Presseschau Mai / Juni 2002

Dubiose Entwicklungen im Umfeld der geplanten "Priesterinnenweihe"


Wilde Spekulationen um illegale Bischofsweihe in Oberösterreich
Obskurer Sektenguru als Bischofsweiher in Verdacht

LINZ - In der Gerüchteküche um die illegale Bischofsweihe in Steinfelden bei Scharnstein brodelt es immer heißer. Der selbst auf dubiose Weise geweihte "Erzbischof" Romulo Braschi, ein argentinischer Ex-Priester und Geistheiler mit Scientology-Kontakten, soll den Kremsmünsterer Ex-Pater Ferdinand Regelsberger zum "Bischof" gemacht  haben.

Die Geschichte um die für 29. Juni geplante "Priesterinnenweihe" wird immer absurder. Nachdem die "Priesterin" in spe, Christine Mayr-Lumetzberger, die "Bischofsweihe" in ihrem Haus in Steinfelden bestätigt hat, rätselt nun alles, wer der "spanisch sprechende" Weihbischof war. Lumetzberger verweigert jede Auskunft. Das Gerücht, es handle sich um einen Argentinier, hat VOLKSBLATT-Informationen zufolge einen Namen: Romulo Braschi von der "Katholisch-Apostolischen Charismatischen Kirche Jesus König".

Der vor neun Jahren nach Europa gekommene ehemalige römisch-katholische Priester nennt sich "Erzbischof von München, Zürich, Buenos Aires und San Salvador Bahia". Er hatte sich 1998 in München von Roberto Garrido Padin, Bischof einer freikatholischen Kirche, zum "Erzbischof" weihen lassen. Der Konsekrator dieser "Weihe", ein "Erzbischof" Karl-Heinz Hilarios Ungerer, bestätigt dies. Ungerer distanziert sich aber mittlerweile von Braschi, weil dieser Frauen zu Priesterinnen geweiht habe - darunter seine eigene!

Die Erzdiözese München betont, Braschi habe nichts mit der römisch-katholischen Kirche zu tun. "Damit ist das absurde Theater um die Priesterinnenweihe immer offensichtlicher", so Winfried Römel, Sprecher der Diözese. Auch in der Schweizer katholischen Kirche ist Braschi kein unbeschriebenes Blatt. Deren Sekten-Beauftragter Joachim Müller weiß, dass der Argentinier in der Schweiz auf Veranstaltungen der Scientology-Kirche auftrat und selbst wie ein Sektenguru agierte. "Manche Opfer hat der Geistliche um Tausende Franken erleichtert", berichtete der Zürcher "Beobachter" vor zwei Jahren über Braschis "Geistheilungen". Seine Anhänger sollen über kostenpflichtige Telefondienste "karmische Rückführungen" und "spirituelle Reinigungen" angeboten haben.

Gisela Forster, Augenzeugin der Steinfeldener "Bischofsweihe" und ebenfalls Möchtegern-Priesterin, reagiert - konfrontiert mit dem Namen Braschi - ziemlich erregt, will das Gerücht aber auch nicht dementieren. "Ich glaube langsam, wir blasen das Ganze ab", sagte sie nur und meint damit die Weiheaktion am 29. Juni.

Aus: Neues Volksblatt, 5.6.2002
Quelle:
http://www.volksblatt.at/128NV_749704.stm


"Keine Kirchenspaltung"

Geplante Weihe von "Priesterinnen" in Oberösterreich:
Sprecherin sieht Chance auf Zukunft innerhalb der katholischen Kirche

LINZ (SN-gö, APA).  "Wir wollen uns nicht außerhalb der Kirche stellen und wir wollen unter keinen Umständen eine Kirchenspaltung oder eine neue Kirche", sagt Christine Mayr-Lumetzberger, die Sprecherin jener elf Frauen, die sich am 29. Juni zu katholischen "Priesterinnen" weihen lassen wollen. Die frühere Nonne, die inzwischen verheiratet ist und als Lehrerin arbeitet, beteuert, man habe den "jetzt entstandenen Wirbel in keiner Weise beabsichtigt". Es möge sein, dass mit dieser Weihe kirchliche "Regeln" verletzt werden, "aber es sind Regeln der Disziplin, nicht des Glaubens", so Mayr-Lumetzberger. "Wir tun niemandem etwas, wir wollen im Gegenteil für die Menschen und für Gott tätig sein." Die Priesterinnen in spe aus Österreich, Deutschland und den USA sehen sich "in der Tradition der französischen Arbeiterpriester" und wollen neben einem weltlichen Beruf priesterlich tätig sein.

