Werner Ertel, Gisela Forster (Hrsg.):
 "Wir sind Priesterinnen".
Aus aktuellem Anlass: Die Weihe von Frauen 2002
208 Seiten, Patmos-Verlag, Düsseldorf 2002

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Rezensionen dieses Buches


Angela Berlis:

Durch die faktischen Ereignisse eingeholt
Buch zur "Priesterinnenweihe" vom 29.6.2002

Pünktlich zum 29. Juni erschien das Buch "Wir sind Priesterinnen". Darin treten acht Kandidatinnen an die Öffentlichkeit, die mutig ihren Lebensweg und ihre Beweggründe beschreiben, warum sie sich zu Priesterinnen der römisch-katholischen Kirche weihen lassen wollen. Auch das dreijährige Ausbildungsprogramm wird vorgestellt, das in den letzten Jahren etwa 30 Frauen in Österreich zur spirituellen und praktischen Vorbereitung von Frauen für Weiheämter in der römisch-katholischen Kirche absolviert haben. Das Programm hat inzwischen auch in anderen Kreisen Anklang gefunden.

In einem weiteren Kapitel folgen theologische Überlegungen. Da die Frauen einen gezielten Regelverstoß gegen die Bestimmungen des Kirchenrechts vornehmen wollten, steht dieser Aspekt im Vordergrund. In einer Art Streitgespräch mit einem Opponenten wird dargelegt, warum die Weihe nach dem Kirchenrecht zwar unerlaubt, sakramental jedoch gültig sei. Im letzten Abschnitt sind mehrere Grußadressen abgedruckt; im Wahljahr fanden sich fünf PolitikerInnen bereit, zur Frauenordination Stellung zu beziehen.

Brötchen soll man verkaufen, solange sie warm sind – diese an sich gute verkäuferische Einsicht hätte man bei diesem Buch besser fallen gelassen. Denn es gibt zu viele Leerstellen darin: der Name des tschechischen Bischofs ist bisher nicht bestätigt, die Namen der weihewilligen Frauen stimmen in mehreren Fällen nicht mit den faktisch geweihten Frauen überein (ein Hinweis darauf, welchem Druck die Frauen ausgesetzt waren), kritische offizielle Stellungnahmen aus der Kirchenreformbewegung zum geplanten Ereignis werden zwar erwähnt, aber nicht abgedruckt.

Was jedoch weitaus schwerer wiegt: das Buch ist durch die faktischen Ereignisse eingeholt worden. So werden die von Gisela Forster und Christine Mayr-Lumetzberger zusammengestellten "Auswahlkriterien für die weihenden Bischöfe" und die Antworten dieser Bischöfe nunmehr gemessen werden an dem, was am 29. Juni wirklich geschah. Und da zeigt sich, dass der Weih"bischof" die Kriterien wahrlich nicht erfüllt hat. Unbestritten gültig jedoch bleibt der von Iris Müller und Ida Raming formulierte Aufruf, die geistlichen Berufungen von Frauen zu den Weiheämtern in der römisch-katholischen Kirche anzuerkennen und ihnen dort den gebührenden Raum zu verschaffen.

Aus: Schlangenbrut 78 (Danke für die Abdruckerlaubnis!)


Hanno Helbling:

"Wir sind Priesterinnen"
Ein Buch über unvollendete Tatsachen

Am 29. Juni dieses Jahres hat in Österreich ein Bischof der römisch-katholischen Kirche mehreren Frauen die Priesterweihe erteilt. Die vatikanische Glaubenskongregation erklärte diesen Bischof, Romulo Antonio Braschi, für exkommuniziert und drohte in einem Monitum vom 10. Juli auch den von ihm ordinierten Frauen mit dem Ausschluss von den Sakramenten für den Fall, dass sie die Ungültigkeit der Handlung nicht einsähen. Wie viele Kandidatinnen sich insgesamt hatten weihen lassen und wie viele sich alsdann bussfertig zeigten, ist nicht ganz klar; sieben jedenfalls, Österreicherinnen und Deutsche, sind nach einem weiteren Dekret der Glaubenskongregation vom 5. August der Exkommunikation verfallen.

Gegen einen Sammelband mit dem Titel «Wir sind Priesterinnen» hat das erzbischöfliche Ordinariat München eine einstweilige Verfügung erwirkt; der Patmos-Verlag darf «die Behauptung, Frauen seien geweiht worden, nicht weiter aufstellen oder verbreiten»; das noch im Juni erschienene Buch ist bis auf weiteres nicht mehr erhältlich. Wer es trotzdem hat und liest, muss einerseits bedauern, dass durch das schwere Geschütz der Amtskirche alle möglichen Aussagen, über die man immerhin nachdenken könnte, aus der Öffentlichkeit verdrängt werden; das Nachdenken, andererseits, führt den Leser, vielleicht auch die Leserin, zu einem wenig günstigen Urteil über den hier dargestellten Versuch, «vollendete Tatsachen» zu schaffen.

Vor acht Jahren hatte Papst Johannes Paul II. den Gläubigen in dem Apostolischen Schreiben «Ordinatio sacerdotalis» die Undenkbarkeit der Frauenordination in der römisch-katholischen Kirche mit einem Nachdruck eingeschärft, der eine unerschütterliche Überzeugung zum Ausdruck brachte, zugleich aber einen Beweisnotstand verriet: Das massgebliche Kriterium für die ausschliessliche Eignung von Männern für das Priesteramt wurde «anthropologisch» genannt, und jemandem, der sich darunter etwas vorstellen wollte, blieb kaum etwas anderes übrig, als dieses Wort durch «physiologisch» zu ersetzen. In dem genannten Buch wird jedoch das päpstliche Verdikt nicht zur Diskussion gestellt; die Priesteramtskandidatinnen und einige weitere Autorinnen und Autoren betrachten die Reflexion als abgeschlossen; nur noch die Aktion bedarf für sie der Rechtfertigung.

