aus: Die Welt, 28.7.2003
Quelle:
http://www.welt.de
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28.7.2003. Sogar von den unsinnigen NS-Vergleichen der jüngsten Zeit unterscheidet sich der des Gotthold Hasenhüttl durch besondere Absurdität. Dass ein katholischer Theologieprofessor erklärt, die Bischöfe seiner Kirche verlangten von ihren Priestern einen "Eichmann-Gehorsam", dass er mithin die Befehlsstruktur der SS mit den Autoritätsverhältnissen der katholischen Kirche auf eine Stufe stellt - damit ist ein neues Maß an Blödsinn erreicht. So nimmt also Gotthold Hasenhüttl, der mit interkonfessionellen Eucharistie-Experimenten beim Berliner Kirchentag ins Rampenlicht trat, seinen geistigen und geistlichen Abschied.
Beschämt stehen nun auch diejenigen da, die Hasenhüttl wegen seiner provokanten Abendmahlsausteilung an Katholiken und Protestanten als Hoffnungsträger der Konfessionsversöhnung gefeiert hatten. Es wirft ein schlechtes Licht auf die Anhänger umfassender Ökumene, wenn ihre Symbolfigur sich solch verbalen Unfugs fähig erweist. Der Verdacht keimt, dass die Bewegung für ein völliges Niederreißen der Konfessionsschranken nicht theologisch ernst zu nehmen, nicht intellektuell kontrolliert ist, sondern eine Strömung, die Effekthascherei mit spontaner Gläubigkeit verwechselt, Vollmundigkeit mit Mission und Medienrummel mit Resonanz bei den Gläubigen - Sektierertum im Fernsehzeitalter.
Nun ist gegen Sektierertum nichts zu sagen, wir haben Religionsfreiheit. Warum nicht eine Sekte der "Evangelokatholiken" gründen, die sich einer der beiden Konfessionen zurechen, zugleich aber das Abendmahl gemeinsam feiern? Niemand würde das verhindern. Freilich würden die Sektenmitglieder dann aus der evangelischen wie der katholischen Kirche ausgeschlossen, aber das würden sie verschmerzen, schließlich ginge es ihnen ja um ihren Glauben. Oder? Oder geht es ihnen darum, sich im Kampf gegen Institutionen zu profilieren, die anderer Meinung sind? (Matthias Kamann)
Aus: Die Welt, 28.7.2003
Quelle:
http://www.welt.de
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Hamburg, 28.7.2003. Der geschasste Priester Gotthold Hasenhüttl hat jetzt seinen Vorwurf des Eichmann-Gehorsams erklärt. Er habe die katholischen Bischöfe nicht in die Nähe des NS-Regimes oder des Holocaust rücken wollen. Im ARD-Morgenmagazin stellte Hasenhüttl klar, dass er "keinen Vergleich mit dem NS-Regime oder der furchtbaren Judenvernichtung" habe anstellen wollen. Er habe lediglich sagen wollen, dass Gehorsam niemals über das eigene Gewissen oder die ethische Verantwortung gestellt werden dürfe.
Der SS-Obersturmbannführer Adolf Eichmann hatte sich während seines Prozesses vor einem israelischen Gericht darauf berufen, die Befehle zur Judenvernichtung im Gehorsam ausgeführt zu haben. Eichmann wurde 1961 zum Tode verurteilt und 1962 hingerichtet. Hasenhüttl sagte im ARD-Morgenmagazin, ihm sei während seiner Ausbildung in Rom immer wieder eingeschärft worden, niemals "Eichmann-Gehorsam" zu leisten.
In seinem Streit mit der katholischen Kirche über das ökumenische Abendmahl hofft der Theologe auf eine friedliche Einigung mit dem Vatikan. Er könne allerdings nicht versprechen, nie wieder evangelische Christen zum Abendmahl einzuladen, erklärte er. Hasenhüttl war in der vergangenen Woche vom Trierer Bischof Reinhard Marx als Priester suspendiert worden, weil er am Rande des Ökumenischen Kirchentages in Berlin in einem katholischen Gottesdienst mit Protestanten das Abendmahl zelebriert hatte. Der 69-Jährige legte jedoch Widerspruch beim Vatikan ein, womit das Dekret des Trierer Bischofs bis zu seiner Überprüfung aufgeschoben ist.
Aus: SPIEGEL online, 28.7.2003
Quelle:
http://www.spiegel.de
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WamS: Haben Sie sich kürzlich in einen kircheninternen Vorgang nicht ein bisschen zu viel eingemischt?
Rau: Nein. Ich finde, dass ein Bundespräsident durchaus auch einmal eine persönliche Meinung zu einem solchen Thema sagen darf. Das gilt vor allen Dingen, wenn es ein Bundespräsident ist, der bei der Eröffnung des letzten Kirchentages nicht nur eine Rede gehalten hat, sondern für die Rede Dank von beiden Kirchen gehört hat. Wer mich und meine Biografie kennt, wird kaum auf den Gedanken kommen, ich wolle die Freiheit der Kirchen eingrenzen oder das Kirchenrecht verbiegen.
WamS: Würden Sie selbst an einer Kommunion teilnehmen?
Rau: Nein, ich habe immer gesagt, der Kirchentag darf nicht die Frage der gemeinsamen Kommunion zum Hauptthema machen. Das ist nach wie vor meine Meinung. Ich wünschte mir zwar, wir hätten Kirchen, die eine Abendmahlsgemeinschaft haben, aber wir haben sie nicht, und das respektieren sowohl der evangelische Christ Johannes Rau wie auch der Bundespräsident.
Das ganze Interview in der "Welt am
Sonntag" (27.7.2003):
http://www.wams.de
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27.7.2003. Mit einer Beschwerde beim Vatikan hat der katholische Theologe Gotthold Hasenhüttl erwirkt, dass seine Suspendierung vom Priesteramt ausgesetzt wurde. Unterdessen wächst die Kritik am Vorgehen der katholischen Bischöfe gegen ökumenisch orientierte Pfarrer in ihren Reihen. Der Vorwurf klingt absurd: verbotene Gottesdienstgemeinschaft. Die Strafe ist drastisch: Verlust des Priesteramts. ... weiter
Saarbrücken, 26.7.2003. Die Saarbrücker Priester Gotthold Hasenhüttl (69) bricht auch weiterhin eine Lanze für die Ökumene und geht mit deutschen Bischöfen hart ins Gericht. In einem Redaktionsgespräch der "Saarbrücker Zeitung" sagte er, er sei suspendiert worden, weil es den Kirchen-Oberen um ihren Machterhalt gehe. Noch nicht einmal gegen Kinderschänder in den eigenen Reihen gingen die Kirchen-Hierarchen so streng vor. So lange die Ökumene nichts koste, werde sie propagiert. Wenn man allerdings Ernst mache, komme gleich ein Verbot, sagte der Theologe. Hasenhüttl sprach von einem "Eichmann-Gehorsam", den die Bischöfe als Vorgesetzte von ihren Priestern forderten. ... weiter
Saarbrücken, 26.7.2003 (rpo). Mit harscher Kritik an den katholischen Bischöfen hat Theologie-Professor Gotthold Hasenhüttl auf seine Suspendierung als Priester reagiert. Ein blinder "Eichmann-Gehorsam" schade dem Anliegen Christi, sagte der 69-Jährige in einem Zeitungsinterview. Die deutschen Bischöfe verlangten als Vorgesetzte von ihren Priestern einen "Eichmann-Gehorsam", sagte Hasenhüttl der "Saarbrücker Zeitung" (Samstagausgabe). Dieser blinde Gehorsam schade dem Anliegen Jesu Christi. ... weiter
FAZ, 26.7.2003. Die Hintergründe für die Unbotmäßigkeiten der Priester Kroll, Felber und Hasenhüttl müssen wohl etwas klarer auf den Tisch gelegt werden. Die gemaßregelten Priester waren und sind nur die Spitze eines Eisbergs. Der Personalchef einer großen Diözese in der Mitte Deutschlands hat die Wirklichkeit kürzlich gut verbürgt dargestellt: "Bei den Maßstäben, die zur Zeit in Regensburg oder Eichstätt angelegt werden, könnte ich ein Drittel meiner Priester ins Kloster schicken." ... weiter
Saarbrücken, 26.7.2003 (rpo). Mit harscher Kritik an den katholischen Bischöfen hat Theologie-Professor Gotthold Hasenhüttl auf seine Suspendierung als Priester reagiert. Ein blinder "Eichmann-Gehorsam" schade dem Anliegen Christi, sagte der 69-Jährige in einem Zeitungsinterview. Die deutschen Bischöfe verlangten als Vorgesetzte von ihren Priestern einen "Eichmann-Gehorsam", sagte Hasenhüttl der "Saarbrücker Zeitung" (Samstagausgabe). Dieser blinde Gehorsam schade dem Anliegen Jesu Christi. Der SS-Obersturmbannführer Adolf Eichmann hatte sich, als er vor einem Gericht in Israel zur Rechenschaft gezogen wurde, darauf berufen, die Befehle zur Judenvernichtung im Gehorsam ausgeführt zu haben.
Bischöfe gebrauchten die Eucharistie, um sich von den Protestanten abzugrenzen, sagte Hasenhüttl weiter. So lange die Ökumene nichts koste, werde sie propagiert. Wenn man allerdings Ernst mache, komme gleich ein bischöfliches Verbot. Den Kirchen-Oberen gehe es um den Erhalt ihrer Macht.
Der 69-jährige Hasenhüttl war vergangene Woche vom Trierer Bischof Reinhard Marx als Priester suspendiert worden, weil er am Rande des Ökumenischen Kirchentages in Berlin in einem katholischen Gottesdienst Protestanten zum Abendmahl eingeladen hatte. Außerdem sollte ihm die Lehrerlaubnis entzogen werden. Hasenhüttl legte jedoch Widerspruch beim Vatikan ein, womit das Dekret des Trierer Bischofs bis zu seiner Überprüfung aufgeschoben ist.
Mehrere kirchenkritische Gruppen kündigten unterdessen eine Unterschriftenaktion für Hasenhüttl an. Zu den Initiatoren gehört auch der Priester Hermann Münzel, der vor drei Jahren selbst vom damaligen Trierer Bischof Hermann Josef Spital vom Dienst suspendiert worden war, weil er einen ökumenischen Abendmahls-Gottesdienst mit Katholiken und Protestanten zelebriert hatte. Münzel hatte damals allerdings sein Handeln bedauert. Hasenhüttl will dagegen keine Abbitte leisten.
Aus: Bocholter-Borkener Volksblatt,
26.7.2003
Quelle:
http://www.bbv-net.de/public/article/journal/14895
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Saarbrücken, 26.7.2003. Die Saarbrücker Priester Gotthold Hasenhüttl (69) bricht auch weiterhin eine Lanze für die Ökumene und geht mit deutschen Bischöfen hart ins Gericht. In einem Redaktionsgespräch der "Saarbrücker Zeitung" sagte er, er sei suspendiert worden, weil es den Kirchen-Oberen um ihren Machterhalt gehe. Noch nicht einmal gegen Kinderschänder in den eigenen Reihen gingen die Kirchen-Hierarchen so streng vor. So lange die Ökumene nichts koste, werde sie propagiert. Wenn man allerdings Ernst mache, komme gleich ein Verbot, sagte der Theologe. Hasenhüttl sprach von einem "Eichmann-Gehorsam", den die Bischöfe als Vorgesetzte von ihren Priestern forderten. Zum Hintergrund: Karl Adolf Eichmann, Obersturmbannführer der SS, berief sich bei der Juden-Verfolgung im Dritten Reich darauf, Befehle nur im Gehorsam ausgeführt zu haben.
Hasenhüttl war vergangene Woche vom Trierer Bischof Reinhard Marx suspendiert worden, weil er am Rande des ökumenischen Kirchentages in Berlin in einem katholischen Gottesdienst Protestanten zum Abendmahl eingeladen hatte. Auch die kirchliche Lehrerlaubnis soll dem Theologie-Professor, der seit einem Jahr im Ruhestand ist, entzogen werden. Marx hatte erklärt, er habe als Bischof einschreiten müssen, weil "offen und demonstrativ" die Ordnung der Kirche und damit auch ihre Glaubwürdigkeit verletzt worden sei.
Hasenhüttl verteidigte als Gast der "SZ"-Redaktionskonferenz sein Verhalten in der Berliner Gethsemane-Kirche. Er kritisierte die Entscheidung des Trierer Bischofs ("diktatorische Maßnahmen"), den er zum "reaktionären Kreis" der Mehrheit der deutschen Bischöfe zählte. Marx sei in keiner "Opferrolle" gewesen. Der Bischof hätte auch anders entscheiden können, sagte Hasenhüttl. "Unter seinen Vorgänger-Bischöfen Spital oder Stein wäre so etwas nicht passiert", gab sich Hasenhüttl "hundertprozentig" sicher. Der Theologie-Professor erinnerte daran, dass selbst der Papst Johannes Paul II. dem britischen Premierminister, dem Anglikaner Tony Blair, im Vatikan die Kommunion gespendet habe.
Hasenhüttl plädierte dafür, mit Blick auf die weitere Entwicklung der Kirche fest zu der Glaubensgemeinschaft zu stehen. Auch wenn sich ihre Oberen gelegentlich unchristlich zeigten. Die Gläubigen würden immer selbstständiger. Daraus resultiere aber die Angst der Hierarchen, die Macht zu verlieren. "Schließlich hat die UdSSR auch eines Tages aufgehört zu existieren", fügt Hasenhüttl hinzu. (Guido Peters)
Aus: Saarbrücker-Zeitung, 26.7.2003
Quelle:
http://www.sol.de/szimnetz/themendestages/2825,430040.html
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dradio.de, 25.7.2003. Der katholische Priester und emeritierte Theologieprofessor Gotthold Hasenhüttl aus Saarbrücken hat nach seiner Suspendierung vor einem "herben Schlag gegen die Ökumene" gewarnt. Seine Suspendierung nach dem Abhalten eines gemeinsamen Abendmahls für Katholiken und Protestanten beim ökumenischen Kirchentag in Berlin habe keine theologischen Gründe, sagte Hasenhüttl am Freitag im DeutschlandRadio Berlin. Die Bischöfe suchten nun nach anderen Vorwürfen, um ihn zu desavouieren und zu suspendieren, betonte der Priester. ... weiter
Der Priester und Professor Gotthold Hasenhüttl soll nach dem Willen seines Bischofs mit einer Höchststrafe belegt werden: Amtsenthebung und Lehrverbot. Mit Wut und Enttäuschung reagiert die Basis auf das Verdikt ihres Oberhirten. Hasenhüttl spielt auf Zeit.
Saarbrücken, 25.7.2003. Der Priester ringt nach Worten für seine Wut, seine Enttäuschung, seinen Frust über seinen Dienstherrn, den Trierer Bischof. Raimund Moßmanns Blick schweift, scheinbar Halt suchend, durch den nüchternen Raum des Pfarramts Sankt Pius im Saarbrücker Stadtteil Sankt Arnual. In der grauen Betonkirche gegenüber hat Gotthold Hasenhüttl wöchentlich die Messe gehalten, bis er vom Trierer Oberhirten Reinhard Marx suspendiert worden ist. Hier kennt man den Kirchenrebellen als offenen, unkomplizierten, zurückhaltenden Mann. Beinahe eine graue Maus, heißt es. Hier erzählen die Leute, dass seine Gottesdienste besonders gut besucht waren. Und hier schüttelt man den Kopf über das Verdikt des Bistums. Der emeritiere Professor hat am Rande des Ökumenischen Kirchentags in Berlin zwar gegen den Wunsch des Papstes Protestanten die Kommunion gereicht, doch das geschieht im Alltag zigfach. Hasenhüttl aber soll nicht mehr predigen, trauen oder die Eucharistie feiern dürfen.
"Die Gemeindemitglieder können nicht begreifen, was da geschieht", sagt Moßmann. Der 54-Jährige nimmt an, dass viele Priester jetzt um ihren Job bangen. Sie würden sich deshalb nicht trauen, ihre ökumenische Praxis zu verteidigen. Nur kein falsches Wort, lautet die Parole. Damit das klappt, hat das Ordinariat ein zwölfseitiges Schreiben an die Mitarbeiter verschickt. "Damit Sie ... bei Diskussionen und Anfragen angemessen argumentieren können". "Das lege ich den Leuten vor", sagt Moßmann.
Ihm geht es ähnlich wie den Mitarbeitern im Trierer Ordinariat. Zahlreiche Anrufe und Mails führen ihnen vor Augen, dass sich die Strenge des Oberhirten kaum vermitteln lässt. "Wir müssen seit Tagen Aufklärungsarbeit leisten", sagt Pressesprecher Hans Casel. Mancher Anrufer habe nur Verständnisfragen. Andere weinten am Telefon, weil sie an ihrer Kirche verzweifeln, Dritte beschimpften mit Schaum vor dem Mund den Bischof. Vereinzelt gebe es auch Zustimmung.
In einigen Gemeinden Saarbrückens laufen bereits Unterschriftenaktionen für Hasenhüttl. Auch Religionslehrer protestieren. Mancherorts melden sich Katholiken, die nun ihrer Kirche den Rücken kehren und konvertieren wollen. "Wir müssen etwas auf die Beine stellen, was richtig wehtut", sagt der Vorsitzende des Pfarrgemeinderates von Sankt Pius, Michael Birke. Das Ordinariat mit E-Mails bombardieren und so den Server lahm legen, lautet ein Vorschlag. Nach einem anderen sollen alle Priester, die schon einmal an Protestanten die Kommunion ausgeteilt hätten, beim Bistum um ihre Suspendierung nachsuchen. Zum Kirchenaustritt aufrufen, ist eine weitere Idee. "Die Kirche reagiert doch nur, wenn es ans Geld geht", sagt etwa der Kirchengemeinderat Jürgen Wagner. Noch aber suchen sie in der Pfarrei nach dem richtigen Rezept. Das fällt natürlich in der Sommerpause besonders schwer, weil sich momentan nur wenige mobilisieren lassen.
Kritik an Hasenhüttl regt sich an der Basis kaum. Sein Schreibtisch in einem Hochhaus mit Blick auf die Saarbrücker Innenstadt ist übersät von Solidaritätsadressen. "200 Briefe habe ich mittlerweile bekommen, und kein einziger ist negativ", erzählt Hasenhüttl. Der 69-Jährige mit den sorgfältig zurückgekämmten Haaren beachtet das unablässig klingelnde Telefon kaum. Seine Stimme ist sanft, seine Augen sind freundlich, sein Auftreten charmant. Doch der Theologe, der sich anschickt, bald in einem Atemzug mit Hans Küng und Eugen Drewermann genannt zu werden, ist mit allen Wassern gewaschen. Die Papst-Enzyklika mit dem Verbot des gemeinsamen Abendmahls legt er virtuos zu seinen Gunsten aus.
Und während Bischof Marx wochenlang den richtigen Weg suchte, auf die Regelverletzung des gebürtigen Grazers zu reagieren, hat der versierte Dogmatiker Hasenhüttl Kirchenrecht gebüffelt. Die Paragrafen wendet er nun nicht minder geschickt gegen seinen Bischof. Kaum hatte der Oberhirte den Revoluzzer kirchenamtlich aus dem Verkehr gezogen, legte der Gemaßregelte Beschwerde beim Vatikan ein. "Ich habe meinem Bischof mitgeteilt, dass die Suspendierung somit außer Vollzug gesetzt ist", sagt Hasenhüttl selbstbewusst. Er darf also wieder trauen, Kinder taufen oder Beerdigungen vornehmen. Nur auf die Messe verzichte er vorerst freiwillig so lange, bis Rom spricht.
Gotthold Hasenhüttl gilt als hochintelligent. Manche im Bistum sagen, er sei seinem Dienstherrn weit überlegen. Seinen kritischen Geist entwickelte der Spross aus frommer Familie vor allem in den fünfziger und sechziger Jahren ausgerechnet unter der Ägide des Jesuitenpater Klein an der päpstlichen Gregoriana in Rom. "Vorher hielt ich den Gehorsam für eine der wichtigsten Tugenden in der Kirche." Doch das Christentum müsse die Türen öffnen und die Menschen befreien. Aus dieser Zeit rührt seine Freundschaft mit Hans Küng. Dem folgt Hasenhüttl 1964 als Assistent nach Tübingen. Er bleibt zehn Jahre am Neckar, habilitiert und spricht heute noch von einer "schönen Zeit". Damals, so sagt er in Anspielung auf den jüngsten Konflikt, hätten die katholischen Dozenten in vollem Ornat in der Stiftskirche das evangelische Abendmahl empfangen, ohne dass ein Hahn danach gekräht habe.
Hasenhüttl ist allerdings auch schon vor dem Berliner Kirchentag kein unbeschriebenes Blatt gewesen. Immer wieder hat er mit seiner Theologie wider den Stachel gelöckt. Macht auszuüben sei gegen die Botschaft Jesu, schrieb er den Kirchenoberen ins Stammbuch. Der Professor für systematische Theologie wetterte auch gegen das Pflichtzölibat, focht für die Befreiungstheologie und geht in seinem neuen 1600 Seiten starken Hauptwerk gegen die Mythenbildung in der Kirchenlehre an.
Kein Wunder, dass sich der stockkonservative Kölner Kardinal Joachim Meisner schon in der Vergangenheit über Hasenhüttl beschwerte und jetzt der Härte von Marx Beifall spendet. Der einstige Trierer Diözesanchef Spital hat Hasenhüttl auch früher schon einbestellt. Dabei musste der Querdenker einmal sogar schriftlich erklären, dass er sich noch auf dem Boden des Zweiten Vatikanischen Konzils bewege. Seine Provokationen drangen aber kaum in die Öffentlichkeit. "Probleme mit meiner Lehrtätigkeit haben sich bisher immer regeln lassen", sagt der Theologe. Nun aber soll er härter bestraft werden als Küng. Der hatte die Lehrerlaubnis verloren, war als Priester aber nicht bestraft worden. Das Lehrverbot für Hasenhüttl träfe vor allem die rund 30 Studenten, die bei ihm noch ihre Prüfung ablegen wollen.
Hasenhüttl findet die Maßnahme unverständlich. Die Strafe sei exzessiv. Er glaubt wie die Kirchenreformer, an ihm solle ein Exempel statuiert werden, um freier Gesinnte im Klerus wieder auf Linie zu bringen. Die Kirche kehre immer mehr zurück zur reinen Lehre. Andere mutmaßen, der bisher als jovial geltende Marx wolle sich als Hardliner profilieren, um dereinst Kardinal Meisner in Köln zu beerben. Offiziell stützen die Bischöfe die Abstrafung. Selbst Kardinal Karl Lehmann, mit dem sich Hasenhüttl duzt, verteidigt die Härte seines Trierer Kollegen. Er legte sich sogar mit dem Bundespräsidenten an, der die Strafe "schrecklich" findet.
Hinter vorgehaltener Hand wird allerdings erzählt, liberal gesonnene Bischöfe seien unglücklich über das Geschehen. Marx habe sich ungeschickt verhalten. Man könne einem gestandenen Professor nicht die Pistole auf die Brust setzen und schlicht eine Reueerklärung verlangen. Diese Selbstverpflichtung, Protestanten nicht öffentlich zur Kommunion zu bitten, garantierte Hasenhüttl wohl noch den Verbleib im Amt. Doch er wird nicht unterschreiben. "Meine vierzigjährige Tätigkeit in der Ökumene würde ins Nichts verschwinden." Stattdessen spielt er seinen letzten Trumpf. Die Frist, seine Beschwerde zu begründen, reizt er voll aus. Dann, so hofft der Rebell, wird es August, und die italienischen Ferien werden auch den Vatikan lähmen. In jedem Fall ist Gotthold Hasenhüttl in diesem Monat unerreichbar. Der passionierte Hobbytaucher bereist Kambodscha. (Michael Trauthig)
Aus: Stuttgarter Zeitung, 25.7.2003
Quelle:
http://www.stuttgarter-zeitung.de/stz/page/detail.php/467646
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Berlin, 25.7.2003 (KNA). Der Saarbrücker Priester Gotthold Hasenhüttl hat den Bischöfen vorgeworfen, ihn aus machtpolitischen Gründen suspendiert zu haben. Seine Amtsenthebung nach einem Gottesdienst am Rande des Ökumenischen Kirchentags sei theologisch "nicht zu begründen", sagte Hasenhüttl am Freitag im DeutschlandRadio Berlin. Der Theologe wörtlich: "Viele deutsche Bischöfe wollten diese Ökumene nicht. Deshalb sind sie nun in ihrer Macht gestutzt und missbrauchen die Eucharistie, um abzugrenzen."
Hasenhüttl warf einigen Bischöfen "Unehrlichkeit" vor. "Wenn man etwas geheim tut, dann kann man es machen. Wenn das aber öffentlich geschieht und man dazu steht, dann wird man verurteilt", so der Theologe. Sollte Papst Johannes Paul II. die Suspension bestätigen, wäre dies ein "herber Schlag gegen die Ökumene".
Quelle: http://www.kna.de/webnews/kwn0_472prs865qylo/kwn0-20030725t125146343.htm
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Berlin, 25.7.2003 (epd). Der katholische Priester Gotthold Hasenhüttl aus Saarbrücken hat den katholischen Bischöfen vorgeworfen, ihn allein aus Machtgründen suspendiert zu haben. Es gebe keine theologischen Gründe, die gegen sein Tun beim Ökumenischen Kirchentag sprächen, sagte Hasenhüttl am Freitag im DeutschlandRadio Berlin. Er kritisierte, dass "man noch nicht einmal Kinderschänder und andere suspendiert hat".
Hasenhüttl, der am Rande des Kirchentags im Mai auch Protestanten zur katholischen Kommunion eingeladen hatte, wurde deshalb suspendiert. Er legte dagegen Beschwerde ein. Bis zu einer Entscheidung aus Rom darf er seinen Dienst weiterführen. Wenn der Papst die Suspendierung bestätigt, sei dies ein herber Schlag gegen die Ökumene und ein Affront gegen alle evangelischen Christen, sagte Hasenhüttl.
Viele deutsche Bischöfe wollten die Ökumene nicht, meinte der Saarbrücker Theologieprofessor. Deshalb würden andere Vorwürfe gegen ihn verwandt. Einige behaupteten, er sei nicht katholisch und glaube nicht an Gott. Das bezeichnete Hasenhüttl als "Ausweichmanöver". Man wolle an ihm ein Exempel statuieren. (07817/25.7.2003)
Quelle: http://www.epd.de/epd_2308.htm
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25.7.2003. Der katholische Priester und emeritierte Theologieprofessor Gotthold Hasenhüttl aus Saarbrücken hat nach seiner Suspendierung vor einem "herben Schlag gegen die Ökumene" gewarnt. Seine Suspendierung nach dem Abhalten eines gemeinsamen Abendmahls für Katholiken und Protestanten beim ökumenischen Kirchentag in Berlin habe keine theologischen Gründe, sagte Hasenhüttl am Freitag im DeutschlandRadio Berlin. Die Bischöfe suchten nun nach anderen Vorwürfen, um ihn zu desavouieren und zu suspendieren, betonte der Priester.
Wörtlich sagte Hasenhüttl: "Es geht hier eindeutig um eine Machtfrage. Viele deutsche Bischöfe wollten diese Ökumene nicht. Deshalb sind sie nun in ihrer Macht gestutzt und missbrauchen die Eucharistie, um abzugrenzen." Theologisch sei diese Abgrenzung "überhaupt nicht zu begründen", sagte Hasenhüttl. Deshalb würden jetzt andere Vorwürfe herausgekehrt. "Jetzt wird mir vorgeworfen, ich wäre nicht katholisch, man sagt sogar, ich würde gar nicht an Gott glauben. Genau diese Dinge sind Ausweichmanöver, um mich zu desavouieren und auf diese Weise die Berechtigung zu haben, mich zu suspendieren, obwohl man noch nicht einmal Kinderschänder und andere suspendiert hat."
Der katholische Priester kritisierte die Bischöfe scharf. Diese seien auf einem Auge blind. "Das muss ich ganz offen sagen. Ich kann nicht verstehen - weder als Theologe, noch als Christ - wie einige Hierarchen hier vorgehen." Hasenhüttl prangerte die "Unehrlichkeit" der Bischöfe im Bezug auf das gemeinsame Abendmahl an. "Wenn man etwas geheim tut, dann kann man es machen. Wenn das aber öffentlich geschieht, und man dazu steht, dann wird man verurteilt", sagte er. Hier wolle man an ihm ein Exempel statuieren.
Falls der Papst die Suspendierung bestätigen würde, wäre das "ein herber Schlag gegen die Ökumene", warnte Hasenhüttl. Überhaupt sei dies ein "Affront gegen alle evangelische Christen", meinte der Priester.
Quelle: http://www.dradio.de/cgi-bin/es/neu-interview-berlin/2549.html
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24.7.2003. Der Streit um die Suspendierung des Saarbrücker Priesters Gotthold Hasenhüttl hat zu Misstönen zwischen evangelischer und katholischer Kirche in Bayern geführt. Der Erzbischof von München und Freising, Kardinal Friedrich Wetter, wies am Donnerstag Kritik des evangelischen Landesbischofs Johannes Friedrich zurück. Dieser hatte die Suspendierung als "überzogen" bezeichnet. ... weiter
24.7.2003. Nun hat sich auch Kurienkardinal Joseph Ratzinger zu Wort gemeldet im Streit um den aufmüpfigen Theologie-Emeritus aus Saarbrücken, der während des Ökumenischen Kirchentages zur "offenen Kommunion" eingeladen hatte. Und die Einlassung des obersten Glaubenswächters, verpackt in ein Interview mit der Koblenzer "Rhein-Zeitung", hat es in sich. Ratzingers Kritik geht weit hinaus über den Vorwurf, Professor Gotthold Hasenhüttl (69) habe gegen das Kirchenrecht verstoßen. ... weiter
München, 24. Juli 2003 (ok). Der Landesbischof der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern, Johannes Friedrich, hat sich am 18. Juli 2003 in einer vom Evangelisch-Lutherischen Landeskirchenamt in München verbreiteten Pressemitteilung zur Suspendierung des Theologieprofessors Gotthold Hasenhüttl durch den Bischof von Trier, Reinhard Marx, und in diesem Zusammenhang zur ökumenischen Situation in Deutschland geäußert. (...) Dazu gibt der Erzbischof von München und Freising, Kardinal Friedrich Wetter, folgende Klarstellung: ... weiter
SZ, 23.7.2003. Dass der fromm-freundliche Bundespräsident Johannes Rau mit dem unzänkischen Kardinal und Bischofskonferenzvorsitzenden Karl Lehmann aneinander geraten würde, hätten wohl weder Präsident noch Kardinal gedacht. Erst recht nicht, dass dies wegen eines emeritierten Theologieprofessors aus Saarbrücken geschehen würde. Doch Gotthold Hasenhüttl hat am 29. Mai in der Berliner Gethsemane-Kirche die Kommunion (katholisch) an die falschen Leute (evangelisch) ausgeteilt. Weshalb ihn der Trierer Bischof Reinhard Marx (katholisch) vorläufig vom Priesteramt suspendierte, was das Staatsoberhaupt Rau (evangelisch) "schrecklich" fand, woraufhin Lehmann sagte, so etwas gehöre "nicht zum Amt des Bundespräsidenten". Nun redet der Präsidentensprecher erschrocken von einem "Missverständnis". ... weiter
Bonn, 23.7.2003. Bundespräsident Johannes Rau und der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Karl Lehmann, wollen ihre öffentliche Kontroverse über den Fall des vom Dienst suspendierten Priesters Gotthold Hasenhüttl im persönlichen Gespräch klären. Es werde "bei passender Gelegenheit" im Herbst stattfinden, ließen beide verlauten. ... weiter
Bonn, 23.7.2003. Bundespräsident Johannes Rau und der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Karl Lehmann, wollen ihre öffentliche Kontroverse über den Fall Hasenhüttl zum Thema eines persönlichen Gesprächs machen. Es werde "bei passender Gelegenheit" im Herbst stattfinden, ließen beide Seiten verlauten. Rau hatte im ZDF die Maßregelung des Theologieprofessors Gotthold Hasenhüttl, der trotz kirchlicher Warnungen während des Ökumenischen Kirchentags in Berlin zur "offenen Kommunion" eingeladen hatte, als "schrecklich" bezeichnet. ... weiter
Saarbrücken, 22.7.2003 (epd). Der katholische Priester Gotthold Hasenhüttl aus Saarbrücken will bis zur endgültigen Klärung seiner Beschwerde gegen die Suspendierung keine Gottesdienste mehr halten. Diese Entscheidung habe er freiwillig in Abstimmung mit seiner Gemeinde getroffen, sagte Hasenhüttl am Dienstag dem epd. Seine seelsorgerliche Arbeit will der Theologieprofessor jedoch weiterführen und auch Trauungen, Taufen und Beerdigungen vornehmen. ... weiter
ND, 22.7.2003. »Ein jeder Engel ist schrecklich«, dichtete einst Rilke. Das mag übertrieben klingen, doch das Schreckliche ist ja in der Tat oft dort, wo man es nicht vermutet. Für Bundespräsident Johannes Rau liegt es zum Beispiel in der »Maßregelung eines Priesters«. Gemeint ist der Katholik Gotthold Hasenhüttl, der vom Priesteramt suspendiert werden soll, weil er am Rande des Ökumenischen Kirchentags Ende Mai ein gemeinsames Abendmahl von Katholiken und Protestanten gefeiert hatte. ... weiter
Ulm, 22.7.2003 (AP). Der Bonner Staatsrechtler Josef Isensee wirft dem Bundespräsidenten Amtsanmaßung vor. Der Grund: Rau hat die Suspendierung des katholischen Priesters Gotthold Hasenhüttl kritisiert. Nach Meinung des Juristen verletzt Rau damit das Grundgesetz." Die Äußerung des Bundespräsidenten ist taktlos, ahnungslos, kompetenzlos, kritisierte der Bonner Staatsrechtler die Stellungnahme des Bundespräsident im ZDF. "Sie verletzt das Grundgesetz. Rau überschreitet seine Zuständigkeit", so Isensee in einem vorab veröffentlichten Interview mit der Ulmer "Südwest Presse" (Dienstagsausgabe). ... weiter
Feldkirch, 22.7.2003 (www.kath.net/pdf). Der vor einigen Monaten bekannt gewordene Fall der Interzelebration in Kennelbach - Dekan Werner Witwer hatte mit einem Schweizer Pastor, ehemals katholischer Priester und Pfarradministrator von Kennelbach, die Messe gefeiert - wurde in einem Gespräch zwischen Bischof Klaus Küng und dem betroffenen Priester am Dienstag geklärt. Das gab die Diözese Feldkirch in einer Aussendung bekannt. ... weiter
DT, 22.7.2003. Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Karl Lehmann, hat die Kritik von Bundespräsident Johannes Rau an der katholischen Kirche deutlich zurückgewiesen. In einem Interview mit Christoph Arens von der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) wandte sich der Kardinal am Wochenende in Mainz auch gegen den Vorwurf des Fundamentalismus, der gegen die Kirche im Fall des suspendierten Theologen Gotthold Hasenhüttl erhoben worden war. Hasenhüttl hat am Wochenende im Vatikan Beschwerde gegen die Entscheidung eingelegt. Das sagte er am Montag der KNA in Saarbrücken. Dies hat mit Blick auf die Suspension eine aufschiebende Wirkung. Der Theologe kündigte an, er werde in Absprache mit dem Pfarrer seiner Gemeinde in Saarbrücken in dieser Woche keine "normalen Messen" feiern, um die Kirchgänger nicht zu verwirren. Er werde aber bereits zugesagte Gottesdienste wie eine Beerdigung wahrnehmen. Anschließend will der Geistliche in Urlaub fahren. In welchem Zeitraum der Vatikan über die Beschwerde entscheiden wird, ist offen.
Herr Kardinal, im Fall Hasenhüttl ist es jetzt zur Suspendierung gekommen mit ziemlich heftigen Reaktionen der Öffentlichkeit. Hätte man die Sache nicht anders regeln können?
Gewiss hätten wir es begrüßt, wenn die gesamte Entwicklung in diesem Fall zu einer Verständigung oder gar zu einer Aussöhnung geführt hätte, und nicht zur Amtsenthebung. Aber dies hatte Professor Hasenhüttl in der Hand und auch zu verantworten. Darum darf er sich auch nicht über das Ergebnis wundern. Man hat offenbar schon weithin vergessen, dass wir Bischöfe den Ökumenischen Kirchentag sehr deutlich begrüßt haben. Zugleich haben wir jedoch gemeinsam mit seinem Präsidium die dringliche Bitte ausgesprochen, "die in den Kirchen gültigen Regeln zu achten und im Bezug auf Eucharistiefeier und Abendmahl in ökumenischer Sensibilität miteinander umzugehen". Der Papst hat in seiner Enzyklika zum Verhältnis von Eucharistie und Kirche vom 17. April 2003 deutlich ausgesprochen, was zur Lehre der Kirche gehört. Dieses ist in den letzten Jahrzehnten immer wieder formuliert worden. Wenn ein Priester, der Jahrzehnte lang gerade auch als Dogmatiker die Lehre der Kirche den Studierenden vermitteln sollte, trotz dringlicher Bitten und Warnungen evident gegen diese Grundsätze verstößt, kann dies nicht ohne Folgen bleiben. Denn die Kirche ist eine verbindliche Gemeinschaft mit einer für alle verpflichtenden Ordnung und Loyalität und will dies auch bleiben. Im übrigen war es Professor Hasenhüttl, der die Gesprächseinladung des Erzbischofs von Berlin, der eine erste Zuständigkeit besitzt, nicht angenommen hat. Professor Hasenhüttl hat durch sein schroffes Nein zur Aufforderung des Bischofs von Trier keine Verständigung gesucht.
Trifft Sie der Vorwurf von Herrn Hasenhüttl, dass die katholische Kirche die Eucharistie zu einem Mittel der Abgrenzung macht?
Die Eucharistie ist gewiss das dichteste, ausdrucksstärkste und wirksamste Zeichen der Einheit der Kirche. Sie eint und sammelt die Mitglieder der Kirche auf diese Zusammengehörigkeit hin. In diesem Sinne ist sie das Gegenteil von Abgrenzung im bloß negativen Sinn. Freilich setzt sie schon seit der Frühzeit der Kirche den Empfang der Taufe voraus und damit die Mitgliedschaft in der Kirche. Schon Paulus hat deutlich gemacht, dass es ethische und rechtliche Bedingungen für die Teilnahme gibt. Gerade weil wir die Einheit der Kirche noch nicht haben, wäre eine gemeinsame Eucharistiefeier nicht gedeckt. Beides entspricht sich. Eine Einladung, die dies nicht beachtet, verstößt elementar gegen den der Kirche selbst gebotenen Umgang mit der Eucharistie. Professor Hasenhüttl hat in provozierender Form eine undifferenzierte Einladung an alle ausgesprochen. Er musste wissen, was er tat.
