Presseschau Juli 2002

"Priesterinnenweihe" auf dem Donauschiff:
"Kirchenhistorisches Ereignis" oder "Schlag ins Wasser"?


Die "Priesterinnen" wollen keinen Krieg
Exkommunizierter "Bischof" weiht auf Dampfer sieben Frauen

Suben/Passau (lb). Im Widerspruch zum römisch-katholischen Kirchenrecht sind am Samstag auf der Donau sieben Frauen zu "Priesterinnen" geweiht worden. Nach tagelanger Geheimniskrämerei wurden die katholischen Frauen im Alter zwischen 40 und 70 Jahren - vier Deutsche, zwei Österreicherinnen und eine Amerikanerin - auf einem Dampfer geweiht.

Die Zeremonie während der Schiffsfahrt von Passau nach Linz leitete der von der Amtskirche exkommunizierte "Bischof" Romulo Braschi aus Argentinien mit einem österreichischen Geistlichen. Die Amtskirche hatte die Weihe abgelehnt, weil nach ihrem Recht nur getaufte Männer Priester werden können. "Das hat nichts mit der katholischen Kirche zu tun", sagte der Münchner Ordinariatssprecher Röhmel gestern. "Es ist ein absurdes Theater und ein Sektenspektakel."

Die Kirchenreformbewegung "Wir sind Kirche" wertete die Weihe als Signal gegen das "erstarrte, traditionalistische Amtsverständnis der römisch-katholischen Kirche". Auch wenn das Ereignis in vieler Hinsicht zu hinterfragen sei, liege der eigentliche Skandal darin, dass die römisch-katholische Amtskirche den Frauen eine Ordination für den Leitungsdienst immer noch vorenthalte, obwohl es biblisch-theologisch dafür keine stichhaltigen Gründe gebe. Das Bündnis rief dazu auf, die Diskussion über die Erneuerung des Leitungsdienstes und seine Öffnung für Frauen auf allen kirchlichen Ebenen zu intensivieren. Nur dann bestehe die Hoffnung, dass kommende Ordinationen von Frauen innerhalb der kirchlichen Ordnung stattfinden könnten.

Auch wegen des Kirchenstreits wurde die Veranstaltung zu einem Medienspektakel: Zahlreiche Journalisten und Besucher zahlten die geforderten 100 Euro, um bei der Weihe auf dem Schiff dabei sein zu dürfen. Die anschließende Pressekonferenz im Hotel "Servus Europa" auf dem österreichischen Autobahnrasthof Suben direkt hinter der deutschen Grenze war regelrecht überlaufen.

Hinter den Mikrofonen saßen Braschi und fünf der "Priesterinnen", unter ihnen auch die strahlende Organisatorin Gisela Forster. "Ich bin sehr glücklich", sagte die Oberbayerin. "Wir sind jetzt römisch-katholische Priesterinnen." Dass sie dabei auf Konfrontationskurs mit der Amtskirche geraten, ist den "Priesterinnen" egal: "Wir setzen hier ein Zeichen gegen den sexistischen Kanon der katholischen Kirche", sagte die Deutsche Ida Raming. Forster schlug moderatere Töne an: Sie wolle keinen "Krieg" mit der Amtskirche. "Was wir von der Kirche bislang erfahren haben, war Psychoterror." Aber nun hoffe sie auf Toleranz. Forster denkt bereits über eine zweite Priesterinnenweihe nach.

Aus: Augsburger Allgemeine, 1.7.2002
Quelle: http://www.augsburger-allgemeine.de


Sieben Frauen "zu Priesterinnen geweiht"

Auf einem Donauschiff ist die seit Wochen heftig diskutierte und kirchenrechtlich unerlaubte "Weihe" von sieben "Priesterinnen" über die Bühne gegangen. Die "Weihe" fand im Rahmen einer Messe nach katholischem Ritus statt und wurde von den beiden nicht anerkannten "Bischöfen" Romulo Braschi und Ferdinand Regelsberger zelebriert. Erwartet scharf fiel die Ablehnung durch die Amtskirche aus. Der St. Pöltener Bischof Kurt Krenn etwa, der am Samstag selbst drei Priester weihte, sprach von einem "Ärgernis in unserem Land".

Die "MS Passau" hatte kurz nach 9.00 Uhr früh von Passau abgelegt. An Bord befanden sich an die 200 Gäste, die einen Unkostenbeitrag von 100 Euro geleistet haben. Unter den "Weihe"-Empfängerinnen befanden sich vier Deutsche, zwei Österreicherinnen und eine US-Amerikanerin. An der Feier teilgenommen hat auch Karin E. Leiter, die 1998 als zweite Frau als altkatholische Priesterin geweiht worden war. Sie meinte, es handle sich um eine wahrhaft ökumenische Feier.

Gisela Forster, eine der "Priesterinnen", betonte, man wolle keine Spaltung der Kirche. Eine weitere Organisatorin, Christine Mayr-Lumetzberger, verwies auf die besondere Bedeutung des Tages. Es seien "keine Scheiterhaufen in Flammen aufgegangen". Im Vorfeld hatten die Frauen angekündigt, weiterhin einem "weltlichen Beruf" nachgehen zu wollen. Mayr-Lumetzberger ist beispielsweise Lehrerin. In der verbleibenden Zeit werden sie ihren "priesterlichen Dienst" ausüben.

Seitens der Amtskirche wird die "Weihe" strikt abgelehnt. Ein Sprecher der Erzdiözese München-Freising hatte im Vorfeld betont, der Schritt ziehe als "Tatstrafe nach dem Kirchenrecht" automatisch die Exkommunikation nach sich. Der Linzer Diözesanbischof Maximilian Aichern betonte am Samstag, dass die so genannte "Weihe" der Frauen "nach dem geltenden Kirchenrecht ungültig ist ". Die Initiatorinnen und Initiatoren dieses Aktes würden sich "außerhalb der Kirche stellen". Zu bedauern seien "derartige Aktionen" aber auch deshalb, "weil sie das Bemühen um eine bessere Anerkennung der Frauen in der Kirche und ihre wirkliche Gleichberechtigung nicht fördern, sondern eher behindern".

Bischof Krenn betonte, eine Weihe solcher Art sei "immer und absolut ungültig und nichtig". Sie sei unerlaubt und bringe den Ausschluss der Schuldigen aus der Kirche mit sich. Wer mit diesen "gemeinsame Sache" mache, schließe sich aus dem Gefüge der Kirche aus. Die Pressestelle der österreichischen Bischofskonferenz erinnerte an die bei der jüngsten Vollversammlung der Bischöfe in Mariazell veröffentlichte "Klarstellung zur 'Frauenweihe". Dort heißt es: "Eine solche vorgetäuschte Weihehandlung ist ungültig."

Erich Leitenberger, Pressesprecher der Erzdiözese Wien, ergänzte, es habe sich weder um eine Weihe noch um eine Messfeier gehandelt. Die "vorgetäuschte Weihehandlung" sei ungültig. Der "Hauptzelebrant" sei ein selbst ernannter "Bischof" gewesen, der zur Gruppe der so genannten "Wanderbischöfe" (episcopi vagantes) gehört. Diese "selbst ernannten" Bischöfe hätten "keinerlei Verbindung zu einer der historischen Kirchen, keinen Auftrag und keine Gemeinden".

Von den Organisatoren der "Priesterinnenweihe" selbst gab es vorerst keine Stellungnahme. Sie hatten für den späten Nachmittag eine Pressekonferenz angekündigt. Braschi, "Erzbischof" einer so genannten "Katholisch-Apostolischen Charismatischen Kirche Jesus König", hat kurz vor der "Ordination" Verständnis für die "nervöse Reaktion" der Amtskirche gezeigt. Die Kritik aus Rom beunruhige ihn jedoch nicht, sagte Braschi der Nachrichtenagentur AFP. "Wir werden unsere pastorale Aufgabe entschlossen fortsetzen", fügte er hinzu.

Das Fest Peter und Paul, der traditionelle Tag der Priesterweihen, war am Samstag Anlass freilich auch Anlass für die Weihe von insgesamt elf echten katholischen Priestern in Wien, St. Pölten, Salzburg und Klagenfurt. Der Wiener Erzbischof Kardinal Christoph Schönborn konnte im Stephansdom vier Neupriester weihen. Drei Kandidaten wurden in St. Pölten geweiht, je zwei Kandidaten in Salzburg und Klagenfurt.

Aus: Vorarlberg Online, 1.7.2002
Quelle: http://www.vol.at


Sieben Frauen zu katholischen Priesterinnen geweiht

Suben - Gegen die Proteste der Amtskirche sind in Österreich sieben Frauen zu Priesterinnen geweiht worden. Die Frauen aus Österreich, Deutschland und den USA sagten nach der Zeremonie am Samstag auf einem Donauschiff, sie hätten seit langem für diesen Tag gekämpft und würden nun die katholische Kirche bereichern. Die österreichische Bischofskonferenz erklärte, sie werde die Weihe nicht anerkennen. Der Vorgang verstoße gegen das Kirchenrecht, wonach das Priesteramt Männern vorbehalten ist. Der argentinische Erzbischof Romulo Braschi zeigte Verständnis für die Kritik an der Weihe, hielt aber an seiner Forderung nach Reformen fest.

"Wir sind jetzt Priesterinnen, wir unterstehen jetzt Gott und unserem Gewissen", sagte die Österreicherin Christine Mayr-Lumetzberger nach der Zeremonie. "Wir werden täglich die Heilige Messe feiern." Mayr-Lumetzberger stellt sich nach der Weihe eine priesterliche Tätigkeit auf Anfrage vor und will weiter in ihrem Beruf als Lehrerin arbeiten. Die Deutsche Gisela Forster betonte, es sei gegen den Geist Gottes, Frauen von dem Amt auszuschließen. Seit 40 Jahren hätten die Frauen gegenüber der Kirche argumentiert, aber stets ein "Nein" erhalten. Jetzt würden sie "für die Gültigkeit dieser Weihe kämpfen", sagte Forster.

Mehrere der geweihten Priesterinnen - vier Deutsche, zwei Österreicherinnen und eine Frau aus den USA - sind verheiratet, einige haben einen Doktortitel in Theologie. Sie hatten sich in einem dreijährigen Lehrgang auf ihr Amt vorbereitet. Vor 300 Anwesenden zelebrierte Braschi die Weihe gemeinsam mit dem österreichischen "Geheimbischof" Bischof Ferdinand Regelsberger und einem tschechischen Kollegen auf einem gecharterten Donaudampfer zwischen Passau und Linz.

In einer von der katholischen Nachrichtenagentur Kathpress zitierten Erklärung bezeichneten die österreichischen Bischöfe die Priesterinnenweihe als "ungültig". In der Erklärung hieß es, "unter Missachtung der Lehre und Tradition der katholischen Kirche" wolle sich eine "kleine Gruppe von Frauen" den Weg zum Weihepriestertum erzwingen. Der  Linzer Bischof Maximilian Aichern hatte im Vorfeld erklärt, die Weihe von Frauen zu Priesterinnen sei "ein grundsätzlicher Bruch mit der Kirche". Im Kanonischen Recht heiße es: "Die heilige Weihe empfängt nur ein  getaufter Mann." Der Kölner Kardinal Joachim Meisner hatte im Vorfeld von einem "Mummenschanz" gesprochen.

Die Kritik beunruhige ihn nicht, sagte Braschi der Nachrichtenagentur AFP. "Wir werden unsere pastorale Aufgabe entschlossen fortsetzen". Die Kirche müsse sich dringend reformieren. Der 60-Jährige gehört der katholisch-apostolischen charismatischen Kirche "Jesus König" an, die der Vatikan nicht anerkennt. Er war während der argentinischen Militärdiktatur auf Distanz zur katholischen Kirche gegangen, wurde aber nie exkommuniziert. Die Kirche "Jesus König" mit Sitz in München hat 13.000 Mitglieder in aller Welt.

Die FDP begrüßte die durch die Priesterinnenweihe entstehende intensive Diskussion um die Rolle der Frauen innerhalb der Kirche. Die Weihe sei zwar kirchenrechtlich ungültig und das Verfahren zweifelhaft, erklärte die kirchenpolitische Sprecherin der FDP-Bundestagsfraktion, Marita Sehn, in Berlin. Aber das zu Grunde liegende Anliegen sei trotzdem berechtigt. Es mache deutlich, dass Frauen in der Kirche aktiv Verantwortung übernehmen wollen.

Aus: Kölner Stadtanzeiger, 1.7.2002
Quelle: http://www.ksta.de


Weiheshow auf der Donau war Schlag ins Wasser:
"Echter" Bischof untergetaucht - Aichern schaltet Rom ein

SUBEN. Die am Samstag auf der Donau inszenierte "Priesterinnenweihe" war nicht nur aus amtskirchlicher Sicht ein Schlag ins Wasser: Der slowakische "Weihebischof" ist gar nicht aufgetaucht. Die Frauen mussten mit dem Sektierer Romulo Braschi vorlieb nehmen. Nichtsdestotrotz hat die Farce ein Nachspiel: Bischof Maximilian Aichern schaltet Rom ein.

Romulo Braschi bestätigt selbst, dass die Weiheshow vor dem 100 Euro zahlenden Publikum auf der "MS Passau" gar nicht bewirkt hat, was die Oberösterreicherin Christine Mayr-Lumetzberger hinterher behauptet: "Wir sind römisch-katholische Priesterinnen." "Ich bin katholisch, aber nicht römisch", sagt der "Primas der Katholisch-Apostolischen Charismatischen Kirche Jesus König" zum VOLKSBLATT und zieht daraus die logische Schlussfolgerung: "Ich kann gar keine römisch-katholischen Priesterinnen weihen."

Dieser Widerspruch tut der Freude der Frauen nur scheinbar keinen Abbruch. Im Subener Hotel "Servus Europa" präsentieren sich Mayr-Lumetzberger sowie die bayrische Religionsphilosophin Gisela Forster und die Münsterer Theologin Ida Raming stellvertretend für ihre vier priesterlichen Schwestern - darunter die Salzburger Schulschwester Adelinde Roitinger - strahlend der Presse. Selbstbewusst verkünden sie, natürlich auch die Eucharistie feiern zu wollen. Und sie ziehen große Vergleiche: Mit Jesus, der auch Vorschriften missachtet habe, mit dem Fall der Berliner Mauer, der auch von mutigen Christen ausgelöst worden sei, und natürlich mit Martin Luther, in dessen Fußstapfen sie mit der "ersten Reformation der Kirche im dritten Jahrtausend" zu treten glauben.

Doch tatsächlich war das als "Weltereignis" angekündigte Event selbst für die Damen eine Enttäuschung, die sie immerhin gekonnt verbargen. Von den ursprünglich 12 Weihe-Kandidatinnen sind fünf abgesprungen. Natürlich nur, wie Forster meint, weil sie so unter Druck gesetzt wurden, und nicht etwa, weil einigen Kandidatinnen die Braschiade zu dubios wurde - so wie einer Konzelebrantin, die während der Eucharistie in stillem Protest ihr Messgewand abgelegt hatte.

Der in den 70er-Jahren exkommunizierte Braschi war nämlich gar nicht die erste Wahl, auch wenn Forster den Journalisten erzählte, wie glücklich sie sei, "nach drei Jahren Suche Monsignore Braschi gefunden zu haben". Gesucht war ein ganz anderer Bischof, ein richtiger römisch-katholischer. Und bis zum Ablegen der "MS Passau" in der Dreiflüssestadt um neun Uhr Früh glaubten die Frauen auch ganz fest, dass er kommen würde. Am Vorabend hatte er noch versichert, pünktlich da zu sein. Doch Dujan Spiner, ein in der tschechoslowakischen Untergrundkirche in den 70er-Jahren von Geheimbischof Felix Maria Davidek geweihter Bischof, kam nicht an die Donau, sondern tauchte unter. Verzweifelt versuchten die Frauen ihn am Handy zu erreichen - abgeschaltet! Das Boot war voll, die Aktion nicht mehr zu stoppen, so eine Teilnehmerin der Weiheshow zum VOLKSBLATT, obwohl den Frauen klar sein musste, "dass sie gelinkt wurden".

Auf der anschließenden Pressekonferenz ist diese Panne kein Thema. Sie findet dort nur insofern ihren Niederschlag, als die staunenden Reporter erfahren, dass sich die frisch gebackenen "Priesterinnen" in den nächsten Tagen noch einmal "sub conditione" (unter Vorbehalt) weihen lassen wollen. Und zwar, so Forster, zur Absicherung für den Fall, dass jemand die erste Aktion vom Samstag aus formalen Gründen anzweifeln sollte. Der wahre Grund für die absurde Doppelweihe blieb unerwähnt. Die Frauen hoffen, dass Bischof Spiner, der sie am Palmsonntag in Mayr-Lumetzbergers Scharnsteiner Domizil schon geheim zu Diakoninen "geweiht" hatte, doch wieder auftaucht.

