Romulo Braschi

"exkommuniziert", "Schismatiker", "Sekten-Bischof"?
Zur Debatte um "Bischof" Romulo Braschi

Die folgenden Informationen wurden von Dr. Gisela Forster, der deutschen Sprecherin der Gruppe "Weiheämter für Frauen", zur Verfügung gestellt. Kritische Stellungnahmen zu "Bischof" Braschi gibt es im IKvu-SPECIAL "Priesterinnenweihe und Frauenordination" (Anm.: Thomas Wystrach).

Letzte Aktualisierung: 23.03.2003


"Meine Bischofsweihe"

Romulo Braschi im Gespräch mit Gisela Forster und Werner Ertel über die Einzelheiten seiner Weihe durch den argentinischen Bischof Geronimo Podesta am 30. Januar 1999.

Es wird kaum kühler am Abend jenes heißen Julitages, an dem die Sprecherin der deutschen Priesterinnen, Gisela Forster und der Berichterstatter die engen, steilen Stufen zur kleinen Vorstadtwohnung Romulo Braschis emporsteigen. Unter dem Dach haben sich der argentinische Bischof und seine Frau Alicia eingemietet, auf vielleicht 65m2 - mehr braucht ein "episcopus vagans" nicht, der "umherstreifend" dauernd unterwegs ist zu seinen Gemeinden in Deutschland, Spanien und Brasilien.

Es geht um Details zu der immer wieder gestellten Frage, was für ein römisch-katholischer Bischof er sei, und wie authentisch seine Weihe durch den argentinischen römisch-katholischen Bischof Geronimo Podesta sei. Eine Bestätigung der Rechtsanwältin Dr. Edelmira Pietropaolo aus Buenos Aires über die Echtheit der Weihe liegt als Faxnachricht vom Mai 2002 vor; der eigentliche Notariatsakt, der unmittelbar nach der Weihe angelegt wurde, wird noch nachgeschickt.

"Es war an diesem 30. Januar 1999, als sich Bischof Geronimo Podesta mit seiner Frau Clelia bei uns angesagt hatte", schaut Romulo zu seiner neben ihm sitzenden Frau Alicia, wie um ihre Erinnerung an diesen wohl bemerkenswertesten Tag in seinem Leben zu wecken. Podesta - bald danach verstorben - war Vorsitzender der argentinischen Vereinigung der verheirateten "Priester ohne Amt" gewesen - ein suspendierter, verheirateter Bischof, der um sich seine Herde, die amtsenthobenen, verheirateten Priester, scharte.

"Schon beim festlich gedeckten Abendtisch fiel mir auf, dass Podesta ungewöhnlich ernst und feierlich den Segen über das Mahl sprach, so als ob er etwas besonderes vorhätte", fährt Romulo fort und nimmt einen Schluck Fruchtsaft an dem kleinen, runden Tisch. Das Abendessen sei zwanglos in eine Eucharistiefeier am selben Tisch übergegangen: Geronimo habe die Wandlungsworte über Brot und Wein gesprochen, so dass man nun ehrfurchtsvoll das Blut Christi aus denselben Gläsern mit Rotwein getrunken habe.

Nach diesem Abendmahl - für Romulo und Geronimo war es das letzte - begaben sich die Diakone, einige Kinder, Romulo, Alicia und Clelia auf die Terrasse. Zurück blieb in einem Fauteuil im Speisezimmer ein in sich versunkener Geronimo Podesta. "Plötzlich hörte ich seine Stimme befehlend rufen: 'Romulo, wo bist du? Komm her!' und ich eilte zu ihm. Er schickte alle hinaus, auch seine Frau, die jedoch immer wieder die Nase zur Tür reinsteckte, weil sie sehr neugierig war und wissen wollte, was ihr Mann da vorhatte. Dann sagte er mir, er kenne mich zwar schon lange - wir hatten uns gemeinsam in den Siebzigerjahren gegen die Militärdiktatur gestellt - aber er wisse gar nicht so genau, was ich seelsorglich zur Zeit so alles mache. Er habe gehört, dass ich mich der Charismatischen Erneuerung in der Kirche verschrieben habe, dass ich Menschen die Hände auflege und um Heilung für sie bete."