Selbst der Bundespräsident hat die katholische Kirche im Fall Hasenhüttl ungewöhnlich scharf kritisiert. Haben Sie Verständnis für diese Kritik?
Ich habe mich wie die anderen deutschen Bischöfe sehr gewundert, wie scharf der Bundespräsident die katholische Kirche kritisiert. Jeder kann in dieser Republik Kritik üben, aber in dieser Form gehört sie nicht zum Amt des Bundespräsidenten. In diesem Sinne habe ich kein Verständnis für seine Kritik, zumal außer dem Hinweis auf seine Zugehörigkeit zur evangelischen Kirche kein Argument genannt wird.
In Medienkommentaren steht die Kirche jetzt als fundamentalistische Organisation da, die teilweise sogar mit radikalen Muslimen gleichgesetzt wird. Wie bewerten Sie diese Vorwürfe? Rechtfertigt ein klares Profil einen solchen Ansehensverlust?
Wer immer das Schlagwort Fundamentalismus gebraucht, muss wissen, dass es leicht zu einem Totschlagargument wird. Wenn man trotzdem auf das Wort nicht verzichten will, muss man jedoch unterscheiden: Zwischen der legitimen Suche nach verbindlichen Maßstäben und verlässlicher Orientierung, die fast immer auch mit der Festigkeit einer Gemeinschaft in Verbindung stehen. Und einem blinden Pochen auf Überzeugungen, die von vornherein nicht mehr hinterfragbare Gefolgschaft verlangen und jede Flexibilität ausschließen. Wir haben seit Jahrzehnten unsere Überzeugung über das Verhältnis von Herrenmahl und Kirchengemeinschaft im Dialog, mit Argumenten und mit großer Einfühlsamkeit in andere Partner dargelegt und belegt. Die Katholikentage haben seit längerer Zeit geradezu Studientage zu diesen Themen, selbstverständlich unter Beteiligung bedeutender evangelischer Theologen wie Eberhard Jüngel, angeboten. Nur hat man nicht selten das Gefühl, dass dies von mancher Seite gar nicht zur Kenntnis genommen wird. Deshalb bedauere ich die genannten Vorwürfe und ihre Folgen, für mich sind sie jedoch in hohem Maß grundlos. Ich habe mich auch selbst, schon als Theologe seit 1969, stets dem Dialog über diese Fragen gestellt.
Sehen Sie das Verhältnis zu den evangelischen Kirchen beschädigt?
Wir haben in der Zwischenzeit so viele Kontakte, Erfahrungen im Umgang mit Konflikten und freilich auch ein bewährtes persönliches Vertrauen, dass in dieser Hinsicht der Schaden begrenzbar bleibt. Im Übrigen gibt es nur ein Allheilmittel, nämlich die unverdrossene, intensive Weiterarbeit an den noch verbliebenen theologischen Differenzen, vor allem über Kirchesein und Amt. Wir sind in wenigen Jahrzehnten weit gekommen. Ich bin zuversichtlich, dass wir weiterhin gut vorankommen.
Der für den Kontakt zur katholischen Kirche zuständige lutherische Bischof Friedrich hat beklagt, dass die katholische Kirche seit dem Kirchentag nur noch mit sich selbst beschäftigt sei. Es reiche nicht aus, den Menschen immer nur zu sagen, was nicht geht. Man müsse auch sagen, was geht. Wo bleiben die positiven ökumenischen Impulse der katholischen Kirche?
Ich kann mich darin schlechthin nicht wiederfinden. Auch der Papst hat in dem leider schon vergessenen Grußwort zum Ökumenischen Kirchentag nur positive Impulse gegeben: gemeinsame Arbeit mit der Bibel, noch stärkeres gemeinsames Zeugnis bei Positionsbestimmungen in gesellschaftlich-politischen Fragen, missionarischer Aufbruch usw. Wer fundamentale Werte verteidigt, ist nicht destruktiv, auch wenn er sich mit einzelnen Anschauungen anlegen muss. In der Offenheit und Mitwirkung im Blick auf echte und wahre Ökumene können wir gut in jeden Wettbewerb eintreten, auch wenn wir noch mehr tun müssen und können.
Aus: Die Tagespost, 22.7.2003
Quelle:
http://www.die-tagespost.de
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Worms, 22.7.2003 (red). Hiltrud und Ulrich Oelschläger nehmen als evangelische Christen Stellung zu den Äußerungen katholischer Würdenträger in Worms und der des Bundespräsidenten zum Fall des Priesters Gotthold Hasenhüttl. Ulrich Oelschläger ist Mitglied im Vorstand der 9. Synode der EKHN sowie in der Vollkonferenz der Union Evangelischer Kirchen in Deutschland und stellvertretendes Mitglied der EKD-Synode.
Da lese man in der gleichen Ausgabe der WZ, dass "unser christlich engagierter evangelischer Bundespräsident die Entscheidung des Trierer Bischofs Marx, den Priester Hasenhüttl zu suspendieren, kritisiert", die zitierten katholischen Pfarrer von Worms jedoch einmütig meinen, dem ungehorsamen Geistlichen sei recht geschehen.
Dabei seien die Unterschiede auffällig, so Oelschläger. Während der Dompropst sich am liebsten gar nicht äußern möchte, greife Maximilian Wagner zur Polemik, indem er "den Ausdruck Hottentotten benutzt, um die Gemeinsamkeiten zwischen Christen, Muslimen und Juden abzuwerten." Für einen evangelischen Christen, dessen Landeskirche die bleibende Erwählung der Juden und Gottes Bund mit ihnen bezeuge, sei es sehr ärgerlich, wie Wagner die Juden einordne. Aber das habe Tradition "in der vorkonziliaren una sancta ecclesia". Am Südportal des Wormser Domes sehe man sie, die "ecclesia triumphans", die einen Kelch wie ein Herrschaftsinsignium halte, über und gegenüber der Synagoge mit den verbundenen Augen und dem Opfertier in der Hand, einem älteren Domführer gemäß das Ende des Alten Testaments und seiner blutigen Tieropfer symbolisierend.
Die Frage, ob er die Teilnahme an der Eucharistie angesichts der blutigen Geschichte begehre oder nicht doch lieber das eng an die Tradition des Neuen Testaments anknüpfende evangelische Abendmahl stellt Oelschläger, ohne sie zu beantworten? Aber eines wisse er sicher: "Wir können froh sein, dass die Diözese Mainz von Karl Lehmann und nicht von Reinhard Marx geleitet wird."
Aus: Wormser Zeitung, 22.7.2003
Quelle:
http://www.main-rheiner.de
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Graz, 22.7.2003. Der Grazer Bischof Egon Kapellari, zu dessen Diözese der Saarbrücker Priester Gotthold Hasenhüttl formal gehört, hat am Dienstag dessen Suspendierung verteidigt. Hasenhüttl habe habe "einen gezielten schwerwiegenden Bruch mit der kirchlichen Ordnung inszeniert", erklärte Kapellari in einer Aussendung. Die ökumenische Bewegung werde mit der Maßnahme nicht blockiert.
"Grenzziehung"
Er, Kapellari, sei vom Trier Bischof entsprechend der kirchlichen Ordnung
verständigt worden, sei aber für die Suspendierung nicht zuständig, weil
Hasenhüttl seit Jahrzehnten in der Diözese Tier lebe und wirke und der
jüngste Bruch der kirchlichen Ordnung in Berlin begangen worden sei. Der
Grazer Bischof gibt aber zu verstehen, dass die Maßnahme sein Einverständnis
findet: Die "Grenzziehung" sei in schwerwiegender Verantwortung für die
katholische Glaubenssubstanz und für die Einheit der Katholischen Kirche
getroffen worden. Der Weg zur Versöhnung stehe offen, er müsse aber von
beiden Seiten begangen werden, so Kapellari.
Aus: Kleine Zeitung, 22.7.2003
Quelle:
http://www.kleinezeitung.at
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Trier / Saarbrücken, 22.7.2003. Der von Suspension bedrohte Saarbrücker Priester Gotthold Hasenhüttl (69) beharrt auf seinem Standpunkt, wonach er mit seiner ökumenischen Abendmahlsfeier Ende Mai in Berlin nicht gegen das Kirchenrecht verstoßen habe. In einem Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur (dpa) sagte er, er werde weiterhin keine Reue erklären dafür, «dass ich am Rande des ersten Ökumenischen Kirchentags aus Gastfreundschaft auch evangelische Christen zum katholischen Abendmahl eingelagen habe». Er hoffe, dass der Vatikan seinem Antrag folge und die vom Trierer Bischof Reinhard Marx gegen ihn verhängte Suspension aufhebe.
Für eine «offene katholische Kirche»
«Mein Gewissen verbietet mir, die jesuanische Botschaft zu verraten - es
gibt keinen Hinweis in der Bibel, der untersagt, Protestanten zum
katholischen Abendmahl einzuladen», sagte der emeritierte
Theologie-Professor der Saar-Universität. Er wolle weiterhin für eine
«offene katholische Kirche eintreten», die die Eucharistie nicht zur
Abgrenzung missbrauche.
Die von Marx verhängte Strafe bezeichnete der Priester erneut als «überzogen». Nicht einmal des sexuellen Kindesmissbrauchs überführte katholische Priester erhielten solch strenge Strafen. «Marx hatte eine ganze Bandbreite an Möglichkeiten von der Abmahnung bis zur Suspension - und er hat sich für diese Härte entschieden», sagte Hasenhüttl.
Der 69-Jährige nannte Deutschlands jüngsten Bischof in Trier als «knochenhart», als einen, von dem es in Kirchenkreisen heiße, er habe große Ambitionen. Der Theologe forderte Marx auf, den Absichtserklärungen für ein Zusammenwachsen von katholischen und protestantischen Christen Taten folgen zu lassen. Er wies zudem Anschuldigungen von katholischen Bischöfen zurück, er habe einen «falschen Gottesbegriff».
Aus: Aachener Zeitung, 22.7.2003
Quelle:
http://www.az-web.de/sixcms/detail.php?id=184168
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Trier / Saarbrücken (dpa), 21.7.2003. Die Amtsenthebung des katholischen Priesters Gotthold Hasenhüttl (69) wegen einer gemeinsamen Abendmahlsfeier mit Protestanten ist vorläufig ausgesetzt. Der Saarbrücker Priester hat Beschwerde beim Heiligen Stuhl in Rom eingelegt. Bis zu einer Entscheidung des Vatikans dürfe Hasenhüttl wieder seinen priesterlichen Dienst verrichten, bestätigte ein Bistumssprecher am Montag auf Anfrage. Die Suspension von Bischof Reinhard Marx sei für diese Zeit ausgesetzt. Hasenhüttl will jedoch nach eigenen Angaben keine größeren Gottesdienste leiten. Er werde allerdings seine seelsorgerische Arbeit fortsetzen. So leite er unter anderem an diesem Donnerstag einen Trauergottesdienst für ein Mitglied seiner Gemeinde.
Die am vergangenen Donnerstag vom Trierer Bischof ausgesprochene Suspension hatte bundesweit für Kritik gesorgt - unter anderem von Bundespräsident Johannes Rau. Die katholische Kirche wirft Hasenhüttl indes Illoyalität vor. Er halte sich nicht an Ordnung und Gesetze der Kirche. Der 69-Jährige hatte am Rande des ersten Ökumenischen Kirchentages Ende Mai in Berlin die Kommunion auch an evangelische Christen ausgeteilt. Das ist nach Gesetzen der römisch-katholischen Kirche verboten. Hasenhüttl hatte danach jegliche Reue verweigert zudem betont, er würde dies immer wieder tun.
Aus: Mitteldeutsche Zeitung, 22.7.2003
Quelle:
http://www.mz-web.de
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Trier / Saarbrücken (rpo), 21.7.2003. Bis über seine Beschwerde entschieden ist, hat das Bistum Trier die Amtsenthebung des katholischen Priesters Gotthold Hasenhüttl (69) wegen einer gemeinsamen Abendmahlsfeier mit Protestanten vorläufig ausgesetzt. Der Saarbrücker Priester hat Beschwerde beim Heiligen Stuhl in Rom eingelegt. Bis zu einer Entscheidung des Vatikans dürfe Hasenhüttl wieder seinen priesterlichen Dienst verrichten, bestätigte ein Bistumssprecher am Montag auf Anfrage. Die Suspension von Bischof Reinhard Marx sei für diese Zeit ausgesetzt. Hasenhüttl will jedoch nach eigenen Angaben keine größeren Gottesdienste leiten. Er werde allerdings seine seelsorgerische Arbeit fortsetzen. So leite er unter anderem an diesem Donnerstag einen Trauergottesdienst für ein Mitglied seiner Gemeinde.
Die am vergangenen Donnerstag vom Trierer Bischof ausgesprochene Suspension hatte bundesweit für Kritik gesorgt - unter anderem von Bundespräsident Johannes Rau. Die katholische Kirche wirft Hasenhüttl indes Illoyalität vor. Er halte sich nicht an Ordnung und Gesetze der Kirche. Der 69-Jährige hatte am Rande des ersten Ökumenischen Kirchentages Ende Mai in Berlin die Kommunion auch an evangelische Christen ausgeteilt. Das ist nach Gesetzen der römisch-katholischen Kirche verboten. Hasenhüttl hatte danach jegliche Reue verweigert zudem betont, er würde dies immer wieder tun.
Aus: Rheinische Post - online, 21.7.2003
Quelle:
http://www.rp-online.de
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n-tv, 21.7.2003. Der Saarbrücker Theologieprofessor Gotthold Hasenhüttl darf vorerst weiter als katholischer Priester tätig sein. Wie das Bistum Trier mitteilte, muss die von Bischof Reinhard Marx verfügte Suspendierung Hasenhüttls nach dessen Beschwerde beim Vatikan ausgesetzt werden. Der Professor hatte am Rande des Ökumenischen Kirchentags in Berlin gemeinsam mit Protestanten das Abendmahl gefeiert, was nach Auslegung von Marx gegen das katholische Kirchenrecht verstößt.
Das Bistum Trier geht außerdem davon aus, dass die Beschwerde auch für den angekündigten Entzug der Lehrerlaubnis Hasenhüttls aufschiebende Wirkung hat, wie ein Sprecher mitteilte. Der Trierer Bischof Marx hatte Hasenhüttl in der vergangenen Woche suspendiert und angekündigt, dass er dem Theologen die kirchliche Lehrerlaubnis entziehen werde, nachdem sich Hasenhüttl geweigert hatte, sein Verhalten zu bereuen.
Nach der Beschwerde des Professors liegt die letzte Entscheidung nun in Rom. Bereits Anfang Juni war der bayerische Priester Bernhard Kroll ebenfalls wegen einer ökumenischen Abendmahlsfeier am Rande des Ökumenischen Kirchentages suspendiert worden. Bundespräsident Johannes Rau hatte das Vorgehen der katholischen Kirche im Abendmahlsstreit öffentlich kritisiert.
Quelle: http://www.n-tv.de
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21.7.2003. Hätten die Bischöfe immer so hart reagiert wie jetzt im Fall Gotthold Hasenhüttls, wäre die ohnehin schrumpfende Schar von Priestern noch überschaubarer. Das Vergehen, dessentwegen der Geistliche seines Amtes enthoben wurde, ist nämlich vielerorts gang und gäbe: Priester teilen die Kommunion auch an Protestanten aus. Offenkundig statuieren die Oberhirten ein Exempel, nachdem sie vor dem Ökumenischen Kirchentag massiv auf das Verbot eines gemeinsamen Abendmahls gepocht hatten - Hasenhüttl hat die Bischöfe mit dem "Tabubruch", der keiner ist, sehr bewusst in Zugzwang gebracht.
Gläubige und die nicht kirchliche Öffentlichkeit begegnen der fortdauernden Trennung der Konfessionen mit wachsender Ungeduld oder mit Unverständnis. Die Schieflage ist bemerkenswert: Ein ungehorsamer Priester ist schnell suspendiert; wer dagegen maßregelt Kirchenführer, die den Einsatz für die Einheit der Kirche - immerhin ein zentrales biblisches Gebot - weniger wichtig nehmen als das Beharren auf Dogmatik und Kirchenrecht? (JOACHIM FRANK)
Aus: Kölner Stadt-Anzeiger, 21.7.2003
Quelle:
http://www.ksta.de
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Frauenwörth, Landkreis Rosenheim, 21. Juli 2003 (ok). In der gegenwärtig in der Öffentlichkeit geführten Auseinandersetzung um eine Kommuniongemeinschaft zwischen Christen verschiedener Konfession hat der Erzbischof von München und Freising, Kardinal Friedrich Wetter, erneut vor Eigenmächtigkeit gewarnt. "Kirchengemeinschaft und Kommuniongemeinschaft gehören zusammen und dürfen nicht voneinander getrennt werden", sagte der Kardinal am Sonntag, 20. Juli, bei einem feierlichen Gottesdienst zum Fest der Patronin des Chiemgaus, der Seligen Irmengard, in der Klosterkirche der Benediktinerinnenabtei auf Frauenwörth, Landkreis Rosenheim.
Manche Äußerungen der letzten Zeit zeigten, dass nicht mehr alle Gläubigen diesen Zusammenhang von Kirchengemeinschaft und Kommuniongemeinschaft sähen. Die Eucharistie sei nach den Worten von Papst Johannes Paul II. aber "die höchste sakramentale Darstellung der Gemeinschaft in der Kirche". Was Kirche letztlich sei, werde am deutlichsten ablesbar in der Eucharistie. Wer die Wahrheit des Glaubens verstehen und aufnehmen wolle, müsse diese Zusammenhänge sehen.
Der Kardinal empfahl das Beispiel der Seligen Irmengard, die vor 1200 Jahren lebte und als erste Äbtissin auf Frauenwörth bezeugt ist. Sie habe in der Schule der benediktinischen Regel "Wachsamkeit" gegenüber dem Anruf Gottes gelernt und danach gelebt, dass dem Gottesdienst nichts vorgezogen werden dürfe. Es gebe auch heute noch volle Kirchen. Aber der geringer gewordene Gottesdienstbesuch zeige, dass dem Gottesdienst und der Eucharistie doch andere Dinge vorgezogen würden.
Wetter nannte es "die Not unserer Zeit", dass viele nicht mehr die Gegenwart Gottes wahrnähmen, diese oft auch gar nicht wahrnehmen wollten. Es scheine, als ob Gott aus dem Blickfeld gedrängt werden solle. Wie anders lasse sich erklären, dass es bisher nicht gelungen sei, in die Verfassung Europas einen Bezug auf Gott aufzunehmen und das Christentum als Kraft zu nennen, die für die Gestaltung des Kontinents mit entscheidend gewesen sei. (wr)
Quelle: http://www.erzbistum-muenchen.de
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21.7.2003. Der bergische Protestant Johannes Rau ist ein Freund der Ökumene; man muss ihm abnehmen, dass er unter der fortdauernden Glaubensspaltung leidet. Als Bundespräsident hat "Bruder Johannes" in konfessionellen wie theologischen Fragen jedoch Neutralität zu wahren. Seine, sagen wir ruhig: plumpe öffentliche Intervention im Fall des vom Priesteramt suspendierten Theologieprofessor Gotthold Hasenhüttl spricht weder von staatsmännischer noch von ökumenischer Klugheit. Rau argumentiert nicht. Er ergreift Partei für die Fraktion der Ungeduldigen, die durch gezielte Regelverletzungen in der Eucharistiefrage ihre Kirche verändern wollen. Indirekt stellt er damit den Trierer Bischof Reinhard Marx an den Pranger, der Hasenhüttl wegen dessen umstrittener "offener Kommunion" während des Kirchentags von seinen priesterlichen Funktionen vorläufig entbunden hat. Marx ist kein wild gewordener "Fundamentalist"; er gehört eher zu den konzilianteren Oberhirten.
Er ist aber qua Amt verpflichtet, darauf zu achten, dass die Gemeinschaft der Priester mit den Bischöfen und dem Papst nicht aufgelöst wird. Hasenhüttl hat entgegen der Gründonnerstag-Enzyklika von Johannes Paul II. Nichtkatholiken die Kommunion ausgeteilt. In einer demonstrativen, medienwirksamen Form. Und er ist noch heute der Meinung, richtig gehandelt zu haben. Unvorsichtige Solidaritätsbekundungen, etwa von Seiten des deutschen Staatsoberhauptes, erschweren den Disput über die ohnehin schon schwierigen Fragen von Eucharistie- und Amtsverständnis. Pragmatismus der Ökumene-Politiker in Ehren, die theologischen Unterschiede werden sich nur durch das geduldige theologische Gespräch aufheben lassen. Gleichwohl werden - Kirchenrecht hin, Kirchenrecht her - die katholischen Hierarchen nicht umhinkommen, ermutigende Signale zu setzen. Denn auf Dauer ist es zu wenig, nur zu sagen, was nicht geht und was die getrennten Christen nicht dürfen. (Gernot Facius)
Aus: Die Welt, 21.7.2003
Quelle:
http://www.welt.de
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Saarbrücken, 21.7.2003 (KNA). Gotthold Hasenhüttl (69), vom Trierer Bischof Reinhard Marx suspendierter Priester, hat am Wochenende im Vatikan Beschwerde gegen diese Entscheidung eingelegt. Das sagte der Theologe am Montag der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) in Saarbrücken. Dies hat mit Blick auf die Suspension eine aufschiebende Wirkung.
Der Theologe kündigte an, er werde in Absprache mit dem Pfarrer seiner Gemeinde in Saarbrücken in dieser Woche keine "normalen Messen" feiern, um die Kirchgänger nicht zu verwirren. Er werde aber bereits zugesagte Gottesdienste wie eine Beerdigung wahrnehmen. Anschließend will der Geistliche in Urlaub fahren. In welchem Zeitraum der Vatikan über die Beschwerde entscheiden wird, ist offen.
Der Trierer Bischof Reinhard Marx hatte zuvor Hasenhüttls Beschwerde gegen die Amtsenthebung abgelehnt. Anlass der Suspension ist, dass der 69-Jährige bei einem Gottesdienst am Rande des Ökumenischen Kirchentags (ÖKT) in Berlin evangelische Christen zur Teilnahme an der Kommunion eingeladen hatte. Eine so genannte offene Kommunion ist in der katholischen Kirche verboten. Ein von Marx gesetztes Ultimatum mit der Aufforderung, sich von seinem Vorgehen zu distanzieren und solche Handlungen nicht zu wiederholen, wies Hasenhüttl in einem Schreiben an Marx zurück. Der Bischof sprach von einer schmerzlichen Entscheidung, die jedoch notwendig gewesen sei.
Quelle: http://www.kna.de
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Koblenz, 21.7.2003 (epd). Der deutsche Kurienkardinal Joseph Ratzinger hat die Suspendierung des Saarbrücker Theologieprofessors Gotthold Hasenhüttl gerechtfertigt. Die Kirche könne «nicht einfach tun, was sie will», sondern sei «an das Vermächtnis des Herrn gebunden», sagte Ratzinger der in Koblenz erscheinenden «Rhein-Zeitung» (Dienstagsausgabe). Der oberste vatikanische Glaubenshüter warf Hasenhüttl vor, nicht nur sein Verständnis des Abendmahls, sondern auch seine Gottesvorstellung sei nicht katholisch. ... weiter
Berlin, 21.7.2003 (epd). Bundespräsident Johannes Rau hat mit seinen Äußerungen über die Suspendierung des «Abendmahl-Priesters» Gotthold Hasenhüttl nicht das Regelwerk der katholischen Kirche kritisieren wollen. Er habe lediglich seiner Betroffenheit Ausdruck verliehen, dass die Abendmahlsfrage zu solchen menschlichen und rechtlichen Konsequenzen führe, sagte sein Sprecher Klaus Schrotthofer am Montag dem epd in Berlin. ... weiter
20.7.2003. Zu einem eindringlichen Appell für eine Fortführung der Ökumene in den fränkischen Gemeinden ist gestern der Kommentargottesdienst in der Lorenzkirche geworden. Sowohl der katholische Stadtdekan Theo Kellerer, wie auch sein evangelischer Amtskollege Michael Bammessel sprachen sich deutlich dafür aus, den gemeinsamen Weg weiterzugehen.
Mehr Gläubige als sonst waren zu dem Kommentargottesdienst in die evangelische Lorenzkirche gekommen, unter ihnen viele Katholiken. Schmerzhaft sei für sie, dass die Ökumene durch die Suspendierung der katholischen Geistlichen Bernhard Kroll aus Großhabersdorf und Gotthold Hasenhüttl aus Saarbrücken einer so harten Prüfung unterworfen wird, machten Gläubige beider Konfessionen deutlich. Wie mehrfach berichtet, haben sich Kroll und Hasenhüttl den Zorn der Amtskirche zugezogen, weil sie am Rande des ökumenischen Kirchentags in Berlin zusammen mit Protestanten das Abendmahl gefeiert hatten.
Sehr deutliche Worte fand der evangelische Stadtdekan Michael Bammessel: "Es gibt nur eine Kirche, das Problem ist nur, dass wir Menschen die Einheit nicht immer in vollen Zügen leben." Die Ökumene, auch die in Nürnberg und der Region, sei eine "naturnotwendige Entwicklung". Gemeinsame Trauungen, Bibelkreise, Gemeindefeste, aber auch der "Kanzeltausch, selbst wenn er vielleicht nicht ganz erlaubt ist", hätten in fränkischen Gemeinden ein "festes Netz" gesponnen, das jedoch durch die Ereignisse nach dem Kirchentag einem harten "Belastungstest" ausgesetzt sei.
"Das gemeinsame Abendmahl von Katholiken und Protestanten in Berlin war eigentlich nichts besonderes", betonte Bammessel. "Auch ich habe schon Hostien vor katholischen Altären empfangen und sie an Katholiken oder Ausgetretene verteilt." Es habe sich dabei um eine wichtige und tiefgehende, geistliche Erfahrung gehandelt. Und zwar gerade weil es im Verständnis des Abendmahls bei Katholiken und Protestanten Unterschiede gebe: "Wir müssen um die offenen Fragen miteinander ringen."
Unwort des Jahres
Während Bammessel den Ausdruck "verbotene Gottesdienstgemeinschaft"
gern zum "Unwort des Jahres 2003" erklären würde, weil er ein "Schlag ins
Gesicht" der Gläubigen sei, denen die Gemeinschaft wichtig ist, warb Theo
Kellerer um Verständnis für die "zögernde Haltung" der katholischen Kirche.
Das Abendmahl sei für sie das "Herzstück" des kirchlichen Lebens, der
"eigentliche Vollzug der Gemeinschaft", die Schwierigkeit der Öffnung für
Gläubige anderer Konfessionen deshalb vielleicht verständlich.
Kellerer wünscht sich, dass beide Kirchen bald zu einer "großen Offenheit" kommen. "Wir dürfen uns beim gemeinsamen Abendmahl nicht mit dem jetzigen Stand zufrieden geben", forderte er. Auch bei der Seelsorge, etwa beim letzten Abendmahl, sollten die beiden Kirchen stärker zusammenwirken.
Bammessel und Kellerer lobten die Erfolge der Ökumene in den fränkischen Gemeinden. "Wenn die Kirchen heute ernst genommen werden, dann deshalb, weil sie mit einer Stimme sprechen", sagte Kellerer. Der Kommentargottesdienst zeigte deutlich, dass Ökumene für viele Gläubige in der Region bereits etwas Selbstverständliches ist.
Sei es der Protestant, der mit einer Katholikin verheiratet ist und in einem katholischen Kirchenchor singt; sei es die Protestantin, die jahrelang sonntags in Langwasser ökumenische Gottesdienste besuchte: Bei vielen ist der Ärger über die katholische Amtskirche groß. Und die Unsicherheit ebenfalls. So fragte die Christin aus Langwasser besorgt, warum es seit einiger Zeit die ökumenischen Messen dort nicht mehr gebe. Beantworten konnten ihr dies weder Kellerer noch Bammessel. Dieser stellte abschließend fest, dass in der Kirche vieles geschehe, was nicht dem „Gesetz“ entspreche. „Aber nur so kann sich Kirche weiterentwickeln.“ (UTE MÖLLER)
Aus: Nürnberger Nachrichten, 20.7.2003
Quelle:
http://www.nn-online.de
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20.7.2003. Es gibt kein zurück auf dem Weg zur Ökumene. Darin waren sich gestern beim Lorenzer Kommentargottesdienst der Stadtdekan der evangelisch-lutherischen Kirche, Michael Bammessel, und der Stadtdekan der römisch-katholischen Kirche, Theo Kellerer, unisono einig. Als brandaktuelles Thema bezeichnete Heinrich Weniger, Pfarrer an St. Lorenz, einleitend die Einheit der Kirche. Ein Bestreben, an dem die beiden großen Kirchen und ihre Mitglieder arbeiten. Rund 150 Zuhörer besuchten den Kommentargottesdienst und beteiligten sich aktiv mit Fragen.
Stadtdekan Theo Kellerer warf einen Blick zurück. "Vor 400 Jahren fand das Religionsgespräch im Nürnberger Rathaussaal statt, das zur Spaltung der Kirchen führte. Vor 40 Jahren kam ich nach Nürnberg und musste auf Plakaten lesen: Nürnberg darf nicht katholisch werden. Heute bin ich in Sachen Ökumene mehr unterwegs, als für die katholische Kirche", merkte Kellerer an. Nach seiner Ansicht gebe es zwischen Katholiken und Lutheranern keine Fragen, die so heikel wären, dass man sie nicht ansprechen könnte. "Ich bin dankbar über diese Entwicklung zu meinem Bruder Bammessel, eine Entwicklung, die bereichert und beglückt", freute sich der katholische Dekan und fügte hinzu: "Gerade weil wir uns ins so vielen Punkten sehr nahe sind, schmerzt es, dass wir nicht gemeinsam an den Tisch des Herrn gehen können."
Kellerer bat um Verständnis für die zögernde Haltung der katholischen Kirche und sprach die Hoffnung zu größerer Offenheit aus. "Die Eucharistie ist im katholischen Glauben die intimste Feier. Sie ist das Herzstück der katholischen Kirche in der Vereinigung mit Christus. Kellerer wies auf vielfältige Gemeinsamkeiten hin, bei denen die evangelische und die katholische Kirche mit einer Zunge sprechen würden. Darüber hinaus feiere man gemeinsame Gottesdienste. "Die Zahl der konfessionsgemischten Familien zwingt uns, den eingeschlagenen Weg weiterzugehen", sagt er. In Nürnberg ist der Weg nicht in Gefahr. Er ist bereits zu tief und zu gefestigt."
Der evangelische Stadtdekan Bammessel bekräftigte: "Es gibt nur eine einzige Kirche und eine einzige Christenheit. Die Kirche ist wie ein Baum mit ausladender Krone, doch den Baum sieht man vor lauter Ästen nicht. Die Kirche ist ein einziger Körper, stellte schon Paulus in Korinth fest." Die Ökumenische Entwicklung sei so vital, an der Basis wie auch an der Spitze. Es ist ein dicht gewebtes Netz von geschwisterlicher Liebe und dieses Netz wird auch diese Belastungsprobe aushalten. Bammessel gab zu, auch schon die Hostie in einem katholischen Gottesdienst von dem Priester empfangen zu haben, ebenso wie ein katholischer Priester im evangelischen Gottesdienst Brot und Wein entgegengenommen hat. "Das Gemeinschaftliche der Ökumene hat die volle Kirchengemeinschaft noch nicht erreicht. Bammessel wunderte sich, wie die katholischen Bischöfe mit ihren Priestern umgehen. Ihn störe es, wenn man den beiden Priestern Kroll und Hasenhüttl beim ökumenischen Kirchentag in Berlin eine "verbotene Gottesdienstgemeinschaft" vorwerfe. Er könne sich diese Aussage als Unwort des Jahres 2003 vorstellen. (nic)
Aus: Nürnberger Zeitung, 20.7.2003
Quelle:
http://www.nz-online.de
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Berlin / Hannover, 20.7.2003 (epd). Die Initiatoren der beiden umstrittenen Abendmahlsgottesdienste während des Ökumenischen Kirchentages Ende Mai in Berlin haben das Vorgehen der katholischen Kirche gegen die beiden beteiligten Priester verurteilt. Die Suspendierung der Theologen Gotthold Hasenhüttl und Bernhard Kroll sei weder theologisch noch pastoral gerechtfertigt und füge dem Ansehen der katholischen Kirche schweren Schaden zu, erklärten die katholische Kirchenvolksbewegung "Wir sind Kirche", das ökumenische Netzwerk "Initiative Kirche von unten" und die Berliner evangelische Kirchengemeinde Prenzlauer Berg-Nord am Sonntag.
Der Pfarrer der evangelischen Gethsemanegemeinde, Christian Zeiske, verwahrte sich gegen den Vorwurf, die Abendmahlsgottesdienste hätten der Ökumene geschadet. Dazu trügen nicht die Gottesdienste, sondern die überzogenen Reaktionen von katholischer Seite bei. Auch werde durch das Verhalten der katholischen Bischöfe den evangelischen Partnern das Christsein abgesprochen, so der Pfarrer in der gemeinsamen Erklärung. (07649/20.7.03)
Quelle: http://www.epd.de
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19.7.2003. Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Karl Lehmann, hat die Kritik von Bundespräsident Johannes Rau an der katholischen Kirche in deutlicher Form zurückgewiesen. In einem Interview der Katholischen Nachrichtenagentur (KNA) wandte sich der Kardinal heute in Mainz auch gegen den Vorwurf des Fundamentalismus, der gegen die Kirche im Fall des Saarbrücker Theologen Gotthold Hasenhüttl erhoben worden war.
Im vorab bekannt gewordenen ZDF-Sommerinterview, das am Sonntag gesendet wird, kritisiert Rau die katholische Kirche wegen der Suspension Hasenhüttls in ungewöhnlicher Form. Lehmann sagte dazu, er und die übrigen deutschen Bischöfe hätten sich "sehr gewundert", wie scharf der Bundespräsident die katholische Kirche kritisiert. In Deutschland dürfe jeder Kritik üben, aber "in dieser Form gehört sie nicht zum Amt des Bundespräsidenten."
Quelle: http://www.radiovaticana.org
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Bonn, 19.7.2003. Bundespräsident Johannes Rau hat die Amtsenthebung des Saarbrücker Priesters Gotthold Hasenhüttl durch den katholischen Bischof von Trier, Reinhard Marx, kritisiert. Dass der 69-Jährige am Rande des Ökumenischen Kirchentages in Berlin auch an Protestanten die Kommunion erteilt habe, wertete Rau als Zeichen an die Jugend. "Parteien, Gewerkschaften, Kirchen und Verbände sind nicht abgeschottete Kasten", mahnte der Bundespräsident im Sommerinterview des ZDF.
24 Jahre nach der Abstrafung des Theologen Hans Küng und zwölf Jahre nach der Suspendierung des "sanften Rebellen" Eugen Drewermann vom Priesteramt ist mit Hasenhüttl ein weiterer Ökumeniker von einem bischöflichen Verdikt betroffen. Er darf vorläufig weder die Eucharistie feiern noch andere Amtshandlungen vollziehen. Außerdem wird ihm die kirchliche Lehrerlaubnis entzogen. "Die Supendierung ist kein endgültiger Akt. Ich hege weiter die Hoffnung, dass Professor Hasenhüttl einlenkt", sagt Marx.
Der Verlust der Venia Legendi trifft den aus Österreich stammenden in Saarbrücken lebenden Hasenhüttl nicht. Er ist als Professor für Systematische Theologie in Saarbrücken längst emeritiert. Schmerzlicher ist für ihn die Suspendierung vom Priesteramt: "Ich bin 44 Jahre Priester, und ich bin es gerne." Er wird härter bestraft als seinerzeit sein Tübinger Professorenkollege Küng, der gegen die päpstliche Unfehlbarkeit aufbegehrte. Küng verlor zwar 1979 seinen Lehrstuhl (der Staat musste dafür einen Ersatz schaffen), wurde aber als Priester nicht gemaßregelt. Die Causa Hasenhüttl ist mit dem Marx-Dekret freilich nicht beendet. Der Theologe aus Graz beantragte die Rücknahme der Entscheidung und will nun - nach Abweisung in Trier - Beschwerde beim Heiligen Stuhl einlegen. "Das Dekret ist eine ungerechte Beeinträchtigung der Ausübung meines Priesteramtes", moniert er.
Der Sozialethiker Marx gilt im Episkopat als zwar konservativer, aber umgänglicher, konzilianter Oberhirte. Er hatte den Saarbrücker Professor aufgefordert zu erklären: "Mein Verhalten bei der Eucharistiefeier, der ich am 29..Mai 2003 in der Berliner Gethsemane-Kirche vorstand und bei der es durch mich zu erheblichen Verstößen gegen das kirchliche Recht kam, bereue ich." Hasenhüttl lehnte eine solche Unterwerfung ab. Er bat am 12. Juli um ein Schlichtungsverfahren, was ihm verweigert wurde, und charakterisierte den Bischof öffentlich als "Hardliner". Dabei hatte er selbst kurz nach dem Vorgang von Berlin von einem Dilemma gesprochen, in dem sich die kirchliche Hierarchie befinde: "Tut sie nichts, wird sich jeder Priester auf diesen Präzedenzfall berufen können. Unternehmen sie etwas gegen mich, haben sie 88 Prozent der Katholiken gegen sich, die für die Mahlgemeinschaft sind."
Konnte Bischof Marx anders handeln, wo doch der Papst just vor dem Ökumenischen Kirchentag in einer Enzyklika eine gemeinsame Mahlfeier von Katholiken und Protestanten untersagte? Er hätte sich wahrscheinlich einen Rüffel aus Rom eingehandelt, wäre er über den Fall Hasenhüttl zur Tagesordnung übergegangen. Eine Enzyklika, meint der Gemaßregelte, sei für ihn "ein Diskussionsbeitrag des Papstes", mehr nicht.