Wo die Weihe am 29. Juni, dem Fest Peter und Paul, stattfinden wird, soll geheim bleiben. Möglicherweise in jenem Haus in Pettenbach (OÖ), in dem, wie berichtet, am 9. Mai der ehemalige Benediktinerpater Ferdinand Regelsberger zum "Bischof" geweiht wurde. Dieser werde aber nicht die Weihe der Frauen vornehmen. Aus der Tatsache, dass sie mit dem 68-Jährigen "unter einem Dach" wohnt, will Christine Mayr-Lumetzberger kein Geheimnis machen: "Das Haus gehört uns miteinander und er wohnt seit Jahren ebenso wie meine und drei weitere Familien hier." Wer die Frauen tatsächlich "weihen" wird, will Mayr-Lumetzberger nicht verraten. Spekulationen reichen von tschechischen "Geheimbischöfen" über Südamerikaner bis hin zum altkatholischen Bischof Peter Hickman aus Kalifornien.

Für die Diözese Linz sind sowohl die "Bischofsweihe" vom 9. Mai als auch die bevorstehende "Priesterinnenweihe" Vorgänge, die sich "außerhalb der katholischen Kirche" abspielen, wie Sprecher Wolfgang Katzböck betont. Bischof Maximilian Aichern hat die gesamte Angelegenheit bereits an den Vatikan weitergeleitet. Den Betroffenen droht die Exkommunikation. Katzböck bezeichnet die Vorgänge als "skurrile Inszenierungen" und betont: "Priester sein bedeutet, in die Gemeinde eingebunden zu sein, als Seelsorger und Vorbild zu wirken."

Aus: Salzburger Nachrichten, 4.6.2002
Quelle:
http://www.salzburg.com/sn/02/06/04/artikel/300186.html


Neuer "Sündenfall" vor Priesterinnenweihe:
Geschiedener Ex-Pater wird zum Bischof geweiht

WIEN (NZ). - In der Umgebung jener Frauen, die sich am 29. Juni zu katholischen Priesterinnen weihen lassen wollen, sorgt eine neue Affäre für Aufregung: Ein ehemaliger Benediktinerpater wurde in Oberösterreich illegal zum Bischof geweiht. Christine Mayr-Lumetzberger, die Initiatorin der geplanten Priesterinnenweihe, geriet deshalb in Konflikt mit dem achten Gebot: Auf die Frage, was denn an dem Gerücht von der illegalen Weihe eines Bischofs in ihrem Privathaus dran sei, antwortete sie zunächst: "Unsinn, wir haben nur eine Kapelle am Dachboden eingeweiht."

Drei Tage später gestand sie dann doch: "Ja, es hat die Bischofsweihe gegeben, aber es war nicht meine Idee." Die Idee kam von einem spanisch sprechenden Bischof, dessen Identität nun auch wieder nicht preis gegeben wird. Ein Argentinier soll es sein, so das Gerücht. Bekannt ist aber, wen er zum Bischof geweiht hat: Es handelt sich um Ferdinand Regelsberger. Der ehemalige Benediktinerpater Raphael vom Stift Kremsmünster war 1977 laisiert worden, weil er seine Annemarie ehelichen wollte, von der er mittlerweile aber schon wieder geschieden ist.

Ein Anruf bei Regelsberger in Steinfeld bei Scharnstein bringt eine Überraschung: Nicht der "Neo-Bischof" geht ans Telefon, sondern: Christine Mayr-Lumetzberger hebt ab. Das Ehepaar Mayr-Lumetzberger lebt unter einem Dach mit dem nun zölibatär lebenden Ex-Pater. Die enge Verbindung zwischen den Möchtegern-Priesterinnen und dem illegalen geweihten Bischof ist somit unbestreitbar, obwohl die Frauen gar nicht so erpicht auf diese Weiheaktion waren.

"Die Idee kam nicht von uns", sagt auch die Starnberger Architektin Gisela Forster, eine Zeugin der Bischofsweihe in der Dachbodenkapelle. Sie will sich wie Mayr-Lumetzberger am 29. Juni zusammen mit zehn weiteren Frauen aus Bayern, Österreich und den USA zur Priesterin weihen lassen - und sieht nun, dass diese ohnehin höchst pikante Angelegenheit durch die Bischofsweihe nicht gerade erleichtert sondern sehr viel komplizierter wird.

Ausgerechnet diese emanzipierten Frauen, die es den Männern in der katholischen Kirche zeigen wollen, beugten sich einem Mann: "Der Bischof wünschte das (die Weihe) zu tun, man hat mir nur mitgeteilt, dass es stattfinden wird", sagt Mayr-Lumetzberger und beklagt, dass "es schwierig ist, sich gegen Männer durchzusetzen."

Hätte die Dame ähnlichen Gehorsam gegenüber ihrem Diözesanbischof geübt, müsste sie jetzt auch die Priesterinnenweiheaktion abblasen. Denn der Linzer Bischof Maximilian Aichern hat sie in mehreren Gesprächen von dieser "unwürdigen Inszenierung" abzubringen versucht und die Frauen erst vorige Woche eindringlich davor gewarnt, "sich auf den Weg in eine Sekte zu begeben".

