Thomas Wystrach:

Gedanken eines kritischen Katholiken zur
"Priesterinnenweihe" am 29. Juni 2002


Für den 29. Juni 2002 haben einige römisch-katholische Frauen, hauptsächlich aus dem deutschsprachigen Raum, angekündigt, sich zu "Priesterinnen" weihen zu lassen. Bei allen Unzulänglichkeiten und bei aller berechtigten Kritik an der konkreten Aktion der Weihekandidatinnen bleibt für mich der "Schwarze Peter" bei der römisch-katholischen Kirchenleitung: der eigentliche Skandal liegt in der Weigerung, die vielfach und über Jahrhunderte bezeugten Berufungen von Frauen zu Priesterinnen anzuerkennen! Die Armseligkeit der amtskirchlichen Argumentationsschwäche zeigt sich ja u.a. auch daran, dass hauptsächlich betont wird, eine Weihe von Frauen sei "nach Kirchenrecht unerlaubt".

Bei der angeblichen "Treue zur Tradition" oder der "Rücksichtnahme auf die Schwesterkirchen" ist Rom ansonsten nicht so zimperlich. Auch die fragwürdigen Auswahlkriterien für Priesteramtskandidaten (Treueeid, Totalgehorsam, häufig Vernachlässigung pastoraler und spiritueller Charismen) oder der unwürdige Umgang mit Bischofsweihen (Titularbischöfe, "absolute Weihen" statt Verbindung zur Diözese, Ernennungen ohne Rücksicht auf Ortskirche oder gar zur Disziplinierung ortskirchlicher Selbständigkeit) sind nicht vergessen.

Die Forderung, die Frauenordination auch in der römisch-katholischen Kirche einzuführen, findet nicht nur meine klandestine Sympathie, ich setze mich seit Jahren auch öffentlich dafür ein (ob es "zu wenig" ist, trotz "päpstlichen Diskussionsverbotes" z.B. Veranstaltungen mit zum Priesteramt berufenen römisch-katholischen Frauen oder altkatholischen Priesterinnen im offiziellen Programm der katholischen Erwachsenenbildung meiner Region durchzuführen oder mit dem Jugendchor meiner römisch-katholischen Pfarrgemeinde Eucharistiefeiern musikalisch mitzugestalten, denen eine altkatholische Priesterin vorsteht, mögen andere beurteilen).

Allerdings bleiben für viele kritische ChristInnen in der konkreten Situation der für den 29.6. geplanten "Priesterinnenweihe" zu viele Bedenken, als dass ich diesen Weg unterstützen kann:

Ich habe die Sorge, dass die Weihekandidatinnen sich gegen berechtigte Kritik immer mehr "selbstimmunisieren". Die Amtskirche wird in ihrer widerwärtigen Tradition der Ausgrenzung diese Frauen, ungeachtet ihrer Charismen, ihrer Lebensgeschichte in und für diese Kirche, stigmatisieren, lächerlich machen und exkommunizieren. Andere, bislang vielleicht vorsichtigere Frauen werden abgeschreckt, ängstlich-abwartende Kirchenleute werden schweigen, das System "römischer Katholizismus" stabilisiert und perfektioniert sich, da die "Unruhestifterinnen" und "Querulantinnen" von nun an "draußen" sind. Das aber kann nicht im Sinne von Gruppen sein, die sich für eine gerechte Kirche und eine gerechte Welt engagieren!


Thomas WystrachDieser Text erscheint auch leicht verändert im IKvu-Rundbrief QuerBlick 2/2002. Der Autor Thomas Wystrach ist Mitglied im Koordinierungskreis der IKvu und setzt sich seit Jahren für die volle Gleichberechtigung von Frauen und Männern in der Kirche ein.

Am 28.11.1998 hat er eine Selbstanzeige wegen Engagements für Frauenordination erstattet, die bisher ohne Folgen blieb.

Kontakt per E-Mail: wystrach@ikvu.de


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