Angela Berlis:

Keine weihevolle Donaufahrt
Zu den Weihen römisch-katholischer Frauen am 29. Juni 2002


Nun ist sie also geschehen, die bereits seit Monaten angekündigte Weihe von sieben römisch-katholischen Frauen. Von offiziellen römisch-katholischen Stellen wurde sie bereits im Vorfeld verurteilt und bei reformorientierten römischen KatholikInnen hat sie gemischte Gefühle und unterschiedliche Reaktionen ausgelöst. Es ist ein Ereignis, das aus verschiedenen Perspektiven betrachtet werden kann. Auf ein paar möchte ich näher eingehen.

Aus der Perspektive römisch-katholischer offizieller Stellen ist die Angelegenheit klar: Man beruft sich hier auf das kirchliche Gesetzbuch, den Codex, dem zufolge die Weihe Männern vorbehalten ist. Die Frauen halten dem zu Recht entgegen, dass nicht das Geschlecht, sondern die Taufe für den Empfang der Weihe ausschlaggebend sei – eine Aussage, die übrigens nicht modern ist, sondern sich in mittelalterlichen Kommentaren zum Kirchenrecht findet. Ein Sprecher verstieg sich schließlich sogar zu der Aussage, die Frauen würden vielleicht ordiniert (im Lateinischen steht "ordinari"), seien dann aber noch immer nicht "geweiht". Ein Rundumschlag nicht nur gegen den ökumenischen Sprachgebrauch, sondern auch gegen alle Frauen im Amt in anderen Kirchen. Aber auch ein Zeichen dafür, dass die Gesprächsbereitschaft solcher römisch-katholischer Stellen sich auf das Wiederholen offizieller Standpunkte beschränkt.

Dies wird aus der Sicht der Basis und vieler TheologInnen der Frage jedoch nicht gerecht. Denn die wissen schon lange, dass die Frage der Frauenordination nicht so einfach vom Tisch zu wischen ist, jedenfalls nicht mit gebetsmühlenartigen Wiederholungen oder gar einem Diskussionsverbot. Die Kirchenvolksbewegung und andere kritische Gruppierungen haben die Frauenordination schon lange in ihr Reformprogramm geschrieben, ganz zu schweigen von den Kirchen, die sie praktizieren.

1999 haben in Österreich mehrere Frauen damit angefangen, sich in einem von der Bewegung Wir-sind-Kirche initiierten Ausbildungskurs auf das Priesteramt vorzubereiten. War es nicht logisch, auch den Abschluss, die Weihe, mit einzuplanen? Als eine Gruppe von Frauen Anfang dieses Jahres mit diesem Plan an die Öffentlichkeit trat, erhielt sie viel Aufmerksamkeit in den Medien. In manchen Äußerungen wurden die Frauen wegen ihres mutigen und engagierten Schritts oder wegen des geplanten rebellischen Aktes gegen die Amtskirche bejubelt, andere Stellungnahmen reagierten eher zurückhaltend, sprachen sich zwar für das Anliegen, aber gegen die Art der Durchführung aus. Kritisch angemerkt wurde die fehlende Einbindung der Frauen in eine bestimmte Ortskirche und Gemeinde, das magische Weiheverständnis, aber auch die fehlende Abstimmung mit kirchlichen Reformgruppen. Zunehmend süffisant äußerte sich die Presse über die Begleiterscheinungen im Kielsog des angekündigten Ereignisses: der zu entrichtende Unkostenbeitrag als Eintrittspreis, die Geheimniskrämerei bis zum Ende und schließlich die Donaudampfschifffahrtsweihe. Das Ganze war wie ein Event aufgezogen.

Wäre es nun tatsächlich ein römisch-katholischer Bischof gewesen, der die Weihe vollzogen hätte und der danach für die Frauen eingestanden wäre, dann wäre das, was auf dem Donaudampfer geschehen ist, wirklich ein geschichtsträchtiger Durchbruch gewesen. Aber es kam anders, und das hing auch mit den Geistern zusammen, die die Frauen gerufen hatten.

