Gisela Forster:

Im Dienst der Versöhnung:
Lasst uns nicht teilen, sondern vereinen.


Die Frauenpriesterweihe wird von Rom zum Anlass genommen, die römisch-katholische Kirchenwelt zu verängstigen und den Menschen zu drohen, dass ein Schisma, eine Kirchenspaltung, bevorsteht. Während aus den Reihen der Frauen, die sich zur Priesterin weihen lassen, deutlich das Wort: Wir wollen mit unserem Schritt zur Priesterin etwas Positives Vereinendes bewirken, kommt, verfolgt die Amtskirche mit ihrer Schismadrohung ihre seit Jahrhunderten angewandte Taktik: TEILE und HERRSCHE, trenne die Menschen, schiebe einzelne beiseite, strafe die nicht ganz Linientreuen und verspotte diejenigen, die sich Gedanken machen.

Der Bespiele für diese Vorgehensweise sind viele:

Nun droht Rom Gewalt gegen die Frauen anzuwenden, die eine Reform des Canon 1024 fordern, eine Reform, die beinhaltet, dass die Frau in der römisch-katholischen Kirche gleichberechtigt und zu allen Ämtern zugelassen werden soll.

Und Rom setzt mit besonderer Strenge wieder bei ihren eigenen Mitbrüdern an: Die Bischöfe, die bereit sind uns Frauen zu weihen, werden als "Vagante", "Umtriebige", "Heimatlose", "Verstoßene", "Ketzer", "Abtrünnige" dargestellt, um ihre Handlungen von Anfang an herabzuqualifizieren. Rom achtet nicht, sondern polarisiert. Die Mächtigen der römisch-katholischen Kirche versuchen uns zu schwächen, indem sie vorgeben, zwischen "echten" Bischöfen und anderen unterscheiden zu müssen.

Rom hört sich nicht die Argumente der Gegenseite an, überprüft, wie bei den entlassenen Priestern nicht die Kompatibilität zwischen Gesetz und Amtsausübung, analysiert nicht das seit Jahrhunderten in Katastrophen mündende Gesetz der zölibatären Keuschheit, das so viel Unheil angerichtet hat, wie kaum ein anderes Gesetz, Rom ist nicht bereit, zu diskutieren, sondern handelt weiter nach dem unseligen Satz: ROMA LOCUTA, CAUSA FINITA - ein undemokratischer, menschen- und gedankenfeindlicher Irrtum. Rom handelt damit bewusst gegen die Regierungen der Welt, die längst erkannt haben, dass nur offene und unvoreingenommene Diskussionen die Menschheit in ihrer Einheit einander näher bringen.

Wir Frauen, die wir in dem Patmos-Buch Wir sind Priesterinnen mitschreiben, setzen diesen trennenden und zerstörenden Kurs der katholischen Amtskirche nicht fort:

... und wir stehen zu unseren Bischöfen. Die Bischöfe, die uns weihen, stehen in der römisch-katholischen Sukzession. Sie können damit die Kraft weitergeben, die für die Priesterinnenweihe notwendig ist. Wir achten unsere Bischöfe, ihre Geschichte, ihre Motivation. Unsere Bischöfe sind mit der Amtskirche dornige Wege gegangen, haben notwendige Freiheiten und Rechte für die Menschen gefordert. Sie wurden hart gefordert, haben aber nicht resigniert. Sie stecken nicht zurück, sie geben nicht auf, auch wenn sie beschimpft werden sollten, oder wenn ihnen von der römisch-katholischen Amtskirche Hass und Spott entgegenkommt. Sie wissen, dass Reformen nur geschehen, wenn sich einzelne mutige Menschen zu ihnen bekennen und ihre Überzeugungen auch durchführen, auch wenn die Amtskirche meint, in Panik verfallen zu müssen. Unseren Bischöfen und uns ist bewusst, dass wir den Paragraph Canon 1024 nicht länger bereit sind, einzuhalten. Dieser Gesetzesteil muss weg ebenso wie die anderen Kirchengesetze, die sich als nicht lebbar und menschenfeindlich gezeigt haben (Zölibatsgesetz - Unauflöslichkeit der Ehe ...)

Mit unserer angestrebten Reform ist kein Schisma verbunden. Wir geweihten Frauen stehen voll hinter der Frohbotschaft Jesu Christi, wir stehen im Einklang mit vielen Philosoph/innen und Theolog/innen der katholischen Kirche ... und wir haben die Kirchenbasis hinter uns.

Wir trennen nicht, wir vereinen. Wir handeln im Dienst der Versöhnung.


Dr. Gisela Forster ist die deutsche Sprecherin der Gruppe "Weiheämter für Frauen" und Mitherausgeberin des Buches "Wir sind Priesterinnen" (Patmos-Verlag, Düsseldorf 2002). Ihre Zusicherung in diesem Text und bei ihrem Besuch der IKvu-Frühjahrsversammlung 2002, die "weihenden Bischöfe" stünden in der "römisch-katholischen Sukzession", konnte sie allerdings nicht aufrechterhalten. Die Erzdiözese München-Freising hat inzwischen eine "Einstweilige Verfügung" gegen die Behauptung, es handle sich um "römisch-katholische Bischöfe", erwirkt.Virtuelle Diözese

Linkhinweis: http://www.virtuelle-dioezese.de


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