Was auch immer nun weiter passieren wird, eine gültige Weihe kann auch Spiner nicht spenden, selbst wenn dieser einst mit dem Sanktus des Vatikan geweiht wurde und daher nicht so einfach wie Braschi als "Vagantenbischof" abgetan werden könnte. Der Linzer Bischof Maximilian Aichern hat noch einmal betont, dass sich die Initiatoren dieser Aktion "außerhalb der Kirche stellen" - also eine Sekte bilden. Fix ist, dass der Fall dem Vatikan zur weiteren Entscheidung vorgelegt wird. Noch am Montag werde Aichern mit seinem Kirchenrechtler beraten, um möglichst schnell Klarheit zu schaffen, so Generalvikar Josef Ahammer zum VOLKSBLATT. Da Frauen aus mehreren Diözesen beteiligt waren - eine kam sogar aus den USA -, soll gleich die Zentrale entscheiden. Ahammer: "Wir möchten die Angelegenheit so wie nach der illegalen Weihe des ehemaligen Benediktinerpaters Ferdinand Regelsberger nach Rom übergeben."

Auch ohne vatikanische Klarstellung steht fest: "Das sind keine römisch-katholischen Priesterinnen", so Ahammer. Die Weihe ist nach geltendem Kirchenrecht ungültig. Es geht jetzt eigentlich nur noch um die Konsequenzen dieses Rechtsbruches. Darauf steht nach dem Kirchenrecht die "Tatstrafe" der Exkommunkation, die eigentlich gar keines formalen Aktes mehr bedarf. - Verkehrsunfall auf der Donau - Bei aller Ablehnung des Spektakels lässt Ahammer aber keinen Zweifel, dass man den Anliegen der Frauen im Grunde positiv gegenübersteht. Er vergleicht die Aktion auf der Donau mit einem Verkehrsstau: "Da gibt es Ungeduldige, die brechen aus der Kolonne aus, und wenn vorne ein Unfall passiert, müssen alle stehen." (Manfred Maurer)

Aus: Neues Volksblatt, 1.7.2002
Quelle: http://www.volksblatt.at


PRIESTERINNENWEIHE:
"Politik wird nicht bei einer Messe gemacht"

LINZ/PASSAU. Das Leben ist ein Fluss, eine kontinuierliche Bewegung, eine ständige Veränderung. Das vermissen aber viele Gläubige bei der katholischen Kirche. Am Namenstag des Menschenfischers Petrus bestiegen sieben wackere Frauen und deren Freunde ein Schiff, um ein neues Kapitel in der römisch-katholischen Kirche aufzuschlagen.

"Wenn die Passau untergeht, bin ich sicher nicht dabei", scherzt Erich Wurm. Wenige Augenblicke zuvor war dem Schiffseigner das Lachen noch vergangen, weil ihm drei Herren in Perger Festtagstracht den Zutritt auf sein Boot verweigert hatten. Freundlich, aber bestimmt riegeln sie die Zutrittsrampe zur "MS Passau" ab. Elisabeth Grossegger, Schwester von Initiatorin Christine Mayr-Lumetzberger, kontrolliert Eintrittswillige anhand einer Gästeliste.

Unter strengster Geheimhaltung lotsten die sieben Diakoninnen Angehörige, Freunde und zwei Dutzend Journalisten nach Passau. Auf dem Schiff sollen Mayr-Lumetzberger, Adelinde Theresia Roitinger, Nonne der Halleiner Schulschwestern, die deutschen Theologinnen Iris Müller und Ida Raming, Gisela Forster, Pia Brunner und die Amerikanerin Angela White zu Priesterinnen geweiht werden.

An Bord wird exakt geachtet, dass jeder sein vorbereitetes Namenskärtchen trägt. Zu groß ist die Angst vor Protesten. Und die Furcht vor dem "langen Arm der Amtskirche". Eine Frau scheut die Kameras wie der Teufel das Weihwasser. Sie will weiter Religion unterrichten. Ein Mann trägt ständig eine dunkle Sonnenbrille - selbst als sich der Himmel durch einen Wolkenbruch verfinstert.

Nach der Schleusung in Jochenstein beginnt die Zeremonie. Zur Musik einer kleinen elektronischen Orgel ziehen der argentinische und nun in Bayern lebende Bischof Romolo Antonia Braschi und der von ihm geweihte ehemalige Kremsmünsterer Benediktinerpater Ferdinand Regelsberger in den Saal in das Unterdeck. Die in schlichte, weiße Kutten gehüllten Kandidaten folgen. Sie tragen über der linken Schulter eine violette Schärpe. Wie bestellt, erhellen die ersten Sonnenstrahlen den Feierraum.

Acht Teelichter brennen in kleinen Gläsern auf dem Alter. Braschi reklamiert ein Kreuz am Altar - "damit die Weihe gültig ist". Er werde sie nach römisch-kanonischem Recht durchführen. Daher liegen die Frauen "als Zeichen der Demut und Unterwerfung" wie bei anderen Priesterweihen auch auf dem Boden, als die Allerheiligen-Litanei gebetet wird.

Einziger Unterschied zur Männer-Priesterweihe: Der verheiratete Bischof Romolo ruft den Papst nicht in seiner Funktion, sondern als Bischof von Rom an. Braschi erklärt: "Ich kann nicht für Rom, sondern für die ganze Welt weihen. Politik wird aber in anderen Situationen gemacht und nicht bei einer Messe." Nach dem Schlusssegen ergreift Mayr-Lumetzberger das Wort. Spontaner Applaus brandet auf. "Wir haben einen wichtigen Schritt für die Zukunft der Kirche gemacht."

Die mit einem ehemaligen Priester verheiratete Gisela Forster aus Bayern stellt klar. "Wir wollen keinen Krieg mit und keine Spaltung von der Amtskirche." Ihr sei aber bewusst, "dass wir in eine schwere Kampfsituation gehen". Dennoch überwiegt bei den Priesterinnen die Freude über die Weihe ohne Zwischenfälle. Mayr-Lumetzberger: "Es hat zwar ein bisschen gekracht, als das Schiff gewendet hat, aber es ist nichts passiert und niemand auf dem Scheiterhaufen verbrannt worden." Denn dieser war auf einer Halbinsel am Wendepunkt in Neuhaus-Untermühl für das Feuer anlässlich des Namenstages des Menschenfischers aufgestapelt worden ... (Fritz Müller)

Aus: Oberösterreichische Nachrichten, 1.7.2002
Quelle: http://www.oon.at


Keine glorreichen Sieben

Fast war es wie das Spiel von Kindern. Die einen verkleideten sich als Bischöfe, die anderen spielten Priesterinnen. Die "Priesterinnenweihe" der sieben römisch-katholischen Frauen von Samstag ist zur Farce verkommen. Dabei waren die Sympathien zu Anfang ganz auf ihrer Seite - sieht man einmal von der Amtskirche ab. Aber spätestens bei der "Weihe" durch einen exkommunizierten, verheirateten "Bischof" war dieser Ruf nach Gleichberechtigung unglücklich verpufft. Die Veranstaltung ist zu einer Seifenoper geraten, die der Sache der Frauen wohl mehr schadet als nutzt.

Ein Bärendienst für die innerkirchliche Diskussion über die Rolle der Frauen. Schadenfreude ist aber fehl am Platz. Auch ein Aufatmen bei den römisch-katholischen Würdenträgern ist nicht angebracht. Das Thema ist jetzt vielleicht diskreditiert, vom Tisch ist es noch lange nicht. Ein Detail aus Österreich: 52,5 Prozent der gewählten Pfarrgemeinderäte sind Frauen.

Die römisch-katholische Kirche kann auch die schwere Krise des Priesteramtes nicht wegreden. Dazu gehört der massive Vertrauensverlust nach Bekanntwerden der vielen Fälle von sexuellem Missbrauch und des Umganges der Kirche mit den Tätern ebenso wie der dramatische Priestermangel. Selbst Kardinal Christoph Schönborn warnt schon vor einer "ernsten Situation" in Österreich. Nach seinen Angaben gibt es heuer österreichweit nur 18 diözesane und 24 Ordenspriesterweihen.

Die römisch-katholische Kirche wird sich der Diskussion über die Rolle der Frauen nicht verschließen können und sich auch der Frage stellen müssen, ob und wie lange sie Frauen das Priesteramt tatsächlich verwehren kann. Eines hat die "Priesterinnenweihe" auf der Donau aber deutlich gemacht: Erpressung ist kein probates Mittel. (Peter Mayr)

Aus: Der Standard, 1.7.2002
Quelle: http://derstandard.at


Traumberufung:
Priesterinnenweihe auf Donau-Dampfer

Sieben Katholikinnen haben sich am Wochenende den Wunsch erfüllt, unbedingt Priesterinnen werden zu wollen. Gibt das Drängen in ein solches Amt schon bei Männern Rätsel auf, wirkt es bei Frauen um so wunderlicher. Schließlich handelt es sich bei der römisch-katholischen Kirche um eine der frauenfeindlichsten Institutionen in Geschichte und Gegenwart. Dass diese den Mummenschanz auf einem Donau-Dampfer erwartungsgemäß als illegale und ungültige Aktion ablehnte, tat indes der Freude der frisch Geweihten keinen Abbruch. Man wolle die Kirche »mit diesem Schritt bereichern«, hieß es.

Bislang allerdings ist das katholische Establishment noch mit jeder solcher Naivitäten fertig geworden. Dass Rom über die Jahrhunderte seine Macht bewahren und ausbauen konnte, ist ja gerade dem Abblocken jeglicher Reformen, die über Fassaden-Kosmetik hinausgingen, geschuldet. Innere Opposition endete entweder mit deren Abspaltung oder der - bisweilen recht drakonischen - Maßregelung der Opponenten. Vor Jahren schon hatte Papst Johannes Paul II. mit einem definitiven Nein die Diskussion um ein Frauenpriestertum beendet. Für den Kölner Kardinal Meisner ist die Weihe daher »ebensolcher Unsinn wie der Wunsch von Männern, Kinder gebären zu können«. Auch die glücklichen Neu-Priesterinnen werden aus ihrer Kirche keine andere machen. Sie können sich nur eine andere suchen. (Ingolf Bossenz)

Aus: Neues Deutschland, 1.7.2002
Quelle: http://www.nd-online.de


Initiativgruppe für eine lebendigere Kirche  (Kirchenvolksbegehren)
per una Chiesa più umana / pur na dlijia plü via
Tschötsch Nr. 99, 39042 Brixen, Telefon / Fax 0472 852530
Internet: www.we-are-church.org/suedtirol
E-Mail: initiativgruppe-kvb@dnet.it

Presseaussendung, 1. Juli 2002

Signal gegen ein erstarrtes Amtsverständnis
Initiativgruppe für eine lebendigere Kirche solidarisiert sich mit Anliegen der Priesterinnen in Österreich

Der Vorstand der Initiativgruppe für eine lebendigere Kirche sieht in der am Wochenende erfolgten Weihe von katholischen Priesterinnen in Österreich ein deutliches Zeichen gegen ein erstarrtes Amtsverständnis und solidarisiert sich mit den Anliegen der sieben Frauen aus Österreich, Deutschland und den USA. "Dadurch nimmt das Recht der Frauen, ihre Berufung zum priesterlichen Dienst einzubringen, Gestalt an", stellt die stellvertretende Vorsitzende Annegret Steck fest. "Durch Priesterinnen wird die sakramentale Seelsorge um die weibliche Komponente erweitert. So wurde mit der Weihe der Frauen ein neues Kapitel in der Kath. Kirche aufgeschlagen. Die Frauen sind und werden zunehmend eine große Bereicherung für die Seelsorge darstellen" ist Annegret Steck überzeugt.

Der Vorstand ist sich bewusst, dass die Weihe dieser Frauen zu Priesterinnen einen Akt des Ungehorsams gegen das Kirchenrecht darstellt. "Leider bot sich anscheinend kein anderer Weg an, da die Kirchenleitung sich beharrlich weigert, die Berufungen, Fähigkeiten und Kompetenzen von Frauen endlich für den priesterlichen Dienst anzuerkennen" betont der Vorsitzende der Initiativgruppe Robert Hochgruber. "Bisher wurden die Frauen mit Scheinargumenten aus der Bibel und der Tradition vertröstet. Diese sind aber, wie selbst die Päpstliche Bibelkommission selber in Bezug auf die Heilige Schrift bereits 1976 festgestellt hat, nicht haltbar."

Der Zugang von Frauen zum Priesteramt war eine der wesentlichen Forderungen des Kirchenvolksbegehrens von 1995, das mehr als 18.000 Südtirolerinnen und Südtiroler unterstützt haben, weltweit waren es 2,5 Millionen Menschen. Laut Umfragen würde sich eine große Mehrheit der Gläubigen Priesterinnen wünschen.

Obwohl die gleiche Würde von Mann und Frau in den Evangelien nie in Frage gestellt wird, hat unsere Kirche im Laufe der Geschichte immer wieder Unrecht an Frauen begangen und schließt sie bis heute von Weiheämtern und Entscheidungspositionen aus. Deshalb fordert Annegret Steck ein radikales Umdenken und fügt hinzu: "Wiedergutmachung ist höchst an der Zeit. Dies umso mehr, als der Vatikan als Staat in der UN Stimme hat und dort beharrlich Menschenrechte einmahnt."

Gemeinsam mit der deutschen, österreichischen und italienischen Bewegung des Kirchenvolksbegehrens fordert die Initiativgruppe für eine lebendigere Kirche die Diskussion über die Erneuerung des priesterlichen Amtes und seine Öffnung für Frauen auf allen kirchlichen Ebenen qualifiziert weiter zu führen und noch zu intensivieren. Zudem besteht die Hoffnung, dass sich durch Priesterinnen in der kath. Kirche ein neues Priesterverständnis entwickelt, das dem Evangelium und seiner Verkündigung näher kommt als die derzeit allein auf den Mann beschränkte Form.


Nach der Weihe von "Priesterinnen"
Diskussion in katholischer Kirche

Wien (dpa) - Die umstrittene Weihe von sieben «Priesterinnen» auf einem Donauschiff bei Passau am vergangenen Samstag hat die Diskussion um die Rolle der Frauen in der katholischen Kirche neu belebt. «Die Frauen haben richtig gehandelt, weil ein Stillhalten gar nichts bringt», sagte Christian Weisner als Sprecher der deutschen Reformbewegung «Wir sind Kirche» am Montag. Auch die kritischen Katholiken Österreichs verlangten jetzt Schritte zur «Öffnung für Frauen auf allen kirchlichen Ebenen».

«Wir haben viel Zuneigung und Unterstützung erhalten, so dass wir unsere priesterlichen Pflichten voll ausüben werden», versicherte Christina Mayr-Lumetzberger als eine der «Geweihten» am Montag in Linz. Sie und ihre Mitstreiterinnen betrachteten trotz des Bannstrahls der Amtskirche und der angedrohten Exkommunikation ihre «Weihe» als «vollzogen und gültig». In Zukunft seien daher im Kreise von Gleichgesinnten auch Messfeiern und das Spenden der Heiligen Sakramente geplant.

Die kirchenrechtlich verbotenen Priesterinnenweihen könnten ein Mittel sein, den bereits lebensbedrohlichen Priestermangel zu beheben, meinen viele Katholiken. In Deutschland sollen folgerichtig nach einer Umfrage 71 Prozent der praktizierenden Katholiken die Frauenordination befürworten. Eine vom Wiener Pastoraltheologen Paul Zulehner durchgeführte Umfrage unter 2500 einfachen Priestern in Deutschland, Österreich, Polen, Kroatien und der Schweiz ergab, dass 58 Prozent die Frauenweihe theologisch für möglich hält.

Erst im vergangenen Monat hatte die katholische Kirche in Österreich folgende Misere beklagt. In den letzten 20 Jahren sei die Zahl der Priester um ein Fünftel auf rund 4600 gesunken. Im laufenden Jahr, das die Bischöfe zum «Jahr der Berufung» ausgerufen hatten, werden aus allen Priesterseminaren des Landes nur noch 15 Männer geweiht. Hinzu kommen noch 20 Neupriester in den Orden - ein «historischer Tiefstand». Selbst offizielle Kirchenstellen sprechen inzwischen offen aus, dass auf absehbare Zeit die gesamte Seelsorge zusammenbrechen könnte. Schon heute müssten einzelne Priester bis zu sechs Pfarren betreuen. Auch in Deutschland prägen extreme Nachwuchssorgen und Überalterung die Situation des Klerus.