"Eine Enzyklika steht nicht über dem Gewissen." Es gehe letztlich um "die Machtfrage", spitzt der Priester und Theologe, wie Küng und Kardinal Karl Lehmann ein Absolvent der berühmten Gregoriana in Rom, den Streit weiter zu. Hasenhüttl ist für die Aufhebung des Pflichtzölibats der Kleriker, er will, dass "nicht alles in unserer Kirche rückwärts geht". Frucht seiner Beschäftigung mit dem großen protestantischen Theologen Rudolf Bultmann ist sein Hauptwerk "Glaube ohne Mythos", ein 1600-Seiten-Buch. Er plädiert darin für eine "neue theologische Sicht". Kritiker werfen dem Professor vor, er wolle seine Kirche protestantisieren. (Gernot Facius)
Quelle: http://www.welt.de
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Trier, 19.7.2003. Strafen gegen kritische Theologen sind in der Katholischen Kirche nichts Ungewöhnliches. Nun hat es Gotthold Hasenhüttl getroffen. Der Professor will lieber auf sein Priesteramt verzichten, als seine Überzeugungen verleugnen. So viel öffentliche Aufmerksamkeit hat Gotthold Hasenhüttl in seinem langen Priesterleben noch nie erfahren. Das Telefon steht nicht mehr still, Journalisten geben sich in seiner Saarbrücker Wohnung die Klinke in die Hand. Der 69-jährige emeritierte Theologieprofessor gilt als Kirchenrebell, seit ihn der Trierer Bischof Reinhard Marx vom Priesteramt suspendiert und ihm die kirchliche Lehrerlaubnis entzogen hat.
"Rufen Sie bitte in fünf Minuten noch mal an", meldet sich eine liebenswürdige Stimme am anderen Ende der Leitung. Fünf Minuten später hat Hasenhüttl mehr Zeit. "Ich komme vor lauter Telefonaten nicht dazu, meine Beschwerde an den Vatikan zu schicken, um die Suspension rückgängig zu machen", sagt der Trierer Diözesanpriester und lacht. "Ich bin seit 44 Jahren Priester, und ich bin es gerne." Kurze Pause, dann wird er wieder ernst: "Diese Suspension trifft mich hart."
Blick zurück: Am 29. Mai feiert Hasenhüttl am Rande des Berliner Kirchentages in der Gethsemane-Kirche mit rund 2000 Gläubigen einen ökumenischen Gottesdienst mit "offener Kommunion". "Alle sind zur Kommunion eingeladen", ruft er ins Kirchenschiff. Für diesen Satz und die Spende der Kommunion an Protestanten muss er nun büßen. "Ich kann keine Schuld anerkennen und das Reuebekenntnis nicht unterschreiben. Ich würde all meine Überzeugungen lächerlich machen", sagt er. Am meisten quält den Geistlichen, dass für ein so geringes Vergehen die Höchststrafe, die Suspension von allen priesterlichen Aufgaben, verhängt wird. "Es geht um Macht", glaubt Hasenhüttl. "Bischof Marx will seine Macht demonstrieren."
Der Gegenspieler des Kirchenrebellen sitzt seit mehr als einem Jahr in Trier auf dem Bischofsstuhl. Der frühere Akademiedirektor und Paderborner Weihbischof Reinhard Marx ist ein Mann, für den Papsttreue und Gehorsam oberste Maximen sind. Der eloquente und sozialpolitisch versierte Oberhirte gilt Konservativen als ein Hoffnungsträger im deutschen Episkopat und wird als Nachfolger des Kölner Kardinals Joachim Meisner gehandelt. Meisner hat seinen 49-jährigen Mitbruder bereits belobigt: "Es ist seine bischöfliche Pflicht, die Einheit mit der Gesamtkirche zu wahren und jedem Missbrauch zu wehren." Auch das Zentralkomitee der Deutschen Katholiken steht hinter Marx. Präsident Hans-Joachim Meyer sieht die Schuld bei Hasenhüttl, der "durch Dialogverweigerung den Konflikt dramatisiert hat".
Den Gescholtenen ficht die Kritik nicht an. Er habe "nicht provozieren und nichts demonstrieren" wollen, verteidigt sich Hasenhüttl. Anfang der sechziger Jahren studierte er in Rom an der päpstlichen Eliteuniversität Gregoriana. Danach machte er sich als Professor in Saarbrücken einen Namen als liberaler Querdenker, für den Gewissensfreiheit wichtiger ist als blinder Gehorsam. Dass Hasenhüttls protestantisch angehauchte Theologie nicht zur Lieblingslektüre des erzkonservativen Trierer Bischofs zählt, ist bekannt. Auch dass ihr beider Kirchenbild unterschiedlicher nicht sein könnte. Doch richtig übel nimmt Marx Hasenhüttls vermeintliche Provokation. So spricht der Theologe in seiner Antwort auf das bischöfliche Ultimatum von "inquisitorischen Maßnahmen" und einer "exzessiven" Reaktion. Er bereue nichts und würde alles wieder tun.
Dieser Ungehorsam hat das Fass zum Überlaufen gebracht. Marx zürnt: "Alle Welt hat das Verbot der gemeinsamen Kommunion des Papstes verstanden, nur Herr Hasenhüttl nicht." Der verharre im Ungehorsam. Die Beschwerde Hasenhüttls lehnt Marx am Freitag als grundlos ab. Augusta Treverorum locuta, causa finita - Trier hat gesprochen, die Sache ist erledigt.
Nicht für Gotthold Hasenhüttl. Er will um sein Priesteramt kämpfen und notfalls bis zum Papst gehen. Am Verhalten des Bischofs missbilligt er vor allem, dass dieser "überhaupt nicht mit mir sprechen wollte": Am 2. Juli sei ihm das bischöfliche Ultimatum zugestellt worden, das er bis zum 16. Juli beantworten sollte: "Ich habe das Gespräch gesucht, aber der Bischof war unzugänglich." Am 11. Juli wurde er doch für 35 Minuten ins bischöfliche Palais vorgelassen. "Nach drei Minuten war klar: Bischof Marx bleibt hart. Er verlangt Gehorsam."
Anfang Juni hatte bereits der Eichstätter Bischof Walter Mixa den 41-jährigen Pfarrer Bernhard Kroll beurlaubt und ins Kloster verbannt. Kroll und Hasenhüttl haben aus Sicht der Bischöfe mit der "verbotenen Gottesdienstgemeinschaft" auf dem Kirchentag gegen das Kirchenrecht verstoßen. Für die katholischen Reformgruppen "Initiative Kirche von unten" und "Wir sind Kirche" ist Hasenhüttls Suspension "maßlos überzogen". Sprecher Thomas Wystrach glaubt, dass "ein Exempel statuiert wird, weil die Kirchenoberen Sündenböcke suchen". Rückendeckung bekommt Hasenhüttl von prominenten Katholiken und Protestanten. Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, der Mainzer Kardinal Karl Lehmann, sieht den Fall "kirchenrechtlich an der unteren Schwelle angesiedelt".
Bundespräsident Johannes Rau findet die Suspendierung ganz "schrecklich". Als evangelischer Christ könne er die Maßregelung eines Priesters nicht verstehen. Nach Ansicht des Tübinger Kirchenrechtlers Richard Puza hätte Hasenhüttl nachgeben sollen. Kirchenrechtlich könne man dem Bischof keinen Vorwurf machen: "Dennoch finde ich die kirchliche Reaktion überzogen."
Der Tübinger Kirchenkritiker Hans Küng, dem 1979 selbst die Lehrerlaubnis entzogen wurde, ruft die Priester des Bistums Trier zum Widerstand gegen ihren Bischof auf. Hasenhüttl habe getan, was in vielen Gemeinden üblich sei. Der emeritierte Theologieprofessor Norbert Greinacher aus Tübingen, "seit 30 Jahren mit Hasenhüttl befreundet", bezeichnet die Strafe sogar "theologisch absurd". "Wenn man mich gefragt hätte, ich hätte es genauso gemacht." Zumindest finanziell muss sich Ruheständler Gotthold Hasenhüttl keine Sorgen machen. Seine Pension zahlt der Staat. (MARKUS BRAUER)
Aus: Stuttgarter Nachrichten, 19.7.2003
Quelle:
http://www.stuttgarter-nachrichten.de
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DA, 19.7.2003. Wenn man Marx heißt und aus Trier stammt, hat man wohl einen Hang zum Dogma. Denn es ist unklar, was der Priester und emeritierte Professor für systematische Theologie Gotthold Hasenhüttl (69) auf dem Kirchentag in Berlin falsch gemacht haben soll: Er hat nach einer katholischen Messe in einer allerdings protestantischen Kirche die Eucharistie an Christen ausgeteilt; ein Skandal wäre es, wenn er sie Protestanten verweigert hätte - was fern von Rom im ökumenischen Miteinander längst nicht mehr geschieht.
Insofern lag Hasenhüttl kirchenrechtlich weit weniger falsch als der Priester Bernhard Kroll, der in Berlin zusammen mit einem Lutheraner das Abendmahl zelebrierte und dabei deutlich gegen das römische Verbot der Kultvermischung verstieß. Seine Suspendierung war zu erwarten, während die meisten Theologen in Berlin davon ausgingen, dass dieses Verbot, Messen zu zelebrieren, Hasenhüttl erspart bleibe. Ist es aber nicht; Bischof Reinhard Marx sieht "erhebliche Verstöße gegen das kirchliche Recht" und fordert Reue.
Hasenhüttl tat plakativ, was längst üblich ist. Dies zu bestrafen, ist bigott. Im Übrigen hat er, geprägt vom Zweiten Vatikanischen Konzil, das er als Student in Rom miterlebte, ein Kernproblem mit Marx Forderung: Er bereut einfach nicht - und darf nicht lügen.
Aus: Südwest-Presse, 19.7.2003
Quelle:
http://www.suedwest-aktiv.de
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LÜDENSCHEID, 19.7.2003. "Es wäre gut gewesen, wenn man aus dem ganzen kein Drama gemacht hätte." Unaufgeregt bewertet Dechant Johannes Broxtermann die Reaktionen seiner katholischen Kirche auf die gemeinsame Abendmahlsfeier der Konfessionen während des evangelischen Kirchentages in Berlin. Priester Gotthold Hasenhüttl, der die Eucharistie-Feier zelebriert hatte, ist jetzt im Nachhinein suspendiert worden. Er verliert seine Lehrerlaubnis und ist von seinen priesterlichen Befugnissen entbunden.
Hasenhüttl ist für Broxtermann kein Unbekannter. Als junger Student habe er den Schüler des Kirchenkritikers Küng Anfang der 70er Jahre in Tübingen als Dozenten kennengelernt, erinnert sich der Lüdenscheider. Und er weiß, dass in ihm wohl ein passender Kandidat für ein Exempel gefunden worden ist: "Hasenhüttl wurde demonstrativ auf die Rampe gejagt. Man guckt auch: 'Mit wem kann ich das machen'."
Mit dem jetzt Suspendierten treffe es aber auch jemanden, der seine Karriere hinter sich habe, jemanden, der nicht naiv sei und genau wisse, was er tue. Broxtermann: "Traurig bin ich, dass das nur wieder disziplinär gelöst wird und nicht im Dialog." Vor Ort, so weiß der Geistliche, kenne man die jetzt so kritisierte Praxis "auf kleiner Flamme" längst: "Aber hier werden natürlich auch nicht alle Scheinwerfer darauf gerichtet."
Dass das Thema in den evangelischen Gemeinden intensiv diskutiert wird, hat auch Superintendent Klaus Majoress erfahren. Vor allem über die dienstlichen Konsequenzen regten sich die Leute auf: "Das wird in der evangelischen Bevölkerung schon sehr erschrocken wahrgenommen." Das ökumenische Miteinander in den Gemeinden sehe er durch solche Ereignisse aber nicht gefährdet: "Wir müssen gemeinsame Wege in der Verantwortung gehen."
Natürlich gebe es deutlich Trennendes in den theologischen Positionen. Werde das infrage gestellt, "gibt es immer Menschen, die Angst haben, das eigene Konfessionsprofil zu verlieren". Auch er habe sich Kritik anhören müssen wegen seiner Teilnahme an der Lüdenscheider Fronleichnamsprozession, so Majoress. Grundlage eines funktionierenden Miteinanders sei jedoch "die gegenseitige Wertschätzung der Position der anderen".
"Wenn jemand das zentrale Sakrament der Kirche - die Eucharistiefeier - für eine Provokation nutzt, kann man die Entscheidung des Bischofs schon nachvollziehen", sagt Uwe von Schirp, Öffentlichkeitsreferent des katholischen Gemeindeverbandes. Doch solchen plakativen Ereignissen stehe die Realität in den Gemeinden gegenüber: "Der persönliche Glaube ist oft viel weiter, der Prozess der Annäherung der Konfessionen auch." (Susanne Kornau)
Aus: Lüdenscheider Nachrichten, 19.7.2003
Quelle:
http://www.come-on.de
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DT, 19.7.2003. Bischof Marx löffelt nun die Suppe aus. Kaum jemand wird dem Oberhirten von Trier einen Vorwurf machen, im Fall Hasenhüttl so gehandelt zu haben, wie er nun gehandelt hat. Selbst der Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken, Hans-Joachim Meyer, dem kaum ein liebedienerisches Verhältnis zur katholischen Hierarchie nachgesagt werden kann, zeigte Verständnis: Er bedauerte den Konflikt, den Hasenhüttl durch Dialogverweigerung dramatisiert habe. Und Marx nannte er einen dialogoffenen Bischof, der kein "Hardliner" sei.
Tatsächlich: Marx ist kein "Hardliner". Der Verlauf der Ereignisse ließ ihm keine Wahl. Die Wahl hätten andere gehabt, die seit zwanzig, dreißig Jahren vom Schreibtisch oder Lehrstuhl aus solche Provokationen wie die Hasenhüttls vorbereitet haben - oder dies auch hätten lassen können. Aber mangelndes Augenmaß und ökumenische Ungeduld waren wohl jeweils stärker. So schrieb Walter Kasper im Jahr 1970 - damals war der Kardinal und Präsident des päpstlichen Einheitsrats noch Theologieprofessor in Münster - zu ökumenischen Gottesdiensten mit Kommunionempfang von Katholiken und Protestanten:
"Die eigentliche Irregularität sind nicht solche offenen Kommunionfeiern, sondern die Spaltung und gegenseitige Exkommunikation der Kirchen. Die nicht positiv genug zu würdigende Funktion einzelner Gruppen, welche hier vorpreschen, ist es, dass sie den Kirchen den Skandal ihrer Trennung im Sakrament der Einheit immer wieder vor Augen führen und dafür sorgen, dass wir uns nicht bequem mit dem Status quo abfinden. Deshalb können einzelne gemeinsame Eucharistiefeiern, wenn sie in christlicher Verantwortung begangen werden, ein Zeichen der Hoffnung sein, dass die trennenden Gräben aus der Vergangenheit durch gemeinsame Anstrengung überwunden werden können, indem sich alle im Glauben an den einen Herrn um den einen Tisch versammeln, um das eine Brot zu teilen und sich zu einem Leib verbinden zu lassen" (in: Christen wollen das eine Abendmahl, hg. von Publik, Mainz 1971, S. 40-50).
Was der Theologe Walter Kasper damals als "nicht positiv genug zu würdigen" und als "Zeichen der Hoffnung" pries, muss der Bischof Reinhard Marx heute mit einer Suspendierung ahnden. Da hat sich die Kirche wieder einmal ins Bein geschossen. Und interessant ist es zu sehen, wie eine theologische Elite schon seit Jahren an der Aufweichung des katholischen Kirchenbildes arbeitet - und dabei von höchster Seite stets Förderung und persönliche Unterstützung erfuhr. (Guido Horst)
Aus: Die Tagespost, 19.7.2003
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http://www.die-tagespost.de
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FR, 19.7.2003. So kann das ja nichts werden mit der Ökumene. Wenn katholische und evangelische Würdenträger einander das Wasser reichen dürfen - so geschehen in der eindrucksvollen Schlusszeremonie des Berliner Kirchentags -, aber niemals das Brot. Wenn Dienstrecht und Disziplin allemal schwerer wiegen als die verbreitete Sehnsucht nach Verständigung über Konfessionsgrenzen hinweg. Wenn mit aller Härte abgestraft wird, wer es ernst meint mit dem Unternehmen Ökumene.
Gotthold Hasenhüttl, der Theologieprofessor aus Saarbrücken, und Bernhard Kroll, der zuvor suspendierte Pfarrer aus Eichstätt, haben doch nur konsequent mit Leben erfüllt, wofür im Mai Hunderttausende nach Berlin gereist waren: die Gemeinschaft der Christen. Und die wollen beileibe nicht nur Protestanten auch beim Abendmahl, in der Eucharistie erfahren. Wie es in Wirklichkeit an jedem Sonntag geschieht, in evangelischen und katholischen Gemeinden, wie der Papst selbst es praktiziert hat, an Tony Blair etwa.
Das Vergehen Hasenhüttls und Krolls besteht darin, dass sie die Hostie nicht still und heimlich an die "Falschen" ausgeteilt oder von "Unberufenen" empfangen haben. Sie wollten provozieren, weil mitunter Anstoß erregen muss, wer eine Entwicklung anstoßen will. Dies ist ihnen gelungen. Ihre Hierarchen haben sich zu einer Strenge provozieren lassen, die vom Bundespräsidenten bis zur bloßen Kirchensteuerzahlerin kein Protestant begreifen mag, und etliche Katholiken ebenso wenig. Eine Botschaft indes erschließt sich leichter: Eine Ökumene allein nach katholischem Maß lohnt die Mühe nicht. (Astrid Hölscher)
Aus: Frankfurter Rundschau, 19.7.2003
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Worms, 19.07.2003. Die katholischen Geistlichen in Worms sind sich einig: Dem Pfarrer Gotthold Hasenhüttl ist Recht geschehen. Der Saarbrücker Theologieprofessor wurde suspendiert nach einer Abendmahlsfeier mit Protestanten auf dem ökumenischen Kirchentag in Berlin, zudem entzog ihm der Trierer Bischof Reinhard Marx die kirchliche Lehrerlaubnis.
Maximilian Wagner, Pfarrer an St. Peter, ist nie um klare Worte verlegen, so auch hier: "Ich habe bei meiner Weihe meinem Bischof kniend Gehorsam versprochen, dann tue ich das auch". Ein Vorgehen wie das Hasenhüttls diene nicht der Ökumene. "Es ist eine Frage der Redlichkeit, sich an die Richtlinien zu halten, die in der katholischen Kirche gelten", so Wagner.
Pater Josef kleine Bornhorst, Prior des Dominikanerklosters, stellt die Frage, ob ein Weg, wie ihn Hasenhüttl gewählt hat, weiterführt. "Ein solches Vorgehen dient der Sache nicht, die Sache der Ökumene ist eine wichtige Sache", so der Prior. Auch bei ihm seien sicher evangelische Christen im Gottesdienst, hier gewähre man selbstverständlich Gastfreundschaft.
Bardo Stumpf von St. Amandus äußert sich eindeutig: "Hasenhüttl muss sich fragen, ob er Mitglied der katholische Kirche ist oder nicht", ein katholischer Priester unterstehe seinem Bischof. Der Weg hin zur Ökumene sei wichtig, aber man dürfe nicht den zweiten vor dem ersten Schritt tun.
Pfarrer Gottfried Marek, Seelsorger in St. Bonifatius, bezeichnete das Vorgehen des Inkriminierten als "etwas fanatisch", er lehne ein solches Gebaren für sich ab, die theologischen Unterscheide zwischen den Konfessionen seien zu groß. "Ökumene müssen wir nicht über die Eucharistie erreichen, sondern über das Gebet".
"Ich lehne für mich ein solches Vorgehen ab, weil es von unserer Kirche aus bestimmte Vereinbarungen gibt", sagte Dompropst Engelbert Prieß. Zum aktuellen Fall Hasenhüttl wollte sich der Geistliche nicht äußern. Er sei nicht genau darüber informiert, was geschehen sei. "Vor einer Aussage muss man genau hinschauen", so Prieß. (Susanne Müller)
Aus: Wormser Zeitung, 19.7.2003
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"Gemeinsames Abendmahl - warum denn nicht?"
BZ-UMFRAGE zur Kommunion von Katholiken und Protestanten
Viele Bonndorfer wünschen sich Veränderung
BONNDORF, 19.7.2003. Die Suspendierung der katholischen Pfarrer Hasenhüttl und Kroll bewegt auch in Bonndorf die Gemüter. Die Priester hatten während des ökumenischen Kirchentages in Berlin ein gemeinsames Abendmahl für Katholiken und Protestanten veranstaltet. Die BZ sprach mit den Bonndorfer Pfarrern und Christen über mögliche Veränderungen.
Thomas Jammerthal, evangelischer Pfarrer aus Bonndorf, erlebt tagtäglich das Unverständnis für die Kirchengesetze unter den Gläubigen. "Wir haben viele konfessionsverschiedene Ehen, und viele Gemeindemitglieder haben das Verlangen nach einer gemeinsamen Kommunion", erzählt Jammerthal. Er persönlich hält die strikte Trennung nicht für zeitgemäß und ist sich sicher, dass sie nicht "im Sinne Jesu" ist. "Jesus lädt alle getauften Christen zum Abendmahl", betont er. Die Unterschiede der Christen entstünden erst durch die Kirchenordnung. So beispielsweise die Amtsfrage: die katholischen Geistlichen sehen die evangelischen Pfarrer nicht als Priester in ihrem Sinne. "All diese Verschiedenheiten müssen immer wieder anhand der Bibel überprüft werden", so Jammerthal. Wie viele protestantische Pfarrer empfindet er eine Einheit zwischen den Konfessionen - auch im Abendmahl - als richtig. "Viele Kirchenmitglieder handhaben das schon lange so", weiß der Pfarrer.
Auch der katholische Pfarrer aus Bonndorf, Eckart Kopp, spürt das Verlangen nach einem gemeinsamen Abendmahl in seiner Gemeinde. "Ich fühle mich hin und hergerissen", gibt er zu. Einerseits könne er das Bedürfnis der Gläubigen gut verstehen und hält dieses auch für gerechtfertigt, andererseits weiß er auch, dass sich die Kirchen in vielen Fragen noch nicht einig sind. "Dazu gehört auch die Amtsfrage", sagt Kopp. In seiner Gemeinde habe er jedoch noch keine negativen Stimmen bezüglich eines gemeinsamen Abendmahls gehört. "Trotzdem ist es ein schwieriges und sensibles Thema", weiß Kopp.
"Ich kann die Argumente von Papst Johannes Paul verstehen", sagt Christine Keller. Noch hätten die Christen ein verschiedenes Verständnis von der Kommunion. Während die Evangelischen das Abendmahl als Erinnerung sehen, glauben die Katholiken daran, dass Jesu Leib in der Hostie gegenwärtig wird. "Trotzdem finde ich die Trennung bedauerlich. Gerade mit Blick auf die Konflikte in Irland sollte man doch ein Zusammenleben anstreben", sagt die Bonndorferin.
"Ich bin ein guter Christ und deshalb bin ich für das gemeinsame Abendmahl", sagt eine Rentnerin aus Bonndorf. Sie gehe regelmäßig in die Kirche, freue sich aber besonders über die ökumenischen Gottesdienste. "Wenn die Einheit der Gemeinden junge Leute in die Kirche lockt, ist dies das Beste, was der Kirche passieren kann!". Hans-Jörg Maier aus Bad Krozingen würde das gemeinsame Abendmahl ebenfalls begrüßen. "Vielleicht durchblicke ich die Vielschichtigkeit des Glaubens jedoch nicht. Es ist gut, dass die Entscheidung bei den hohen Geistlichen liegt", überlegt er. "Momentan scheint die Kirche noch nicht reif zu sein."
Ein Rentner aus Berlin, zur Zeit im Schwarzwaldurlaub, ist noch pessimistischer: "Das gemeinsame Abendmahl wird es nie geben!" Er erzählt, dass er als Evangelischer mit seiner katholischen Frau das Abendmahl feiert - in der katholischen Kirche. "Mit dem Pfarrer gab es nie Probleme, aber die Gemeindemitgliedern lassen manchmal böse Kommentare fallen." Jochen Schäuble, Familienvater aus Bonndorf, hat sich als Evangelischer ebenfalls in eine katholische Familie eingeheiratet. "Ich bin zwar nicht oft in der Kirche, aber wenn, dann gehen wir gemeinsam. Das war nie ein Problem." (Bianca Fritz)
Aus: Badische Zeitung, 19.7.2003
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http://www.badische-zeitung.de
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TRIER, 19.7.2003 (mic/red). Einen Tag nach der Amtsenthebung des Saarbrücker Priesters Gotthold Hasenhüttl hält die Diskussion über die Entscheidung des Trierer Bischofs Reinhard Marx an. Selbst Bundespräsident Rau hat sich zu Wort gemeldet und Partei für Hasenhüttl ergriffen. "Mehr Unterstützung kann man gar nicht bekommen." Gotthold Hasenhüttl war am Freitag sichtlich bewegt, als sich Johannes Rau, der erste Mann im Staat, auf seine Seite schlug. In einem ZDF-Interview sagte der Bundespräsident: "Der ökumenische Kirchentag war gerade von den jungen Leuten her ein Zeichen dafür, dass sich Institutionen verändern. Um so schrecklicher ist für mich die Maßregelung eines Priesters, die ich als evangelischer Christ nicht verstehen kann, ohne da der katholischen Kirche ins Wort fallen zu wollen."
"Vielleicht wird das ja auch in Rom gehört", freute sich Hasenhüttl über die Rückendeckung. Am Freitag ging die Beschwerde des 69-jährigen Saarbrücker Priesters an den Vatikan raus. Der Heilige Stuhl muss nun entscheiden, ob die Amtsenthebung rechtmäßig war. Hasenhüttl war am Donnerstag vom Trierer Bischof Reinhard Marx suspendiert worden, weil er bei einem Gottesdienst in Berlin auch an Protestanten die Kommunion ausgeteilt hatte.
Zustimmung erntete Triers Bischof vom Kölner Kardinal Joachim Meisner. Marx habe keine andere Wahl gehabt, als den Priester zu suspendieren: "Mit dem Gottesdienst in der Gethsemane-Kirche hat Professor Hasenhüttl bewusst und provozierend die kirchliche Ordnung verletzt, den ökumenischen Bemühungen in Deutschland geschadet und das auf dem Weg zur Einheit bereits Erreichte gefährdet." Der Mainzer Kardinal Karl Lehmann hatte unmittelbar nach dem Kirchentag Anfang Juni gesagt, der Vorfall sei "kirchenrechtlich an der unteren Schwelle angesiedelt". Möglicherweise werde es bei einer Ermahnung bleiben. Später tadelte Lehmann den Regelverstoß Hasenhüttls jedoch und bezeichnete dessen Erklärungsversuche als "haarsträubende theologische Klimmzüge". Die Sanktionen seien gerechtfertigt.
Die TV-Leser sind gespaltener Meinung, wie Dutzende von E-Mails, Faxen und Anrufen in der Redaktion zeigen. Einige stärken Bischof Marx den Rücken, andere fühlen sich angesichts seiner Reaktion an das Mittelalter erinnert.
Aus: Trierischer Volksfreund, 19.7.2003
Quelle:
http://www.intrinet.de
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(under construction)
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taz, 18.7.2003. Gotthold Hasenhüttl muss - gottlob - nicht auf den Scheiterhaufen. Die Heilige Inquisition schuf das Autodafé für Abweichler schon im 18. Jahrhundert ab. Der emeritierte Theologieprofessor und katholische Priester aus Saarbrücken wurde gestern lediglich suspendiert - für seinen "eklatanten Verstoß gegen geltendes Kirchenrecht", so der Stellvertreter des Papstes im deutschen Bistum Trier, Weihbischof Reinhard Marx.
Inwieweit die seelsorgerische Tätigkeit des 69-Jährigen dadurch genau eingeschränkt wird, hat Marx allerdings noch nicht festgelegt. Hasenhüttl hatte es am 29. Mai auf dem Ökumenischen Kirchentag in Berlin gewagt, gemeinsam mit ketzerischen Protestanten die heilige Kommunion zu feiern. Für Bischof Marx, der in seiner Diözese bislang auch von Laien als liberal apostrophiert wurde, war die ökumenische Eucharistiefeier eine "verbotene Gottesdienstgemeinschaft". Hasenhüttl wurde nach Trier einbestellt und sollte eine vorbereitete Erklärung unterzeichnen: Verzicht auf zukünftige Eskapaden und Reue wegen des unerlaubten Abendmahls.
Der ehemalige Hochschullehrer an der Universität des Saarlandes kroch vor Marx nicht zu Kreuze. Man trennte sich im Unfrieden. Bis zum 16. Juli habe Hasenhüttl Zeit, sein Verhalten "zu bereuen", gab Marx bekannt. Doch der setzte vorher noch brieflich einen drauf. Inquisitorische Maßnahmen hätten dem Ansehen der Kirche immer geschadet, schrieb Hasenhüttl am Dienstag. "Die ultimative Forderung nach bedingungsloser Reue und blindem Gehorsam entspricht in keiner Weise dem, wofür ich in meinem Leben als Priester und Theologe gearbeitet und gekämpft habe."
Er jedenfalls bleibe bei seiner Auffassung, wonach die Liebe, die auch den Gegner einschließe, das "höchste Gebot der Botschaft Jesu" sei. Dieses Gebot verletze Marx, weil er die "Menschensatzung" - also das Kirchenrecht - vorziehe. "Wenn Gleichschaltung und nicht Einheit in Vielfalt Ihre Vorstellung von der Ausübung Ihres Hirtenamtes ist, werden Sie mich wohl als verlorenes Schaf betrachten müssen, dem Sie Ihre Obhut nicht mehr angedeihen lassen werden." Marx reagierte umgehend. Mit der Suspendierung bleibt "das Schaf" wohl jetzt verloren - für die Amtskirche.
Ruhe gibt Hasenhüttl allerdings so schnell nicht. Eine Beschwerde gegen die verhängte Suspendierung hat er bereits angekündigt. Vor einer Entscheidung des Vatikans denkt der Priester nicht daran, sein Amt als Seelsorger ruhen zu lassen. Marx werde es ohnehin schwer fallen, ihn endgültig zu disziplinieren, sagte Hasenhüttl schon im Juni. Er lebe zwar in Saarbrücken, sei aber eigentlich Priester im österreichischen Graz. Das kompliziere die Sache.
Außerdem habe er in Berlin nicht mit einem evangelischen Pfarrer "konzelebriert", sondern einen katholischen Gottesdienst mit "offener Kommunion" abgehalten. Dabei beruft sich Hasenhüttl auch auf den Papst, der in seiner Enzyklika "Ecclesia de Eucharista" erklärt habe, dass es "in besonderen Fällen und für das Heil einzelner Christen" geboten sein könne, die Kommunion auszuteilen, auch wenn diese Christen nicht der katholischen Kirche angehörten. Ist jetzt Bischof Marx der Angeschmierte? Johannes Paul wird darüber zu entscheiden haben. (KLAUS-PETER KLINGELSCHMITT)
Aus: taz, 18.7.2003
Quelle:
http://www.taz.de
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taz, 18.7.2003. Alt ist der Streit und schwer zu lösen allemal: Wie weit muss sich die Kirche an den Zeitgeist anpassen? Wo muss sie, um den Kern ihrer Botschaft willen, gegen Moden und Zeiten stehen? Und wie ist es zu trennen: das Zeitlose und das Veränderbare? Die Bischöfe Mixa und Marx haben sich entschieden: Wenn ein Priester die katholische Eucharistie an Nichtkatholiken austeilt oder am evangelischen Abendmahl teilnimmt, trifft das nach ihrer Ansicht den Kern ihrer päpstlichen Kirche - die Priester, Bernhard Kroll und Gotthold Hasenhüttl, werden suspendiert. So hat der ökumenische Kirchentag, der mit so viel Sympathie für die Christen in Berlin gefeiert wurde, sein übles Nachspiel.
Das ist traurig und ärgerlich, da die Oberhirten mal wieder einreißen, was die Laien in der Hauptstadt zuvor aufbauten. Die Suspendierungen demonstrieren, wie wenig Kontakt die Bischöfe noch zu ihrer Basis haben. In Pfarrer Krolls mittelfränkischen Heimat herrscht offener Widerstand gegen Mixa, sonst nur verständnisloses Kopfschütteln über die Kirchenleitung: Wir leben übrigens im 21. Jahrhundert, da Christen aller Konfessionen nur noch eine Minderheit sind, nicht mehr im 16. Jahrhundert der Kirchenspaltung, als Luther ein Teufelsknecht und der Papst die Hure Babylon war.
Aber das schert diese Bischöfe nicht. Für sie bleiben Protestanten offenbar Ketzer, ihr Abendmahl ein besseres Picknick. Oder geht es den Mitraträgern aus der deutschen Provinz bloß darum, päpstlicher zu sein, als der selbst ist, um sich so als Hardliner zu profilieren? Die Suspendierungen zeigen, wo wir nach 25 Jahren Karol Wojtyla angekommen sind: konservative Speichellecker allerorten.
Dabei zeigen Beispiele, dass es auch anders geht: Bischof Lehmann etwa stieg zum Kardinal auf, obwohl er sich Roms Direktiven zur deutschen Konfliktberatung für Schwangere widersetzte und sich so im Vatikan nur wenig Freunde machte. Vor allem aber vermochte er zu unterscheiden, was den Kern der christlichen Botschaft betrifft und was dem Zeitgeist geopfert werden darf. Nicht für alle Bischöfe und Kardinäle muss man sich nur noch schämen. (PHILIPP GESSLER)
Aus: taz, 18.7.2003
Quelle:
http://www.taz.de
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Trier-Graz, 18.7.2003 (www.kath.net). Die Aufregung um den suspendierten Priester Gotthold Hasenhüttl geht weiter. In einem ORF-Interview kritisiert Hasenhüttl jetzt den Grazer Bischof Egon Kapellari, der laut Angaben von Bischof Reinhard Marx die Einverständnis zur Suspendierung gegeben hat. In der Erklärung vom Donnerstag heißt es wörtlich: "Dies geschieht nach Rücksprache mit Herrn Bischof Dr. Egon Kapellari, dem Bischof von Graz-Seckau und Herrn Kardinal Georg Sterzinsky, Berlin." Laut ORF meint Hasenhüttl jetzt: "Er muß ganz klar die Zustimmung gegeben haben. Er hat mich zum Beispiel auch nie angerufen. Der Bischof Weber hätte mich sicher angerufen und gesagt: 'Du sag einmal, was ist denn da los, kannst Du mir das erklären, was kann man denn da machen.'"
Der Initiativkreis Katholischer Laien und Priester in der Diözese Trier (IK) hat am Freitag die Entscheidung von Bischof Reinhard Marx, den emeritierten Theologieprofessor und Priester Gotthold Hasenhüttl zu suspendieren und ihm die kirchliche Lehrerlaubnis zu entziehen, begrüßt. In einer Aussendung erinnerte der Vorsitzende des IK, dass Hasenhüttl das Herzstück des katholischen Glaubens, die hl. Eucharistie, als "kirchenpolitisches Kampfmittel" am Rande des ökumenischen Kirchentages verwendet hat. "Seit Jahren weisen namhafte Theologen wie Prof. Dr. Klaus Berger darauf hin, dass Hasenhüttl mit seiner Theologie längst den Boden der kirchlichen Lehre verlassen hat. Wo gibt es denn eine Zeitungs- oder Fernsehredaktion, eine Firma, Gewerkschaft oder politische Partei, in der ein Mitglied permanent gegen Ziel und Geist des Unternehmens verstoßen kann, ohne gefeuert zu werden?"
Wörtlich heißt es in der Aussendung weiters: "Dass Hasenhüttl in einem Interview mit "Spiegel online" davon spricht, dass der Auftrag Christi erfüllt werden müsse, der mit Sündern gespeist hat, muss geradezu als Hohn empfunden werden. Weiß doch der Theologe und Priester Hasenhüttl sehr wohl, dass Christus mit Sündern speiste, um diese zu bekehren und nicht um ihre Verkehrtheiten zu sanktionieren. Dass der "unfehlbare" Emeritus Hans Küng ihm hier sekundiert, zeigt die Verwirrung mancher Theologen."
Der IK bedankte sich bei Bischof Reinhard Marx für die "klare und konsequente Haltung" und betonte, dass sich der Bischof sich des Rückhalts bei zahllosen Gläubigen im ganzen deutschen Sprachraum sicher sein kann.
Quelle: http://www.kath.net
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Deutschland-Radio, 17.7.2003. Der Bischof von Trier hat die Muskeln spielen lassen und Gotthold Hasenhüttl abgestraft. Nun hat die volle Wucht der Sanktionen - so will man uns nun glauben machen - den renitenten Professor getroffen: Entzug der Lehrbefugnis an der Philosophischen Fakultät (Fachrichtung Katholische Theologie) der Universität des Saarlandes sowie das Verbot, weiterhin seelsorgliche Funktionen im Bistum Trier auszuüben. Beide, der Bischof, wie der Gemaßregelte sitzen zwischen den Stühlen, wobei der Professor offensichtlich sehr viel bequemer sitzt als der Bischof. ... weiter
MD Juli 2003. Ökumenischer Kirchentag (ÖKT) in Berlin (28.5.-1.6.2003): "Ein Meilenstein in der bewegten Geschichte unserer Kirche", wie Präses Manfred Kock beim Schlußgottesdienst vor dem Reichstagsgebäude verkündigte? Oder: "Kein ökumenischer Meilenstein", wie die FAZ am 2.6.03 auf S. 1 meinte kritisch feststellen zu können? Beide unmittelbaren Resümees zu diesen ökumenischen Ereignis sprechen aus ihrer jeweiligen Perspektive Zutreffendes aus. ... weiter
Nürnberg, 8.7.2003. In der katholischen Kirche gärt es. Nach umstrittenen Personalentscheidungen in den Bistümern Regensburg und Eichstätt wächst an der Basis die Befürchtung, die Kirche könne hinter das Zweite Vatikanische Konzil zurückfallen. Buhrufe, "finsterstes Mittelalter!", riefen erzürnte Gemeindemitglieder Kirchenvertretern entgegen. Diese Szene ereignete sich in Großhabersdorf (Kreis Fürth). Der dortige Pfarrer Bernhard Kroll war gemaßregelt worden, weil er öffentlich am evangelischen Abendmahl teilgenommen hatte. ... weiter
Saarbrücken / Trier, 6.7.2003 (epd). Im seit Wochen andauernden Abendmahlsstreit mit dem Priester Gotthold Hasenhüttl hat die katholische Kirche jetzt ein Ultimatum gesetzt. Der Trierer Bischof Reinhard Marx habe in einem Brief eine Stellungnahme zu der Eucharistiefeier während des Ökumenischen Kirchentages in Berlin verlangt, bestätigte Hasenhüttl am Samstag dem epd in Saarbrücken. Die Frist für die Antwort des Theologieprofessors läuft am 16. Juli aus.
