Auswahlkriterien für die weihenden Bischöfe
aus: Gisela Forster, Werner Ertel (Hrsg.): Wir sind Priesterinnen


Der Ausbildungslehrgang 2002 unter der Leitung von Christine Mayr-Lumetzberger stellte auf der Suche nach geeigneten Bischöfen einen Kriterienkatalog zusammen. Darin geht es der besonderen Situation entsprechend weniger um ein "Unbescholtenheitszeugnis" des Vatikans, sondern um die Motive des weihenden Bischofs, seine Ansichten zu Reformen in der Kirche, zur Ökumene und vor allem um seine lückenlose und offiziell bestätigte Apostolische Sukzession.

Kriterien:

  1. Stehen Sie als Bischof in der Apostolischen Sukzession? Von welchem Bischof wurden Sie geweiht? Wer hat den Bischof geweiht, der Sie geweiht hat?
    Wir Frauen brauchen eine transparente, klare Sukzession, die deutlich macht, dass der Bischof, der uns weiht, in den letzten drei Weihevorgängen die direkte Sukzession der römisch-katholischen Kirche nachweisen kann.
  2. Können Sie sich vorstellen, Frauen zu weihen? Was sind ihre Motive dafür?
  3. Möchten Sie Frauen "heimlich" weihen, oder würden Sie sich offiziell zur Frauenweihe bekennen?
  4. Haben Sie eine konkrete Diözese, eine "Personal-Prälatur" (wie die Integrierte Gemeinde oder Opus Dei), oder eine "virtuelle Diözese" (wie Bischof Gaillot)? - alle drei Formen sind willkommen.
  5. Leben Sie ehelos, sind sie verheiratet oder geschieden?
    Zur Erläuterung: Wir greifen nicht in die Lebensform eines Bischofs ein. Jeder Mensch soll und muss selbst entscheiden, in welcher Kommunikations- und Liebesform er leben will. Ein "eheloser" Bischof ist für uns Frauen keine Bedingung für die Weihe. Wir würden  es eher begrüßen, wenn er den Vorstellungen des Hl. Paulus im Brief an Timotheus von einem Bischof entspricht: "Der Bischof soll ein Mann ohne Tadel sein, nur einmal verheiratete, nüchtern, besonnen, von würdiger Haltung, gastfreundlich, fähig zu lehren ... ein guter Familienvater ..." (1 Tim 3,2).
  6. Halten Sie Reformen in der Kirche für eine stetige Erneuerung als unumgänglich?
  7. Wollen Sie mit allen Kräften eine Kirchenspaltung vermeiden, auch wenn Sie sich zur Frauenpriesterweihe bekennen?
    Wir Frauen wollen keine Konfrontation mit der römisch-katholischen Kirche, sondern zu einem vernünftigen Dialog mit ihr kommen, in dem die Notwendigkeit geklärt wird, dass auch Frauen geweiht werden.

Diese Fragen sind für uns wichtig, danach haben wir unsere "Weihebischöfe" ausgewählt. Diejenigen, die meinen, es müssten zusätzliche "Qualifikationen" bezüglich sexueller Orientierung vorliegen, irren sich grundlegend. Auf eine solch primitive Argumentationsebene begeben wir uns nicht. Die Kirche musste gerade in den letzten Jahren zur Kenntnis nehmen, zu welchen Abartigkeiten die Fixierung auf eine unnatürliche Sexualität geführt hat. Diese Irrtümer werden wir nicht fortsetzen.

Für den Ausbildungslehrgang:
Christine Mayr-Lumetzberger, Gisela Forster


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