Inzwischen wird von papstkritischen Theologen immer wieder die Möglichkeit angesprochen, dass die personell unterversorgten Kirchengemeinden aus ihrer Mitte mehrere Personen für ein Presbyterium vorschlagen. Für solche Gemeindepriester müssten Ausnahmen vom Zölibat geschaffen werden. Auch Frauen sollten solche Dienste verrichten dürfen. «Das wäre ein Aufruhr gegen die katholische Kirchenordnung», beschreibt der Theologe Zulehner solch ein Szenario. Lieber wäre ihm ein Anstoß der Amtskirche. Doch nach dem vom Papst 1994 verfügten Diskussionsverbot in dieser Frage ist ein Schritt von dieser Seite nicht zu erwarten.

«Wir sind enttäuscht, dass von den weltweit rund 4500 katholischen Bischöfen keiner den prophetischen Mut hatte, diese Frauen zu weihen», sagt «Wir sind Kirche»-Sprecher Weisner. Nur aus diesem Grunde hätten die sieben «Priesterinnen» für ihre Weihe bei einem von der Amtskirche exkommunizierten Bischof von zweifelhaftem Ruf Zuflucht nehmen müssen. «Die Männerkirche treibt die Frauen ins Exil». Das große Interesse an der umstrittenen Frauenweihe habe gezeigt: «Rom muss handeln, die Diskussion muss weiter gehen.» (Thomas Brey)

Quelle: http://www.kiz-online.de


 ''Krankenschwestern im maladen System''
TV-Interview mit dem Kirchenkritiker Eugen Drewermann

TRIER. Was spricht gegen katholische Frauen im Talar? Nichts, findet der Paderborner Kirchenrebell Eugen Drewermann.

Herr Drewermann, ist die Priesterinnenweihe überhaupt gültig?

Drewermann: Ein Priester kann nur von einem Bischof geweiht werden, der in der römischen Nachfolge steht. Dabei spielt es keine Rolle, ob die Priesterweihe Männern oder Frauen gespendet wird. Der Bischof muss mittelbar vom Bischof in Rom, also dem Papst, eingesetzt und geweiht worden sein. Nur ein solcher Bischof in der römischen Sukzession hat die Vollmacht, Priester zu sein. Und nur Priester, die aus dieser Sukzession hervorgehen, haben die Gewalt über Brot und Wein beim Messopfer.

Was halten Sie überhaupt von der Priesterinnenweihe?

Drewermann: Es ist ein Anachronismus und in keiner Weise historisch gerechtfertigt, die Bedingungen der Kulturgeschichte zur Entstehungszeit des Neuen Testaments als göttliche Offenbarung verewigen zu wollen.

Wo in der Bibel steht, dass Frauen der Zugang zum Priesteramt verweigert ist?

Drewermann: Nirgendwo. Ich habe kürzlich dazu einen passenden Vergleich gelesen: "Der Papst hat vollkommen Recht. Jesus hat nur Männer als Apostel eingesetzt, keine Frauen­ aber auch keine Polen." Also wenn schon unhistorisch, dann auch konsequent.

Im Kirchenrecht steht aber, dass die heilige Weihe nur ein getaufter Mann empfängt.

Drewermann: Das stimmt. Aber es ist eben nur die geltende Satzung. Und wir möchten, dass sie geändert wird.

Was würde Priesterinnen von Priestern unterscheiden?

Drewermann: In einer Religionspsychologie, in der das Opfer eine zentrale Rolle einnimmt, hat man in der Religionsgeschichte in aller Regel Männer als Spezialisten am Werk gesehen. Blutige Tier-Opfer, aber auch symbolisch das Opfer Christi­ damit beauftragt sind Männer. Würden Frauen Priesterinnen sein, kämen andere Elemente aus der Religionsgeschichte auch in der Religionspsycholgie zum Tragen. In außerbiblischen Kulturen, in denen Frauen Priesterinnen waren, hatte das fast immer zu tun mit Ritualien der Segnung des Lebens in jeder Form. Da geht es eben nicht um Opfer ­wie bei männlichen Priestern, sondern um Erhalt und Stärkung des Lebens.

Ist das der Hauptgrund für die Frauenfeindlichkeit der katholischen Kirche?

Drewermann: Im Hintergrund ja. Die katholische Kirche hat, wie es schon Sigmund Freud beschrieb, die drei Elemente Sexualunterdrückung, Ambivalenz des Frauenbildnisses zwischen Madonna und Verführerin und Zentralismus der Macht samt einer absoluten Gehorsamsforderung. Wirklich ungeheuerlich ist übrigens nicht die Debatte über das Frauenpriestertum, sondern dass alle Theologen auf den Lehrstühlen der Welt unter römischer Aufsicht einmal im Jahr auf die Bibel schwören müssen, dass sie nie anders lehren werden, als Rom es will. Dieser Verrat an einer Theologie, die kritisch sein müsste, zugunsten einer Ideologie römischer Vorgaben ist eine Auszehrung von Charakter und Persönlichkeit. Damit beraubt sich die Kirche der letzten Reform-Möglichkeiten. Es bleibt nur noch die Abstimmung mit den Füßen.

Das klingt extrem pessimistisch.

Drewermann: Was heißt pessimistisch? ­ Ich beschreibe nur den Zustand, wie er von Rom geschaffen und gewünscht ist. Hätten Frauen in der Kirche wirklich etwas zu sagen, würde man sich sehr viel mehr um ganz andere Dinge kümmern ­ etwa Gefühlswerte oder den menschlichen Dialog. So aber ersetzt Gehorsam den Dialog, die Liebe zum Gesamtsystem ersetzt die Liebe zwischen Mann und Frau. Und die Gehorsamsverpflichtung zur zentralen Autorität ersetzt die Selbständigkeit und Mündigkeit des Individuums. Das ist mit Sicherheit das Gegenteil dessen, was Jesus wollte.

Keine Chance, dass sich daran etwas ändert?

Drewermann: Ich halte es für möglich, dass sich die Kirche in Dankbarkeit erinnert, dass sie in Deutschland im Wesentlichen von den Frauen getragen wird. Nicht nur, weil alle wesentlichen Dienste von den Frauen getragen werden. Sie spielen gewissermaßen die Krankenschwester in diesem maladen System. Wenn es einen Hoffnungsschimmer gibt, liegt er bei den Frauen. Es ist doch grotesk: Viele Aktivitäten in der katholischen Kirche werden von Frauen getragen, die diese Männer-Kirche gleichzeitig unterdrückt. Das kann auf Dauer nicht gut gehen. Auch die evangelischen Christen haben erst nach vielen inneren Reibungen und Debatten dahin gefunden, Frauen die gleichen Rechte und Chancen wie Männern einzuräumen.

(Mit Eugen Drewermann sprach TV-Redakteur Rolf Seydewitz)

Aus: Trierischer Volksfreund, 29.6.2002
Quelle: http://www.intrinet.de


"Der Vatikan ist ein frauenloses Terrarium"
TV -Interview mit der Kirchen-Kritikerin Uta Ranke-Heinemann

TRIER. Sollen katholische Frauen Priesterinnen werden dürfen? Mit Emanzipation habe das nichts zu tun, meint die streitbare Theologin Uta Ranke-Heinemann.

An diesem Wochenende sollen von einem "Geheim"-Bischof erstmals katholische Frauen zu Priesterinnen geweiht werden. Was halten Sie davon?

Ranke-Heinemann: Einerseits ginge damit die totale Frauenvertreibung in der katholischen Kirche, die dazu geführt hat, dass alle Hirten Männer und alle Frauen Schafe sind, zu Ende. Anderseits müssen die Frauen nicht alle Irrtümer der Männer nachmachen.

Ist für Sie demnach das Priesteramt generell verzichtbar?

Ranke-Heinemann: Jesus hat zwar keine Frauen zu Priestern geweiht, aber auch keinen Mann. Das Priestertum verkündigt nicht, was Jesus verkündigte, sondern zelebriert seinen Tod im Stil einer heidnischen Menschenopferreligion ­ nach religiösem Steinzeitmuster.

Wo in der Bibel steht eigentlich geschrieben, dass Frauen nicht geweiht werden dürfen?

Ranke-Heinemann: Nirgendwo. Im neuen Testament hatten Frauen sogar hohe Funktionen in der Verkündigung der Botschaft Jesu. Junia wird etwa im Römerbrief 16,7 von Paulus als "hervorragend unter den Aposteln" bezeichnet. Erst im 13. Jahrhundert hat man aus Junia durch Geschlechtsumwandlung einen Mann Junias gemacht.

In der Bibel steht also nichts von einem Verbot des Frauenpriestertums. Anders sieht es aber im Kirchenrecht aus.

Ranke-Heinemann: Das Kirchenrecht ist ein Kompendium maskuliner, hierarchischer Arroganz und der Vatikan ein frauenloses Terrarium, vorzüglich für entsexualisierte Homosexuelle.

Warum ist denn die katholische Kirche so frauenfeindlich?

Ranke-Heinemann: Die Vertreibung der Frauen setzte schon früh ein. Im Thomas-Evangelium (1./2. Jahrhundert) steht: "Simon Petrus sagte: Maria Magdalena soll aus unserer Mitte fortgehen, denn die Frauen sind nicht würdig des Lebens." Ähnliche Rivalität zwischen Petrus und Maria Magdalena steht im Philipper-Evangelium und im Evangelium der Maria Magdalena. Zwar sind alle Kulturen sexistisch, will heißen: Männer spielen die erste Geige, und Frauen mussten immer kämpfen, um eine Position über einem Mann zu bekommen. Aber die katholische Kirche ist zusätzlich noch antisexuell, insofern doppelt frauenfeindlich. Ranke-Heinemann: So etwas passiert bestimmt nicht dank der Kirche, sondern trotz der Kirche und schon gar nicht in der katholischen Kirche. Bereits im 1.Timotheusbrief 4,3 wird gewarnt vor "Lügenpredigern, die verbieten zu heiraten." Das ganze wird 4,7 als "Altweibermärchen" bezeichnet. Außer daß es eher ein Altmännermärchen geworden ist, hat sich die Warnung von vor 2000 Jahren bewahrheitet. Bei Johannes Paul II. ist der ZÖLIBAT mit Großbuchstaben zu schreiben und ist das Christentum zum Zölibatscredo ausgetrocknet.

Der Papst hat sich 1994 auch zur Frauenpriesterschaft geäußert und die Ablehnung als "endgültig" bezeichnet. Ist das Thema damit wirklich ein für allemal vom Tisch?

Ranke-Heinemann: Für den Papst war das Thema niemals auf dem Tisch. Bei ihm ist die ethnisch gesäuberte, von Frauen gereinigte Hierarchie erreicht und die Kirche in ihrem Kern endlich monosexuell strukturiert. Frauen kommen nur noch mit dem Staubsauger nach oben.

Wie sieht denn Ihr Idealbild der katholischen Kirche aus?

Ranke-Heinemann: Das ganze Christentum sitzt auf dem falschen Dampfer. Wenn die Kirchen nur das wiederholt hätten, was Jesus zu Lebzeiten gepredigt, also schon damals in den Wind geredet hat (Feindesliebe und keine Vergeltung), wäre das besser. Aber im Glaubensbekenntnis der Christen kommt das nicht vor. Es spricht nur von seiner wunderbaren Geburt und seinem Tod.

(Mit Uta Ranke-Heinemann sprach TV-Redakteur Rolf Seydewitz)

Aus: Trierischer Volksfreund, 29.6.2002
Quelle: http://www.intrinet.de


Es ist vollbracht

Zwischen Ausflugsdampfer und Autobahnraststätte begehen katholische Dissidenten die weltweit erste Weihe von Priesterinnen - und Rom zürnt aus Passau

Oben im mächtigen Dom zu Passau hat Bischof Schraml mit Ach und Krach vier junge Männer zusammenbekommen, um sie am heutigen Weihetag der katholischen Kirche zu Priestern zu machen. Wenige Schritte entfernt liegt an der Donau-Promenade ein buntes Kirchenschiff zum Ablegen bereit. Auf der eigens gecharterten "MS Passau" sollen nach jahrelangen Vorbereitungen und gegen das ausdrückliche Verbot des Vatikans weltweit erstmals sieben Frauen zu Priesterinnen geweiht werden.

Mit ihrem revolutionären Schritt kämpfen die Frauen aus Deutschland, Österreich und den USA für den Austausch des Wörtchens "Mann" gegen das Wörtchen "Mensch" im maßgeblichen Paragrafen des Kirchengesetzes. Im Canon 1024 des Codex Iuris Canonici heißt es nämlich: "Die heilige Weihe empfängt gültig nur ein getaufter Mann." Um das zu ändern, wollen die Frauen nun mit rund 200 geladenen Gästen auf dem schwankenden Motorschiff zu neuen Ufern aufbrechen. Nach massiven Anfeindungen und aus Angst vor Störungen kontrollieren Herren eines privaten Sicherheitsdienstes in feschen Trachtenjankern dezent, aber streng den Zutritt.

Mitten im Fluss verläuft die Grenze zwischen Österreich und Deutschland. Während der etwa fünfstündigen Fahrt kreuzt die "MS Passau" sie mehrfach. "Jetzt sollen sich die hohen Herren erst einmal darüber einig werden, ob die Diözese Passau oder die Diözese Linz Maßnahmen gegen uns ergreifen soll", sagte Gisela Forster, eine der Kandidatinnen.

Das ersehnte Ziel ist am Ende die Anerkennung der Priesterinnenweihe durch die Amtskirche. Das kann noch lange dauern, aber die Frauen haben peinlich darauf geachtet, dass bei der feierlichen Zeremonie im Unterdeck der "Passau" auf jeden Fall schon mal der römisch-katholische Ritus eingehalten wird. Für den zelebrierenden Bischof, Monsignore Romulo Braschi aus Argentinien, legten sie eine notariell beglaubigte apostolische Amtsnachfolge, die so genannte Sukzession vor. Weil die einmal weitergegebene Weihe selbst nach dem offiziellen Kirchenrecht ewige Gültigkeit hat, schadet es auch nichts, dass Braschi längst nicht mehr zur römisch-katholischen Kirche gehört. Ihm assistierte der ehemalige Benediktinerpater Ferdinand Regelsberger, den Braschi selbst erst kürzlich zum "Bischof" ernannte. Die Frauenweihe sei sakramental gültig, lediglich kirchenrechtlich noch illegal - auf diese Formel legen sich die Initiatorinnen fest. Ob das auf Dauer trägt, ist völlig offen. Die Amtskirche hat den heiligen Donau-Ausflug jedenfalls schon mal als "Sektenspektakel" und "Mummenschanz" abgetan.

Tatsächlich sorgt die strikte Orientierung am offiziellen Ritus für manche Kuriosität. Als Braschi, der den Gottesdienst auf Spanisch hält, von "hermanos" (Brüdern) spricht, wo er doch nur "hermanas" (Schwestern) vor sich hat, macht sich Unruhe breit. "Das ist nun mal so vorgeschrieben", wirft der spürbar nervöse Bischof dann während der Handlung kurz ein. Später besänftigt er seine Gemeinde, man müsse "hermanos" als "Geschwister" verstehen.

Die anschließende Pressekonferenz findet in der österreichischen Autobahnraststätte Suben statt. Dort verteidigt die frisch geweihte Priesterin und promovierte Theologin Ida Raming das Aufsehen erregende Vorhaben. Zuvor hatten auch kritische Katholiken bemängelt, mit der Aktion würden Türen zum Dialog mit der Amtskirche über kleine Reformschritte zugeschlagen. "Jahrzehntelang haben wir diskutiert, alle Argumente gegen Frauen als Priesterinnen widerlegt", wendet die fast siebzigjährige Raming ein, "jetzt muss sich endlich was bewegen."

Das weitere Gespräch mit den 30 bis 40 Journalisten in Suben findet in einer ziemlich überhitzten Atmosphäre statt. Um an Braschis ohnehin schon zweifelhafter Seriosität weiter zu kratzen, fragt beispielsweise einer, ob Braschi tatsächlich zusammen mit seiner Frau in München die Tanzschule "Casa de Cuba" betreibt. Das Paar bestreitet das nicht. "Ich wollte das nicht allein machen", meint Frau Braschi, die auf dem Schiff an der Zeremonie als handauflegende Priesterin mitgewirkt hatte. Ein anderer Journalist meinte, es sei bekannt, dass eine der frisch gebackenen Priesterinnen gerne ein Oben-ohne-Sonnenbad nehme. Ob sie das auch in Zukunft, ausgestattet mit der neuen Würde, so halten wolle? Die strengen Herren im Trachtenanzug werden auf Geheiß der Veranstalterinnen beinahe handgreiflich.

