Presseschau August 2002
Reaktionen auf die Exkommunikation der "Priesterinnen"


"Priesterinnen": Mit Volldampf ins Riff

München, 5.8.02 (Kipa). Die flotte Dampferfahrt ist fürs Erste zu Ende. Am Montag ereilte die sieben Frauen, die sich am 29. Juni auf einem Donauschiff zu "Priesterinnen" hatten weihen lassen, der Bannstrahl aus Rom. Per Dekret gab der Vatikan ihre Exkommunikation bekannt. Doch die Frauen wollen sich nicht geschlagen geben. "Die Botschaft kam für uns nicht unerwartet", sagt die Sprecherin der deutschen Akteurinnen, Gisela Forster. Nun könnten sie endlich juristische Maßnahmen ergreifen und in Berufung gehen. Die "Priesterinnen" hoffen darauf, ihre Argumente der Kirchenleitung unmittelbar vortragen zu können - nachdem ihre Briefe und E-Mails keine Reaktion hervorgerufen hätten.

Die römische Glaubenskongregation hatte den Frauen nach der "Weihe" bis 22. Juli Zeit gelassen, sich von ihrem Tun am Peter-und-Pauls-Tag zu distanzieren. Der umstrittene und von der katholischen Kirche exkommunizierte Romulo Braschi aus Argentinien war bei dem Spektakel als "weihender Bischof" aufgetreten. Die katholische Kirche nannte die Aktion einen "Sektenschwindel", und auch kirchliche Reformgruppen distanzierten sich von der Aktion, nachdem lange Zeit ein Geheimnis um den Weiheort gemacht und von Teilnehmern sowie Bericht erstattenden Journalisten Geld verlangt worden war.

Mit der nun ausgesprochenen Exkommunikation sind die Bestraften laut Kirchenrecht von jeglichem Dienst bei der Eucharistiefeier oder einem anderen Gottesdienst fern zu halten. Dass sie selbst jemals gültig Sakramente spenden dürften, war von vornherein ausgeschlossen. Doch die Sanktionen gehen noch weiter: Denn selbst Tauf- oder Firmpatenschaften sind ihnen untersagt. Noch immer aber hofft der Unterzeichner des Dekrets, Kurienkardinal Joseph Ratzinger, dass die Frauen zur Einsicht gelangen "und den Weg zurückfinden zur Einheit im Glauben und zur Gemeinschaft mit der Kirche, die sie durch ihr Handeln verletzt haben".

Beispiele dafür gibt es. So war die 1997 gegen den Oblatenpater Tissa Balasuriya aus Sri Lanka verhängte Exkommunikation ein Jahr später wieder aufgehoben worden, nachdem der Ordensmann seine abweichenden Äußerungen zur Mariologie zurückgenommen hatte. Forster aber will davon nichts wissen. Die "Priesterinnen" nämlich sehen sich im Recht. Der Kirche wirft die Sprecherin vor, "nicht differenziert und einfühlsam" reagiert zu haben.

Ob die Aktion mit der Brechstange, wie es die deutsche Kirchenrechtlerin Sabine Demel im Vorfeld des 29. Juni formuliert hatte, Reformbestrebungen in der katholischen Kirche voranbringen wird, bezweifeln Beobachter. Zwar haben es die Frauen immer wieder geschafft, die Aufmerksamkeit der Medien auf sich zu lenken. Zu einer inhaltlichen Auseinandersetzung ist es jedoch innerkirchlich noch nicht gekommen. Gezielte Rechtsbrüche scheinen selbst den progressiven Kräften im Katholizismus weithin nicht der richtige Weg zu sein, um Rom zum Dialog zu bewegen.

Trotzig verweist die Gruppe um Forster auf eine Welle "weltweiter Sympathiebekundungen" von Frauen, Priestern und sogar Theologieprofessoren, die auf ihrer Internetseite www.virtuelle-dioezese.de eingingen. Ob das Schiff, das nun im Riff gelandet ist, jemals seinen Hafen erreicht, wird die Zukunft zeigen.