Denn im Vorfeld hatten sie immer wieder betont, wie wichtig es ihnen sei, dass der weihende Bischof in der apostolischen Amtsnachfolge (Sukzession) stehe. Auf ihre Bekanntmachung, zur Weihe bereit zu sein, meldeten sich zwei Personen, ein römisch-katholischer Bischof der tschechischen Untergrundkirche und Romulo Braschi, selbsternannter "Erzbischof" einer katholisch-apostolischen charismatischen Kirche mit Sitz in München, dessen bischöfliche Ahnengalerie mit fragwürdigen Gestalten aus dem Titelschwindlermilieu besetzt ist. Der tschechische Untergrundbischof, über den bisher nichts Genaueres bekannt ist, hat die Frauen an Palmsonntag zu Diakoninnen geweiht, aber am Tag der Priesterinnenweihe erschien er nicht. Das Donauschiff legte ohne ihn ab. Jetzt nahm der ebenfalls anwesende Braschi das Heft in die Hand und zelebrierte das römische Weiheformular wortwörtlich durch. Die Frauen mussten es sich sogar gefallen lassen, als "Brüder" angeredet zu werden.

Nach der Handlung aber ließ Braschi die Frauen nicht an den Altar und erklärte ihnen obendrein, sie müssten sich nun selbst um ihre Legitimierung in Rom kümmern. Damit hat er sein wahres Gesicht gezeigt: nachdem die willkommene Gelegenheit, im Rampenlicht der Presse zu stehen, ausreichend genutzt war, hat er die Frauen im Regen stehen lassen. Den Schauer der fallenden Steine der Kritik müssen sie nun alleine tragen. So ist dieses Ereignis Wasser auf die Mühlen der Gegner der Frauenordination, während die Befürworter die Sache selbst zu retten versuchen.

Und die Frauen? Unter ihnen befinden sich mehrere, die sich seit vielen Jahrzehnten mit theologischen Mitteln für die Frauenordination eingesetzt haben. Aber sie haben kein Gehör für ihr Plädoyer gefunden, die Berufung von Frauen ernst zu nehmen. Sie haben sich für einen anderen Weg – einen bewussten Regelverstoß gegen das Kirchenrecht, wie sie selbst sagen – entschieden, sind dabei aber auf dem falschen Dampfer gelandet. Am Ende sind sie einem Macho auf den Leim gegangen, der ihnen eine unseriöse Sukzessionskette vorgegaukelt hat. Konnten sie sich nicht vorher besser informieren? Ihr Lebenstraum sah doch sicher anders aus. Am Ende bleibt die Frage: Was haben sie bewegt mit ihrer Tat, die ins Fahrwasser eines nicht nur für Rom, sondern für alle Kirchen inakzeptablen Schwindlers geraten ist? Die römische Männerkirche jedenfalls hat keinen Augenblick gewankt und fühlt sich vermutlich eher bestätigt in ihrem ablehnenden Kurs – dies ist für mich die traurige Bilanz dieser leider nicht sehr weihevollen Donaufahrt.

Trotz alledem wird die Hoffnung auf Veränderung nicht versickern, das Engagement für die Frauenordination wird fortgesetzt werden – nur eben nicht mehr auf Donauwellenniveau.


Vorabdruck aus: Schlangenbrut 78
(Vielen Dank für die Abdruckgenehmigung!)

Linkhinweis: Auf dem falschen Dampfer. "Priesterinnenweihe" auf der Donau.
(Artikel in "Christen heute", August 2002)


Angela Berlis, Dr. theol.,

  • alt-katholische Theologin und Priesterin,
  • arbeitet als Dozentin für Pastoraltheologie am Alt-Katholischen Seminar in Utrecht,
  • als research fellow am Dominikanischen Studienzentrum in Nijmegen
  • und als Priesterin im Dienst der Alt-Katholischen Kirche.

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