Die Geheimniskrämerei der letzten Monate ist noch nicht beendet. Gisela Forster kündigte an, ein weiterer römisch-katholischer Bischof werde den Neupriesterinnen zur Sicherheit eine zweite Weihe spenden. Doppelt genäht hält besser. Dieser kirchliche Würdenträger wolle sich derzeit noch nicht zu erkennen geben. Deshalb finde dieses Ereignis in seinem Wohnzimmer statt, "vielleicht noch heute". (MICHAEL KASPEROWITSCH)

Aus: taz, 1.7.2002
Quelle: http://www.taz.de


Richtiges Ziel, falsche Form
Warum die "Weihe" von katholischen "Priesterinnen" eher schadet

Natürlich muss es und wird es auch in der katholischen Kirche eines Tages Priesterinnen geben. Theologisch seriös ist das Verbot der Priesterschaft von Frauen nicht zu begründen. Historisch ist erwiesen, dass es in der Urkirche der ersten zwei Jahrhunderte bereits so etwas wie Priesterinnen, besser: Gemeindevorsteherinnen gab. Der Papst versucht mit Pseudodogmen das weibliche Priestertum zu verhindern - doch dies ist langfristig ein vergeblicher Kampf. Denn einer seiner Nachfolger oder ein kommendes Konzil wird diesen ungerechten Irrweg revidieren: Viele katholische Frauen sind zu Recht darüber erbost, dass sie die Drecksarbeit in den Gemeinden leisten sollen und ihnen das Ehrenamt verschlossen bleibt.

Nur: Bis es zur Weihe von Priesterinnen kommt, wird es lange dauern, da die Kirche mit jahrhundertealten Traditionen brechen muss und in dieser uralten Institution sowieso jede Veränderung Generationen braucht. Die sieben Frauen, die sich am Samstag auf einem Donaudampfer zu "Priesterinnen" salben ließen, wollten so lange nicht warten. Sie wollten ein Fanal setzen, Dinge in Bewegung bringen - und haben doch ihrer guten Sache geschadet. Und zwar durch die Art und Weise, wie ihre "Weihe" vor sich ging.

Da war ein exkommunizierter Möchtegernbischof, der die "Weihe" vornahm. Es gab eine absurde Geheimniskrämerei darum, wo, wann und von wem der Akt vorgenommen werden sollte. Da waren schließlich peinliche Begleitumstände, die die kirchenhistorisch als bedeutend und irgendwie feierlich geplante Veranstaltung diskreditierten - dass Reporter 100 Euro zahlen sollten, um die Aktion beobachten zu können, ist nur ein Beispiel.

Nun wäre einzuwenden, dass dies bloß Kleinigkeiten seien, die im Vergleich zum positiven großen Ziel zu vernachlässigen sind. Wer so argumentiert, hat nicht verstanden, wie diese weltumspannende Kirche funktioniert: Die Milliardengemeinschaft der Glaubenden lebt von Symbolen, Traditionen und Legitimationen. Deshalb hat die schlechte Form der "Priesterinnenweihe" ihr gutes, richtiges Ziel beschmutzt. Selbst die hierarchiekritische "Kirche von unten", die anfangs das Weihespektakel unterstützte, hat sich deshalb von der Aktion distanziert: zu unseriös.

Die "Priesterinnen", so gläubig und integer sie auch sein mögen, haben deshalb ihrer Sache einen Bärendienst erwiesen: Ihre Aktion wird der Amtskirche in Zukunft die Argumentation gegen die Weihe von Priesterinnen erleichtern. Schlimmer noch: Die "Weihe" vom Samstag hat die Diskussion über Frauen am Altar diskreditiert. Hoffen oder beten wir deshalb, dass die Aktion auf dem Dampfer bald vergessen sein wird. (PHILIPP GESSLER)

Aus: taz, 1.7.2002
Quelle: http://www.taz.de


Weihe als Grenzgang

SUBEN (SN). "Ob sie im Priester-G'wandl kommen?" Fotografen und Journalisten hoffen am Samstagnachmittag auf der Autobahn-Raststation Suben nahe der österreichisch-bayrischen Grenze auf ein spektakuläres Bild. In den Stunden davor hat sich rund 30 Kilometer entfernt jenes Zeremoniell ereignet, dass seit Wochen für Aufregung gesorgt hatte: Die erste Weihe von römisch-katholischen Frauen zu Priesterinnen. Auf dem Donauschiff "MS Passau" weihte Romulo Braschi, ein umstrittener argentinischer "Bischof", sieben Frauen (vier aus Deutschland, zwei aus Österreich, eine aus den USA) vor 200 Gästen zu Priesterinnen.

Die Hoffnung der Fotografen wird enttäuscht: Christine Mayr-Lumetzberger erscheint zur Pressekonferenz in Suben ebenso in schlichtem "Zivil" wie drei ihrer Mitstreiterinnen. "So ruhig da?" wundert sich die Neu-Priesterin aus Oberösterreich über die angespannte Stille unter den rund 50 Medienleuten. Es sollte aber schon bald lauter werden.

Die Zeremonie sei sehr schön gewesen, betont Gisela Forster, 56-jährige Theologin vom Starnberger See. Die nicht nur äußerlich an Frauenrechtlerin Alice Schwarzer erinnernde forsche Bayerin hat das Heft in der Hand. Wortgewandt und stets einen Scherz parat, gibt sie ihrer diebischen Freude über den "Grenzgang" Ausdruck: "Keiner weiß, ob die Weihe jetzt vor oder nach der Staatsgrenze stattgefunden hat. Jetzt werden der Münchner und der Linzer Bischof streiten müssen, wer uns nun bestrafen soll." Eine weitere Weihe solle bald folgen, denn noch etliche Frauen fühlten sich berufen.

Fragen nach der Befähigung Romulo Braschis, überhaupt eine Weihe durchzuführen, kontern die Damen mit dem Hinweis auf die "apostolische Sukzession", eine Art Erbfolge, die auch durch den Kirchenausschluss nicht aufgehoben werden könne. Vertreter erzkonservativer Kirchenblätter fahren nun schwerere Geschütze auf: Ob es stimme, dass er in der Schweiz Probleme mit der Kantonspolizei gehabt habe? Was es mit Gerüchten über "Geistheilungen" auf sich habe? Zwischendurch kommt auch der eifrig fotografierende "Pornojäger" Martin Humer zu Wort: Wenn man nun bei den Priesterinnen zur Beichte gehen könne, würde er sich gleich als Erster anmelden: "Den Jux lass ich mir nicht entgehen!"

Schließlich inszeniert ein Gesinnungsgenosse Humers mit einem Griff in die unterste Schublade noch einen Beinahe-Skandal: "Werden Sie auch weiterhin nackt baden?" will ein Redakteur der Zeitschrift "Der 13." von Mayr-Lumetzberger wissen. Unruhe kommt auf, die Befragte fordert den Mann auf, sofort den Saal zu verlassen. Sicherheitspersonal schickt sich an, Hand anzulegen. Es ist wiederum Gisela Forster, die die Situation souverän in den Griff bekommt: "Sie kriegen alle ihre Fragen beantwortet." Bei Christine Mayr-Lumetzberger löst sich die Anspannung erst später wieder: Jagdhornbläser aus ihrer Almtaler Heimat geben zu Ehren "ihrer" neuen Priesterin ein Ständchen. (GERHARD ÖHLINGER)

Aus: Salzburger Nachrichten, 1.7.2002
Quelle: http://www.salzburg.com/sn/


Die kleine Meuterei auf der MS Passau

Donau - Die "Tatstrafe" laut römisch-katholischem Kirchenrecht ist eindeutig. Die Exkommunikation droht. Trotzdem bestiegen am Samstag sieben Frauen das Donauschiff MS Passau, um sich auf der Fahrt flussabwärts Richtung Linz zu Priesterinnen weihen zu lassen. Während auf dem Oberdeck Wiener Schnitzel und Schweinsbraten auf die rund 200 Passagiere warten, wird das Untergeschoß zum Sakralraum umfunktioniert. "Das Schiff ist unsere Kirche", lautet der Slogan der Zelebrantinnen. Über dem Motor steht der provisorische Altar. Davor das Volk. Die musikalische Umrahmung übernehmen peruanische Hochlandmusiker.

Aber nicht nur das ist ungewöhnlich: Die Messe zelebrieren zwei "Bischöfe". Der eine heißt Romulo Braschi und bezeichnet sich als "Erzbischof von München, Zürich, Buenos Aires und Salvador de Bahia". Er ist mit Ehefrau Alicia Cabrera, einer von ihm geweihten "Priesterin", angereist. Dass er seit den Siebzigerjahren exkommuniziert ist, stört nicht. Dass er immer von seinen "Brüdern" spricht, dafür umso mehr. Der zweite "Bischof" ist der ehemalige Benediktinerpater Ferdinand Regelsberger. Er ist geschieden. Ihnen zur Seite steht als "Priester" der Gatte einer der Weihekandidatinnen.

Auf der Flusspassage zwischen den oberösterreichischen Ortschaften Obermühl und Untermühl findet schließlich die Zeremonie statt, wobei Braschi gleich betont, er könne "nicht für Rom weihen". Sicherheitshalber lässt er die
vorbereiteten Hefte mit den Liedtexten erst gar nicht verteilen - den Ritus kürzt er ab. Irgendwann reicht es dann zumindest einer der Mitstreiterinnen. Die altkatholische Priesterin Karin Leiter verlässt erbost die "Weihe". Das sei ein "Wahnsinn" für die Sache der Frauen. Braschi meint später, es sei "Sache der Frauen, um die Anerkennung bei der römisch-katholischen Kirche zu kämpfen". Er habe sie "katholisch geweiht". Der angekündigte, amtierende römisch-katholische Bischof ist nicht gekommen. Er soll "in den nächsten Tagen" die Weihe geheim nachholen.

Egal, an Bord hat niemand Zweifel: Die sieben Frauen - vier Deutsche, zwei Österreicherinnen und eine Amerikanerin - sind ihrem Verständnis nach gültig römisch-katholisch geweiht. "Wenn uns jemand darum bittet", habe sie vor, ihre priesterlichen Funktionen auszuüben, sagt die Österreicherin und Sprecherin der Gruppe, Christine Mayr-Lumetzberger. Dies gelte auch für die Feier der Eucharistie. Gröbere Probleme erwartet sich die zweite Österreicherin, Adelinde Theresia Roitinger. Die 66-Jährige ist eine Nonne - noch, denn, so die deutsche "Priesterin" Gisela Forster am Samstag: "Heute ist sie's, morgen vielleicht nicht."

Dass es längst an der Zeit ist, Frauen das Priesteramt zu öffnen, sind sich auch die Gäste einig. "Wir spielen eine viel zu geringe Rolle in der Kirche", meint etwa eine deutsche Lehrerin stellvertretend. Zwar sei der Weg der sieben Frauen für sie selbst "nicht vorstellbar", doch "sind die Argumente sehr überzeugend". Manch einer ist aber auch nur an Bord aus "Familienräson". Er wäre nicht da, doch sei seine Schwägerin in die Feierlichkeit involviert, sagt ein älterer Herr, der "sicherheitshalber anonym" bleiben möchte.

Wenig überraschend fallen die Reaktionen aus der Amtskirche aus: Der Linzer Bischof Maximilian Aichern betont, dass die "Weihe" der Frauen "nach dem geltenden Kirchenrecht ungültig ist". Bischof Krenn verurteilt die "Frauenpriesterweihe" als "Ärgernis in unserem Land". Auch die Bischöfe haben am Samstag ihre Priester geweiht: Es sind österreichweit elf. (Peter Mayr)

Aus: Der Standard, 1.7.2002
Quelle: http://derstandard.at


«Die heilige Weihe empfängt gültig nur ein Mann»

Zu den Neupriesterinnen gehören Galionsfiguren der kirchlichen Frauenbewegung. Diskriminiert wurden sie schon immer. Sind die neuen Priesterinnen wirklich so geltungssüchtig, wie es ihnen die Amtskirche vorwirft? Tatsächlich setzen die Akademikerinnen unter ihnen den Doktortitel vor ihren Namen. Der Grund ist Selbstschutz. Jetzt, wo diese Frauen von hochwürdigen Klerikern wieder als pathologisch und sektiererisch apostrophiert werden, bürgt das «Dr.» dafür, dass sie nicht auf den Kopf gefallen sind. Allerdings ist die Doktorarbeit für einige nicht zum Karrieresprung, sondern zum Stolperstein geworden.

Beispiel Neupriesterin Ida Raming, 70-jährig: An der theologischen Fakultät Münster publizierte sie in den Sechzigerjahren ihre Dissertation «Der Ausschluss der Frau vom priesterlichen Amt - Gottgewollte Tradition oder Diskriminierung?». Anhand verschiedener Rechtsquellen weist sie darin die schwerwiegende Abwertung der Frau im Laufe der Kirchengeschichte nach. «Die Frau ist nicht Gottes Ebenbild», lehrten die Kirchenväter. Oder: «Die Frau hat die Sünde in die Welt gebracht.» Kirchenlehrer Thomas von Aquin definierte die Frau als unvollkommenen Mann.

Verwehrte Professur
Raming konnte beweisen, dass der Ausschluss der Frau vom Priesteramt auf einem Konzept der seinsmäßigen und ethischen Minderwertigkeit der Frau beruht. Und bezahlte ihre Erkenntnis mit kirchenamtlicher Diskriminierung. Sie musste den Standardberuf der Theologinnen von damals ergreifen: Statt Professorin wurde sie Gymnasiallehrerin. Ähnlich erging es der Neupriesterin Dr. Iris Müller, der 72-jährigen Mitkämpferin Ramings. Vor vierzig Jahren konvertierte die angehende evangelische Pastorin zur römischen Kirche. Die theologische Fakultät Münster schuf für sie damals die Stelle einer wissenschaftlichen Mitarbeiterin in der Frauenforschung, in deren Rahmen Müller eine spezialisierte Bibliothek «Frauen in den Religionen» aufbaute. Ihre Erkenntnis, dass der Ausschluss der Frau vom Priesteramt mit keinerlei theologischen Gründen zu rechtfertigen sei und faktisch ein Berufsverbot für Frauen bedeute, bezahlte sie mit beruflicher Diskriminierung. Wie Raming blieb ihr die Habilitation verschlossen.

«Vierzig Jahre lang haben wir vergeblich für die Frauenordination gekämpft und publiziert», sagte Raming an der Pressekonferenz nach der Weihe. 1987 gehörten sie und Müller zu den Gründerinnen der Initiative Gleichberechtigung für Frauen in der Kirche «Maria von Magdala». Schon 1963 waren sie mit einer Eingabe für die Frauenordination an das Zweite Vatikanische Konzil gelangt - ähnlich wie die Schweizer Juristin Gertrud Heinzelmann ein Jahr zuvor.

Diskussionsverbot des Papstes
Geändert hat sich nichts. Zumindest strukturell nicht, höchstens in der Argumentation. Heute kann sich die Kirche nicht mehr ungestraft auf die Frauen als unvollkommene Männer berufen, um sie von den Weiheämtern fernzuhalten. Also besinnt sie sich auf andere Gründe. In seinem apostolischen Schreiben vom Mai 1994 schloss Papst Johannes Paul II. das Priesteramt der Frau ein für alle Mal aus und verbot gar jede weitere Diskussion darüber. Nur ein Mann könne Christus als Priester repräsentieren, begründete er. «Die heilige Weihe empfängt gültig nur ein getaufter Mann», dekretiert auch Canon 1024 des Kirchenrechts.

Für Raming und Müller ganz klar eine «Irrlehre», welche die Menschenwürde der Frau missachte und ihre Gottesebenbildlichkeit leugne. «Die Gültigkeit der Ordination wird an das bloße männliche Geschlecht gebunden», schreiben die beiden Theologinnen in ihrer Erklärung anlässlich der unerlaubten Weihe. Dabei ist nach Lehre der Bibel das männliche Geschlecht im Hinblick auf das Heil völlig bedeutungslos. Worum geht es denn im christlichen Heilsmysterium: Um die Menschwerdung Gottes? Oder um seine Mannwerdung? (mm)

Aus: Tagesanzeiger, 1.7.2002
Quelle: http://tagesanzeiger.ch


Meuterei der Priesterinnen auf der Donau

Ruhig und friedlich trieb am Samstag die MS «Passau» im deutsch-österreichischen Grenzgebiet die Donau abwärts Richtung Linz und tuckerte später wieder den Fluss aufwärts nach Passau. Auch die 200 Passagiere des Schiffes verhielten sich, gemessen am revolutionären Akt, dem sie beiwohnten, gesittet und gelassen. An Bord fand nämlich die erste «Reformation der Kirche im dritten Jahrtausend» statt, wie sich die Organisatorinnen ausdrückten.

