Carl-Peter Klusmann:

"Priesterinnen-Weihe" in apostolischer Sukzession?


Was hat es mit der "apostolischen Sukzession" auf sich?

Der offiziellen Theorie nach ist jeder römisch-katholische Bischof von einem anderen geweiht worden bis zurück zu den Aposteln. In gleicher Weise kann er seine Weihe auch weitergeben. Das kirchliche Recht gestattet die Weitergabe nur in Übereinstimmung mit dem Papst und den anderen Bischöfen. Die "Gültigkeit" hängt davon aber nicht ab.

Diese Theorie wird oft als "Pipeline-Modell" ironisiert. Historisch ist die ununterbrochene Kontinuität der Weihe-Weitergabe äußerst fraglich, zumal in der Frühzeit der Kirche das heutige Amtsverständnis noch nicht existierte und die jeweils für den "Stammbaum" zugrunde gelegten Bischofslisten (der Vorgänger) früher häufig lückenhaft oder unzutreffend waren.

In der heutigen Theologie wird mit Blick auf die "Ämter" in den Kirchen der Reformation betont, dass diese dort legitim sind, wo sie im Dienst am Glauben, an der Botschaft des "Wortes Gottes" stehen, das in der Bibel, näherhin in der Verkündigung der Apostel überliefert worden ist. Die "Sukzession" kann dafür eine Bestätigung sein, ist dafür aber keine unverzichtbare Grundlage

Ist eine Weihe innerhalb der "Sukzession" wichtig?

Die Frage nach der Legitimation eines Amtes ist stets notwendig. Auch außerhalb der Kirche werden Funktionen und Ämter nur nach einem geordneten Verfahren von dazu berechtigten Instanzen vergeben. Das zeigt schon, dass sich auch in der Kirche niemand ein Amt oder eine Amtsvollmacht einfach nehmen oder sich selbst übertragen kann.

Solange in der römisch-katholischen Kirche Ämter durch eine Weihe von einem (seinerseits geweihten) Bischof übertragen werden, muss man das in der Regel respektieren. Im Blick auf die am 29. Juni projektierte Weihe von Frauen zu Priesterinnen (welche hier als prinzipiell möglich unterstellt wird) stellt sich die Frage, ob diese nicht auf eine formelle Weihe verzichten sollten, wenn sie schon diesen Status außerhalb des geltenden Rechtes anstreben. Diese könnte man ohnehin bestenfalls als Notlösung verstehen angesichts des theologisch nicht überzeugenden Ausschlusses der Frauen von allen kirchlichen Weiheämtern.

Es gibt gute Gründe, sich von einem Bischof weihen zu lassen, der in der Sukzession steht:

  1. Nur eine solche Weihe erlaubt es, Fakten zu schaffen und die Beweislast damit umzukehren. Bisher hat sich die römische Kirchenleitung darauf beschränkt zu erklären, warum sie eine Frauenordination nicht für richtig hält und will. In Zukunft würde es sich nicht mehr um eine bloße Ermessensfrage handeln. Wenn nicht bestritten werden kann, dass eine Weihe innerhalb der Kirche erfolgt ist und alle anderen zwingenden Voraussetzungen gegeben waren, muss Rom den Beweis liefern, warum eine erfolgte Weihe nichtig ist, wenn es so weit gehen will. Dazu gehört der Nachweis, dass eine Frauenordination "in sich" nicht möglich ist. Die heutige Theologie gibt solche Gründe nicht her.
  2. Die Sukzession muss nicht in dem formalistischen, quasi-magischen Sinn verstanden werden. Voraussetzung ist, dass die Beauftragung von Amtsträgern durch ihr Engagement in der Kirche legitimiert und von der Zustimmung der betroffenen Gemeinden getragen wird.

Kann die Weihe von Priesterinnen zu einer Reform der Kirche beitragen?

Diese Frage ist auch bei den grundsätzlichen Befürwortern der Frauenordination strittig. Die eine Seite verspricht sich davon einen Fortschritt, die andere verlangt, erst durch eine wirkliche Reform, eine Überwindung aller paternalistischen Traditionen und auf Männer zugeschnittenen Strukturen, müssten dafür die Voraussetzungen geschaffen werden. Innerhalb der "Initiative Kirche von unten" (IKvu) ist das Vorhaben nicht ohne Widerspruch, aber mit Sympathie und Solidarität aufgenommen worden. Bedauerlich ist, dass die für dieses Vorhaben Verantwortlichen uns bezüglich der Person des weihenden Bischofs getäuscht, die Solidarität ihrer Partner überfordert und damit deren Unterstützung verloren haben.


Carl-Peter Klusmann, Dudenstraße 9, 44137 Dortmund,
Fon: 0231-147303, Fax: 0231-2866505,
E-Mail: cp.klusmann@dokom.net

Carl-Peter Klusmann wurde 1934 in Wanne-Eickel geboren und ist katholischer Pfarrer, seit 1996 im Ruhestand. Er ist Mitglied der SOG Paderborn seit deren Gründung 1968; von 1974 bis 1986 Sprecher, seit 1991 zweiter Sprecher der Arbeitsgemeinschaft von Priester- und Solidaritätsgruppen (AGP).

Carl-Peter Klusmann


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