Doch bis dahin könnte die spitzfindige Behauptung, es habe sich um eine gültige, aber unerlaubte Weihe gehandelt, unter Umständen teuer werden. Gegen den Düsseldorfer Patmos-Verlag, in dem Forster ein Begleitbuch zur Priesterinnenweihe veröffentlicht hatte, erwirkte das Münchner Ordinariat eine Einstweilige Verfügung. Die Androhung eines Ordnungsgeldes von bis zu 250.000 Euro hat offenbar Eindruck hinterlassen. Der Verlag hat die Auslieferung des Titels gestoppt. (kipa/b/job)

Quelle: http://www.kipa-apic.ch


Sieben gegen Rom

Eine absurde Aktion, eine absurde Reaktion:
Der Vatikan exkommuniziert die Donau-Priesterinnen

Die Priesterinnenweihe zu Peter und Paul auf dem Donauschiff Passau mag in vieler Hinsicht klamottenhaft gewesen sein - die Geheimniskrämerei im Vorfeld, der seltsame "katholisch-charismatische" Erzbischof Romulo Braschi, schließlich die hundert Euro Eintrittsgeld für Schifffahrt, Buffett und Gottesdienst. Eins aber haben die sieben Frauen aus Deutschland, Österreich und den USA geschafft: Sie haben mit einer absurden Aktion den Vatikan gezwungen, das absurde Verhältnis der katholischen Kirche zu den Frauen zu offenbaren.

Die Exkommunikation, der einstweilige Ausschluss eines schwer straffällig gewordenen Mitglieds aus der kirchlichen Gemeinschaft, ist die härteste Sanktion der katholischen Kirche. Sie trifft sieben Frauen, die - mit welcher Berechtigung auch immer - sagen, sie seien Priesterinnen; sie trifft keine Folterknechte, keine Priester, die Kinder missbrauchen. Die Glaubenskongregation nimmt das Spektakel vom 29. Juni in geradezu grotesker Weise ernst. Schlimmer noch: Sie muss es in dieser Weise ernst nehmen. Denn Papst Johannes Paul II. höchstpersönlich hat die katholische Kirche in diese Falle getrieben.

Der Papst hat 1994 jegliche Debatte um ein Frauenpriestertum in der katholischen Kirche für beendet erklärt: Priesterinnen seien mit der kirchlichen Lehre unvereinbar. Ein Diskussionsverbot von Amts wegen, das ist die Dogmatisierung durch die Hintertür; seitdem gehört das Priesterinnen-Verbot faktisch zum unveränderlichen Kern des Katholizismus, als "kleines Dogma" sozusagen. Damit lassen die sieben Frauen aus Sicht der Glaubenskongregation die Grundmauern der Kirche zittern, und bevor die ersten Mörtelbrocken aus den Fugen fallen, muss sie zur Höchststrafe greifen. Sollte es den Donau-Priesterinnen darum gegangen sein, mit einer kleinen Aktion den großen Apparat in Rom in Bewegung zu bringen - Glückwunsch: Es ist gelungen.

Das ganze Spektakel zeigt auch, wie schwach die Argumente des Papstes und seines Cheftheologen Kardinal Joseph Ratzinger gegen die Frauenweihe sind. Dass es in den urchristlichen Gemeinden Frauen mit wichtigen Ämtern gab, ist zum Allgemeingut der Bibelwissenschaftler geworden: Phöbe war Diakonin in Kenchreä, Priska Mitarbeiterin des Paulus, Junia gilt heute weithin gar als Apostelin. Die evangelische Kirche kann sich sehr wohl in der biblischen Tradition sehen, wenn sie Pfarrerinnen ordiniert. Fragt man heute katholische Würdenträger, wie sie es mit der Frauenpriesterweihe halten, sagen sie meist: Nun, es ist die Tradition gewachsen, dass die Priesterweihe den Männern vorbehalten ist, und die überlieferte Kirchenpraxis ist in der katholischen Kirche sehr wichtig. Ist sie, und sie sollte wichtig bleiben - nur: Unabänderlich ist sie nicht, und Grund für ein Diskussionsverbot schon gar nicht.

Die Exkommunikation wird den Unmut vieler katholischer Frauen fördern, die zwar mit der provokanten Priesterinnenweihe wenig anfangen konnten, denen jetzt aber wieder einmal klar gemacht wird, dass sie in ihrer Kirche nicht gleichberechtigt sind. Ja, die katholische Kirche hat vor allem in Deutschland viel für Frauen getan, hat Ordinariatsrätinnen ernannt, müht sich vorbildlich, dass Kirchenangestellte Familie und Beruf vereinbaren können. Aber das geistliche Amt bleibt ihnen verwehrt, und damit bleiben für sie entscheidende Positionen unerreichbar. Ida Raming und Iris Müller, zwei der nun exkommunizierten Priesterinnen, haben schon vor dreißig Jahren mit guten Argumenten das Ende dieser Ungerechtigkeit gefordert; nach dreißig Jahren vergeblichen Argumentierens haben sie dann handeln wollen. Diese Verbitterung teilen sie mit vielen Frauen ihrer Generation.