Die römisch-katholische Kirche zeigte schon in den Tagen zuvor ihren Unmut. Für den Kölner Kardinal Joachim Meisner hielt am vergangenen 29. Juni, dem Tag der Kirchengründer Peter und Paul, die Widernatur Einzug in die Kirche: Frauen zu Priesterinnen zu weihen sei «ebensolcher Unsinn wie der Wunsch von Männern, Kinder gebären zu können». Das Pressebüro des Münchner Kardinals Friedrich Wetter nannte die weltweit erste Priesterinnenweihe einen «Sektenschwindel» und der Wiener Kardinal Christoph Schönborn einen «pathologischen Akt». Kirchenmänner und (katholische) Medien überboten sich mit Hetztiraden gegen die unerlaubte Frauenweihe: Eine «Kasperliade» sei sie, «Hochstapelei» und «Scharlatanerie», zudem ein rein «kommerzielles Unterfangen».

Eine der Geweihten, Religionsphilosophin Gisela Forster aus Starnberg, deutete nach der Ordination an, welchem psychologischen Druck und welchen Beschimpfungen die Kandidatinnen ausgesetzt waren. Einige zogen sich deshalb zurück: Die 77-jährige österreichische Religionslehrerin Viktoria Sperrer ebenso wie vier Amerikanerinnen. Von den zwölf Weihekandidatinnen hielten schliesslich sieben durch.

Wer sind diese unbotmässigen Töchter der Kirche, die sich, auf der MS «Passau» flach auf dem Boden liegend, Gott ganz zu eigen gaben und hernach Leib und Blut Christi an die Schiffsgemeinde austeilten? Es sind reife und gebildete Frauen allesamt. Die vier Deutschen, zwei Österreicherinnen und eine Amerikanerin sind Religionslehrerinnen, Nonnen, promovierte Theologinnen. Einige gehören zu den Pionierinnen der Frauenordinationsbewegung. Die frühere Nonne Christine Mayr-Lumetzberger, mit 46 Jahren die Jüngste der Kandidatinnen, ist nicht nur die treibende Kraft der ersten Frauenweihe, sondern auch die Vorsitzende des Weltverbandes Women's Ordination Worldwide. Ida Raming und Iris Müller aus Münster sind die akademischen Vordenkerinnen der Ordinationsbewegung, was sie mit ihrer akademischen Karriere bezahlt haben. Der 67-jährigen österreichischen Nonne Adelinde Roitinger droht nach der Weihe der Ausschluss aus dem Kloster. Kurz: Es sind alles Frauen mit «gebrochenen Biografien», wie der Innsbrucker Dogmatikprofessor Jozef Niewiadomski am ORF abschätzig bemerkte.

Gebrochene Biografien haben auch die Geistlichen, welche die Frauen, begleitet von einem Harmonium und einer Gruppe peruanisch-kreolischer Musiker, nach streng römisch-katholischem Ritus die Hände auflegten. «Sektenguru» nannten gewisse Medien den Hauptzelebranten, den argentinischen Bischof Romulo Braschi, der seinen Assistenten, den früheren Benediktinerpater Ferdinand Regelsberger, im Mai eigens wegen der Frauenweihe zum Bischof ordiniert hatte. Statt eine Predigt zu halten, erklärte Braschi während der Zeremonie, er könne in der Allerheiligenlitanei den Papst nicht als Papst einschliessen. «Ich kann die Frauen nicht für Rom weihen», sagte er auf Spanisch, «sondern nur für die ganze Welt.»

Romulo Braschi ist eben kein gewöhnlicher Bischof mit eigener Diözese, sondern ein so genannter Episcopus vagans, ein Wanderbischof der kirchlichen Subkultur ohne anerkannten Bischofsstuhl. Der promovierte Theologe wurde 1966 in Buenos Aires zum römisch-katholischen Priester geweiht. Wegen seiner Beteiligung an sozialen und kirchlichen Reformen kam er in Konflikt mit dem Vatikan. Im Unterschied zu vielen römisch-katholischen Priestern und Bischöfen, die mit der argentinischen Militärdiktatur kollaborierten, engagierte sich Braschi in den späten Siebzigerjahren in der Basisgruppenbewegung gegen die Junta und gelangte so zur Glaubensgemeinschaft «Katholische Apostolische Charismatische Kirche Jesus König».

Doch im Vorfeld der Frauenweihe machten andere Aktivitäten Braschis Schlagzeilen. Als charismatischer Heiler in Europa und namentlich der Schweiz soll er erkleckliche Summen kassiert haben. An der Pressekonferenz nach der Weihe wies er alle Vorwürfe zurück. Diese seien von Personen aus der Schweiz gestreut worden, die ihn vergeblich hätten zwingen wollen, sie zu Priestern und Priesterinnen zu weihen.

Für die Priesteramtskandidatinnen, die drei Jahre lang einen römisch-katholischen Bischof gesucht hatten, war eine andere Frage entscheidend: Ist der 61-jährige Wanderbischof rechtens geweiht, kann er also selber gültig weihen? Die Frauen beteuern, Braschi sei gleich zweimal gültig ordiniert worden: zunächst 1998 vom argentinischen Bischof Roberto Padin, und im Januar 1999 vom kürzlich verstorbenen Jeronimo Podesta. Dieser amtete von 1962 bis 1976 als Bischof von Avellaneda in Argentinien und engagierte sich ebenfalls gegen die Junta. Braschi versichert, er sei von Podesta mit dem ausdrücklichen Auftrag geweiht worden, künftig auch Frauen zu ordinieren.

Die Geister scheiden sich, ob Braschis Frauenweihe sakramental tatsächlich gültig ist. Die Amtskirche ist bestrebt, das Ganze als Sektenschwindel abzutun und somit ausserhalb der Kirche anzusiedeln. Die Österreichische Bischofskonferenz liess verlauten, es handle sich um «vorgetäuschte Weihehandlungen», die ungültig seien. Die Frauen hätten den Weg zum Weihepriestertum erzwungen und damit den Bruch mit der Kirche vollzogen. Umgekehrt ist etwa der Kirchenrechtler und Ordensmann Josef Garcia Casales aus Wien der dezidierten Ansicht, die Weihen seien gültig.

Mit ihrer Aktion haben die Frauen auch einen Keil in den Reformkatholizismus getrieben. Die deutsche und Südtiroler Basiskirchenbewegungen «Wir sind Kirche» haben die Weihe von Anfang an begrüsst; die deutsche Initiative «Kirche von unten» und die österreichische Plattform «Wir sind Kirche» unterstützten sie nicht. Obwohl just die österreichische Plattform 1999 den dreijährigen Lehrgang für die Weihekandidatinnen initiiert hatte. Heute hält sie zwar das Ziel für richtig, den Weg aber für falsch, weil überstürzt. Man hätte zuerst die - von Rom ebenfalls verbotene - Vorstufe des Frauendiakonats anpeilen sollen, um mit der Amtskirche im Dialog zu bleiben, sagen die Reformer. Gewundene und halbherzige Stellungnahmen gaben teils auch Frauenverbände ab.

Gleichwohl konnten die Neupriesterinnen beim Festessen auf der MS «Passau» Gratulationen zahlreicher kirchlicher Exponenten entgegennehmen. Etwa von der Ordinationsbewegung «Maria von Magdala» oder der ökumenischen Konferenz Europäischer Theologinnen. Mehrere Altkatholiken wirkten an der Weiheliturgie mit. Die erste altkatholische Priesterin Österreichs, Karin Leiter, meinte: «Durch diesen Schritt werden wir Schwestern.» Gemäss der katholischen Kirchenhistorikerin Dorothea Mc Ewan von der Universität London wären heute nicht 1500 Priesterinnen in der anglikanischen Kirche tätig, hätten die Frauen das Anliegen nicht konsequent vorangetrieben.

Die Weihegruppe hatte sich für den bis zum Schluss geheim gehaltenen Weiheort auf der Donau auch deshalb entschieden, um Störaktionen zum vornherein den Boden zu entziehen. An der nachfolgenden Pressekonferenz in einem Hotel der entlegenen Autobahnraststätte Suben gelang dies nur noch zum Teil. Wo Frauen Rechte vorenthalten werden, ist auch der Sexismus salonfähig. Notorische Pornojäger, selbst ernannte Glaubens- und
Sittenwächter, die sich unter die Journalisten gemischt hatten, attackierten die Neupriesterinnen teils mit Anwürfen unter der Gürtellinie, allen voran der Redaktor des Kampfblattes «Der 13.». Die den ganzen Tag präsenten Sicherheitskräfte konnten ihn zur Räson bringen.

Die Rechtskatholiken fühlten sich an der internationalen Medienkonferenz umso mehr provoziert, als die Frauen weitere Priesterinnenweihen ankündigten. Bereits stünden neue Weihekandidatinnen aus verschiedensten Ländern in den Startlöchern. Womöglich werden sich auch die ersten Neupriesterinnen selber nochmals weihen lassen. Sollte nämlich die Amtskirche monieren, die Weihe sei aus irgendwelchen Gründen ungültig, werde ein weiterer Bischof eine Zweitweihe gemäss Kirchenrecht «sub conditione» vornehmen. Dieser Hirte, angeblich ein verheirateter Bischof aus der tschechischen Untergrundkirche zur Zeit des Staatsatheismus, hatte die Frauen bereits am 24. März zu Diakoninnen ordiniert, zur Vorstufe des Priesteramts.

Geht es nach Gisela Forster, sollen sich jetzt die Bischöfe von Passau und Linz streiten - «wenn möglich jahrelang» -, wer von ihnen die Frauen disziplinieren müsse. Die Schifffahrt ins Niemandsland zwischen Passau und Linz diente auch dazu, die rechtliche Zuständigkeit der Bischöfe zu vernebeln. Ihrer Erschöpfung zum Trotz gaben sich die Priesterinnen zuversichtlich. «Weder hat sich der Himmel über unserem Kopf geöffnet, noch ist das Schiff entzweigebrochen», sagte Gisela Forster unmittelbar nach dem schismatischen Weiheakt. «Es war ein wichtiger Schritt ins dritte Jahrtausend, in eine neue Zukunft der Kirche», doppelte Mayr-Lumetzberger nach: «Und ein starkes geistliches wie politisches Signal.» Nur massenweise Signale des aktiven Ungehorsams könnten die Amtskirche verunsichern, prophezeit der Kirchenexperte Peter Rosien: «Die Priesterinnenweihe ist ein zartes Pflänzchen, das sich zu einer Baumschule des Ungehorsams entwickeln könnte.» (Michael Meier, Passau)

Aus: Tagesanzeiger, 1.7.2002
Quelle: http://tagesanzeiger.ch


Frauenpriesterweihe: Das Kesseltreiben

Sie wollten sich in Stille und Besinnung, ohne medialen und sonstigem Rummel auf ihre Priesterweihe vorbereiten. Fast ein Dutzend Frauen, allesamt im kirchlichen Engagement stehend, Professorinnen, Religionslehrerinnen, Theologinnen, Pastoralassistentinnen. Es war ihnen nicht gegönnt. Die Lawine des unwürdigen Schauspiels löste ausgerechnet ein Mitbruder des zur Bischofsweihe vorgesehenen amtsbehinderten Benediktiners, P.Ferdinand Raphael Regelsberger, 60, aus dem Stift Kremsmünster aus, der Ex-Ordensmann Friedrich Amatschek. Der fand trotz Bitten und Beschwörungen, man möge keine voreilige Nachrichten über die Bischofs- und Priesterinnenweihe ausplaudern, nichts wichtiger, als das was er als Teilnehmer bei der am Christi Himmelfahrtsfest, am 9. Juni Nachmittag im oberösterreichischen Steinfelden stattgefundenen Bischofsweihe Regelsbergers sah oder zu wissen meinte, an die an sich unbedeutenden, konservativen oberösterreichischen ÖVP-Postille Neues Volksblatt weiterzugeben. Journalist Maurer zog unter dem Titel: "Obskurer Sektenguru als Weihbischof in Verdacht" mit offenbarem Genuss über die "Möchtegern-Priesterin" Dr. Gisela Forster und ihrer Mitkandidatinnen her.

Sudelkampagne
Die sensationshungrige Meute des Boulevards fasste gierig nach und schrieb von Maurers Offenbarungen fleissig ab. Die Nachricht von dem "herumsträunenden" argentinischen Bischof Romulo Braschi, - für die Bischofs-, und Frauenweihe ausersehen - machte rasch die Runde durch den Blätterwald. Erich Leitenberger, Noch-Chef der einst renommierten, nunmehr seinem bevorstehenden Tod entgegensiechenden Printmedium Kathpress legte noch ein Schäuferl nach: per Ferndiagnose ernannte er Braschi zu einem "clericus vagans" und meinte lässig, solche gebe es zu Hundertschaften in der ganzen Welt. Andere, denen die ganze Frauensache ebenfalls sauer aufstiess, trösteten sich mit der Diagnose: Das ganze Spektakel sei eine sektenhafte Posse, eine "unbedeutende Randerscheinung". Selbst ansonsten im Ruf der Seriosität stehende Journalisten, wie Matthias Dobrinski von der Süddeutschen Zeitung fanden es nicht unter ihrer Würde, sich zu Komplizen der uralten Frauenfeindlichkeit der römisch-katholischen Kirchenführung zu machen. Dobrinski musste unbedingt bemerken, Neo-Bischof Regelsberger wohne "pikanterweise" bei dem Ehepaar Dipl.Ing. Mayr und Christine-Mayr-Lumetzberger. Was daran "pikant" sein soll, dass Regelsberger sein geräumiges Haus zur Verfügung der Familie Mayr-Lumetzberger stellte, weiss nur Dobrinski selbst, der freilich nie vor Ort recherchierte.

Ersatzbibel Kirchenrechtsbuch
Das bei alldem abenteuerlichen Geschwätz, Gift und Galle spuckenden, frommkatholischen bis agnostischen Mobbing gegen die Priesterweihe-Anwärterinnen, nirgendwo auch nur ein Satz aus der Bibel auftauchte, verwundert nicht, ist vielmehr höchst aufschlussreich. Als wäre Jesus, samt seiner Frohbotschaft für die Frauen seiner (und aller) Zeit, vom Erdboden verschluckt worden, bevölkerten die öffentliche Bühne plötzlich mit dem kirchlichen Rechtsbuch, Codex Iuris Canonici, herumfuchtelnde, selbsternannte Pharisäer und Schriftgelehrte. "Wir haben ein Gesetz, und nach diesem Gesetz muss er sterben" brachen schon die Vorgänger der medialen Scharfrichter der Gegenwart den Stab über Jesus, weil er sich etwas "angemasst" hat, das ihm nach dem damaligen Kirchengesetz der Synagoge nicht zugestanden ist.

Bis zum Überdruss wurde in den letzten Wochen diesen Frauen der Paragraph 1024 des Rechtsbuches der römischen Kirche um die Ohren gehauen, der da lautet: "Die heilige Weihe empfängt gültig nur ein getaufter Mann". Dass dieser Satz angesichts der paulinischen Ermahnung aus dem Brief an die Galater "Es gibt nicht mehr Juden und Griechen, nicht Sklaven und Freie, nicht Mann und Frau; denn ihr alle seid ´einer´ in Christus Jesus" eine pure Blasphemie wenn nicht Häresie ist, regt Keinen auf, wird verdrängt und vergessen. Das Kirchengesetz, ein auf die Machtsicherung der Hierarchie abzielendes Menschen-Machwerk steht hier gegen das Gotteswort, ein durch die Jahrhunderte hindurch zusammengeflicktes Patchwork mit schnell verwelkenden Sentenzen gegen die klare Botschaft der Schrift. Gesetze sind wichtig, sie dürfen der Gesinnung Christi freilich ebenso wenig widersprechen, wie dem gesunden Menschenverstand.

