Romulo Braschi

"Bischofsweihe" Romulo Braschis
durch Bischof Jeronimo Podestá?

Clelia Luro, Witwe des argentinischen Bischofs Jerónimo Podestá, wehrte sich bereits im Juni 2002 gegen eine Vereinnahmung ihres verstorbenen Mannes; die Zeitschrift "KIRCHE IN" und die Gruppe "Weiheämter für Frauen" behaupten dagegen bis heute, Braschi sei 1999 von Podestá "zum zweiten Mal" zum "Bischof" geweiht worden ...

Letzte Aktualisierung: 23.03.2003


Sowohl die Gruppe "Weiheämter für Frauen" als auch die österreichische Zeitschrift "KIRCHE IN" behaupten (vgl. Texte "Infos zu Romulo Braschi"), Romulo Braschi sei nach seiner "Bischofsweihe" 1998 durch "Bischof" Padin ein zweites Mal von einem römisch-katholischen Bischof, und zwar dem verheirateten Bischof Jeronimo Podestá geweiht worden. Dieser ist im Juni 2000 verstorben, seine Witwe hat die Version einer "Bischofsweihe" Braschis durch ihren Mann vor der "Priesterinnenweihe" dementiert:

Desmenti

Buenos Aires junio 24 de 2002

Ante noticias que han llegado a Argentina sobre el señor Romulo Braschi, quien afirma haber sido consagrado obispo por mi esposo el obispo católico Monseñor Jerónimo Podestá, desmiento totalmente esta noticia ya que en ningún momento Monseñor Podestá consagró a dicho señor que fue consagrado en Munich por un obispo de la iglesia de Brasil a cuya consagración fue invitado Monseñor Podestá y no quiso absolutamente asistir pues sintió muy claramente que querían usar su presencia aunque sólo fuera de observador.

Me duele esta mentira por las mujeres que quieren ser consagradas por la Iglesia Católica aunque el obispo de la Iglesia de Cristo Rey pueda consagrarlas en su propia iglesia. y sobre todo porque Monseñor Podestá fue siempre un hombre de bien que nunca aceptó el dolo. Y que después de su muerte en junio del año 2000 siento que yo debo cuidar su imagen.

Les pido que estas palabras mías las usen como corresponda.

CLELIA LURO DE PODESTÁ
E-Mail: Jerocl@hotmail.com


Übersetzung (Dank an Günther Keine):

Dementi

Buenos Aires, 24. Juni 2002

Angesichts von nach Argentinien gelangten Nachrichten über Herrn Romulo Braschi, der behauptet, von meinem Gatten, dem katholischen Bischof Monsignore Jerónimo Podestá, zum Bischof geweiht worden zu sein, stelle ich diese Nachricht total in Abrede. Denn zu keinem Zeitpunkt hat Monsignore Podestá den genannten Herrn geweiht; er wurde vielmehr in München durch einen Bischof der Kirche von Brasilien geweiht. Zu seiner Weihe wurde Monsignore Podestá eingeladen, wollte aber absolut nicht teilnehmen, denn er spürte sehr klar, dass man seine Anwesenheit nutzen wollte, auch wenn er nur als Beobachter da wäre.

Mich schmerzt diese Lüge wegen der Frauen, die für (oder auch: "durch"?) die katholische Kirche geweiht werden wollen, wenngleich der Bischof der Kirche "Christus König" sie in seiner eigenen Kirche weihen kann. Und vor allem, weil Monsignore Podestá immer ein Mann des Guten war, der Arglist nie akzeptierte. Nach seinem Tod im Juni 2000 fühle ich mich verpflichtet, sein Bild zu wahren.

Ich bitte Sie, dass Sie von diesen meinen Worten entsprechenden Gebrauch machen.