Zum Inhalt des vierseitigen Schreibens wollten weder Ökumene-Verfechter Hasenhüttl noch das Bistum Trier Angaben machen. Es kann davon ausgegangen werden, dass von Hasenhüttl Reue über sein Vorgehen erwartet wird. Beim Kirchentag hatte er mit dem Satz "Jeder, der Gemeinschaft mit Jesus Christus haben will, ist herzlich willkommen" das Abendmahl auch an evangelische Christen ausgeteilt.
Für eventuelle Sanktionen gegen den Theologen sind der Berliner Kardinal Georg Sterzinsky und der Trierer Bischof Marx zuständig. Lenkt der Theologe nicht ein, droht ihm die Suspendierung vom Priesteramt und damit das Verbot Gottesdienste zu halten und das Abendmahl auszuteilen. Der fränkische Pfarrer Bernhard Kroll darf sein Amt wegen seiner Teilnahme an einem evangelischen Abendmahl nicht mehr ausüben. (07143/6.7.03)
Quelle: http://www.epd.de/nachrichten/nachrichten_index_16082.htm
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TRIER, 4.7.2003 (gp). Das Bistum Trier macht Druck: Bischof Reinhard Marx hat dem Saarbrücker Priester Gotthold Hasenhüttl (69) ein Ultimatum gestellt. Wie der Theologie-Professor am Freitag gegenüber unserer Zeitung bestätigte, fordert ihn Marx in einem Schreiben auf, bis spätestens 16. Juli zu den Vorgängen um die umstrittene Eucharistiefeier am Rande des Ökumenischen Kirchentages in Berlin Stellung zu nehmen. Zu dem Inhalt des Schreibens selbst wollte Hasenhüttl keine Angaben machen. Beobachter gehen davon aus, dass sich der Priester, der bei einer Eucharistiefeier die Kommunion demonstrativ auch an evangelische Christen austeilte, für sein Vorgehen entschuldigen soll. Lenkt der Theologe im Streit nicht ein, droht ihm die Suspendierung. Die Bistums-Pressestelle wollte sich am Freitag in Sachen Hasenhüttl nicht äußern.
Aus: Trierischer Volksfreund,
4.7.2003
Quelle:
http://www.intrinet.de
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Trier, 5.7.2003. Der Trierer Bischof Dr. Reinhard Marx hat am 5. Juli im Trierer Dom Carsten Peil aus Mastershausen und Patrick Mittermüller aus Beckingen zu Priestern geweiht. In seiner Ansprache zu Beginn des Gottesdienstes zeigte sich der Bischof erfreut darüber, "dass Gott uns diese beiden Männer geschenkt hat, damit das Leben, Sterben und die Auferstehung Jesu Christi unter uns gegenwärtig bleiben." Er hoffe, dass es auch in Zukunft immer wieder Menschen geben werde, "die den Ruf Jesu hören und bereit sind, ihm ganz in den Dienst der Kirche hinein zu folgen", sagte der Bischof. (...)
Den Priestern empfahl er, sich immer wieder aufs Neue bewusst zu machen, dass sie Männer des Gebetes seien und als geistliche Menschen zugleich auch Zeugen dafür, dass Gott sich den Menschen zuwende. Vor allen Dingen müssten Priester "die Liturgie streitfrei halten", sagte Bischof Marx: "Die Liturgie darf nicht zu einer Inszenierung werden. Das wäre eine Verfehlung unseres Auftrages." Vielmehr gelte es, "die Liturgie würdig zu feiern."
Quelle: http://www.bistum-trier.de
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Amberg, 4.7.2003 (ben). Katholische und evangelische Christen gemeinsam am Altar - beim Bergfest gibt's das noch gar nicht so lange. Am Dienstagabend stand der ökumenische Gottesdienst auf dem Programm, danach wurden Misstöne laut. Der Grund: Militärpfarrer Paul Hauser hatte nach Ansicht evangelischer Pfarrer Maria zu sehr in den Mittelpunkt seiner Predigt gerückt.
Die katholische Pfarrei Hl. Dreifaltigkeit und die evangelische Kirchengemeinde Paulaner hatten am Dienstagabend im Rahmen des Bergfestes zum ökumenischen Gottesdienst geladen. Vor Christen beider Konfessionen bezeichnete diese der evangelische Pfarrer Martin Hermann "als Geschwister im Glauben", für die alle Maria ein Vorbild sei. Vor mehr als 2000 Jahren habe "von diesem unbekannten Mädchen niemand Notiz genommen", dennoch habe sie deutlichere Spuren als die "Großen" der Weltgeschichte hinterlassen. Maria, so Hermann, kreise nicht um sich selbst, sie sei grundsätzlich offen, auch für das Unerwartete, ansprechbar für Gott und bereit, auf das zu hören, was Gott sage.
Der katholische Militärpfarrer Paul Hauser hatte in seiner Predigt Maria eine ganz zentrale Rolle zugedacht (siehe AZ vom Mittwoch). Dies rief gestern die beiden evangelischen Pfarrer, Veronika Zieske und Martin Hermann, auf den Plan. In einem Schreiben an die AZ formulierten sie, viele evangelische Christen hätten Hausers Worte als "Heimsuchung der besonderen Art" empfunden. Wörtlich hieß es weiter: "Als sei er sich der Tatsache nicht bewusst, dass viele Zuhörer und Zuhörerinnen evangelisch sind, stellte Prediger Hauser die Gottesmutterschaft von Maria, die Bedeutung der Marienwallfahrtskirche auf dem Berg, sowie die Wichtigkeit des katholischen Festes Mariä Heimsuchung in den Mittelpunkt seiner Predigt."
Man habe den Eindruck gewinnen können, als sei die Gabe des Heiligen Geistes alleine durch die Mittlerschaft Mariens erwirkt worden. Es müsse die Frage erlaubt sein, ob es in unserer Stadt keinen Heiligen Geist geben würde - ohne Maria und ohne Bergkirche, in die Maria "angeblich" den Heiligen Geist getragen habe und ihn bis heute mit sich bringe.
Weiter schreiben Zieske und Hermann: "In einer Zeit, in der die Ökumene zunehmend Angriffen von katholischer Seite ausgesetzt ist, erscheinen solch zugespitzte Aussagen in einem ökumenischen Gottesdienst als sehr unsensibel - wenn nicht gewollt!" Es hätte in der Predigt zahlreiche Möglichkeiten gegeben, zu thematisieren, dass Maria, als Mutter Jesu, auch bei Protestanten durchaus als Vorbild des Glaubens gesehen werde. Abschließend meinen die zwei evangelischen Pfarrer, dass sich das gute ökumenische Klima, das sich in Amberg entwickelt habe, durch "solche Irritationen" nicht zerstören lasse. Es bleibe die Hoffnung auf einen ökumenischen Gottesdienst, der diesen Namen verdiene - beim Bergfest im nächsten Jahr.
Aus: Amberger Zeitung,
4.7.2003
Quelle:
http://www.oberpfalznetz.de/zeitung/0,2123,104476-1-168_0_0,00.html
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5.7.2003. Man darf in der Tat darüber streiten, ob die beiden katholischen Priester Gotthold Hasenhüttl aus Saarbrücken und der Großhabersdorfer Ortspfarrer Bernhard Kroll sehr weise gehandelt haben, als sie am Rand des Ökumenischen Kirchentags in Berlin auf unterschiedliche Art die Interkommunion praktizierten. Sie mussten nach den klaren Worten des Papstes und nach den eindeutigen Aussagen der deutschen Bischöfe mit Schwierigkeiten rechnen.
Aber sie haben mit ihren Aktionen, die ihre Vorgesetzten als Provokation empfinden und sie selbst dagegen als sichtbare Schritte zur Einheit der Christen verstehen, Reaktionen ausgelöst, wie sie niemand hätte voraussagen können. Wer es positiv sehen mag, der kann sagen: Endlich einmal wird beim Thema Ökumene über das Wesentliche geredet, über die Kernfrage, über das Verständnis von Eucharistie und Abendmahl.
Wohl noch nie seit dem Beginn des ökumenischen Miteinanders nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil ist diese Frage so breit und so öffentlich diskutiert worden. Noch selten zuvor befassten sich so viele Menschen in diesem Land so intensiv mit der Frage des Altarsakramentes. Jedoch ist bei dieser Diskussion auch leidvoll klar geworden, dass sogar die beiden großen Kirchen hier zu Lande von wirklicher Einheit noch weit, weit entfernt sind.
Gegenseitiges
Unverständnis
Das allerdings liegt nicht an der Basis. 60 Prozent aller Protestanten und
65 Prozent aller Katholiken in Deutschland sehen nach neuesten Umfragen
keinen Anlass mehr für eine Kirchenspaltung. Die Theologen an den
Kirchenspitzen schütteln über solche Erhebungen nur den Kopf. Sie verstehen
die Basis nicht. Wie die Basis sie nicht versteht. Das gilt derzeit vor
allem für die katholische Kirche. Viele Gläubige können momentan nicht
nachvollziehen, was "dort oben" geschieht. Die Kirchenführer sprechen eine
andere Sprache als sie. Wobei Sprache natürlich auch ein Synonym für Inhalte
ist. Der Abendmahlsstreit hat diese latent schon seit Jahren zunehmende
Tendenz nur noch erheblich verstärkt.
Es kocht und brodelt derzeit an der Kirchenbasis. Viele Christen kommen mit dem nicht zurecht, was nach den umstrittenen Aktionen der beiden katholischen Priester geschah. Nicht mit der "Sühnestrafe" für Pfarrer Kroll, nicht mit den harten öffentlichen Worten gegen ihn, nicht mit dem Mangel an Gnade und vor allem nicht mit der fehlenden Sensibilität in der Diskussion um die Ökumene.
Moralische Bastion
Manches ist einfach nicht nachvollziehbar für Menschen, die mit
beiden Beinen im Alltag stehen und die die Kirche wie deren Führer für eine
moralische Bastion halten. Zum Beispiel die Äußerung des Eichstätter
Bischofs Walter Mixa, die umstrittene evangelische Abendmahlsfeier in Berlin
sei nur ein "inszeniertes Spektakel", aber kein Gottesdienst gewesen.
Wohlgemerkt: Mixa war selbstverständlich nicht dabei in der
Gethsemanekirche. Wie kann er also so urteilen, ohne ungerecht zu sein?
Es wäre aber falsch zu glauben, solche Dinge würden nur zum Zorn führen. Es gibt durchaus Gruppen und Personen in den Kirchen, denen das alles gerade recht kommt. Jene nämlich, die zwar von Fortschritten in der Ökumene reden, in Wahrheit aber lieber bremsen. Selbstredend um der Reinheit des Glaubens willen. Die Spalter haben durch die teilweise unbedachten Äußerungen von führenden Theologen gerade jetzt massiv Auftrieb bekommen. Insofern war das Geschehen beim Kirchentag schädlich für die Ökumene. Vielleicht hätte der Schaden begrenzt werden können, wenn auch der eine oder andere katholische Kirchenführer in den vergangenen Wochen ein wenig mehr Weisheit an den Tag gelegt hätte. (ULRICH RACH)
Aus: Nürnberger Nachrichten,
5.7.2003
Quelle:
http://www.nn-online.de/artikel.asp?art=97255&kat=3
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5.7.2003. Im Konflikt um den suspendierten Großhabersdorfer Pfarrer Bernhard Kroll hat der ökumenische Jugendrat in der Diözese Eichstätt Bischof Walter Mixa kritisiert. Kroll habe mit der Teilnahme am evangelischen Abendmahl eine "Geste der Hoffnung" gesetzt, auch "für viele Christen, die sich ein gemeinsames Abendmahl seit langem ersehnen". Darauf solle der Bischof nicht mit einer Suspendierung antworten. (PETER ABSPACHER)
Aus: Nürnberger Nachrichten,
5.7.2003
Quelle:
http://www.nn-online.de/artikel.asp?art=97291&kat=29
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Würzburg, 4.7.2003 (epd). Der missglückte Predigertausch im Würzburger Stadtteil Heuchelhof belastet weiterhin die Zusammenarbeit zwischen den Konfessionen. Die katholische Diözese und das evangelische Dekanat betonten am Freitag zwar in einer gemeinsamen Stellungnahme, dass es sich um ein lokales Problem der Ökumene handele, bestätigten jedoch weiteren Klärungsbedarf. Die evangelische Gemeindeleitung kündigte gegenüber dem katholischen Pfarrer Helmut Baierl (45) bis auf weiteres "Umgehungs-Ökumene" an. Baierl trat einen zweiwöchigen Urlaub an.
Der katholische Priester hatte am vergangenen Sonntag anlässlich eines ökumenischen Sommerfestes die evangelische Pfarrerin Stéphanie Fessler (32) im katholischen Gottesdienst nicht zu Wort kommen lassen. Abweichend von der vereinbarten Gottesdienstordnung hatte er eine Predigt über Papst, Maria und Eucharistie gehalten, die selbst der katholische Pfarrgemeinderatsvorsitzende Frank Breitenstein gegenüber Medienvertretern als "Kampfkatholizismus pur" beschrieb. Die Pfarrerin hatte daraufhin mit weiteren Protestanten die Kirche verlassen. Der Vorgang löste in beiden Gemeinden Bestürzung und Empörung aus.
Eine von Baierl vier Tage später abgegebene Erklärung wird in der Stellungnahme von Diözese und Dekanat als "erster Schritt zu einer Entschuldigung" begrüßt. Der Priester hatte darin mögliche Fehler bei Absprachen vor der Messe eingeräumt, sich aber auch auf katholisches Kirchenrecht berufen und gegen Versuche verwahrt, ihm Vorschriften bei der Gestaltung der Messe zu machen. Diözese und Dekanat stellen dazu fest, dass von evangelischen Pfarrern zu keiner Zeit der Versuch unternommen worden sei, Baierl zu einer kirchenrechtswidrigen Handlung zu veranlassen. Das "unsensible Verhalten" des Priesters im Gottesdienst sei "völlig unverständlich".
Diözese und Dekanat betonen den Willen zur Zusammenarbeit. Dabei sollte "in gegenseitigem Respekt, mit theologischer Klarheit und der nötigen Sensibilität" miteinander umgegangen werden. An die beiden Gemeinden im Stadtteil Heuchelhof wird appelliert, sich nicht entmutigen zu lassen. (1063/04.07.03)
Quelle: http://www.epd.de/bayern/bayern_index_16055.htm
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RM, 3.7.2003. Er war in vielen Ämtern der Einheit der Christen verpflichtet. Im RM zieht er eine Bilanz und spricht über die Konsequenzen des Berliner Kirchentags.
RHEINISCHER MERKUR: Herr Bischof, in Kürze treten Sie von Ihrem Amt zurück. Das Motto für Ihr letztes Amtsjahr lautete: Alle eins. Wie fällt Ihre Bilanz des Ökumenischen Kirchentages aus?
PAUL-WERNER SCHEELE: Ich habe den Kirchentag intensiv mit vorbereitet. Schon hier standen beim Ringen um Foren und Themen nicht katholische und evangelische Parteien gegeneinander. Wir haben gemeinsam geplant. In Berlin selbst ist dann viel Vertrauen gewachsen.
RM: Das mit der Zeit wieder in Vergessenheit geraten wird?
Ich hoffe nicht. Ob Berlin ein Strohfeuer war, hängt davon ab, wie wir jetzt mit den Ergebnissen verfahren. Ich habe oft auf Kirchentagen, evangelischen wie katholischen, diskutiert. Ich habe nie ein so positives Klima erfahren wie in Berlin. Die Teilnehmer waren wirklich bereit, auch andere Positionen zur Kenntnis zu nehmen. Es ist mir früher schon passiert, dass ich bei der Diskussion über Grundüberzeugungen etwa im Blick auf die Eucharistie oder das Amt fast ausgepfiffen wurde. Das war in Berlin anders. Das Treffen war zudem wichtig für die Beziehungspsychologie zwischen unseren Kirchen. Psychische Fakten sind Fakten. Und es gibt eine ganze Reihe mentaler Barrieren zwischen den getrennten Christen. Berlin hat vieles abgebaut. Ich hoffe nicht, dass andere nun wieder sagen, ach, wie wie war das vorher schön, lass uns die Mauern wieder aufziehen.
RM: Die Frage nach dem gemeinsamen Abendmahl hat den ÖKT geprägt. War die Disziplinierung von Pfarrer Kroll für seine Teilnahme an einem evangelischen Abendmahl richtig? Hätten Sie genauso reagiert wie Bischof Mixa?
Bischof Mixa hat sehr intensiv mit dem Mitbruder gesprochen. Dabei sind manche Positionen des Mitbruders so deutlich geworden, dass er es nicht verantworten kann, ihn mit diesen Überzeugungen seelsorgliche Verantwortung wahrnehmen zu lassen. Jetzt möchte er ihm helfen, wieder die Grundwahrheiten für sich zu entdecken, die zum katholischen Glauben gehören. Jeder Bischof trägt Verantwortung für seine Diözese. Wenn er den Eindruck hat, dass eine Position untragbar ist, muss er handeln.
RM: Ist der Öffentlichkeit die unterschiedliche Behandlung von Pfarrer Kroll und Professor Hasenhüttl zu vermitteln?
Es ist wichtig, zunächst genau zu klären, was in der Gethsemane-Kirche vorgefallen ist. Leider gibt es inzwischen auch von Professor Hasenhüttl Äußerungen, die sehr beschwerlich sind und die eine Stellungnahme der Kirche nötig machen. Das ist Sache der zuständigen Bischöfe. Ich halte es für klug, dass man erst den Pulverdampf etwas verstreichen lässt, um dann zu Entscheidungen zu kommen. Aber gerade weil es um das Allerheiligste geht, wenn ich das einmal in unserer Terminologie sagen darf, ist auch Verantwortung gefragt. Wenn ein katholischer Priester erklärt, jeder Mensch könne Eucharistie feiern, wird etwas vom Innersten des kirchlichen Lebens tangiert. Das kann man nicht einfach als kleinen Irrtum auf sich beruhen lassen.
RM: Warum verstehen das so viele Gläubige heute nicht mehr?
Das hat viele Wurzeln. Es ist eine Anfrage an die gesamte Pastoral und die Katechese, ob wir alles tun, um das Geheimnis der Eucharistie so zu vermitteln, wie es uns gegeben ist. Die Liturgie-Konstitution hat schon vor 40 Jahren die wissende, tätige und fruchtbare Teilnahme der Gläubigen an der Eucharistie gefordert. Hier ist noch sehr vieles nachzuholen.
RM: Das heißt: mehr Katechese?
Natürlich. Es geht aber auch um die Art und Weise der Zelebration selbst. Es gibt Mitbrüder, die machen das glänzend. Andere ändern in einer ganz neuen Form von Klerikalismus die Messtexte ständig ab. Liturgie braucht den Bereich des Vertrauten. Ich kann nicht in jedem Gottesdienst immer wieder von vorne anfangen. Dann werden die Gläubigen vom Mitbeten und Mitvollziehen abgelenkt und wissen nicht mehr, was hier eigentlich geschieht.
RM: In Berlin ist auch die Charta Oecumenica unterzeichnet worden. War das mehr als ein Pflichttermin?
Ich hoffe es. Ich habe die Unterzeichnung angeregt und war auch an der Erstellung des Textes beteiligt. In der Charta steht viel, was in zahlreichen Gemeinden schon selbstverständlich ist. Aber manches hat sich auch noch nicht herumgesprochen. Entscheidend ist, was von einzelnen Gemeinden, Pfarrern und Theologen angepackt wird. Wir müssen im Miteinander der getrennten Kirchen, bei dem, was jetzt schon möglich ist, Nägel mit Köpfen machen.
RM: Aus Rom kamen zur Ökumene in letzter Zeit eher harsche Worte. Markieren die Eucharistieenzyklika und vorher schon Dominus Iesus Wendepunkte?
Nein. Die Eucharistieenzyklika ist kein harsches Wort. Der Papst will das, was er sagt, auf dem Weg zur Einheit positiv verstanden wissen. Er findet sehr lobende Worte für den ökumenischen Dialog, selbst in den umstrittenen Fragen des Amtes und der Eucharistie. Die Enzyklika entspricht der kirchlichen Lehre durch die Jahrhunderte und auch dem konziliaren Zeugnis, da gibt es keinen Zweifel.
RM: So positiv, wie Sie die Texte würdigen, scheinen sie nicht angekommen zu sein. Die Protestanten fühlten sich heftig vor den Kopf gestoßen.
Das mag sein. Aber es ist auch die Frage, wer einen Text wirklich ganz zur Kenntnis nimmt. Bei der Eucharistie sind mehrere Punkte noch zu klären. Etwa: Welche Aufgabe hat der Priester in der Messe? Hier hat die evangelische Kirche in ihrer Orientierungshilfe eine andere Position kundgetan. Ich könnte auch sagen, das ist ein ökumenischer Rückschritt, wenn ich sie mit dem Lima-Text von Faith and Order vergleiche. Das hilft aber nicht weiter. Wir müssen sehen, was jeder glaubt und was wir gemeinsam sagen können. Vieles, was katholische und evangelische Theologen schon erarbeitet haben, hat noch nicht die offizielle Anerkennung der beiden Kirchen gefunden. Wir sind mitunter weit hinter dem zurück, was im Dialog erreicht wurde.
RM: Wie können die nächsten Schritte zur Klärung der Amts- und Eucharistiefrage aussehen?
Ein differenzierter Konsens ist möglich. Das war auch das Grundmodell bei der Rechtfertigungserklärung. Wir sagen nicht: Wir sind in allem identisch. Doch in der Besinnung auf das biblische Zeugnis und das Zeugnis der Glaubensgemeinschaften können wir gemeinsam Verbindliches festhalten. Auf dieser Basis darf es dann in verschiedenen Punkten unterschiedliche Akzentuierungen geben. Bei den Fragen des Amts- und Eucharistieverständnisses gibt es ein erhebliches Einheitspotenzial.
RM: Was muss konkret noch aufgearbeitet werden?
Vor allem die Frage nach der Apostolizität der Kirche und damit verbunden nach der Sukzession. Die Wahrheit ist konkret. Schon in der frühesten Kirche wurde das Amt durch Handauflegung und Gebet übertragen. Wenn Protestanten weiter auf der Möglichkeit bestehen, ohne Ordination und nur durch Beauftragung die Leitung des Abendmahls zu delegieren, ist das ein Punkt, den wir nicht akzeptieren können.
RM: Ist die Einheit der Kirchen überhaupt noch anders vorstellbar als unter dem Modell einer versöhnten Verschiedenheit?
Einheit ist immer nach dem Bild und Zeugnis des dreieinigen Gottes zu denken. Und das heißt Vielgestaltigkeit. Versöhnte Verschiedenheit kann aber nicht heißen: Jeder bleibt, wie er ist, und glaubt, was er will. Das ist keine Gemeinschaft, sondern ein Abfinden mit der Trennung. Ein festes Glaubensgut, das alle ohne Wenn und Aber bejahen, ist unbedingt nötig.
RM: Wie lange wird die Klärung dauern?
Wenn ich daran denke, wie viel sich seit meiner Studentenzeit getan hat, bin ich optimistisch. Prophet bin ich nicht. Die Trennung zwischen Ost- und Westdeutschland schien auch für ewig gebaut zu sein. Die Mauer der Trennung reichte aber nicht bis zum Himmel, und sie ist gefallen.
RM: Sollte der Ökumenische Kirchentag in Serie gehen?
Nicht jedes Jahr. Beide Kirchen sollten ihre eigenen Treffen haben. Aber für weitere ökumenische Zusammenkünfte spricht sehr viel.
RM: Auch unter den Bischöfen gibt es einen unterschiedlichen Grad an Aufgeschlossenheit für das ökumenische Gespräch. Gibt es etwas, was Sie anlässlich Ihres Rücktritts Ihren Mitbrüdern mahnend mit auf den Weg geben möchten?
Ich brauche nicht zu mahnen. Das Kirchenrecht und das Konzil verpflichtet jeden Bischof, sich mit voller Kraft für die Einheit einzusetzen.
(Paul-Werner Scheele, geboren 1928 in Olpe, wurde nach dem Theologiestudium in Paderborn und München 1952 zum Priester geweiht. Wie ein roter Faden zieht sich das ökumenische Engagement durch sein Leben als Priester, Hochschullehrer er war Professor für Fundamentaltheologie und Dogmatik in Bochum, Würzburg und Paderborn und Bischof. Das Gespräch führte Matthias Gierth.)
Aus: Rheinischer Merkur,
3.7.2003
Quelle:
http://www.merkur.de/aktuell/cw/ki_032701.html
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Harpstedt, 4.7.2003 (eb). An die harten ökumenischen Nüsse wagten sich kurz nach dem gemeinsamen Kirchentag in Berlin die katholischen und evangelischen Pastoren der Region in ihrer jährlichen gemeinsamen Konferenz am Mittwoch in Harpstedt. Der katholische Dechant Reinhard Molitor aus Twistringen stellte die letzte Enzyklika des Papstes über das Verhältnis der Kirche zur Eucharistie vor und Pastor Holger Tietz aus Leeste kommentierte die Passagen kenntnisreich aus evangelischer Sicht. Der Papst hatte mit diesem Lehrschreiben vom Gründonnerstag für große Unruhe unter Christen in Deutschland gesorgt, weil er noch einmal deutlich - und kurz vor dem ersten ökumenischen Kirchentag - das gemeinsame Abendmahl zum gegenwärtigen Zeitpunkt ausgeschlossen hat.
So diskutierten die 40 evangelischen und katholischen Pfarrer, sowie katholische Gemeindereferentinnen und eine Ordenschwester die von Molitor so bezeichneten "ökumenischen Problemzonen', als da wären das Verständnis von Priesteramt und Maria, von der Eucharistie als Opfer und der Frage, ob man sich gegenseitig zum Abendmahl einladen kann und darf. Zunächst gab Molitor einen Überblick über die 14 Lehrschreiben des Papstes in seiner Amtszeit. Das letzte kam als 25. Schreiben in seiner Amtszeit am Gründonnerstag zufällig auch kurz vor dem Kirchentag heraus. Noch 1995 hatte der Papst in einer Enzyklika festgestellt, dass "katholische Priester in bestimmten Einzelfällen das Sakrament der Eucharistie anderen Christen spenden können.' Damals hatte das Oberhaupt der katholischen Christen aber auch festgestellt: "Es gibt keinen Weg zurück in der Ökumene'. Genau als solchen empfanden aber viele das letzte Lehrschreiben, dass dementsprechend ein "sehr geteiltes Echo' in Deutschland fand, wie Molitor erläuterte. "Die Feier der Eucharistie ist nicht Ausgangspunkt der ökumenischen Gemeinschaft, sondern setzt sie voraus', so Johannes Paul II. Er betont: "Die Kirche lebt von der Eucharistie'.
"Diese Frömmigkeit vom Abendmahl her berührt mich', meinte Holger Tietz und empfindet sie als "guten Anstoß'. Einig waren sie auch die Theologen des Kirchenkreises Syke-Hoya und des Dekanates Twistringen, dass bei der Eucharistie nicht das Opfer wiederholt, sondern vergegenwärtigt wird. In der katholischen Kirche wird inzwischen sehr viel stärker die Rolle der Gläubigen mit ihrem "Amen' bei der Feier betont. In den vier Diskussionsgruppen wurden verschiedene Fragen diskutiert. Polizeidekan Hermann Darpel aus Twistringen bemerkte: "Was wir unter Kirche verstehen, ist fundamental." Evangelische Pastoren berichteten, dass sie oft Schwierigkeiten hatten, in ihren Gemeinden die Zahl der Abendmahlsgottesdienste von zwei bis vier im Jahr auf eine monatliche Frequenz zu erhöhen, während viele Katholiken fast täglich Eucharistie feiern. Da sah Pastor Michael Schiller aus Leeste schon bei einigen eher das Problem, dass "alle die zur Messe gehen, auch zur Eucharistie gehen' und sich zuvor zu wenig darauf innerlich vorbereiten.
Superintendent Jürgen Flohr wünschte sich bei der starken Betonung des Abendmahles aber auch eine Gleichbewertung des Wortes, also etwa der Predigt. Und evangelische Pastoren störte, dass der Papst nur durch Amtspriester, die durch ihre Weihe sich in einer Kette von Handauflegungen bis zu den Aposteln sehen, die Eucharistie recht gespendet sieht, und evangelischen Pastoren in diesem Sinne nicht als gleichberechtigt anerkennt. Einig war sich die Runde aber, dass der ökumenische Prozess und das Lernen voneinander weiter gehen muss.
Aus: Weser-Kurier, 4.7.2003
Quelle:
http://www.weser-kurier.de/regionales/fs_wk_reg_syk.html?id=108383
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Eichstätt, 4.7.2003. Über dem Eichstätter Bischof Walter Mixa schlägt eine Welle des Protests zusammen. Er hat einen Priester wegen der Teilnahme am evangelischen Abendmahl suspendiert. Nun gibt es Boykottaktionen in der Gemeinde und Solidaritätsbekundungen für den Gemaßregelten.
Nehmen die geistlichen Herren den Kirchenrebellen nun in die Zange? Bearbeiten sie ihn so lange, bis der 41-Jährige zu Kreuze kriecht und Buße tut? Fast scheint es so. Bernhard Kroll hat am Rande des Ökumenischen Kirchentags in Berlin dem Papst getrotzt und dessen Verbot, am evangelischen Abendmahl teilzunehmen, medienwirksam übertreten. Nun aber wird er sich in Demut üben. Der Geistliche habe eingewilligt, sich in ein Kloster zurückzuziehen. Das verlautet jetzt vom Bistum Eichstätt. Dort werde er Gespräche mit geistlichen Beratern führen und sich regelmäßig mit seinem Dienstherrn - dem Bischof - austauschen.
"Pfarrer Kroll soll Gelegenheit gegeben werden, über seinen Standpunkt nachzudenken, der nicht mit der kirchlichen Lehre übereinstimmt", sagt Martin Swientek, der Sprecher der Diözese. Das klingt, als habe das Ordinariat vor allem das Seelenheil des Bestraften im Blick. Als wolle man es ihm leichter machen, den Anforderungen seines Berufs zu entsprechen. Dass Bischof Mixa den Priester vorläufig von seinen Ämtern entbunden habe, sei nicht nur eine disziplinarische Maßnahme, betont auch der Sprecher. Ohnehin geschehe alles nur mit Einverständnis des Betroffenen. Der ist momentan nicht zu sprechen. Erst nahm er Urlaub. Jetzt wird der Ort der Besinnung geheim gehalten. "Es soll ein wirklicher Rückzug sein", sagt Swientek. Ständige Interviews würden nur stören.
Ruhig stellen lässt sich aber zumindest die Basis nicht. Seit Wochen ist die katholische Pfarrei Dietenhofen-Großhabersdorf in Aufruhr darüber, dass ihr allseits beliebter Seelsorger das Feld räumen musste. Der Kirchenchor im Fränkischen streikt - vermutlich noch bis September. Ein Organist spielt nicht mehr im Gottesdienst. Und Feierlaune will sich auch nicht recht einstellen. Das für den 13. Juli geplante Gemeindejubiläum zum zehnjährigen Bestehen der Pfarrei wird verschoben. Hunderte protestierten mit einer Menschenkette zwischen der katholischen und der evangelischen Kirche sowie mit einem "Lichtermeer". Schon mehr als 1200 Unterschriften sind gesammelt. Jetzt wird über weitere Aktionen beraten. Der Pfarrer wird als engagiert, begeisternd und offen für die Anliegen aller Altersgruppen beschrieben. Man wünscht sich seine Rückkehr. Von der kalkulierten Provokation am Rande des Kirchentags hat die Gemeinde jedoch erst aus den Medien erfahren. Dennoch gibt es allenthalben Verständnis. Die Katholiken seien am Ort gegenüber den Protestanten in der Minderheit, sagt Jutta Müller, die Vorsitzende des Pfarrgemeinderats. "Da wird die Ökumene gelebt." Sie lobt Krolls Aktion als ehrlich und konsequent.
Doch der Aufstand gegen die bischöfliche Entscheidung hat längst die Grenzen der direkt Betroffenen gesprengt. Der Bundesverband der Katholischen Jungen Gemeinde hat dem Geistlichen demonstrativ den Rücken gestärkt. Im Internetforum der Diözese prasselt die Kritik auf den Bischof ein. Mehr als 500 Solidaritäts-E-Mails verzeichnet die Kirchenvolksbewegung. Aus aller Herren Ländern - Kanada, Portugal, Australien - melden sich Menschen zu Wort. Sie würdigen überwiegend den Mut des Pfarrers und werfen den Bischöfen, die die Bestrafung verteidigen, Heuchelei vor. "Die ökumenischen Bekenntnisse von Berlin erscheinen vor diesem Hintergrund unglaubwürdig", sagt Christian Weisner von der Kirchenvolksbewegung. Mit einer so harten Bestrafung hätten die Initiatoren der Gottesdienste nicht gerechnet. Schließlich habe man nur eucharistische Gastfreundschaft geübt. Die gebe es im Alltag ständig. In der Diözese wird gemutmaßt, dass Mixa auch durchgreift, weil er seine Karriere im Blick hat. Der Oberhirte hoffe wohl, dereinst Kardinal in München zu werden. Eine Prognose zum Ausgang des Konflikts zwischen Kroll und Mixa wagt momentan niemand. "Die Entwicklung ist nicht absehbar", heißt es beim Ordinariat. "Der Fall wird uns noch lange beschäftigen", meint Weisner. Er erwartet allerdings nicht, dass der Priester klein beigibt und reumütig erklärt, er habe sich geirrt.
Der zweite Kirchenrebell von
Berlin übt sich derweil in Geduld. Der emeritierte katholische Theologe
Gotthold Hasenhüttl hatte in der Hauptstadt trotz Verbot Protestanten zur
Eucharistie eingeladen. Der Berliner Kardinal Georg Sterzinsky bestellte ihn
deshalb zum Rapport. Doch Hasenhüttl ging
nicht hin. Nun sammelt das Bistum Aussagen von Zeugen über den Gottesdienst.
Und das, obwohl zahllose Journalisten damals berichteten. (Michael Trauthig)
Aus: Stuttgarter Zeitung,
4.7.2003
Quelle:
http://www.stuttgarter-zeitung.de/stz/page/detail.php/454934?_suchtag=2003-07-04
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FEUCHT, 4.7.2003. Die KAB Feucht hat beim Pfarrfest eine Unterschriftenaktion für den beurlaubten Pfarrer Bernhard Kroll gestartet. Kroll hatte 1995 in Feucht Primiz gefeiert und war zuletzt als Pfarrer von Großhabersdorf tätig. Beim ökumenischen Kirchentag in Berlin hatte er als katholischer Priester am evangelischen Abendmahl teilgenommen. Nach seiner Beurlaubung durch Bischof Mixa erhielt Kroll viele Sympathie- und Solidaritätsbekundungen, während die Entscheidung des Bischofs als überzogen kritisiert wurde. Nun ergreift auch die KAB Feucht Partei für Kroll und bittet den Bischof, die Entscheidung zu überdenken.
Der Brief, unterzeichnet von Dietmar Knorr und Monika Brückner, hat folgenden Wortlaut:
"Sehr geehrter Herr Bischof Dr. Walter Mixa, mit dieser Unterschriftenaktion solidarisieren wir uns mit Pfarrer Bernhard Kroll. Mit ihm haben wir 1995 in unserer Pfarrei Herz-Jesu, Feucht, die Primiz gefeiert. In den vielen Meldungen der Medien ist bei uns der Eindruck entstanden, dass Ihre Entscheidung einzig und allein auf kirchenrechtlichen Bestimmungen begründet ist. Da wir hier in Feucht in einer Diasporagemeinde leben, pflegen wir eine intensive Ökumene mit unseren Schwestern und Brüdern der evangelischen Nachbargemeinde. Auch bei diesen ist diese harte Bestrafung auf Unverständnis und Fassungslosigkeit gestoßen.
Als Christen sind wir überzeugt, dass unsere Kirche auf dem Fundament des Evangeliums aufgebaut ist. Darin lesen wir auch folgende Begegenheiten: Petrus hat dreimal geleugnet, Jesus zu kennen und trotzdem hat Jesus selbst ihn zum Fels ausgewählt, auf dem er seine Kirche aufbaut. Sicherlich hat Bernhard Kroll gegen bestehendes Kirchenrecht verstoßen. In ihrer Entscheidung vermissen wir allerdings die von uns Christen immer wieder aufs Neue geforderte Gnade und Barmherzigkeit."
Aus: Der Bote für
Nürnberg-Land, 4.7.2003
Quelle:
http://www.der-bote.de/artikel.asp?art=96949&kat=18&man=11
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GROSSHABERSDORF, 4.7.2003 (dpa). Aus Protest gegen die Beurlaubung des Pfarrers Bernhard Kroll hat dessen Gemeinde in Großhabersdorf (Kreis Fürth) das für 13. Juli geplante Pfarrgemeinde-Jubiläum verschoben. Die zehnte Wiederkehr der Erhebung zur Pfarrei solle nach Rückkehr Krolls gefeiert werden, so Gemeindepfleger Franz Müller: "Solange unser Pfarrer nicht da ist, macht das keinen Sinn." Der Eichstätter Bischof Walter Mixa hatte Kroll wegen dessen Teilnahme an einem evangelischen Abendmahl vorläufig suspendiert. Müller widersprach Äußerungen Mixas, die Proteste in Großhabersdorf seien von bundesweit operierenden kirchlichen Gruppen angeheizt worden. Auch Mixas Behauptung, die Gemeinde bedauere Krolls Teilnahme an dem evangelischen Abendmahl, sei falsch.
Aus: Nürnberger Zeitung,
4.7.2003
Quelle:
http://www.nz-online.de/artikel.asp?art=97164&kat=30
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GROSSHABERSDORF, 4.7.2003. Der Streit um die Beurlaubung des katholischen Ortspfarrers von Großhabersdorf und Dietenhofen, Bernhard Kroll, schlägt weiter hohe Wellen. Nach neuen Äußerungen des Eichstätter Bischofs, Walter Mixa, fühlen sich offenbar erneut viele Christen brüskiert. Die Reaktionen entzünden sich besonders an der Behauptung Mixas, die evangelische Abendmahlsfeier in Berlin, bei der Pfarrer Kroll die umstrittene Mahlsgemeinschaft praktizierte, sei ein "inszeniertes Spektakel" gewesen, "das mit einem Gottesdienst nichts mehr zu tun hatte".