Eine absurde Aktion, eine absurde Reaktion. Eins immerhin haben die Weihe auf der Donau und der Bannstrahl aus Rom bewirkt: Das päpstliche Diskussionsverbot über Priesterinnen haben sie in schöner Gemeinsamkeit aufgehoben. (Matthias Drobinski)

Aus: Süddeutsche Zeitung, 6.8.2002
Quelle: http://szonnet.diz-muenchen.de


Glaubenskongregation verteidigt Exkommunikation von "Priesterinnen"

Die Exkommunikation der sieben zu "Priesterinnen" geweihten Frauen findet Verteidiger und Gegner; gleichgültig läßt das Thema niemanden. Der Sekretär der Glaubenskongregation, Erzbischof Tarcisio Bertone, hat heute gegenüber Radio Vatikan das Vorgehen seiner Kongregation verteidigt. "Das Verhalten von Bischof und Frauen ist schwerwiegend", so Bertone. "Es gefährdet die Struktur der Kirche, so wie sie gedacht, gewollt und eingerichtet ist von ihrem Gründer, unserem Herrn Jesus Christus, und auch von der Gemeinschaft der Apostel, und wie es eben auch die Tradition der Kirche bestätigt hat: Das Priesteramt ist den Männern anvertraut! Und das soll wirklich niemanden diskriminieren. Aber das Verhalten dieser Frauen verdient die schwerste in der Kirche zu verhängende Strafe, für den Fall, dass versucht wird, das Glaubensgut und das Regelfundament der Kirche selbst zu zerstören. Hier handelt es sich nicht um ein persönliches Vergehen privatrechtlicher Natur. Das hier ist ein öffentlicher Akt, der auch noch für sich in Anspruch nimmt, Vorbildcharakter für andere Personen zu haben."

Die am 29. Juni geweihten so genannten "Priesterinnen" wollen gegen die vom Vatikan ausgesprochene Exkommunikation Berufung einlegen. Das erklärte ihre Sprecherin Gisela Forster in Starnberg. Man hoffe auf eine direkte Aussprache in Rom, so Forster weiter. Das Kirchenrecht sieht die Möglichkeit einer Berufung gegen Beuge-Strafen vor. Indessen hat das Zentralkomitee deutscher Katholiken, ZdK, mit Bedauern auf die Exkommunikation reagiert. Zwar seien Charakter und Umstände des Ereignisses auf dem Donauschiff nicht angemessen gewesen, aber die Entscheidung der römischen Glaubenskongregation führe zu einer weiteren Verhärtung, erklärte ZdK-Präsident Hans-Joachim Meyer heute in Bonn. Die Glaubenskongregation hatte gestern als Beuge-Strafe die Exkommunikation über die sieben zu "Priesterinnen" geweihten Frauen verhängt.

Aus: Radio Vatikan - Nachrichten vom 6.8.2002
Quelle: http://www.radiovaticana.org


Kirchenrechtsstreit rund ums Taufbecken

Der Alltag zeigte, dass auch die Amtskirche durch die auf einem Donauschiff zu Priesterinnen geweihten und nunmehr exkommunizierten Frauen in ein kirchenrechtliches Dilemma geraten ist. Streitpunkt ist vor allem die Taufe. Christine Mayr-Lumetzberger, eine der Priesterinnen, die von Kirchenvertretern als "jene Damen" tituliert werden, hat das Taufsakrament gespendet. Auf Wunsch der Eltern des Täuflings hat sie eine Mitteilung darüber an das zuständige Pfarramt verfasst. Der Pfarrer hat das aber nicht akzeptiert. Ist das Kind nun gültig getauft? "Ja", sagt Frau Mayr-Lumetzberger. Denn: "Machen Sie ein Kind ungetauft."