Streit um des Priesters Bart
Noch im Jahr 1982 galt die Vorschrift des Kirchengesetzes, das Kleriker überall zum Tragen der sogenannten Tonsur, auch "corona clericalis", "Krone des Klerikers" genannt, verpflichtete. Es handelte sich um eine etwa die Grösse eines Zwei-Eurostückes umfassende, kahlgeschorene Haar-Oase am Hinterkopf. Ebenso war auch jeder Kleriker zum Tragen des Talars verpflichtet. Tat er das nicht, wurde er zunächst ermahnt, bei weiterer Weigerung suspendiert und nach drei Monaten, falls er keine Reue zeigte, laisiert! Sowohl der Besuch eines Theaters oder das Tragen eines Bartes waren verboten. Im Jahr 1920 brach just in der Linzer Diözese (Nomen est omen!) eine Debatte über die Erlaubtheit des klerikalen Barttragens aus. Man wandte sich an die Konzilskongregation im Vatikan, die das Verbot bestätigte. All das ist längst schon Schnee von Gestern. Die Mehrheit der Kleriker hielt sich schon lange bevor all diese Vorschriften samt entschlummerten, ohnehin nicht an sie. Tonsurgebot, Talarpflicht und der Streit um des Priesters Bart sind nur einige Beispiele der geringen Haltbarkeit von Kirchengesetzen. Kein Geringerer, als der gegenwärtige Papst, Johannes Paul bestätigt dies in seiner Dekretierungsschreiben zum revidierten, neuen Kirchenrecht, am 25. Januar 1983: "Die Gesetze der kirchlichen Lebensordnung pflegt die Katholische Kirche im Lauf der Zeit abzuändern und zu erneuern, damit diese, unter steter Wahrung der Treue gegenüber dem göttlichen Stifter , der ihr anvertrauten Heilssendung in geeigneter Weise entsprechen".

Römischer Rüffel
Es wäre nun wahrlich höchst an der Zeit, das dummdreiste Gesetz, das getauften Frauen im Gegensatz zu getauften Männern, in schlechtester frauenfeindlichen Tradition der Kirche den Weg zum Dienst eines Diakons oder Priesters verstellt, abzuschaffen. (Übrigens auch das unhumane und unbiblische Zölibatsgesetz) Dass es bei dem erbärmlichen medialen Trauerspiel um die erzwungene Frauenweihe im Grunde einer massiven in den Genen so mancher Zeitgenossen tiefsitzenden Frauenfeindlichkeit handelt, entlarvte - als wäre es ein göttlicher Fingerzeig gewesen, - Anfang Juni eine Affäre, die sich im Zusammenhang mit einer Frauenliturgie im Linzer Dom abgespielt hatte. 170 kirchlich engagierte Frauen aus verschiedenen Ländern feierten dort am 1. Juni eine Frauenliturgie. Die Ansprache hielt die Theologin und Universitätsprofessorin DDr. Teresa Berger, die für zahlreiche deutsche Lehrstühle als erstgereihte Kandidatin war, der aber Ratzinger & Co. Jede Lehrerlaubnis an katholischen Fakultäten verboten haben. Berger musste in die USA "auswandern", um unterrichten zu können. Die völlig harmlose aber innige Frauenliturgie wurde von ultrakonservativen oberösterreichischen Katholiken in Rom denunziert, was der Präfekt der Sakramentenkongregation im Vatikan, wo Denunziantentum, Verleumdung und Vernaderei stets willkommen sind, Kardinal Jorge Medina Estévez, sofort aufgriff, um den Linzer Bischof, Maximilian Aichern, der die Liturgie erlaubte, einen Rüffel zu verpassen: Fromme Männer unter sich.

Es geht nicht um die Priesterinnenweihe, es geht um die Frau
Das Beispiel zeigt: Es geht nicht um die Frauenpriesterweihe. Es geht um die Frauen schlechthin. Näherhin um die halsstarrige und beschämende Weigerung einer verstockten Männerkirche Frauen als gleichwertige Lebewesen anzuerkennen. Von den ersten Zeiten der Abweichung von der Botschaft Christi, der verunreinigenden, gefährlichen, von Gott ablenkenden Frau über die Hexenverbrennungen bis zur Bezeichnung der Frauen als hirnlose Geschöpfe durch den grossen Kirchenlehrer Thomas von Aquin , oder des grossen und ansonsten recht freundlichen Morallehrer, dem Heiligen Alfons Maria von Liguori , Gründer der Barmherzigen Brüder, der Frauen als Motten bezeichnete, die sich ins Fell der Männer hineinfressen, um sie zu verderben, bis zur fanatischen Festhalten an dem Zölibatszwang für Priester, dem Verbot der Frauen den Diakonendienst oder gar das Priesteramt zu bekleiden, reicht der Reigen dieser dämonischen Dummheit, ja Verbrechen gegen das Christentum und seinem Gründer. Wes Geistes Kind der feindselige Rummel um die Frauenpriesterweihe herum ist, sprach St.Pöltens jovialer Oberhirte, für ein offenes Outing nie verlegen, aus - man muss es zweimal lesen: "Die Frauen sollen dort bleiben, wo sie sind, an der Basis".

Eunuchen fürs Himmelreich
Die solchermassen auf ihren angestammten Platz in der Kirche verwiesenen Frauen, die sich auf die Weihe gewissenhaft vorbereitet haben wussten was sie tun. Wer Reformen versäumt, provoziert Revolutionen. Seit fast einem Jahrhundert möchten gläubige Frauen endlich in ihrer Kirche als vollwertige Menschen anerkannt werden. Seit fast einem Jahrhundert verkünden die maßgeblichsten römisch-katholischen Theologen, dass es keinerlei theologische Einwände dagegen gibt. Doch Rom und ihre Fans bleiben stur. Spucken Hohn, Gift und Galle auf diese Frauen, die Mut haben gegen allen Widerwärtigkeiten, sich nur auf die Kraft ihres Glaubens verlassend, der Kloakenflut zu widerstehen. Mut - im Gegensatz zu den Bischöfen, die von der römischen Schule zu gefolgsamen geistigen "Eunuchen fürs Himmelreich" (Ranke-Heinemann) getrimmt, aus Karrierefurcht und Feigheit nichts anderes können als lediglich die ausgeleierte römische Schallplatte mit dem fauligen Paragraphen 1024 herunterzuspulen, anstatt wie einst Paulus, in aller Offenheit dem Petrus im Angesichte zu widerstehen. Diese Frauen hätten es weiss Gott lieber gehabt, hätte sich auch nur ein einziger mutiger Gerechter unter den Bischöfen gefunden, der sie geprüft, in seine Diözese eingeladen, sie zu Priesterinnen geweiht und ihnen Gemeinden anvertraut hätte. Doch es gibt keine Heiligen Paulusse nur schwache Männer mit gebrochenen Rückgrat, das sie mit frommen Floskeln zu verbergen trachten. Diesen sollen die neunmalklugen Kritiker der Lumetzberger, Forster usw. ihre kirchenrechtliche und sonstige Bedenken von wegen vorkonziliares Kirchenbild, Klerikalismus und ähnliche (mitunter freilich auch tatsächliche Bedenken) erzählen. Es ist halt leichter auf ein Dutzend wehrlose Frauen, die lediglich ihren Glauben und ihren Idealismus haben, herumzutrampeln, als den Hierarchen ihre Feigheit, Frauenfeindlichkeit und ihr atavistisches Weltbild, (das sie selbstverständlich stets wortreich leugnen, um es bald darauf durch Taten wieder aufs neue zu bestätigen) vorzuhalten. Eine recht schäbige Haltung.

Statt Theologie, Ideologie
Mangels eines mutigen Diözesanbischofs sind die Weihekandidatinnen gezwungen worden einen Bischof zu suchen. Was nun Bischof Romulo Braschi tut und nicht tut, dass er der charismatischen Bewegung huldigt und einen Heilungsgottesdienst feiert wie die flinken Abschreiber behaupten, (und wie es übrigens etwa der Pfarrer von Gallspach und andere in aller Welt seit Jahrzehnten anstandslos tun), ist irrevelant. Romulo Braschi ist allenfalls kein pedofiler Bischof und wurde von seinem Landsmann dem verheirateten, und weit über Argentinien hinaus bekannten und geschätzten Bischof, Jeronimo Podesta, zum Bischof geweiht worden. Wenn er also den ehemaligen Benediktiner Regelsberger zum Bischof geweiht hat, ist Regelsberger ein sakramental gültig geweihter Bischof. Wer da von Scheinweihe, Nichtigkeit und ähnliches faselt, hat auf der Uni gefehlt als man die Sakramententheologie vortrug. Bekanntlich wirken Sakramente aus sich aus, unabhängig von dem sonstigen Zustand des gültig geweihten Weihenden. Der zum Zementieren der patriarchalisch-hierarchischen Macht erfundene Kirchenparagraph 1024, ein unbiblischer Schandfleck, ist lediglich dazu gut, dass sich die restauratuive Clique in der römischen Kurie und ihre Vasallen in den Bischofstühlen Dank des restaurativen Rückenwindes, ihre Machtmuskeln spielen können, um diese Frauen - populär gesprochen - "zu Schnecken zu machen" . Was das Kirchenvolk hoffentlich nicht zulassen wird.

Trost im Bedrängnis
Wie auch immer: Bei all dem Kreuz wird diese mutigen Pioniere allenfalls das Wort des Apostels aus dem Korintherbrief, (4,9-13) stärken und trösten: "Ich glaube nämlich, Gott hat uns Apostel auf den letzten Platz gestellt, wie Todgeweihte; denn wir sind zum Schauspiel geworden für die Welt, für Engel und Menschen. Wir stehen als Toren da um Christi willen, ihr dagegen seid kluge Leute in Christus. Wir sind schwach, ihr seid stark; ihr seid angesehen, wir sind verachtet. Bis zur Stunde hungern und dürsten wir, gehen in Lumpen, werden mit Fäusten geschlagen und sind heimatlos. Wir plagen uns ab und arbeiten mit eigenen Händen; wir werden beschimpft und segnen: wir werden verfolgt und halten stand; wir werden geschmäht und trösten. Wir sind sozusagen der Abschaum der Welt geworden, verstossen von allen, bis heute". Nicht unbedingt aber Morgen. (Walter Axtmann)

Aus: Kirche in 7/2002
Quelle: http://www.kirche-in.at


Jetzt Rätselraten um zweite Weihe

Ein tschechischer Bischof soll die "Priesterinnenweihe" ein zweites Mal durchführen. Unklarheit herrscht noch über kirchliche Sanktionen gegen die Frauen.

MÜNCHEN, LINZ (SN-gö). Das Verwirrspiel rund um die "Priesterinnenweihe" geht weiter. Die am Wochenende zu Priesterinnen geweihten sieben Frauen aus Österreich, Deutschland und den USA wollen sich ein zweites Mal weihen lassen, dieses Mal von einem römisch-katholischen Bischof. Romulo Braschi, der die Weihe vom Samstag durchführt hat, bezeichnet sich selbst als "katholischen, aber nicht römischen Bischof". Wann und wo die zweite Weihe stattfinden soll, bleibt vorerst geheim. Gerüchten zufolge soll Dujan Spiner, ein in der tschechoslowakischen Untergrundkirche in den siebziger Jahren geweihter Bischof, diese Weihe durchführen. Er hätte bereits am Samstag auf dem Donauschiff dabei sein sollen, sei dann jedoch nicht erschienen.

Um über einen Ausschluss der "Priesterinnen" aus der Kirche zu entscheiden, sei die "Faktenlage noch zu dubios", sagte Ferdinand Kaineder, Sprecher der Diözese Linz. Das betreffe u.a. die geographische Ungewissheit über die Weihe im oberösterreichisch-bayrischen Grenzraum. Grundsätzlich seien die Frauen aber durch ihre Aktion "selbst aus der Kirche hinausgegangen". Ähnlich sieht es Winfried Röhmel, Sprecher des Erzbistums München: "Dieser Sektenschwindel wird innerkirchlich nur als Randerscheinung gesehen." Röhmel schließt in weiterer Folge juristische Schritte wegen Amtsanmaßung oder missbräuchlicher Verwendung der Bezeichnung "römisch-katholisch" nicht aus.

Die österreichische Plattform "Wir sind Kirche" und die deutsche KirchenVolksBewegung werten in einer gemeinsamen Erklärung die Weihe als "Signal gegen das erstarrte, traditionalistische Amtsverständnis der römisch-katholischen Kirche". "Auch wenn dieses Ereignis in vieler Hinsicht zu hinterfragen ist und die Weihe nicht nach römischem Kirchenrecht erfolgte: Der eigentliche Skandal ist darin zu sehen, dass die römisch-katholische Amtskirche den Frauen eine Ordination für den Leitungsdienst immer noch vorenthält, obwohl sich biblisch-theologisch dafür keine stichhaltigen Gründe ins Feld führen lassen", heißt es in der Aussendung.

Aus: Salzburger Nachrichten, 2.7.2002
Quelle: http://www.salzburg.com/sn/


Weihe auf dem Donaustrom
Sieben katholische Frauen haben sich von Geistlichen zu Priesterinnen ordinieren lassen, auf einem Schiff zwischen zwei Bistümern

Passau - Die Frömmler sind alarmiert. An der Donaulände in Passau wartet jedenfalls schon die selbsternannte Kirchengesinnungs-Polizei aus Österreich, um die Schiffsbesatzung der MS Passau als Parteigänger des Antichristen im Bilde festzuhalten. Der Späher Martin Humer rühmt sich des größten Pornoarchivs Europas, Frucht eines wahnhaften Sammeleifers in natürlich nur frommer Absicht: Als Handreichung für Kirche und Bischöfe, wovor sie ihre Schäflein schützen müssen.

Diesmal gilt sein Abscheu noch unglaublicherem Frevel: Zu Peter und Paul, dem Tag, da in vielen katholischen Diözesen Priester ordiniert werden, haben sich sieben katholische Frauen auf dem Donauschiff MS Passau zu Priesterinnen weihen lassen. Für die einen ein befreiender Akt "wie der Fall der Berliner Mauer", für die anderen Ketzerei an der nur von Männern zu verwaltenden katholischen Lehre. Die sieben Damen, die sich nun in der vollen Würde des priesterlichen Sakraments fühlen, sehen sich nicht als Revolutionärinnen, eher als mögliche Retterinnen der Kirche. Der Seelsorge-Notstand ließe sich nach ihrem Urteil mit Frauen schnell beilegen, stellen sie doch das Gros der Gläubigen und der Gemeindeaktivisten. Die Zahl der am Samstag in Österreich ordinierten Männer spricht für sich: elf in einem Volk von acht Millionen, das sich zu 85 Prozent für katholisch erklärt.

Solche für ganz Europa gültige Zahlen, bewegen die Bischöfe nicht: Nach wilden Polemiken, Drohungen und Disputen im Vorfeld brandmarkt das Münchner Ordinariat den Akt als sektiererisch; Österreichs Bischofskonferenz erklärt ihn für ungültig; der Linzer Bischof Maximilian Aichern warnt im letzten Moment schriftlich, mit der Weihe stellten die Frauen sich selbst "außerhalb der Kirche". Eine offene Exkommunikations-Drohung. Aichern und der Passauer Bischof werden sich erst einmal einigen müssen, wer die aufrührerischen Schäfchen zu maßregeln habe: Das Schiff wechselte während der Weihe auf der Donau gleichsam ständig die Bistumsgrenzen. So haben sich das die Neu-Priesterinnen Gisela Forster aus Berg am Starnberger See und Christine Mayr-Lumetzberger dem österreichischen Innviertel ausgedacht. Daraus könnte harte Kirchenpolitik werden: Vertreter Roms wollen den milde konservativen Linzer Bischof längst los werden; es könnte sein, dass die Kurie Aichern einen Apostolischen Administrator vorsetzt.

Die Zeremonie auf dem Fluss verläuft in heiterer Gelassenheit. Jahre, ja Jahrzehnte hatten sich die vier Deutschen, zwei Österreicherinnen und die Amerikanerin vorbereitet. Die lange Spannung löst sich in Familienfest-Stimmung. Die zwei Bischöfe, die den feierlichen Akt vornehmen, erscheinen fast als Randfiguren im Getriebe der durchwegs reiferen Probandinnen. Dass der Argentinier Romulo Antonio Braschi von der Charismatischen Kirche Jesus König und ein "Pater Raffael" titulierter früherer österreichischer Benediktiner für Kirchenfromme als verkrachte Existenzen gelten könnten, ficht die Frauen nicht an: Sie vollziehen alles peinlich genau nach liturgischen und rechtlichen Regeln und berufen sich in halsbrecherischer kanonischer Kasuistik, aber schlüssig auf die ewige Gültigkeit der Priester- und Bischofsweihe, die nach katholischer Auffassung nichts und niemand tilgen kann.