Weihe im Speisezimmer
Dann fuhr er fort: "Romulo, du sollst Bischof werden. Ich möchte dich zum Bischof weihen, damit du künftig das tust, was ich nicht mehr tun kann: du sollst Frauen weihen und bewährte, verheiratete Männer. Das wird die Kirche der Zukunft sein, damit wird die Versorgung der Gemeinden mit Eucharistiefeier und Sündenvergebung gesichert sein und es wird endlich eine Gleichberechtigung der Frauen in unserer römischen Kirche geben. Ich erwiderte ihm mein 'Ich bin bereit', und dann ließ er alle anderen hereinkommen. Clelia fragte noch verwundert: 'Geronimo, was hast du vor?' Er erhob sich aus dem Lehnstuhl, ich kniete vor ihm nieder. Er war ja fast 2 Meter groß, eine imposante Erscheinung - seine Familie stammte aus argentinischen Patrizierkreisen. Dann holte er mit seinen Händen groß aus und legte sie mir auf, fest und intensiv."

"Ja, er stand da mit geschlossenen Augen, ich war unmittelbar neben Romulo und konnte das sehen", ergänzt Alicia, die Romulos Erzählung Wort für Wort vom Spanischen ins Deutsche übersetzt. "Dann", so Romulo, "betete er das Weihegebet in lateinisch und sagte zu allen Anwesenden: 'Wir haben einen neuen Bischof'. Er umarmte mich ganz herzlich. Die Leute klatschten und dann umarmten mich alle." Alicia nickt zustimmend, lächelt ihr gewinnendes, wissendes Lächeln. Sie assistierte ihrem Mann bei der Priesterinnenweihe am Donauschiff am 29.Juni 2002 und begleitet ihn zu allen seinen Pastoralreisen.

In diesen Tagen sind die beiden schon wieder unterwegs zu den Gemeinden der "katholisch-apostolischen, charismatischen Kirche Jesu König" in Spanien - einer Glaubensgemeinschaft, der sich Romulo Braschi bald nach seiner Entlassung aus dem Kerker der Militärdiktatur Ende der Siebzigerjahre anschloss. Tief enttäuscht vom Verrat der römischen Kirche am argentinischen Volk, vor allem an den einfachen Arbeitern, an den Armen und Besitzlosen, hatte er seinen eigenen Weg einer charismatischen Erneuerung des Menschen aus dem Heiligen Geist gesucht. Er rückte von Rom und der romtreuen Hierarchie seiner Heimat ab - ohne jedoch zu verleugnen, dass er ein römisch-katholischer Bischof sei, von Geronimo Podesta gültig - wenn auch unerlaubt - am 30.Januar 1999 zum römisch-katholischen Bischof geweiht.

Kein Schismatiker
"Ich bin kein Schismatiker", so Romulo zu der Erklärung Kardinal Ratzingers, nach der sieben Frauen am 29. Juni auf einem Donauschiff "von einem schismatischen Bischof" geweiht worden seien. "Ich habe mich nie offiziell von Rom getrennt, bin auch nie vom Vatikan exkommuniziert worden. Ich gehe in meiner Seelsorge allerdings eigene Wege". Ob diese Wege eher Gottes Wege sind als der momentane Kurs der römischen Kirche, wird sich - wie so oft in der Geschichte - wohl erst später zeigen. Dreihundert Jahre hatte es gedauert, bis Galileo Galilei von der Kirche rehabilitiert wurde, nur wenig mehr als drei Jahre allerdings währte die Verbannung des französischen Bischofs Jacques Gaillot in die im Wüstensand versunkene Diözese "Partenia".

Natürlich ist Bischof Romulo Braschi nicht im Päpstlichen Jahrbuch "Annuario Pontifico" als Bischof geführt. Viele der weltweit viertausend römisch-katholischen Bischöfe stehen da nicht drin - und sind trotzdem gültig geweihte Bischöfe, die ihrerseits wieder sakramental gültig Weihen spenden können.