Sie stand, als das Buch erschien, erst bevor: Drei Bischöfe, die anonym blieben, gedachten die Weihe «an einem noch geheim gehaltenen Ort» zu erteilen; zwei von ihnen haben sich dann offenbar zurückgezogen. Werner Ertel, Herausgeber des Buchs neben Gisela Forster, war damals der Meinung, man könne das Vorgehen als «unerlaubt, aber gültig» ansehen; gültig, weil der ordinierende Bischof in der Apostolischen Sukzession stehe und damit die Vollmacht habe, Priester zu weihen. Im Codex Iuris Canonici (can. 1024) steht aber: «Die heilige Weihe empfängt gültig nur ein getaufter Mann.» Und aus den dort folgenden Bestimmungen geht unter anderem hervor, dass jeder Priester einer bestimmten Diözese zugeordnet sein muss.

Von Rechts wegen kann also die in der kirchlichen Struktur nicht verankerte Ordination einer Frau nicht gültig sein. Könnte sie jedoch «ungültig, aber erlaubt» sein? Nicht kanonisch, sondern moralisch erlaubt in dem Sinn, dass nun die ultima ratio gegeben ist und für die Überwindung sakrosankten Unrechts keine anderen als illegale Mittel zur Verfügung stehen? Angenommen, es verhielte sich so (und spricht nicht manches dafür?), dann hätten die Initiantinnen ihre Kräfte prüfen und hätten erwägen müssen, welchen Eindruck ihr Tun auf die Umwelt wohl machen werde. Einer Publikation, in der die vorgesehenen (und hier so genannten) «Weihebischöfe» ihre Beiträge mit «N. N.» unterzeichnen und die Bewerberinnen sich bloss darüber äussern, dass und warum, nicht aber wie sie zum Klerus gehören wollen, fehlt es an Überzeugungskraft; die für Aussenstehende nur zu naheliegende Einsicht, dass der Wunsch «dazuzugehören » diese Frauen unter den gegebenen Umständen einzig ins Leere führen konnte, bildet den blinden Fleck ihrer insgesamt mehr rhetorischen als sachbezogenen, mehr bekennenden als argumentierenden Texte.

Dass die einzige warnende Stimme auch als einzige unredigiert, tonbandfrisch und entsprechend unbeholfen präsentiert wird, wirkt allzu absichtsvoll. Und dass eine der Verfasserinnen von der «Heiligen Geistin» redet, könnte man in anderem Zusammenhang einem ins Protokollarische abgesunkenen Feminismus gutschreiben, aber an diesem Ort nimmt es sich sektiererisch aus. So lässt in der römisch-katholischen Kirche das strikte Verbot der Frauenordination ein verzerrtes Zukunftsbild weiblicher Priesterschaft entstehen.

Aus: Neue Zürcher Zeitung, 31.8.2002
Quelle: http://www.kirchen.ch


Inge Staub:

Entwicklung zum Ungehorsam

Bereits wenige Tage nachdem sich sieben Theologinnen auf einem Donauschiff zu Priesterinnen der katholischen Kirche weihen liessen, liegt das Buch zum Weiheakt vor. Auf den ersten Blick erscheint der 200 Seiten starke Band, den Gisela Forster (Initiantin der Weihe) und der Journalist Werner Ertel herausgegeben haben, als ein Schnellschuss. Der Textteil wird lediglich durch ein einziges schwarzweisses Foto aufgelockert, unter den Stimmen zur Frauenordination äussern sich Vertreterinnen und Vertreter deutscher Parteien, von denen höchsten der CDU-Abgeordnete Heiner Geissler über die Grenzen Deutschlands hinaus bekannt sein dürfte.

Unterschiedliche Frauen
Diese Schwäche wird jedoch durch den Hauptteil des Buches, in welchem die Priesterinnen ihre persönliche Berufungsgeschichte erzählen und die Beweggründe für ihr Handeln darlegen, aufgewogen. Die Leserinnen und Leser lernen sehr unterschiedliche Frauen kennen: die kämpferische Gisela Forster, die sich nicht scheut, die Männerbastion Kirche anzugreifen, die Ordensfrau Sr. Adeline Roitinger, die Jesu Auftrag annehmen möchte (und Mitte dieser Woche von ihrem Orden ausgeschlossen wurde), oder Iris Müller, die als evangelische Pfarrerin zum Katholizimus konvertierte und damit ihren Beruf nicht mehr ausüben konnte.

Mehr als Dokumentation
«Wir sind Priesterinnen» dokumentiert die Entwicklung dieser Frauen vom kirchlichen Engagement zum Ungehorsam gegenüber dem Klerus. Ihre Erlebnisse belegen in ernüchternder Weise die Diskriminierung des weiblichen Geschlechts in der katholischen Kirche. Die Texte der «Unbeugsamen» bewegen und regen zugleich zum Nachdenken an, insbesondere über die Frage, wie die katholische Kirche «bewohnbar wird für Frauen».

Aus: Neue Luzerner Zeitung, 5.7.2002
Quelle: http://www.neue-lz.ch


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