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"exkommuniziert",
"Schismatiker", "Sekten-Bischof"?
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Romulo Braschi im Gespräch mit Gisela Forster und Werner Ertel über die Einzelheiten seiner Weihe durch den argentinischen Bischof Geronimo Podesta am 30. Januar 1999.
Es wird kaum kühler am Abend jenes heißen Julitages, an dem die Sprecherin der deutschen Priesterinnen, Gisela Forster und der Berichterstatter die engen, steilen Stufen zur kleinen Vorstadtwohnung Romulo Braschis emporsteigen. Unter dem Dach haben sich der argentinische Bischof und seine Frau Alicia eingemietet, auf vielleicht 65m2 - mehr braucht ein "episcopus vagans" nicht, der "umherstreifend" dauernd unterwegs ist zu seinen Gemeinden in Deutschland, Spanien und Brasilien.
Es geht um Details zu der immer wieder gestellten Frage, was für ein römisch-katholischer Bischof er sei, und wie authentisch seine Weihe durch den argentinischen römisch-katholischen Bischof Geronimo Podesta sei. Eine Bestätigung der Rechtsanwältin Dr. Edelmira Pietropaolo aus Buenos Aires über die Echtheit der Weihe liegt als Faxnachricht vom Mai 2002 vor; der eigentliche Notariatsakt, der unmittelbar nach der Weihe angelegt wurde, wird noch nachgeschickt.
"Es war an diesem 30. Januar 1999, als sich Bischof Geronimo Podesta mit seiner Frau Clelia bei uns angesagt hatte", schaut Romulo zu seiner neben ihm sitzenden Frau Alicia, wie um ihre Erinnerung an diesen wohl bemerkenswertesten Tag in seinem Leben zu wecken. Podesta - bald danach verstorben - war Vorsitzender der argentinischen Vereinigung der verheirateten "Priester ohne Amt" gewesen - ein suspendierter, verheirateter Bischof, der um sich seine Herde, die amtsenthobenen, verheirateten Priester, scharte.
"Schon beim festlich gedeckten Abendtisch fiel mir auf, dass Podesta ungewöhnlich ernst und feierlich den Segen über das Mahl sprach, so als ob er etwas besonderes vorhätte", fährt Romulo fort und nimmt einen Schluck Fruchtsaft an dem kleinen, runden Tisch. Das Abendessen sei zwanglos in eine Eucharistiefeier am selben Tisch übergegangen: Geronimo habe die Wandlungsworte über Brot und Wein gesprochen, so dass man nun ehrfurchtsvoll das Blut Christi aus denselben Gläsern mit Rotwein getrunken habe.
Nach diesem Abendmahl - für Romulo und Geronimo war es das letzte - begaben sich die Diakone, einige Kinder, Romulo, Alicia und Clelia auf die Terrasse. Zurück blieb in einem Fauteuil im Speisezimmer ein in sich versunkener Geronimo Podesta. "Plötzlich hörte ich seine Stimme befehlend rufen: 'Romulo, wo bist du? Komm her!' und ich eilte zu ihm. Er schickte alle hinaus, auch seine Frau, die jedoch immer wieder die Nase zur Tür reinsteckte, weil sie sehr neugierig war und wissen wollte, was ihr Mann da vorhatte. Dann sagte er mir, er kenne mich zwar schon lange - wir hatten uns gemeinsam in den Siebzigerjahren gegen die Militärdiktatur gestellt - aber er wisse gar nicht so genau, was ich seelsorglich zur Zeit so alles mache. Er habe gehört, dass ich mich der Charismatischen Erneuerung in der Kirche verschrieben habe, dass ich Menschen die Hände auflege und um Heilung für sie bete."