Gerichtsverfahren?
Möglicherweise wird es darüber ein Gerichtsverfahren in Deutschland geben: die Erzdiözese München-Freising übt auf den Düsseldorfer "Patmos"-Verlag Druck aus, das Buch "Wir sind Priesterinnen" von Gisela Forster und Werner Ertel aus dem Verkehr zu ziehen, weil da am hinteren Buchrücken behauptet werde, dass ein "römisch-katholischer Bischof" am 29. Juni die Frauen weihen werde. Und das sei Braschi nicht. Ein Richter wird demnach zu entscheiden haben, ob jemand nur dann römisch-katholischer Bischof sei, wenn er im "Annuario" geführt werde.

Es war eine echte "Nikodemus-Stunde" in Romulos kleiner Wohnung. Seine Augen leuchten, wenn er von seiner Weihe durch Podesta erzählt. Er hatals gültig geweihter römisch-katholischer Bischof sieben Frauen zu römisch-katholischen Priesterinnen geweiht. Und zu Gisela Forster gewandt: "Ihr müsst jetzt selbst entscheiden, wie und wo ihr in Zukunft als Priesterinnen tätig sein wollt". Als "episcopus vagans" hat er keine Diözese, in die er die Frauen inkardinieren könnte, keine Jurisdiktion, mit der er die Neupriesterinnen zum Beichthören oder Messlesen ausstatten könnte. Er sendet sie "wie Schafe unter die Wölfe", so wie Jesus Christus seine Apostel aussandte: schon vor 2000 Jahren war die Hierarchie - die Hohepriester und Schriftgelehrten - der erste und ärgste Feinde von Jesu Jüngerinnen und Jüngern.

Daran scheint sich bis heute nichts geändert zu haben.

Quelle: E-Mail von Dr. Gisela Forster vom 15.7.2002


Presseerklärung der Gruppe: WEIHEÄMTER FÜR FRAUEN
Pressesprecherin für Deutschland: Dr. Gisela Forster
Tel.: +49 8151 970039
e-mail: gisela.forster@campus.lmu.de

Bischof Romulo Braschi:
Weder exkommuniziert noch ausgetreten

Wenn ein gültig geweihter römisch-katholischer Bischof irgendwann einmal eigene Wege geht, sich einer katholisch-charismatischen Bewegung anschließt, wenn er nichts vom Pflichtzölibat für Priester hält, selber verheiratet ist, Frauen zu Priesterinnen weiht, Geschiedenen die Kommunion spendet, wenn er zwar die Unfehlbarkeit des Papstes anerkennt, nicht aber dessen oberste Autorität über alle christlichen Kirchen - dann bleibt er dennoch ein geweihter römisch-katholischer Bischof, der sakramental gültig Priesterweihen spenden kann.

Das eine Jahr Gefängnis in Buenos Aires 1974 hat sein Leben radikal verändert: Romulo Braschi, Jahrgang 1941, römisch-katholischer Priester seit 1966, seelsorglich von Anfang an tätig in Arbeiterpfarren des Industriegebiets von Avellaneda bei Buenos Aires, wurde so wie viele andere Oppositionelle von der Militärjunta ins Gefängnis geworfen, ohne Anklage versteht sich. "Wir waren zu acht in einer engen Zelle, nur Beton, keine Pritschen, ein Klo. Einmal wachte ich nachts auf und lag zentimeterhoch im Abfluss des Klos, der zurückgeleitet worden war. Wenn einer von uns rausgerufen wurde, wussten wir, was ihn erwartete: Folter, Elektroschocks, Scheinhinrichtungen. Viele haben das nicht überlebt, sind verschwunden, draußen ins Meer geworfen worden". Bischof Romulo spricht spanisch, übersetzt von seiner Frau Alicia. Sie leben in einer bescheidenen Vorstadtwohnung in Mitteleuropa, wo er - zwischen den vielen Pastoralvisiten seiner Gemeinden in Brasilien, Spanien, Deutschland - für ein längeres Gespräch Zeit findet.