Demnach können die Bischöfe gültig weihen. Ob Mann oder Frau, ist ein Mensch geweiht, kriegt man das nicht mehr weg von der Seele. Das gilt auch für die zwölf Priesterinnen der früheren tschechischen Untergrundkirche, deren unerwähntes Schicksal wie ein Schatten über der Zeremonie hängt: Unter kommunistischer Verfolgung waren zwölf Frauen ordentlich geweiht worden; die Kirche hat die Gültigkeit der Ordination nie bestritten, verleugnet aber ihre Dienerinnen und hat sie mit Druck und Drohungen in Schweigen begraben.

Auch die neun Priesterinnen wollen formalistischen Kirchenrechtlern keinen Grund für Einwände geben. Das hat die Frauen in die Kritik gebracht, letztlich nur alten Kirchen-Strukturen dienen zu wollen, nur eben mit weiblichem Personal, also ein tief konservatives Konzept zu verfolgen. Die renommierte Münsteraner Theologin Ida Raming, ebenfalls frisch ordiniert, hält dem entgegen, dann könnten Rom und die Amtskirche ja unverdrossen darauf einschwenken. Man könne nur aus der bestehenden Struktur heraus die Kirche reformieren, nicht von außen.

Die bohrende Frage, die auch viele progressive, von Unbehagen verfolgte Laienorganisationen stellen, warum der Akt jetzt stattfinden musste, da Frauensympathisanten im Männerklerus immer mehr würden, beantwortet eine Abgesandte der englischen Anglikanischen Kirche: Hätten sie die Frauenordination nicht 1985 erzwungen, würden sie noch heute mit dem Argument hingehalten, es sei noch nicht der rechte Zeitpunkt. Durch Fragen, Gebete und Fürbitten geistert das Gespenst der Kirchenspaltung - ein Begriff, der hochgegriffen scheint. Auch die Neu-Priesterinnen versichern, sie würden kein "Konkurrenzunternehmen" aufziehen, würden dann Eucharistie feiern und Beichte hören, wenn Bedürfnis danach besteht, nicht um sich wichtig zu machen.

Am Ende eine Demonstration des Geschmacks ihrer Gegner. Die Beichte bei Frauen nennt Porno-Humer einen "Jux, den ich mir nicht entgehen lassen werde". Dann meldet sich noch ein altes Ferkel, das sich als Berichterstatter des Blättchens Der Dreizehnte vorstellt und eine Frage an eine Priesterin so eröffnet: "Sie haben doch eine schöne Brust, und sie lieben es, mit freiem Oberkörper zu baden..." Die Szene endet im Tumult. Seine Postille ist Organ der treuesten Anhänger des wegen einstigen Kindsmissbrauchs verdächtigten Kardinals Groer. So tritt am Ende doch das Grundproblem des Konflikts zu Tage: der pure Sexismus. (Michael Frank)

Aus: Süddeutsche Zeitung, 1.7.2002
Quelle: http://www.sueddeutsche.de


Die Reform der katholischen Kirche bedarf auch des Regelverstoßes
Eine unordentliche Weihe ist nicht schlimm

Der kalkulierte Regelbruch hat eine lange und ehrwürdige Tradition. Jesus etwa ist wohl einer der bekannteren Regelbrecher der Geschichte. Der Entschluss von sieben katholischen Frauen aber, sich von einem "zweifelhaften" Bischof zu Priesterinnen weihen zu lassen, stößt auf Missfallen - auch bei denen, die den Ausschluss der Frauen aus der katholischen Kirche eigentlich für einen Skandal halten. Zu bunt schillert Exbischof Braschi, der auch Teufelsaustreibungen gegen Entgelt praktizieren soll, zu unseriös wirkte der heftige Eintrittspreis für ihre Weihefahrt auf der Donau. Tatsächlich: Zu sauberen und braven Heldinnen taugen diese Priesterinnen nicht.

Brave Heldinnen durchforsten weiterhin Bibel und Kirchenrecht auf Diskriminierungen und organisieren feministisch-theologische Tagungen. Dort erklären Bischöfe, dass das Anliegen der Frauenordination ein wichtiges ist, Rom aber auch nicht an einem Tag erbaut wurde. Und dass man nicht mir nichts, dir nichts jahrhundertealtes Recht umschreiben kann.

Ein ordentlicher Bischof wird keine Frauen weihen. Also geschieht es unordentlich, und das ist gar nicht schlimm. Denn siehe da: Bischöfe, die das Ganze gerne ignoriert hätten, nahmen plötzlich Stellung. Der Kölner Kardinal Meisner erhebt die Frauenordination gar in den Rang einer biologischen Unmöglichkeit: Männer könnten ja auch keine Kinder bekommen, erklärte er. Schließt sich die Kirche nach dieser Nötigung nun eher noch weiter ab, dann zeigt sie umso stärker ihren eigenen Sektencharakter.

Von innen, das haben nicht nur 40 Jahre Kampf um Frauenordination gezeigt, wird sie sich nicht ändern. Die einzige bekannt gewordene Frauenordination der römisch-katholischen Kirche fand in den 60er-Jahren in der Untergrundkirche in der Tschechoslowakei statt. Unter Druck von außen. Damals wurden die Katholiken blutig verfolgt und Rom war jedes Mittel recht, die Gemeinden am Leben zu erhalten. So weit muss es ja nicht wieder kommen. (HEIDE OESTREICH)

Aus: taz, 2.7.2002
Quelle: http://www.taz.de


Zulehner: "Priesterinnenweihe" war "Bärendienst" für Frauenanliegen

KAP/red. Scharfe Kritik an der "Priesterinnenweihe" am vergangenen Samstag auf einem Donauschiff hat der Wiener Pastoraltheologe Prof. Paul Zulehner geübt. Dem "berechtigten" Anliegen, Weiheämter in der katholischen Kirche für Frauen zu öffnen, sei mit der kirchenrechtlich unerlaubten und ungültigen "Weihe" ein "Bärendienst" erwiesen worden, sagte Zulehner. In dieser Hinsicht sei man "kirchenpolitisch weit zurückgeworfen" worden, in den nächsten Jahren sei jetzt "Schadensbegrenzung zu leisten" statt weiterer Aufbauarbeit zu Gunsten der Frauen.

Die "Weihe" auf dem Donauschiff mag für die beteiligten Frauen ein "erhebendes Gefühl" sein, doch für die kirchliche Gemeinschaft sei dieses subjektive Moment "unerheblich"; erheblich sei das, was die gesamte Gemeinschaft will. Vergleichbar der Verfassung eines Landes gebe es auch in der katholische Kirche "Spielregeln, die eine Einzelperson nicht außer Kraft setzen kann". Das hätten die "Priesterinnen" versucht - "und ich denke, da werden Sie reformerisch nicht weiterkommen", so Zulehner.

Der Theologe sieht durch die unerlaubte Weihe auch die Gefahr einer Sektenbildung: Es werde durchaus kleine Gruppen geben, die die Dienste der "Priesterinnen" beanspruchen. Um eine spirituell begabte Person herum sammeln sich einige Dutzend Menschen - "ich kenne viele Sekten, die so entstanden sind", so Zulehner.

Aus: Mitteilung der Erzdiözese Wien, 3.7.2002
Quelle: http://stephanscom.at


Plattform "Wir sind Kirche" nach wie vor auf Distanz zu illegalen Weihen

In verschiedenen Medienberichten der letzten Tage wurden die Aussendungen der österreichischen und deutschen Wir-sind-Kirche-Bewegungen dahin gehend richtig wiedergegeben, dass beide Gruppen die Ursache für Auswüchse wie illegale Weihen in der beharrlichen Weigerung der Kirchenleitung sehen, sich ernsthaft mit einem zu erneuernden Amtsverständnis und einer Öffnung dieses Dienstes für Männer und Frauen, verheiratete und zölibatäre Menschen, auseinander zu setzen.

Beide Gruppen sind der Meinung, dass Aktionen wie illegale Weihen ein Signal der Basis gegen ein erstarrtes Amtsverständnis sind und die Kirchenleitung deshalb verpflichtet wäre, mit ernsthaften Gesprächen und nicht nur mit Konsequenzen aus dem Kirchenrecht zu reagieren.

Aus dieser klaren Haltung der Kirchenvolks-Bewegungen wird teilweise der Schluss gezogen, dass die Plattform "Wir sind Kirche", entgegen ihrer Presseaussendung vom 5. Juni 2002, ihre Haltung zu den "Priesterinnenweihen" vom 29.6.02 geändert habe. Dies ist nicht der Fall, wie der Aussendung vom 30.6.2002 zu entnehmen ist. Die Plattform "Wir sind Kirche" distanziert sich nach wie vor in aller Klarheit von den illegalen Weihen, hält aber zugleich die Kritik an der Haltung der Kirchenleitung aufrecht, die derartige Auswüchse provoziert. Kritik an der Kirchenleitung und die Aufrechterhaltung unserer Forderungen darf nicht als Zustimmung zu Aktionen wie illegale Priesterinnen- oder Bischofsweihen interpretiert werden.

Ich ersuche dringend, in Artikeln und Meldungen falsche Darstellungen unserer Haltung, sofern dies geschehen ist, zu berichtigen.

Mit freundliche Grüßen
Ingrid Thurner, Vorsitzende

Plattform "Wir sind Kirche"
A-6111 Volders, Hochschwarzweg 28
Tel.&Fax: +43 5224 56702
eMail: i.thurner@tirol.com
HP: www.we-are-church.org/at


Von Reue keine Spur
Den auf der Donau geweihten Priesterinnen droht Exkommunikation

Dass die Priesterinnenweihe auf dem Donauschiff MS Passau ein Erfolg über die Erfüllung persönlicher Weihe-Wünsche hinaus gewesen ist, konnte man bisher nicht sagen. Selbst katholische Reformgruppen, die für das Priestertum der Frau kämpfen, gingen auf Distanz: Die "Initiative Kirche von unten" (IKvu) zog ihre Unterstützung zurück, "als sich abzeichnete, dass das Vorhaben im Dunstkreis einer Sekte verfolgt wurde"; die Kirchenvolksbewegung wertete das Ereignis als "in vieler Hinsicht zu hinterfragen". Zelebrant Romulo Braschi, der "katholisch-charismatische" Bischof aus Argentinien, erschien als unseriös; hinzu kamen die Geheimniskrämerei, das magische Priesterverständnis, schließlich die 100 Euro Eintrittsgeld für den Gottesdienst. Selbst die taz fand, die Aktion habe "die Diskussion über Frauen am Altar diskreditiert": "Hoffen und beten wir, dass die Aktion auf dem Dampfer bald vergessen sein wird."

Nun aber haben die Frauen einen mächtigen Verbündeten gefunden, der die Aktion im Gespräch hält: Kardinal Joseph Ratzinger, den Präfekten der Glaubenskongregation im Vatikan. In einem "Mahnschreiben" hat er den Frauen ein Ultimatum gesetzt: Bis zum 22. Juli, dem Tag der Jesus-Begleiterin Maria von Magdala, sollen die sieben Frauen die Nichtigkeit ihrer Weihe anerkennen und um "Verzeihung bitten für das bei den Gläubigen verursachte Ärgernis". Die Priesterinnenweihe sei die "Simulation eines Sakraments" und stelle einen "schweren Verstoß gegen die göttliche Verfassung der Kirche dar". Gibt es bis zum heutigen Montag keine Entschuldigung, droht den Frauen der Ausschluss aus der Kirche, die Exkommunikation.

Die jedoch denken überhaupt nicht an Reue. Ein Exkommunikationsverfahren wäre nicht schlecht, sagt Gisela Forster, die deutsche Sprecherin der Frauen, dann könne man endlich einmal den Kirchenoffiziellen die Beweggründe der Weihe erklären. Gemeinsam mit der österreichischen Mitstreiterin Christine Mayr-Lumetzberger hat sie einen langen Brief an die Glaubenskongregation geschickt: "Wir sind nicht vom Glauben abgefallen, wir haben keinen Irrglauben verbreitet, und wir sind nicht abtrünnig geworden", schreiben sie. Am heutigen Montag um zehn Uhr wollen die auf der Donau geweihten Priesterinnen ihre Antwort an Ratzinger vor dem erzbischöflichen Ordinariat in München veröffentlichen. Und damit auch die Fotografen was zu knipsen haben, wird eine "farbige Installation" mit dem Titel "Ratzinger und die Priesterinnen" zu sehen sein - Kunst vor der Kirchenverwaltung, sozusagen.

Im Innern des Ordinariats ist nicht jeder glücklich mit dieser Entwicklung - Gisela Forster wohnt in Berg am Starnberger See und damit gerade noch im Münchner Erzbistum. Vor allem vom besonnenen Generalvikar Robert Simon heißt es, er wäre lieber nach Karl Valentins Motto "noch nicht mal ignorieren" verfahren, solange Gisela Forster nicht als römisch-katholische Priesterin öffentlich auftritt. Läuft das Exkommunikationsverfahren, drohen wenig schöne Schlagzeilen: Hier die starre Kirchenmacht, dort die Opfer - die Frauen. Sollten die Neu-Priesterinnen noch Eintrittsgeld von der Weihe-Feier übrig haben, sollten sie einen Blumenstrauß nach Rom schicken: Besseres als Ratzingers forsches Vorgehen konnte ihnen nicht passieren. (Matthias Drobinski)

Aus: Süddeutsche Zeitung, 22.7.2002
Quelle: http://www.sueddeutsche.de


"Priesterinnen" Teil eines Untergrundnetzwerkes in der Kirche
Noch ein illegaler Bischof in Oberösterreich!

OLMÜTZ/LINZ. Die vor drei Wochen auf einem Donauschiff spektakulär inszenierte "Priesterinnenweihe" ist offenbar nur der sichtbare Teil einer Untergrundkirche in Österreich. Dieser gehören mehrere Priester und in Oberösterreich sogar ein geheimer Bischof an - geweiht vom ehemaligen slowakischen Geheimbischof Dujan Spiner!

Die sieben Frauen hatten wie berichtet am 29. Juni in Passau vergeblich auf einen dritten Bischof gewartet, der neben Vagantenbischof Romulo Braschi und dem erst im Mai in Scharnstein illegal geweihten "Bischof" Ferdinand Regelsberger an der "Frauenweihe" teilnehmen sollte: Dujan Spiner, ehemaliger Bischof der tschechoslowakischen Untergrundkirche und im vergangenen September wegen Verbreitens von Irrlehren suspendierter Priester.

Das VOLKSBLATT hat Spiner im tschechischen Olmütz gefunden. Erstmals sagt er jetzt, warum er nicht gekommen ist: "Es war unmöglich, weil ich ein paar Kilometer vor Passau in einem Pfarrhaus festgehalten wurde." Spiner hatte vor der "Priesterinnenweihe" einen Innviertler Pfarrer besucht. Und dieser hätte ihn an der Weiterfahrt nach Passau gehindert. Spiner: "Er hat mein Auto in die Garage gesperrt, ich konnte nicht mehr weg." Erst am Nachmittag, als das Spektakel auf der Donau vorbei war, durfte Spiner das Pfarrhaus verlassen. Nach einem Kanada-Urlaub will er nun Mitte August die "Ober-Priesterin" Christine Mayr-Lumetzberger besuchen, um ihr alles zu erklären. Spiner: "Es tut mir leid."

Die Identität des Innviertler Pfarrers gibt der Slowake nicht preis. Warum? "Weil es auch andere Probleme gibt", so Spiner kryptisch. Welche Probleme? "Da sind auch noch meine Priester." Wie bitte? "Ja, ich habe in Österreich Priester und einen Bischof!" In einem langen Gespräch lässt sich Spiner das Geheimnis entlocken. Schon vor dem Fall des Eisernen Vorhanges habe er mehrere Österreicher zu Priestern geweiht - angeblich mit dem Sanktus des Vatikan. Einen dieser Priester habe er zum Bischof geweiht. Dieser arbeite nun als Pfarrer in Oberösterreich. Die Identität des Bischofs bleibt ebenso geheim wie dessen Auftrag. Nur so viel sagt Spiner: "Er ist vorbereitet für eine andere Situation in der Kirche."

Zu dieser "anderen Situation" gehören auch Priesterinnen. "Sicher" wolle er, dass Frauen Priester werden könnten, "das ist meine Herzensangelegenheit", sagt Spiner und beteuert zugleich, dass er auf der "MS Passau" nur an der Messe teilgenommen, aber selbst keine Weihehandlung vorgenommen hätte. Dem suspendierten Priester war der Rummel um die ganze Aktion nämlich schon zu groß geworden: "Es gibt so viel Propaganda, ich muss im Untergrund bleiben." (Manfred Maurer)

Aus: Neues Volksblatt, 22.7.2002
Quelle: http://www.volksblatt.at


Jetzt muss Rom doch diskutieren

Vatikan, die Kirche und die Priesterinnen. Nachgefragt bei dem Theologen Peter Eicher. Der aus der Schweiz stammende verheiratete Theologe ist Professor für Katholische Theologie an der Universität Paderborn (Interview: Thomas Seiterich-Kreuzkamp).