In Abrede stellen die Frauen, dass Ex-Pater Regelsberger nur deshalb zum Bischof geweiht wurde, weil sie einen Bischof zur Priesterinnenweihe bräuchten. "Regelsberger wird an der Weihe teilnehmen, aber er wird nicht der weihende Bischof sein", so Gisela Forster zur NZ. Man habe mindestens zwei römisch-katholische Bischöfe, die sich zur Weihe bereit erklärt hätten. (MANFRED MAURER)

Aus: Nürnberger Zeitung, 4.6.2002
Quelle:
http://www.nz-online.de/artikel.asp?art=15414&kat=4&man=4


Fertig zum Abheben
Die Priesterinnenweihe droht zur Posse zu werden

Startet wirklich der Hubschrauber am 29. Juni ab München zum geheimen Ort? "Der Hubschrauber ist nur ein Beispiel", sagt Gisela Forster, dafür, dass so eine Inkognito-Priesterinnenweihe Geld koste und man gezwungen sei, 100 Euro von jedem Teilnehmer an der Zeremonie einzusammeln, für "Miete der Kirche, kleinen Chor, Sicherheitsdienst, Buffet, Feiertexte, Reisekosten der Bischöfe etc.", wie es in der Einladung heißt. Aber der Hubschrauber sei ein so schönes Bild, "wenn man sich vorstellt, wie wir einschweben", sagt die deutsche Sprecherin der zehn oder zwölf katholischen Frauen, die sich am Fest der Apostel Petrus und Paulus weihen lassen wollen. So hat der Helikopter Eingang gefunden in die Berichterstattung: "Fertig machen zum Abheben" formuliert, weniger blumig, die Katholische Nachrichtenagentur.

Bis zum Tag der aus amtskirchlicher Sicht illegalen Weihe wollen die Frauen um Gisela Forster und die Österreicherin Christine Mayr-Lumetzberger auch die Namen der Bischöfe geheim halten. Nun sind aber doch Details bekannt geworden, und aufs kurioseste mischen sich Geheimniskrämerei, Halbdementis und Häppcheninformationen.

Am 9. Mai beginnt das Chaos. Da wandelt sich im Haus von Christine Mayr-Lumetzberger im oberösterreichischen Steinfelden eine offenbar als Weihe einer Dachboden-Kapelle geplante Feier zur selbstorganisierten Bischofsweihe. Ein spanisch sprechender Mann, berichtet ein Augenzeuge dem Linzer Neuen Volksblatt, habe einem ehemaligen Benediktinerpater die Hand aufgelegt, der pikanterweise bei den Mayr-Lumetzbergers wohnt. "Es war nicht meine Idee", zitiert das Blatt die Sprecherin der weihewilligen Frauen - die Männer hätten das einfach gemacht. Dann druckt die Zeitung ein Foto des Mannes, samt seiner Frau, die er schon zur Priesterin gemacht hat: Es ist Romulo Braschi aus Argentinien, "Erzbischof für München, Zürich, Buenos Aires und San Salvador de Bahia" der "Katholisch-Apostolischen Charismatischen Kirche Jesus König".

Im Vereinsregister München taucht Monsignore Braschi als Gründer des Vereins "Carismatica-Oxala-Nana, Natur-Religion" auf, den er, so die Schweizer katholische Sektenberatung, 2001 auf der Züricher Esoterikmesse präsentierte. Vergangenen Oktober zelebrierte er eine "Heilungsmesse" in Fürstenfeldbruck. Das Erzbischöfliche Ordinariat in München verkündet: "Heerscharen von Journalisten" seien einem "Sektenschwindel" auf den Leim gegangen.

Was Gisela Forster dazu bringt, dem Ordinariat "unseriöse Quellen" vorzuwerfen. Dann aber gibt sie zu, Braschi sei "einer der Bischöfe, mit dem wir wegen der Priesterinnenweihe im Gespräch sind". Der 60-Jährige habe sich während der argentinischen Militärdiktatur in Basisgruppen engagiert; seine Weihe habe er sowohl von Bischof Roberto Padin als auch von Geronimo Podesta erhalten; Braschi widme sich "der charismatischen Hilfe für den Menschen". Das ist nun auch der Initiative Kirche von unten (IKvu) zu viel, die bislang die Aktion unterstützt hat. "Für uns sind die Zweifel an der Seriosität des Bischofs nicht ausgeräumt", sagt IKvu-Sprecher Bernd Göhrig. Man trete für die Weihe von Frauen ein - "aber diese Form ist politisch falsch". Gisela Forster kontert: "Die Münchner IKvu-Gruppe hat uns doch Monsignore Braschi vermittelt". Für Unterhaltung ist also gesorgt, bis der Hubschrauber abhebt - real oder imaginär. (Matthias Drobinski)

Aus: Süddeutsche Zeitung, 15./16.6.2002
Quelle:
http://www.sueddeutsche.de/aktuell/sz/artikel3755.php


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