"Episcopus vagans" nennt die Hierarchie einen so lebenden Bischof verächtlich, als "Subkultur des 20.Jahrhunderts" bezeichnet dies der Sprecher des Erzbistums Wien abwertend. "Nach ungefähr einem Jahr in verschiedenen Gefängnissen kam Mitte 1975 ein Militärgeistlicher im Rang eines Leutnants zu mir, sagte, das Ganze sei ein Irrtum gewesen, da ich offensichtlich kein Kommunist sei. Ich hätte Glück, dass ich noch am Leben sei. Jetzt solle ich verschwinden und ja nicht mehr als Priester unter diesen linken Elementen arbeiten, am besten, ich würde überhaupt nicht mehr in die Kirche zurückkehren". Romulo Braschi braucht nicht zu ergänzen, dass die römisch-katholische Hierarchie Argentiniens, vom apostolischen Nuntius abwärts, zum größten Teil mit der Junta zusammenarbeitete. Dass sich das einflussreiche Opus Dei eindeutig auf seiten der Machthaber stellte. Diese nicht nur für Argentinien typische Anpassung der Kirche an die jeweiligen Machtstrukturen ist spätestens seit Chiles Pinochet bekannt. Ja, irgendwann habe sich die römische Kirche offiziell für diese ihre Haltung während der Militärdiktatur entschuldigt. Und?

Neue Wege
Der marienfromme Weltpriester Romulo Braschi - Mitglied einer Marianischen Kongregation - blieb nach seiner Entlassung aus dem Gefängnis auf Distanz: auf Distanz zum Regime ebenso wie auf Distanz zu jener römisch- katholischen Kirche, die mit dem Regime kooperierte. Er wurde zum Dissidenten. Unter geänderten Vorzeichen erlitten römisch-katholische Priester in der damals kommunistischen Tschechoslowakei ein ähnliches Schicksal: da wie dort gingen sie in den Untergrund, wirkten unerkannt als Seelsorger in Häusern und Wohnungen, misstrauten den Priestern an den Altären der großen Kathedralen.

Romulo Braschi kehrte nicht mehr in seine Pfarre mitten unter den Fabriken von Avellaneda zurück. Als Priester stellte er sich in den Dienst der charismatischen Erneuerung in der katholischen Kirche. Ende der Siebzigerjahre erstarkte, ausgehend von den "Pfingstlern" in Amerika, weltweit die so genannte "Charismatische Bewegung". Im deutschsprachigen Europa war der Theologe Dr. Heribert Mühlen mit seinen Büchern der geistige Vater dieser Bewegung, die auf eine Erneuerung des Christen aus dem Heiligen Geist zielte: des katholischen ebenso wie des evangelischen Christen oder welcher christlichen Bekenntnisse immer. Die Freikirchen und die freien evangelikalen Gemeinden waren die Vorkämpfer einer "charismatischen Kirche". Äußerlich erkannte man die "Charismatiker" an den im Abendland ungewohnten erhobenen Händen beim Gebet, am freien Lobpreisen und Singen, am "Reden in Sprachen" - wie es der Geist eingibt.

Katholisch-charismatisch
In den Ländern der Dritten Welt, besonders in Lateinamerika und Afrika, hatten die Charismatiker - dem Temperament der Menschen entsprechend - besonders starken Zulauf. In Argentinien schloss sich Romulo Braschi 1978 der "Katholisch-charismatischen Kirche Jesus König" an, die sich bald mit der "Katholisch-apostolischen Kirche Brasiliens" vernetzte. Diese brasilianische Ausformung einer geistbewegten Kirche war schon vor dem Zweiten Weltkrieg vom römisch-katholischen Bischof Carlos Duarte Costa gegründet worden. Anfang der Achtzigerjahre lernte Romulo Braschi im brasilianischen Priester Roberto Garrido Padin einen Seelsorger kennen, der spirituell und pastoral auf der gleichen Linie lag wie der charismatische Argentinier. Gemeinsam wollten sie ihr charismatisch-katholisches Gedankengut auch nach Europa bringen und gründeten Gemeinden in Spanien und Deutschland. Der Brasilianer Roberto Padin wurde 1989 zum Bischof geweiht, und zwar von Bischof Manuel Ceja Larnjeira, der seinerseits in der römisch-katholischen Sukzession stand. Padin war zu diesem Zeitpunkt Bischof der "Unabhängigen katholischen Kirche Brasiliens". In dieser Eigenschaft legte er Romulo Braschi im Oktober 1998 in den Räumen der griechisch-orthodoxen Erlöserkirche in München die Hände auf und weihte ihn zum Bischof - zu einem Bischof der brasilianisch-katholischen Kirche mit den Diözesen San Salvador und Bahia.

