Pfr. Gebhard Kühschweiger:

Priesterinnenweihe und Gemeindeanbindung:
Wo bleibt die Bodenhaftung?


1. Ist Gemeindeanbindung nur ein Marginal?

Ich meine die Anbindung des Amtes an die Gemeinde. Seit dem Canon 6 des Konzils von Calcedon 451 (und im Tridentinum und Vaticanum II ...) ist es eine wichtige Forderung, dass eine Ordination ins Leere nicht sinnvoll ist und eigentlich dem Amt selbst widerspricht. Bei den Bischofsweihen wird das etwas halbherzig doch durchgehalten, warum soll bei den katholischen Priesterweihen dieser Aspekt uninteressant sein? Ist nicht die Vaganterie neuerer Konstrukte ein großes Ärgernis?

Ich denke, dass zu den wichtigsten ekklesiologischen Erkenntnissen rund um das Konzil die Aufwertung der Ortskirchen, der Laien und der Gemeinden gehört. Romulo Braschi hat noch trefflich das "für" verwendet, das vom Münchner Ordinariat völlig verdreht wurde: Er weiht nicht "für" die katholische Kirche, sagte er. Ein Rest von der Gemeindeanbindung der Ordination ist doch im katholischen Weiheritus die Frage an das Volk. An wen wurde denn auf dem - signifikanterweise im Niemandsland kreuzenden - Donauschiff diese Frage gestellt? Die "virtuelle Diözese" der Weihegruppe (warum eigentlich nicht Pfarre?) ändert nichts dran, dass die Gemeindeanbindung fehlt.

Die Weihegruppe beteuert, dass sie ihren Amtsbegriff in Rom geholt hat! Ich kann noch verstehen, dass sie mit dem sakramentalistischen Sukzessionsverständnis Rom aushebeln wollten. Sie haben aber in ihrem Amtsbegriff leider das "für" offen gelassen und das tut mir persönlich als Gemeindeleiter weh - und aus theologischen Gründen auch: im Weitesten ist das ein Beiseiteschieben der Pro-Existenz Jesu, siehe Bonhoeffer und Schürmann!

Eine weniger spektakuläre und publike Weihe hätte da auch nichts geändert, nicht nur die Herkunftsgemeinschaft, mehr die Zukunftsgemeinschaft wäre gefragt. Dem wäre nur mit einem anderen, weniger vaganten Weihebischof beizukommen. Hat die Gruppe sich nicht zu sehr vom Termin diktieren lassen? Dazu finde ich die Ausführungen von Carl-Peter Klusmann: "Großer Reformschritt für die Kirche" und "Kein 'kurzer Prozess' gegen Frauen" im IKvu-Special "Frauenordination" lesenswert.


2. Zur Isolation der Weihegruppe

Es wundern mich bei diesen gestandenen Theologinnen einige offensichtliche Naivitäten. Mindestens stellen sie sich unter Exkommunikation was anderes vor als die meisten Kanonisten. Und sie unterschätzen die Lehrfixierung von "Ordinatio sacerdotalis" (1994), gewaltig. Dogmengeschichtlich geht im Moment kein Weg dran vorbei.

Sind diese Naivitäten unabsichtlich? Kann ich mir bei, in die Materie so eingearbeiteten und ausgewiesenen Theologinnen nicht vorstellen. Wenn in der Frage Frauen und Amt in irgendeine Richtung real etwas weitergehen soll, dann muss die Realität der katholischen Kirche aber m. E. zur Kenntnis genommen werden.

Am Respekt gegenüber den Frauen der Weihegruppe und vor allem ihrem Anliegen gegenüber ändert es gar nichts, wenn man nun die Diskussion einmahnt und führt - jene Diskussion, die sie leider mit der Theologie und vielen Mitstreitern in den letzten Jahren vernachlässigt haben! Diese Anbindung haben die Damen m.E. inzwischen dringend nötig!


Pfr. Gebhard Kühschweiger, Pfarrgemeinde St. Leonhard
10. Oktoberstrasse 37, A-9813 Möllbrücke (Österreich)
Email: kueh@aon.at; Web: www.progemeinde.de


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