Zahlreiche katholische und evangelische Teilnehmer an dieser Feier meldeten sich empört bei unserer Redaktion. Für die meisten von ihnen war das Kirchenereignis "einer der schönsten und innigsten Gottesdienste", die sie "je erlebt haben". "Wie kann jemand einen Gottesdienst so abqualifizieren, an dem er gar nicht teilgenommen hat?", fragte einer der Betroffenen unter Hinweis auf die Kritik des Bischofs.
Manche Protestanten sehen in der Äußerung Mixas ein erneutes Indiz für die Geringschätzung des evangelischen Abendmahls von katholischer Seite. Auch der evangelische Regionalbischof von Augsburg, Ernst Öffner, bedauerte im Zusammenhang mit der Affäre Kroll die "Entwertung des Abendmahls durch führende katholische Kardinäle und Bischöfe".
Mittlerweile werden in der katholischen Kirche Stimmen laut, die nicht nur Pfarrer Kroll verurteilen, sondern sich gegen jede Form der Interkommunion wenden. Die sogar Ausnahmen ablehnen, wie sie jetzt geduldet sind. So fordert ein "Netzwerk katholischer Priester" die Bischöfe auf, "missbräuchliche Praktiken im Hinblick auf die Eucharistie nicht nur zu verfolgen, wenn sie in den Medien breit getreten werden." Die Glaubwürdigkeit der kirchlichen Lehre sei "in großer Gefahr". (ULRICH RACH)
Aus: Nürnberger Nachrichten,
4.7.2003
Quelle:
http://www.nn-online.de/artikel.asp?art=97015&kat=29
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Hamburg, 4.7.2003 (KNA). Die Trennung der christlichen Kirchen ist für viele Christen in Deutschland nicht unbedingt ein Problem. Nach einer am Freitag in Hannover veröffentlichten Emnid-Umfrage für die Zeitschrift "chrismon" meinen zwar 36 Prozent, dass die Kirchenleitungen Wege zur Einheit finden sollten. Aber immerhin gut ein Fünftel sagen, die Kirchen sollten getrennt bleiben.
Besonders viele junge Menschen - nämlich 39 Prozent der 14- bis 29-Jährigen - befürworten die gegenwärtige Situation, weil sie sie als Zeichen der Glaubensvielfalt gutheißen. Zugleich votieren mehr ostdeutsche (28 Prozent) als westdeutsche Befragte (19 Prozent) dafür, die Trennung zu erhalten. Je älter dagegen die Befragten waren, desto mehr wünschen sie sich eine Einigung unter den Kirchenoberen. 49 Prozent der über 60-Jährigen, aber nur 19 Prozent der 14- bis 29-Jährigen äußerten sich in diesem Sinne. Mehr Frauen (17 Prozent) als Männer (13 Prozent) bewerten die Kirchentrennung negativ und fürchten, dass sie wohl nie überwunden werde.
Quelle: http://www.kna.de
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DT, 3.7.2003. Ein Priester aus einem unserer östlicher gelegenen mitteleuropäischen Nachbarländer, der eine hohe Verantwortung in seiner Diözese zu tragen hat, war zu Besuch bei seinen Verwandten, die vor circa zwanzig Jahren in die Bundesrepublik Deutschland ausgewandert sind. Über die Erfahrung mit seinen Verwandten berichtete er mir in einer Begegnung. Er meinte, sie seien eigentlich in ihrem Denken und Tun protestantisch geworden, ohne es zu wissen. Auf meine Frage hin, wie er zu einem solchen Urteil komme, erläuterte er mir in einem längeren Gespräch: Seine Verwandten begehen den Sonntag ohne heilige Messe, sie üben Buße ohne Beichte. Für sie ist die Eucharistie ohne Realpräsenz und ihre Pfarrkirche ist ohne offene Türen. Da niemand mehr tagsüber zum Gebet kommt, ist sie verschlossen. Und der Besucher fügte hinzu: "So haben wir zuhause die protestantische Kirche erlebt." Was ist dazu zu sagen?
1. Sonntag ohne Messe
Die ersten Christen lebten vom Sonntag wie vom täglichen Brot. In der
Verfolgungszeit wurden ihnen ausdrücklich die sonntäglichen eucharistischen
Versammlungen verboten, aber sie erwiderten: "Wir können nicht ohne unsere
Zusammenkünfte mit der Feier der heiligen Eucharistie leben!" Sie gingen
eher in die Verbannung oder sogar in den Tod, als auf den Sonntag zu
verzichten.
Und in der Tat, mit dem Sonntag verhält es sich wie mit einer Überlandleitung, die die Elektrizität befördert. Sind die Masten zu weit auseinander gestellt, dann hängt die Leitung durch, sie bekommt Erdberührung, dann ist der Elektro-Transfer gestört und das Licht geht aus. Wenn die Zeiten der Mitfeier der heiligen Eucharistie länger als sieben Tage auseinanderliegen, dann hängt unsere Lebensleitung ebenfalls durch, sie bekommt Erdberührung und das Glaubenslicht erlischt. Feiern kann der Mensch eigentlich nur das oder den, der größer ist als er selbst, weil der Mensch als Maß für sich zu klein ist. Und in der Eucharistiefeier wird der Mensch über sich selbst erhoben, und der Alltag, die Arbeitswoche erhält im Nachglühen der sonntäglichen Eucharistiefeier Glanz und Würde. Sonntag verloren - alles verloren! Unsere Sonntags- und Feiertagskultur lebt von der Eucharistiefeier. Darum tritt die Kirche für die Erhaltung der Feiertage ein - nicht um ihrer selbst willen, sondern um der Menschen willen, damit ihr Leben Glanz und Würde behält.
Der weithin bei katholischen Christen festzustellende Sonntag ohne heilige Messe ist ein alarmierendes Zeichen. Die Gottesdienstbesucherzahlen gehen überall zurück. Predigen unsere Priester nicht mehr über die Gnade und den Wert des Sonntags? Oder sind die Gläubigen für diese Botschaft taub geworden?
2. Buße ohne Beichte
Ein weiteres Element, das den Besucher aus Mitteleuropa an den
Protestantismus erinnert, ist die Buße ohne Beichte. In den meisten
katholischen Kirchen stehen die Beichtstühle noch im Kirchenraum, aber sie
werden kaum benutzt, nicht etwa weil man nun anderswo das Beichtgespräch
pflegt, sondern weil kaum mehr einer zur Beichte kommt. Das ist wirklich ein
alarmierendes Zeichen. Die höchste Form der Gnade ist die Begnadigung, und
die höchste Gabe ist die Ver-gabung, die Vergebung. Wenn man Gott dem Vater
seine kostbarsten Gaben nicht mehr abnimmt, dann hört Gott für uns auf, Gott
zu sein. Die mangelnde Gotteserfahrung zeigt sich in der mangelnden
Beichtpraxis.
Unsere Gesellschaft ist durch und durch religiös, aber von einer Religion ohne Gott. Man baut sich eine eigene Religion zusammen aus allen möglichen Elementen, aber immer so, dass sie den eigenen Lebensstil, die eigene Lebensauffassung bestätigt, verstärkt und unterstützt. Die evangelischen Kirche haben viel an Glaubenssubstanz verloren durch den Verlust der Beichte, die dort erst seit der Aufklärung erfolgt ist. Nun sind wir davon eingeholt, und das macht unsere Gemeinden arm, geistlich steril, säkular und verweltlicht. Pfarrer berichten, dass vor Ostern etwa neunzig Prozent aller Beichtenden Umsiedler und Aussiedler aus Mittel- und Osteuropa waren. Wie lange werden die das noch tun, bis sie sich an die Verbilligung der Buße ohne Beichte gewöhnt haben, die eine pure Selbsttäuschung ist?
3. Eucharistie ohne
Realpräsenz
Dieses "ohne" ist für mich das Gefährlichste und das Erschütternste.
Mein Gesprächspartner erzählte, dass in der Pfarrei seiner Verwandten die
Eucharistie in einer Seitenkapelle aufbewahrt wird, sodass man nicht mehr
das ewige Licht sieht, und niemand, der den Kirchenraum betritt, macht noch
eine Kniebeuge. Es gibt vor dem Gottesdienst auch kein kniendes Gebet,
sondern alle sitzen sofort - wie in einem Wartesaal - und beginnen mit dem
Nachbarn muntere Gespräche. Es entsteht kein innerer Raum, in dem die
Eucharistie würdig vollzogen werden kann. Durch unerleuchtete und häretische
Kombination mancher Theologieprofessoren wird den Gläubigen vorgegaukelt,
unsere Eucharistiefeier sei mit dem evangelischen Abendmahl konvertibel,
sodass wir als Katholiken auch dort das Abendmahl empfangen können und die
Protestanten bei uns die heilige Eucharistie.
Damit ist der Lebensnerv der Kirche getroffen, und unsere Kirche scheint damit endgültig protestantisch geworden zu sein. Viele katholische Gläubige haben so bei uns ihre Heimat verloren. Es ist keine Seltenheit, dass Gläubige weite Wege zurücklegen, um an Orte zu kommen, wo noch katholisch gläubig die heilige Messe gefeiert wird.
Der Heilige Vater hat gleichsam die Notbremse gezogen, indem er uns die Enzyklika "Ecclesia de Eucharistia" geschenkt hat. Hier wird ganz deutlich in Erinnerung gerufen und lehramtlich zu glauben vorgelegt, was die katholische Kirche immer von der Eucharistie gesagt und geglaubt hat. Die Eucharistiefeier ist die Vergegenwärtigung des Kreuzesopfers Christi. Sie kann nur gültig und recht gefeiert werden von einem gültig geweihten Priester, der über seinen Weihebischof in der apostolischen Sukzession steht, die bis auf die Apostel und damit auf Christus zurückgeht. In den eucharistischen Gestalten wird Christus wirklich, wahrhaft und wesentlich gegenwärtig. Die kleine Hostie - materiell fast ein Nichts - ist aber unser Allerheiligstes, weil es nicht mehr eine Sache ist, sondern ein Du, Christus, der Sohn des lebendigen Gottes.
4. Kirchen ohne offene
Türen
Der Tabernakel gehört vor diesem Hintergrund in die Sichtweite der
Gemeinde, das ewige Licht muss für alle sichtbar sein und den Gläubigen
sagen: Die Stille des Kirchenraumes ist eine von einem Du erfüllte Stille,
die uns zur Anbetung, Danksagung und Fürbitte einlädt. Wenn das in einer
menschlich ansprechenden Weise geschieht, dann würden sich auch tagsüber
Menschen einfinden, die den eucharistischen Herrn verehren und anbeten, sie
würden von innen her belebte Kirche sein, und dann könnten unsere Kirchen
wieder offen stehen, so dass sie wieder buchstäblich eine weltoffene Kirche
würde. Dann würde von ganz alleine das "Kirche ohne geöffnete Türen" der
Vergangenheit angehören.
Meine Erfahrungen als Bischof zeigen, dass von dem ökumenischen Kirchentag ein großer Desorientierungs- und Verwirrungsschub in unsere Gemeinden ausgegangen ist. Weil zum Beispiel dort am Sonntag morgen ein ökumenischer Gottesdienst stattfand, meint man, dass dies nun auch in allen Gemeinden möglich ist. Die Bischöfe haben sich trotz Bedenken über diesen Einwand hinweggesetzt.
Weil von Anfang an immer wieder die Frage der Interkommunion durch alle Kirchentagsteilnehmer diskutiert und in zwei spektakulären Veranstaltungen praktiziert wurde, setzt sich das punktuell in manchen Gemeinden fort. Nicht nur einfache Gottesdienstbesucher, sondern auch Kommunionhelfer und sogar Priester praktizieren das. Ich kann nur wiederholen: Dadurch ist der Nerv unseres katholischen Glaubens getroffen.
Bei jeder Priesterweihe fragt der Bischof jeden Weihekandidaten ausdrücklich, ob er bereit ist, die Mysterien der Eucharistie nach der kirchlichen Überlieferung und in Ehrfurcht zu feiern. Und erst wenn er das bejaht, darf er ihm die Hände zur Priesterweihe auflegen. Wenn er dieses Versprechen bricht, verwirkt er sein Recht, an den Altar zu treten und die heilige Eucharistie zu feiern. Das Gleiche gilt für die übrigen Diener der Eucharistie, die Diakone, aber auch die Kommunionhelfer.
Die letzte Enzyklika des Papstes "Eucharistie und Kirche" muss zur Pflichtlektüre aller in der Kirche Verantwortlichen werden. Man muss sich mit der Eucharistielehre der Kirche ehrlich auseinandersetzen, damit man sie aus vollem Herzen bejahen kann. Mitunter beruft man sich bei solchen Unregelmäßigkeiten auf das eigene Gewissen. Das Gewissen ist nicht normgebend. Das Gewissen muss sich an der Wahrheit orientieren. Das Gewissen ist eine Norma normata, eine normierte Norm. Und wenn ich nichts weiß, dann kann mich das Gewissen in dieser Angelegenheit gar nicht in die Pflicht nehmen.
Die evangelische Theologin Heike Schmoll hat am Tag nach dem Berliner ökumenischen Kirchentag in einem Kommentar für die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" sinngemäß geschrieben: Was die so genannte ökumenische Basis katholischer- und evangelischerseits verbindet, ist die völlige Ignoranz über das, was die eigenen Kirchen lehren und glauben. Ignoranz ist aber keine Voraussetzung für eine echte Ökumene, der wir nach dem Worte Christi alle verpflichtet sind: "Alle sollen eins sein" (Joh 17, 21). Eine solche Ökumene endet schließlich in einer Art Gefühlsreligion, von der es genügend Angebote in der gegenwärtigen Gesellschaft gibt.
Viele Glaubende sind heute in der Kirche mit aufgerufen - als Pfarrgemeinderäte, Kirchenvorstände, in den Verbänden und Gemeinschaften - mit Verantwortung zu tragen. Wenn aber zur Verantwortung nicht als Voraussetzung ein solides Glaubenswissen kommt, kann das nur tragisch sein. Und wenn man nicht mehr weiß, dass man nichts weiß, zerstört man damit die Kirche in ihrer Substanz.
Hier muss um der Ökumene willen auch noch eine kritische Bemerkung zu dem Wort gemacht werden, das geradezu zur Zauberformel auf diesem Feld geworden ist. Es geht um die Worte "noch nicht". Was alles noch nicht geht, dazu werden alle offenen ökumenischen Fragen aufgeführt. Weil das alles unter dem "noch nicht" steht, erweckt es den Eindruck, "aber bald geht es". Realistisch wird man sagen müssen, dass hier viel häufiger die Worte "nicht mehr" angebracht sind.
Etwa auf dem Gebiet der Ethik können wir oft nicht mehr mit einer Stimme sprechen. Es sei nur an die unterschiedliche Bewertung der Homosexualität in Theorie und Praxis erinnert. Gleiches gilt für den Bereich des Glaubens. Dass beispielsweise die Frauenordination in der evangelischen Kirche neue Hürden in der wichtigen Amtsfrage aufgerichtet hat, die es vor fünfzig Jahren nicht gab, sei nur am Rande vermerkt. Die Ökumene lebt vom Realismus und vom Mut, ihm ins Angesicht zu sehen und nicht von verschwommenen Vorstellungen.
Sonntag ohne Messe, Buße ohne Beichte, Eucharistie ohne Realpräsenz, Kirchen ohne offene Türen. Das ist eine traurige Bilanz, die ein Beobachter aus einem mitteleuropäischen Land bei uns macht. Wir sind oft so betriebsblind, dass wir das gar nicht mehr wahrnehmen. Darum wird in einer solchen Begegnung auch ein Signal zur Umkehr hörbar. Sorgen wir alle dafür, dass es für einen katholischen Christen wirklich heißt, Sonntag mit heiliger Messe, Buße mit Beichte, Eucharistie mit Realpräsenz und damit auch mit Tabernakel und unsere Kirchen mit offenen Türen. Wenn aus den vier "ohne" wieder vier "mit" werden, dann werden viele katholische Christen und darüber hinaus viele Menschen eine innere Heimat bei uns finden. Sie werden sich in der katholischen Kirche geborgen wissen, weil die Gegenwart des Herrn spürbar und erfahrbar wird und bleibt.
Aus: Die Tagespost, 2.7.2003
Quelle:
http://www.die-tagespost.com/Archiv/titel_anzeige.asp?ID=4625
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Nürnberg, 2.7.2003. Mit eindringlichen Worten hat sich der Bamberger Erzbischof Ludwig Schick zur Notwendigkeit weiterer Fortschritte in der Ökumene bekannt. Bei einer Konferenz der Priester und Laientheologen des zu seiner Erzdiözese gehörenden Dekanates Nürnberg betonte er, die Zusammenarbeit der Konfessionen sei zu wichtig, als dass man angesichts der "gegenwärtig zweifellos schwierigen Situation und langsamer Fortschritte" den Mut verlieren dürfe. Ökumene sei "kein Hobby", das man sich aussuchen könne, sondern "Auftrag des Herrn", der keine Wahlmöglichkeit für das eigene Handeln lasse.
Gerade angesichts der aktuellen Irritationen sei es hilfreicher, immer wieder festzustellen, was in der ökumenischen Gemeinsamkeit bereits erreicht worden, als ständig die noch bestehenden Defizite herauszuarbeiten und zu betonen, was derzeit im Miteinander noch nicht möglich sei. "Wir müssen alles gemeinsam tun, was möglich ist, sollten aber im Augenblick das lassen, was wir noch nicht gemeinsam tun können" erklärte Schick.
Es sei bedauerlich, so der Bamberger Erzbischof weiter, dass das "wichtige Ereignis" des Ökumenischen Kirchentages in Berlin in der öffentlichen Wahrnehmung überschattet wurde von dem "Randproblem" der beiden Gottesdienste, bei denen Gläubige und Geistliche am Abendmahl der jeweils anderen Konfession teilgenommen hatten. "Hasenhüttl und Kroll haben der Ökumene damit einen Bärendienst erwiesen." Es sei "schädlich" für die Sache, wenn die Eucharistie für eine Provokation "benutzt" werde. Gleichwohl, betonte Schick nachdrücklich, gehöre die Aufgabe, "auf ein gemeinsames Mahl hinzuwirken" zum "Kerngeschäft" der christlichen Kirchen. Sich diesem Auftrag zu stellen, sei zwar ein Prozess, der länger dauere, aber konsequent weiterverfolgt werden müsse.
Bereits in der Vesper, mit der die Pastoralkonferenz begonnen hatte, rief Schick die Seelsorger in Nürnberg dazu auf, "frohe, zuversichtliche und mutige Mitarbeiter des Herrn" zu sein. Er selbst betrachte es als seine wichtigste Aufgabe als Bischof, an deren Freud und Leid teilzunehmen. Als Rezept für eine gute und glaubwürdige Arbeit in der Seelsorge empfahl er auch in Nürnberg, die von ihm bereits mehrfach genannten sechs Verhaltensweisen, um die sich die pastoralen Mitarbeiter bemühen sollten.
Neben dem Bemühen um eine "erlebte und wirksame Gemeinschaft", zu der Kennenlernen, Austausch, Gespräch, gemeinsames Gebet und kollegiale Anteilnahme gehörten, sei ein "demütiges Selbstbewusstsein notwendig, das um sich selbst weiß und die Anderen anerkennen kann". Der eigenen Spiritualität müsse Priorität eingeräumt werden, da sie nicht zu Lasten der Zeit für effizientes Arbeiten gehe, sondern dieses erst ermögliche. Erst so sei es dann auch möglich, die Menschenfreundlichkeit Gottes im eigenen Handeln wirksam werden zu lassen, ohne erfolgsorientierte und absichtsvolle Überlegungen.
Trotz aller gegenwärtigen Schwierigkeiten, die sich besonders auch bei der Personal- und Finanzplanung auswirkten, wünscht sich der Bamberger Erzbischof auch die Tugenden der Zuversicht und des "Mitdenkens und Mitfühlens mit der Kirche". Solidarität und kritisches Begleiten "von oben nach unten, vor allem aber von unten nach oben" seien wünschenswert und notwendig. Schließlich habe die 2000-jährige Geschichte der Kirche trotz unbestreitbarer Fehler, Schwächen und Mängel auch viele Früchte hervorgebracht, von denen ihre Mitarbeiter heute zehren könnten. (Manfred Dörffel)
Quelle: http://www.eo-bamberg.de
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Speyer, 3.7.2003 (is). Gegen demonstrative Gesten und ein Agieren mit Schlagworten im Hinblick auf die noch ausstehende Eucharistie- und Abendmahlsgemeinschaft hat sich Bischof Dr. Anton Schlembach am Donnerstag in Speyer zu Beginn der konstituierenden Sitzung der Landessynode der Evangelischen Kirche der Pfalz gewandt. In seinem Grußwort vor den neu gewählten Synodenmitgliedern plädierte er statt dessen für eine Kultur des ökumenischen Gesprächs, "die mit Respekt vor den jeweiligen Überzeugungen und mit Rücksicht auf die Verletzlichkeit in solchen Glaubensfragen zur Sache geht".
Schlembach würdigte in diesem Zusammenhang den Ökumenischen Kirchentag in Berlin als "eine Plattform des Glaubens", bei der es sich gezeigt habe, dass viele Gläubige bereit seien, auch hinsichtlich kontroverser Glaubensfragen aufeinander zu hören, auf Argumente einzugehen und im Gespräch zu bleiben. Als ein besonders wichtiges ökumenisches Ereignis im Rahmen des Kirchentages bezeichnete er die feierliche Unterzeichnung der "Charta Oecumenica": "Ich meine, dass wir auch in unserer regionalen ökumenischen Zusammenarbeit auf der Basis dieser Charta und ihrer Selbstverpflichtungen neue Schritte des Miteinanders entdecken können".
Der Bischof betonte, in den zurückliegenden Jahren seien vom Bistum Speyer und der Evangelischen Kirche der Pfalz gemeinsam mit den anderen Kirchen und kirchlichen Gemeinschaften bereits eindrucksvolle Zeichen der Verbundenheit gesetzt worden. Seit langem habe sich in der ökumenischen Landschaft die Erkenntnis durchgesetzt, "dass nur das gemeinsame ökumenische Engagement ein glaubwürdiges Zeichen des christlichen Glaubens in einer säkularistischen und pluralistischen Gesellschaft ist". Auf dieser Linie eines über viele Jahre hin gewachsenen Vertrauens und gemeinsamen Wirkens sei auch die ökumenische Feier am 27. September in Hornbach anlässlich des 1250. Todesjahres des Abtes und Bischofs Pirminius zu sehen. Dessen Verkündigung sei es zu verdanken, dass der christliche Glaube nach den Wirren der Völkerwanderungszeit im südwestdeutschen Raum wieder Fuß fassen konnte. Sein Erbe sei für Katholiken und Protestanten gemeinsame Verpflichtung, erklärte Bischof Schlembach.
Quelle: http://www.kath.de/bistum/speyer/NEWS/nw030703.htm
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WÜRZBURG, 3.7.2003 (Eig. Ber./fo). "Auch wir haben mit ihm ein Kommunikationsproblem", räumt der Pressesprecher des Bischöflichen Ordinariats Würzburg, Hans Schwesinger, mit Blick auf den missglückten "Kanzel-Tausch" zwischen einem katholischen Priester und einer evangelischen Pfarrerin ein. Wie berichtet hatte der Würzburger Priester Helmut Baierl (45) seine evangelische Kollegin Stephanie Fessler (32) trotz vorheriger schriftlicher Absprache am Sonntag in der Kirche nicht zu Wort kommen lassen, sie am feierlichen Einzug gehindert und in seiner Predigt die Gemeinde "schroff über das Trennende beider Konfessionen" belehrt.
Da sich Baierl bislang nicht zu den Vorfällen geäußert hat - "er ist im Gespräch mit Bischof Paul-Werner Scheele" versicherte der Pressesprecher - beharrt die evangelische Gemeindeleitung auf einer Entschuldigung. Bislang hieß es lediglich, das Bischöfliche Ordinariat bedauere, dass am Heuchelhof kein Weg gefunden wurde, die entstandene Situation einvernehmlich und eindeutig abzuklären. Man hoffe, dass sich die dort in 30 Jahren gewachsenen ökumenischen Beziehungen jetzt bewähren.
Die Kapelle gekündigt
Zu einem Eklat kam es unterdessen im Bistum Regensburg zwischen der
römisch-katholischen und der alt-katholischen Kirche. Nach fast 40 Jahren
kündigte die Diözese den Alt-Katholiken eine Kapelle, die diese jedes
Wochenenende für ihre Gottesdienste nutzten. Die Begründung: "Eigenbedarf"
und "theologische Erwägungen". "Da gab es bisher höchstens drei bis vier
römisch-katholische Gottesdienste im Jahr", sagt der alt-katholische Pfarrer
Ralf Staymann. Er mutmaßt, dass Bischof Müller mit ihm persönlich
Schwierigkeiten habe. Der mittlerweile verheiratete Geistliche war nämlich
früher Priester der römisch-katholischen Kirche und ist zu den
Alt-Katholiken gewechselt.
Aus: Nürnberger Nachrichten,
3.7.2003
Quelle:
http://www.nn-online.de/artikel.asp?art=96756&kat=29
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GROSSHABERSDORF, 3.7.2003. Während der Eichstätter Bischof Walter Mixa im Fall des beurlaubten Großhabersdorfer Pfarrers Bernhard Kroll in Interviews überraschend das von ihm verordnete Stillschweigen beendet hat, übt der Betroffene weiterhin äußerste Zurückhaltung. Noch bei der Pfarrversammlung vor vier Wochen hatte es geheißen, dass sowohl Kroll als auch die Diözesanleitung bis auf Weiteres keine Stellungnahmen abgeben, was den Priester betrifft, der wegen seiner Teilnahme an einem evangelischen Abendmahl zur Rechenschaft gezogen worden war.
Kroll selbst zeigte sich in einem Gespräch mit unserer Redaktion vom Bruch der Vereinbarung allerdings "nicht überrascht". Mehr wolle er dazu nicht sagen. Am allgemeinen Sachstand in seinem Fall hat sich aus seiner Sicht bis heute nichts verändert. Demnach beginnt für ihn demnächst die Besinnungszeit mit geistlichen und theologischen Begleitern, die ihm von der Bistumsleitung auferlegt wurde. Wie lange diese dauert und was an deren Ende kommt, vermochte der Priester nicht zu sagen.
Martin Swientek, Pressesprecher der Diözese Eichstätt, begründete das Ende des vereinbarten Stillschweigens damit, dass nach Meinung von Bischof Mixa inzwischen "die erste Erregung abgeklungen ist". Der Oberhirte habe sich zu den Interviews entschlossen, weil es darin nicht um die persönliche Problematik Kroll gehen sollte, sondern um die Grundproblematik des Falls.
Freilich gab der Bischof beispielsweise in seiner Stellungnahme in der Süddeutschen Zeitung ohne Umschweife seiner Enttäuschung darüber Ausdruck, "dass sich ein Priester meiner Diözese derart produziert hat". Er sprach ferner von einer "bewussten öffentlichen Provokation" und von "Sensationsmache".
Die umstrittene Abendmahlsfeier in Berlin bezeichnete Mixa als "inszeniertes Spektakel", "das mit einem Gottesdienst nichts mehr zu tun hatte". Kroll, so Mixa, habe sich vielleicht auch nur vor Karren der kirchlichen Basisgruppen spannen lassen. "Angeblich ist er für einen anderen Priester eingesprungen, der gekniffen hat", mutmaßt der Bischof. Die Frage, warum er sich nicht den Gläubigen in Großhabersdorf selbst zum Dialog gestellt habe, beantwortete der Oberhirte mit dem Satz: "Ich hätte damit die Situation über Gebühr aufgewertet." Er werde aber noch dieses Jahr mit den Großhabersdorfern "ein Glaubensgespräch suchen".
Die Großhabersdorfer Pfarrgemeinde dagegen zeigt sich verwundert, dass Mixa "die Sache jetzt wieder aufrührt", und widerspricht einigen seinen Äußerungen. Kirchenpfleger Franz Müller betont, dass man keinesfalls die "Vorkommnisse in Berlin bedauert", wie von Mixa behauptet. "Wir stehen zu dem, was er gemacht hat", sagen Müller und seine Frau Jutta, Vorsitzende des Pfarrgemeinderates. Für sie sei das Strafmaß "menschlich nicht nachzuvollziehen". Zumal Mixa geäußert habe, dass der Vorgang in Berlin "mit einem Gottesdienst nichts zu tun" gehabt habe.
Die Großhabersdorfer hätten bereits am 6. Juni um einen Gesprächstermin mit den Diözesanoberen "zur Aufarbeitung" gebeten. Generalvikar Limbacher habe dies zugesagt. Die Gemeinde, die am 13. Juli ursprünglich den zehnten Geburtstag der Pfarrei begehen wollte, will dieses Fest verschieben, bis Bernhard Kroll wieder in Amt und Würden ist. "Wir wollen, dass er zurückkommt", sagte Jutta Müller. Dies gelinge, wenn Bischof und Pfarrer "einen kleinen Schritt aufeinander zugehen".
Stattdessen steigt vorerst ein Fest unter dem mehrdeutigen Motto "Gemeinsam Feiern". Bis dahin bleibt Organist Günter Greb weiter im "Streik", ebenso der von ihm geleitete Chor. Derweil spielt "Nachwuchs" an der Orgel. (ULRICH RACH UND ELKE GRASSER-REITZNER)
Aus: Nürnberger Nachrichten,
3.7.2003
Quelle:
http://www.nn-online.de/artikel.asp?art=96750&kat=27
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München, 2.7.2003 (KNA). Der Eichstätter Bischof Walter Mixa hat sein Vorgehen im Fall Kroll bekräftigt. Trotz aller entstandenen Turbulenzen würde er wieder so entscheiden, da der Pfarrer den Zusammenhang von Weihe und Eucharistie geleugnet habe, sagte Mixa in einem Interview der in München erscheinenden "Süddeutschen Zeitung" (Mittwochsausgabe). Wenn ein Bischof in einem solchen Fall schweige, verleugne er aus Feigheit sein Hirtenamt.
Der Großhabersdorfer Pfarrer Bernhard Kroll hatte trotz Verbots am Rand des Ökumenischen Kirchentags in Berlin demonstrativ an einer evangelischen Abendmahlsfeier teilgenommen. Sein Diözesanbischof Mixa enthob ihn deshalb bis auf weiteres seiner Ämter, weil er sich der vom Kirchenrecht "verbotenen Gottesdienstgemeinschaft" schuldig gemacht habe. In der fränkischen Gemeinde kam es daraufhin zu Protesten. Chor und Organist schwiegen am Pfingstsonntag aus Protest. Außerdem bildeten rund 1.000 evangelische und katholische Christen aus Solidarität mit dem Geistlichen eine Menschenkette.
Den Veranstaltern des Abendmahlsgottesdiensts warf Mixa jetzt vor, ein "von den kirchlichen Basisgruppen gewolltes und von den Medien inszeniertes Spektakel" veranstaltet zu haben. Das evangelische Abendmahl sei dabei zur Provokation missbraucht worden. Mixa räumte ein, nicht mit solch umfassenden Reaktionen gerechnet zu haben. "Ich hatte mehr Sachlichkeit erwartet." Zugleich betonte der Bischof, dass er die Entscheidung gegen Kroll nicht allein getroffen habe, sondern mit seinen engsten Mitarbeitern, Domkapitularen und Kirchenrechtlern sowie auch mit dem betroffenen Pfarrer selbst zwei Stunden lang gesprochen habe. "Wir kamen zu dem Ergebnis, ihm Gelegenheit zur Besinnung zu geben."
Kirchenrechtlich sei er damit "weit unter einer Höchststrafe" geblieben. Nun müsse Kroll sein Amts- und Eucharistieverständnis als katholischer Priester überdenken. "Vielleicht wurde er auch nur vor den Karren der Basisgruppen gespannt", mutmaßte der Bischof. Angeblich sei Kroll nämlich kurzfristig für einen anderen Priester eingesprungen, der gekniffen habe.
Derzeit vertiefe der Pfarrer außerhalb von Großhabersdorf die Thematik mit geistlichen Begleitern, "die nicht ich ihm ausgesucht habe", erklärte Mixa. Wie lange er brauche, liege an Kroll. "Wir beide sind im Frieden auseinander und halten Kontakt." Die Pfarrei sei Kroll nicht entzogen worden; von Suspendierung könne deshalb keine Rede sein. Zugleich kündigte der Bischof an, noch dieses Jahr mit der Pfarrei ein Glaubensgespräch führen zu wollen, an dem auch Kroll teilnehmen solle.
"Ich will Ökumene, aber nicht auf dem kleinsten gemeinsamen Nenner", sagte Mixa. Ökumene zielt seiner Ansicht nach auf volle Kirchengemeinschaft. Für ein gemeinsames Abendmahl sei es zu früh. Allerdings wisse er natürlich auch, dass vielerorts Katholiken zum evangelischen Abendmahl gingen. Auch beim Austeilen der Kommunion könne ein Priester nicht sein Gegenüber erst fragen, ob er katholisch sei.
"Ich würde auch einem gläubigen Protestanten nie die Kommunion verweigern", unterstrich der Bischof. Darum sei es aber im konkreten Fall nicht gegangen. Der Berliner Gottesdienst sei nur Provokation gewesen. Für die leidvolle Problematik konfessionsverschiedener Familien müssten vielmehr rasch weitere gute Wege gefunden werden.
Quelle: http://www.kna.de/webnews/kwn0_472prs865qylo/kwn0-20030702t125047703.htm
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SZ, 2.7.2003. Anfang Juni hat der Eichstätter Bischof Walter Mixa den Pfarrer von Großhabersdorf, Bernhard Kroll, vorläufig seines Amtes enthoben. Der Geistliche hatte zuvor beim Ökumenischen Kirchentag in Berlin an einem evangelischen Abendmahl teilgenommen, was die katholische Kirchenleitung verboten hatte. Im SZ-Interview äußert sich der Bischof erstmals zu seiner Entscheidung.
SZ: Ein Kirchenchor, der nicht mehr singt, Menschenkette, Lichterdemo, Kirchenaustritte, Hunderte kritische Briefe und bundesweite Schlagzeilen. Haben Sie mit dieser Protestwelle gerechnet?
Mixa: Dass meine Entscheidung hinterfragt wird, war mir klar. Aber mit solch umfassenden Reaktionen habe ich nicht gerechnet. Ich hatte mehr Sachlichkeit erwartet. Die Medien haben das Thema spektakulär aufgegriffen. Aber natürlich war vorher schon das Abendmahl in Berlin, an dem Pfarrer Kroll verbotenerweise mitgewirkt hat, ein von den kirchlichen Basisgruppen gewolltes und von Medien inszeniertes Spektakel. Mit einem Gottesdienst hatte das nichts mehr zu tun. Das Abendmahl wurde zur Provokation und Sensationsmache missbraucht.
SZ: War die Suspendierung von Pfarrer Kroll Ihre alleinige Entscheidung?
Mixa: Zuerst habe ich mit meinen engsten Mitarbeitern diskutiert. Dann habe ich zusammen mit dem Generalvikar zwei Stunden mit Pfarrer Kroll geredet. Anschließend habe ich mit Domkapitularen und Kirchenrechtlern gesprochen. Wir kamen zu dem Ergebnis, ihm Gelegenheit zur Besinnung zu geben. Ich bin ihm so kirchenrechtlich weit unter einer "Höchststrafe" begegnet. Er muss sein Amts- und sein Eucharistieverständnis als katholischer Priester überdenken. Wir beide sind im Frieden auseinander und halten Kontakt. Seine Pfarrei wurde ihm nicht entzogen und damit kann von einer Suspendierung keine Rede sein.
SZ: Was macht Pfarrer Kroll zurzeit?
Mixa: Er vertieft außerhalb von Großhabersdorf die Thematik mit geistlichen und theologischen Begleitern, die nicht ich ihm ausgesucht habe. Wie lange er braucht, liegt an ihm.
SZ: Wenn er bei seiner Position bleibt?
Mixa: Dann werden wir im Gespräch bleiben und einen neuen Weg suchen.
SZ: Der Vorgang hat die ökumenische Euphorie nach dem Kirchentag schnell abgekühlt. Wollten Sie das?
Mixa: Natürlich nicht. Ich will Ökumene, aber nicht auf dem kleinsten Nenner. Ökumene zielt auf volle Kirchengemeinschaft. Für ein gemeinsames Abendmahl ist es zu früh. Das ist unsere Überzeugung, die von der Leitung der EKD respektiert wird. In den letzten 25 Jahren ist mehr zusammengewachsen als in 400 Jahren vorher, und ich bin überzeugt, dass wir weiterkommen werden. Ich selbst bin aus Berlin in Hochstimmung zurückgekehrt. Umso enttäuschter war ich, dass ein Priester meiner Diözese sich derart produziert hat. Vielleicht wurde er auch nur vor den Karren der Basisgruppen gespannt. Angeblich ist Pfarrer Kroll kurzfristig für einen anderen Priester eingesprungen, der gekniffen hat.
SZ: Die Unterstützung aus der Deutschen Bischofskonferenz für Ihr Vorgehen kam auffallend schleppend ...
Mixa: Aus Gesprächen und Briefen weiß ich, dass alle deutschen Diözesanbischöfe samt Kardinal Lehmann uneingeschränkt hinter meiner Entscheidung stehen.
SZ: Diese hat viele Gläubige verprellt. War es das wert?
Mixa: Ich hatte sehr gute Gespräche mit Verantwortlichen der Pfarrei Großhabersdorf und sie haben die Vorkommnisse in Berlin einhellig bedauert. An den Protesten haben sich nicht nur Einheimische beteiligt. Kirchliche Basisgruppen hatten bundesweit dazu aufgerufen. Sie haben die Stimmung aufgeheizt und die örtliche Verunsicherung für ihre Zwecke in unverantwortlicher Weise missbraucht.
SZ: Ein Vorwurf ist: Die Kirche gehe mit Kinderschändern in Reihen der Priesterschaft rücksichtsvoller um als mit Menschen wie Pfarrer Kroll.
Mixa: Das trifft nicht zu. Wenn Missbrauch festgestellt wird oder der Verdacht vorliegt, werden unverzüglich staatliche Behörden eingeschaltet. Zudem haben die Bistümer Beauftragte und Kommissionen eingerichtet, die als unabhängige Kontaktstellen beraten und helfen.