"Sub Conditione"
Ähnlich wie die Bischöfe und Priester der römisch-katholischen Untergrundkirche Tschechiens sich auf Verlangen des Vatikans nach dem Ende des Kommunismus "sub conditione" ein zweites Mal weihen lassen sollten - für den Fall, dass die Weihe im Untergrund aus irgendwelchen formalen Gründen ungültig gewesen wäre, ließ sich Romulo Braschi wenige Monate später, im Januar 1999, vom römisch-katholischen Bischof Geronimo Podesta aus Buenos Aires "sub conditione" zum Bischof weihen. Podesta sollte schon an der Weihe Braschis in München teilnehmen, war aber krankheitshalber verhindert. Damit war Romulo Braschi - unabhängig von seinem bisherigen Bekenntnis zur brasilianisch-katholischen, beziehungsweise der argentinischen "katholisch-charismatischen Kirche Jesu König" - wieder von einem argentinischen römisch-katholischen Bischof zu einem "astreinen" römisch-katholischen Bischof geweiht worden. Podesta ebenso wie Braschi waren zum Zeitpunkt der Weihe verheiratet - keiner von beiden war aber je vom Vatikan exkommuniziert worden.

Keine Exkommunikation
Dieser Punkt ist es, auf den Monsignore Braschi besonderen Wert legt: im Gegensatz zu Zeitungsberichten, in denen er mit dem Beiwort "exkommunizierter" Bischof bedacht wird, sei er nie vom Vatikan exkommuniziert worden. Diese Kirchenstrafe des Ausschlusses, so Braschi mit dem neuen Canon iuris Canonici der römischen Kirche aus 1983 in der Hand, werde nur wegen Häresie, Apostasie oder Schisma verhängt. Und er, Braschi, sei weder ein Irrlehrer, noch sei er vom Glauben abgefallen oder habe eine Spaltung in der Kirche hervorgerufen. Das vatikanische Gerichtsverfahren einer Exkommunikation wurde niemals gegen ihn eingeleitet: Braschi ist nicht exkommuniziert. Eher müsse man Rom in manchen Punkten der Irrlehre bezichtigen, wo es etwa um den Zwangszölibat oder um den Ausschluss der Frauen vom Priesteramt gehe, ergänzt der Weihebischof der sieben Frauen auf dem Donauschiff.

Von den rund viertausend römisch-katholischen Bischöfen weltweit werden übrigens nur knapp dreitausend im "Annuario Pontifico", im Päpstlichen Jahrbuch geführt. Die übrigen zählen zur species der "episcopi vagantes", der umherziehenden, nicht in eine nationale Bischofskonferenz integrierten und damit auch von niemandem zu kontrollierenden Bischöfe. In der apostolischen Sukzession stehen sie jedoch allemal: wem sie die Hände auflegen, der - oder die - ist sakramental gültig geweiht.

Text: Werner Ertel und Dr. Gisela Forster, 7.7.2002
Quelle: gisela.forster@campus.lmu.de


Walter Axtmann:

Klarstellungen: Wer ist Romulo Braschi?

Wie nicht anders zu erwarten war, hatte die Priesterweihe von sieben Frauen Ende Juni gewaltigen Staub aufgewirbelt. Ins Kreuzfeuer gerieten nicht nur die Priesterinnen selbst, sondern vor allem die Bischöfe, die sie geweiht hatten: Der Argentinier Romulo Braschi und der von ihm zum Bischof geweihte Österreicher Ferdinand Raphael Regelsberger. Kein Wunder: Kann man nämlich beweisen, dass die beiden gar keine gültige Bischofsweihe erhalten haben, gerät die ganze Feier zu einer lächerlichen Posse. Nur einigen theologisch gebildeten Leserinnen und Lesern fiel dabei auf, dass die Inquisitionsbehörde Ratzingers in ihrem Ultimatum an die Priesterinnen, bis zum 22. Juli Reue zu zeigen und ihre Weihe als ungültig zu erklären, die apostolische Nachfolge Braschis mit keinem Wort in Zweifel zog, ihn vielmehr als einen "Schismatiker" bezeichnete, als einen die Oberhoheit des Papstes nicht anerkennenden Bischof (sic!).