Weihe im Speisezimmer
Dann fuhr er fort: "Romulo, du sollst Bischof werden. Ich möchte
dich zum Bischof weihen, damit du künftig das tust, was ich nicht mehr tun
kann: du sollst Frauen weihen und bewährte, verheiratete Männer. Das wird
die Kirche der Zukunft sein, damit wird die Versorgung der Gemeinden mit
Eucharistiefeier und Sündenvergebung gesichert sein und es wird endlich eine
Gleichberechtigung der Frauen in unserer römischen Kirche geben. Ich
erwiderte ihm mein 'Ich bin bereit', und dann ließ er alle anderen
hereinkommen. Clelia fragte noch verwundert: 'Geronimo, was hast du vor?' Er
erhob sich aus dem Lehnstuhl, ich kniete vor ihm nieder. Er war ja fast 2
Meter groß, eine imposante Erscheinung - seine Familie stammte aus
argentinischen Patrizierkreisen. Dann holte er mit seinen Händen groß aus
und legte sie mir auf, fest und intensiv."
"Ja, er stand da mit geschlossenen Augen, ich war unmittelbar neben Romulo und konnte das sehen", ergänzt Alicia, die Romulos Erzählung Wort für Wort vom Spanischen ins Deutsche übersetzt. "Dann", so Romulo, "betete er das Weihegebet in lateinisch und sagte zu allen Anwesenden: 'Wir haben einen neuen Bischof'. Er umarmte mich ganz herzlich. Die Leute klatschten und dann umarmten mich alle." Alicia nickt zustimmend, lächelt ihr gewinnendes, wissendes Lächeln. Sie assistierte ihrem Mann bei der Priesterinnenweihe am Donauschiff am 29.Juni 2002 und begleitet ihn zu allen seinen Pastoralreisen.
In diesen Tagen sind die beiden schon wieder unterwegs zu den Gemeinden der "katholisch-apostolischen, charismatischen Kirche Jesu König" in Spanien - einer Glaubensgemeinschaft, der sich Romulo Braschi bald nach seiner Entlassung aus dem Kerker der Militärdiktatur Ende der Siebzigerjahre anschloss. Tief enttäuscht vom Verrat der römischen Kirche am argentinischen Volk, vor allem an den einfachen Arbeitern, an den Armen und Besitzlosen, hatte er seinen eigenen Weg einer charismatischen Erneuerung des Menschen aus dem Heiligen Geist gesucht. Er rückte von Rom und der romtreuen Hierarchie seiner Heimat ab - ohne jedoch zu verleugnen, dass er ein römisch-katholischer Bischof sei, von Geronimo Podesta gültig - wenn auch unerlaubt - am 30.Januar 1999 zum römisch-katholischen Bischof geweiht.
Kein Schismatiker
"Ich bin kein Schismatiker", so Romulo zu der Erklärung Kardinal
Ratzingers, nach der sieben Frauen am 29. Juni auf einem Donauschiff "von
einem schismatischen Bischof" geweiht worden seien. "Ich habe mich nie
offiziell von Rom getrennt, bin auch nie vom Vatikan exkommuniziert worden.
Ich gehe in meiner Seelsorge allerdings eigene Wege". Ob diese Wege eher
Gottes Wege sind als der momentane Kurs der römischen Kirche, wird sich -
wie so oft in der Geschichte - wohl erst später zeigen. Dreihundert Jahre
hatte es gedauert, bis Galileo Galilei von der Kirche rehabilitiert wurde,
nur wenig mehr als drei Jahre allerdings währte die Verbannung des
französischen Bischofs Jacques Gaillot in die im Wüstensand versunkene
Diözese "Partenia".
Natürlich ist Bischof Romulo Braschi nicht im Päpstlichen Jahrbuch "Annuario Pontifico" als Bischof geführt. Viele der weltweit viertausend römisch-katholischen Bischöfe stehen da nicht drin - und sind trotzdem gültig geweihte Bischöfe, die ihrerseits wieder sakramental gültig Weihen spenden können.
Gerichtsverfahren?
Möglicherweise wird es darüber ein Gerichtsverfahren in Deutschland
geben: die Erzdiözese München-Freising übt auf den Düsseldorfer "Patmos"-Verlag
Druck aus, das Buch "Wir sind Priesterinnen" von Gisela Forster und Werner
Ertel aus dem Verkehr zu ziehen, weil da am hinteren Buchrücken behauptet
werde, dass ein "römisch-katholischer Bischof" am 29. Juni die Frauen weihen
werde. Und das sei Braschi nicht. Ein Richter wird demnach zu entscheiden
haben, ob jemand nur dann römisch-katholischer Bischof sei, wenn er im "Annuario"
geführt werde.