Mit der Taufe wird nach christlicher Lehre ein Mensch von der Erbsünde befreit und in die christliche Heilsgemeinde eingegliedert. Die Taufe kann von jedem Menschen gespendet werden, wenn er die Absicht dazu hat und die nötige Form wahrt. Zur formalen Richtigkeit einer katholischen Taufe gehören die trinitarische Formel ("Ich taufe dich im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes") sowie Wasser.

Wenn nun eine der neuen Priesterinnen Absicht und Form erfüllt, ist der Getaufte als Glied der katholischen Kirche anzusehen. Von der Person des Taufspenders kann die Amtskirche die Gültigkeit einer Taufe nicht abhängig machen. Denn nicht die persönliche Heiligkeit des Sakramentenspenders, sondern die Macht Gottes sichert die Gültigkeit der Taufe, sodass auch eine von einem Häretiker oder Schismatiker gespendete Taufe gültig ist. Machte die Kirche die Gültigkeit des Sakraments vom Gnadenstand des Spenders abhängig, dann begäbe sich die Kirche auf den Standpunkt einer Irrlehre - des Donatismus. Dann müsste auch gefragt werden können, ob die von Kardinal Hans Hermann Groer gespendeten Priesterweihen gültig sind.

Um dem Vorwurf des Donatismus zu entgehen, muss die Amtskirche die von Frau Mayr-Lumetzberger gespendeten Taufen anerkennen. Es gilt das Prinzip: Eine Taufe darf nur einmal gespendet werden, sie ist untilgbar, daher unwiederholbar. Allerdings hält das Kirchenrecht eine Hintertür offen: die bedingungsweise Taufe. Kanon 869 des gültigen Kodex sieht sie vor, wenn Zweifel darüber bestehen, ob jemand überhaupt oder ob jemand gültig getauft ist. Damit schmettert der Wiener Kirchenrechtler Bruno Primetshofer die Feststellung von Christine Mayr-Lumetzberger "Machen Sie ein Kind ungetauft" ab. Primetshofer: "Ein Kind kann bedingt nachgetauft werden ." Dann könnte das Kind auch in das Taufregister eingetragen werden.

Der Taufnachweis ist erforderlich, damit ein Mensch, soferne er es will, weitere Sakramente empfangen kann. Primetshofer findet aber noch ein weiteres Argument gegen die Taufe durch die neuen Priesterinnen: Bei der Taufe wird der Täufling auch mit Chrisam gesalbt. Das gehört zwar nicht unabdingbar zum Wesen der Taufe, aber zum gebräuchlichen katholischen Taufritus. Und an das Chrisam, das Salböl, kommen die Priesterinnen nicht heran, das verwaltet der Diözesanbischof. Der kirchenrechtliche Kampf um den Taufbrunnen hat also viele Facetten.

Hat Frau Mayr-Lumetzberger in ihrem neuen Alltag als Priesterin schon andere Sakramente auch gespendet? Darüber will sie lieber schweigen. Sie hat zwar Trauungen vollzogen, das Sakrament spenden dabei allerdings die Brautleute. Nach Kirchenrecht ist eine Trauung nur dann gültig, wenn der trauende Priester auch einen Auftrag des zuständigen Ortspfarrers hat. Den können die Priesterinnen nicht vorweisen, daher: ungültig. Beichte? Mayr-Lumetzberger: "Dazu sage ich nichts." Im Übrigen gehe es ihr bei ihrer priesterlichen Tätigkeit nicht so sehr um die Sakramentenspendung, sondern um "Seelsorge total". Viele Leute beiderlei Geschlechts kämen zu Aussprachen, zu einer Art Beichtgespräche. "Aber jeder Mensch muss selber drauf kommen, wo er an sich arbeiten muss."

Von der Amtskirche, vertreten durch Kurienkardinal Joseph Ratzinger, ist nach einem Monitum im Juli, das einem Ultimatum gleichkam, die Exkommunikation ausgesprochen worden. Damit sind die Priesterinnen vom Sakramentenempfang ausgeschlossen. Aber in den vielen Mitteilungen und Mails, die Christine Mayr-Lumetzberger bisher erhalten hat, ist fast durchgehend die Aufforderung enthalten: "Macht weiter!" (Karl Danninger)