SZ: Zur Diskussion schickten Sie ihren Generalvikar und einen Mitarbeiter nach Großhabersdorf. Warum haben Sie sich den Gläubigen nicht selbst gestellt?
Mixa: Ich hätte damit die Situation über Gebühr aufgewertet. Ich werde aber noch dieses Jahr mit der Pfarrei ein Glaubensgespräch suchen und hätte gerne, dass Pfarrer Kroll daran teilnimmt.
SZ: Nach all den Turbulenzen: Würden Sie wieder so entscheiden?
Mixa: Eindeutig ja. Die Eucharistie, die Wandlung von Brot und Wein in Christi Leib und Blut durch geweihte Priester, ist Kern katholischen Glaubens. Pfarrer Kroll hat den Zusammenhang von Weihe und Eucharistie geleugnet. Wenn ein Bischof da schweigt, verleugnet er aus Feigheit sein Hirtenamt. Dann muss er damit rechnen, dass jeder Pfarrer künftig nach eigenem Geschmack Gottesdienst feiert.
SZ: Ist es nicht so, dass vielerorts Katholiken zum Abendmahl gehen und Protestanten zur Kommunion, und die jeweiligen Pfarrer tolerieren und fördern das?
Mixa: Natürlich, ich bin doch nicht blauäugig. Man kann bei der Kommunion auch nicht jeden fragen, ob er katholisch ist. Ich würde auch einem gläubigen Protestanten nie die Kommunion verweigern. Darum ging es im konkreten Fall aber nicht. Das war als bewusste öffentliche Provokation inszeniert. Und für die leidvolle Problematik konfessionsverschiedener Familien müssen rasch weitere gute Wege gefunden werden.
SZ: Stört es Sie, dass Ihnen das Etikett des konservativen Hardliners anheftet? Es heißt, sie wollten sich so in Rom profilieren, um Erzbischof von München und Freising zu werden.
Mixa: Ich sehe mich als kultivierter Konservativer, aber nicht als Reaktionär oder Ewiggestriger. Meine Ambitionen sind die gute Leitung meiner Diözese sowie der volle Einsatz für die Katholische Universität Eichstätt und als Militärbischof. Auf München habe ich keine Ambitionen. Das ist für mich kein Thema.
(Interview: Uwe Ritzer)
Aus: Süddeutsche Zeitung, 2.7.2003
Quelle: http://www.sueddeutsche.de/sz/bayern/red-artikel5690/
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Nürnberg, 1.7.2003. Elisabeth und Jakob sind schon seit ewigen Zeiten durch etliche zarte Bande miteinander verbunden. Die räumliche Nähe ist groß, nur rund 40 Meter trennen sie. Vor dem großen Familienstreit, der allerdings lange zurückliegt, waren sie sogar schon einmal ganz vereinigt. Jetzt kommt sich das Paar am Weißen Turm zumindest für einige Wochen wieder einmal besonders nahe. In der jahrhundertealten Beziehung ist das vielleicht sogar eine historische Begegnung. Die Messen der katholischen Gemeinde Sankt Elisabeth, deren Gotteshaus gerade innen renoviert wird, finden demnächst für einige Wochen die evangelisch-lutherische Kirche Sankt Jakob statt.
Nach dem Fall des Großhabersdorfer Priesters Bernhard Kroll, der nach einer öffentlichen Teilnahme am evangelischen Abendmahl von seinem Bischof amtsenthoben wurde, sind solche engen Kontakte nicht unproblematisch, zumal ab 3. August bis zum Ende der Schulferien in Sankt Jakob jeden Sonntag von 9.30 Uhr bis 11 Uhr evangelischer Gottesdienst und unmittelbar danach katholische Messe gefeiert wird. Bei diesem unkontrollierten, fliegenden Wechsel ist die Gefahr einer Durchmischung der Konfessionen schließlich besonders groß.
Allerdings ist der Platz mit den beiden Gotteshäusern vermutlich so etwas wie der natürlichste Ort für Ökumene in der ganzen Kirchengeschichte. Sankt Jakob war ab dem 13. Jahrhundert eine Kirche des Deutschen Ritterordens. Und weil sich die Herren neben der gewalttätigen Glaubensvermittlung auch mildtätigen Gedanken verpflichtet fühlten, bauten sie gegenüber das Sankt-Elisabeth-Hospital. Während der Auseinandersetzungen in der Reformationszeit wurden die Kirchen-Zwillinge getrennt. Elisabeth blieb katholisch, Jakob wurde am Ende evangelische Stadtpfarrkirche.
Das bedeutet aber nicht, dass die beiden nichts mehr miteinander zu tun haben. Sie helfen sich, wo es geht. Elisabeth hat zum Beispiel keine Glocken, die brauchte sie früher ja auch nicht, Jakob gehörte ja fest zu ihr. Seit langem lassen nun die Protestanten bei hohen kirchlichen Feiern ihrer Nachbarn, zum Beispiel bei der alljährlichen Firmung, ihre Glocken läuten. Dem anwesenden katholischen Bischof klingt also jedes Mal ein evangelisches Geläut im Ohr. Geschmerzt hat ihn das offenbar noch nicht sehr, denn die ungewöhnliche Verbindung für die Augustwochen hat den Segen das Erzbistums Bamberg, zu dem Sankt Elisabeth gehört. In der freundlichen Erlaubnis von Generalvikar Alois Albrecht wird lediglich auf "can. 859, 933, 1118 § 2 CIC" verwiesen.
Das ist nichts bedrohliches, das sind nur die einschlägigen Paragraphen des römischen Kirchenrechts für solche Ausnahmefälle. Diese gelten weltweit und demnach auch für die Nürnberger Innenstadt. Die Canones bestimmen, dass Ehen auch "an einem anderen passenden Ort" geschlossen werden können, oder dass eine Taufe in "einer anderen, näher gelegenen Kirche oder Kapelle" gespendet werden kann, wenn ein Täufling "nicht ohne große Unannehmlichkeiten zur Pfarrkirche oder zu einer anderen Kirche oder Kapelle nach can. 858, § 2 kommen oder gebracht werden kann".
Die Hürde Kirchenrecht hat Pfarrer Robert Mayr von Sankt Elisabeth ohne kirchenjuristischen Beistand genommen, denn schließlich ist seine Kirche innen voller Gerüste, das sieht jeder. Die Unannehmlichkeiten für jeden Täufling wären also enorm. Der Priester feiert also am 3. August vermutlich zum ersten Mal seit Jahrhunderten wieder eine Eucharistie in Sankt Jakob. Große Umbauten sind dazu in dem ex-katholischen Gotteshaus nicht nötig. Als Tabernakel - das ist der wichtige Schrein, in dem die geweihten Hostien für die Messe aufbewahrt werden - dient ein gotisches Türmchen vorne im Altarraum, das bei den Lutheranern seinen liturgischen Sinn verloren hat. "Wir brauchen nur ein kleines Schloss für das Gitter, damit wir zusperren können", sagt Mayr, "die Eucharistie soll an einem würdigen Ort aufbewahrt werden können."
Für den katholischen Geistlichen ist es ein "bewegender Moment, dass wir hier so willkommen sind mit unserer Form des Gottesdienstes". So weit geht die Liebe zwischen Elisabeth und Jakob allerdings auch wieder nicht, dass der evangelische Pfarrer Helmut Weidinger an den Sonntagen als Konzelebrant, als Mitfeierer der Eucharistie, auftreten könnte. Dagegen stehen die schärferen Canones. "Ich werde meinen Urlaub aber unterbrechen und die Katholiken bei uns zu dieser Premiere begrüßen", sagt Weidinger, "es ist doch selbstverständlich, dass wir unsere Kirchentüren in diesem Fall öffnen."
"Katholiken eingeschlossen"
Sein Kirchenrecht macht ihm die Zustimmung auch relativ leicht. Es genügt
ein Beschluss des Kirchenvorstands (KV). "Da waren alle dafür", versichert
Bernhard Dier vom KV-Ausschuss für Fragen des Gottesdienstes. Er ist auch
Organist und wird an der Orgel von jeher von Professor Bernhard Mayer
vertreten, ein Katholik, der sonst auch in anderen Gotteshäusern seiner
Kirche spielt. "Der kann in den kommenden Wochen gleich auf der Orgelbank
von Sankt Jakob sitzen bleiben", sagt Dier, "erst spielt er für uns,
anschließend gleich in der katholischen Messe."
Ganz harmlos ist die Situation freilich nicht. Das Verhalten des Kirchenvolks beider Konfessionen könnte in diesem Fall außer Kontrolle geraten. Was ist, wenn Katholiken schon etwas früher kommen, um an einem evangelischen Gottesdienst teilzunehmen, oder die Protestanten zur katholischen Messe einfach sitzen bleiben, wenn sie gar wechselseitig an Abendmahl und Eucharistie teilnehmen? Helmut Weidinger bereitet das kein Kopfzerbrechen: "Nach unserem Verständnis lädt nicht der Pfarrer zum Abendmahl ein, sondern Christus. Da sind natürlich auch Katholiken nicht ausgeschlossen."
Für Robert Mayr liegt die Sache komplizierter. Er darf eine solche offene Einladung nicht aussprechen. "Ich würde aber keinen abweisen, von dem ich weiß, dass er evangelischer Christ ist", sagt der Priester, "ich würde den Wunsch respektieren. Später, bei passender Gelegenheit, kann man vielleicht klären, warum dieser Wunsch da ist." Dagegen widersetzt sich, so Mayr, ein Katholik, der eine Hostie aus der Hand von Helmut Weidinger entgegennimmt, ganz klar den Regelungen Roms. Das ist ein glatter Verstoß gegen das Kirchenrecht.
Mayr befürchtet allerdings nicht, dass die Christen beider Lager massenhaft Freude an den neuen Gemeinsamkeiten haben, die günstige Gelegenheit vielleicht sogar nutzen, um ganz im Sinn von Bernhard Kroll einmal deutlich zu demonstrieren, dass ihnen die Canones ziemlich egal sind. Dann, so Mayr, müsste er in "angemessener Form" darauf hinweisen, dass eine "Mahlgemeinschaft eben nicht möglich ist". Sollte der Streit wider Erwarten doch eskalieren, wäre für Sicherheit und Ordnung schnell gesorgt. Anstelle des Ordenshauses ganz in der Nähe von Elisabeth und Jakob, entstand nämlich im 19. Jahrhundert eine Infanteriekaserne. Heute steht dort das Polizeipräsidium. (MICHAEL KASPEROWITSCH)
Aus: Nürnberger Nachrichten, 1.7.2003
Quelle: http://www.nn-online.de/artikel.asp?art=96226&kat=10
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Nürnberg, 1.7.2003. Manchmal stellt es das Schicksal - vielleicht in diesem Fall besser: der liebe Gott - besonders geschickt an. Gerade Sankt Elisabeth und Sankt Jakob, die beiden Innenstadt-Kirchengemeinden mit ihrer langen gemeinsamen Geschichte, bekommen durch einen Zufall die Chance, Ökumene sozusagen hautnah zu praktizieren. Ein Baugerüst, das die Kuppel von Sankt Elisabeth gegenwärtig ausfüllt, hat das erreicht, woran hochrangige Kirchen-Kommissionen vermutlich gescheitert wären.
Der aus einer Not geborene Weg macht deutlich, wie unbedeutend die konfessionellen Grenzen in der Praxis geworden sind. Die Eucharistie, das Zentrum jeder katholischen Messe, wird für Wochen in einer evangelischen Kirche aufbewahrt - und niemand wird sich auch nur im Geringsten daran stören, mag der Streit um das Abendmahl während der Reformation im 16. Jahrhundert auch noch so im Zentrum der Auseinandersetzung gestanden haben.
Diese Haltung hat nichts mit Geschichtslosigkeit oder Gleichgültigkeit zu tun. Die alten Schlachten will einfach niemand mehr schlagen. Das kann man getrost den Kirchenoberen überlassen. Die beiden Gemeinden haben die Chance, zu zeigen, dass die Ökumene an der Basis schon weit über die Vorstellungen der Bischöfe hinausgeht. Sie können zeigen: Die Gemeinsamkeiten sind längst gewichtiger als das Trennende. Vielleicht gelingt ihnen diese kleine Nürnberger Reformation - über die Zeit der sechswöchigen Gastfreundschaft hinaus. (MICHAEL KASPEROWITSCH)
Aus: Nürnberger Nachrichten, 1.7.2003
Quelle: http://www.nn-online.de/artikel.asp?art=96225&kat=10
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hz, 30.6.2003. Die gegenseitige Teilnahme am Abendmahl und der Eucharistie müsse evangelischen wie katholischen Christen erlaubt werden, forderte Dr. Sigurd Rink, der Propst für Süd-Nassau, in seiner Predigt am gestrigen Sonntag in der Wiesbadener Marktkirche. Vor allem mit Blick auf Ehepaare verschiedener Konfessionen gelte es, Stolpersteine aus dem Weg zu räumen: "Wir in den Kirchen sollten dem getauften Christen keine Schranken bauen."
Rink, Mitglied des Leitenden Geistlichen Amtes der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau, sieht in Verboten und Maßregelungen, wie sie in der katholische Kirche vor, während und nach dem ökumenischen Kirchentag in Berlin zu registrieren waren, geradezu einen Widerspruch zum Geist des Abendmahls: "Es war und ist das sichtbare Zeichen christlicher Gemeinde jenseits aller Trennungen und Spaltungen."
In seiner Predigt sagte der Propst, die überschwängliche Gastfreundschaft Gottes werde in dem Gastgeber deutlich, der alle zu seinem Abendmahl einlade: "Mit offenen Armen empfängt er sie mit dem wunderbaren Wort: 'Kommt, denn es ist alles bereit.' Arme, Verkrüppelte, Blinde, Lahme, die Außenseiter der damaligen Gesellschaft und schließlich sogar vorbehaltlos alle, die auf den Landstraßen und an den Zäunen irgendwie auffindbar sind: 'Nötige sie hereinzukommen, auf dass mein Haus voll werde.'"
Gottes Einladung, interpretiert Rink, sei größer als die von Menschen gezogenen Grenzen. "Nicht die Zulassung eines getauften Christen zum Abendmahl ist begründungsbedürftig, sondern im Gegenteil: Wenn ich einem getauften Christen das Abendmahl verweigere, muss ich dafür schwerwiegende Gründe ins Feld führen. Gott nämlich ruft uns zur Einheit an den einen Tisch des Herren." Genau das freilich sei fernab aller fundamental-theologischer Überlegungen gängige Praxis in evangelischen wie katholischen Gemeinden: "Wir fragen doch nicht nach der Konfession, bevor wie das Abendmahl austeilen."
Rink muss es wissen. Er wuchs nach dem Tod seiner Mutter in einer katholischen Stiftsschule und einem bischöflichen Schülerheim des Bistums Fulda auf. "Ein Drittel der Bewohner war evangelisch, und wir haben vollgültig an jeder Eucharistie teilgenommen. Ja, wir konnten sogar Messdiener werden, ohne dass es jemanden gestört hätte. Wir besuchten den Bischof zu Fulda und feierten die Messe, und jeder wusste, dass wir doch 'nur' evangelisch waren. Die Mahlgemeinschaft hat jedem von uns gut getan." Derart unverkrampft sei vielerorten die Praxis: "Und das ist auch gut so."
Der entscheidende Schritt auf dem Weg zu einer offiziellen gegenseitigen Anerkennung des Abendmahls und die gemeinsame Feier evangelischer und katholischer Priester ist aufgrund tief gehender theologischer Differenzen indes auch in den Augen des Propstes noch weit: "Es bedarf wohl eines weiteren ökumenischen Konzils, um hier echte, tragfähige Brücken zu bauen." Die allerdings würden dringend gebraucht: "Denn die Grenzlinien der Zukunft", ist Rink überzeugt, "werden nicht mehr zwischen den christlichen Konfessionen liegen." Die große Herausforderung des kommenden Jahrhunderts für die beiden Kirchen sei vielmehr, "sich zu öffnen und auch diejenigen, die an den Zäunen und auf den Straßen am Rande stehen, für Christus zu gewinnen."
Aus: Wiesbadener Tagblatt, 30.6.2003
Quelle:
http://www.main-rheiner.de/region/objekt.php3?artikel_id=1182605
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Würzburg, 1.7.2003 (epd). Im Fall des missglückten Predigertauschs zwischen der katholischen und der evangelischen Gemeinde im Würzburger Stadtteil Heuchelhof bemühte sich das Bischöfliche Ordinariat Würzburg am Dienstag um Schadensbegrenzung. Die evangelische Gemeindeleitung blieb bei ihrer Forderung nach einer öffentlichen und persönlichen Entschuldigung des katholischen Pfarrers Helmut Baierl (45), der die evangelische Pfarrerin Stéphanie Fessler (32) am vergangenen Sonntag bei einem ökumenischen Sommerfest nicht mit einziehen und predigen ließ. Baierl selbst lehnte gegenüber dem Evangelischen Pressedienst eine Erklärung mit dem Hinweis ab, dass "Christen ihre Differenzen nicht in der Öffentlichkeit austragen sollten". Der evangelische Dekan Günter Breitenbach sieht weiter "Klärungsbedarf".
Das Würzburger Ordinariat drückte in einer Stellungnahme sein Bedauern darüber aus, dass im Vorfeld der vereinbarten Parallelgottesdienste im Stadtteil Heuchelhof "kein Weg gefunden wurde, die Situation einvernehmlich und eindeutig abzuklären". Es verwies darauf, dass nach katholischem Recht "die Homilie (Kurzpredigt, Red.) eines evangelischen Amtsträgers nicht während einer Eucharistiefeier stattfinden soll, um die Einheit von Wort und Sakrament auch personell deutlich zu machen". Die Pressestelle der Kirchenbehörde sprach die Hoffnung aus, "dass sich die in 30 Jahren gewachsenen ökumenischen Beziehungen im Stadtteil Heuchelhof auch in einer solchen Situation bewähren".
Sowohl Breitenbach als auch die Gemeindeleitung Heuchelhof erinnerten daran, dass Baierl selbst die evangelische Pfarrerin zur Predigt in der katholischen Kirche eingeladen habe. In einer schriftlichen Mitteilung an die "Liebe Stéphanie" vom 28. Mai habe er das Projekt noch als "sehr erfreuliche Sache" bezeichnet. Für eine Absage des Kanzeltauschs wegen kirchenrechtlicher Bedenken wäre anschließend immer noch genügend Zeit gewesen, so die evangelische Gemeindeleitung. Durch sein Vorgehen im Gottesdienst, die nicht abgesprochene Änderungen des vereinbarten Predigtthemas und die "schroffe Belehrung" der Gottesdienstbesucher über das Trennende im Glauben habe der katholische Pfarrer eine "vermeidbare öffentliche Demütigung der evangelischen Vertreter im Gottesdienst bewusst in Kauf genommen", heißt es in ihrer Erklärung.
Quelle: http://www.epd.de/bayern/bayern_index_16003.htm
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Würzburg, 30.6.2003 (epd). Missglückt ist am vergangenen Sonntag ein so genannter Kanzeltausch zwischen der katholischen und evangelischen Gemeinde im Würzburger Stadtteil Heuchelhof. Während die katholische Gemeindereferentin Barbara Stehmann in der evangelischen Gethsemanekirche wie geplant predigte, verließ die evangelische Pfarrerin Stéphanie Fessler vorzeitig den katholischen Gottesdienst in St. Sebastian: Der katholische Pfarrer Helmut Baierl hatte sie nicht zu Wort kommen lassen.
Führende Vertreter der evangelischen Gemeinde forderten Baierl am Montag auf, sich "sowohl öffentlich als auch persönlich bei den Betroffenen für sein beleidigendes Verhalten zu entschuldigen". Sie warfen ihm vor, schriftliche Vereinbarungen nicht eingehalten zu haben. Baierl war für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.
Der evangelische Würzburger Dekan Günter Breitenbach sprach von einem unerklärlichen Vorgehen des katholischen Geistlichen und kündigte Gespräche mit der Diözese Würzburg an. "Ich hoffe, dass sich diese Angelegenheit als lokales Problem herausstellt", so Breitenbach. Er könne aber nicht hinnehmen, dass ein evangelischer Pfarrer als Prediger in einen katholischen Gottesdienst eingeladen werde und dann nicht zu Wort komme. Predigertausch zwischen katholischen und evangelischen Gemeinden zu besonderen Anlässen wird in Bayern seit vielen Jahren praktiziert. In Würzburg übernahm selbst der katholische Bischof Paul-Werner Scheele eine Predigt in der evangelischen Stephanskirche.
Der Vorgang im Stadtteil Heuchelhof hat nach Angaben des evangelischen Pfarrers Jörg Breu "tiefe Betroffenheit" unter evangelischen und katholischen Christen ausgelöst. Der Predigttausch sei zunächst von dem katholischen Pfarrer als "sehr erfreuliche Sache" begrüßt worden, nachdem ein ursprünglich geplanter ökumenischer Gottesdienst zum Auftakt des gemeinsamen Sommerfestes vom Ordinariat untersagt worden war.
Den Angaben des evangelischen Pfarramts zufolge habe Baierl seine im Talar erschienene evangelische Kollegin bereits am feierlichen Einzug in das Gotteshaus gehindert und ihr statt dessen einen festen Platz zugewiesen. Abweichend von der abgesprochenen Gottesdienstordnung habe er dann nicht über den Guten Hirten, sondern über das Trennende in der Ökumene gesprochen. Er habe den evangelischen Gottesdienstbesuchern deutlich gemacht, dass er ihnen keine Kommunion spenden könne.
Während des Gottesdienstes seien Vertreter verschiedener Mitgliedskirchen der neuen Arbeitsgemeinschaft christlicher Kirchen (AcK) in Würzburg begrüßt worden, nicht aber die evangelische Pfarrerin. Fessler habe zu Beginn der Eucharistiefeier mit dem evangelischen Diakon Georg Pfundt und der Vertrauensfrau des Kirchenvorstands, Gisela Selbach, die katholische Kirche verlassen und im noch laufenden evangelischen Gottesdienst über den Vorgang berichtet. Die Gemeinde reagierte nach Aussagen von Gottesdienstbesuchern mit Unverständnis bis hin zu Tränen.
Quelle: http://www.epv.de/aktuell/news.php?jr=2003&cid=aktuelles&sid=031033
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Amorbach, 29.6.2003 (epd). Eine Einheitskirche kann nicht Ziel der Ökumene sein. Dies hat der bayerische Landesbischof Johannes Friedrich bei einem Festgottesdienst zum 750-jährigen Bestehen der Stadt Amorbach (Kreis Miltenberg) betont. Friedrich bedauerte Forderungen nach einer so genannten Rückkehr-Ökumene. Die Vorstellung, kirchliche Einheit sei nur um den Preis der Aufgabe eigenständiger kirchlicher Traditionen möglich, habe keine Zukunft. Der Landesbischof plädierte stattdessen für das Modell der versöhnten Verschiedenheit, bei dem keine Seite der anderen ihre Frömmigkeitsformen aufzwinge.
Kritik übte Friedrich an der mangelnden Verständlichkeit vieler theologischer Äußerungen. Dies gelte sowohl für den Gottesdienst, als auch für die Ökumene. "Predigten, die theologisch korrekt sind, aber von der Gemeinde nicht verstanden werden, helfen nicht weiter". Dies gelte auch für Gebete und andere Teile des Gottesdienstes.
In der Ökumene müssten die Kirchen aufpassen, "dass die Menschen noch nachvollziehen können, was die Theologen an Vorbehalten gegen Abendmahlsgemeinschaft und ein engeres Zusammenwachsen unserer Kirchen haben". Mit dem Argument allein, Ökumene könne nicht auf den kleinsten gemeinsamen Nenner aufgebaut werden, könne man heute nicht mehr kommen. "Es geht auch nicht an, dass die Argumentationen immer komplizierter werden und die Diskussionen nur noch auf einem Niveau geführt werden können, dem buchstabengelehrte Spezialisten allein gewachsen sind." Der Ökumenische Kirchentag in Berlin habe unmissverständlich klar gemacht, dass die Menschen nicht Zerstrittenheit von den Kirchen erwarteten, sondern einen "fantasievoll mit Leben erfüllten Willen zu Gemeinsamkeit". (1023/29.06.03)
Quelle: http://www.epd.de/epd_15928.htm
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Eichstätt (DK). Knapp vier Wochen, nachdem er dem Pfarrer von Dietenhofen-Großhabersdorf, Bernhard Kroll, die Amtsausübung und die Feier der Eucharistie vorläufig untersagt hatte, hat Eichstätts Bischof Walter Mixa jetzt Stellung dazu genommen. Wie berichtet, hatte Kroll beim Ökumenischen Kirchentag in Berlin in der Gethsemanekirche an einem evangelischen Gottesdienst teilgenommen und das Abendmahl empfangen - was im Widerspruch zu der erst kurz davor von Papst Johannes Paul II. veröffentlichten Enzyklika "Ecclesia de eucharistia" stand. Die von Mixa ausgesprochene Strafe, begründet mit der Teilnahme an einer verbotenen Gottesdienstgemeinschaft, löste heftige Reaktionen sowohl seitens der Pfarreiangehörigen als auch von evangelischen Pfarrern in der Diözese Eichstätt aus, die das Einschreiten des Bischofs als überzogen und die Ökumene belastend bezeichneten. Was Mixa zu seinem Handeln veranlasste, wie er mit den Reaktionen umgehen will und wie es künftig mit der Ökumene weitergehen soll, darüber sprach unser Redakteur Hermann Redl mit Walter Mixa.
Herr Bischof, warum waren Sie selbst noch nicht in Großhabersdorf?
Mixa: Ich werde noch nach Großhabersdorf fahren, ich entziehe mich dem überhaupt nicht. Nur bin ich überzeugt, dass die Situation zum damaligen Zeitpunkt so aufgeheizt war - und zwar auch von außen her, dass da ein klärendes und gutes Wort nicht hätte fruchtbar werden können. Ich werde zu einem späteren Zeitpunkt noch in diesem Jahr nach Großhabersdorf gehen - vielleicht auch mit Pfarrer Kroll. Ich werde mit den Leuten von Großhabersdorf reden, aber nicht mit irgendwelchen bestellten Sympathisanten, sondern mit Pfarrangehörigen. Gleich nach dem Vorfall und dem offenen, ehrlichen und brüderlichen Gespräch zwischen Pfarrer Kroll und mir war dann eine Abordnung aus Großhabersdorf bei mir in Eichstätt. Denen hat die Situation persönlich Leid getan, und sie hatten volles Verständnis für meine Maßnahme, die in diesem Zusammenhang geringstmögliche kirchenrechtliche. Kroll bleibt Pfarrer, aber auf Grund seiner jetzigen Einstellung zum Priestertum und zum Eucharistieverständnis braucht er eine Besinnungsphase.
War Ihre Entscheidung richtig? Sie sprachen von der geringstmöglichen kirchenrechtlichen Maßnahme. Andere halten Ihr Vorgehen für überzogen.
Mixa: Ich stehe nach wie vor zu meiner Entscheidung. Denn wenn ich hier nicht eine entsprechende Maßnahme durchgezogen hätte, dann hätte ich sagen müssen, Pfarrer Kroll hat sich vollkommen richtig verhalten, und in Zukunft kann jeder Pfarrer der Diözese nach seiner eigenen Vorstellung vom Eucharistieverständnis oder von Zusammenarbeit in der Ökumene tun und lassen, was er will. Als Bischof bin ich verpflichtet, als Wächter darauf zu achten, dass die in sich begründete und auch in der Tradition und im Lehramt festgehaltene Glaubensüberzeugung nicht verletzt wird. Die kann zwar weiterentwickelt werden, aber es kann nicht das Gegenteil vom bisherigen Glauben behauptet werden. Ich bin dafür verantwortlich, dass die Einheit im Glauben und auch in der Gemeinschaft gewahrt wird. Das bin ich der gesamten Diözese schuldig. Bei Entscheidungen darf sich der Bischof nicht als Feigling zeigen. Diesen Fehler in einer mangelnden Führung meines Amtes möchte ich deshalb nicht begehen, weil ich mir selber, meiner Glaubensüberzeugung und auch der Kirche gegenüber dann nicht mehr ehrlich wäre. Auch die Deutsche Bischofskonferenz steht hinter mir.
Dennoch ist bislang keine Sanktion im Fall von Gotthold Hasenhüttl, der beim Ökumenischen Kirchentag ein gemeinsames Abendmahl mitgefeiert hatte, bekannt.
Mixa: Die wird sicher noch kommen. Bischof Marx wird sicher in einer entsprechenden Weise handeln. Das ist bei der letzten Sitzung der deutschen Diözesanbischöfe deutlich geworden.
Haben Sie denn mit diesen heftigen Reaktionen gerechnet - sowohl von der Kirchenbasis als auch von der Katholischen Jungen Gemeinde (KJG), einem diözesanen Verband? Die sagt, für uns bleibt Kroll nach wie vor geistlicher Leiter. Oder auch von Ihren evangelischen Mitbrüdern, die durch Ihr Vorgehen die Ökumene belastet sehen?
Mixa: Ich habe mit einer gewissen Reaktion von Seiten der Pfarrgemeinde gerechnet. Allerdings weiß ich heute mit Sicherheit, dass diese Reaktion von so genannten Basisgruppen aus der Bundesrepublik wirklich angeheizt und gesteuert worden ist, woraus natürlich auch die KJG zum Teil ihre Antipathie gegen meine Entscheidung gezogen hat. Zu den evangelischen Pfarrern möchte ich sehr differenziert feststellen, dass mir Regionalbischof Karl-Heinz Röhlin gesagt hat, dass er mit öffentlichen Äußerungen seiner Pfarrer gegenüber meiner Maßnahme nicht einverstanden ist. Etliche evangelische Pfarrer haben mir zudem gesagt: "Der Eichstätter Bischof hat Recht, denn ich fühle mich als evangelischer Pfarrer mit meinem Abendmahlsverständnis missbraucht, wenn dieses Abendmahl, wie es in Berlin geschehen ist, dann unter einer großen spektakulären Medienöffentlichkeit zur Provokation und zur Demonstration missbraucht wird. Das ist Missbrauch eines evangelisch-lutherischen Gottesdienstes, und dadurch fühle ich mich verletzt, und so kann es nicht gehen." Das ist auch vollkommen richtig. Ich kann einen Gottesdienst nie und nimmer zu einer kirchenpolitischen Provokation oder Demonstration missbrauchen, wenn ich dann den eigentlichen innersten Wert des Gottesdienstes verfälsche. Das darf und kann nicht geschehen.
War nicht auch die von Papst Johannes Paul II. kurz vor dem Ökumenischen Kirchentag veröffentlichte Enzyklika zur Abendmahlsfrage eine Provokation?
Mixa: Nein. Wer diese Enzyklika liest, wird feststellen, dass sie von einer ganz persönlichen Glaubensüberzeugung gekennzeichnet ist und in einer sehr eingängigen Weise das gewachsene Eucharistieverständnis der Kirche werbend dem Leser beibringen will. Außerdem ist in dieser Enzyklika durchaus auch eine ökumenische Offenheit enthalten, indem der Papst dazu einlädt, über das größte Vermächtnis der Liebe Christi, die Feier seines Abendmahls, gemeinsam nachzudenken, was Jesus wirklich wollte und wie von Anfang an diese Feier der Kirche verstanden wurde.
Wie geht es jetzt bei der KJG weiter? Für den Verband bleibt Kroll geistlicher Leiter, Sie sagen Nein.
Mixa: Da trägt der Bischof die Verantwortung und hat das letzte Wort, wobei ich aber nicht autoritär vorgehen werde, sondern im Gespräch mit den Leuten versuchen werde, meinen Standpunkt klar zu machen. Ob sie das dann einsehen, das ist die andere Frage. Allerdings macht der Ton die Musik. Das heißt, man muss achtungsvoll und menschlich gut miteinander umgehen.
Trifft dies auch auf Ihre evangelischen Mitbrüder zu?
Mixa: Ich persönlich würde mich nie getrauen, weder als katholischer Priester noch als katholischer Bischof, irgendeine Maßnahme des evangelischen Landesbischofs in einer derartigen Weise zu kritisieren, weil darin natürlich zum Ausdruck kommt, das meine persönliche Glaubensüberzeugung beziehungsweise die Glaubensüberzeugung der katholischen Kirche nicht respektiert wird. Insofern bedauere ich diese Reaktionen, und ich muss sagen, dass sie auch von Regionalbischof Röhlin so nicht unterstützt werden.
Wie geht es jetzt in der Ökumene weiter?
Mixa: Wir haben in den vergangenen 25 Jahren in der Ökumene so viel erreicht, wie es in 400 Jahren nicht geschehen ist. Und jetzt ist es die wesentliche Aufgabe, dass wir uns Gedanken machen über das unterschiedliche Kirchenverständnis und über das Weihesakrament. Wir in der katholischen Kirche sind der Überzeugung, dass Eucharistiegemeinschaft mit Kirchengemeinschaft in engem Zusammenhang steht. Ich kann also nicht Ökumene auf dem geringsten Nenner machen, dass ich jetzt irgendwie am Abendmahl teilnehme, und dann gehe ich wieder in die Spaltung zurück. Die Eucharistiefeier ist der größte Ausdruck der Kirchengemeinschaft, ist Quelle und Höhepunkt des kirchlichen Lebens. Darüber werden wir in der nächsten Zeit mit den evangelischen Christen im Gespräch bleiben. Wenn ich von meinen fairen Gesprächspartnern auf evangelischer Seite ausgehe, und diese fairen Gesprächspartner gibt es, dann bin ich zuversichtlich, dass wir mit Geduld und in einer ehrlichen gegenseitigen Achtung auf dem Weg der kleinen Schritte vorankommen.
Das heißt, es geht weiter nach vorne trotz eines kleinen Rückschritts?
Mixa: Ich würde es nicht als Rückschritt ansehen. Denn die Kirchenleitungen selber haben gebeten, keine Interkommunion vorzunehmen, weil wir uns in diesen Fragen des Kirchenverständnisses und des Abendmahlsverständnisses noch nicht in der rechten Weise einigen konnten. Damit sollte verhindert werden, dass durch vorschnelle und spektakuläre Handlungen der Ökumene und den guten Verhandlungen ein Bärendienst erwiesen wird. Das jedoch ist passiert in Berlin. Wobei Pfarrer Kroll ganz sicher von außen her mitbestimmt und vielleicht sogar unter Druck gesetzt, vielleicht instrumentalisiert worden ist. Der Ökumenische Kirchentag war weit mehr als nur der Vorfall in der Gethsemanekirche. Allerdings war das Geschehen dort medienwirksam schon lange vorher inszeniert.
Was passiert, wenn Pfarrer Kroll nach der ihm gegebenen Zeit der Besinnung nicht auf den richtigen Weg zurückfindet?
Mixa: Da werde ich dann natürlich mit ihm noch einmal ganz ernsthaft reden, und wir müssen einen Weg finden, der sowohl für ihn wie auch für uns in der Diözese Eichstätt gangbar ist. Als Bischof trage ich durch die Priesterweihe die Verantwortung für meine Priester, auch für ihren Lebensunterhalt, und auch dann, wenn sie sich anders entscheiden sollten, auch für ihre weitere Zukunft.
Hat der Fall nicht auch gezeigt, dass zwischen der Kirchenlehre und der Kirchenpraxis eine Diskrepanz besteht? Es ist doch Praxis in vielen Pfarreien, dass der katholische Priester einem evangelischen Christen das Abendmahl reicht - und umgekehrt. Ist die Kirche realitätsfern?
Mixa: Ich würde nicht von Realitätsferne sprechen wollen, sondern von einer ganz großen Herausforderung, wobei die erste große Herausforderung in dem schon lange anhaltenden schwierigen Lebenskontext der konfessionsverschiedenen Ehen besteht. Ich bin überzeugt, dass wir uns seitens der katholischen Kirche auch durch gute seelsorgliche Maßnahmen Möglichkeiten schaffen müssen, konfessionsverschiedenen Partnern die Art, ihren Glauben noch stärker zu leben, zu erleichtern. Das ist eine Aufgabe, der sich sicher auch die Bischofskonferenz in der nächsten Zeit stellen muss. Eine zweite Aufgabe besteht darin, nicht die Gläubigen zur Verantwortung zu ziehen, sondern diejenigen, die verantwortlich sind für den Glauben: Inwieweit ist Kindern in den Schulen und im Religionsunterricht wirklich das wesentliche Verständnis der Eucharistie für das Messopfer vermittelt worden? In den vergangen Jahren wurde wohl zu wenig über katechetische Inhalte des katholischen Glaubens gesprochen.
Das heißt, wieder stärker auf das Trennende und nicht das Gemeinsame der Kirchen setzen?
Mixa: Nein. Es muss aber vermittelt werden, wie die katholische Kirche die Eucharistie von Anfang an verstanden und gelebt hat. Wenn ich vom Brötchenessen gesprochen habe, dann habe ich das nie und nimmer vom evangelischen Abendmahl gesagt, sondern dann habe ich das bezogen auf missbräuchliche Formen bei uns selber. Da sind doch Defizite bei uns in der eigenen Kirche da. Eucharistie ist nicht zu vergleichen mit einem Freundschaftsmahl oder einem Mahl der Freude. Eucharistie ist die höchste Form der Gottesverehrung und der Gottesbegegnung. Das muss wieder verdeutlicht werden. Ich kann aus dem Gottesdienst, aus dem Abendmahl Jesu, nicht eine Unterhaltungsstunde machen, wo sich der Priester oder der Bischof selber darstellt. Wir sind Werkzeug Jesu Christ, er ist Handelnder. Das muss wieder bewusst werden. Sonst geht der ganze christliche Gottesdienst in einer Ehrfurchtslosigkeit kaputt. Das beziehe ich jetzt auf die katholische Kirche. Wie die evangelischen Christen es mit der Feier ihres Abendmahles handhaben, das müssen sie selber wissen. Aber ich denke, dass auch sie vor ähnlichen Problemen stehen, dass die Feier in einer ehrfürchtigen Weise erfolgt.
Und wie ist eine Annäherung beider Kirchen möglich?