CLELIA LURO DE PODESTÁ
E-Mail: Jerocl@hotmail.com

Das Dementi von Clelia Podestá wurde schon am 24.6.2002 an die dpa in Buenos Aires und nach München geschickt. Bei seiner Presse-Konferenz am 25.6.2002 behauptete Braschi - konfrontiert mit diesem Dementi - dann auch nicht mehr, dass er von Podestá geweiht worden sei, sondern nur, dass der ihn gesegnet habe, "aber das war keine Weihe, wie manche behaupten". Matthias Drobinski schildert diese Aussage in der Süddeutschen Zeitung vom 26.6.2002 ebenfalls: "Drei Monate später legte ihm der wegen Heirat aus dem Amt geschiedene brasilianische Bischof Geronimo Podesta die Hand auf, 'das war keine zweite Bischofsweihe, wie behauptet wird', betont Braschi."

Laut Schilderungen der Zeitschrift "KIRCHE IN" (Artikel von Walter Axtmann in der Ausgabe August 2002) existiere ein "Notariats-Dokument" einer Anwaltskanzlei in Buenos Aires, "in der die Anwältin Dr. Edelmira Pietropaolo bestätigt, dass es eine notarielle Beglaubigung mit Zeugen gibt, dass Romulo Braschi am 30. Januar 1999 aus der Hand des emeritierten Bischofs von Avellaneda, Gerónimo José Podestá, die Bischofsweihe erhielt". Frau Clelia Luro Podestá hat inzwischen - durch einen Anwalt - mit Frau Pietropaolo Kontakt aufgenommen; diese habe allerdings festgestellt, dass nur Braschi behauptet habe, ein solches Dokument zu besitzen, sie selbst habe es nicht.

Die Gruppe "Weiheämter für Frauen" und die Zeitschrift KIRCHE IN halten bisher jedoch ihre Version aufrecht. Im erwähnten Artikel heißt es lediglich kryptisch: "Aus verständlichen, Kirche In bekannten, Gründen versucht nun die Witwe Podestás, Clelia Luro de Podestá, die Weihe Braschis zum Bischof durch ihren Mann zu dementieren"; das Dementi und die korrigierte Version der Anwältin wurden in der Zeitschrift bisher nicht abgedruckt.


Bischof Podestá und die Frauenweihe

Es ist wahr, dass die IKvu, bei der unsere Vereinigung Mitglied ist, durch Bernd H. Göhrig, die Bewegung "Wir sind Kirche" durch Christian Weisner, die AGP durch Carl-Peter Klusmann und andere Reformgruppen immer gesagt haben, dass wir die Ordination von Frauen befürworten. Denn Frauen folgten Jesus nach wie die Apostel (Lk 8,1), Frauen wurden durch Jesus mit der Verkündigung beauftragt (Mk 16,7 parr und Joh 20,17), Frauen hatten Hausgemeinden in ihrem Haus (Röm 16,5) etc. Es ist den jüngst geweihten Frauen nur zu wünschen, dass Jesus ihre dringende Bitte erhört, er möge die "Vollmacht der Kirche" genauso grenzüberschreitend öffnen zur Priesterweihe auch von Frauen, wie er die dringende Bitte der kanaanäischen Frau erhört hat, seine eigene Sendung "nur" zu den Schafen des Hauses Israel zu öffnen für die Heiden (Mt 15,21ff, Evangelium vom 20. Sonntag im Jahreskreis).

In den anderen Kirchen leisten Frauen seit 50 Jahren gute Dienste. Selbst in der römisch-katholischen Kirche haben vor der Wende durch Bischof Davidek geheim geweihte Priesterinnen in der Tschechoslowakei als Seelsorgerinnen in Frauengefängnissen unersetzliche Dienste geleistet. In die Tradition dieser tschechischen Geheimkirche wollten sich die sieben Frauen am 29.6.2002 einfügen, leider ist der von Davidek geweihte Geheimbischof Dujan Spiner auf irgendeine Weise am Kommen gehindert worden. So musste Bischof Braschi die Weihe allein vornehmen. Er steht sicher in der apostolischen Sukzession, wenn auch in einer charismatischen brasilianischen Kirche.