Wer also ist dieser Romulo Braschi? Im Jahr 1941 geboren, wurde er nach dem Studium der Theologie und der Promotion 1966 in der Diözese Buenos Aires zum Priester geweiht. Ende der sechziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts bricht in Argentinien die Ära der Militärdiktaturen an. Braschi ist in Avellaneda, einer Satellitenstadt von Buenos Aires, tätig. Sie wird am 10. April 1961 durch Papst Johannes XXIII. als selbstständige Diözese begründet. Auf ihren ersten Bischof, Emilio Antonio Di Pasquo, folgt im Dezember 1962 Gerónimo Podestá. Ein sehr beliebter und höchst intelligenter Mann, der mit der Befreiungstheologie sympathisiert und wegen seiner Sorge um die Armen nach dem weltbekannten Bischof von Recife in Brasilien "Helder Camara von Argentinien" genannt wird. Am 4. Dezember 1967 verzichtet Podestá auf den Bischofssitz und heiratet seine Sekretärin Clelia. Eine doppelt schwere Sünde in den Augen Roms und der fast durchwegs konservativen Bischöfe Argentiniens, die samt Nuntius Pio Laghi mit den Militärregierungen unter einer Decke stecken.

Braschi und Podestá sind Gesinnungsgenossen, nehmen Teil an der "Priester für die Dritte Welt"-Bewegung, zu der hunderte Priester Lateinamerikas gehören. Mit US-Hilfe wird diese "Rebellenbewegung" 1974 zerschlagen. Wie viele seiner Kollegen wird auch Braschi inhaftiert. Nach einem Jahr der Torturen hinter Kerkermauern kommt er, Dank eines Militärgeistlichen im Rang eines Leutnants, frei. Der sagt ihm, das alles ein Irrtum sei, er, Braschi, sei doch kein Kommunist. "Jetzt aber verschwinde, und arbeite ja nicht mehr unter diesen linken Elementen. Am besten wäre, wenn Du überhaupt nicht zur Kirche zurückkehren würdest", lautet sein Rat. Braschi, tief enttäuscht von der Haltung Roms und der Bischöfe, bleibt weiterhin Katholik, doch mit der römischen Linie will er nichts gemeinsam haben. Das ist freilich etwas anderes als Nicht-Anerkennung des Papstes. Braschi gründet eine eigene Gemeinschaft und schließt sich der charismatischen Bewegung an. Diese wirkt unabhängig von den Bischöfen und nennt sich "Katholisch-charismatische Kirche Jesu Christi". Braschi lernt den brasilianischen Priester Roberto Garrido Padin kennen, mit dem sie gemeinsame Pläne zur Verbreitung dieser Bewegung auch in Europa planen. Padin wird 1989 zum Bischof geweiht und gibt die Bischofsweihe 1998 in München an Braschi weiter. An der Gültigkeit der Weihe gibt es keinen Zweifel. Für den Fall, dass diese Weihe etwa aus formalen Gründen doch nicht gültig gewesen wäre, lässt sich Braschi von Podestá im Januar 1999, "sub conditione" ebenfalls die Bischofsweihe erteilen.

Romulo Braschi ist somit ein gültig geweihter, in der apostolischen Nachfolge stehender römisch-katholischer Bischof, der nie aus der Kirche ausgetreten ist, nie von dieser Kirche irgendeine Strafsanktion erhielt oder gar von ihr exkommuniziert wurde. Bischof Gerónimo Podestá ist im Juni 2000 verstorben. Aus verständlichen, Kirche In bekannten, Gründen versucht nun die Witwe Podestás, Clelia Luro de Podestá, die Weihe Braschis zum Bischof durch ihren Mann zu dementieren. Dagegen steht die Bestätigung einer Anwaltskanzlei von Buenos Aires, in der die Anwältin Dr. Edelmira Pietropaolo bestätigt, dass es eine notarielle Beglaubigung mit Zeugen gibt, dass Romulo Braschi am 30. Januar 1999 aus der Hand des emeritierten Bischofs von Avellaneda, Gerónimo José Podestá, die Bischofsweihe erhielt. Es ist nicht glaubhaft, dass eine Anwältin durch die Ausstellung einer windigen Bestätigung den Verlust der Anwaltslizenz aufs Spiel setzt. Im übrigen hatte Braschi den Vatikan über sein Vorhaben, die Frauenpriesterweihe vorzunehmen, informiert. Dort verwies man ihn an das Münchner Ordinariat, namentlich an Kardinalerzbischof Wetter. Braschi wendete sich aber lieber an Kardinalerzbischof Lehmann, da er bei Wetter kein Verständnis erwartete.