Aus: Oberösterreichische Nachrichten, 7.8.2002
Quelle: http://www.nachrichten.at


Frauen exkommuniziert: Erstarrte Kirche

Die Weihe von sieben katholischen Frauen aus Deutschland, Österreich und den USA zu Priesterinnen vor etwa einem Monat war eine operettenhafte Vorstellung: Inszeniert wurde sie auf einem Donauschiff, begleitet war sie von Geheimniskrämerei im Vorfeld, und aufgeführt wurde das Ganze von einem seltsamen Erzbischof, den der Vatikan ohnehin nicht anerkennt. Dass für das Spektakel - inklusive Büfett und Schifffahrt - auch noch rund hundert Euro Eintrittsgeld gezahlt wurden, zeigte endgültig: die Veranstaltung taugte zu nicht mehr als zu einer lächerlich wirkenden Provokation der Amtskirche. Diese hätte das Schauspiel schlicht verpuffen lassen können. Mit einer solchen Reaktion wäre zwar nicht dem kirchlichen Dogma bis auf den letzten Buchstaben Genüge getan worden, sie hätte aber doch von einer gewissen Souveränität gezeugt.

Der Vatikan hat nun stattdessen zur stärksten Keule gegriffen, die das Kirchenrecht bereithält, und die betroffenen Frauen exkommuniziert. Diese Reaktion mutet grotesk an: Während fast täglich Fälle von pädophilen Priestern bekannt werden, hat der Vatikan nichts Dringlicheres zu tun, als gläubige Menschen aus der kirchlichen Gemeinschaft zu verstoßen. Deren einziges Verbrechen besteht nämlich darin, am Reformstau in der katholischen Kirche zu leiden. Die Kurie liefert somit einen weiteren Beleg ihrer Erstarrung. Sie zeigt auch ihre Unfähigkeit zum Dialog. Überdies muss die Maßnahme auf viele engagierte Frauen in der Kirche - die dem Weihespektakel nichts abgewinnen konnten - wie ein Schlag ins Gesicht wirken. Von Gleichberechtigung in der Kirche - so das Signal Roms - dürfen sie unter diesem Papst nicht mal träumen. (Michael Trauthig)

Aus: Stuttgarter Zeitung, 7.8.2002
Quelle: http://www.stuttgarter-zeitung.de


Wer exkommuniziert ist, bleibt weiter in der Kirche
Rom und die "Priesterinnen": Hintergrund zum Strafsystem

Augsburg (loi). Der Vatikan hat sieben Frauen, die sich Ende Juni entgegen dem katholischen Kirchenrecht zu „Priesterinnen“ weihen ließen, exkommuniziert. Was bedeutet das? Die Exkommunikation ist die schärfste Strafmaßnahme der katholischen Kirche - und zugleich ein mildes Heilmittel. Denn mit dem Ausschluss aus der aktiven Kirchengemeinschaft werden schwere Verstöße gegen Einheit, Lehre und Disziplin der Kirche nur solange geahndet, bis der Betroffene bereut.

Die sieben Frauen, die sich von dem so genannten „katholisch-charismatischen“ Bischof Romulo Antonio Braschi auf einem Donauschiff zu Priesterinnen weihen ließen, haben es selbst in der Hand, sich mit Rom zu versöhnen. Gefordert ist allerdings, dass sie sich von ihrer Handlung klar distanzieren und sie als nichtig erklären. Denn aus Sicht Roms stellt die Weihe von Frauen einen schweren Verstoß gegen die kirchliche Verfassung und die „Simulation eines Sakraments“ dar und zudem ein schweres Vergehen gegen die Einheit der Kirche, die Braschi nicht anerkennt.

Würden die Frauen sich jedoch Rom unterwerfen und von ihrem Tun wieder abschwören, hätte die vatikanische Glaubenskongregation sogar die Pflicht, den Ausschluss von den Selbstvollzügen der Kirche aufzuheben. Denn die Exkommunikation ist keine Sühnestrafe, die ein Vergehen mit einer festgesetzten Sanktion ahndet, sondern eine „heilende“ Beugestrafe mit dem Ziel, den Abweichler zur Besinnung zu rufen und zur Rückkehr zu bewegen.

Jeder Katholik sollte auf diese Umkehr hinwirken, meint Ernst Freiherr von Castell, der oberste Richter der Diözese Augsburg. Der Exkommunizierte ist nicht aus der Kirche ausgeschlossen, denn „die sakramentale Wirkung der Taufe kann niemand rückgängig machen“, so von Castell. Stark eingeschränkt sind jedoch die Mitgliedschaftsrechte: Der Exkommunizierte darf keine Sakramente empfangen (und zelebrieren) und keine kirchlichen Ämter ausüben, nicht einmal ein Patenamt übernehmen. Nicht verboten ist der Besuch des Gottesdienstes, den die katholische Sonntagspflicht ja sogar fordert.