Mixa: Durch diese Ehrfurcht nähern sie sich an. Da bin ich der festen Überzeugung. Auch die evangelische Kirche hat die Überzeugung, dass in der Feier des Abendmahls Jesus Christus gegenwärtig ist. Wenn wir uns einerseits gegenüber dem evangelischen Abendmahl, andererseits gegenüber dem katholischen Messopfer, der Eucharistiefeier, ehrfurchtsvoll verhalten, dann werden wir zum innersten Kern der Wahrheit und zu einer Vereinigung eher kommen, als wenn wir es bloß vom Oberflächlichen her sehen. Ich bin der Überzeugung, dass auch in der evangelischen Kirche sich stärker herauskristallisieren wird, dass Eucharistiegemeinschaft deckungsgleich sein muss mit Kirchengemeinschaft; dass das eine Einheit ist, die in der Feier des Gottesdienstes ihren größtmöglichen Höhepunkt findet.
Wie verhalten Sie sich, wenn beim katholischen Gottesdienst ein evangelischer Christ, dessen Konfession Ihnen bekannt ist, von Ihnen das Abendmahl empfangen will?
Mixa: Wenn dieser Christ zu mir kommt und den Leib Christi empfangen will, dann gehe ich davon aus, dass er offenbar die ganze katholische Messfeier mit seiner innersten Zustimmung mit seinem Glauben mitträgt. Ich werde ihn nicht abweisen. Ich überlasse dies dann seiner persönlichen Entscheidung, auch gegenüber seiner Kirchengemeinschaft, und der Entscheidung Gottes. Ich würde mir nicht anmaßen wollen, hier zu sagen: Nein, dich weise ich ab.
Aus: Donaukurier, 28.6.2003
(?)
Quelle: http://www.donaukurier.de
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Saarbrücken, 27.6.2003 (epd). Selbst in seiner Autowerkstatt wird Gotthold Hasenhüttl inzwischen auf die Eucharistiefeier beim Ökumenischen Kirchentag angesprochen. Viele halten den sanften 69-Jährigen mit den sorgfältig zurückgekämmten Haaren für eine Art Volkshelden, der sich für die Ökumene mutig mit der katholischen Kirche angelegt hat. Der Priester selbst sieht seine Rolle indes anders. "Es war keine Demonstration", versichert er und beteuert, er habe nicht gegen katholisches Kirchenrecht verstoßen.
Für den Theologieprofessor nimmt der Abendmahlsstreit allmählich "Züge einer Tragikomödie" an. "Offiziell weiß ich überhaupt nichts", sagt er. Seine angebliche Verfehlung sei ihm nach wie vor unklar. Der Konflikt mit ihm wird bisher nicht direkt, sondern in den Medien ausgetragen. Dort stehen Vorwürfe wie die des Münchner Kardinals Friedrich Wetter, der Hasenhüttls Verhalten als "bewusste Provokation" verurteilte.
Die einzige direkte Kontaktaufnahme eines Bischofs blieb bislang das briefliche Ansinnen von Kardinal Georg Sterzinsky, Hasenhüttl möge zum Rapport nach Berlin kommen. "Ständig steht etwas Neues in den Zeitungen, auch Dinge, die ich gar nicht gesagt habe", wundert sich Hasenhüttl. Als Beispiel nennt er die Behauptung, er habe in Bezug auf das Verhalten Sterzinskys den Begriff "Faustschlag gegen die Ökumene" gebraucht. Tatsächlich habe sich dies auf die Äußerung des Eichstätter Bischofs Walter Mixa bezogen, der an Pfingsten das evangelische Abendmahl als "geselliges Brötchenessen" bezeichnet haben soll. Eine derartige Formulierung - sollte sie gefallen sein - betrachtet der vehemente Ökumene-Verfechter Hasenhüttl tatsächlich als "Ignoranz erster Klasse".
Der seit einem Jahr emeritierte Professor der Universität des Saarlandes gilt als versierter und selbstbewusster Dogmatiker. So interpretiert er die jüngste Abendmahl-Enzyklika des Papstes zu seinen Gunsten - und zwar so, dass Laien kaum folgen können. Der Mann mit der entwaffnenden Freundlichkeit fühlt sich auch nicht von Rom angegriffen, sondern von den deutschen Bischöfen. Schließlich habe er nichts anderes getan als der Papst, der dem britischen Premierminister und Anglikaner Tony Blair das Abendmahl spendete. In Berlin habe er lediglich den Satz gesagt: "Jeder, der Gemeinschaft mit Jesus Christus haben will, ist herzlich willkommen."
Der in Österreich zum Priester geweihte Theologe rechnet zwar mit Disziplinarmaßnahmen der Bischöfe, hielte sie aber nicht für besonders schlau. Theoretisch könne ihm das Halten von Gottesdiensten und die Austeilung des Abendmahls verboten werden, genauso wie seinem Kollegen Bernhard Kroll, der sich derzeit in "Klosterhaft" befinde. "Doch ich werde nicht bereuen und nichts zurücknehmen", kündigt Hasenhüttl an. Die Rebellenrolle ist Hasenhüttl nicht neu. Er tritt bei Veranstaltungen von "Wir sind Kirche" auf und schreibt für die kritische, politisch links stehende Zeitschrift "Imprimatur". In seinem vor einem Jahr erschienen Buch mit dem Titel "Glaube ohne Mythos" zeigt er immer wieder ökumenische Perspektiven auf. Das trug ihm in der Rezension der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" den Vorwurf ein, er trage zur "Protestantisierung" der katholischen Kirche bei.
Hasenhüttl geht es darum, die Trennung der Kirchen zu beenden. "Beide sollen sich als eine Verwirklichung der Kirche Christi verstehen", fordert er. Aus diesem Verständnis könne er ein gemeinsames Abendmahl feiern. Ausdrückliche Anerkennung von Seiten der Protestanten hat ihm das nicht eingebracht. Unter den sechzig zustimmenden Briefen, die der Priester seit dem Kirchentag erhielt, stammte kein einziger von einem evangelischen Theologen. (epd-rps/mag 27.06.03-02, Marlene Grund)
Quelle: http://www.epd.de/epd_1429.htm
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DT, 28.6.2003. Der vergangene Ökumenische Kirchentag in Berlin ist allgemein als religiöses wie auch als gesellschaftliches Großereignis gewertet worden, das nicht ohne Zukunftswirkungen bleiben werde. Freilich war er von katholischen Christen nur zu einem Drittel frequentiert. Das an Themen, Thesen und Programmen überaus reiche Angebot war so angelegt, dass jeder auf seine Kosten kommen konnte. Diese nahezu grenzenlose Vielfalt, wohl in Entsprechung zum „Auswahlchristentum“ der Zeit entwickelt, sollte jedoch vom christlichen Einheitsgedanken übertroffen werden, dessen Förderung das eigentliche Anliegen dieser Tage war.
Die „unbändige Sehnsucht“ nach
der Einheit am Altar
Angesichts der vielen positiven Stellung-nahmen und hochgestimmten Urteile
braucht nicht bezweifelt zu werden, dass auch diesem Anliegen gedient wurde,
selbst wenn das Einigende doch wohl mehr in der Begegnung, im
erlebnismäßigen Zusammensein und in gemüthafter Gläubigkeit gefunden wurde
als im bekenntnishaften Glauben. Diesem erwuchsen auch gewisse Gegenkräfte,
wenn man an die Denominationen einer so genannten „Basis“ denkt, denen der
Kirchentag neue Publizität verschaffte. Am extremsten wurde der Stand des
katholischen Bekenntnisglaubens auf dem Ökumenischen Kirchentag aber wohl an
dem Wort jenes Prälaten deutlich, der Presseberichten zufolge („Die Welt“
vom 2. Juni) behauptete, dass die katholische Kirche nicht mehr den Anspruch
erhebe, „die einzige wahre, christliche Kirche zu sein“; denn „das haben
wir, Gott sei Dank, überwunden“. Obgleich diese Aussage nicht
verallgemeinert werden sollte, spiegelt sich doch in ihrem Lichte etwas
wider, was auf dem Kirchentag im Bereich des Eucharistieglaubens vor sich
ging.
Als der Ökumenische Kirchentag im Jahre 1996 von den betreffenden Laiengremien angekündigt wurde, wandte sich das Interesse sofort auch dem Thema der gemeinsamen Eucharistiefeier zu, die bereits auf dem Ökumenischen Pfingsttreffen 1971 in Augsburg (wenn auch widerrechtlich) abgehalten worden war. Das Begehren danach fand einen vielstimmigen Ausdruck in zahlreichen Wortmeldungen von Laien und Priestern, welche die unbändige „Sehnsucht“ nach der „Einheit am Tisch des Herrn“ beschworen und den tiefbohrenden Schmerz über das angebliche „Unrecht“ bekundeten, das durch die Aufrechterhaltung der starren Bestimmungen des katholischen Kirchenrechts verursacht würde. In diese Sehnsuchtsrufe stimmten auch verantwortliche Kirchenführer mit ein, während die Theologie beharrlich auf gewisse inzwischen ergangene „Konsensdokumente“ pochte, die in den Fragen des Eucharistieglaubens eine weitgehende Übereinstimmung erbracht hätten (freilich ohne kirchliche Bestätigung).
Beim Näherrücken des Kirchentagstermins wurde die Zustimmung zu solchen Erwartungen kirchlicherseits vorsichtiger und wich einer deutlichen Zurückhaltung, die sich etwa in Erklärungen ausdrückte wie „Die Zeit ist dafür noch nicht reif“ oder „Jede Kirche muss sich an gewisse Ordnungen und Regeln halten“. Bei solchen Erklärungen wurde allerdings versäumt, den fragenden Gläubigen auch die tieferliegenden Gründe darzulegen, nach denen eine gemeinsame Eucharistiefeier verschiedener Konfessionen unmöglich ist, und zwar nicht aufgrund äußerer kirchlicher Regelungen, sondern wegen wesentlicher Glaubensunterschiede.
Dieser ernste Befund wurde auch durch die gelegentlich von Kirchenmännern gegebene Konzession verunklärt: Wer den Kanon der Heiligen Messe aufrichtig mitbete und ihn bejahe, dürfe auch die Eucharistie empfangen. Diese These, die auch auf dem Kirchentag von einem katholischen Theologen wiederholt wurde, verkennt, dass unter den von der Kirche geforderten Glauben einschlussweise die ganze katholische Glaubenslehre fällt, auch die Wahrheit über den Papst, die Unfehlbarkeit und die Kirche, und zwar – nicht wie der erwähnte Professor anzunehmen schien, in Form einer rein gedanklichen Zustimmung, sondern – in der Wirklichkeit und in der Tat.
Einen neuen Auftrieb gewann die Hoffnung auf die „eucharistische Gastfreundschaft“ nach der Unterzeichnung der „Gemeinsamen Erklärung zur Rechtfertigungslehre“ von Augsburg am 31. Oktober 1999. Im Anschluss an sie sprach der evangelische Bischof Hans Christian Knuth vom „ersten Schritt zur Abendmahlsgemeinschaft“, mit dem auch das Ziel der Kon- und Interzelebration näherrücke. Ihm sekundierte ein katholischer Ökumeniker mit der Ansicht, dass diese Erklärung „ein wichtiger Schritt auf dem Weg unserer Kirchen zur vollen Kirchengemeinschaft“ und „zur uneingeschränkten gemeinsamen Feier am Tisch des Herrn“ sei. Zur gleichen Zeit stellte ein katholischer Pfarrer enthusiastisch fest, dass „hier und da evangelischen Christen schon jetzt gestattet“ werde, „an der katholischen Kommunion teilzunehmen“ und dass eine solche Praxis als „vorauseilende Ökumene“ anzuerkennen sei, „wenn kein ,leeres Ritual‘ vollzogen, sondern eine religiöse Sehnsucht gestillt werde“. Bei manchen Theologen trat zur Legitimierung des Zutritts von Katholiken zum evangelischen Abendmahl immer mehr auch die „Gewissensentscheidung“ hinzu, mit der aber bei genauerem Hinsehen den einzelnen Gläubigen eigentlich die Autonomie über den Inhalt des Glaubens und letztlich der Offenbarung zuerkannt wird.
Eine noch höhere theologische Bekräftigung erfuhren diese Bestrebungen im Vorfeld des Kirchentages durch die Veröffentlichung von „Thesen zur eucharistischen Gastfreundschaft“ seitens dreier in Südwestdeutschland kooperierender ökumenischer Institute (unter ihnen auch des katholischen Tübinger Instituts). Diese sahen es als erwiesen an, dass „es keine hinreichenden theologischen Gründe mehr für eine Verweigerung“ der eucharistischen Gastfreundschaft gebe für „Menschen, die in intensiver ökumenischer Gemeinschaft leben“. Auf der Grundlage eines mehr behaupteten als ausgewiesenen gemeinsamen Glaubens wurde dekretiert, dass „Differenzen nicht mehr kirchentrennend sein müssen“ und dass „eucharistische Gastfreundschaft möglich“ sei, „ohne dass zuvor eine vollständige Übereinstimmung im Eucharistie- sowie Amts- und Kirchenverständnis erreicht sein“ müsse.
Dem sich verstärkenden Druck auf den Kirchentag setzten die Bischöfe ihre Erklärung vom 12. Januar 2003 entgegen, die vor einer widerrechtlichen Vorwegnahme des gemeinsam verfolgten Zieles warnten, „solange die ökumenischen Partner sich in Grundüberzeugungen widersprechen“. Ähnlich ließ sich auch der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland loyal dahingehend vernehmen, dass das eucharistische Sakrament sich nicht „zur Demonstration von Ungehorsam und Aufsässigkeit eigne“ und dass von einer „Instrumentalisierung der Eucharistie“ wenig zu halten sei.
Diese Stellungnahmen bestimmten schließlich den Präsidenten und die Präsidentin des Kirchentages dazu, an die Teilnehmer des Treffens zu appellieren, „die in den Kirchen gültigen Regeln zu achten und in Bezug auf Eucharistie und Abendmahl "in ökumenischer Sensibilität miteinander umzugehen“. Allerdings gehörte zu den protestantischen Regeln seit langem die Einladung der katholischen Christen zum evangelischen Abendmahl, die anlässlich des Erscheinens der Eucharistie-Enzyklika Johannes Pauls II. vom Rat der Evangelischen Kirche in Deutschland nochmals wiederholt – von den katholischen Bischöfen aber zurückgewiesen – wurde. Bezüglich der empfohlenen Sensibilität darf jedoch die Frage erlaubt sein, ob die Einladung an die Katholiken von besonderer Feinfühligkeit zeugt, da sie ja einschluss-weise die Aufforderung zum Widerspruch gegen den eigenen Glauben und die Kirche in sich enthält.
Es wäre verfehlt, das Urteil über „Eucharistie und Kirche auf dem Ökumenischen Kirchentag“ allein von den außerhalb des offiziellen Programms abgehaltenen illegitimen gemeinsamen Abendmahlsfeiern und den antieucharistischen Demonstrationen zweier Priester abhängig zu machen, die von katholischen Bischöfen sogleich auch gerügt wurden. Immerhin bleibt das Urteil der Hannoverschen Landesbischöfin über die katholischen Einzelgänger bemerkenswert, die meinte, man „sollte das nicht hochspielen“; denn „so etwas passiert an vielen Orten“. Damit aber gab sie tatsächlich die Grundstimmung richtig wieder, die an den Tagungsstätten, in Diskussionsrunden und in den Podiumsgessprächen auf dem Kirchentag hauptsächlich vorherrschte, wo immer das kontroverse Thema zur Sprache kam.
Auf einer niedrigen praktischen Ebene waren Aussagen wie die des neugewählten Ersten Bremer Bürgermeisters angesiedelt, der forderte, die Ökumene durch das gemeinsam abgehaltene Abendmahl voranzutreiben und „sich nicht von oben ausbremsen zu lassen“. Auf demselben populär-praktischen Niveau stand die Aussage eines katholisch/evangelischen Ehepaares, welches von seinen drei Kindern freudig berichtete, dass diese selbstverständlich in „beiden Kirchen“ zur Kommunion gingen.
Dasselbe meinen, nicht
nur Gleichlautendes sagen
Aber auch auf theologischer Ebene waren Urteile zu hören, die für eine
Öffnung der Grenzen und eine Aufgabe der Unterschiede plädierten, so wenn
ein Hamburger evangelischer Theologe verlangte, man solle dem Kirchenvolk in
der Frage der Eucharistiegemeinschaft endlich Gehör schenken. Dabei war
vorausgesetzt, dass dieses Volk sich mehrheitlich längst für die „offene
Kommunion“ entschieden hätte. In die gleiche Richtung gingen auch die Voten
katholischer Professoren (siehe oben), die von den in der gegenwärtigen
ökumenischen Theologie herrschenden Leitworten – um nicht zu sagen:
„Schlagwörtern“ – der „versöhnten Verschiedenheit“ und der „differenzierten
Einheit“ wie gebannt schienen. Bezeichnenderweise war es ein
evangelisch-lutherischer Theologieprofessor aus Heidelberg, der sich
entschieden gegen die unpräzisen Formeln von der „versöhnten
Verschiedenheit“ und dem „differenzierten Konsens“ wandte, weil sie
letztlich in die Irre führten. Die Ökumene könne nur durch einen resoluten
Verzicht auf solche vagen Formeln weitergebracht werden. Auf dem also immer
auch noch vorhandenen strengen reformatorischen Standpunkt stellte der
Heidelberger Systematiker mit Entschiedenheit heraus, dass es nicht Ziel der
reformatorischen Kirchen sei, eine sichtbare und institutionelle Einheit der
Kirchen herzustellen. Auf einen deutlichen Unterschied, der heute vom
Verbalismus ökumenischer Resolutionen häufig zugedeckt wird, wies auch
Kardinal Sterzinsky mit der Aussage hin, dass die Eucharistieeinheit erst
dann erreicht sei, wenn die Partner mit ihren Worten auch dasselbe meinten
und nicht nur etwas Gleichlautendes sagten.
Den entschiedendsten Vorstoß in ungebahntes Neuland unternahmen zwei konfessionsverschiedene, aber in der Relativierung des Eucharistieverständnisses gleichgesinnte Theologieprofessoren auf dem „Podium Brot und Wein“. Der Disput begann hier interessanterweise mit der Auswertung einiger zuvor veranstalteter Umfragen (mit 1300 Einsendungen) zur Bedeutung von Eucharistie und Abendmahl. Dazu stellte der katholische Professor, einer der angesehensten und subtilsten Ökumeniker, einleitend fest, wie es für ihn „wahlweise bedrückend und erheiternd“ gewesen sei, zu sehen, dass „die meisten der zu Protokoll gegebenen Auffassungen“ vom Sinn und Wesen der Eucharistie des Abendmahls „schlichte Häresie“ seien. Sie verträten „nicht selten das Gegenteil der wirklichen christlichen Lehre“ – ein realistischer Hinweis auf den Zustand des Eucharistieglaubens und auf die Relativität der spontanen populären Forderungen.
Darauf bot sich dem
theologischen Lehrer die seltene Gelegenheit, einen weiteren Kreis von
Christen in Wesen und Kern des katholischen Eucharistieglaubens einzuführen.
Aber das Ergebnis war nicht weniger zwiespältig als sein anfangs abgegebenes
Urteil über die Haltung der befragten Gläubigen. Er begann mit der Kritik an
den Worten „Wandlung“ und „Verwandlung“, die er – mit dem angeblich aus dem
Protestantismus kommenden – Verdikt eines „metaphysischen Zaubers“ belegte.
Hier wurde keine Notiz davon genommen, dass das Wort gerade in der neuen
Eucharistie-Enzyklika Johannes Pauls II. mehrmals bewusst aufgenommen wird
und für einen wahrhaften katholischen Glauben an das Geheimnis der
Eucharistie unabdingbar ist. Die Berufung auf das in Deutschland weit
verbreitete Konsensdokument („Lehrentscheidungen – kirchentrennend?“
[1986]), das keine römische Anerkennung besitzt, ist nicht beweiskräftig,
weil auch dort die „Wesensverwandlung“ fälschlich als theologische Theorie
neben anderen ausgegeben wird. In Wirklichkeit ist aber nach kirchlichem
Glauben ein wunderbarer göttlicher Akt gemeint, dem der heilige
Thomas schöpfungsähnlichen Charakter zuschreibt.
Dem ist hinzuzufügen: Wo keine Wandlung, dort auch keine andauernde leibliche Präsenz, wie das evangelische Gegenbeispiel zeigt, bei dem die Gegenwart auf die Momente des Empfangs oder des Geschehens eingeschränkt werden muss (was der Theologe selbst in übertriebener Komik am Vorgang des nachfolgenden „Hühnerfütterns“ persifliert). Darum wird auch die Gegenwart des Herrn nicht wirklich getroffen, wenn sie nur „an ein Geschehen mit Brot und Wein“ gebunden wird, das es allein verbietet, die Gaben nach wie vor der Feier gleich zu behandeln. Die (unverwandelten) Mahlgaben sollen die Lebenshingabe Jesu versinnbildlichen, aber sie bleiben hier ohne jeden Bezug zum Kreuzesopfer. Damit sei auch bei dem in Worten und Gesten Christi handelnden Priester „der letzte bloße Anschein einer Zauberkraft verflogen“. So spreche nichts mehr dagegen, „dass die Kirchen sich gegenseitig als Kirche Jesu Christi anerkennen können“. Für eine solche Anerkennung habe „seitens der katholischen Kirche das Zweite Vatikanum alle Weichen gestellt (Kirchenkonstitution Art. 15)“, was aber aus der zitierten Stelle nicht herauszulesen ist. Nach all dem handelt es sich bei der Eucharistie nicht mehr wesentlich um das Opfer Christi und der Kirche. Die Summe des Eucharistiegeheimnisses sei schließlich ganz einfach in das Wort zu fassen: „Wir treten vor den lebendigen Gott“ – vor dem wir aber doch immer stehen. In diesem Konzept sind alle Grenzen des katholischen Eucharistieglaubens niedergelegt, und das katholische „Allerheiligste“ ist allen christlichen Denominationen geöffnet. Natürlich fällt es dem Sprachkönner nicht schwer, in seine relativistischen Ableitungen auch katholische Begriffe hineinzumischen. Sie wirken aber wie verschoben und aus dem Organismus des Glaubens ausgerenkt.
Was dem evangelischen Dialogpartner auf diesem Podium das „Abendmahl“ zuhöchst bedeutete, zeigen die Worte: „Eucharistie [ist] Mahl des Friedens gegen den Krieg, [ist] Sakrament der Versöhnung gegen Hass und Gewalt, Realsymbol der Einheit gegen alle Form der Ausgrenzung und Apartheid“. In den hochgestimmten Abschlussbilanzen des Ökumenischen Kirchentags ist oft von einem „Durchbruch der Ökumene“ gesprochen worden. Wenn man von einem „Durchbruch“ sprechen will, dann allenfalls im Sinne des Pfarrers der Gethsemanekirche, der bei der Abhaltung des „Gemeinsamen Abendmahls“ die Voraussage machte, dass dies „ein Modell für die Zukunft“ sein könne.
Vom geistlichen zum pragmatischen Ökumenismus
Solche Prognosen machen es aber nicht unwahrscheinlich, dass der Sinn für
das Geheimnis noch weiter schwindet und dass „der
Inbegriff des Katholizismus“, der „unendlich feine und gewichtige Punkt, in
dem sich alles zusammenfassen lässt“ (P.
Claudel), sich in den trüben Wassern eines alles vergleichgültigenden
Denkens auflöst. Wenn es zutreffen sollte, was auf dem
Berliner Treffen die so genannte „Kirchenvolksbewegung“ und die „Initiative
Kirche von unten“ als Ergebnis einer
„Spiegelumfrage“ veröffentlichten, dass nämlich 86 Prozent der Protestanten
und 88 Prozent der Katholiken „ein gemeinsames
Abendmahl befürworten“, dann scheint die Einheit schon verwirklicht, aber
nicht im wahren Glauben. Ein weiterer Schwund des
katholischen Eucharistieglaubens ist so vorprogrammiert.
Damit aber können sich katholischer Glaube und Theologie nicht abfinden. Der von Kardinal Kasper in seiner Rede geforderten „konfessionellen Identität“ muss im ökumenischen Gespräch wieder ihr unersetzlicher Platz eingeräumt werden. Dazu wird es freilich einer grundsätzlichen Wende im Ökumenismus bedürfen, der sich vom „Enthusiasmus“ zum „Realismus“ wandeln muss. Zu einem solchen Realismus gehörte unter anderem die Korrektur des viel gebrauchten Axioms, nach dem „uns viel mehr vereint als trennt“. Das ist zwar in einem vordergründigen Sinne richtig, aber trifft das eigentliche Problem der auf dem Grunde liegenden prinzipiellen Differenzen nicht, welche auch das Eucharistiegespräch noch immer belasten: die Wertung der Heiligen Schrift, die Verbindlichkeit der Tradition, der Stellenwert der kirchlichen Autorität, die Eindeutigkeit der Zielsetzung der Einheit. Bei einer realistischen Einstellung würde allein das evangelischerseits neu hinzugekommene Problem der Frauenordination die Schwierigkeiten erkennen lassen, die schnellen Lösungen entgegenstehen.
Deshalb sollten die Gewichte von einem derzeit dominierenden „pragmatischen Ökumenismus“ auf einen „geistlichen Ökumenismus“ verlagert werden, ganz im Sinne der Ökumene-Enzyklika Johannes Pauls II., der „um die lange und schwierige ökumenische Pilgerschaft“ weiß und für den Weg zum Ziel den „Dialog der Bekehrung“ als verbindlich erklärt (Ut unum sint, 82). (Leo Kardinal Scheffczyk)
Aus: Die Tagespost, 28.6.2003
Quelle:
http://www.die-tagespost.de/Archiv/titel_anzeige.asp?ID=4559
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Einer der schönsten Momente für Bernhard Kroll in den Wochen seit dem Ökumenischen Kirchentag (ÖKT) in Berlin ereignet sich am Pfingstsonntag: Bürgerinnen und Bürger von Großhabersdorf sowie viele eigens Zugereiste bilden im Sonnenschein eine lockere Menschenkette von der katholischen Kirche zur evangelischen Kirche des Dorfes. Es sind etliche hundert Menschen. Bernhard Kroll läuft die Menschenkette entlang. Er grüßt jeden. Das schenkt Freude, das gibt Kraft. Power, die der gebeutelte junge Priester gebrauchen kann.
Die pfingstliche Menschenkette im fränkischen Großhabersdorf ist ein Zeichen der Solidarität mit dem katholischen Ortspfarrer Bernhard Kroll. Der durfte den katholischen Pfingstgottesdienst in seiner Pfarrkirche nicht leiten, sondern nahm als einfaches Mitglied im Gottesvolk an der Messe teil. Wenige Tage zuvor hatte der Eichstätter Bischof Walter Mixa Pfarrer Kroll vom Dienst suspendiert. Das Kroll vom Oberhirten angelastete Vergehen: Der junge Priester – Kroll ist Jahrgang 1961 – hatte beim Ökumenischen Kirchentag am 31. Mai abends in einer ökumenisch offenen evangelischen Abendmahlsfeier in der Ostberliner Gethsemane-Kirche am evangelischen Abendmahl teilgenommen. Dabei klickten viele Pressekameras (Publik-Forum 11/03, Seite 28).
Der katholische Mitveranstalter des ökumenischen Abendmahlsgottesdienstes, der »Arbeitskreis Ökumene« der Initiative Kirche von unten (IKvu) sowie von Wir sind Kirche (WsK), hatte auf die prophetische Übertretung des bei enger Auslegung des katholischen Kirchenrechts Erlaubten gesetzt. Dank der effizienten Pressearbeit von Wir sind Kirche ging die Rechnung auf. Die Medien vermeldeten kurz vor dem Abschlussgottesdienst am Rande des Ökumenischen Kirchentages die Teilnahme des Priesters Kroll am evangelischen Abendmahl als eine Sensation.
Und der Oberhirte in Krolls Heimatbistum Eichstätt, Bischof Walter Mixa, ließ sich von dem Berliner Akt provozieren. Dies überrascht kaum: Mixa ist, wie der Papst in Rom und viele der von Johannes Paul II. eingesetzten Bischöfe, zwar friedens- und gerechtigkeitspolitisch engagiert, jedoch innerkirchlich ein konservativer, strenger Vormann der ihm vom Papst anvertrauten Kirchenprovinz. Seitdem nimmt das Konfliktgeschehen seinen Lauf. Auf vielerlei Schauplätzen. Bischof Mixa besteht darauf, dass Priester Kroll außerhalb des Bistums Eichstätt in einem Kloster über seine weitere Zukunft nachdenkt. Dieser Anordnung folgt Kroll.
Währenddessen erklärt sich die Katholische Junge Gemeinde (KJG) im Bistum
Eichstätt mit Kroll solidarisch. »Unser
Namenspatron in der KJG ist der Heilige Thomas Morus, der Patron der
Gewissensfreiheit«, so berichtet die
Diözesanvorsitzende, Eva-Maria Dührig: »Aus unserer Sicht hat Bernhard Kroll
einer Gewissensentscheidung entsprechend
gehandelt. Deshalb stellen wir uns hinter ihn.« Dieser Position der
Eichstätter KJG schließt sich auf einer Bundestagung in
Altenkirchen die KJG deutschlandweit an. Die katholischen Jugendlichen
sammeln mit großem Erfolg im Bistum Eichstätt
Solidaritätsunterschriften für den vom Bischof gemaßregelten Priester.
Bischof Mixa zeigt ein Stück Liberalität. Er lässt ein Internet-Forum auf der Website des Bistums Eichstätt über den Fall Kroll zu. Dort kann man auch anonym seine Meinung sagen. Enorm viele Meinungsäußerungen gehen ein. Die große Mehrheit der Forumsteilnehmer stellt sich hinter den Priester. Viele geben ihrem angestauten Frust über die Amtskirche Ausdruck. Doch daneben finden sich viele Forumsteilnehmer, die – zumeist anonym – die harte Position des Bischofs gegen den Priester unterstützen. Druckt man all die für und wider geäußerten Positionen aus, so hält man einen dicken Packen von weit über einem Pfund dicht bedruckter Seiten Papier in Händen. Auffällig ist, wie wenig klar identifizierbare evangelische Stimmen sich solidarisch mit dem Priester zeigen.
Immerhin: Bischöfin Margot Käßmann aus Hannover erklärt sich in einem Spiegel-Kurzinterview klar für den Priester. Der bayerische evangelische Landesbischof Johannes Friedrich mischt sich ein, nachdem eine Meldung kursierte, Bischof Mixa habe das evangelische Abendmahl mit »Brötchenessen« verglichen. Postwendend stellt Mixa klar, das habe er nicht gesagt. Darauf lenkt der Landesbischof ein. Der Kölner Kardinal Joachim Meisner erklärt sich in einem offenen Brief für Bischof Mixa. Der Mainzer Bischof Kardinal Lehmann, der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, wollte in Berlin während der Hochstimmung beim ÖKT auf Anfrage von Journalisten die konfliktträchtigen ökumenischen Mahlfeiern noch niedrig hängen. Als der Konflikt Wochen später dann richtig am Kochen ist, steht auf der Website zum Fall Kroll die Meldung, Lehmann halte das Vorgehen von Bischof Mixa gegen Kroll sowie ein Vorgehen gegen den Zelebranten des katholischen Gastfreundschaftsgottesdienstes, den Trierer Theologen Gotthold Hasenhüttl, durchaus für richtig.
Die katholische Kirchenreformbewegung Wir sind Kirche sowie die Initiative Kirche von unten stellen sich öffentlich hinter den Priester. Anders agiert die Arbeitsgemeinschaft der Priester- und Solidaritätsgruppen (AGP). Sie diskutiert am Pfingstmontag auf ihrer Jahresversammlung in Heppenheim den Fall, entschließt sich jedoch nicht für eine öffentliche Unterschriftenkampagne mit Zeitungsanzeigen von Priestern, die sich hinter Kroll stellen, sondern schreibt stattdessen interne, nichtöffentliche Briefe, mit dem Ziel, Priester Kroll beizustehen.
Unterdessen bricht in der Schweiz ein ähnlich gelagerter Streit um die Frage der Interkommunion auf. Dort gelangte der »Fall Zürich-Wittikon« an die Öffentlichkeit: Anders als in den letzten Jahren üblich, war dort das Abendmahl bei der diesjährigen Osternachtfeier von Katholiken und Reformierten nicht gemeinsam, sondern getrennt gefeiert worden – und zwar auf dringendes Ersuchen des katholischen Weihbischofs und Generalvikars Peter Henrici. Zürichs reformierter Kirchenpräsident bedauert und spricht von einem »falschen Zeichen«. (Thomas Seiterich-Kreuzkamp)
Kontakt: kroll@ikvu.de / www.ikvu.de
Aus: Publik-Forum, 27.6.2003
Quelle:
http://www.publik-forum.de/aktuell/SUB_AKT3.HTM
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Das "Netzwerk katholischer Priester" kritisiert, die Aufregung um die Priester Hasenhüttl und Kroll sei "Indiz für den theologischen und pastoralen Tiefstand des deutschen Katholizismus".
München, 26.6.2003 (www.kath.net). Scharfe Kritik an der gegenwärtigen Situation der katholischen Kirche hat das deutsche "Netzwerk katholischer Priester" in einer Aussendung geübt. Anlass für die Kritik ist das Verhalten der katholischen Priester Kroll und Hasenhüttl auf dem ökumenischen Kirchentag in Berlin. Hasenhüttl hatte öffentlich die Interkommunion praktiziert, während Pfarrer Kroll in liturgischer Kleidung das evangelische Abendmahl empfangen hatte.
Die Aufregung um die Priester Hasenhüttl und Kroll sei "ein weiteres Indiz für den theologischen und pastoralen Tiefstand des deutschen Katholizismus", heißt es in der Erklärung. "Zu Recht fragt sich z.B. Pfarrer Kroll, warum er nun für ein Verhalten öffentlich abgestraft werden soll, das er in seinen Pfarreien schon lange praktiziert - wusste sein Bischof nichts davon? Überdies lassen die Argumente Krolls für die Interkommunion schwerwiegende theologische Defizite bezüglich des Priestertums erahnen. Seine Ausführungen desavouieren die gegenwärtige Priesterausbildung in hohem Maße."
"Auch Professor Hasenhüttl müsse man "wohl oder übel zustimmen, wenn er erklärt, dass die flächendeckende Zulassung von Protestanten zur Heiligen Kommunion in Deutschland längst eingeführt ist". Die Berufung Hasenhüttels auf die "Gewissensentscheidung" beim Kommunionempfang sei "ein geschickter Schachzug", denn: "Spätestens seit der 'Königsteiner Erklärung' operiert auch der deutsche Episkopat mit einem subjektivistischen Gewissensbegriff, der dem Indifferentismus Tür und Tor geöffnet hat."
Das "Netzwerk katholischer Priester" appelliert an die Bischöfe, "missbräuchliche Praktiken im Hinblick auf die Eucharistie nicht nur dann zu verfolgen, wenn sie in den Medien breit getreten werden". Die Glaubwürdigkeit der kirchlichen Lehre und Disziplin sei "in großer Gefahr".
Quelle: http://www.kath.net/detail.php?id=5420
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Dorfen (cds) - Zu umstrittenem Ansehen kam Pfarrer Bernhard Kroll aus Großhabersdorf während der diesjährigen Kirchentage in Berlin. Bei einem ökumenischen Abendmahl nahm er im katholischen Priestergewand die Hostie entgegen. Die Heimatzeitung befragte Pfarrer Konrad Mühbauer vom katholischen Pfarrverband St. Wolfgang und die evangelische Pfarrerin Martina Öfele aus Dorfen zu ihrer Meining.
"Die ökumenischen Bemühungen müssen weitergehen. Aber nicht auf diese Weise," sagte Mühlbauer. Kroll verstieß mit seinem Handeln gegen eine Weisung von Papst Johannes Paul II. und den deutschen Bischöfen. Walter Mixa, Bischof von Eichstätt, verbot als Reaktion dem "Rebellenpriester" als Pfarrer zu agieren und die heilige Messe lesen.
Gemäß Mühlbauer ist das eigentliche Problem nicht, dass Kroll am ökumenischen Abendmahl teilgenommen hat, sondern dass er dies als Priester und in Amtskleidung tat. "Ein so demonstratives Handeln ist für die Bemühungen um eine gemeinsame Ökumene eher hinderlich." Mühlbauer findet es schade, dass sich die öffentliche auf Debatte auf die gemeinsame Eucharistie beschränke. Die Verantwortlichen sollten sich mehr um ökumenische Trauungen und Gottesdienste bemühen.
Eine ökumenische Eucharistie-Feier sei bei den Unterschieden zwischen der katholischen und evangelischen Kirche derzeit nicht möglich, erklärte er. Nach der katholischen Auffassung müsse ein geweihter Priester die Eucharistie durchführen. Im evangelischen Glauben seien Pfarrer und geweihte Priester hierarchisch gleichgestellt. Im Pfarrverband St. Wolfgang gebe es keine ökumenischen Bemühungen, da laut Mühlbauer keine Notwendigkeit hierfür besteht und noch niemand dahingehend Wünsche äußerte.
Auch die evangelische Pfarrerin Martina Oefele aus Dorfen kann die Entscheidung von Mixa verstehen. Denn "natürlich muss die Amtskirche ihre Meinung nach außen vertreten. In der Denkweise der katholischen Kirche ist es konsequent und nachvollziehbar." Persönlich hätte Oefele nichts gegen ein gemeinsames Abendmahl. "Schließlich glauben wir an den selben Gott."
Aus: Münchner Merkur, 26.6.2003
Quelle:
http://www.merkur-online.de
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Wer da einmal meinte, der Streit um die Teilnahme des katholischen Pfarrers von Großhabersdorf, Bernhard Kroll, am evangelischen Abendmahl würde nach kurzer Zeit abflauen, der muss sich jetzt getäuscht sehen. Mit der geharnischten Ansprache von Kardinal Friedrich Wetter am vergangenen Wochenende (wir berichteten) erreichten die Auseinandersetzung nun einen weiteren ungewöhnlichen Höhepunkt.
Der Kardinal im fernen München kanzelte dabei vor allem auch die vielen, vielen seiner Schäflein in Mittelfranken gehörig ab, die sich in den vergangenen drei Wochen engagiert hinter Pfarrer Kroll und dessenökumenische Aktion gestellt hatten. Letztlich ließ Wetter die Katholiken mit hoch erhobenem Zeigefinger wissen, dass ihre Solidarität mit dem ungehorsamen Priester keineswegs zukunftsweisend ist, sondern ignorant. Dass diese Gläubigen aus seiner Sicht offenbar weder die richtige Einstellung zu, noch eine Ahnung von Kirche und Eucharistie haben.
Die Betroffenheit über diese Worte sitzt, nicht nur in Großhabersdorf und Umgebung, tief. Die aktuelle Situation zeigt einmal mehr, dass zwischen den Spitzen der katholischen Kirche und einem großen Teil des Kirchenvolks riesige Gräben klaffen.