Inzwischen erklären die Priesterinnen, dass sie sich keinerlei weiterer Weihe unterwerfen werden, es sei nicht einsichtig, aus welchen Gründen ihre Weihe ungültig wäre. Ansonsten suchen sie den Dialog mit Rom. Notfalls wollen sie - so die Illustrierte NEWS - nach dem Muster Bischof Gaillots eine Internet-Diözese errichten. Posse am Rande: Das Münchner Ordinariat will juristische Schritte gegen den Patmos Verlag einleiten, da auf dem Deckblatt des von diesem Verlag verlegten Buches zur Frauenpriesterweihe Bischof Braschi als römisch-katholisch bezeichnet wird. Derzeit liegt eine Rückfrage des Verlags an den Anwalt in München vor, wie römisch-katholisch zu definieren sei, da Braschi nach wie vor römisch-katholisch getaufter und geweihter Priester und Bischof ist und die Priesterweihe streng nach römisch-katholischem Ritus durchgeführt hatte ... KIRCHE IN wird über die Entwicklung weiter berichten.

Aus: Kirche In, 24.7.2002
Quelle:
http://www.kirche-in.at


Autorisierte Erklärung von Monsignore Dr. Romulo Braschi,
der am 29. Juni dieses Jahres sieben Frauen die Priesterweihe erteilte:

Ich, Monsignore Dr. Romulo Braschi erkläre hiermit:

Ich bin im Jahr 1942 nach römisch-katholischem Ritus getauft worden. In den darauf folgenden Jahren erhielt ich die Sakramente der Heiligen Kommunion, der Firmung und der Priesterweihe. Meine Wurzeln, meine Tradition, sind somit römisch-katholisch. Man verliert diese Eigenschaft nie. Sie kann auch von keiner Institution annulliert werden. Deswegen war ich, bin ich und bleibe ich römisch-katholisch!

Ich habe außerdem das Heilige Sakrament der Bischofsweihe nach dem römisch-katholischen Ritus bekommen. Somit stehe ich in der römisch-katholischen Apostel-Nachfolge (Sukzession). Sie ist korrekt bezeugt. Das bedeutet, dass mein Status insgesamt römisch-katholisch ist. Ich habe mich lediglich, aufgrund der bekannten Kollaboration des argentinischen Klerus, besonders des Episkopats, mit der argentinischen Militärdiktatur, von dieser Art Kirche distanziert. Ich bin aber immer noch römisch-katholisch.

Schließlich - dies sei nochmals betont - habe ich die Bischofsweihe nach dem römisch-katholischen Ritus von einem römisch-katholischen Bischof und von einem ebenfalls in der apostolischen Sukzession stehenden zweiten Bischof erhalten. So bin ich derzeit ein katholischer Bischof, entfalte aber keinerlei Aktivitäten für Rom. Deswegen habe ich ausdrücklich erklärt, dass ich die Weihe nicht für Rom, d.h. im Namen Roms erteile.

Ich betone, dass ich nie aus der römisch-katholischen Kirche ausgetreten bin, nie suspendiert oder gar exkommuniziert oder sonstwie aus irgendeinem Grund bestraft wurde. Die Tatsache, dass ich - wie ich es ausweise - in der apostolischen Nachfolge stehe, berechtigt mich, falls ich es wünschte, den Titel eines römisch-katholischen Bischofs zu tragen.

Aguilas, am 30. Juli 2002
+ Romulo Braschi

Aus: Kirche In, September 2002
Quelle: http://www.kirche-in.at


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