Eine öffentlich verhängte Exkommunikation sei „extrem selten“, erklärt von Castell. In der Diözese Augsburg sei sie zuletzt gegen Josef Zanker, den Leiter der Mindelheimer „Marienkinder“, und deren Hausgeistlichen Pfarrer Bauer ausgesprochen worden. Bauer sei später wieder davon befreit worden. Im Verborgenen kann eine Exkommunikation eintreten, wenn ein Priester das Beichtgeheimnis bricht oder die eucharistischen Elemente verunehrt. Der Beichtvater kann eine solche von selbst eingetretene Strafe wieder heilen.

Bis zum Zweiten Vatikanischen Konzil (1962 - 1965) waren konfessionsverschiedene Ehen immer wieder Anlass für Exkommunikationen, wenn etwa im evangelischen Ritus getraut wurde und nicht ausdrücklich die katholische Erziehung der Kinder zugesichert wurde. Diese strengen Regelungen sind schon 1966 vom Vatikan gelockert worden. Die exkommunizierten „Priesterinnen“ erklärten unterdessen, sie wollten weiterhin Messen feiern, Taufen spenden und bei Hochzeiten assistieren. Die Frauen sagten, sie hätten ihr Vorgehen „nicht bereut“.

Aus: Augsburger Allgemeine, 9.8.2002
Quelle: http://www.augsburger-allgemeine.de


"Wir sind erst auf dem Wege - es ist erst ein Anfang gemacht"
Ida Raming, am 29. Juni zur "Priesterin" geweiht, über ihren Werdegang

Münster, 2.9.02 (Kipa) Sieben Frauen haben sich in der Nähe des niederbayerischen Passau auf einem Donauschiff am 29. Juni zu "katholischen Priesterinnen" weihen lassen. Sie taten es, obwohl die Weihe von Priesterinnen nach katholischem Kirchenrecht unerlaubt und ungültig ist. Am 5. August hat die Römische Glaubenskongregation die sieben Frauen aus Deutschland und Österreich exkommuniziert. Eine dieser Frauen, die Deutsche Ida Raming (70), erläuterte gegenüber der Presseagentur Kipa die Beweggründe, die sie zu diesem Schritt veranlasst haben.

Kipa: Davon abgesehen, ob die Frauenordination opportun ist oder nicht: Es braucht Mut, um "bis ans Ende seiner Ideen" zu gehen. Sie und Ihre Mitstreiterinnen haben viel Mut gezeigt...

Ida Raming: Ja, wir brauchen Mut, Kraft und Weisheit des heiligen Geistes und nicht zuletzt auch Ausdauer für den Weg.

Kipa: Man kann sich vorstellen, dass die Idee, Priesterin zu werden, nicht erst gestern geboren wurde - es sei denn, man spricht von "Spätberufung". Wie kamen Sie zu ihrem Entscheid?

Raming: Ich studierte katholische Theologie und fand - aufgrund des Ausschlusses der Frauen vom Priesteramt - keinen geistlichen Ort in der Kirche. Dieses Problem belastete mich sehr! 1963, also zur Zeit des Zweiten Vatikanischen Konzils, verfassten Iris Müller (Red.: Iris Müller liess sich am 29. Juni ebenfalls zur "Priesterin" weihen) und ich gemeinsam eine Eingabe an das Treffen im Vatikan, in der wir alle Gründe für den Ausschluss der Frau vom Priesteramt zurückwiesen. Bald danach schrieb ich eine Dissertation über die rechtshistorischen und dogmatischen Grundlagen im Codex des Kanonischen Rechtes (Canon 968), wonach die Frau von der Ordination und von allen Weiheämtern ausgeschlossen ist. Der andauernde "endgültige" Ausschluss der Frauen vom Priesteramt belastete mich sehr!

Kipa: Ein Mann kann wählen zwischen Ehe, Priestertum und Ordensleben. Die Frauen können nur zwischen Ehe und Ordensleben wählen. Weshalb haben Sie sich nicht für das Ordensleben entschieden?