Es war eine echte "Nikodemus-Stunde" in Romulos kleiner Wohnung. Seine Augen leuchten, wenn er von seiner Weihe durch Podesta erzählt. Er hatals gültig geweihter römisch-katholischer Bischof sieben Frauen zu römisch-katholischen Priesterinnen geweiht. Und zu Gisela Forster gewandt: "Ihr müsst jetzt selbst entscheiden, wie und wo ihr in Zukunft als Priesterinnen tätig sein wollt". Als "episcopus vagans" hat er keine Diözese, in die er die Frauen inkardinieren könnte, keine Jurisdiktion, mit der er die Neupriesterinnen zum Beichthören oder Messlesen ausstatten könnte. Er sendet sie "wie Schafe unter die Wölfe", so wie Jesus Christus seine Apostel aussandte: schon vor 2000 Jahren war die Hierarchie - die Hohepriester und Schriftgelehrten - der erste und ärgste Feinde von Jesu Jüngerinnen und Jüngern.
Daran scheint sich bis heute nichts geändert zu haben.
Quelle: E-Mail von Dr. Gisela Forster vom 15.7.2002
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Presseerklärung der Gruppe: WEIHEÄMTER FÜR FRAUEN Bischof Romulo Braschi:
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Walter Axtmann:
Wie nicht anders zu erwarten war, hatte die Priesterweihe von sieben Frauen Ende Juni gewaltigen Staub aufgewirbelt. Ins Kreuzfeuer gerieten nicht nur die Priesterinnen selbst, sondern vor allem die Bischöfe, die sie geweiht hatten: Der Argentinier Romulo Braschi und der von ihm zum Bischof geweihte Österreicher Ferdinand Raphael Regelsberger. Kein Wunder: Kann man nämlich beweisen, dass die beiden gar keine gültige Bischofsweihe erhalten haben, gerät die ganze Feier zu einer lächerlichen Posse. Nur einigen theologisch gebildeten Leserinnen und Lesern fiel dabei auf, dass die Inquisitionsbehörde Ratzingers in ihrem Ultimatum an die Priesterinnen, bis zum 22. Juli Reue zu zeigen und ihre Weihe als ungültig zu erklären, die apostolische Nachfolge Braschis mit keinem Wort in Zweifel zog, ihn vielmehr als einen "Schismatiker" bezeichnete, als einen die Oberhoheit des Papstes nicht anerkennenden Bischof (sic!).
Wer also ist dieser Romulo Braschi? Im Jahr 1941 geboren, wurde er nach dem Studium der Theologie und der Promotion 1966 in der Diözese Buenos Aires zum Priester geweiht. Ende der sechziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts bricht in Argentinien die Ära der Militärdiktaturen an. Braschi ist in Avellaneda, einer Satellitenstadt von Buenos Aires, tätig. Sie wird am 10. April 1961 durch Papst Johannes XXIII. als selbstständige Diözese begründet. Auf ihren ersten Bischof, Emilio Antonio Di Pasquo, folgt im Dezember 1962 Gerónimo Podestá. Ein sehr beliebter und höchst intelligenter Mann, der mit der Befreiungstheologie sympathisiert und wegen seiner Sorge um die Armen nach dem weltbekannten Bischof von Recife in Brasilien "Helder Camara von Argentinien" genannt wird. Am 4. Dezember 1967 verzichtet Podestá auf den Bischofssitz und heiratet seine Sekretärin Clelia. Eine doppelt schwere Sünde in den Augen Roms und der fast durchwegs konservativen Bischöfe Argentiniens, die samt Nuntius Pio Laghi mit den Militärregierungen unter einer Decke stecken.