? Rom reagiert scharf auf die Priesterinnenweihe. Die Glaubenskongregation forderte reumütige Umkehr bis 22.Juli. Sonst erfolge Exkommunikation, also Ausschluss aus der Kirchengemeinschaft. Gibt es denn auch etwas Gutes an der Vatikan-Reaktion?

! Es scheint, dass in Rom Zweifel besteht, ob die Weihegewalt nicht doch den Frauen übertragen worden ist. Rom erscheint diese Weihe zwar »verboten«, aber »dennoch wirksam«. Und da kommt das römische Kirchenrecht ins Spiel: »Einen Entzug der Weihegewalt kann es nicht geben.« Das heißt, in Rom besteht keine volle Klarheit darüber, ob nicht doch Menschen geweiht werden sollen und nicht nur Männer. Sehr gut ist, dass Rom prinzipiell durch die Fristsetzung anerkannt hat, dass überhaupt diskutiert werden muss. Außerordentlich zu bedauern ist, dass diese Frist nicht zwei Jahre betrug, sondern im Grunde genommen nur zwei, drei Wochen.

? Für die reuige Abbitte?

! Eine Frist soll eigentlich ermöglichen, dass alle theologischen Fakultäten der Welt und alle Synoden, so wie das in der katholischen Tradition vorgesehen ist, gründlich beraten, was eine Situation erfordert, in der hoch verantwortliche Frauen vor Gott und den Menschen ihre Berufung wahrnehmen.

? Was steht zur Debatte?

! Die Festlegung des Papstes im Schreiben Mulieris Dignitatem »Über die Würde der Frau« und die Erklärung Inter insigniores der Kongregation für die Glaubenslehre, dass nur Männer Zugang zum Priesteramt haben. Das hierüber von Rom offiziell verhängte Diskussionsverbot hat Rom nun selber aufgehoben. Dies ist erfreulich!

? Was ist schlecht an der Reaktionsweise Roms?

! Rom verkennt, dass Exkommunikation heute Einschließung der Ausgeschlossenen in alle Medien, alle Köpfe, ja, ich glaube, in alle Herzen bedeutet. Exkommunikation heißt nämlich, dass jemand an einem bestimmten Ort nicht mehr tätig sein und sich dort nicht mehr aufhalten darf. Wird heute eine Exkommunikation ausgesprochen, dann sorgen die Medien dafür, dass der oder die davon Betroffene an jedem Ort, in jedem Kopf und Herzen gegenwärtig sind. So verhält es sich mit den sieben Frauen, die jüngst ordiniert wurden. Sie sind jetzt im Zentrum der Gemeinden. Dies macht Hoffnung. – Ironisch gesprochen: Roms Exkommunikation ist zu begrüßen, denn nun sind die Frauen – für Rom – satisfaktionsfähig. Vorher wurde ihr Anliegen in Rom nicht einmal wahrgenommen.

? Konflikte im Umfeld der Priesterinnenweihe zeigen, dass kirchenreformerische Bewegungen insbesondere in Österreich, aber auch in Deutschland und den USA, in Sachen Priesterinnen gespalten sind. Wie, meinen Sie, ist mit den neu geweihten Priesterinnen umzugehen?

! Nun müssen Frauen sich nicht mehr rechtfertigen, wenn sie sich weihen lassen. Die Rechtfertigungspflicht kehrt sich um. Männer, die ein ausschließlich Männern reserviertes Priesteramt anstreben, geraten in Legitimationsnöte. – Wir brauchen Priesterinnen und Priester in den Gemeinden. Frauen sind oft sensibler, begabter für Liturgie und Seelsorge. Wir können nicht auf sie verzichten. Es haben sich diejenigen Männer vor Gott, der Welt und der katholischen Kirche zu rechtfertigen, die Frauen am Priestersein hindern – und nicht Frauen, die sich weihen lassen. Um so mehr, als Jesus von Nazareth ein sakrales Priestertum ohnehin überflüssig gemacht und es durch die priesterliche Würde aller Menschen aufgehoben hat. – Und da danke ich insbesondere der Neupriesterin Ida Raming, weil sie ihr ganzes Theologenleben der Frauenpriesterfrage gewidmet hat.

? Wer wird in der real existierenden katholischen Weltkirche Priesterinnen durchsetzen?

! Es gibt in den Kirchen der Dritten Welt de facto die Priesterinnen längst. In unzähligen Gemeinden leiten Frauen die Seelsorge und Gemeindearbeit. Die Frauen selbst werden – nach theologischen und traditionspolitischen Abwehrgefechten – das Priesterinnenamt durchsetzen.

Aus: Publik-Forum, 26.7.2002
Quelle: http://www.publik-forum.de


Weihewilliges Talent
FRAUEN ALS PRIESTERINNEN

Vertreterinnen weiblichen Geschlechts haben wenig Chancen, in der katholischen Kirche Karriere zu machen. Um das zu ändern, ließen sich vor rund einem Monat sieben Frauen zu illegitimen Priesterinnen weihen. Gisela Forster ist eine von ihnen.

Passau, nahe der deutsch-österreichischen Grenze. Während sich oben in der Domkirche gerade eine Gruppe Männer zu Priestern weihen lässt, legt unten am Ufer der Donau die MS Passau an. Die Stimmung der Schiffsbesatzung ist ausgelassen. Am Ufer wartende kirchliche Fundamentalisten können nicht fassen, was sich an Bord ereignet hat: Nach wilden Polemiken, Drohungen und Disputen im Vorfeld, haben sich sieben katholische Frauen gegen geltendes Kirchenrecht zu Priesterinnen weihen lassen. Unter ihnen Gisela Forster, Sprecherin der deutschen Weihekandidatinnen. Die Zeremonie auf dem Fluss verläuft so, wie sie es sich ausgemalt hat. Während sich das Schiff durch die Wellen pflügt, werden Hände auf Häupter gelegt und Öle gesegnet. Das Gesicht flach nach unten, legen sich die Frauen mit ausgestreckten Armen - als Zeichen der Demut - auf den Boden. Im Raum hängt der Duft von Weihrauch und Kerzen. Am Ende der feierlichen Zeremonie tragen die Frauen ein seidenes Priestergewand und eine Stola am Leib. Romulo Braschi, ein von Rom nicht anerkannter Bischof, hat vor rund 200 Zuschauern alles zelebriert, was zu einer katholischen Weihe gehört.

Den Wunsch, katholische Priesterin zu werden, hat Gisela Forster lange in sich getragen. Wie bei ihren anderen Mitstreiterinnen hat ihre Weihe eine bewegte Vorgeschichte. Der Weg zu der vielleicht schillerndsten Figur unter den Neu-Priesterinnen führt nach Berg am Starnberger See. Eine urkatholische Gegend mit hohen Grundstückspreisen und einer hohen Dichte an Prominenz. Der Physiker Carl-Friedrich von Weizsäcker und Loriot wohnen in Berg, Heinz Rühmann hat hier seinen Lebensabend genossen. Gisela Forster fällt in dieser Umgebung aus dem Rahmen. Sie ist Bildhauerin, Architektin, Philosophin und streitbare Katholikin. Die Oberbayerin wohnt in einem verwinkelten Haus Marke Eigenbau. Beim Eintreten breitet sich eine wundersame Welt aus. An der Küchendecke öffnet sich ein barocker Himmel. Eine fröhliche Engelschar schaut im Rund andächtig herab. Musikinstrumente und Tonplastiken liegen kunstvoll verstreut im Raum. Eine Villa Kunterbunt soll das sein , in der ein grüner Papagei aus einem Käfig alle paar Minuten mal ein kehliges "Hallo" durch den Raum schickt. An diesem Ort hat Gisela Forster die Weihe minutiös vorbereitet.

Das "Projekt Priesterinnenweihe" erfordert eine Portion Härte, Unabhängigkeit, ja Rücksichtslosigkeit im Blick auf die Folgen für die Kirche und sich selbst. "Der Wunsch, katholische Priesterin zu werden, ergibt sich fast zwangsläufig aus meiner Biographie", sagt Gisela Forster. Als junge Frau erfährt sie die Kirche positiv. "Ich hatte immer eine Schwäche für musikalisch umrahmte Feste, Prozessionen und wallende Gewänder", erinnert sie sich. Sie macht daraus kein Geheimnis. Nach einer frühen, kurzen Ehe, aus der ein Sohn hervorgeht, verliebt sie sich in den Schulleiter des katholischen Gymnasiums, an dem sie als Kunsterzieherin arbeitet. Er ist Benediktinermönch. 17 Jahre erfährt niemand etwas von der Beziehung zwischen der Lehrerin und dem Pater. "Das ganze endete dramatisch mit der fristlosen Kündigung, als herauskam, dass ich bereits zwei Kinder vom Schuldirektor hatte." Als sie schließlich standesamtlich heiraten, wird auch ihr Mann, Anselm Forster, immerhin 35 Jahre Mönch, entlassen. Heute leitet er wieder eine Privatschule. "Ein charismatischer Mann", Forster zeigt auf ein Schwarz-Weiss-Foto an der Zettelwand in ihrer Küche, das ihren Mann im Kreise seiner damaligen Mitbrüder zeigt.

Die fristlose Kündigung war ein harter Schlag. Kinder von einem katholischen Priester als Kündigungsgrund - das versteht Forster nicht. "Ich dachte, dass es mich auszeichnet, die Kinder nicht abgetrieben, sondern großgezogen zu haben. Von der Kirche habe ich dafür nicht mal Geld erhalten. Ich fühlte mich eher als Heldin. Nun war ich plötzlich die Böse", sagt sie mit heute noch spürbarer Erregung. Elf Jahre versuchte sie vergeblich, gegen ihrer Entlassung aus der Klosterschule zu prozessieren.

Finanziell unabhängig, als Besitzerin mehrerer geerbter Häuser, kann sie ihre Studien in Philosophie und Architektur fortsetzen und lässt sich zusätzlich als Altenpflegerin ausbilden. "Um mich selbst wieder zu fangen, habe ich angefangen, in einer Alzheimer-Station zu arbeiten. Diese Menschen sprechen frei vom Herzen. So lernt man Menschen wirklich kennen." Forster möchte bewusst eine "Arbeit ganz unten" ausüben. "Am Sterbebett wurde mir meine priesterliche Sendung bewusst", bekennt Forster, die auch heute noch ambulant in der Sterbehilfe mit eigenen Patienten arbeitet.

Zur Priesterin "berufen" fühlt sie sich nach eigenen Worten nicht, redet lieber vom Talent. Ihre Vielseitigkeit ist es, die Gisela Forster so schwer zu fassen macht. So wie ihr nie fertig werdendes Haus. Hingeworfen wie eine launige Performance, führen Treppen in ungeahnte Räume, hinter Türen öffnen sich kuriose Welten. Papagei und Trompete, Theaterlibretti und Kirchenmanifeste - ein Versuchslabor für Lebensentwürfe.

Die fristlose Kündigung durch die Folgen des Zölibats verstärkt in ihr das Bedürfnis, "das System Kirche etwas zu ändern." An ihrem Küchentisch in Berg entsteht in nur fünf Tagen das Buch Ein Sprung in der Kette - Vom Zölibat betroffene Frauen und Priester durchbrechen ein Tabu. Schon früh beginnt Forster in reformkirchlichen Zirkeln mitzuarbeiten, die heute als Mitauslöser der Idee einer Priesterinnen-Weihe zählen. "Die Stimmen wurden jedoch immer schwächer, somit auch die Rufe nach Gleichberechtigung der Frau in der Kirche", erinnert sie sich.

Eine Gruppe von Frauen wird nun selbst aktiv. 1999 beginnt die Linzerin Christine Mayr-Lumetzberger mit einem "Ausbildungskurs für weihewillige Frauen". Von der Öffentlichkeit unbemerkt, nimmt Gisela Forster zusammen mit Frauen aus mehreren Ländern über drei Jahre im Ambiente eines alten Klosters an einem eigens auf sie zugeschnittenen Ausbildungsprogramm teil und legt bei katholischen Theologen eine Prüfung ab. Immer wenn ihr Mann Anselm Zeit hat, gesellt er sich dazu. "Wir wollten keine Selbsthilfegruppe aufbauen. Es sind Frauen, die sehr früh bemerkt haben, dass ihnen in der Kirche etwas fehlt, nämlich Mitsprache und Anerkennung", sagt Forster über die Beweggründe ihrer Kolleginnen. Für die Kandidatinnen gelten harte Bedingungen. Nur Frauen, die wirtschaftlich abgesichert sind, falls sie durch die Kirche eine Anstellung verlieren, dürfen dabei sein. "Wir wollen keine Arbeitsprozesse. Denn bei der Kirche verliert man immer alles", sagt Forster nicht ohne bitteren Unterton. Alle sind theologisch ausgebildet. Gisela Forster hat in Religionsphilosophie über Augustinus doktoriert. Ein Wechsel zu den Protestanten oder zu den Altkatholiken, wo Frauen längst geistliche Ämter ausüben, würde Forster viel Ärger ersparen. Sie aber will Ärger. "Die katholische Kirche mit ihren Traditionen ist mir am nächsten", sagt sie.

Unerwartet starke Kritik kommt Gisela Forster anlässlich der Weihe jedoch nicht von der Amtskirche entgegen, sondern ausgerechnet von Teilen der Bewegung, die als Mitinitiator für die Weihe gilt: der Kirchenvolksbewegung "Wir sind Kirche". Als 1995 in deren Forderungskatalog das Priesteramt für Frauen genannt wurde, war die Zustimmung groß. "Wir wollen soweit sein, wenn es soweit ist", hieß es damals. Doch jetzt stellt die österreichische Plattform von Wir sind Kirche klar, "dass derartige Aktionen von ihr weder initiiert noch gut geheißen werden." Die Initiative Kirche von unten (IKvu), die die Frauenweihe anfangs mitgetragen hat, kritisiert die fehlende Seriosität der Weihbischöfe und fehlende Abstimmung mit kirchlichen Reformgruppen. Gisela Forster muss beobachten, wie ihr Vorhaben in den eigenen Reihen zu Spaltungen führt. Das enttäuscht sie tief.

Nach ihrer Weihe in Passau ist Gisela Forster in ihrem Haus am Starnberger See erst einmal abgetaucht. Eindrücke sortieren. Sätze aus offiziellen kirchlichen Stellungnahmen wie "Sektenschwindel" oder "Wir ignorieren das" hallen in ihr nach. Neben Drohbriefen hat sie jedoch auch Berge an zustimmender Post erhalten. Auch ihr Mann Anselm, der bei der Weihe im Priestergewand dabei war, spendet Kraft. Sie erinnert sich an ihr "Ja", als sie gefragt wurde, ob sie die priesterlichen Dienste ein Leben lang ausüben wolle. Die Starnberger Hautevolee hat inzwischen schon angefragt, ob sie Schiffe und Gebäude, die längst auf den kirchlichen Segen warten würden, weihen könne. "Es haben sich auch schon einige zum Beichten bei mir angemeldet, und die meinen das durchaus ernst", beteuert Forster.

Wie immer Rom reagieren wird, die ausgebildete Altenpflegerin wird weiterhin in der Randseelsorge tätig sein. "Natürlich werde ich versuchen, auch einmal eine Eucharistiefeier zu halten. Sollte sich die Ortskirche aber dagegen aussprechen, werde ich es akzeptieren", sagt sie. Niemand kann jedoch verhindern, dass die streitbare Katholikin ihrem Lebensprinzip treu bleibt: weiterhin gegen den Stachel zu löcken.

In allen Institutionen brauche es Menschen, die etwas vorpreschen und Spuren für andere legen, sagt sie. Noch immer steht das Wort Exkommunikation im Raum. Gisela Forster weiß genau: "Man kann nur aus den bestehenden Strukturen heraus die Kirche reformieren, nicht von außen." Trotz aller Unwägbarkeiten strahlt sie eine gewisse Zuversicht aus. Sie verweist auf das Donauschiff, auf dem die Weihe stattgefunden hat, während sie zu Wasser Landes- und Bistumsgrenzen überschritten. "Eine alte kirchliche Weisheit heißt: Die Kirche ist ein Fluss, der sich sein Bett selbst sucht." (Vera Rüttimann)

Aus: FREITAG, 26.7.2002
Quelle: http://www.freitag.de


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