Während die führenden Männer der katholischen Kirche, vor allem die Kardinäle und Bischöfe, gerade in der jetzigen Diskussion die Eucharistie als den zentralen Punkt des Glaubenslebens herausstellen, sehen viele moderne Katholiken das praktizierte christliche Leben mit Werten wie Nächsten- und Friedensliebe, mit Wahrhaftigkeit, Barmherzigkeit und Gerechtigkeit als erstrebenswertestes Ziel religiösen Tuns. Eucharistie ist für sie als Vereinigung mit Christus vor allem der geistliche Kraftquell für das Christsein im Alltag. Manch einer sucht sich daneben noch andere spirituelle Möglichkeiten auf seinem religiösen Weg. Insofern leben viele Theologen in den Domen und Kirchen offenbar in einer völlig anderen Welt als ein Großteil ihrer Gläubigen, die als Menschen des 21. Jahrhunderts pragmatisch orientiert sind und die mit den traditionellen dogmatischen Regeln augenscheinlich vielfach nur noch schwer zurecht kommen.
Im Moment erscheint es so, als sei es den meisten Kirchenführern im Beharren auf Kirchenrecht und -regeln relativ egal, was der große Teil der Basis lenkt und will. Aber vielleicht mag es ihnen zu denken geben, dass vor allem auch viele junge Menschen sich beispielsweise hinter Pfarrer Kroll und sein Handeln stellen. Dass sich ganze diözesane Jugendverbände in Eichstätt, wie die Katholische Junge Gemeinde oder die Katholische Landjugendbewegung, mit dem vermeintlich ungehorsamen Priester solidarisieren. Sie, die Jungen, aber auch viele Katholiken älterer Generationen wollen voller freudiger Ungeduld und voller Sehnsucht nach christlicher Einheit in der Ökumene rasch weiter vorankommen.
Gerade die Brand-Rede von Kardinal Wetter zeigte aber, dass die Ökumene - trotz aller Kirchentagseuphorie - an ihrer Grenze angekommen ist. Der Evangelische Pressedienst hat natürlich Recht, wenn er die Aussagen Wetters so deutet, dass dieser sich die Einheit der Christen nur im Aufgehen der anderen christlichen Kirchen in der römischen Kirche vorstellen könne. Das heißt: Ökumene wird sich auch in absehbarer Zeit auf der Ebene von Wortgottesdiensten an Werktagen, von gemeinsamem Segen bei Einweihungen, von überkonfessionellen Osterfeuern und ähnlichen wenig grundlegenden Dingen bewegen.
Sicher ist, dass viele Katholiken und Protestanten, die sich in den vergangenen Jahren ökumenisch engagiert hatten, in diesen Tagen ernüchtert und enttäuscht sind. Aber sie stehen der Realität gegenüber. Insofern hat der Abendmahlsstreit auch etwas Gutes: Er beseitigt Illusionen, was den Zustand der Ökumene und deren zukünftige Chancen anbelangt. (ULRICH RACH)
Aus: Nürnberger Nachrichten, 24.6.2003
Quelle:
http://www.nn-online.de/artikel.asp?art=94645&kat=27
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Floß, 24.6.2003 (epd). In seiner Festpredigt zum 500-jährigen Jubliäum der Johannes-Baptista-Kirche in Floß hat der bayerische Landesbischof Johannes Friedrich es als Aufgabe der Kirche bezeichnet, Gott den Weg zu bereiten. Dazu gehöre auch das Miteinander von evangelischen und katholischen Christen. Ziel sei nicht die Einheit beider Kirchen, sondern dass beide Konfessionen gemeinsam Gottesdienst und Abendmahl feiern können. "Und das ohne dienstrechtliche Konsequenzen." Einen besonderen Auftrag hätten die evanglischen Pfarrerinnen und Pfarrer in der Diaspora, so der Bischof im Gespräch mit Journalisten. Sie sollen das Abendmahlsverständnis der evangelisch-lutherischen Kirche im ökumenischen Gespräch erläutern, gemeinsame Ansätze in der theologischen Diskussion um das Abendmahl herausheben, "um weitere Mißverständnisse zu vermeiden". (0989/24.06.03)
Quelle: http://www.epd.de/bayern/bayern_index_15824.htm
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München, 24.6.2003 (kath.net/IKR). Der Vorsitzende des Diözesanrates der Katholiken im Erzbistum München und Freising, Professor Alois Baumgartner, sieht im Zusammenhang mit der öffentlichen Auseinandersetzung um demonstrative Einladungen zum evangelischen Abendmahl oder zur katholischen Eucharistie einen "Geist der Spaltung" am Werk.
In einem Beitrag für die "Münchner Kirchenzeitung" stellte er fest, es sei viel zu hören, "wie durch den provokativen Kommuniongang eines Pfarrers die Gemeinden aufgewühlt sind, ein Generalvikar verlacht und ein Bischof über den medialen Marktplatz getrieben wird". In der Öffentlichkeit werde damit der falsche Eindruck vermittelt, als seien die eigentlichen ökumenischen Akzente beim ersten Ökumenischen Kirchentag in Berlin durch wechselseitige Einladung zu Eucharistie und Abendmahl gesetzt worden.
Baumgartner betonte, dieses von zwei katholischen Randgruppen mit veranstaltete "Gegenprogramm" habe sich nicht nur gegen den Willen der Kirchentagsveranstalter gerichtet, sondern habe im Widerspruch zur Deutschen Bischofskonferenz und bewusst auch zur jüngst ergangenen Weisung des Papstes gestanden. Kritisch fragte der Vorsitzende des Diözesanrates: "Wem ist gedient, wenn die Eucharistie, deren einheitstiftende Kraft man gleichzeitig preist, zum Instrument des Protestes und zum Zeichen des Widerspruchs gegen Papst und Bischöfe gemacht wird?" Es müsse gefragt werden, ob durch diese Ereignisse die Kirche auf dem Weg zu mehr kirchlicher Einheit vorangekommen sei oder "ob hier eine Saat aufgeht, die im Geist der Spaltung gesät wurde".
Vor einer Spaltung hatte erst am Sonnta auch der Erzbischof von München und Freising, Kardinal Friedrich Wetter, im Wallfahrtsort Maria Thalheim, Landkreis Erding, gewarnt. Am Beginn der Glaubensspaltung im 16. Jahrhundert habe es Strömungen gegeben, die den heutigen vergleichbar seien. Man habe damals die in der Tat erneuerungsbedürftige Kirche erneuern wollen. Diese Strömungen hätten die Kirche aber nicht erneuert, "sondern die Einheit der Christen zerrissen, bis auf den heutigen Tag". Wörtlich hatte der Kardinal hinzugefügt: "Wir wollen die Einheit der Christen in der einen Kirche, und keine neuen Risse".
Quelle: http://www.kath.net/detail.php?id=5410
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FR, 23.6.2003. Der Saarbrücker Theologe hat den Berliner Kardinal Georg Sterzinsky im Streit über das Abendmahl während des ökumenischen Kirchtentages hart attackiert. Im Rundfunk bezeichnete Hasenhüttl das Verhalten des Kardinals als "Faustschlag gegen die Ökumene". Zuvor hatte der Theologe eine Einladung Sterzinskys zu einem Gespräch über den Abendmahlstreit ausgeschlagen. Nach Ansicht Hasenhüttls handelte es sich dabei um eine Vorladung. Es sei ihm "schleierhaft", was der Kardinal von ihm wissen wolle, "weil ja alles offen gelegt ist". Der emeritierte Theologe hatte auf dem Kirchentag bei einem Gottesdienst in der Berliner Gethsemanekirche auch Nichtkatholiken zur Kommunion eingeladen, obwohl dies gegen die Bestimmungen der katholischen Kirche verstößt. Er sei zwar "grundsätzlich" zu einem Gespräch bei Kaffee und Kuchen bereit, einem "Verhör" werde er sich aber nicht unterziehen. Sterzinsky ließ nun mitteilen, er werde Zeugenaussagen über den umstrittenen Gottesdienst sammeln.
Aus: Frankfurter Rundschau,
23.6.2003
Quelle:
http://www.fr-aktuell.de/ressorts/nachrichten_und_politik/deutschland/?cnt=235304
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ERDING / NÜRNBERG, 23.6.2003 (dpa/NZ). Der Münchner Kardinal Friedrich Wetter hat die Teilnahme katholischer Priester am evangelischen Abendmahl scharf kritisiert. Dies sei eine „bewusste Provokation und Demonstration“, sagte der Erzbischof bei einem Gottesdienst im Wallfahrtsort Maria Thalheim bei Erding. „Beide Priester stellten sich gegen die ausdrückliche Weisung des Papstes und der deutschen Bischöfe“, so der Kardinal. Am Rande des Ökumenischen Kirchentages in Berlin hatten zwei Priester, darunter Bernhard Kroll aus Großhabersdorf (Kreis Fürth) in einer evangelischen Kirche Protestanten die Kommunion gereicht beziehungsweise selbst das evangelische Abendmahl empfangen.
Kritik übte Wetter auch an der Reaktion zahlreicher Katholiken, die sich mit den Priestern solidarisierten. Er frage sich, welche Vorstellung von Kirche und Eucharistie hinter solchen Reaktionen stehe. Die Eucharistie sei das Kostbarste, das Christus der Kirche hinterlassen habe. „Damit kann man nicht demonstrieren.“ Wetter zielte mit seiner Kritik auf die Großhabersdorfer Pfarrei ab, wo sich viele Gläubige mit dem vorläufig suspendierten Kroll solidarisierten. „Wir wollen die Einheit der Christen in der einen Kirche und keine neuen Risse.“
Aus: Nürnberger Zeitung, 23.6.2003
Quelle:
http://www.nz-online.de/artikel.asp?art=94528&kat=30
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GROSSHABERSDORF, 23.6.2003. Der Streit um den Großhabersdorfer Pfarrer Bernhard Kroll, der vor drei Wochen beim ökumenischen Kirchentag in Berlin an einem evangelischen Abendmahl teilgenommen hatte, ging innerhalb der katholischen Kirche auch am vergangenen Wochenende massiv weiter.
Bei einer Wallfahrt in Maria Thalheim, Oberbayern, kritisierte der Münchner Kardinal Friedrich Wetter das Verhalten Krolls und dessen Amtsbruders, Gotthold Hasenhüttl, der Protestanten zum Empfang der Kommunion eingeladen hatte, scharf. Er stellte sich damit auch ostentativ an die Seite des Eichstätter Bischofs, Walter Mixa. Die beiden ungehorsamen Priester hätten sich gegen die ausdrückliche Weisung des Papstes und der deutschen Bischöfe gestellt, betonte der Kardinal und sprach von einer „bewussten Provokation und Demonstration“.
Wetter verurteilte auch „die Reaktion vieler Christen“, die sich nun lautstark mit Pfarrer Kroll solidarisierten hätten und dessen Verhalten für zukunftsweisend hielten. Er frage sich, welche Vorstellungen von Kirche und Eucharistie hinter solchen Reaktionen stünden. Die Eucharistie sei das Kostbarste, das Christus der Kirche hinterlassen habe: „Damit darf man nicht demonstrieren. Sie darf nicht für eigene Zielvorstellungen verzweckt werden.“
Laut einer Pressemitteilung, die gestern vom erzbischöflichen Ordinariat in München verbreitet wurde, sagte der Kardinal weiter: „Wir wollen die Einheit der Christen in der einen Kirche und der Weg führt über die Wahrheit des Glaubens“. Und diese Wahrheit finde sich in der Lehre der Kirche, wie sie von den Bischöfen als Nachfolger der Apostel verkündet werde, für deren Einheit der Papst als Nachfolger Petri stehe. „Der niedrigste gemeinsame Nenner kann keine Basis für die Einheit der Kirche sein. Er führt zur Verkümmerung und zum Ausverkauf des Glaubens“, so Wetter. Der Evangelische Pressedienst wertete diese Aussagen als Indiz dafür, dass sich der Münchner Kardinal „die Einheit der Christen nur im Aufgehen der anderen christlichen Kirchen in der katholischen Kirche vorstellen kann“.
Mittlerweile attackierte Gotthold Hasenhüttl Bischof Walter Mixa. Dessen Aussagen zur protestantischen Mahlfeier seinen „ein Faustschlag gegen die Ökumene“ und zeugten von einer „theologischen Ignoranz erster Klasse“, erklärte der Saarbrücker Theologie-Professor in einem Rundfunk-Interview. Sanktionen gegen Hasenhüttl wegen dessen Aktion in Berlin blieben bis heute aus. (ULRICH RACH)
Aus: Nürnberger Nachrichten, 23.6.2003
Quelle:
http://www.nn-online.de/artikel.asp?art=94369&kat=27
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GROSSHABERSDORF, 23.6.2003. Die Proteste gegen die Beurlaubung des Großhabersdorfer Pfarrers Bernhard Kroll gehen weiter. Bei einem „Lichtermeer“ im örtlichen Pfarrgarten erklärten sich an Fronleichnam erneut rund 300 Gläubige mit dem 41-jährigen Geistlichen solidarisch, der nach einer Teilnahme am evangelischen Abendmahl vom Eichstätter Bischof Walter Mixa vorläufig seiner Ämter enthoben worden war. Zum Zeichen der Verbundenheit mit ihrem Pfarrer und mit der Ökumene entzündeten sie unter freiem Himmel Hunderte von Kerzen und Fackeln. Kroll selbst befindet sich zurzeit in einem vor längerer Zeit gebuchten Urlaub. Danach soll die ihm verordnete Besinnungszeit, vermutlich in einem Kloster, beginnen. Inzwischen ist auch sein zunächst benannter vorläufiger Stellvertreter wieder weg aus Großhabersdorf. Der 47-jährige Dirk Postmeyer aus Nürnberg sei schwer erkrankt, hieß es. Ab sofort kümmert sich Pfarrer Josef Fersch (63) um die Gemeinde.
Bei Fronleichnams-Gottesdiensten nahmen auch einige deutsche Bischöfe zu der Affäre um Pfarrer Kroll Stellung. So betonten der Würzburger Oberhirte, Paul-Werner Scheele, und der Münchner Kardinal Friedrich Wetter übereinstimmend, dass es keine eucharistische Gemeinschaft geben könne, solange es keine kirchliche Einheit gebe. Wetter kritisierte auch „eigenmächtige Handlungen, die zu Verwirrung und Konflikt führen und nicht der Einheit dienen“.
Der Fuldaer Bischof Heinz Algermissen nahm zur breiten öffentlichen Diskussion dieser Frage Stellung und meinte, die Kirche dürfe sich den Umgang mit dem Altars-Sakrament nicht von einer weithin säkularisierten Gesellschaft vorschreiben lassen. Beim „Lichtermeer“ in Großhabersdorf wurde Bedauern darüber laut, „dass die Bischöfe zu Fronleichnam in dem Konflikt noch draufsatteln mussten, statt zu vermitteln“. Unterdessen erklärten Vertreter der Katholischen Jungen Gemeinde (KJG) in der Diözese Eichstätt, die Kroll bis zur Beurlaubung geleitet hatte, die Suspendierung sei für sie gegenstandslos. „Kroll ist demokratisch gewählt und bleibt deshalb weiter geistlicher Leiter der KJG in der Diözese - sonst ist die ganze Demokratie im Eimer“, sagte ein führender KJG-Vertreter. (ULRICH RACH)
Aus: Nürnberger Nachrichten, 23.6.2003
Quelle:
http://www.nn-online.de/artikel.asp?art=94111&kat=27
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Der Deutsche Evangelische Kirchentag steht seit seiner Gründung 1949 in zunehmender Verbindung mit dem Deutschen Katholikentag, der erstmals 1848 in Mainz zusammengekommen war, und seiner Trägerschaft, dem Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK). 1958 wurde vereinbart, die Katholikentage stets in den geraden Jahren und die Evangelischen Kirchentage in den ungeraden Jahren abzuhalten, so dass in Deutschland in jedem Jahr ein grosses christliches Ereignis stattfinden konnte. In der Aufbruchstimmung des Zweiten Vatikanischen Konzils wurde 1971 eine gemeinsame Veranstaltung durchgeführt, das ökumenische Pfingsttreffen von Augsburg. Ein Vierteljahrhundert später wurde der Gedanke eines gemeinsamen Kirchentages wieder besonders aktuell, weil die Unterzeichnung einer gemeinsamen katholisch-lutherischen Erklärung zur Rechtfertigungslehre bevorzustehen schien. Obwohl sich diese Unterzeichnung arg verzögerte, wurde ein gemeinsamer Kirchentag beschlossen, der unter dem Leitwort «Ihr sollt ein Segen sein» vom 28. Mai bis 1. Juni 2003 als erster Ökumenischer Kirchentag in Berlin durchgeführt wurde.
Vorgaben
An den letzten Katholikentagen und Kirchentagen beteiligten sich in
zunehmendem Mass Glieder der jeweils anderen Kirche als Mitwirkende wie als
Besucherinnen und Besucher. Trotz dieser erfahrenen Nachbarschaft war es für
die Vorbereitung des Ökumenischen Kirchentags nicht einfach, die
unterschiedlichen Kulturen der beiden bewährten und vertrauten Grossanlässe
so zusammenzuführen, dass nicht einfach am gleichen Ort und zur gleichen
Zeit der Katholikentag und der Kirchentag durchgeführt wurden.
Diese Herausforderung wurde in der Vorbereitungszeit so angenommen, dass Hans Joachim Meyer, der katholische Präsident des Ökumenischen Kirchentags, an der Eröffnungspressekonferenz von einem Ertrag vor Beginn sprechen konnte: «Denn die Jahre der Vorbereitung haben zu einer Vielzahl von neuen ökumenischen Initiativen, Aktivitäten und Projekten geführt, haben neue Formen der Partnerschaft und Zusammenarbeit zwischen Gemeinden, Organisationen und Institutionen geschaffen und so neue Wege gegenseitiger Kenntnis und gegenseitigen Verstehens gebahnt. Was bisher nicht selten vor Ort die Sache einiger ökumenischer Aktivisten war, hat jetzt eine sehr viel breitere Basis gewonnen. Das zeigt sich nicht zuletzt an der grossen Zahl gemeinsamer Gruppen aus Gemeinden und Verbänden für die Teilnahme in Berlin. So ist ein dichtes und kräftiges Wurzelwerk der ökumenischen Zusammenarbeit entstanden, durch das die neu gewachsene Gemeinsamkeit über den Tag hinaus Bestand haben wird.»
Der Ökumenische Kirchentag wollte vor allem ein Fest der Gemeinsamkeit im christlichen Glauben sein. So wurde ein geistliches und ein kulturelles sowie ein breites thematisches Angebot vorbereitet; dazu kamen Veranstaltungen aus Anlass des Kirchentages. Die gut 200.000 Besucherinnen und Besucher konnten ihr Kirchentagsprogramm aus einem Angebot von rund 3200 Veranstaltungen zusammenstellen; eine Einschränkung bildeten nur die Distanzen zwischen den Veranstaltungsorten im Zentrum der Stadt und dem Messegelände im Westen.
Geordnet bzw. gruppiert worden waren die thematischen Einzelveranstaltungen zu vier Themenbereichen. Die beiden ersten nahmen die Gemeinschaft der Christinnen und Christen und den ökumenischen Dialog in den Blick, zu dem wie zu jedem Dialog neben Phasen des Brückenbaus auch Phasen der Identitätsvergewisserung gehören. So hiess der Themenbereich 1: «Glauben bezeugen im Dialog leben», und der Themenbereich 2: «Einheit suchen in Vielfalt einander begegnen». Weil es zum Selbstverständnis von Katholikentagen und Evangelischen Kirchentagen gehört, sich den Herausforderungen der Zeit zu stellen, befassten sich die beiden anderen Themenbereiche mit aktuellen Fragen: der Themenkreis 3 mit «Menschenwürde achten die Freiheit wahren» und der Themenkreis 4 mit «Welt gestalten in Verantwortung leben». Diese vier Themenbereiche waren mit Hauptvorträgen, Hauptpodien, Foren, Podien, Podienreihen, Abendreihen, Werkstätten vergleichbar strukturiert. Dazu kamen themenübergreifende Zentren und die wie die Themenbereiche gruppierte Agora, eine grosse, die Kirchenmeile der Katholikentage und den Markt der Möglichkeiten der Evangelischen Kirchentage weiterführende Ausstellung.
Stolperstein oder Stein des Anstosses
Mit einem eigenen Stand auf der Agora vertreten war auch die
«KirchenVolksBewegung 'Wir sind Kirche'», die mit der «Initiative Kirche von
unten (IKvu)» und der Pfarrerschaft der Kirchengemeinde Prenzlauer Berg-Nord
zu Berlin im September 2002 erklärt hatte, am Kirchentag das Abendmahl
gemeinsam feiern zu wollen. An der ersten Pressekonferenz der
«KirchenVolksBewegung» während des Kirchentages begründete Christian Weisner
dieses Vorgehen damit, dass der Kirchentag ein ökumenischer werden und nicht
ein gemeinsamer bleiben solle.
Demgegenüber hatten der Präsident des ZdK und die Präsidentin des Deutschen Evangelischen Kirchentags in ihrem Wort an die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Kirchentags darauf hingewiesen, dass «der Respekt vor dem Glauben, den theologischen Lehrauffassungen und den geltenden Regeln der jeweils anderen Kirche» die Grundlage der Zusammenarbeit beim Ökumenischen Kirchentag sind. Zusammen mit dem Vorstand des Ökumenischen Kirchentags haben sie damit die Bitte verbunden, «die in den Kirchen gültigen Regeln zu achten und im Bezug auf Eucharistiefeier und Abendmahl in ökumenischer Sensibilität miteinander umzugehen».
Diesen Standpunkt unterstützte dann auch Papst Johannes Paul II. in seinem Grusswort an den Kirchentag, in dem er zu weiteren Schritten der Versöhnung ermunterte. «Setzt diese Bemühungen mit Sensibilität und Rücksichtnahme aufeinander, in Geduld und zugleich mit Mut in Ehrfurcht vor der Wahrheit und in aufrichtiger Liebe fort: im gemeinsamen Bekenntnis und Gebet, im theologischen Gespräch, in Vorschlägen zur Gestaltung des öffentlichen Lebens, in einem missionarischen Aufbruch zu einer neuen Evangelisierung und im Dienst der Liebe für die Armen und Bedrängten allüberall, und schliesslich in einem neuen, an der Person Jesu Christi ausgerichteten Lebensstil, der die Schätze dieser Erde schonend gebraucht, nicht zuletzt im Blick auf die kommenden Generationen.»
Die ökumenischen Gottesdienste, die dann in der Gethsemane-Kirche in Prenzlau-Nord gefeiert wurden, waren einmal eine katholische Eucharistiefeier mit «offener Kommunion» und ein andermal ein evangelischer Gottesdienst mit «Abendmahl für alle». Damit wurde keine volle Abendmahls- bzw. Eucharistiegemeinschaft gefeiert, sondern die gegenseitige Gastfreundschaft bei Eucharistie und Abendmahl vorweggenommen. Als Zeichen, dass Christen und Christinnen nicht nur miteinander, sondern zugleich mit den Bedürftigen teilen sollen, richtete die «KirchenVolksBewegung» gemeinsam mit der «Initiative Kirche von unten (IKvu)» und der «Initiative Ordensleute für den Frieden» unter Beteiligung von Bischof Jacques Gaillot ein «Mahl der Solidarität - Für alle genug» aus.
Der Regelbruch in der Gethsemane-Kirche wurde von einzelnen katholischen Bischöfen bedauert; gegen einen Priester, der am Abendmahl teilgenommen hatte, wurden gar Sanktionen ergriffen. Vor allem aber löste er bei strammen Katholiken Entrüstung aus (www.kath.net). Der protestantische Klaus Berger, Professor für Neutestamentliche Theologie an der Universität Heidelberg, verstieg sich gar zur Aussage, die «offene Kommunion» sei «ein Almosen für die Medien» gewesen, «die auf die Sensation erpicht waren» (in einem Interview mit «Die Welt», 3. Juni 2003).
Weil die Frage der eucharistischen Gastbereitschaft und Gastfreundschaft zwischen den Kirchen kontrovers ist, wurde sie auch in der Podienreihe «Ökumene kontrovers» unter dem Titel «Ein Glaube eine Taufe getrennt beim Abendmahl?» thematisiert. Ein Ergebnis dieser Veranstaltung ist eine Resolution, die von der Überzeugung getragen ist: «Eucharistische Gastfreundschaft ist theologisch möglich und sollte deshalb als Zeichen schon bestehender Kirchengemeinschaft in ökumenischen Zusammenhängen auch jetzt schon praktiziert werden.» Gedacht ist dabei vor allem an «Angehörige[n] konfesionsverbindender Familien... und andere[n] getaufte[n] Christen in besonderen ökumenischen Zusammenhängen wie zum Beispiel langjährigen ökumenischen Gruppen, lokalen ökumenischen Ereignissen und ökumenischen Kirchentagen».
«Tun, was uns eint»
Für den Alltag der Konfessionskirchen und ihrer örtlichen Gemeinden wäre die
eucharistische Gastbereitschaft bzw. Gastfreundschaft demnach ein verfrühter
Schritt. Die Schritte, die getan werden könnten und müssten, haben am
Kirchentag 16 Kirchen mit der Unterzeichnung der 2001 bereits vom Rat der
Europäischen Bischofskonferenzen (CCEE) und der Konferenz Europäischer
Kirchen (KEK) unterzeichneten Charta Oecumenica vorgezeichnet.
Anregungen zu deren Umsetzung waren auf dem Kirchentag nicht zuletzt auf der Agora, der Ausstellung mit weit über 1000 Ständen, zu finden. So ist das «Netzwerk konfessionsverbindender Paare und Familien» überzeugt, «dass die Einheit der Christen schrittweise insbesondere zwischen konfessionsverschiedenen Nachbargemeinden gefördert und herbeigeführt werden kann und muss»; wichtig sei dabei, auch die kleineren christlichen Konfessionen einzubeziehen. Für diese Annäherung schlägt das Netzwerk die folgenden Stufen vor: «1. Initial: Die Gemeinden leben friedvoll und tolerant nebeneinander. 2. Interessiert: In möglichst vielen Bereichen werden regelmässig ökumenische Veranstaltungen durchgeführt. 3. Informiert: Nachbargemeinden laden sich bewusst und gezielt gegenseitig zu ihren jeweils eigenen Veranstaltungen ein, wo immer es möglich ist. Dazu wird ein systematischer Informationsaustausch gefördert. 4. Integriert: Es wird alles gemeinsam durchgeführt, was nicht getrennt getan werden muss.»
In einem Hauptvortrag plädierte auch Kardinal Walter Kasper, der Präsident des Päpstlichen Rates für die Einheit der Christen, dafür, endlich gemeinsam zu tun, was gemeinsam getan werden kann: «Wir wären vermutlich schon wesentlich weiter, wenn wir alles das gemeinsam täten und lebten, was schon heute möglich ist.»
«Ermutigende Enttäuschungen»
Die ersten beiden Themenkreise brachten mit sich, dass auf dem Kirchentag
der theologische Dialog nicht zu kurz kam; die Theologische Fakultät der
Humboldt-Universität hatte dazu eine ganze Podienreihe vorbereitet. Das
Podium zum gegenwärtigen Stand der Ökumene wurde unter dem Titel
«Ermutigende Enttäuschungen» angeboten. Im einführenden Vortrag benannte
Wilfried Härle, Professor für Systematische Theologie an der Universität
Heidelberg, was in den letzten Jahren die römisch-katholische Kirche, die
Orthodoxen Kirchen und die Evangelische Kirche in Deutschland den anderen
Kirchen an Enttäuschungen zugemutet hatten. Damit sei zu Tage getreten, wie
Gemeinsamkeiten oft mehr gewünscht wurden als vorhanden gewesen seien, so
dass es zu einer ökumenischen Öffnung gekommen sei, die den tatsächlichen
ökumenischen Beziehungen nicht entsprochen habe. Das dürfe nicht aus
«ökumenischer Scham» verschwiegen werden. Diese Enttäuschungen seien aber
ermutigend, weil eine Vortäuschung nicht ewig halte und die Befreiung von
einer Täuschung ein Realitäts-, Orientierungs- Freiheits- und Segensgewinn
sei.
Das Ziel der Ökumene sei die volle Gemeinschaft am Tisch des Herrn, und das ökumenische Problem die Uneinigkeit in Bezug auf die dazu erforderlichen Voraussetzungen. Die evangelische Vorstellung sei eine Kirchengemeinschaft selbständiger Kirchen, die römisch-katholische hingegen eine sichtbare bzw. organisatorische Einheit. Beide Kirchen können nicht anders, und zwar aus Treue gegenüber einer Einsicht, auch wenn andere Motive mitspielen mögen. Taktische und andere nicht lautere Motive dürften aber nur Gegenstand einer Selbstprüfung, nicht einer Fremdprüfung sein. Müsste aber das Fehlen eines «ehrlichen Willens» festgestellt werden, wäre erst dies eine entmutigende Enttäuschung. So sei eine Intensivierung der Gespräche angesagt, in denen auf eine wechselseitige Bezeugung nicht verzichtet werde.
Dabei wäre die Methode der Mediation hilfreich, mit der eine Frage aufgegriffen wird, die noch nicht erörtert wurde, für die aber beide Seiten sensibilisiert sind. In der Ökumene wäre dies die Frage nach dem Grund des Glaubens. Der freikirchliche Theologieprofessor Erich Geldbach von der Universität Bochum möchte die Frage nach dem Grund des Glaubens auch im Blick auf die entchristlichte Gegenwart als missionarische Situation gestellt wissen.
Auf die kritischen Bemerkungen von Wilfried Härle zu den Begriffen «versöhnte Verschiedenheit» und «differenzierter Konsens» antwortete auf dem Podium Kardinal Georg Sterzinsky, Verschiedenheit müsse bleiben. Damit stimmte er mit der Aussage von Kardinal Walter Kasper überein: «Jede Kirche hat ihre Reichtümer, die sie nicht aufgeben kann und auch nicht aufgeben soll.» Diese Reichtümer gehören zur jeweiligen konfessionellen Identität und Beheimatung. Hier tritt das ökumenische Problem zu Tage, wenn eine Konfessionskirche in einer anderen Wesentliches vermisst: in mehr als einer Veranstaltung wurde dieses Wesentliche «essantials» genannt.
«Freie Kirchen in offener Gesellschaft»
Eine besondere Art der Identitätsvergewisserung geschieht sowohl unter dem
Säkularisierungsdruck als auch in der Konfrontation mit Fremdreligionen,
neuen religiösen Bewegungen und so genannten Sekten. Dazu hatten die
Weltanschauungsbeauftragten der Kirchen in der «Werkstatt Weltanschauungen»
einen eigenen Programmteil vorbereitet mit unter anderem einer
Vortragsveranstaltung zum Thema «Christlicher Glaube und östliche
Spiritualität» sowie einem Diskussionsforum zur Frage: «Esoterisches
Christentum - Weg oder Holzweg?» Auf diesem Forum erklärte P. Niklaus
Brantschen SJ vom Lassalle-Haus: «Wer andere ausgrenzt, schliesst sich ein.»
In der gleichen Werkstatt hatte zwei Tage zuvor der Jurist Axel von
Campenhausen, Professor in Göttingen, darauf bestanden: «Abgrenzung von
anderen ist selbstverständlicher Bestandteil jeder kirchlichen Lehre.» (Über
den Unterschied zwischen «abgrenzen» und «ausgrenzen» nachzudenken lohnte
sich auch unabhängig vom Ökumenischen Kirchentag!)
Damit begründete er in einem Streitgespräch unter dem Titel «Ist Sektenkritik tabu?» die Zulässigkeit kirchlicher Information und auch kritischer Aufklärung über so genannte Sekten, wenn die beauftragten kirchlichen Stellen dabei rechtstreu bleiben und als Beauftragte von öffentlich-rechtlich anerkannten Grosskirchen auch rechtspolitische Vorsicht walten lassen, sich also besonderer Sorgfalt, Sachlichkeit und Wahrhaftigkeit befleissigen. Strittig war bei dieser Veranstaltung namentlich die Zulässigkeit staatlicher Stellen, das Streitgespräch hatte die Spannung von weltanschaulicher Neutralität und Religionskritik im säkularen Staat aufzunehmen, sowie die sozial unerwünschten Folgen als Kriterium der kirchlichen Sektenkritik. Kirchliche Weltanschauungsbeauftragte berücksichtigen dieses Kriterium, weil sie ihre Aufgabe im Sinne des Verbraucherschutzes wahrnehmen wollen und sich deshalb auch auf ihre Beratungserfahrung abstützen. Andere am Gespräch Beteiligte, namentlich der Religionswissenschaftler Hubert Seiwert von der Universität Leipzig und der Staatsrechtler Hermann Weber von der Universität Frankfurt am Main, setzten dem Verbraucherschutz den Minderheitenschutz entgegen, wie sie Sekten denn auch einfach als kleinere Religionsgemeinschaften umschrieben.
Mit dem Ort der Kirche im säkularen Staat befasste sich auch eine von der Vereinigung Evangelischer Freikirchen vorbereitete Diskussion der Fragen: Wie frei sind die Kirchen in der heutigen Zeit? Entwickeln sich die Grosskirchen zu Freikirchen? Der Titel der Veranstaltung gab als wünschbare Zukunft allerdings schon vor: Freie Kirchen in offener Gesellschaft. Ins Gespräch gebracht wurden dann vor allem gute gemeinsame Erfahrungen der Kirchenbeauftragten am Sitz der Bundesregierung. Grundsätzliche Überlegungen eingebracht wurden von Bischof Wolfgang Huber, der daran erinnerte, dass schon Dietrich Bonhoeffer gesehen hat, wie die volkskirchliche von der missionskirchlichen Situation abgelöst würde; gegen die Gefahr einer Milieuverengung plädierte Bischof Huber für «eine Kirche in dieser Welt und für diese Gesellschaft». Dazu gehöre, dass sich die Kirche dem Staat gegenüber als eine glaubwürdige Dialogpartnerin bewähre, aber auch die Kompetenz der Politiker und Politikerinnen, die Kirchenglieder sind, ernst nehme. Anderseits sollten sich auch die christlichen Politikerinnen und Politiker als Christinnen und Christen erkennbar machen. So werde das allgemeine Priestertum einerseits von der Kirchenleitung ernst genommen und so komme es anderseits zum Tragen. (Rolf Weibel)
Aus: Schweizerische Kirchenzeitung, Nr. 25 (22.6.2003)
Quelle: http://www.kath.ch/skz/
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München, 22.6.2003 (KNA). Auch drei Wochen nach dem Berliner Kirchentag geht der Streit um das gemeinsame Abendmahl weiter. Der Münchner Kardinal Friedrich Wetter nannte das Verhalten der beiden katholischen Priester, die am Rand des Kirchentags gegen das Kirchenrecht verstoßen hatten, eine "bewusste Provokation und Demonstration". Sie hätten sich gegen die ausdrückliche Weisung des Papstes und der deutschen Bischöfe gestellt, betonte Wetter am Sonntag im Wallfahrtsort Maria Thalheim bei München.
Am Rande des Ökumenischen Kichentages hatte der katholische Theologe Gotthold Hasenhüttl in einer evangelischen Kirche Eucharistie gefeiert und auch Protestanten zur Kommunion eingeladen. Wenig später war der katholische Pfarrer Bernhard Kroll in priesterlicher Kleidung zum evangelischen Abendmahl gegangen; daraufhin hatte ihn der Eichstätter Bischof Walter Mixa vorläufig beurlaubt. Über Maßnahmen gegen Hasenhüttl, der eine Einladung zum Gespräch ausgeschlagen hat, haben die Verantwortlichen noch nicht entschieden.
Wetter erklärte, die Eucharistie sei das Kostbarste, das Christus der Kirche hinterlassen habe: "Damit kann man nicht demonstrieren. Sie darf nicht für eigene Zielvorstellungen verzweckt werden. Vor dem Geheimnis der Eucharistie muss man niederknien und anbeten." Kirchen- und Kommunionsgemeinschaft dürften nicht voneinander getrennt werden, warnte der Kardinal. Über diese Wahrheit des Glaubens können nicht verhandelt werden. Der Weg zur Einheit der Christen führe nur über die Wahrheit des Glaubens. Diese finde sich in der Lehre der Kirche, wie sie von den Bischöfen als den Nachfolgern der Apostel verkündet werde.
Für das Kollegium der Bischöfe ist laut Wetter das Wort Jesu maßgebend: "Wer euch hört, der hört mich." Dies gelte nicht, weil die Bischöfe klüger seien als andere, sondern weil Jesus die Gemeinschaft der Bischöfe "in der Bezeugung des Glaubens vor Irrtum bewahrt und in der Wahrheit hält". Der niedrigste gemeinsame Nenner könne keine Basis für die Einheit der Kirche sein. Er führe zur Verkümmerung und zum Ausverkauf des Glaubens.
Quelle: http://www.kna.de
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GROSSHABERSDORF, 22.6.2003. Der Pfarrgarten hinter St. Walburga ist ein guter Platz für die Ökumene. Kein konfessionell geprägtes Gotteshaus beengt hier das gemeinsame Interesse. Unter einem Himmel versammeln sich am Abend von Fronleichnam Christen im Dienst der Sache. Anstelle der den Umständen zum Opfer gefallenen Prozession soll ein Lichtermeer Zeichen setzen.
Unter dem Andrang der Besucher wird es bald eng auf dem Rasen. Gemeindehelfer verteilen Schleifen in den Farben der katholischen Kirche, Kerzen und Liedblätter. „Herr, gib mir Mut zum Brückenbauen“, stimmen die Musiker des Familienkreises an, die Hymne der Ökumene. Nicht nur Gemeindemitglieder von St. Walburga sind gekommen, auch aus der evangelischen Gemeinde Großhabersdorfs haben sich viele Besucher eingefunden, allen voran Pfarrer Otto Schröpfer. Und selbst aus Dietenhofen, das zum katholischen Pfarrsprengel gehört, kommt das Publikum aller Altersschichten.
Nur einer fehlt: der katholische Priester Bernhard Kroll, dem die Sympathiedemonstration gilt. Er hat eine schon lange gebuchte Urlaubsreise angetreten, wird aber zum Gemeindefest am zweiten Juliwochenende wieder erwartet. „Wir wollen zeigen, dass wir hinter unserem Pfarrer stehen“, erklärt ein Teilnehmer sein Engagement. Ein an