Eines aber ist nicht wahr: Dass er am 30. Januar 1999 in der Wohnung der Braschis durch Bischof Jerónimo Podestá zum zweiten Mal geweiht worden sei, mit dem Auftrag, Frauen zu weihen. Der eigentliche Anlass war ein Krankenbesuch, bei dem Podestá den kranken Braschi mit Handauflegung segnete. Jerónimo, der am 23. Juni 2000 gestorben ist und bis dahin Vizepräsident unserer Internationalen Föderation verheirateter katholischer Priester war, hat uns immer gesagt, dass er zwar Frauen weihen könne - theoretisch, dass er es aber nicht tun würde. Er verstand sich immer als Teil des römisch-katholischen Bischofskollegiums.

Er war von 1962-67 Ortsbischof von Avellaneda, einer Vorstadt von Buenos Aires, engagierte sich dort für die Armen und die Arbeiterpriester, und politisch gegen die Militärdiktatur von General Onganía. Dieser bewirkte beim Nuntius seine Absetzung. Erst danach tat er sich mit Clelia Luro, Mutter von 6 Töchtern, die schon vorher seine Korrespondenz betreut hatte, zum politischen und kirchlichen Kampf zusammen, 1972 auch öffentlich. Daraufhin wurde er a divinis suspendiert.

Seit 1985, nach seiner Rückkehr nach Argentinien aus dem erzwungenen Exil, ist er in der Internationalen Föderation tätig gewesen. Wir kennen ihn also gut. Ihm wie dem ganzen Exekutivkomitee der Föderation unter Bert Peeters und seinem Nachfolger Julio Pinillos (der in Madrid in einer Pfarrei seelsorglich Dienst tut) lag immer daran, den Dialog mit der bestehenden Kirchenleitung aufrechtzuerhalten, denn ohne oder gegen sie ist das statutenmäßige Ziel der Föderation, in der wir auch Mitglied sind, nämlich die Wiedereinführung des verheirateten Priesters in der Westkirche, wie es ihn in der katholischen Ostkirche immer gegeben hat, nicht zu erreichen.

Clelia hat die Weihe von Bischof Braschi durch Bischof Podestá immer dementiert, zuletzt am 24.6.2002: "Ich dementiere die Nachricht, dass Romulo Braschi durch meinen Mann, den katholischen Bischof Jeronimo Podestá geweiht worden sei. Mir tut die Behauptung von Herrn Braschi weh um der Frauen willen, die durch die katholische Kirche geweiht werden wollen, während Braschi sie (nur) in seiner eigenen Kirche weihen kann. Podestá wollte nie Schmerz zufügen. Nach seinem Tod fühle ich mich verpflichtet, sein Andenken zu schützen." Das ging an die dpa.

Bischof Braschi hat danach auf seiner Pressekonferenz in München am 25.6. selbst gesagt: Bischof Podestá hat mir die Hände aufgelegt, "das war keine zweite Bischofsweihe, wie behauptet wird" (Süddeutsche Zeitung vom 26.6., Seite 6). Bischof Podestá darf also nicht in die tragische Entwicklung der Frauenpriesterweihe vom 29.6., die in der Exkommunikation der Frauen kulminierte, hineingezogen werden. Das Glaubenszeugnis der sieben Frauen, für das sie große Nachteile in Kauf nehmen, wird auf jeden Fall seine Wirkung haben.

Dr. Heinz-Jürgen Vogels, in: Mitteilungsblatt der VkPF 9/2002

Nachdem "KIRCHE IN" von diesem Text in Kenntnis gesetzt wurde, schickte KI-Herausgeber Schermann am 27.8.2002 folgende "Gegendarstellung":

Bischof Braschi, der durch 'Kirche In' von diesem Artikel in  Kenntnis gesetzt worden ist, erklärt:

  1. Seine Worte "Das war keine zweite Bischofsweihe" sind von dem Journalisten der Süddeutschen Zeitung falsch verstanden worden. Bischof Podestá habe durch einen Stellvertreter, Victor Arias, an der Weihe im Oktober in München durch Bischof Padin teilgenommen und ihm dann am 30. Januar 99 mit der Konsekrationsformel selbst die Hände aufgelegt. Das sei eine Weihe in zwei Stufen gewesen.

  2. Darüber habe er von Podestá unterschriebene Dokumente, die er jedoch nur bei Gericht oder nach Aufforderung durch den Vatikan vorlegen würde.