Raming: Die Frage nach dem Eintritt in einen Orden stellte sich für mich durchaus. Ich empfand aber deutlich, dass in den herkömmlichen Frauenorden an einem verengten Bild von der Frau festgehalten wurde, weshalb ich mich als freiheitsliebender Mensch nicht dafür entscheiden konnte. Alle Gläubigen haben nach Canon 219 das Recht, ihren Lebensstand frei von jeglichem Zwang zu wählen. Dem widerspricht Canon 1024, wo es heisst: Die heilige Weihe empfängt gültig nur ein getaufter Mann.

Kipa: Ihr Kampf für einen vollwertigen Platz der Frau in der Kirche, inklusive Ordination, datiert nicht von gestern. Man kann sich vorstellen, dass es zahlreiche Hindernisse zu überwinden gab, zahlreiche Verbote und sogar Diskriminierungen. Haben sich in Ihrem Berufsleben Türen geschlossen?

Raming: Bereits aufgrund der Konzilseingabe hatte ich berufliche Nachteile. Aufgrund meiner Dissertation war dann eine wissenschaftliche Laufbahn an einer (deutschen) Universität völlig ausgeschlossen. Ich musste in den gymnasialen Schuldienst gehen, um eine Existenz zu begründen. Von rein kirchlichen Gremien wurde ich nicht zu Vorträgen eingeladen, sondern allenfalls von kirchlichen Reformgruppen. Nur an einer nichtkonfessionellen Fakultät/Universität hätte ich wissenschaftlich weiterarbeiten können.

Kipa: Worauf beruht Ihres Erachtens der Ausschluss der Frauen vom Priesteramt?

Raming: Wie ich in meiner Dissertation dargestellt habe, ist es vor allem die Vorstellung vom seinshaften und moralischen Minderwert der Frau, die dem Ausschluss zugrunde liegt: die angebliche Erschaffung der Frau aus der "Rippe" des Mannes; Eva als diejenige, die die Sünde in die Welt gebracht hat. Eine Auswirkung finden wir bereits im Neuen Testament, so bei 1 Tim 2,11-15 (Lehrverbot), ferner in 1 Kor 11,3-10 (nur der Mann gilt als "Bild Gottes" - die Frau nur als "Abglanz des Mannes"). Diese die Frau diskriminierenden Stellen wirkten durch die Jahrhunderte weiter - bis heute.

Heute wird zwar vermieden, von Minderwertigkeit der Frau zu sprechen, aber durch die Formel: "die Frau ist gleichwertig, aber andersartig", wird die Zurücksetzung und Unterordnung der Frau in der Kirche beibehalten. Es ist also eine überholte, die Frau degradierende Anthropologie, die ihrem Ausschluss vom Priesteramt zugrunde liegt.

Kipa: Sie sind heute 70 Jahre alt. Weshalb haben sie so lange damit zugewartet, um zur Tat zu schreiten?

Raming: Durch viele Veröffentlichungen haben Iris Müller und ich dazu beigetragen, dass sich im Laufe der Jahre eine immer stärkere Frauenordinationsbewegung gebildet hat. Erst aus dieser Bewegung heraus haben sich dann einzelne Gruppen gebildet, die eine Ordination contra legem anstrebten. Es hätte keinen Sinn gehabt, sich als Einzelperson gegen das bestehende Gesetz ordinieren zu lassen.

Kipa: Die Reaktion des Vatikan, die Exkommunikation, ist wohl wie Manna für Sie. Denn sie sicherte eine Medienresonanz, die zweifellos über Ihre eigenen Wünsche hinausgegangen ist. Man hat den Eindruck, dass Sie dies auch ein bisschen gesucht haben...

Raming: Keineswegs haben wir die Exkommunikation "gesucht", wie Sie annehmen. Die damit verbundene Medienresonanz ist zugleich auch eine Anstrengung, die wir aber auf uns nehmen wollen, um die katholische Bevölkerung über unsere Motivation und Berufung zu informieren.

Kipa: Was hat sich seit dem 29. Juni für Sie verändert? Von wem haben Sie Unterstützung erhalten, von welchen Gruppen innerhalb und ausserhalb der Kirche?

Raming: Ich kann mir vorstellen, dass nach dem 29. Juni Sympathiebewegungen entstanden sind - aber vielleicht auch das Gegenteil. Wir haben von Einzelpersonen und Reformbewegungen (z.B. von der Wir-Sind-Kirche-Bewegung in Deutschland; Initiative Maria von Magdala u.a.) Unterstützung erhalten. Nur ganz selten gab es ablehnende Reaktionen.