Braschi und Podestá sind Gesinnungsgenossen, nehmen Teil an der "Priester für die Dritte Welt"-Bewegung, zu der hunderte Priester Lateinamerikas gehören. Mit US-Hilfe wird diese "Rebellenbewegung" 1974 zerschlagen. Wie viele seiner Kollegen wird auch Braschi inhaftiert. Nach einem Jahr der Torturen hinter Kerkermauern kommt er, Dank eines Militärgeistlichen im Rang eines Leutnants, frei. Der sagt ihm, das alles ein Irrtum sei, er, Braschi, sei doch kein Kommunist. "Jetzt aber verschwinde, und arbeite ja nicht mehr unter diesen linken Elementen. Am besten wäre, wenn Du überhaupt nicht zur Kirche zurückkehren würdest", lautet sein Rat. Braschi, tief enttäuscht von der Haltung Roms und der Bischöfe, bleibt weiterhin Katholik, doch mit der römischen Linie will er nichts gemeinsam haben. Das ist freilich etwas anderes als Nicht-Anerkennung des Papstes. Braschi gründet eine eigene Gemeinschaft und schließt sich der charismatischen Bewegung an. Diese wirkt unabhängig von den Bischöfen und nennt sich "Katholisch-charismatische Kirche Jesu Christi". Braschi lernt den brasilianischen Priester Roberto Garrido Padin kennen, mit dem sie gemeinsame Pläne zur Verbreitung dieser Bewegung auch in Europa planen. Padin wird 1989 zum Bischof geweiht und gibt die Bischofsweihe 1998 in München an Braschi weiter. An der Gültigkeit der Weihe gibt es keinen Zweifel. Für den Fall, dass diese Weihe etwa aus formalen Gründen doch nicht gültig gewesen wäre, lässt sich Braschi von Podestá im Januar 1999, "sub conditione" ebenfalls die Bischofsweihe erteilen.
Romulo Braschi ist somit ein gültig geweihter, in der apostolischen Nachfolge stehender römisch-katholischer Bischof, der nie aus der Kirche ausgetreten ist, nie von dieser Kirche irgendeine Strafsanktion erhielt oder gar von ihr exkommuniziert wurde. Bischof Gerónimo Podestá ist im Juni 2000 verstorben. Aus verständlichen, Kirche In bekannten, Gründen versucht nun die Witwe Podestás, Clelia Luro de Podestá, die Weihe Braschis zum Bischof durch ihren Mann zu dementieren. Dagegen steht die Bestätigung einer Anwaltskanzlei von Buenos Aires, in der die Anwältin Dr. Edelmira Pietropaolo bestätigt, dass es eine notarielle Beglaubigung mit Zeugen gibt, dass Romulo Braschi am 30. Januar 1999 aus der Hand des emeritierten Bischofs von Avellaneda, Gerónimo José Podestá, die Bischofsweihe erhielt. Es ist nicht glaubhaft, dass eine Anwältin durch die Ausstellung einer windigen Bestätigung den Verlust der Anwaltslizenz aufs Spiel setzt. Im übrigen hatte Braschi den Vatikan über sein Vorhaben, die Frauenpriesterweihe vorzunehmen, informiert. Dort verwies man ihn an das Münchner Ordinariat, namentlich an Kardinalerzbischof Wetter. Braschi wendete sich aber lieber an Kardinalerzbischof Lehmann, da er bei Wetter kein Verständnis erwartete.
Inzwischen erklären die Priesterinnen, dass sie sich keinerlei weiterer Weihe unterwerfen werden, es sei nicht einsichtig, aus welchen Gründen ihre Weihe ungültig wäre. Ansonsten suchen sie den Dialog mit Rom. Notfalls wollen sie - so die Illustrierte NEWS - nach dem Muster Bischof Gaillots eine Internet-Diözese errichten. Posse am Rande: Das Münchner Ordinariat will juristische Schritte gegen den Patmos Verlag einleiten, da auf dem Deckblatt des von diesem Verlag verlegten Buches zur Frauenpriesterweihe Bischof Braschi als römisch-katholisch bezeichnet wird. Derzeit liegt eine Rückfrage des Verlags an den Anwalt in München vor, wie römisch-katholisch zu definieren sei, da Braschi nach wie vor römisch-katholisch getaufter und geweihter Priester und Bischof ist und die Priesterweihe streng nach römisch-katholischem Ritus durchgeführt hatte ... KIRCHE IN wird über die Entwicklung weiter berichten.
Aus: Kirche In, 24.7.2002
Quelle:
http://www.kirche-in.at
Autorisierte Erklärung von
Monsignore Dr. Romulo Braschi,
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