Zur weiteren Information über den verstorbenen Bischof Podestá hier ein Artikel aus "Ministerium Novum", der Zeitschrift der "Internationalen Föderation verheirateter Priester":

In memoriam Jerónimo Podestá - Bishop and pioneer

by Emilia Robles-Pinillos

Our friend, Bishop Jerónimo Podestá, died of a heart attack on 23 June, 2000, shortly before his 80th birthday. The former Bishop of Avellaneda, Brazil, and the Vice-President of our International Federation of Married Catholic Priests gained high praise in Argentina's newspapers as a forerunner of the option for the poor, of worker priests, of base communities and, in a special way, of married priests. He was also referred to as a symbol of post-Conciliar Christianity. Life united him with his former secretary Clelia Luro, divorced mother of six daughters, and he later united his life totally with hers.

Born in Ramoz Mejia on 8 August, 1920, he first studied medicine, but decided to abandon that career in favour of theology, at which point he entered the San José de la Plata seminary. After his ordination to the priesthood in 1946, he was sent to Madrid and Rome for further studies. When he returned, he was appointed Professor of Dogmatics and Prefect of the La Plata Major Seminary. In 1958 he became Chancellor and Secretary to the Archbishop of Buenos Aires, and in 1961 Vicar General of the Archdiocese. In September of that same year, however, he was appointed Bishop of Avellaneda, a suburb of Buenos Aires.

Contrary to what one might expect from a former Professor of Theology and Canon Law specialist, he spent his term as bishop from 1963-1967 in playing a prominent role in the pastoral activities of his diocese, advocating the placing of priests within the community and paving the way for the worker priests who had such an impact on the option for the poor movement, which was later adopted by the whole Church.

His idea was that the Church should live with the people and help them solve their problems. He was a strong supporter of Liberation Theology, he voiced his opposition to compulsory celibacy, he pleaded the case for divorce within the Church and for the need to respect the conscientious decisions of the faithful in their private affairs, even if those decisions were difficult to explain to more traditional Catholics.

He participated as bishop in the Second Vatican Council, and took satisfaction in the Council defining the Church as the People of God on the march, and in its confirmation of the superiority of conscience over the ecclesiastical norm.

He was a pioneer too in the political field, overtly confronting the dictatorship of General Juan Carlos Ongania. He declared his solidarity with the workers and their political aspirations, a stand not shared by other Argentinean bishops at the time. Ongania qualified him as the prime enemy of his regime, and
persuaded the Church hierarchy to silence him. Both Bishop Plaza and Bishop Adolfo Tortola, as well as the Apostolic Nuncio Humberto Mozzoni, put much pressure on Podestá and he finally was compelled to resign as Bishop of Avellaneda. He was thereafter given the diocese of Orrea de Aninico, a non-existent diocese in the Mauritania desert. The government rewarded the bishops' efforts by granting considerable financial sums to the Catholic Church of Buenos Aires.

Podestá always said that it was only after his dismissal from office that his relationship with Clelia Luro began. Later, however, the Church authorities used the relationship as an excuse for their having removed him from the Avellaneda diocese. Having kept the relationship a secret for a while, he and Clelia Luro made it public in 1972, and at that point Podestá was dismissed from all his episcopal functions. In 1974, together with his wife and her six children, he went into exile after receiving serious threats on them from the ultra-right so-called Triple A group. After a short return visit in 1978, they were able to return finally to Argentina in 1983, where he once again continued his fight for human rights, this time though concentrating his energies more on the battle for optional celibacy.

From 1985 onwards, he played an active role in the international movement of married priests. Indeed, the International Federation of Married Catholic Priests elected him as Vice-President, and the Latin-American Federation of Married Priests elected him, together with Clelia, as its President. Jerónimo Podestá was always very clear and determined in his statements, friendly and easily accessible, never disunited from the Church or from his task of spreading the Good News. He had been able to renounce power without regret, and without at the same time forsaking his commitment to the people of God.

Combining the option for the poor with his protest against authoritarian attitudes in the Church, he was marked by a great freedom of spirit and an amiable ability for dialogue.

Requiescat in pace.

Vielen Dank für diesen Hinweis an Dr. Heinz-Jürgen Vogels!


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