Kipa: Weshalb haben Sie Romulo Antonio Braschi als Weihespender gewählt? War das nicht eine zusätzliche Provokation?

Raming: Wir haben uns jahrelang vor der Ordination um römisch-katholische Bischöfe als Weihespender bemüht. Aber aufgrund ihrer Gehorsamsverpflichtung dem Papst gegenüber haben die befragten römisch-katholischen Bischöfe eine Ordination contra legem jedoch abgelehnt, selbst wenn sie uns ideell unterstützten. Der Gehorsam in der Kirche verhindert jeden reformatorischen Impuls. Leider hat nicht das Bibelwort: "Man muss Gott mehr gehorchen als den Menschen" (Apg 5,29) die Priorität! Bischof Romulo Braschi steht in einer gültigen römisch-katholischen apostolischen Sukzession.

Kipa: Haben Sie die Exkommunikation erwartet? Wie lebt sich damit im Alltag - angesichts der Tatsache, dass die Kirche, der Sie angehören, Sie "verwirft"?

Raming: Da ich in einer ländlich-traditionellen Gemeinde lebe, hat das für mich ganz konkret belastende Auswirkungen. Ich könnte hier während der Eucharistiefeier nicht mehr zur Kommunion gehen...

Kipa: Empfinden Sie sich vollständig als Priesterin?

Raming: Nein, wir sind erst auf dem Wege - es ist erst ein Anfang gemacht; denn die konkrete römisch-katholiche Umwelt beziehungsweise Hierarchie schliesst uns immer noch aus.

Kipa: Was antworten Sie jenen, die behaupten, Sympathie für Sie und Ihr Anliegen zu haben, und die ein Lippenbekenntnis zur Frauenordination ablegen, die aber der Ansicht sind, dass Ihr Weiheakt diesem Anliegen im Grunde einen Bärendienst erweist?

Raming: Ich würde ihnen empfehlen, bevor sie so urteilen, dem Rat des Gamaliel (Apg 5, 33-40) zu folgen: "Ist dieses Vorhaben oder Werk von Menschen, so wird es zerfallen - ist es aber von Gott, so könnt ihr es nicht vernichten; ihr könntet sogar als Widersacher Gottes dastehen".

Kipa: Was halten Sie vom Priester-Zölibat - und demzufolge auch vom Priesterinnen-Zölibat?

Raming: Die Menschen sollten ihre Lebensform in der Kirche frei wählen dürfen. (Canon 219 und Johannes XXIII.: "Pacem in terris").

Kipa: Welche Haltung haben Sie als Priesterin gegenüber Schwangerschaftsverhütung, Kondom, Abtreibung in besonderen Fällen, Zulassung zur Kommunion der geschiedenen Wiederverheirateten, Scheidung...

Raming: Eine gut fundierte Gewissensentscheidung halte ich für grundlegend in den verschiedenen Lebenslagen.

Kipa: Im Allgemeinen spricht man Priester an mit "Herr Pfarrer" oder "Pater" - wie wollen Sie angesprochen werden?

Raming: Die Anrede sehe ich nicht als wichtig an. Massgebend ist das Wort Jesu: "Ihr sollt Euch nicht Vater nennen lassen." Pastorin könnte ein gutes Wort für eine priesterliche Amtsträgerin sein.

Kipa: Wie und wovon leben Sie heute?

Raming: Ich war im gymnasialen Schuldienst tätig, jetzt bin ich im Ruhestand. Ich habe längere Zeit nur eine Teilzeitstelle innegehabt, um meine wissenschaftlichen Arbeiten fortzuführen. Aufgrund meiner religiösen Berufung bin ich unverheiratet.

Hinweis: Der Titel der Dissertation von Ida Raming lautet: Der Ausschluss der Frau vom priesterlichen Amt - Gottgewollte Tradition oder Diskriminierung?, Köln-Wien 1973. In diesem Frühjahr wurde diese Arbeit in erweiterter Form neu aufgelegt: Priesteramt der Frau - Geschenk Gottes für eine erneuerte Kirche. Lit-Verlag, Münster 2002. Siehe dazu die Website: www.womenpriests.org

Interview mit Pierre Rottet / Kipa
(kipa/pr/Bearbeitung: Georges Scherrer/gs)

Quelle: www.kath.ch


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